Wo kommt die Rendite her?

Moderator: Moderatoren Forum 1

Benutzeravatar
BlueMonday
Beiträge: 1330
Registriert: Mo 14. Jan 2013, 17:13

Re: Wo kommt die Rendite her?

Beitragvon BlueMonday » Mo 25. Sep 2017, 10:22

Maltrino hat geschrieben:(23 Sep 2017, 02:36)

Oder ist es einfach so, dass von Leuten wie mir erwartet wird, dass sie alles Wirtschaftswachstum in diesem Land im Alleingang erwirtschaften, damit es Beamte geben kann die nichts erwirtschaften?


Dir ist schon klar, dass es mehr als nur einen Produktionsfaktor ("Arbeit") gibt?

Wenn du mit deiner reinen Arbeitskraft alles allein bewerkstelligen könntest, dann brauchst du dich gar nicht seit Jahren über solche Fragen zu grämen, denn du bräuchtest überhaupt keine Anstellung. Niemand bräuchte die. Aber offenbar kommt produktiver Output erst durch das möglichst passende Zusammenspiel mehrerer Faktoren heraus. So ein Auto bspw. benötigt Ressourcen, Rohstoffe, Maschinen und tausend andere Dinge mehr - neben der unmittelbaren Arbeitskraft bei der (End)Fertigung. Und allein davon, dass ein Mitarbeiter an seiner Arbeitstelle seinen Arbeitsvertrag erfüllt, entsteht auch kein Wirtschaftswachstum.

Dazu muss schon die Produktivität gesteigert werden. Das ist auf der Seite des "Humankapitals" auch nur recht begrenzt möglich. Oft geht es da eher in die andere Richtung. Wachstum ist möglich, wenn die Produktionsabläufe optimiert werden, wenn bessere Maschinen eingesetzt werden, wenn Maschinen Menschen ersetzen, wenn Ressourcen effizienter eingesetzt werden können etc. Wenn auf einem Quadratmeter Boden durch neue Anbaumethoden, bessere Düngung, bessere Sorten etc. die doppelte Menge Getreide wächst, erreicht man Wachstum. Oder dadurch, dass man das Getreide mit einer Maschine mäht statt per Sense. Allein dadurch, dass ein Angestellter Monat für Monat die gleiche Arbeit leistet, wächst der wirtschaftliche Output hingegen nicht.
But who would build the roads?
KarlRanseier
Beiträge: 361
Registriert: Fr 14. Jul 2017, 19:43

Re: Wo kommt die Rendite her?

Beitragvon KarlRanseier » Mo 25. Sep 2017, 17:31

Realist2014 hat geschrieben:(25 Sep 2017, 10:51)



warum sollte das "Ausbeutung" sein?

möchtet du , das ALLE dann SELBSTÄNDIG arbeiten?

oder was?

Das vom Arbeitgeber investierte Eigenkapital muss ja auch eine Rendite abwerfen.



Ja, das ist die "Logik" des Kapitalismus, aber man wird sie doch hinterfragen dürfen. Warum müssen Menschen dafür bluten, dass Andere sehr viel Geld haben? Ist es die Schuld des Arbeitnehmers, dass sein Arbeitgeber so viel Geld hat und eine Rendite wünscht?

Das ist ein generelles Problem, wie bei den Zinsen. Gewinne ich nächste Woche 5 Millionen Euro im Lotto, lege ich sie so an, dass ich von den Zinsen leben kann. Woher leitet sich aber das Recht ab, Andere für sich arbeiten zu lassen, die Zinsen fallen ja bekanntlich nur selten vom Himmel? Das System ist doch absurd. Die Geldmenge wächst viel schneller als die Menge der Dienstleistungen und Waren.
Benutzeravatar
Realist2014
Beiträge: 34835
Registriert: Mo 26. Mai 2014, 14:12
Benutzertitel: Sozialer Marktwirtschaftler
Wohnort: München , Stadt des FC Bayern

Re: Wo kommt die Rendite her?

