Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

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franktoast
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Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon franktoast » Mi 4. Okt 2017, 13:12

Seit vielen Jahrzehnten sind sich die meisten einig: Durch Automatisierung, die Roboter, Maschinen etc. wird die menschliche Arbeitskraft immer weiter ersetzt. Auch wenn die antizipierte hohe Arbeitslosigkeit nie eintrat, falls diese mal ansteigt, dann liegt es an der Automatisierung. Dass man eine höhere Wirtschaftsleistung nicht erreicht, wenn Produktionsfortschritte sich in Arbeitslosigkeit umwandeln, scheint vielen unklar. Dass ein Großteil aller Jobs aus dem Jahre 1917 heute bereits durch Maschinen erledigt werden, scheint ebenfalls keine Zweifel daran zu erzeugen, dass bald die hohe Arbeitslosigkeit kommt.

Nun gibt es auch viele Gegner dieser Thesen. Es würde ja auch immer neue Herausforderungen geben, die Menschen ausführen müssten. zB. kreative Tätigkeiten wie Youtube-Blogger oder Produktdesigner. Tätigkeiten mit zwischenmenschlichem Bedarf wie Kellnerin oder Seniorenbetreuung/Pflege. Oder Tätigkeiten, die neu oder so individuell sind, dass eine Automatisierung nicht lohnt oder noch nicht da ist.

Oft ist man sich aber einig: Einfache Tätigkeiten würden nach und nach nicht mehr vom Menschen ausgeführt werden. Das bedeutet wiederum, dass man Unmengen in Bildung investieren müsse, da sonst viele Menschen auf der Strecke blieben. Nur die Fähigsten würden noch einen Job haben wie Programmierer, Ingenieure, Ärzte, Manager etc.

Ich will das mal in Frage stellen.
Wir Deutschen lieben Brot bzw. Brötchen. Das war bis vor Kurzem noch ein schwieriges Handwerk. Bäckermeister. Man musste eine Ausbildung machen und in der Regel mitten in der Nacht aufstehen. In der Regel ist ein Bäckermeister von Nöten.
Ich finde, Lidl hat gutes Brot. Dieses Brot wird im Werk mit Maschinen und Fließbandarbeitern hergestellt. Im Laden selber werden diese aufgebacken. -> Man benötigt deutlich weniger ausgebildetes Personal!

Ein Arzt hat einen wahnsinnig schweren Beruf. Egal ob Hausarzt, Internist oder Chirurg. Aber was schafft die Informationstechnologie? Klar, heute wird ein Arzt noch gebraucht, aber wenn ich etwas habe, dann informier ich mich schon mal im Internet. Und wenn ich zum Arzt gehe, hat dieser auch die Möglichkeit auf diverse Daten zuzugreifen. In der Zukunft stellt sich die Frage, ob eine Webcam nicht das Gleiche schafft wie Arzt in dessen Praxis. Bis das so weit ist, könnten spezielle Geräte nur in Praxen vorkommen und ein Pfleger mit 3 Jahren normaler Ausbildung schafft das, was ein Arzt mit 6 Jahrem knochenhartem Studium heute kann. Durch Roboterarme wie Da Vince von https://www.intuitivesurgical.com/ wird Chirurgie nicht nur genauer, sondern der die Ärzte müssen nicht mehr auf einem derartigem hohem Niveau ausgebildet werden.

https://www.rational-online.com/de_de/home/index.php macht irgendwann hoch ausgebildete Köche obsolet, dann kann ein einfacher Lehrling auf ähnlichem Niveau kochen.

Selbst Programmieren wird in der Zukunft einfacher werden.



Was denkt ihr? Wird man in der Zukunft eher nur noch sehr hoch qualifiziertes Personal produktiv einsetzen können?
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Re: Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon Maikel » Mi 4. Okt 2017, 13:25

franktoast hat geschrieben:(04 Oct 2017, 14:12)Seit vielen Jahrzehnten sind sich die meisten einig: Durch Automatisierung, die Roboter, Maschinen etc. wird die menschliche Arbeitskraft immer weiter ersetzt. Auch wenn die antizipierte hohe Arbeitslosigkeit nie eintrat,

Ist das tatsächlich so? Wenn man nur auf D blickt, dann sieht es so aus.
Aber was ist z.B. mit der europaweiten Arbeitslosigkeit?

