Die Gilded Age war eine Zeit der Deflation

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Loki
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Re: Die Gilded Age war eine Zeit der Deflation

Beitragvon Loki » Fr 11. Aug 2017, 10:43

franktoast hat geschrieben:(11 Aug 2017, 08:47)

Doch,genau das ist Deflation.
Wikipedia: "Unter Deflation versteht man in der Volkswirtschaftslehre einen allgemeinen, signifikanten und anhaltenden Rückgang des Preisniveaus für Waren und Dienstleistungen."

Das ist quatsch.



Kapital konnte sich damals mehr oder weniger ungehindert vermehren (siehe Rockefeller, Carnegie, Vanderbilt), was natürlich enorme Wohlfahrtseffekte zur Folge hatte, da eben die Produktivität so stark stieg.

Die Frage ist, mit welchem (mehr an) Geld dieses plötzliche mehr-an-Gütern aufgrund gestiegener Produktivität erworben wurde... das deutet ein wenig auf eine erhöhte Geldmenge und somit eine erhöhte Verschuldung hin.
Da es allerdings zu dieser Zeit in den USA noch einen Goldstandard gab, ist anzunehmen, daß einfach "mehr Gold zu Geld gemacht wurde"; Geldschöpfung mittels Aufkauf von Aktiva.


Hier ein Zitat zum Goldstandard, welches beim Thema US-Deflation nicht unerheblich ist: "1933 lösten sich die Vereinigten Staaten vom Goldstandard, um die Geldmenge auszuweiten und die Deflation zu beenden."
Aus dem Wiki-Artikel zum Goldstand: http://de.wikipedia.org/wiki/Goldstandard#Dollar_.281933.29
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Adam Smith
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Re: Die Gilded Age war eine Zeit der Deflation

Beitragvon Adam Smith » Fr 11. Aug 2017, 10:50

Loki hat geschrieben:(11 Aug 2017, 11:43)

Das ist quatsch.

Wie lautet denn die Definition?
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Loki
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Re: Die Gilded Age war eine Zeit der Deflation

Beitragvon Loki » Fr 11. Aug 2017, 11:01

BlueMonday hat geschrieben:(11 Aug 2017, 10:11)
Es gab sogar Phasen, in denen Deflation und Wachstum zusammen auftraten.

Wenn angenommen wird - von wem auch immer - "Deflation" sein dann, wenn das Preisniveau sinke, ist dies auch nur logisch während Wachstumsphasen,
wenn man bspw. die Preiseffekte der Massenproduktion (Gesetz der Massenproduktion) kennt...
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Loki
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Re: Die Gilded Age war eine Zeit der Deflation

Beitragvon Loki » Fr 11. Aug 2017, 11:11

Adam Smith hat geschrieben:(11 Aug 2017, 11:50)

Wie lautet denn die Definition?

Anders.
Habe sie nicht parat. Die von der BuBA halte ich für unzureichend.

Kaufkraft der Verbraucherhaushalte sollte m. M. n. in die Definition mit rein genauso wie allg. eine nähere Erläuterung zum "Wert des Geldes" (während einer Defla.-Phase).



Grund: Stellen nahezu alle Betreibe in einem Währungsraum auf (erweiterte) Massenproduktion um und können deswegen die Preise der von ihnen hergestellten Güter gesenkt werden, stellt dies allein doch nicht eine Deflation dar; welche es möglicherweise sogar zu bekämpfen gilt ?
Ähnlich eben wie im Eingangsbeitrag erwähnt.

Ein allgemeiner, signifikanter und anhaltender Rückgang des Preisniveaus allein ist somit genauso ungleich einer waschechten Deflation,
so wie ein Raucherhusten ungleich eines krankhaft bedingten Keuchhustens ist.
Obwohl das Symptom (Husten und Hustanfälle, teilweise sogar Blutspucken) gleich ist.
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Re: Die Gilded Age war eine Zeit der Deflation

Beitragvon franktoast » Fr 11. Aug 2017, 17:37

Loki hat geschrieben:(11 Aug 2017, 11:24)

TV-Sparte Samsung wäre dazu wenn überhaupt interessant.