Beitragvon Realist2014 » Mo 25. Sep 2017, 17:44

KarlRanseier hat geschrieben:(25 Sep 2017, 18:31)

Ja, das ist die "Logik" des Kapitalismus, aber man wird sie doch hinterfragen dürfen. Warum müssen Menschen dafür bluten, dass Andere sehr viel Geld haben? Ist es die Schuld des Arbeitnehmers, dass sein Arbeitgeber so viel Geld hat und eine Rendite wünscht?

Das ist ein generelles Problem, wie bei den Zinsen. Gewinne ich nächste Woche 5 Millionen Euro im Lotto, lege ich sie so an, dass ich von den Zinsen leben kann. Woher leitet sich aber das Recht ab, Andere für sich arbeiten zu lassen, die Zinsen fallen ja bekanntlich nur selten vom Himmel? Das System ist doch absurd. Die Geldmenge wächst viel schneller als die Menge der Dienstleistungen und Waren.


oh man

der Dummfug fährt wieder mit den üblichen linken Schaukelpferdchen Karussell :D


Wie immer aus dem Land der ökonomisch völlig Ahnungslosen...

köstlich...
Benutzeravatar
Skull
Vorstand
Beiträge: 15253
Registriert: Do 12. Apr 2012, 21:22
Benutzertitel: woaussie
Wohnort: NRW
Kontaktdaten:

Re: Wo kommt die Rendite her?

Beitragvon Skull » Mo 25. Sep 2017, 17:47

Guten Abend,

für das Thema Zinsen haben wir doch schon einen Thread.

HIER also...nicht bitte schon wieder.

Danke.
Man dient für Lohn und liebt sich für Geschenke
Benutzeravatar
franktoast
Beiträge: 2685
Registriert: So 29. Jun 2014, 09:24

Re: Wo kommt die Rendite her?

Beitragvon franktoast » Di 26. Sep 2017, 11:39

Skull hat geschrieben:(25 Sep 2017, 08:20)

Die Verwaltung, die Ausstattung, das Büro, Fahrzeuge ... und alles andere auch nicht.

mfg

Zu allem anderen gehört nun mal auch das Risiko bzw. Rendite auf Erspartes. Ein Unternehmer hat ja weder sichere Gewinne, noch tut er das für 0€ Gewinn.

Oft leistet ein Arbeitnehmer auch Arbeit, für die es nix vom Kunden gibt zB. bei der Vertragsanbahnung. Kunde legt Lastenheft vor, Arbeitnehmer erstellt mit sehr viel Aufwand ein Pflichtenheft und Kunde lehnt ab. Sofern man nix anderes vereinbart hat, entstehen dem Arbeitgeber hier nur Kosten.

In meiner Branche ist es üblich, dass mein Arbeitgeber etwa das 5fache an Stundensatz verlangt, was mir brutto bleibt. Eben weil man auch sehr viele Tätigkeiten hat, die nicht mit dem Stundentarif vom Kunden bezahlt werden.
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
Benutzeravatar
Maltrino
Beiträge: 248
Registriert: Fr 8. Jan 2016, 12:40

Re: Wo kommt die Rendite her?

Beitragvon Maltrino » Mi 27. Sep 2017, 06:32

BlueMonday hat geschrieben:(25 Sep 2017, 11:22)

...
Wenn du mit deiner reinen Arbeitskraft alles allein bewerkstelligen könntest, dann brauchst du dich gar nicht seit Jahren über solche Fragen zu grämen, denn du bräuchtest überhaupt keine Anstellung. Niemand bräuchte die. Aber offenbar kommt produktiver Output erst durch das möglichst passende Zusammenspiel mehrerer Faktoren heraus. So ein Auto bspw. benötigt Ressourcen, Rohstoffe, Maschinen und tausend andere Dinge mehr - neben der unmittelbaren Arbeitskraft bei der (End)Fertigung. ...


Das ist jetzt zwar nicht unbedingt worauf ich hinauswollte, aber gut. Du sagst nämlich etwas sehr interessantes: Dass es für die Menschen heutzutage nicht möglich ist aus eigener Arbeitskraft alles zu bewerkstelligen. Das heißt du bestätigst, dass der Glaubenssatz, dass jeder aus eigener Kraft alles erreichen kann, auf dem unsere Gesellschaft zum großen Teil beruht, nicht stimmt. Wobei: Es gab offenbar Zeiten wo das anders war, sonst wären ganze Kulturen ausgestorben die darauf beruhten dass jede Familie ein paar Kühe hat, ein Zelt und damit durch die Gegend zieht...

