Endet die Zeit der Einkaufsstrassen?

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franktoast
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Re: Endet die Zeit der Einkaufsstrassen?

Beitragvon franktoast » Di 5. Sep 2017, 07:46

Quatschki hat geschrieben:(04 Sep 2017, 19:24)

Wobei, wenn eine Firma nur ihr Betriebsvermögen vermehrt und kein Cash ausgeschüttet wird, sind das trotzdem auch Gewinne, auch wenn es sofort wieder investiert wird und Grundstücke gekauft, Hallen errichtet und mit Robotern vollpackt werden.
Das sind ja Sachanlagen. Rechte und Patente sind auch werthaltig. Und das Umlaufvermögen.
Letztendlich müssen sie da ganz schön tricksen, um sich arm zu rechnen.

Steuern fallen auf den Gewinn nach GAAP an. Amazon fährt die Strategie, extrem auf Wachstum zu setzen. Gewinne sind in dieser Zeit eher schlecht, denn man zahlt ja Steuern drauf. Wenn Amazon 1Mrd. Gewinn einfährt, fallen darauf etwa 300Mio. Steuern an. Viel besser wäre es, für das Geld ein Logistikzentrum zu bauen. Oder man forscht an dem Supermarkt der Zukunft, durch den Güter mit weniger Aufwand vom Produzenten zum Endkonsumenten kommt. Amazon schafft damit ja Werte. Der Staat würde die 300Mio. nehmen und nur von A nach B umverteilen. Dabei fällt bürokratischer Aufwand an.

Demzufolge befürworte ich so eine legale Strategie.

Anders sieht es aus, wenn man bescheißt.
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Re: Endet die Zeit der Einkaufsstrassen?

Beitragvon Alter Stubentiger » Di 5. Sep 2017, 08:00

franktoast hat geschrieben:(05 Sep 2017, 08:39)

Ich hab nachgewiesen, welche Steuern die genannten Konzerne auf ihre Gewinne bezahlen. Wer hier heiße Luft liefert bist du.

Ansonsten könnte man sich auch fragen, ob der Staat mit dem Steuergeld mehr Wohlstand schaffen kann als zB. Amazon. Was denkst du?


Du hast die veröffentlichten Bilanzzahlen gebracht. Und damit nur eine kreative Buchführung "nachgewiesen". Die Kunst beim erstellen solcher Bilanzen ist mit Holdings und Briefkastenfirmen das Geld so lange hin und herzuschieben das am Ende nur dort Steuern gezahlt werden wo die Steuersätze sehr niedrig sind. Darum ging Amazon nach Luxemburg. Und darum zahlte Amazon in den USA keine Steuern sondern überließ dies dem Konsumenten. Der hat das dann natürlich nicht getan was dann irgendwann mal auffiel. Weshalb so einige US-Bundesstaaten dem Schmu ein Ende bereiteten.

Ich verstehe deine Sympathie für solche Firmen in keinster Weise. Was zahlen die dir denn so?
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H2O
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Re: Endet die Zeit der Einkaufsstrassen?

Beitragvon H2O » Di 5. Sep 2017, 08:20

franktoast hat geschrieben:(05 Sep 2017, 08:46)

Steuern fallen auf den Gewinn nach GAAP an. Amazon fährt die Strategie, extrem auf Wachstum zu setzen. Gewinne sind in dieser Zeit eher schlecht, denn man zahlt ja Steuern drauf. Wenn Amazon 1Mrd. Gewinn einfährt, fallen darauf etwa 300Mio. Steuern an. Viel besser wäre es, für das Geld ein Logistikzentrum zu bauen. Oder man forscht an dem Supermarkt der Zukunft, durch den Güter mit weniger Aufwand vom Produzenten zum Endkonsumenten kommt. Amazon schafft damit ja Werte. Der Staat würde die 300Mio. nehmen und nur von A nach B umverteilen. Dabei fällt bürokratischer Aufwand an.

Demzufolge befürworte ich so eine legale Strategie.