Hab ein paar (andere) Kennzahlen zu Samsungs TV-Bereich gefunden:
"Der Bereich Consumer Electronics gab trotz höherer Umsätze mit Premium-TVs wie SUHD und Curved TVs einen Ertragsrückgang bekannt.
[...]
Für das erste Quartal 2017 wird mit einem Rückgang des Gesamtertrags im Vergleich zu Q4 2016 gerechnet, da die Erlöse in den Geschäftsbereichen aufgrund gestiegener Marketingausgaben im Mobilfunkgeschäft und eines Absatzrückgangs von Fernsehgeräten durch schwache saisonale Nachfrage zurückgehen dürften.
"
https://news.samsung.com/de/samsung-electronics-gibt-ergebnisse-fur-das-4-quartal-und-das-geschaftsjahr-2016-bekannt

Und älter:
"Unbefriedigend verlief die Entwicklung hingegen in der Digital-Media-Sparte, in der Samsung mit seinen Flachbildschirmen die weltweite Marktführerschaft markiert. Sie fuhr einen Verlust von rund 170 Milliarden Won ein. Auch im Bereich der Produktion von LCD-Panels musste Samsung Abstriche hinnehmen. Der Nettogewinn ging gegenüber dem Vorjahr um 81 Prozent auf 100 Milliarden Won zurück.

Der Chef der TV-Sparte, Yoon Boo Keun, rechnet für das laufende Jahr trotzdem mit einer Steigerung des weltweiten Flat-TV-Absatzes von Samsung um 15 Prozent auf 45 Millionen Geräte und einer Rückehr in die Gewinnzone.
"
http://www.digitalfernsehen.de/Samsung-faehrt-Milliardengewinn-ein-TV-Sparte-schreibt-Verluste.48448.0.html

Ähnlich bei SONYs TV-Sparte:
"Das Fernsehgeschäft beschert den Japanern seit acht Jahren rote Zahlen. "
http://www.n-tv.de/wirtschaft/Sony-spaltet-TV-Sparte-auf-article4658291.html


Und das, obwohl die Deutschen kaum TVs mehr herstellen...


Was hast du immer mit deinen Deutschen? Samsung Electronics verkauft nur Produkte, die jedes deutlich an Wert abnehmen. Der Umsatz ist die letzten 5 Jahre um 50% gestiegen. Weil die Produkte immer günstiger und billiger werden, können viele Länder überhaupt erst diese Produkte kaufen.
Aber wenn ich mir ein neues Handy, Fernseher etc. kaufe, dann ist mir klar, dass der Preis sinkt. Aber deswegen kaufe ich ja nicht weniger, sondern eher mehr.

Stell dir vor, ein Handy kostet ein Monatsgehalt und ändert sich vom Preis her nicht. Oder ein Handy kostet ein Monatsgehalt, aber jedes Jahr 20% weniger. In welchem Fall kaufst du mehr Handys in deinem Leben?
Das andere ist: Samsung hat ja auch jedes Jahr niedrigere Kosten, die sie natürlich an ihre Kunden weitergeben.

Blende mal diese ganze Geschichte mit Geldmenge, Warten etc. aus und denk mal nur daran:
Die Produktivität steigt, also werden alle Produkte relativ zum Lohn immer günstiger. Und jetzt sag mir, inwiefern das schlecht sein kann?
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
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Re: Die Gilded Age war eine Zeit der Deflation

Beitragvon franktoast » Fr 11. Aug 2017, 17:42

Loki hat geschrieben:(11 Aug 2017, 11:43)
Das ist quatsch.

Zeig mir ne seriösere, objektivere Quelle als Wikipedia. (nein, kein Scherz).


Die Frage ist, mit welchem (mehr an) Geld dieses plötzliche mehr-an-Gütern aufgrund gestiegener Produktivität erworben wurde... das deutet ein wenig auf eine erhöhte Geldmenge und somit eine erhöhte Verschuldung hin.
Da es allerdings zu dieser Zeit in den USA noch einen Goldstandard gab, ist anzunehmen, daß einfach "mehr Gold zu Geld gemacht wurde"; Geldschöpfung mittels Aufkauf von Aktiva.

Wenn man sich vorstellt, dass viele gebildete Menschen aus dem Ausland zuwandern und Kapital leicht akkumuliert werden kann, dazu freie Märkte, und bahnbrechene Technologien wie Öl, Dampf, Verbrenner hat? Da erscheint es mir relativ klar, dass das zu großen Wohlstandswachstum führt. Auch wenn die Menschen der Gilded Age selber davon noch nicht krass davon profitiert haben. Nicht so krass wie ihre Kinder. Und auch heute noch profitiert man von dem damals angelegten Kapitalstock.