Aber gut, was das "möglichst passende Zusammenspiel mehrerer Faktoren" und die " Ressourcen, Rohstoffe, Maschinen und tausend andere Dinge mehr" angeht, so muss man ja auch sagen: Das sagt erstmal nur aus, dass es Arbeitsteilung braucht zwischen verschiedenen Menschen die verschiedene Talente oder Sachen besitzen. Und auch dieses Zusammenspiel wird inzwischen mehr und mehr aktiv verhindert indem den Leuten gesagt wird sie sollen ihr "eigenes Ding" machen und möglichst Leute aussortieren die nicht ins Team oder in den Betrieb "passen" usw. Diese ganzen seltsamen "Start-Ups" die heutzutage untergehen oder gefeiert werden, wo Frauen Marmelade einkochen und das dann unter einem hippen Namen verkaufen, oder Typen in der Garage "Craft Beer" herstellen... oder noch schlimmer, irgendwelche "Designer" die alleine eine "Agentur für Kommunikationsdesign" betreiben... Null Potential für Wachstum da kein Zusammenspiel vieler Faktoren. Und niemand der den Leuten das sagt.

Du sagst also (richtigerweise), dass heutzutage Produktivität dadurch entsteht wenn Leute und Länder die unterschiedliche Ressourcen, Maschinen und Fähigkeiten haben zusammenarbeiten. Ja, dann sollen die Leute das auch sagen und umsetzen hier in Deutschland und anderswo. Wie gesagt, stattdessen kriegt man nur sowas zu hören wie "Dir gibt nur jemand was, wenn du ihm dreimal so viel gibt..." Wo ist da das Zusammenspiel?

Und zu meinem Beispiel wo mein Auftraggeber 55 Euro bekommt und ich 40 Euro davon kriege... Keine Ahnung ob sich das lohnt. Ich weiß nur, wenn er mehr als 55 Euro vom Endkunden verlangen würde würde kein geschöft zustandekommen und wenn ich weniger als 40 Euro bekommen würde, würde ich das nicht machen. Deshalb bleibt keine Wahl. Aber ich vermute es macht trotzdem irgendwie Sinn... Aber gut, das können wir hier nicht klären.
Wie ihr seht, habe ich jetzt auch ein Profilbild wo das Portrait eines großen politischen Denkers aus der Vergangenheit abgebildet ist. Damit ist jetzt jede meiner Aussagen wahr und absolut seriös.
Essigschurke

Re: Wo kommt die Rendite her?

Beitragvon Essigschurke » Mi 27. Sep 2017, 22:19

es gibt einen Wert, um das Problem mathematisch darzustellen. Dabei vergleichen wir vereinfacht die Kapitalrendite eines Unternehmens mit den Zinsen, die das gleiche Geld auf dem Markt bekommen würde. Je nach Branche liegt der Wert etwa so 2-8% über dem, was man an sicheren Zinsen bekommen ( also derzeit fast nix). dagegen steht das Risiko, das dass Unternehmen Ausfälle, Steiks, Pannen usw hatt.
Um es auf den Punkt zu brigen, der Satz den Du Eingangs zitiert hast war hahnebüchener Unsinn
Benutzeravatar
franktoast
Beiträge: 2685
Registriert: So 29. Jun 2014, 09:24

Re: Wo kommt die Rendite her?

Beitragvon franktoast » Do 28. Sep 2017, 13:50

Maltrino hat geschrieben:(27 Sep 2017, 07:32)

Das ist jetzt zwar nicht unbedingt worauf ich hinauswollte, aber gut. Du sagst nämlich etwas sehr interessantes: Dass es für die Menschen heutzutage nicht möglich ist aus eigener Arbeitskraft alles zu bewerkstelligen.

