Von 2000 bis 2016 haben die Deutschen ein Jahr für das Ausland gearbeitet

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Boraiel
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Von 2000 bis 2016 haben die Deutschen ein Jahr für das Ausland gearbeitet

Beitragvon Boraiel » So 5. Mär 2017, 17:49

Von 2000 bis 2016 hat Deutschland einen Außenhandelsbilanzüberschüss von 2,810 Billionen Euro angehäuft. https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesamtwirtschaftUmwelt/Aussenhandel/Tabellen/GesamtentwicklungAussenhandel.pdf?__blob=publicationFile
Von 2000 bis 2016 betrug das Bruttoinlandsprodukt aufgerechnet 43,110 Billionen Euro. Teilt man das durch 17 erhält man einen Durchschnittswert von 2,535 Billionen Euro. https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesamtwirtschaftUmwelt/VGR/Inlandsprodukt/Tabellen/BruttoinlandVierteljahresdaten_pdf.pdf?__blob=publicationFile
Es liegt also nahe zu behaupten, dass innerhalb von 17 Jahren die Deutschen 1 Jahr (bzw. sogar mehr) für das Ausland gearbeitet haben.
1 Jahr Autos, Maschinen produzieren, Medikamente herstellen, Pflanzen anbauen etc. - sprich die gesamte Wertschöpfung in Deutschland, - das den - sagen wir - Amerikanern geben ohne etwas von dort nach Hause zu bringen.
Ist eine solche Darstellung gerechtfertigt?
Wie seht ihr die Thematik? Sollte man dagegen etwas unternehmen?
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Boraiel
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Re: Von 2000 bis 2016 haben die Deutschen ein Jahr für das Ausland gearbeitet

Beitragvon Boraiel » So 5. Mär 2017, 18:38

Der Außenbilanzüberschuss ist gerade auf vor dem Hintergrund der deutschen Staatschulden meiner Ansicht nach absurd.
Hier nach https://www.gold.de/staatsverschuldung-deutschland/ betragen die 2,032 Billionen Euro. Von 2000 an sind diese von 1,210 Billionen auf die besagten 2,032 Billionen gestiegen, im gleichen Zeitraum hat dieses Land einen Überschuss von 2,810 Billionen erwirtschaftet. Wir haben Dinge in anderen Ländern selbst noch durch öffentliche Schulden finanziert, wenn man so will.
Wir könnten heute auch 0 (in Worten null) öffentliche Schulden haben und einen staatlichen Investmentfond von 810 Mrd. Euro.
Meiner Ansicht nach stimmen hier die politischen Rahmensetzungen im gewaltigen Maßstab nicht.
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Bielefeld09
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Re: Von 2000 bis 2016 haben die Deutschen ein Jahr für das Ausland gearbeitet

Beitragvon Bielefeld09 » So 5. Mär 2017, 20:24

Tja, Geld ist im Umlauf.
Das ist gut für die Wirtschaft.
Weiter so, nennt sich Prozess.
Was du willst, ist ein staatliche Zensur in wirtschaftliche Prozesse.
Nennt sich Planwirtschaft.
Klappt nicht.
Hattest du ein anderes Modell?
Auch wenn es mal falsch rüberkommt, es ist nie persönlich gemeint. Sorry :( :(
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Boraiel
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Re: Von 2000 bis 2016 haben die Deutschen ein Jahr für das Ausland gearbeitet

Beitragvon Boraiel » So 5. Mär 2017, 20:47

Bielefeld09 hat geschrieben:(05 Mar 2017, 20:24)

Tja, Geld ist im Umlauf.
Das ist gut für die Wirtschaft.
Weiter so, nennt sich Prozess.
Was du willst, ist ein staatliche Zensur in wirtschaftliche Prozesse.
Nennt sich Planwirtschaft.
Klappt nicht.
Hattest du ein anderes Modell?

Ich will gewiss keine Planwirtschaft, aber es stimmt doch etwas mit dem politischen Rahmensetzungen nicht, oder siehst du das nicht?
in einem Zeitraum, in dem die deutsche Wirtschaft gut läuft, so viel exportiert wird, wie geschehen, macht der deutsche Staat Schulden in Milliardenhöhe. Das Geld, was im Ausland angelegt wurde, hätte auch zur Zurückzahlung deutscher Schulden eingesetzt werden können.
Die deutsche Politik hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten (mit Ausnahme der letzten Jahre minimal) als nicht fähig erwiesen, dafür zu sorgen, dass wirtschaftlicher Erfolg in angemessener Art und Weise der Öffentlichkeit nutzt.
Wie ist es denn zu erklären und zu verantworten, dass die Staatschulden bei solch gigantischen Außenhandelsüberschüssen, bei solch riesigem wirtschaftlichen Erfolg noch gestiegen sind?
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Quatschki
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Re: Von 2000 bis 2016 haben die Deutschen ein Jahr für das Ausland gearbeitet

Beitragvon Quatschki » So 5. Mär 2017, 21:48

Was hat der Staatshaushalt mit der Außenhandelsbilanz zu tun?
Was hat die Staatsverschuldung mit der Außenhandelsbilanz zu tun??
Was menschlicher Wahn erschuf, kann durch menschliche Einsicht überwunden werden.
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Boraiel
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Re: Von 2000 bis 2016 haben die Deutschen ein Jahr für das Ausland gearbeitet

Beitragvon Boraiel » So 5. Mär 2017, 22:13

Quatschki hat geschrieben:(05 Mar 2017, 21:48)

Was hat der Staatshaushalt mit der Außenhandelsbilanz zu tun?
Was hat die Staatsverschuldung mit der Außenhandelsbilanz zu tun??

Nun, wir leben in einer Demokratie. Die Rahmenbedingungen für den Außenhandel setzt die Politik. Ebenfalls für die Einnahmen und Ausgaben des Staates und infolgedessen eine möglichen Schuldenlast ist die Politik verantwortlich. Wir sehen von 2000 bis 2016 einen deutlichen Anstieg der Schuldenlast, dabei hat es die Politik aber unterlassen den Außenhandel im deutschen Interesse zu gestalten. Wenn im Ausland deutsche Produkte gerne gekauft werden und Unternehmen gerne deutsche Produkte ins Ausland verkaufen, kann man dies nutzen, um über eine Veränderung der Außenhandelsrahmenbedingungen die Schulden der Bundesrepublik zu senken. Das ist aber nicht geschehen.
Stattdessen hat die öffentliche Hand noch Schulden aufgenommen, um ein günstiges Umfeld für Private zu schaffen, was diese genutzt haben, um Geld im Ausland anzulegen.
In meinen Augen ist das verfehlte Politik.
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Re: Von 2000 bis 2016 haben die Deutschen ein Jahr für das Ausland gearbeitet

Beitragvon Quatschki » So 5. Mär 2017, 22:17

Wie kommst du darauf , dass die Gläubiger deutscher Staatsschulden im Ausland sitzen?
Was menschlicher Wahn erschuf, kann durch menschliche Einsicht überwunden werden.
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Re: Von 2000 bis 2016 haben die Deutschen ein Jahr für das Ausland gearbeitet

Beitragvon Boraiel » So 5. Mär 2017, 22:22

Quatschki hat geschrieben:(05 Mar 2017, 22:17)

Wie kommst du darauf , dass die Gläubiger deutscher Staatsschulden im Ausland sitzen?

Das hab ich doch gar nicht gesagt.
Aber wir hätten die Macht über den Außenhandel nutzen können, um heute keine Schulden mehr zu haben, denn dort hat Deutschland seit 2000 einen Profit - wenn man so will - von 2,810 Billionen Euro erzielt.
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Re: Von 2000 bis 2016 haben die Deutschen ein Jahr für das Ausland gearbeitet

Beitragvon Quatschki » So 5. Mär 2017, 22:58

Boraiel hat geschrieben:(05 Mar 2017, 22:22)

Das hab ich doch gar nicht gesagt.
Aber wir hätten die Macht über den Außenhandel nutzen können, um heute keine Schulden mehr zu haben, denn dort hat Deutschland seit 2000 einen Profit - wenn man so will - von 2,810 Billionen Euro erzielt.

