Kommunale Statistik: Hilfe

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Konkordanz
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Kommunale Statistik: Hilfe

Beitragvon Konkordanz » So 12. Mär 2017, 17:51

Hallo.

Ich habe folgendes Problem und hoffe, dass ich es an dieser Stelle richtig platziert habe.
In einer Stadt wird für Jahr X folgendes Arbeitsvolumen (je Erwerbstätigten in Stunden) dargestellt:

    Land- und Forstwirtschaft, Fischerei - 1.532
    Produzierendes Gewerbe ohne Baugewerbe - 1.514
    Verarbeitendes Gewerbe - 1.511
    Baugewerbe - 1.653
    Handel, Verkehr, Gastgewerbe, Information und Kommunikation - 1.374
    Grundstücks- und Wohnungswesen, Finanz- und Unternehmensdienstleister - 1.405
    Öffentliche und sonstige Dienstleister, Erziehung und Gesundheit- 1.361

    Insgesamt 1.425 Stunden

Betrachte ich nun das Arbeitsvolumen der Erwerbstätigen (in Millionen Stunden), so sieht das folgendermaßen aus:

    Land- und Forstwirtschaft, Fischerei - 18,0
    Produzierendes Gewerbe ohne Baugewerbe - 223,0
    Verarbeitendes Gewerbe - 201,5
    Baugewerbe - 103,0
    Handel, Verkehr, Gastgewerbe, Information und Kommunikation - 255,0
    Grundstücks- und Wohnungswesen, Finanz- und Unternehmensdienstleister - 177,9
    Öffentliche und sonstige Dienstleister, Erziehung und Gesundheit - 351,4
    Insgesamt: 1128,3

Frage: Wieso ist die Gesamtstundenanzahl nicht die Summe aus allen oben angegebenen Bereichen? Müssten es zB beim ersten nicht 10350 Stunden sein? Wo ist mein Denkfehler?

Frage 2:
Fakt A: Fasse ich trotz meiner Frage 1 die obige Daten des Dienstleistungsbereiches zusammen (Handel-Gesundheit), so komme ich auf eine Gesamtstundenanzahl von 784,3 Millionen Stunden. Im Industriesektor (Summe von Prod.Gew.-Baugew.) sind es lediglich 527,5 Millionen Stunden; also weniger.
Fakt B: Fasse ich die Stunden aus dem Arbeitsvolumen je Erwerbstätigen zusammen, so zeigt sich das Gegenteil: Hier dominiert der Industriesektor.
Fakt C: Es zeigt sich, dass in der selben Stadt der übergroße Teil der Menschen (82%) im Dienstleistungsbereich arbeitet. Industrie = circa 18%.

Fazit: Im Industriesektor kommt also auf eine niedrigere absolute Gesamtstundenzahl eine kleinere Gruppe an Leuten, wodurch das Arbeitsvolumen je Erwerbstätigen höher liegt als im Dienstleistungsbereich, in welchem sich das insgesamt hohe Arbeitsvolumen durch eine sehr große Anzahl an Menschen teilt. Ist das korrekt gedacht? Kann man daraus auch schließen, dass im Dienstleistungsbereich prekäre Arbeitsbedingungen (ungewollte Teilzeit usw.) häufiger vorkommen als im Industriesektor, oder geht das aus den Daten eher weniger hervor?
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syna
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Re: Kommunale Statistik: Hilfe

Beitragvon syna » Di 14. Mär 2017, 01:01

Haha, komische Fragen. :D Aber ich beantworte sie gerne:

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Frage 1: Hier handelt es sich ja um "Arbeitsvolumen je Erwerbstätigten in Stunden",
Deshalb dürfen diese Zahlen nicht einfach addiert werden. Die "Gesamtzahl" ist
deswegen nicht die Summe der Zahlen, sondern das arithmetische Mittel der Zahlen! :thumbup:

Frage 2 A: Ja, korrekt.

Frage 2 B: Siehe Antwort zu Frage 1: Eine Addition der Zahlen ist nicht zulässig
bzw. macht keinen Sinn!

Frage 2 C: Der größere Teil arbeitet im Dienstleistungsbereich, aber die Prozentzahlen
von Dir sind falsch (--> siehe Frage 1 und 2 B).

Frage zum Fazit: Insgesamt ist das Arbeitsvolumen pro Person im Industriebereich
höher, das stimmt. Dass dann im Dienstleistungsbereich mehr prekäre Arbeitsplätze
vorhanden sind, das kann man daraus aber nicht schließen.

Denn die höhere Arbeitsdichte im Industriebereich kann folgende Ursachen haben:

1. Weniger Urlaubstage
2. Höhere Wochenarbeitszeit (42 statt 38-h-Woche)
3. Mehr Überstunden und Schichtarbeiten
4. Weniger krankheitsbedingter Ausfall
5. Weniger Teilzeitstellen

Zu (5): Teilzeitstellen sind gerade für Alleinerziehende oder Kreative sehr wichtig -
sie sind nicht per se ein Zeichen von prekären Situationen.

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Um zu ermitteln, wieviele prekäre Arbeitsverhältnisse bestehen,
müssten man also andere Zahlen herbeiholen. Z.b. Wie groß der Monats- oder
Jahresverdienst ist usw.

Grüße, Syna.
--~~/§&%"$!\~~--

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