Was soll denn bedeuten "alles zu bewekstellenigen"? Nimm mal einen einfachen Job, damit verdient man etwa 1500€ im Monat. Jetzt überleg mal, was man damit alles kaufen kann. Essen, Trinken, Medizin, Computer, Kleidung, transport etc. Jetzt geht die Person in den Dschungel von Brasilien und bekommt 5 Hektar Land, nackt, kein Werkzeug, nix. Meinst du, die Person kann sich nun in 20 Arbeitstagen die gleichen Güter herstellen?

Unsre Gesellschaft basiert auf Menschen, die sich stark auf Arbeitsteilung und Kapitalakkumulation bezieht. Deswegen sind wir auch so derartig reich. Ein Einzelner kann das logischer nicht schaffen. Es geht nur durch Arbeitsteilung!
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
Benutzeravatar
ThorsHamar
Beiträge: 20290
Registriert: Di 19. Mai 2009, 21:53
Benutzertitel: Jury Jury
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Wo kommt die Rendite her?

Beitragvon ThorsHamar » Do 28. Sep 2017, 15:03

Maltrino hat geschrieben:(25 Sep 2017, 00:36)

Also nochmal: Macht es Sinn, wenn jemand sagt, "Du bekommst nur einen Job, wenn du deinem Arbeitgeber 3 mal mehr Geld einbringst als du ihn kostest!"?


Von der fürchterlichen Schreibweise mal abgesehen:
Das kann man auf das Doppelte reduzieren, wenn Du dem Arbeitgeber sagst, dass Du Dir eine eigene Drehmaschine gekauft hast .... :cool:
Benutzeravatar
Maltrino
Beiträge: 248
Registriert: Fr 8. Jan 2016, 12:40

Re: Wo kommt die Rendite her?

Beitragvon Maltrino » Fr 29. Sep 2017, 03:20

franktoast hat geschrieben:(28 Sep 2017, 14:50)

Was soll denn bedeuten "alles zu bewekstellenigen"? Nimm mal einen einfachen Job, damit verdient man etwa 1500€ im Monat. Jetzt überleg mal, was man damit alles kaufen kann. Essen, Trinken, Medizin, Computer, Kleidung, transport etc. Jetzt geht die Person in den Dschungel von Brasilien und bekommt 5 Hektar Land, nackt, kein Werkzeug, nix. Meinst du, die Person kann sich nun in 20 Arbeitstagen die gleichen Güter herstellen?

Unsre Gesellschaft basiert auf Menschen, die sich stark auf Arbeitsteilung und Kapitalakkumulation bezieht. Deswegen sind wir auch so derartig reich. Ein Einzelner kann das logischer nicht schaffen. Es geht nur durch Arbeitsteilung!


Aus einem FDP Positionspapier:

"Nach dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe soll der Sozialstaat jedem Bürger die
Chance sichern, so weit wie möglich aus eigener Kraft ein selbst bestimmtes Leben
führen zu können.

Nach dem Leistungsprinzip soll jeder Bürger die Chance bekommen, seine Lebenssituation
eigenverantwortlich durch eigene Leistung zu verbessern. "


EIGENE KRAFT
SELBST BESTIMMT
EIGENVERANTWORTLICH
EIGENE LEISTUNG

Und die FDP ist ja nicht die einzige die das sagt.

Nein, die Person im Dschungel kann natürlich in absehbarer Zeit keinen Computer, kein Auto und keine Aspirin oder Beinprotesen herstellen. Aber laut dem was ich über 30 Jahre lang in Deutschland, in der Schule, im Jobcenter und von anderen deutschen Menschen gelernt habe ist sie 100% SELBST SCHULD, dass sie das nicht kann. Wie kann es sein dass Leute mit einem dicken Auto vorfahren und einem sagen, sie haben sich das "selbst verdient"? Wenn jemand anderes das Auto nicht gebaut hätte, dann hätten sie es nicht.

Natürlich merkt die FDP selber, dass nicht alles "aus eigener Kraft" möglich ist, und fügt deshalb ein "so weit wie möglich" ein. Das Resultat ist aber eine widersprüchliche Philosophie, die darauf basiert, dass man "aus eigener Kraft" alles schaffen kann aber man weiß dass es nicht geht. Wenn ich aber weiß, dass ein Mensch nicht 100% alles aus eigener Kraft erreichen kann, dann ändert das alles.