Hier ein Zitat zum Goldstandard, welches beim Thema US-Deflation nicht unerheblich ist: "1933 lösten sich die Vereinigten Staaten vom Goldstandard, um die Geldmenge auszuweiten und die Deflation zu beenden."
Aus dem Wiki-Artikel zum Goldstand: http://de.wikipedia.org/wiki/Goldstandard#Dollar_.281933.29

Das war in der Great Depression. Nach dem Boom folgte der Crash und die Politik suchte nach Handlungsmaßnahmen.
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Re: Die Gilded Age war eine Zeit der Deflation

Beitragvon Loki » Fr 11. Aug 2017, 18:36

franktoast hat geschrieben:(11 Aug 2017, 18:37)
Blende mal diese ganze Geschichte mit Geldmenge, Warten etc. aus und denk mal nur daran:
Die Produktivität steigt, also werden alle Produkte relativ zum Lohn immer günstiger. Und jetzt sag mir, inwiefern das schlecht sein kann?

Die Produktivitätssteigerung oder das Senken der Preise ?

Werden auf breiter Front Güterpreise deswegen gesenkt, weil ansonsten die Lager zu vollbleiben, dann gilt:
Investitions- und Konsumstagnation. (Mit all den Folgen.)

Das steht sogar bei Wiki.
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Re: Die Gilded Age war eine Zeit der Deflation

Beitragvon Voight-Kampff » Fr 11. Aug 2017, 18:46

BlueMonday hat geschrieben:(11 Aug 2017, 10:11)

Also zusammengefasst: es gibt keinen belastbaren Zusammenhang zwischen Deflation und Rezession, weder empirisch noch theoretisch fundiert.
Es gab sogar Phasen, in denen Deflation und Wachstum zusammen auftraten. Und es gibt auch nicht ohne Grund den Begriff der Stagflation, der ja nun darauf hindeutet, dass inflationäre Geldpolitik keine "Lösung" ist, im Gegenteil.

Warum meinst du, dass die Zentralbanken Inflation lieber haben, wenn es dafür keinen Grund gibt?

Wie siehst du das unter dem Aspekt Gerechtigkeit? Selbst wenn es keinen Einfluss auf die Gesamtwirtschaft hätte, wie rechtfertigt man die Umverteilung an Geldbesitzer und den Bankensektor?
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Re: Die Gilded Age war eine Zeit der Deflation

Beitragvon Adam Smith » Fr 11. Aug 2017, 18:48

Voight-Kampff hat geschrieben:(11 Aug 2017, 19:46)

Warum meinst du, dass die Zentralbanken Inflation lieber haben, wenn es dafür keinen Grund gibt?

Warum kauft die EZB im grossen Stil Staatsanleihen?
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Re: Die Gilded Age war eine Zeit der Deflation

Beitragvon Voight-Kampff » Fr 11. Aug 2017, 19:06

Adam Smith hat geschrieben:(11 Aug 2017, 19:48)

Warum kauft die EZB im grossen Stil Staatsanleihen?

Um mehr Geld in Umlauf zu bringen?
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Re: Die Gilded Age war eine Zeit der Deflation

Beitragvon Adam Smith » Fr 11. Aug 2017, 22:05

Voight-Kampff hat geschrieben:(11 Aug 2017, 20:06)

Um mehr Geld in Umlauf zu bringen?

Das ist der offizielle Grund. Könnte es noch einen Grund geben?
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Re: Die Gilded Age war eine Zeit der Deflation

Beitragvon Voight-Kampff » Fr 11. Aug 2017, 22:35

Adam Smith hat geschrieben:(11 Aug 2017, 23:05)

Das ist der offizielle Grund. Könnte es noch einen Grund geben?

Es könnte viele Gründe geben. Bringt es was zu spekulieren?
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Re: Die Gilded Age war eine Zeit der Deflation

Beitragvon Adam Smith » Fr 11. Aug 2017, 22:56

Voight-Kampff hat geschrieben:(11 Aug 2017, 23:35)

Es könnte viele Gründe geben. Bringt es was zu spekulieren?