Kann es sein, daß in D vieles hochautomatisiert hergestellt wird; und unter anderem deshalb z.B. in den EU-Südländern die Arbeitslosigkeit gestiegen ist? (Stichworte Exportüberschuß; Konkurrenzfähigkeit wg. Euro)
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Re: Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon Eisvogel » Mi 4. Okt 2017, 13:25

franktoast hat geschrieben:Ich will das mal in Frage stellen.
Wir Deutschen lieben Brot bzw. Brötchen. Das war bis vor Kurzem noch ein schwieriges Handwerk. Bäckermeister. Man musste eine Ausbildung machen und in der Regel mitten in der Nacht aufstehen. In der Regel ist ein Bäckermeister von Nöten.
Ich finde, Lidl hat gutes Brot. Dieses Brot wird im Werk mit Maschinen und Fließbandarbeitern hergestellt. Im Laden selber werden diese aufgebacken. -> Man benötigt deutlich weniger ausgebildetes Personal!




Nun lässt sich drüber streiten ob Lidl "gutes" Brot hat, wenn man etwas Ahnung von der Materie hat, weiß man, dass das nicht der Fall ist - aber das ist ein anderes Thema. Du wirst dich jedenfalls wundern, was alles an Personal in diesen Brotfabriken herum läuft, angefangen vom Produktionshelfer über den Bäcker über den Maschinenführer oder oder oder...


Den o.g Bäckermeister brauchst du auch heute noch, wenn du eine Bäckerei betreiben möchtest. In Fabriken sieht das anders aus, da diese nicht unter das Handwerk fallen. Für das know how usw benötigst du trotzdem weiterhin Fachkräfte, diese Fachkräfte sind in solchen Fabriken auch heute noch sehr gefragt, glaub mir..ich weiß von was ich rede ich komme aus einer ähnlichen Branche. Ob nun weniger, vor allem deutlich weniger Personal benötigt wird stelle ich in Frage, es wird an manchen stellen lediglich anderes Personal gebraucht.
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Re: Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon Realist2014 » Mi 4. Okt 2017, 13:30

Maikel hat geschrieben:(04 Oct 2017, 14:25)

I

Kann es sein, daß in D vieles hochautomatisiert hergestellt wird; und unter anderem deshalb z.B. in den EU-Südländern die Arbeitslosigkeit gestiegen ist? (Stichworte Exportüberschuß; Konkurrenzfähigkeit wg. Euro)


nein

welche Produkte sollen das denn sein?
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Re: Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon Eisvogel » Mi 4. Okt 2017, 13:34

GAB es in den südlichen Eurostaaten denn überhaupt schon mal eine vergleichbare Wirtschaft, wie sie hier in Deutschland immer war ? Deutsche Produkte haben einen guten Ruf in der Welt, den Süden Europas verbinde ich aber eher mit Sonne,Strand und Meer..
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Re: Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon franktoast » Mi 4. Okt 2017, 14:47

Maikel hat geschrieben:(04 Oct 2017, 14:25)

Ist das tatsächlich so? Wenn man nur auf D blickt, dann sieht es so aus.
Aber was ist z.B. mit der europaweiten Arbeitslosigkeit?

Kann es sein, daß in D vieles hochautomatisiert hergestellt wird; und unter anderem deshalb z.B. in den EU-Südländern die Arbeitslosigkeit gestiegen ist? (Stichworte Exportüberschuß; Konkurrenzfähigkeit wg. Euro)


Arbeitslosigkeit kann viele Ursachen haben. Wir können auch einen Mindestlohn von 100€/h einführen und die hohe Arbeitslosigkeit als Folge der Computertechnologie ansehen ;)

Und nein, es gibt keinerlei Korrelation zu deinen Aussagen. Oder glaubst du, es gibt zB. genau 1 000Mrd. Arbeitsstunden (oder eine andere Zahl) auf der Welt und wenn jemand etwas automatisiert, dann sinkt die Anzahl der Arbeitsstunden. Und wenn ein Deutscher ne Überstunde macht, dann hat irgendjemand anders eine Stunde weniger etwas zu tun?
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Re: Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon franktoast » Mi 4. Okt 2017, 14:51

Eisvogel hat geschrieben:(04 Oct 2017, 14:25)

Nun lässt sich drüber streiten ob Lidl "gutes" Brot hat, wenn man etwas Ahnung von der Materie hat, weiß man, dass das nicht der Fall ist - aber das ist ein anderes Thema. Du wirst dich jedenfalls wundern, was alles an Personal in diesen Brotfabriken herum läuft, angefangen vom Produktionshelfer über den Bäcker über den Maschinenführer oder oder oder...