Du schreibst wir sind so reich weil wir Arbeitsteilung machen. Ja stimmt wohl. Und weil wir nicht im Dschungel oder in Sibirien leben sondern in einem Land ohne extremes Klima und wo in jedem Sommer der Regen von alleine vom Himmel fällt ohne dass ein Bauer sich um Wasser bemühen muss. Der einzelne in Deutschland ist also so reich weil andere auch (für ihn) arbeiten und weil er Sachen aus der Umwelt "mitnimmt". Aber das führt mich auch zu dem Schluss dass wir ärmer werden wenn sich das durchsetzt was ich in Gründer Wettbewerben oder bei Start Up Veranstaltungen sehe: Dass jeder sein eigenes Ding macht und die Anzugträger diese leute auch noch dabei bestärken anstatt dass man denen sagt "Meine Güte, hier sind 10 Leute die jeweils alleine versuchen mit einem eigenen Unternehmen einen smarten Reiseführer, einen smarten Restaurantführer, eine smarte Sonnenbrille oder einen smarten Fahrradnavigator oder sonstwas zu entwickeln, warum tut ihr euch nicht einfach mal zusammen? Dann könnt ihr Ressourcen gemeinsam nutzen!" Aber das passiert doch gar nicht. Stattdessen immer nur "eigene Kraft", "selbst bestimmt", "eigenverantwortlich", "alleine", "EIGENES DING MACHEN!"

So, genug gejammert. Aber ist doch wahr.
Wie ihr seht, habe ich jetzt auch ein Profilbild wo das Portrait eines großen politischen Denkers aus der Vergangenheit abgebildet ist. Damit ist jetzt jede meiner Aussagen wahr und absolut seriös.
Benutzeravatar
Dampflok94
Beiträge: 11266
Registriert: Mo 2. Jun 2008, 16:59
Benutzertitel: Betriebsrat
Wohnort: Berlin

Re: Wo kommt die Rendite her?

Beitragvon Dampflok94 » Fr 29. Sep 2017, 10:02

Maltrino hat geschrieben:(27 Sep 2017, 07:32)

Das ist jetzt zwar nicht unbedingt worauf ich hinauswollte, aber gut. Du sagst nämlich etwas sehr interessantes: Dass es für die Menschen heutzutage nicht möglich ist aus eigener Arbeitskraft alles zu bewerkstelligen. Das heißt du bestätigst, dass der Glaubenssatz, dass jeder aus eigener Kraft alles erreichen kann, auf dem unsere Gesellschaft zum großen Teil beruht, nicht stimmt. Wobei: Es gab offenbar Zeiten wo das anders war, sonst wären ganze Kulturen ausgestorben die darauf beruhten dass jede Familie ein paar Kühe hat, ein Zelt und damit durch die Gegend zieht...

Es gab nie Zeiten, in denen das anders war. Denn auch in den Zeiten,die Du beschreibst, war man auf die Familie angewiesen. Als Einzelkämpfer wäre man untergegangen. Dieses "Jeder ist seines Glückes Schmied" stimmt halt nicht.
Leute kauft mehr Dampflokomotiven!!!
Benutzeravatar
franktoast
Beiträge: 2685
Registriert: So 29. Jun 2014, 09:24

Re: Wo kommt die Rendite her?

Beitragvon franktoast » Fr 29. Sep 2017, 11:46

Maltrino hat geschrieben:(29 Sep 2017, 04:20)

Aus einem FDP Positionspapier:

"Nach dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe soll der Sozialstaat jedem Bürger die
Chance sichern, so weit wie möglich aus eigener Kraft ein selbst bestimmtes Leben
führen zu können.

Nach dem Leistungsprinzip soll jeder Bürger die Chance bekommen, seine Lebenssituation
eigenverantwortlich durch eigene Leistung zu verbessern. "


EIGENE KRAFT
SELBST BESTIMMT
EIGENVERANTWORTLICH
EIGENE LEISTUNG

Und die FDP ist ja nicht die einzige die das sagt.