Falls es einen anderen Grund gibt schon.
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Re: Die Gilded Age war eine Zeit der Deflation

Beitragvon BlueMonday » Sa 12. Aug 2017, 10:17

Voight-Kampff hat geschrieben:(11 Aug 2017, 19:46)

Warum meinst du, dass die Zentralbanken Inflation lieber haben, wenn es dafür keinen Grund gibt?

Wie siehst du das unter dem Aspekt Gerechtigkeit? Selbst wenn es keinen Einfluss auf die Gesamtwirtschaft hätte, wie rechtfertigt man die Umverteilung an Geldbesitzer und den Bankensektor?


Wieso keinen Grund? Natürlich gibt es immer Gründe für irgendeine Handlung.
Ja, warum sind die Entscheidungsträger in den Zentralbanken in der Regel Inflationisten? Als Zentralbanker ist man eine Art Politiker, ein Geldpolitiker. Als Politiker ist man wiederum in der Regel Interventionist. Die Intervention ist gewissermaßen der Arbeitsnachweis des Politikers. Würde man als Poltiker gegen die Intervention an sich argumentieren (und damit für die spontane Ordnung, für das laissez faire etc), würde man also behaupten, die Eingriffe von außen ins Marktgeschehen seien nicht nur überflüssig, sondern sogar schädlich, dann wäre das ja so als wenn ein Drogendealer vor Drogen warnen würde ... eben höchst unwahrscheinlich. Im Rahmen der "public choice" bzw. Institutionenökonomik wurde dazu schon einiges ins Bewusstsein gerückt

Der wesentliche Arbeitsnachweis des Zentralbankers ist nun typischerweise die Geldemission zu einem vom Geldzentralplaner festgesetzten Preis (Leitzins, Spitzenrefinanzierungssatz, Lombardsatz, Diskontsatz und welch Namen dafür in der Geschichte der Zentralbanken noch ersonnen wurden).
Dagegen hat eine zurückhaltende oder gar ablehnende Ansicht natürlich den weitaus schlechteren Stand. Wenn, dann kommen entsprechende Impulse von "außerhalb". Wenn es dich interessiert, beschäftige dich doch mal mit den Texten der "Gegenseite". Die sog. "austrian economics" ist da wohl führend.
Zum Einstieg:
https://mises.org/library/deflating-deflation-myth
https://mises.org/library/what’s-so-scary-about-deflation
https://mises.org/library/defense-deflation
https://mises.org/library/price-deflati ... -optimal-0
https://mises.org/library/ecb-fears-def ... should-not
usw. usf.

Wie rechtfertigt man die Umverteilungseffekte durch Geldausweitung? Das ist doch erst einmal die zu stellende Frage. Die Intervention muss wohl begründet werden.
Und wer sind die Geldbesitzer? Wir alle sind doch wohl hoffentlich Geldbesitzer und Geldnutzer. Weh dem, der keines besitzt. An den Banken darf auch jeder partizipieren. Sei es als Kunde oder als Aktionär. Die Deutsche Bank ist bspw im breitem Streubesitz. Niemand muss sich ausgeschlossen fühlen. Eine Bank ist ja nicht irgendwie eine Instititution von extraterrestrischen Reptoloiden. Die Banken stehen im Zentrum der Gesellschaft. Genossenschaftsbanken, Sparkassen...
Wenn, dann ist wohl der Sparer gemeint, und nicht der Geldbesitzer. Wer ist der klassische Sparer? Der Rentner, der seine Anwartschaft während seines langen Arbeitsleben aufbaut, der dafür auf Konsum verzichtet. So gut wie jeder wird doch wohl hoffentlich mal Rentner sein. Warum sollte dessen Kaufkraft nicht steigen dürfen?
Zuletzt geändert von BlueMonday am Sa 12. Aug 2017, 10:19, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die Gilded Age war eine Zeit der Deflation

Beitragvon Voight-Kampff » Sa 12. Aug 2017, 10:19

Adam Smith hat geschrieben:(11 Aug 2017, 23:56)

Falls es einen anderen Grund gibt schon.