Anders sieht es aus, wenn man bescheißt.


Für einen steuerpolitischen Laien hört sich Ihre Darlegung vernünftig an. Wenn Unternehmer Werte schaffen, dann sind das neue Produktionsmittel im weitesten Sinne... etwa ein neues Logistik-Zentrum. Das schafft Arbeitsplätze, die im Wettbewerb Stand halten, wenn sich Einkaufsgewohnheiten ändern.

Bedenklich wird dieses Streben nach Größe durch Wachstum, wenn dabei nicht nur ein neues Geschäftsmodell entsteht, sondern dieses Geschäftsmodel zum Monopol entartet... etwa durch Einkaufsmacht. Zu Firma ALDI lief einmal die Nachricht um, daß ihre Einkaufsmacht so groß ist (war?), daß einzelne Lieferanten ihre volle Kapazität ausschöpfen mußten, um die Nachfrage zu befriedigen. Am Ende war ALDI dann der einzige Abnehmer von Bedeutung... und begann mit der Gestaltung des Einkaufspreises, bis der Hersteller sich im härtesten Existenzkampf wieder fand.

Und nun zieht AMAZON eben mit seinem online-Geschäftsmodell die Kunden an, die bis dahin zu ALDI & Co. gingen.

Der Staat muß also gut aufpassen, daß er Innovation zuläßt, ohne am Ende ein Monopol vor zu finden, das ihm sagt, wofür er Steuern nehmen darf. Der Staat muß notfalls Wettbewerb erzwingen. Das ist natürlich schwierig in der EU mit so vielen weitgehend unabhängigen Entscheidern. Bei MICROSOFT und APPLE klappt das aber; mit AMAZON wird der EU am Ende auch etwas einfallen. D allein hätte da gar keine ernsthafte Möglichkeit.
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Re: Endet die Zeit der Einkaufsstrassen?

Beitragvon Positiv Denkender » Di 5. Sep 2017, 11:24

Ebiker hat geschrieben:(04 Sep 2017, 18:15)

Doch das ist er nahezu immer. Und sie haben fast nie das was ich möchte.

Dann hast du nicht die richtigen Geschäfte . Nochmals der traditionelle Fachhandel ist nicht teurer ,im Gegenteil .
Mag ja sein dass du besondere Wünsche hast die nicht jeder Händler erfüllen kann . Wer Markenbewusst kauft kann das im
EH am günstigsten incl. aller Serviceleistungen .´Online Händler = 0 Service
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Re: Endet die Zeit der Einkaufsstrassen?

Beitragvon Alpha Centauri » Di 5. Sep 2017, 11:34

H2O hat geschrieben:(05 Sep 2017, 09:20)

Für einen steuerpolitischen Laien hört sich Ihre Darlegung vernünftig an. Wenn Unternehmer Werte schaffen, dann sind das neue Produktionsmittel im weitesten Sinne... etwa ein neues Logistik-Zentrum. Das schafft Arbeitsplätze, die im Wettbewerb Stand halten, wenn sich Einkaufsgewohnheiten ändern.

Bedenklich wird dieses Streben nach Größe durch Wachstum, wenn dabei nicht nur ein neues Geschäftsmodell entsteht, sondern dieses Geschäftsmodel zum Monopol entartet... etwa durch Einkaufsmacht. Zu Firma ALDI lief einmal die Nachricht um, daß ihre Einkaufsmacht so groß ist (war?), daß einzelne Lieferanten ihre volle Kapazität ausschöpfen mußten, um die Nachfrage zu befriedigen. Am Ende war ALDI dann der einzige Abnehmer von Bedeutung... und begann mit der Gestaltung des Einkaufspreises, bis der Hersteller sich im härtesten Existenzkampf wieder fand.

Und nun zieht AMAZON eben mit seinem online-Geschäftsmodell die Kunden an, die bis dahin zu ALDI & Co. gingen.