Daran ist ja auch nix auszusetzen. Da steht ja nicht "Eigene Kraft ohne Austausch oder Zusammenarbeit mit anderen Menschen".

Nein, die Person im Dschungel kann natürlich in absehbarer Zeit keinen Computer, kein Auto und keine Aspirin oder Beinprotesen herstellen. Aber laut dem was ich über 30 Jahre lang in Deutschland, in der Schule, im Jobcenter und von anderen deutschen Menschen gelernt habe ist sie 100% SELBST SCHULD, dass sie das nicht kann. Wie kann es sein dass Leute mit einem dicken Auto vorfahren und einem sagen, sie haben sich das "selbst verdient"? Wenn jemand anderes das Auto nicht gebaut hätte, dann hätten sie es nicht.

Es geht ja um den Wert der Güter, die man selber herstellst. Wenn du jedes Monat Güter im Wert von 3000€ herstellst, dann tauscht du diese gegen Geld und kannst wiederum diese Güter kaufen. Wer daran schuld hat, dass eine Person nur Güter im Wert von 1000€ herstellt, kann vielfältig sein. Man kann hier auch ne Diskussion zum freien Willen anstoßen, letztlich kann also niemand für seine Taten was. Ja, der Mörder konnte ja nix dafür, als Kind selber misshandelt zu werden. Trotzdem ist es richtig, die Gesellschaft vor dieser Person zu schützen und wegzusperren. Jemand kann nix dafür, dass er dumm ist oder zwei linke Hände hat, aber trotzdem ist es richtig, dieser Person nicht so viel zu bezahlen wie anderen. Denn ein wesentlicher Faktor ist immer der Anreiz.



Du schreibst wir sind so reich weil wir Arbeitsteilung machen. Ja stimmt wohl. Und weil wir nicht im Dschungel oder in Sibirien leben sondern in einem Land ohne extremes Klima und wo in jedem Sommer der Regen von alleine vom Himmel fällt ohne dass ein Bauer sich um Wasser bemühen muss. Der einzelne in Deutschland ist also so reich weil andere auch (für ihn) arbeiten und weil er Sachen aus der Umwelt "mitnimmt". Aber das führt mich auch zu dem Schluss dass wir ärmer werden wenn sich das durchsetzt was ich in Gründer Wettbewerben oder bei Start Up Veranstaltungen sehe: Dass jeder sein eigenes Ding macht und die Anzugträger diese leute auch noch dabei bestärken anstatt dass man denen sagt "Meine Güte, hier sind 10 Leute die jeweils alleine versuchen mit einem eigenen Unternehmen einen smarten Reiseführer, einen smarten Restaurantführer, eine smarte Sonnenbrille oder einen smarten Fahrradnavigator oder sonstwas zu entwickeln, warum tut ihr euch nicht einfach mal zusammen? Dann könnt ihr Ressourcen gemeinsam nutzen!" Aber das passiert doch gar nicht. Stattdessen immer nur "eigene Kraft", "selbst bestimmt", "eigenverantwortlich", "alleine", "EIGENES DING MACHEN!"

Marktwirtschaft bedeutet in erster Linie Zusammenarbeit bzw. Arbeitsteilung und nicht Wettbewerb/"gegen andere". Niemand propagiert, dass jeder nur für sich arbeitet.

Und zum Klima in Europa? Ja, das ist nicht schlecht, aber es gibt kalte Winter, die es in wärmeren Breitengraden nicht gibt. Nähe des Äquators regnet es sogar noch mehr. Allerdings ist es oft drückend warm. Jede Region hat seine Vor- und Nachteile. Auch Rohstoffe wie Kohle und deren Nutzbarmachung hat Europa einen entscheidenden Vorsprung gebracht.
Allerdings gab es auch andere Regionen auf der Welt mit ähnlichen Bedingungen. Einfach nur klimatisch günstige Bedingungen oder glückliche Erfindungen sind nur die halbe Miete. Wenn man kein Kapital aufbaut, entsteht kein Wohlstand. Entscheidend für Europa war ab der zweiten Hälfte des 2ten Jahrtausends, dass sich marktwirtschaftliche Strukturen gebildet haben.
ua.
- keine Zünfte mehr -> technologien und Wissen konnten sich erstmals verbreiten und jeder konnte tun, worin er gut war
- relativ stabile Eigentumsverhältnisse: Jemand konnte ein Unternehmen gründen, dass erst in 10 Jahren profitabel war, ohne zu fürchten, dass ihm das jemand wegnimmt. Man hat das Problem ja in der Politik, denn alle 4 Jahre sind Wahlen. Langfristige "Investitionen" werden selten vom Wähler honoriert.
- Anerkennung von Leistung: Vorher galt eher das Ideal, möglichst viel zu Faullenzen.