Den o.g Bäckermeister brauchst du auch heute noch, wenn du eine Bäckerei betreiben möchtest. In Fabriken sieht das anders aus, da diese nicht unter das Handwerk fallen. Für das know how usw benötigst du trotzdem weiterhin Fachkräfte, diese Fachkräfte sind in solchen Fabriken auch heute noch sehr gefragt, glaub mir..ich weiß von was ich rede ich komme aus einer ähnlichen Branche. Ob nun weniger, vor allem deutlich weniger Personal benötigt wird stelle ich in Frage, es wird an manchen stellen lediglich anderes Personal gebraucht.

Natürlich benötigt man noch fähiges Personal. Das hab ich nicht abgestritten. Die Frage ist eher:
Wenn man 1950 1Mio. Brötchen herstellen wollte, wie viele Arbeitsstunden waren hierfür von Nöten (also für Weizen, Strom, Kneten etc.) und wie viele Stunden davon waren von Arbeitskräften mit langjähriger Ausbildung.
Und wie sieht das 2017 aus.

PS: Das Lidl-Brot wird genauso hergestellt wie das in den meisten Bäckereien. Naja, das ist wie mit dem Auge, das ja mitisst, oder ;)
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Re: Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon franktoast » Mi 4. Okt 2017, 15:00

Eisvogel hat geschrieben:(04 Oct 2017, 14:34)

GAB es in den südlichen Eurostaaten denn überhaupt schon mal eine vergleichbare Wirtschaft, wie sie hier in Deutschland immer war ? Deutsche Produkte haben einen guten Ruf in der Welt, den Süden Europas verbinde ich aber eher mit Sonne,Strand und Meer..


Hier mal eine Statistik zur Arbeitslosenquote weltweit. Die Weltbevölkerung ist von 2006 bis heute etwa von 6,Mrd. auf 7,5Mrd. gestiegen.
Nun mal die Arbeitslosigkeit:
https://de.statista.com/statistik/daten ... -weltweit/
Sehr stabil zwischen 5,75 bis 6%.

Was sind die Schlussfolgerungen daraus?
1. Weltweit gab es keine Produktivitätssteigerungen (va. Indien, China und Co. stehen auf der Stelle)
2. Da Nepal, Thailand, Taschikiskahn mit die niedristen Arbeitslosenquoten der Welt haben, ist dort die Produktivität und der Exportüberschuss(bei allen 3 Ländern negativ) am höchsten.
3. Wie Griechenland und der Rest Südeuropas hat die USA eine negative Handelsbilanz. Deutschland nimmt denen die Arbeit weg. Deswegen die hohen Arbeitslosenzahlen in den USA (3-4%)

Wie wunderbar die Welt doch ist :)

Was ist das Problem: Naja, die Schlussfolgerung, Deutschlands Exportüberschuss und hohe Automatisierung sei an den Arbeitslosenzahlen in Südeuropa schuld ist genau ein Fall. Die Länder in Südeuropa sind nun mal vergleichbar und könnten auch andere gemeinsame Ursachen haben.
Eigentlich geht man so vor: Man stellt eine These auf (vielleicht basierend auf den Fall). Dann sucht man 10-20 vergleichbare Fälle und prüft seine These.

Außer es passt grad in den Kram. Ein Fall, eine These, fertig.
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Re: Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon Eisvogel » Mi 4. Okt 2017, 18:21

franktoast hat geschrieben:
PS: Das Lidl-Brot wird genauso hergestellt wie das in den meisten Bäckereien. Naja, das ist wie mit dem Auge, das ja mitisst, oder ;)



Nö..wird es nicht..hat auch nichts mit dem Auge zu tun, optisch ist das Lidl Brot ja nicht verkehrt, aber das ist ein anderes Thema.