Der Staat muß also gut aufpassen, daß er Innovation zuläßt, ohne am Ende ein Monopol vor zu finden, das ihm sagt, wofür er Steuern nehmen darf. Der Staat muß notfalls Wettbewerb erzwingen. Das ist natürlich schwierig in der EU mit so vielen weitgehend unabhängigen Entscheidern. Bei MICROSOFT und APPLE klappt das aber; mit AMAZON wird der EU am Ende auch etwas einfallen. D allein hätte da gar keine ernsthafte Möglichkeit.




Wem gehört die Welt Staaten oder Unternehmen.der Politik oder Wirtschaft?
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Re: Endet die Zeit der Einkaufsstrassen?

Beitragvon franktoast » Di 5. Sep 2017, 11:52

Alter Stubentiger hat geschrieben:(05 Sep 2017, 09:00)

Du hast die veröffentlichten Bilanzzahlen gebracht. Und damit nur eine kreative Buchführung "nachgewiesen". Die Kunst beim erstellen solcher Bilanzen ist mit Holdings und Briefkastenfirmen das Geld so lange hin und herzuschieben das am Ende nur dort Steuern gezahlt werden wo die Steuersätze sehr niedrig sind. Darum ging Amazon nach Luxemburg. Und darum zahlte Amazon in den USA keine Steuern sondern überließ dies dem Konsumenten. Der hat das dann natürlich nicht getan was dann irgendwann mal auffiel. Weshalb so einige US-Bundesstaaten dem Schmu ein Ende bereiteten.

Ich verstehe deine Sympathie für solche Firmen in keinster Weise. Was zahlen die dir denn so?


Ich hab es dir doch gezeigt, welche Steuern Amazon bezahlt. Steuern werden nach GAAP-Richtlinien bezahlt. Amazon selber macht kaum Gewinne. Zum Vergleich: BMW erzielt pro Mitarbeiter etwa 50 000€ Gewinn pro Jahr, Amazon etwa um die 0 bis 6000 (stark schwankend).
Natürlich versucht Amazon wie jedes andere Unternehmen Kosten zu senken und Steuern sind Kosten. Was ist daran verwerflich? Wenn die Wettbewerber es machen, warum soll man diesen Wettbewerbsnachteil dann eingehen?
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Re: Endet die Zeit der Einkaufsstrassen?

Beitragvon franktoast » Di 5. Sep 2017, 12:06

H2O hat geschrieben:(05 Sep 2017, 09:20)
Für einen steuerpolitischen Laien hört sich Ihre Darlegung vernünftig an. Wenn Unternehmer Werte schaffen, dann sind das neue Produktionsmittel im weitesten Sinne... etwa ein neues Logistik-Zentrum. Das schafft Arbeitsplätze, die im Wettbewerb Stand halten, wenn sich Einkaufsgewohnheiten ändern.

Wenn Amazon unterm Strich (volkswirtschaftlich) Arbeitsplätze schafft, dann wäre das ja schlecht. Hoffen wir, dass Amazon Prozesse so verbessert, dass unterm Strich weniger Arbeitskräfte dafür gebraucht werden um die gleiche Leistung zu erzeugen.

Bedenklich wird dieses Streben nach Größe durch Wachstum, wenn dabei nicht nur ein neues Geschäftsmodell entsteht, sondern dieses Geschäftsmodel zum Monopol entartet... etwa durch Einkaufsmacht. Zu Firma ALDI lief einmal die Nachricht um, daß ihre Einkaufsmacht so groß ist (war?), daß einzelne Lieferanten ihre volle Kapazität ausschöpfen mußten, um die Nachfrage zu befriedigen. Am Ende war ALDI dann der einzige Abnehmer von Bedeutung... und begann mit der Gestaltung des Einkaufspreises, bis der Hersteller sich im härtesten Existenzkampf wieder fand.