Das gab es eben im Rest der Welt weniger.
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
Benutzeravatar
Maltrino
Beiträge: 248
Registriert: Fr 8. Jan 2016, 12:40

Re: Wo kommt die Rendite her?

Beitragvon Maltrino » Sa 30. Sep 2017, 10:56

franktoast hat geschrieben:(29 Sep 2017, 12:46)

...

Und zum Klima in Europa? Ja, das ist nicht schlecht, aber es gibt kalte Winter, die es in wärmeren Breitengraden nicht gibt. ...


Glaub mir, -1 Grad und ein bischen Schnee... da gibt es so einige Leute auf der Welt für die ist das "kein Winter"... ^^
Wie ihr seht, habe ich jetzt auch ein Profilbild wo das Portrait eines großen politischen Denkers aus der Vergangenheit abgebildet ist. Damit ist jetzt jede meiner Aussagen wahr und absolut seriös.
Positiv Denkender
Beiträge: 2395
Registriert: Sa 16. Apr 2016, 16:51

Re: Wo kommt die Rendite her?

Beitragvon Positiv Denkender » Di 3. Okt 2017, 17:06

KarlRanseier hat geschrieben:(25 Sep 2017, 10:49)

Ein Arbeitgeber stellt nur Menschen ein, wenn er davon ausgeht, von deren Leistung selbst profitieren zu können. Er will seinen Gewinn durch die Arbeit Anderer maximieren. Ist nicht genau das Ausbeutung?

Köstlich diese Beitrag .Als Unternehmer hast du natürlich die Freiheit Angestellte einzustellen ,von dem dein Unternehmen nicht profitiert.
Dein Problem dein Laden ist schneller pleite als du kucken kannst .Dann profitieren AN und AG davon in dem sie beim Job Center um
Unterstützung bitten müssen .Wäre für den AN leichter als für den AG .Der verliert nicht nur seinen Job sondern oft sein gesamtes hart erarbeitetet
Vermögen dass of dem eines AN nicht übersteigt .Deine Ideologie kannst du am ehesten verwirklichen wenn du dich selbstständig machst .
Allerdings nur sehr kurz.
KarlRanseier
Beiträge: 361
Registriert: Fr 14. Jul 2017, 19:43

Re: Wo kommt die Rendite her?

Beitragvon KarlRanseier » Di 3. Okt 2017, 19:59

Positiv Denkender hat geschrieben:(03 Oct 2017, 18:06)

Köstlich diese Beitrag .Als Unternehmer hast du natürlich die Freiheit Angestellte einzustellen ,von dem dein Unternehmen nicht profitiert.
Dein Problem dein Laden ist schneller pleite als du kucken kannst .Dann profitieren AN und AG davon in dem sie beim Job Center um
Unterstützung bitten müssen .Wäre für den AN leichter als für den AG .Der verliert nicht nur seinen Job sondern oft sein gesamtes hart erarbeitetet
Vermögen dass of dem eines AN nicht übersteigt .Deine Ideologie kannst du am ehesten verwirklichen wenn du dich selbstständig machst .
Allerdings nur sehr kurz.


Und? Habe ich behauptet, dass Kapitalismus theoretisch auch ohne Ausbeutung funktionieren kann, oder was willst Du damit sagen? :?:
Benutzeravatar
franktoast
Beiträge: 2685
Registriert: So 29. Jun 2014, 09:24

Re: Wo kommt die Rendite her?