Die Vorgänge von 1950 bis heute in einer Bäckerei haben sich bis heute nicht großartig verändert, es ist wie in allen Branchen mehr Technik hinzu gekommen..die will aber bedient und vor allem gewartet werden. So ist das jedenfalls in den Industriebäckereien, beim "Bäcker um die Ecke" hat sich da personell und technisch nicht all zu viel verändert. Ich behaupte einfach mal, dass Automatisierung in den "richtigen" Bereichen und Branchen durchaus Sinn machen kann, im Gegenzug gibt es aber auch Fälle in denen eine Automatisierung schlicht nicht rentabel ist oder entsprechende Arbeiten einfach nicht ausführen kann. In den 30iger Jahren gab es weit weniger Automatisierung als heute, trotzdem gab es eine Massenarbeitslosigkeit, die hatte natürlich nicht nur einen Grund aber Fakt ist nun mal auch, dass durch die Automatisierung in den letzten Jahrzehnten neue Jobs entstanden sind..andere hingegen fielen oft aus Kostengründen einfach weg.
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Re: Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon franktoast » Do 5. Okt 2017, 07:45

Eisvogel hat geschrieben:(04 Oct 2017, 19:21)

Nö..wird es nicht..hat auch nichts mit dem Auge zu tun, optisch ist das Lidl Brot ja nicht verkehrt, aber das ist ein anderes Thema.


Die Vorgänge von 1950 bis heute in einer Bäckerei haben sich bis heute nicht großartig verändert, es ist wie in allen Branchen mehr Technik hinzu gekommen..die will aber bedient und vor allem gewartet werden. So ist das jedenfalls in den Industriebäckereien, beim "Bäcker um die Ecke" hat sich da personell und technisch nicht all zu viel verändert.

Die meisten Bäckereien lassen sich von der Industriebäckerei beliefern bzw. backen selber nur auf. So wie das Lidl auch macht.

Ich behaupte einfach mal, dass Automatisierung in den "richtigen" Bereichen und Branchen durchaus Sinn machen kann, im Gegenzug gibt es aber auch Fälle in denen eine Automatisierung schlicht nicht rentabel ist oder entsprechende Arbeiten einfach nicht ausführen kann. In den 30iger Jahren gab es weit weniger Automatisierung als heute, trotzdem gab es eine Massenarbeitslosigkeit, die hatte natürlich nicht nur einen Grund aber Fakt ist nun mal auch, dass durch die Automatisierung in den letzten Jahrzehnten neue Jobs entstanden sind..andere hingegen fielen oft aus Kostengründen einfach weg.

In welchem Bereich macht denn Automatisierung keinen Sinn?

Um das mal nochmal ganz deutlich zu sagen: Ziel der Wirtschaft ist es nicht, Arbeit(splätze) zu schaffen, sondern mit möglichst wenig Arbeitsstunden möglichst viel herzustellen. Dabei gilt: Je mehr Arbeitsstunden jemand leistet, desto mehr Güter stellt er her, desto mehr verdient er, desto mehr kann er konsumieren (wird ja auch mehr hergestellt), aber desto weniger Zeit hat er den Konsum bzw. Freizeit zu genießen. "Arbeit" ist immer genug da. Natürlich könnte heute auch jeder 80std die Woche arbeiten, dann wäre das BIP womöglich etwa 2mal so hoch. Dann kann jeder doppelt so viel ausgeben, aber es gäbe kaum Freizeit. Das macht also selten Sinn. In einem eher armen Land (unproduktiv) macht das deutlich mehr Sinn. In Deutschland muss man ja nur 1-2std am Tag arbeiten, um die Basics abzudecken, in einem armen Land eher 10std. Da macht es wenig Sinn, wenn man in Letzterem nur 8std am Tag arbeitet, um dann in der vielen Freizeit zu hungern.
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Re: Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon Quatschki » Do 5. Okt 2017, 07:59

Wenn ich mir die Arbeit in Supermärkten, Fastfood-Ketten, in Logistikzentren, beim Hotel-Roomservice oder teilweise auch im Pflegedienst anschaue, habe ich das Gefühl, dass der Taylorismus eher zugenommen hat.
Jeder Handgriff der Beschäftigten dort ist genormt, auf die Sekunde durchkalkuliert und zertifiziert, jede Abweichung, jede Kreativität unerwünscht. Das Gehirn kann man getrost zuhause lassen.
Was menschlicher Wahn erschuf, kann durch menschliche Einsicht überwunden werden.
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Re: Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon Realist2014 » Do 5. Okt 2017, 08:38

Quatschki hat geschrieben:(05 Oct 2017, 08:59)