Niemand zwingt einem, an ALDI zu liefern. Und die Konsequenz daraus ist ja nicht, dass ALDI sich eine goldene Nase verdient, sondern niedrige Preise für Konsumenten. Ok, nicht ganz. ALDI verdient dabei auch was. Allerdings sollte das in keinem Verhältnis zu den dadurch möglichen Preisen stehen. Ein Monopol bzw. Oligopol sollte man nicht nur verteufeln. Es entstehen dadurch auch Vorteile wie eben der Ausnutzung von Skaleneffekten.
Lass uns mal alle großen Discounter und Supermärkte in jeweils 1000 gleichgroße Unternehmen aufteilen. Das erhöht unweigerlich die Transaktionskosten für Hersteller und die Supermärkte. Dadurch müssten bei gleichen Löhnen alle Preise im Supermarkt deutlich höher sein.
-> Es gäbe für niemanden einen Vorteil.

Natürlich haben Monopole bzw. Oligopole auch Nachteile wie zB. Preisabsprachen. Wo gehobelt wird fallen Spähne.

Interessant dazu ist die Ansicht von Peter Thiel zu Monopolen. Das Thema ist ziemlich interessant. Er argumentiert zB., dass nur Unternehmen mit Monopolstellung Geld machen und jedes Unternehmen in der Position sich klein redet, um keinen Ärger mit dem Kartellamt zu bekommen. Google ist zB. ein Suchmaschinenunternehmen und kontrolliert 95%, sagt aber, sie sei nur ein (Online)Werbeunternehmen oder Technologieunternehmen und kontrolliere somit nur einen Bruchteil vom Markt. Unternehmen ohne Monopol dagegen tun so, als ob sie eines hätten. zB. ein Restaurant, das behauptet, sie seien in der Stadt das einzige englische Restaurant gehobener Küche mit mediterranan Touch.

Und nun zieht AMAZON eben mit seinem online-Geschäftsmodell die Kunden an, die bis dahin zu ALDI & Co. gingen.

Der Staat muß also gut aufpassen, daß er Innovation zuläßt, ohne am Ende ein Monopol vor zu finden, das ihm sagt, wofür er Steuern nehmen darf. Der Staat muß notfalls Wettbewerb erzwingen. Das ist natürlich schwierig in der EU mit so vielen weitgehend unabhängigen Entscheidern. Bei MICROSOFT und APPLE klappt das aber; mit AMAZON wird der EU am Ende auch etwas einfallen. D allein hätte da gar keine ernsthafte Möglichkeit.


Ich hoffe, dass Amazon seine Stellung noch weiter ausbaut bzw. Bezos seine Visionen umsetzen kann. Für die Mitarbeiter und Konsumenten wäre es am besten, wenn Amazon ein "Monopol"(Definition schwierig) hätte. Sinn könnte es machen, wenn jeder ein paar Amazonaktien kauft. Ich hab natürlich welche. Du auch?
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Re: Endet die Zeit der Einkaufsstrassen?

Beitragvon Alter Stubentiger » Di 5. Sep 2017, 12:15

franktoast hat geschrieben:(05 Sep 2017, 12:52)

Ich hab es dir doch gezeigt, welche Steuern Amazon bezahlt. Steuern werden nach GAAP-Richtlinien bezahlt. Amazon selber macht kaum Gewinne. Zum Vergleich: BMW erzielt pro Mitarbeiter etwa 50 000€ Gewinn pro Jahr, Amazon etwa um die 0 bis 6000 (stark schwankend).
Natürlich versucht Amazon wie jedes andere Unternehmen Kosten zu senken und Steuern sind Kosten. Was ist daran verwerflich? Wenn die Wettbewerber es machen, warum soll man diesen Wettbewerbsnachteil dann eingehen?


Ach so.
Wenn einige Leistungssportler dopen dann müssen es alle dürfen?
Wenn einige Unternehmen Steueroasen nutzen müssen es alle dürfen? Ja? Alles legitim? Ist dass der Weg? Race to the bottom?
Und wie gehts weiter? Wenn einige Unternehmen mit Billigarbeitern aus Rumänien mittels Werksverträgen Kosten vermeiden dürfen das alle machen?
Mit deinem Konzept kann man auf Dauer keinen Staat finanzieren und man zerstört den sozialen Frieden. Da kann sich jeder selber ausmalen in was für eine Welt dies führt.
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Re: Endet die Zeit der Einkaufsstrassen?

Beitragvon franktoast » Di 5. Sep 2017, 12:19

Alter Stubentiger hat geschrieben:(05 Sep 2017, 13:15)

Ach so.
Wenn einige Leistungssportler dopen dann müssen es alle dürfen?

Steuern zu sparen verstößt nicht gegen die Regeln. Doping schon.

Und wie gehts weiter? Wenn einige Unternehmen mit Billigarbeitern aus Rumänien mittels Werksverträgen Kosten vermeiden dürfen das alle machen?

Logisch. Ich denke aber, wenn die Arbeiter aus Rumänien etwas drauf haben, dann würde sie mit relativ wenig Geld von der Konkurrenz abgeworben werden. Du weißt ja: Wer am wenigsten bezahlt, bekommt die schlechtesten Mitarbeiter. Dazu sinkt der Ruf. Ich wüsste nicht, warum ein Unternehmen das haben wollte.
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Re: Endet die Zeit der Einkaufsstrassen?

Beitragvon BlueMonday » Di 5. Sep 2017, 12:28

Andersherum ist es ein "race to the bottom": je weniger in den erfolgreichen Unternehmen verbleiben darf, je mehr der Erfolg bestraft wird, je mehr dadurch Anreizstrukturen zerstört werden, je mehr es in Richtung träge zentrale Staatsplanwirtschaft wieder abgleitet. Vernünftig kann das nicht sein. Manche wollen leider keine Lehren aus den gescheiterten realsozialistischen Experimenten ziehen...
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Re: Endet die Zeit der Einkaufsstrassen?

Beitragvon Adam Smith » Di 5. Sep 2017, 12:30

Ein quasie Monopol ist nur dann egal, wenn der Kunde in der Lage ist den Anbieter zu wechseln. Ein Aldi-Monopol wäre z.B für die Bürger sehr schlecht.
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Re: Endet die Zeit der Einkaufsstrassen?

Beitragvon Quatschki » Di 5. Sep 2017, 13:02

Amazon verdient mittlerweile doch bestimmt das meiste mit dem Marketplace, also der Bereitstellung der Plattform und auf Wunsch der Versandlogistik.
Tausende Händler und Anbieter finden dort einen unkomplizierten Marktzugang, die im etablierten Handel keine Chance hätten, gelistet zu werden oder nur zu einem wesentlich höheren Distributionsaufwand. Die in früheren Zeiten die Handelsvertreter mit Musterkoffern die Tante-Emma-Läden abklappern lassen mußten, in der Hoffnung, dort ihr Sortiment in die Läden zu bekommen. Alles Dinge, deren Kosten der Kunde früher über den Preis mitbezahlen mußte
Was menschlicher Wahn erschuf, kann durch menschliche Einsicht überwunden werden.
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Re: Endet die Zeit der Einkaufsstrassen?

Beitragvon Alter Stubentiger » Di 5. Sep 2017, 13:59

franktoast hat geschrieben:(05 Sep 2017, 13:19)

Steuern zu sparen verstößt nicht gegen die Regeln. Doping schon.

Solange Lobbyisten die Regeln in Brüssel und Berlin mit regieren werden sich diese Regeln auch nicht ändern. Das sollten sie aber.

Logisch. Ich denke aber, wenn die Arbeiter aus Rumänien etwas drauf haben, dann würde sie mit relativ wenig Geld von der Konkurrenz abgeworben werden. Du weißt ja: Wer am wenigsten bezahlt, bekommt die schlechtesten Mitarbeiter. Dazu sinkt der Ruf. Ich wüsste nicht, warum ein Unternehmen das haben wollte.