Beitragvon franktoast » Mi 4. Okt 2017, 08:22

Maltrino hat geschrieben:(30 Sep 2017, 11:56)

Glaub mir, -1 Grad und ein bischen Schnee... da gibt es so einige Leute auf der Welt für die ist das "kein Winter"... ^^

Worauf willst du nun hinaus? Jedes Klima bietet Vor- und Nachteile. Es gibt auch Länder, in denen kann man 12 Monate Landwirtschaft betreiben. Bedeutet das, das sind die reichen Länder?
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
Benutzeravatar
Realist2014
Beiträge: 34835
Registriert: Mo 26. Mai 2014, 14:12
Benutzertitel: Sozialer Marktwirtschaftler
Wohnort: München , Stadt des FC Bayern

Re: Wo kommt die Rendite her?

Beitragvon Realist2014 » Mi 4. Okt 2017, 13:31

KarlRanseier hat geschrieben:(03 Oct 2017, 20:59)

Und? Habe ich behauptet, dass Kapitalismus theoretisch auch ohne Ausbeutung funktionieren kann, oder was willst Du damit sagen? :?:



was ist denn "Ausbeutung"?
Positiv Denkender
Beiträge: 2395
Registriert: Sa 16. Apr 2016, 16:51

Re: Wo kommt die Rendite her?

Beitragvon Positiv Denkender » Sa 7. Okt 2017, 22:16

KarlRanseier hat geschrieben:(03 Oct 2017, 20:59)

Und? Habe ich behauptet, dass Kapitalismus theoretisch auch ohne Ausbeutung funktionieren kann, oder was willst Du damit sagen? :?:

Niemand wird ausgebeutet .Jeder sucht sich seinen Job selbst aus . Nicht gewusst . Mag ja sein dass du falls du je gearbeitet hast
dich ausgebeutet gefühlt hast .Ich bin meinen AG alle dankbar .Die haben mir ermöglicht, ein zumindest finanzielles sorgeloses Leben , zu führen .
Die Einkünfte meiner AG kannte ich nie waren mir allerdings auch egal. wichtig war ,dass die Unternehmen gesund waren .Davon haben auch die
Mitarbeiter profitiert .
KarlRanseier
Beiträge: 361
Registriert: Fr 14. Jul 2017, 19:43

Re: Wo kommt die Rendite her?

Beitragvon KarlRanseier » So 8. Okt 2017, 15:10

Realist2014 hat geschrieben:(04 Oct 2017, 14:31)

was ist denn "Ausbeutung"?



Betrug ist es, wenn man Produkte zu völlig überhöhten Preisen verkauft.
Ausbeutung ist es, wenn man von der Leistung anderer Menschen lebt. So würde ich das definieren. Und alle abhängig Beschäftigten erhalten wesentlich weniger Lohn oder Gehalt, als ihre Arbeit objektiv wert ist, denn sonst gäbe es keinen Profit. Politisch korrekt nennt man das bei uns allerdings nicht "Ausbeutung", sondern "wirtschaften".
Benutzeravatar
Realist2014
Beiträge: 34835
Registriert: Mo 26. Mai 2014, 14:12
Benutzertitel: Sozialer Marktwirtschaftler
Wohnort: München , Stadt des FC Bayern

Re: Wo kommt die Rendite her?

Beitragvon Realist2014 » So 8. Okt 2017, 15:37

KarlRanseier hat geschrieben:(08 Oct 2017, 16:10)

Betrug ist es, wenn man Produkte zu völlig überhöhten Preisen verkauft.



nö, Betrug ist anders definiert


Ausbeutung ist es, wenn man von der Leistung anderer Menschen lebt. So würde ich das definieren. Und alle abhängig Beschäftigten erhalten wesentlich weniger Lohn oder Gehalt, als ihre Arbeit objektiv wert ist, denn sonst gäbe es keinen Profit. Politisch korrekt nennt man das bei uns allerdings nicht "Ausbeutung", sondern "wirtschaften".


was ist denn deiner Meinung nach die zur Verfügung Stellung der Maschinen & Produktionsmittel wert?

Welche Rendite ist denn für den Produktionsfaktor Kapital deiner Meinung nach "angemessen"?

Und wieso bezeichnest du diese Rendite als "Ausbeutung"?

Zurück zu „1. Wirtschaft“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste