"Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

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JJazzGold
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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon JJazzGold » Sa 26. Aug 2017, 09:36

yogi61 hat geschrieben:(26 Aug 2017, 10:32)

Das kann man so sehen und ich glaube auch nicht, dass so etwas in den nächsten 10 Jahren passieren wird. Ich sprach von den nächsten Generationen. Da ist vielen Leuten übrigens das Kochen völlig egal, entweder sie können es gar nicht mehr, oder sie halten es für Zeitverschwendung.


Was für eine freiwillige Einbuße an Lebensqualität, aber wenn das mehrheitlich so gewünscht ist, go ahead.
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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon yogi61 » Sa 26. Aug 2017, 09:43

JJazzGold hat geschrieben:(26 Aug 2017, 10:36)

Was für eine freiwillige Einbuße an Lebensqualität, aber wenn das mehrheitlich so gewünscht ist, go ahead.


Das ist eine Sache der Betrachtung. Es gibt auch Leute die sagen,es wäre keine Lebensqualität wenn man an der Supermarktkasse steht. Andere Stimmen meinen, dass man die Mobilität etwa durch Autos durchaus einschränken kann, wenn einem die Sachen ins Haus geliefert werden.
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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon JJazzGold » Sa 26. Aug 2017, 10:29

yogi61 hat geschrieben:(26 Aug 2017, 10:43)

Das ist eine Sache der Betrachtung. Es gibt auch Leute die sagen,es wäre keine Lebensqualität wenn man an der Supermarktkasse steht. Andere Stimmen meinen, dass man die Mobilität etwa durch Autos durchaus einschränken kann, wenn einem die Sachen ins Haus geliefert werden.


Wird nicht zurzeit schon ein System zur Erfassung von Ware, Preis und Abrechnung durch den Einkaufswagen erprobt oder sogar schon eingesetzt?
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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon yogi61 » Sa 26. Aug 2017, 10:31

JJazzGold hat geschrieben:(26 Aug 2017, 11:29)

Wird nicht zurzeit schon ein System zur Erfassung von Ware, Preis und Abrechnung durch den Einkaufswagen erprobt oder sogar schon eingesetzt?


Ja, auch die Kassen mit den Kreditkarten nehmen zu, aber irgendwie dauert das alles noch viel zu lange. Habe es selber probiert, bringt keinen Vorteil. Würde man den Deutschen endlich ihr Kleingeld wegnehmen, dann hätte man schon viel gewonnen.
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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon JJazzGold » Sa 26. Aug 2017, 10:53

yogi61 hat geschrieben:(26 Aug 2017, 11:31)

Ja, auch die Kassen mit den Kreditkarten nehmen zu, aber irgendwie dauert das alles noch viel zu lange. Habe es selber probiert, bringt keinen Vorteil. Würde man den Deutschen endlich ihr Kleingeld wegnehmen, dann hätte man schon viel gewonnen.


Wir waren gerade ein paar Wochen in Norwegen, es ist schon erstaunlich, was man dort alles mit Kreditkarte bezahlen kann, auch im Zelt bei den Sami.

Aber ausgerechnet die CD des Künsters der Mitternachtskonzerts in der Eismeerkapelle konnte ich dann nur bar bezahlen. Bedauerlicherweise hatte ich mich da schon an “nur Karte zücken“ gewöhnt.

Erfreulich war auch, dass die Norweger bedingt durch die Kartenzahlung kein Trinkgeld mehr verlangen, angeblich, denn in diversen Shops, Kaffees und an Bord stand dann doch ein Behältnis für Trinkgeld parat. ;)

Inwieweit online in Norwegen geliefert wird, habe ich nicht erfahren, aber wenn man in der absoluten Wildness wohnt, dürfte das einen Vorteil darstellen. Bei Städtern gehe ich auch in Deutschland davon aus, dass sie ihre Einkäufe quasi um die Ecke zu Fuß, per Fahrrad oder öffentlichem Verkehrsmittel erledigen.

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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon H2O » Sa 26. Aug 2017, 11:35

JJazzGold hat geschrieben:(26 Aug 2017, 11:53)

Wir waren gerade ein paar Wochen in Norwegen, es ist schon erstaunlich, was man dort alles mit Kreditkarte bezahlen kann, auch im Zelt bei den Sami.

Aber ausgerechnet die CD des Künsters der Mitternachtskonzerts in der Eismeerkapelle konnte ich dann nur bar bezahlen. Bedauerlicherweise hatte ich mich da schon an “nur Karte zücken“ gewöhnt.

Erfreulich war auch, dass die Norweger bedingt durch die Kartenzahlung kein Trinkgeld mehr verlangen, angeblich, denn in diversen Shops, Kaffees und an Bord stand dann doch ein Behältnis für Trinkgeld parat. ;)

Inwieweit online in Norwegen geliefert wird, habe ich nicht erfahren, aber wenn man in der absoluten Wildness wohnt, dürfte das einen Vorteil darstellen. Bei Städtern gehe ich auch in Deutschland davon aus, dass sie ihre Einkäufe quasi um die Ecke zu Fuß, per Fahrrad oder öffentlichem Verkehrsmittel erledigen.



Augenblicklich sehe ich eine andere Entwicklung: Die größeren Einzelhändler liefern Kisten mit bestellten Lebensmitteln an der Wohnungstür ab. Vor dem Hintergrund einer immer älter werdenden Käuferschaft dürfte diese Entwicklung ein Beitrag zu einem selbstbestimmten Leben der Alten sein.

Ich habe noch nicht erkannt, ob telefonisch oder mit SMS oder e-mail bestellt werden muß. Mir macht im Augenblick das Einkaufen in Läden noch viel Freude, aber ich kann mir schon vorstellen, daß mir diese Notwendigkeit irgendwann sehr schwer wird. Dann wäre das schon eine wirksame Hilfe.

Eine Vorstufe zu diesen Abläufen sind doch die Pizza-Bringdienste für eilige Esser.

Augenblicklich sitze ich mitten in der polnischen Puszcza... und siehe da: Der Tante Emma-Laden (eine groß geratene Garage mit allem erdenklichen Krims-Krams und natürlich Lebensmitteln) fährt bestellte Ware aus. Durch die Landflucht sind hier weit und breit die alten Leute in der Mehrheit, viele Gehöfte doch ziemlich weit abgelegen: Drei bis fünf km. Da dürfte der Bringedienst eine wesentliche Säule des Geschäfts sein. Hier bin ich sicher, daß die Bestellungen am Telefon angenommen werden. Das wird erst schwierig, wenn die Alten abdanken, oder Tante Emma selbst alt wird. Dann ist die Puszcza aber auch menschenleer geräumt.
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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon Quatschki » Sa 26. Aug 2017, 11:37

JJazzGold hat geschrieben:(26 Aug 2017, 11:53)
Inwieweit online in Norwegen geliefert wird, habe ich nicht erfahren, aber wenn man in der absoluten Wildness wohnt, dürfte das einen Vorteil darstellen.

Wenn denn das Postschiff endlich ankommt...

In sehr dünn besiedelten Staaten mit schlechter Infrastruktur hat der Versand so hohe Selbstkosten,
dass er entweder astronomisch teuer ist,
oder diese Mehrkosten per Quersubventionierung auf die Kundern in dicht besiedelten Regionen umgelegt werden,
oder der Staat über das staatliche Postwesen eine steuerfinanzierte Mindestversorgung sicherstellt, die dann aber oft nicht den Anforderungen modernen Onlinehandels genügt
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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon H2O » Sa 26. Aug 2017, 11:47

Quatschki hat geschrieben:(26 Aug 2017, 12:37)

Wenn denn das Postschiff endlich ankommt...

In sehr dünn besiedelten Staaten mit schlechter Infrastruktur hat der Versand so hohe Selbstkosten,
dass er entweder astronomisch teuer ist,
oder diese Mehrkosten per Quersubventionierung auf die Kundern in dicht besiedelten Regionen umgelegt werden,
oder der Staat über das staatliche Postwesen eine steuerfinanzierte Mindestversorgung sicherstellt, die dann aber oft nicht den Anforderungen modernen Onlinehandels genügt


Vielleicht entsteht da aber auch eine Nische für GPS-programmierte Transportdrohnen, die in Ballungsgebieten überhaupt keine sinnvolle Anwendung finden. Mit 100 kg Nutzlast ließe sich schon einiges anfangen... eine Art Gummi-Zeppelin?
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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon jorikke » Sa 26. Aug 2017, 12:22

JJazzGold hat geschrieben:(26 Aug 2017, 11:53)

Wir waren gerade ein paar Wochen in Norwegen, es ist schon erstaunlich, was man dort alles mit Kreditkarte bezahlen kann, auch im Zelt bei den Sami.

Aber ausgerechnet die CD des Künsters der Mitternachtskonzerts in der Eismeerkapelle konnte ich dann nur bar bezahlen. Bedauerlicherweise hatte ich mich da schon an “nur Karte zücken“ gewöhnt.

Erfreulich war auch, dass die Norweger bedingt durch die Kartenzahlung kein Trinkgeld mehr verlangen, angeblich, denn in diversen Shops, Kaffees und an Bord stand dann doch ein Behältnis für Trinkgeld parat. ;)

Inwieweit online in Norwegen geliefert wird, habe ich nicht erfahren, aber wenn man in der absoluten Wildness wohnt, dürfte das einen Vorteil darstellen. Bei Städtern gehe ich auch in Deutschland davon aus, dass sie ihre Einkäufe quasi um die Ecke zu Fuß, per Fahrrad oder öffentlichem Verkehrsmittel erledigen.

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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon Alter Stubentiger » Sa 26. Aug 2017, 14:46

yogi61 hat geschrieben:(25 Aug 2017, 19:24)

Die nächsten Generationen werden ihre Zeit sehr viel mehr zu schätzen wissen. Einkaufen wird da sicher nicht mehr als Zeiträuber eine grosse Rolle spielen. Wir hätten es wahrscheinlich auch schon so gemacht, wenn wir gekonnt hätten.

Und was machen die Leute mit der Zeit? Auf dem Sofa auf DHL warten? Oder mit dem Smartphone Pokemons jagen? Wieviele haben die Energie ihre Zeit sinnvoll zu verwenden wenn keine Sachzwänge sie datu bringen? Ich sehe da Riesenprobleme. Depressionen, Adipositas und sowas.
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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon Alter Stubentiger » Sa 26. Aug 2017, 14:49

jorikke hat geschrieben:(26 Aug 2017, 08:42)

Sei dir unbenommen. Viele Dinge macht man einfach weil man Freude daran hat.
Was die Qualität von online bestellten Lebensmitteln angeht, da mache ich mir keine Sorgen.
Besonders bei älteren Leuten wird das Bestellen per PC zunehmen.
Wenn das Geschäft erst einmal größeren Umfang angenommen hat, wächst der Konkurrenzdruck und kein Kaufmann, der bestehen will, kann es sich dann noch leisten vergammeltes Zeug unter zu schieben.
Außerdem verstehe ich mich nicht als Bananentester und wegen ein bisschen Grünzeug den PKW zu satteln ist schon heute unsinnig.

Zumindest in der Stadt reicht der Drahtesel zum einkaufen. An jeder Ecke ein Netto und Aldi. Würde mich wundern wenn sich Online-Lebensmittelhandel hier durchsetzen könnte. Es bringt einfach nichts.
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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon frems » Sa 26. Aug 2017, 15:52

schokoschendrezki hat geschrieben:(23 Aug 2017, 08:38)
Frage nun: Bringt der Paradigmenwechsel von Center auf der Grünen Wiese zu Center in der Innenstadt, der vor vielleicht zehn, fünfzehn Jahren einsetzte, tatsächlich auch einen Zugewinn an Lebensqualität für die Bewohner und auch einen Stop der Innenstadt-Verödung durch attraktive Angebote im Zentrum?

Weder noch. Man passt sich der Nachfrage halt an. Die Shoppingcenter auf der grünen Wiese hatten ja primär den Vorteil, dass sie aufgrund der niedrigen Mieten und entsprechend großen Flächen sehr günstig Produkte anbieten konnten, wozu ein innerstädtischer Kleinhändler nicht in der Lage wäre. Letzterer muss mit weniger Produkten einen höheren Gewinn (pro Stück) erzielen. Bei den Konsumtempeln in der Peripherie setzt man vor allem auf Masse. Und hier entsteht nun die Konkurrenz durch den E-Commerce, der diese Effekte noch besser nutzen kann und entsprechend günstiger ist. Das wirkte sich auch darauf aus, dass viele inhabergeführten Läden in letzter Zeit wieder gute Zeiten hatten, da sie zwar teurer sind, aber eben auch nah am Konsumenten. Heißt: soll es vor allem schnell gehen, geht man zum nächsten kleinen Geschäft. Soll's billig sein und kann gerne 12 bis 48 Stunden dauern, bestellt man online. Und das betrifft den ländlichen Raum noch viel mehr als Städte.

Zugleich gibt es in Städten ein spezielles Segment des Handels und meist nennt man umgangssprachlich "Shopping", was für einige Leute eben auch ein Erlebnis und Unterhaltung ist. Sie schlendern von Geschäft zu Geschäft, haben oftmals keine konkreten Kaufabsichten, verbringen eine Stunde im Café und gehen glücklich mit drei, vier, fünf Tüten nach Hause. Das ist was völlig anderes als der regelmäßige Besuch eines Supermarktes oder der Kauf von Autoöl. Und gerade in letzteres drängen zunehmend nicht nur Anbieter wie Amazon, sondern auch bestehende Ketten, die für einen kleinen Aufschlag die Waren bis in die Wohnung bringen und teilweise Pfandgut mitnehmen. Ich zitiere mich mal selbst statt es nochmal abzutippen:

frems hat geschrieben:(10 Aug 2017, 16:33)
Die schmucke Innenstadt steht vor ihrem Comeback
Ausgerechnet der boomende Onlinehandel könnte erstaunlich positive Folgen für unsere Städte haben. Experten glauben: Die gute, alte Fußgängerzone mit schmucken, kleinen Läden steht vor einem Comeback.

https://www.welt.de/kultur/kunst-und-ar ... eback.html

Leider ist der Artikel kostenpflichtig, aber ich fasse mal ein paar Punkte zusammen:

- die kleinen, inhabergeführten Geschäfte ("Tante-Emma-Laden") sind ausgesprochen resilient gegenüber dem Onlinehandel, da sie ein anderes Segment bedienen und systemische Vorteile haben. Durch die Nachverdichtung steigt die Zahl der potenziellen Kunden in Innenstädten.
- einer der Vorteile ist der kurze Weg, der auch das Leitbild der heutigen Stadtplanung ist. Die Käufer schätzen es, wenn sie fußläufig oder mit dem Rad ein spezielles Geschäft innerhalb weniger Minuten erreichen können. Da können auch Same-Day-Lieferungen von Onlinehändlern mithalten
- gerade in Großstädten ist der Anteil an Online-Bestellungen noch immer in der Minderheit, während er auf dem Lande mittlerweile dominiert
- der Online-Handel bedroht vor allem die "Massenabfertigung" von großen Einkaufszentren, die wiederum einige Kleinhändler bedrohten. Kurzum: sinken die Einkaufszentren, verteilen sich die Kunden auf Onlinehandel und "Tante-Emma-Geschäft"
- um eine Stelle aus dem Artikel zu zitieren: Was zu umständlich wäre, online zu bestellen, aber andererseits den Aufwand nicht lohnt, dafür eigens ein Einkaufscenter anzufahren, kann Tante Emma um die Ecke anbieten. Sie erweist sich als die ideale Ergänzung zum Fern-Einkauf. Alternative Jung- und Bioladenbesitzer haben das als Erste erkannt. Sie bieten den Nah-Kauf und den Schnell-Kauf, der eine Lücke im Angebot des Online-Handels ist. Und sie profitieren davon, dass das Center nicht mehr so häufig angefahren wird, weil der Kunde im Online-Handel vieles direkt beziehen kann, was vorher im Shoppingcenter einzeln zusammengekauft und ins Auto verladen werden musste.
- die Kunden haben einen steigenden Anspruch von Service- und Beratungsqualität im stationären Handel, den ein Fachgeschäft liefern kann, aber Shoppingzentren und Onlinehandel nicht; zumindest im direkten Kontakt und mit unmittelbarer Kaufmöglichkeit
- von neuen Mobilitätsformen (Leih-Lastenräder, Carsharing, ...) profitieren vor allem Einzelgeschäfte
- der Wandel ist nicht rein deutsch, sondern allgemein in der westlichen Welt anzutreffen. So schwärmen in den USA viele Städtebauer und Stadtplaner wieder von der "europäischen Stadt". Und die ist eben kompakt, nicht autogerecht.
- weiteres Zitat: Der Trend zu kleineren Ladengrößen begünstigt den Trend zu Urbanität und städtischer Dichte. Die Stadt der kurzen Wege, der Online-Handel und der Tante-Emma-Laden promoten sich gegenseitig. Es entsteht ein engmaschiges, kleinräumiges Strukturgeflecht, das den Wohnstandort Innenstadt aufwertet und noch attraktiver für Zuzügler macht. [...] 1. Die schmucke Innenstadt gewinnt ihre alte Attraktivität zurück. 2. Die Handelsformate der Nachkriegszeit sind tot. 3. Autozentrierte Städtebaustrukturen haben keine Zukunft mehr. Damit wird der funktionalistische Städtebau mit seinen rationalisierten Abläufen und seiner Funktionstrennung immer mehr zum Auslaufmodell.


Darauf wollen sich die Shoppingcentren natürlich auch durch innerstädtische Lagen profilieren. Bei uns wird gerade die Innenstadt um 40% erweitert (Projekt Hafencity). Das Herz des neuen Stadtteils wird -- welch Wunder -- ein riesiges Einkaufszentrum mit vielen Einrichtungen zur Unterhaltung (Cafés, Restaurants, ein Kino usw.): http://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/S ... ty576.html

Man darf ja auch eins nicht vergessen: die Einkäufe werden nicht unbedingt mehr oder weniger. Sie verlagern sich nur. Wer in solch ein neues Center geht, geht halt woanders nicht (mehr) hin. Durch Entertainment, Werbung und Angebote den Konsumanteil am verfügbaren Einkommen zu steigern, ist nur sehr geringfügig möglich. Es ist, wenn man so will, ein stadt-natürlicher Wandel, der immer Gewinner und Verlierer haben wird. Oder um einen Stadtsoziologen (sinngemäß) zu zitieren: "Innenstädte sind keine Naturschutzgebiete für überholte, defizitäre Geschäftsmodelle. Ihre Existenzberechtigung besteht einzig und alleine aus Dynamik und Veränderung."

Teilweise versuchten auch diese Einrichtungen an der Autobahn ein ähnliches "Shopping-Erlebnis" bieten, da sie merkten, dass viele Personen eben doch gerne in ihrer Freizeit flanieren und es dort gerne auch um Konsumgüter mit ordentlicher Gewinnmarge geht. Ein Beispiel wäre das Designer-Outlet in der Heide, wo Tourismus gezielt zum "Gesamtpaket" gehört: https://www.designeroutletsoltau.com/

Ob sich sowas durchsetzen und behaupten kann, wird man abwarten müssen.
Labskaus!

Ob Mailand oder Madrid -- Hauptsache Europa.
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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon Teeernte » Sa 26. Aug 2017, 21:46

Alter Stubentiger hat geschrieben:(26 Aug 2017, 15:49)

Zumindest in der Stadt reicht der Drahtesel zum einkaufen. An jeder Ecke ein Netto und Aldi. Würde mich wundern wenn sich Online-Lebensmittelhandel hier durchsetzen könnte. Es bringt einfach nichts.


Aldi/Netto hat keinen Bautzner Senf mit gelbem Deckel... :D

Die Produzenten werden unabhängiger von den Händlern .... man muss sich nicht einkaufen...Regalmeter kaufen.... und selbst "Kleingarten"-Erzeugnisse(MENGE) lassen sich absetzen....