Daimler macht es. Ganze Trupps von Leiharbeitern mit Werksverträgen. Die Stammbelegschaft ist bestimmt nicht begeistert.

2016 war für Daimler das beste Jahr der Konzerngeschichte. Dazu beigetragen haben auch viele Leih- und Werkvertragsarbeiter. Einige von ihnen, so SWR-Recherchen, verdienen so wenig, dass sie auf Hartz-IV-Zuzahlungen angewiesen sind.
https://www.swr.de/swraktuell/bw/leihar ... 22/l20r9v/

Und in der Fleischindustrie sind solche Praktiken mit Rumänen schon seit vielen Jahren der Aufreger. Und die Menschen die solche Jobs annehmen müssen kann man bedauern. Und nicht verspotten wie du es tust.
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Re: Endet die Zeit der Einkaufsstrassen?

Beitragvon Alter Stubentiger » Di 5. Sep 2017, 14:04

BlueMonday hat geschrieben:(05 Sep 2017, 13:28)

Andersherum ist es ein "race to the bottom": je weniger in den erfolgreichen Unternehmen verbleiben darf, je mehr der Erfolg bestraft wird, je mehr dadurch Anreizstrukturen zerstört werden, je mehr es in Richtung träge zentrale Staatsplanwirtschaft wieder abgleitet. Vernünftig kann das nicht sein. Manche wollen leider keine Lehren aus den gescheiterten realsozialistischen Experimenten ziehen...

Mach dir nichts vor. Es geht hier nicht um die Einführung des Sozialismus. Es geht darum das auch große Unternehmen und der Onlinehandel ihren Teil zum Erhalt eines Staates beitragen der ihre Geschäfte überhaupt erst ermöglicht.
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Re: Endet die Zeit der Einkaufsstrassen?

Beitragvon Adam Smith » Di 5. Sep 2017, 14:26

Alter Stubentiger hat geschrieben:(05 Sep 2017, 15:04)

Mach dir nichts vor. Es geht hier nicht um die Einführung des Sozialismus. Es geht darum das auch große Unternehmen und der Onlinehandel ihren Teil zum Erhalt eines Staates beitragen der ihre Geschäfte überhaupt erst ermöglicht.

Amazon erwirtschaftet aber noch kaum einen Gewinn. Der Umsatz erhöht sich nur stark seit Jahren. Es darf aber spekuliert werden, dass es bald hohe Gewinne geben wird.
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Re: Endet die Zeit der Einkaufsstrassen?

Beitragvon franktoast » Di 5. Sep 2017, 15:55

Alter Stubentiger hat geschrieben:(05 Sep 2017, 14:59)
Solange Lobbyisten die Regeln in Brüssel und Berlin mit regieren werden sich diese Regeln auch nicht ändern. Das sollten sie aber.

Wenn sich die Regeln ändern. Don't hate the players, hate the game. Ob es soviel besser ist, wenn die Bürokraten mehr Geld bekommen, ist allerdings eine berechtigte Frage.

Daimler macht es. Ganze Trupps von Leiharbeitern mit Werksverträgen. Die Stammbelegschaft ist bestimmt nicht begeistert.

2016 war für Daimler das beste Jahr der Konzerngeschichte. Dazu beigetragen haben auch viele Leih- und Werkvertragsarbeiter. Einige von ihnen, so SWR-Recherchen, verdienen so wenig, dass sie auf Hartz-IV-Zuzahlungen angewiesen sind.
https://www.swr.de/swraktuell/bw/leihar ... 22/l20r9v/

Und in der Fleischindustrie sind solche Praktiken mit Rumänen schon seit vielen Jahren der Aufreger. Und die Menschen die solche Jobs annehmen müssen kann man bedauern. Und nicht verspotten wie du es tust.

Und du meinst, wenn die Gesetzeslage anders wäre, dann hätten die alle superbezahlte, unbefristete Jobs, ohne dass der Benz dadurch teurer würde?
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Re: Endet die Zeit der Einkaufsstrassen?

Beitragvon H2O » Mi 6. Sep 2017, 09:42

franktoast hat geschrieben:(05 Sep 2017, 16:55)

Wenn sich die Regeln ändern. Don't hate the players, hate the game. Ob es soviel besser ist, wenn die Bürokraten mehr Geld bekommen, ist allerdings eine berechtigte Frage.


Und du meinst, wenn die Gesetzeslage anders wäre, dann hätten die alle superbezahlte, unbefristete Jobs, ohne dass der Benz dadurch teurer würde?


Der Staat muß seine Aufgabe erfüllen, daß Unternehmen in Wettbewerb um zahlende Kunden treten, ohne dabei mit Absprachen oder gleich Fusionen ein Monopol zu schaffen. Nur der faire Wettbewerb führt zu fairen Preisen.

Ich stimme Ihnen zu, daß es sinnvoll ist, mit den Kosten zur Herstellung eines Erzeugnisses so sparsam wie möglich um zu gehen. Den Verbraucher interessiert nur das Preis-Leistungsverhältnis des Erzeugnisses. Dazu gehören oft auch Nebenleistungen wie Kundendienst bei komplexen Geräten.
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Re: Endet die Zeit der Einkaufsstrassen?

Beitragvon Alter Stubentiger » Mi 6. Sep 2017, 15:25

Adam Smith hat geschrieben:(05 Sep 2017, 15:26)

Amazon erwirtschaftet aber noch kaum einen Gewinn. Der Umsatz erhöht sich nur stark seit Jahren. Es darf aber spekuliert werden, dass es bald hohe Gewinne geben wird.

Wenn dem so ist....warum dann die Massnahmen diverser US-Bundesstaaten gegen die Praktiken von Amazon?
Wenn dem so ist...warum hat Amazon es dann überhaupt nötig nach Luxemburg zu gehen für ihr EU-Geschäft? Warum operieren sie mit Holdings mit denen Gewinne verschleiert werden?
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Re: Endet die Zeit der Einkaufsstrassen?

Beitragvon Adam Smith » Mi 6. Sep 2017, 15:38

Alter Stubentiger hat geschrieben:(06 Sep 2017, 16:25)

Wenn dem so ist....warum dann die Massnahmen diverser US-Bundesstaaten gegen die Praktiken von Amazon?
Wenn dem so ist...warum hat Amazon es dann überhaupt nötig nach Luxemburg zu gehen für ihr EU-Geschäft? Warum operieren sie mit Holdings mit denen Gewinne verschleiert werden?

Weil grundsätzlich das gemacht wird was am günstigsten ist.
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Re: Endet die Zeit der Einkaufsstrassen?

Beitragvon Alter Stubentiger » Mi 6. Sep 2017, 15:39

franktoast hat geschrieben:(05 Sep 2017, 16:55)

Wenn sich die Regeln ändern. Don't hate the players, hate the game. Ob es soviel besser ist, wenn die Bürokraten mehr Geld bekommen, ist allerdings eine berechtigte Frage.

Und du meinst, wenn die Gesetzeslage anders wäre, dann hätten die alle superbezahlte, unbefristete Jobs, ohne dass der Benz dadurch teurer würde?


Es ist nun mal so daß es in der Vergangenheit immer wieder diese Riesenfirmen, Monopole oder Trusts gegeben hat die durch ihre schiere Macht zu einem Problem für die Staaten wurden.
Vielleicht hilft es dir z.B. die Vorgänge um Standard Oil und den anderen großen US-Trusts mal unter die Lupe zu nehmen. Auch da mußte der Staat die Gesetze ändern weil die Macht der Konzerne zu groß wurde. Der Sherman Anti-trust act wurde dann von T. Roosevelt spektakulär umgesetzt. Und der war kein Sozialist und führte auch keinen Sozialismus ein.
Niemand hat vor eine Mauer zu errichten (Walter Ulbricht)
...und die Mauer wird noch in 50 oder 100 Jahren stehen (Erich Honecker)

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