Wenn ich mir die Arbeit in Supermärkten, Fastfood-Ketten, in Logistikzentren, beim Hotel-Roomservice oder teilweise auch im Pflegedienst anschaue, habe ich das Gefühl, dass der Taylorismus eher zugenommen hat.
Jeder Handgriff der Beschäftigten dort ist genormt, auf die Sekunde durchkalkuliert und zertifiziert, jede Abweichung, jede Kreativität unerwünscht. Das Gehirn kann man getrost zuhause lassen.


hier muss ich dir widersprechen

die notwendigen Prozesse sind zwar als Verfahren determiniert ( vom Unternehmen) , allerdings setzt die Umsetzung dieser Verfahren jeweils entsprechende Kompetenzen voraus.
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Re: Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon Tom Bombadil » Do 5. Okt 2017, 08:39

Ein Beispiel: http://www.n-tv.de/wirtschaft/Adidas-ba ... 69641.html

Wie sehr Industrie 4.0 die Wirtschaft verändern wird, wurde ja auch schon häufig diskutiert. Menschen, die dann noch Arbeit haben (am wahrscheinlichsten im kreativen Bereich), werden auch mehr wie die "digitalen Nomaden" arbeiten, sie haben keinen festen Job mehr, sondern arbeiten an verschiedenen Projekten mit verschiedenen Auftraggebern überall auf der Welt.

Ich bin davon überzeugt, dass sich die Zeit der Massenarbeit dem Ende entgegen neigt, ob es möglich sein wird, dass jeder als Einzelkämpfer sein Feld findet, wird man abwarten müssen. Unser Sozialstaat sollte sich aber darauf vorbereiten, außer von Nahles hört man aus der Richtung sehr wenig von der Politik. Das lässt befürchten, dass man - wie vor zwei Jahren - völlig überrascht von der Entwicklung sein wird und dann wie Ochs vor'm Berge steht und nicht weiß, was man machen soll.
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Re: Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon Realist2014 » Do 5. Okt 2017, 08:43

Tom Bombadil hat geschrieben:(05 Oct 2017, 09:39)

Ein Beispiel: http://www.n-tv.de/wirtschaft/Adidas-ba ... 69641.html

Wie sehr Industrie 4.0 die Wirtschaft verändern wird, wurde ja auch schon häufig diskutiert. Menschen, die dann noch Arbeit haben (am wahrscheinlichsten im kreativen Bereich), werden auch mehr wie die "digitalen Nomaden" arbeiten, sie haben keinen festen Job mehr, sondern arbeiten an verschiedenen Projekten mit verschiedenen Auftraggebern überall auf der Welt.

Ich bin davon überzeugt, dass sich die Zeit der Massenarbeit dem Ende entgegen neigt, ob es möglich sein wird, dass jeder als Einzelkämpfer sein Feld findet, wird man abwarten müssen. Unser Sozialstaat sollte sich aber darauf vorbereiten, außer von Nahles hört man aus der Richtung sehr wenig von der Politik. Das lässt befürchten, dass man - wie vor zwei Jahren - völlig überrascht von der Entwicklung sein wird und dann wie Ochs vor'm Berge steht und nicht weiß, was man machen soll.


unser "Sozialstaat" ist vorbereitet. Unser System mit ALG II funktioniert auch bei einer "Arbeitslosigkeit" von 30%.

die Einführung eines "BGE" wäre keine "Vorbereitung"

diese These der "wegfallenden Arbeit" gibt es nun seit 200 Jahren

somit sind alle "Prognosen" der "Folgen" von Industry 4.0 reine Glaskugelbetrachtung . Auch wenn manche wie du davon "überzeugt" sind
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Re: Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon Tom Bombadil » Do 5. Okt 2017, 08:48

Realist2014 hat geschrieben:(05 Oct 2017, 09:43)

Unser System mit ALG II funktioniert auch bei einer "Arbeitslosigkeit" von 30%.

Quelle? Und wie ist es bei 50 oder 70%?

somit sind alle "Prognosen" der "Folgen" von Industry 4.0 reine Glaskugelbetrachtung

Gähn. Jeder Versuch, in die Zukunft zu blicken, ist dann eine "reine Glaskugelbetrachtung".
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Re: Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon franktoast » Do 5. Okt 2017, 08:50

Tom Bombadil hat geschrieben:(05 Oct 2017, 09:39)

Ein Beispiel: http://www.n-tv.de/wirtschaft/Adidas-ba ... 69641.html

Wie sehr Industrie 4.0 die Wirtschaft verändern wird, wurde ja auch schon häufig diskutiert. Menschen, die dann noch Arbeit haben (am wahrscheinlichsten im kreativen Bereich), werden auch mehr wie die "digitalen Nomaden" arbeiten, sie haben keinen festen Job mehr, sondern arbeiten an verschiedenen Projekten mit verschiedenen Auftraggebern überall auf der Welt.