Aber nicht der deutsche Staat. Sondern die Unternehmen oder Privatpersonen haben diesen Überschuß erzielt.
Die haben 5 oder 6 Billionen Euro Sparguthaben.
Das haben sie bei den Banken und Versicherungen. Und die kaufen davon Staatsanleihen. Bedeutet, sie borgen dieses Geld dem Staat, weil der ein besonders zuverlässiger Schuldner ist!
Sie kaufen auch Anleihen anderer Staaten, wodurch die Deutschen zum Gläubiger dieser Staaten werden und von dort Zinsen bekommen. Umgekehrt kaufen institutionelle Anleger anderer Staaten deutsche Staatsanleihen.
Man muß also Staat, Unternehmen und Privatpersonen insgesamt betrachten
Deren gesamten Auslandsvermögen stehen ihre Auslandsschulden gegenüber, und wenn man das zweite vom ersten abzieht, erhält man das Nettoauslandsvermögen. Und das steigt für Deutschland seit Jahren an und steht laut Berechnungen der Bundesbank bei 1,6 Billionen Euro
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Re: Von 2000 bis 2016 haben die Deutschen ein Jahr für das Ausland gearbeitet

Beitragvon Boraiel » So 5. Mär 2017, 23:58

Quatschki hat geschrieben:Aber nicht der deutsche Staat. Sondern die Unternehmen oder Privatpersonen haben diesen Überschuß erzielt.

Das ist richtig, wir (der Staat, der Souverän) erlauben es diesen Unternehmen und Privaten jedoch auch diesen Überschuss zu erzielen. Es werden Rahmenbedingungen für den Handel mit dem Ausland gesetzt und diese bestimmen auch über die erzielten Gewinne. Wir können es Unternehmen völlig unattraktiv machen ihre Produkte ins Ausland zu verkaufen. Ich sehe da wenig Sinn drin, auf der anderen Seite habe ich auch kein besonderes Interesse daran, dass das für Unternehmen besonders günstig ist. Ob VW viele Autos aus Deutschland in China absetzen kann oder nicht - ist mir doch wuppe, der Wohlstand in Deutschland ist das Wichtige. Und da ist in den letzten Jahren für die öffentliche Hand einfach zu wenig zurückgekommen. Von den großen Gewinnen, die Unternehmen mit dem Handel mit dem Ausland erzielen, nimmt sich der Staat einfach zu wenig, sodass die öffentliche Haushalte immer noch Schulden haben, wofür es in Anbetracht der wirtschaftlich sehr erfolgreichen letzten Jahren eigentlich keine Veranlassung gibt.
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Re: Von 2000 bis 2016 haben die Deutschen ein Jahr für das Ausland gearbeitet

Beitragvon unity in diversity » Mo 6. Mär 2017, 02:06

Ein rohstoffarmes Land muß exportieren, um mit dem erwirtschafteten Geld alles importieren zu können, was es selber nicht hat, aber braucht, um seine Wertschöpfungszyklen am Laufen zu halten.
Grotesk wird es, wenn man das Geld zum Abkauf der Produktionsüberschüsse in Form von Krediten und Bürgschaften gleich mitliefert.
Wenn das in Länder geht, die sich nicht mit Gütern vergleichbarer Wertdichte revanchieren können, führt das zur Verschuldung dieser Länder.
Die Kredite müssen als uneinbringlich abgeschrieben werden (verschenktes Volksvermögen), oder die Bevölkerung auf Schmalkost gesetzt.
Das verschlechtert die weiteren Exportmöglichkeiten in solche Länder.
Die USA sind ein Sonderfall.
Aktuell fällt mir nichts ein, wie man das ändern kann.
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Re: Von 2000 bis 2016 haben die Deutschen ein Jahr für das Ausland gearbeitet

Beitragvon jorikke » Mo 6. Mär 2017, 08:50

Quatschki hat geschrieben:(05 Mar 2017, 21:48)

Was hat der Staatshaushalt mit der Außenhandelsbilanz zu tun?
Was hat die Staatsverschuldung mit der Außenhandelsbilanz zu tun??


Herzlichen Dank für die beiden Einwürfe.
Jetzt kann ich wieder frei atmen.
Als ich Boraiels Text las, befürchtete ich schon, heute Nacht irgendwo gegen gelaufen zu sein.
Er gibt wohl doch zu wenig für seine Ernährung aus.
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Quatschki
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Re: Von 2000 bis 2016 haben die Deutschen ein Jahr für das Ausland gearbeitet

Beitragvon Quatschki » Mo 6. Mär 2017, 09:20

Die Wirtschaftsnachrichten jonglieren immer mit den Begriffen und Statistiken, aber es gibt keine Sendung, wo mal einer die Grundzusammenhänge logisch und plausibel erklärt. Und beim Lehrpersonal an Schulen und Universitäten muß man auch Glück haben. Da wird, wenn es um Volkswirtschaft geht, allzu oft nur für die Erlangung irgendwelcher Scheine Fachchinesisch repetiert, ohne es geistig durchdrungen zu haben.
Aber es ist vielleicht auch nicht gewollt, dass unsere Bürger zu viel davon verstehen.
Denn sie ahnen zwar, dass sie hauptsächlich für andere arbeiten, können es aber nicht so richtig beweisen.
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Boraiel
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Re: Von 2000 bis 2016 haben die Deutschen ein Jahr für das Ausland gearbeitet

Beitragvon Boraiel » Mo 6. Mär 2017, 12:04

jorikke hat geschrieben:(06 Mar 2017, 08:50)

Herzlichen Dank für die beiden Einwürfe.
Jetzt kann ich wieder frei atmen.
Als ich Boraiels Text las, befürchtete ich schon, heute Nacht irgendwo gegen gelaufen zu sein.
Er gibt wohl doch zu wenig für seine Ernährung aus.

Du kannst gerne den Handelsbilanzüberschuss ohne Blick auf die öffentlichen Schulden betrachten.
Um diesen Zusammenhang aber noch mal zu verdeutlichen, wenn man Deutschland als großes Unternehmen sieht, dann ist dieses hoch verschuldet, aber extrem profitabel. In Zeiten großer Profite steigt die Schuldenlast noch, da kann man sich schon fragen, wohin fließen die Gewinne und warum gehen sie dort hin?
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Re: Von 2000 bis 2016 haben die Deutschen ein Jahr für das Ausland gearbeitet

Beitragvon Ein Terraner » Mo 6. Mär 2017, 14:02

Toller "Grenzen Zu" und "Weg mit dem Euro" Thread.
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Re: Von 2000 bis 2016 haben die Deutschen ein Jahr für das Ausland gearbeitet

Beitragvon Alter Stubentiger » Mo 6. Mär 2017, 15:10

Boraiel hat geschrieben:(05 Mar 2017, 20:47)

Ich will gewiss keine Planwirtschaft, aber es stimmt doch etwas mit dem politischen Rahmensetzungen nicht, oder siehst du das nicht?
in einem Zeitraum, in dem die deutsche Wirtschaft gut läuft, so viel exportiert wird, wie geschehen, macht der deutsche Staat Schulden in Milliardenhöhe. Das Geld, was im Ausland angelegt wurde, hätte auch zur Zurückzahlung deutscher Schulden eingesetzt werden können.
Die deutsche Politik hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten (mit Ausnahme der letzten Jahre minimal) als nicht fähig erwiesen, dafür zu sorgen, dass wirtschaftlicher Erfolg in angemessener Art und Weise der Öffentlichkeit nutzt.
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Die Motivation für eine unternehmerische Tätigkeit ist die Freiheit mit dem verdienten Geld daß zu machen was man will. Kannst du dir vorstellen was passiert wenn diese Motivation fehlt weil der Staat sowieso alles einkassiert was an Gewinn da ist?