Stell einfach deine These vor. Ich sehe nichts was im Kontext Sinn gibt.
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Re: Die Gilded Age war eine Zeit der Deflation

Beitragvon Voight-Kampff » Sa 12. Aug 2017, 10:40

BlueMonday hat geschrieben:(12 Aug 2017, 11:17)

Wieso keinen Grund? Natürlich gibt es immer Gründe für irgendeine Handlung.
Ja, warum sind die Entscheidungsträger in den Zentralbanken in der Regel Inflationisten? Als Zentralbanker ist man eine Art Politiker, ein Geldpolitiker. Als Politiker ist man wiederum in der Regel Interventionist. Die Intervention ist gewissermaßen der Arbeitsnachweis des Politikers. Würde man als Poltiker gegen die Intervention an sich argumentieren (und damit für die spontane Ordnung, für das laissez faire etc), würde man also behaupten, die Eingriffe von außen ins Marktgeschehen seien nicht nur überflüssig, sondern sogar schädlich, dann wäre das ja so als wenn ein Drogendealer vor Drogen warnen würde ... eben höchst unwahrscheinlich. Im Rahmen der "public choice" bzw. Institutionenökonomik wurde dazu schon einiges ins Bewusstsein gerückt

Der wesentliche Arbeitsnachweis des Zentralbankers ist nun typischerweise die Geldemission zu einem vom Geldzentralplaner festgesetzten Preis (Leitzins, Spitzenrefinanzierungssatz, Lombardsatz, Diskontsatz und welch Namen dafür in der Geschichte der Zentralbanken noch ersonnen wurden).

Das funktioniert nicht als Erklärung. Die Leitzinsen können auch gesetzt werden um Deflation herbeizuführen. In wirtschaftlich besseren Zeiten wurde die Zentralbank für ihre Fähigkeit gelobt die Inflation niedrig zu halten. Da war also die niedrige Inflationsrate der Arbeitsnachweis.

Dagegen hat eine zurückhaltende oder gar ablehnende Ansicht natürlich den weitaus schlechteren Stand. Wenn, dann kommen entsprechende Impulse von "außerhalb". Wenn es dich interessiert, beschäftige dich doch mal mit den Texten der "Gegenseite". Die sog. "austrian economics" ist da wohl führend.

Ich frage mich immer, wer die ganzen schönen Webseiten bezahlt... und wieso.

Wie rechtfertigt man die Umverteilungseffekte durch Geldausweitung? Das ist doch erst einmal die zu stellende Frage. Die Intervention muss wohl begründet werden.
Und wer sind die Geldbesitzer? Wir alle sind doch wohl hoffentlich Geldbesitzer und Geldnutzer. Weh dem, der keines besitzt. An den Banken darf auch jeder partizipieren. Sei es als Kunde oder als Aktionär. Die Deutsche Bank ist bspw im breitem Streubesitz. Niemand muss sich ausgeschlossen fühlen. Eine Bank ist ja nicht irgendwie eine Instititution von extraterrestrischen Reptoloiden. Die Banken stehen im Zentrum der Gesellschaft. Genossenschaftsbanken, Sparkassen...
Wenn, dann ist wohl der Sparer gemeint, und nicht der Geldbesitzer. Wer ist der klassische Sparer? Der Rentner, der seine Anwartschaft während seines langen Arbeitsleben aufbaut, der dafür auf Konsum verzichtet. So gut wie jeder wird doch wohl hoffentlich mal Rentner sein. Warum sollte dessen Kaufkraft nicht steigen dürfen?

Ich weiß nicht was der Rentner oder der Sparer damit zu tun hat.

Mal konkreter. Hier ist eine Grafik zum Thema:
https://de.wikipedia.org/wiki/Einlagefa ... esbank.png
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Re: Die Gilded Age war eine Zeit der Deflation

Beitragvon Realist2014 » Sa 12. Aug 2017, 13:55

Voight-Kampff hat geschrieben:(11 Aug 2017, 19:46)

, wie rechtfertigt man die Umverteilung an Geldbesitzer und den Bankensektor?



Umverteilung an die Geldbesitzer durch Zinsen gibt es praktisch nicht..

weil die Realzinsen in D fast immer negativ waren...
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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Re: Die Gilded Age war eine Zeit der Deflation

Beitragvon Voight-Kampff » So 13. Aug 2017, 10:33

Realist2014 hat geschrieben:(12 Aug 2017, 14:55)

Umverteilung an die Geldbesitzer durch Zinsen gibt es praktisch nicht..

weil die Realzinsen in D fast immer negativ waren...

I finde das ist ein gutes Argument: Deflation hat es in Deutschland seit dem Krieg so gut wie nicht gegeben. Warum das Risiko eingehen daran was zu ändern?
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Re: Die Gilded Age war eine Zeit der Deflation

Beitragvon franktoast » Mo 14. Aug 2017, 10:55

Loki hat geschrieben:(11 Aug 2017, 19:36)

Die Produktivitätssteigerung oder das Senken der Preise ?

Werden auf breiter Front Güterpreise deswegen gesenkt, weil ansonsten die Lager zu vollbleiben, dann gilt:
Investitions- und Konsumstagnation. (Mit all den Folgen.)

Das steht sogar bei Wiki.

Die Geldmenge ist doch egal. Die Güterpreise werden deswegen gesenkt, weil die Produktionskosten gesunken sind und Wettbewerb herrscht.
Also ja, man senkt die Preise, damit das Lager nicht voll bleibt. Da diese Preissenkungen eine Erhöhung des Profits zur Folge haben (anstatt volle Lager klingend ja die Kasse), entsteht warum Investitionsstau?

Und dass der Konsum sich bei sinkenden Preisen ja sogar noch erhöht (man kann sich ja mehr leisten durch niedrigere Preise), hatten wir doch schon geklärt.

Erinnere dich mal an die 80er. Handys waren sehr teuer. Heute sind sie günstig. Wurden deswegen in den 80ern mehr Handys gekauft als heute?
Wie viel Gewinn haben die Handyhersteller in den 80ern gemacht und wie viel heute?
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
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Re: Die Gilded Age war eine Zeit der Deflation

Beitragvon Loki » Mo 14. Aug 2017, 15:01

franktoast hat geschrieben:(14 Aug 2017, 11:55)
Die Güterpreise werden deswegen gesenkt, weil die Produktionskosten gesunken sind und Wettbewerb herrscht.

Diesen "Zustand" willst Du jedoch nicht als die Deflation verstanden haben ?


Also ja, man senkt die Preise, damit das Lager nicht voll bleibt. Da diese Preissenkungen eine Erhöhung des Profits zur Folge haben (anstatt volle Lager klingend ja die Kasse), entsteht warum Investitionsstau?

Hat ja einen Grund, warum die Lager (unnötig) voll wurden; produziert i. d. R. doch kaum jemand hauptsächlich für das Lager.

Unter der Annahme, daß solche mit Geld im Gepäck keinen Ausgabedruck haben, könnte sich Kleinfritzchen denken: "Cool, nur weil Leute wie ich das Geld zurückhalten, müssen die die Güterpreise senken; nur damit ich einen vielleicht für mich unnötigen Kauf tätige.
Na da warte ich doch gleich einfach noch ein bisschen länger..."

Dies ist zumindest ein Glaube in Bezug auf das menschliche Denken, welcher immer wieder in Bezug auf die deflationären Phasen in der Literatur erwähnt wird. Die Kaufzurückhaltung, zum einen wg. Sparangst zum anderen wg. etwas, was Realist2014 gerne als die "Geiz ist Geil Mentalität" bezeichnet.



Und dass der Konsum sich bei sinkenden Preisen ja sogar noch erhöht (man kann sich ja mehr leisten durch niedrigere Preise), hatten wir doch schon geklärt.

Erhöhen kann. Negativbeispiele waren/sind vor einigen Jahren Milchpreise und Eierpreise; beide tief bis fast zum Selbstkostenpreis
und trotzdem wollte kaum jemand wg. mehr Milch- oder Eierkonsum dicker werden...

Erinnere dich mal an die 80er. Handys waren sehr teuer. Heute sind sie günstig. Wurden deswegen in den 80ern mehr Handys gekauft als heute?

Es gab sicherlich kaum volle Lager und mit Handys überfüllte Läden.

Könnte nachgeforscht werden, ob die Dinger weg wie warme Semmeln gingen oder lange lange Ladenhüter waren.



Wie viel Gewinn haben die Handyhersteller in den 80ern gemacht und wie viel heute?

Pro einzelnes Handy oder insgesamt ?

Davon abgesehen, was hat das noch mit dem Thema zu tun ?

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