Ich bin davon überzeugt, dass sich die Zeit der Massenarbeit dem Ende entgegen neigt, ob es möglich sein wird, dass jeder als Einzelkämpfer sein Feld findet, wird man abwarten müssen. Unser Sozialstaat sollte sich aber darauf vorbereiten, außer von Nahles hört man aus der Richtung sehr wenig von der Politik. Das lässt befürchten, dass man - wie vor zwei Jahren - völlig überrascht von der Entwicklung sein wird und dann wie Ochs vor'm Berge steht und nicht weiß, was man machen soll.


Schöne Meinung. Aber ich hab den Thread eigentlich nicht aufgemacht, damit jemand die Standardmeinung wiedergibt, ohne auf meine Argumente einzugehen.

Und findest du nicht, dass die Politik erst dann etwas machen sollte, wenn sich deine Befürchtung als bewahrheitet? Ich meine, Schwarzseher gibt es immer. Es liegt sogar in der menschlichen Natur, die Vergangenheit aufzuwerten und die Zukunft negativ zu betrachten, aber in der Regel bleibt es Fantasie. Weißt du, was man vor 50 Jahren gedacht hat. Wegen der Überbevölkerung würde bald der Hunger immense Ausmaße annehmen und damals musste 50% der Weltbevölkerung hungern. Vor 50 Jahren, die glorreiche Nachkriegszeit (Wirtschaftswunder etc.). Selbst da war man pessimistisch.

Anstatt dass man neue Technologien herbeisehnt, scheint die Angst zu überwiegen. Schade.
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Re: Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon Tom Bombadil » Do 5. Okt 2017, 08:53

Ich meine, man sollte sich seitens der Politik auf alle möglichen Szenarien einstellen, macht man beim CO2-Ausstoß ja auch, da hat Merkel Pläne bis zum Jahr 2050. Warum nicht auch für den Arbeitsmarkt? Und wie kommst du darauf, dass ich ein Schwarzseher wäre? Die Zukunft ohne harte Arbeit wird toll für unsere Kinder und Enkel, sie werden viel mehr vom Leben haben als wir.
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Re: Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon Realist2014 » Do 5. Okt 2017, 08:53

Tom Bombadil hat geschrieben:(05 Oct 2017, 09:48)

Quelle? Und wie ist es bei 50 oder 70%?


Gähn. Jeder Versuch, in die Zukunft zu blicken, ist dann eine "reine Glaskugelbetrachtung".



dann erläutere doch mal, welche konkreten Maßnahmen "die Politik" deiner Meinung nach im Hinblick auf "die Sozialsysteme" treffen sollte
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Re: Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon Tom Bombadil » Do 5. Okt 2017, 08:55

Realist2014 hat geschrieben:(05 Oct 2017, 09:53)

dann erläutere doch mal, welche konkreten Maßnahmen "die Politik" deiner Meinung nach im Hinblick auf "die Sozialsysteme" treffen sollte

Da du mal wieder auf keine meiner Fragen eingehst, werde ich dir rein gar nichts erläutern.
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Re: Automatisierung: Werden einfache Tätigkeiten stärker oder weniger stark nachgefragt?

Beitragvon Realist2014 » Do 5. Okt 2017, 08:56

Tom Bombadil hat geschrieben:(05 Oct 2017, 09:53)

Ich meine, man sollte sich seitens der Politik auf alle möglichen Szenarien einstellen, macht man beim CO2-Ausstoß ja auch, da hat Merkel Pläne bis zum Jahr 2050. Warum nicht auch für den Arbeitsmarkt? Und wie kommst du darauf, dass ich ein Schwarzseher wäre? Die Zukunft ohne harte Arbeit wird toll für unsere Kinder und Enkel, sie werden viel mehr vom Leben haben als wir.



was bedeutet denn "einstellen"?

beim CO2 Austoss gibt es klar definierte Ziele, die durch Maßnahmen erreicht werden sollen

WAS sind den bei HIER die "Ziele"?

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