Ein absoluter Schwachsinn ausgerechnet die Realwirtschaft so abzuwürgen. Geld sollte bei den Finanztransaktionen eingesammelt werden. Da kann man Geld abschöpfen. Selbst wenn dies die Börsen-Casinos schädigt. Die Wirtschaft kann auf den Kasinobetrieb an den Börsen gut verzichten.
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Re: Von 2000 bis 2016 haben die Deutschen ein Jahr für das Ausland gearbeitet

Beitragvon Alter Stubentiger » Mo 6. Mär 2017, 15:16

Boraiel hat geschrieben:(05 Mar 2017, 23:58)

Das ist richtig, wir (der Staat, der Souverän) erlauben es diesen Unternehmen und Privaten jedoch auch diesen Überschuss zu erzielen. Es werden Rahmenbedingungen für den Handel mit dem Ausland gesetzt und diese bestimmen auch über die erzielten Gewinne. Wir können es Unternehmen völlig unattraktiv machen ihre Produkte ins Ausland zu verkaufen. Ich sehe da wenig Sinn drin, auf der anderen Seite habe ich auch kein besonderes Interesse daran, dass das für Unternehmen besonders günstig ist. Ob VW viele Autos aus Deutschland in China absetzen kann oder nicht - ist mir doch wuppe, der Wohlstand in Deutschland ist das Wichtige. Und da ist in den letzten Jahren für die öffentliche Hand einfach zu wenig zurückgekommen. Von den großen Gewinnen, die Unternehmen mit dem Handel mit dem Ausland erzielen, nimmt sich der Staat einfach zu wenig, sodass die öffentliche Haushalte immer noch Schulden haben, wofür es in Anbetracht der wirtschaftlich sehr erfolgreichen letzten Jahren eigentlich keine Veranlassung gibt.


Das hört sich sehr nach Devisenbewirtschaftung an. Das hat das 3.te Reich und die DDR in große Schwirigkeiten gebracht. Es ist nicht gut wenn Beamte den Unternehmern sagen was sie im Ausland kaufen und verkaufen dürfen. Und wenn du den Außenhandel steuern willst geht dies nur über eine spezielle Behörde mit Beamten. Und natürlich die volle Kontrolle über die eigene Währung. Dazu darf sie dann nicht mehr konvertierbar sein. Der Besitz von eigenen Devisen muß verboten sein. Sonst klappt die Kontrolle nicht. Was du willst ist tatsächlich die Außenwirtschaft von DDR/3.te Reich.
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Re: Von 2000 bis 2016 haben die Deutschen ein Jahr für das Ausland gearbeitet

Beitragvon prime-pippo » Mo 13. Mär 2017, 11:27

Quatschki hat geschrieben:(05 Mar 2017, 21:48)

Was hat der Staatshaushalt mit der Außenhandelsbilanz zu tun?
Was hat die Staatsverschuldung mit der Außenhandelsbilanz zu tun??


Der Zusammenhang ist der, dass sich die Finanzierungssalden zu 0 addieren müssen.

Ein Außenhandelsdefizit (positiver Finanzierungssaldo des Auslands) bedeutet logisch zwingend, dass sich der Staat und/oder die Privaten verschulden, also einen negativen Finanzierungssaldo aufweisen.
"Banks do not, as too many textbooks still suggest, take deposits of existing money from savers and lend it out to borrowers: they create credit and money ex nihilo – extending a loan to the borrower and simultaneously crediting the borrower’s money account."
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Re: Von 2000 bis 2016 haben die Deutschen ein Jahr für das Ausland gearbeitet

Beitragvon Boraiel » Mo 13. Mär 2017, 12:29

"Die größte Strafe aber ist, von Schlechteren regiert zu werden, wenn einer nicht selbst regieren will; und aus Furcht vor dieser scheinen mir die Rechtschaffenen zu regieren, wenn sie regieren."
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Re: Von 2000 bis 2016 haben die Deutschen ein Jahr für das Ausland gearbeitet

Beitragvon BlueMonday » Mo 13. Mär 2017, 16:47

Also: das Ganze fängt nicht bei exportierenden Erfolgsunternehmen an - die bekommen ihre Rechnungen ja durchaus bezahlt - sonst hätten sie schnell keine Freude mehr am Export.
Sondern es beginnt schon bei den Investitionen von Inländern im Ausland. Damit zahlt letztlich "das Ausland", wenn man das denn unbedingt so abstrakt-merkantilistisch betrachten mag, teilweise die importierte Ware. Warum investieren deutsche Anleger (kaufen praktisch "Kapitalgüter") also lieber/mehr in den USA (statt in D)? An diesem Punkt müsstest du mit deinen Überlegungen beginnen.
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