....und - in Zukunft die Ware "vorgekostet" kaufen.... (Geschmacks-Follower)
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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon schokoschendrezki » So 27. Aug 2017, 04:30

frems hat geschrieben:(26 Aug 2017, 16:52)
Darauf wollen sich die Shoppingcentren natürlich auch durch innerstädtische Lagen profilieren. Bei uns wird gerade die Innenstadt um 40% erweitert (Projekt Hafencity). Das Herz des neuen Stadtteils wird -- welch Wunder -- ein riesiges Einkaufszentrum mit vielen Einrichtungen zur Unterhaltung (Cafés, Restaurants, ein Kino usw.): http://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/S ... ty576.html

Städte wie Hamburg oder Berlin vertragen solche selbst großen Umgestaltungen auch. Bei dem Beispiel eines neuentstehenden Innenstaft-Center, das mich zu dem Beitrag weiter oben veranlasst hat (Husum), hatte ich absolut nicht diesen Eindruck. An sich ist diese Verbindung von Einkaufen mit Kultur, Freizeit, Sport usw. eine gute Sache. Auch ich gehöre zu den Menschen, die sich kurioserweise mitten in einer Menschenmenge weitaus besser konzentrieren können als in der einsamen Stube. Ich habe schon im Studium (so gut wie) alles im Lesesaal und nicht zu Haus gemacht. Wenn das Kaffeehausliteratentum der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in anderen Formen (Programmieren an der Espresso-Bar oder gar neue Formen politischer Öffentlichkeit) eine Renaissance erlebt - nur gut. Aber obs wirklich darauf hinausläuft ..?
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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon schokoschendrezki » So 27. Aug 2017, 04:50

Es gibt Entwicklungen auf dem Gebiet des Einzelhandels, die ich noch vor kurzem für ausgeschlossen gehalten hätte. Beispiel: Rand-Berlin, "Speckgürtel", einst halbdörfliches Ambiente mit Getreidefeldern in Sichtweite. Dann ca. 25 Jahre Standard-Supermärkte, Parkplätze, einer letztendlich wie der andere (von Preisunterschieden abgesehen). Eine "Hunde"-Netto-Filiale dümpelte so ca.. 10, 15 Jahre vor sich hin. Nie mehr als 4 oder 5 PKWs auf dem riesigen Parkplatz. Nie mehr als 5-10 Kunden im Innenraum. Davor immer eine Gruppe Alkis und einige pickende Krähen. Die Trostlosigkeit par excellence. Dann machte die Filiale dicht. Und dann machte ein russischer Supermarktkette eine Filiale auf. Mit einer völlig anderen Angebotspalette. (Nicht etwa "Mischka-Konfekt" und "Moskauer Eis" und ansonsten dasselbe wie anderswo, von der Sorte gibts bereits genug in Berlin). Sondern: ein schier unglaubliches Angebot an frischem Gemüse und frischen Milchprodukten in ganz ungewohnten Variationen und vor allem: Eine Fischtheke von der Groeße und Angebotsvielfalt einer großen Hafenstadt-Markthalle. Frische, lebende, heiß und kalt geräucherte, getrocknete Fische mit jeweils etlichen Sorten. Ein Hamburger mag darüber lächeln, Für einen Berliner ist das völlig ungewohnt. (Es gibt in Berlin noch genau einen spezialisierten "Fischmarkt", der jedoch auch nicht mal an die Vielfalt der Russen am Statrand herankommt.) Und es hat sich inzwischen herumgesprochen. Es kommen nicht mehr nur Russen sondern zunehemnd völlig verdutzte Berliner. Und auf dem Parkplatz davor sammeln sich auch keine Alkis sondern es wird Schaschlik gegrillt und verkauft.
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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon watisdatdenn? » So 27. Aug 2017, 07:09

yogi61 hat geschrieben:(26 Aug 2017, 10:32)
Das kann man so sehen und ich glaube auch nicht, dass so etwas in den nächsten 10 Jahren passieren wird. Ich sprach von den nächsten Generationen. Da ist vielen Leuten übrigens das Kochen völlig egal, entweder sie können es gar nicht mehr, oder sie halten es für Zeitverschwendung.

Sehe ich auch so. Kochen rentiert sich erst bei Großfamilien finanziell. Allein die Anschaffungskosten für eine Küche müssen erst mal reingeholt werden.
Meine Frau kocht gerne. Sonst hätten wir keine Küche.

Es wird auch so nur selten gekocht. Ich und meine Frau essen in der Arbeit und die Kinder im Kindergarten..
Gekocht wird manchmal noch am Wochenende.
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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon JJazzGold » So 27. Aug 2017, 07:29

watisdatdenn? hat geschrieben:(27 Aug 2017, 08:09)

Sehe ich auch so. Kochen rentiert sich erst bei Großfamilien finanziell. Allein die Anschaffungskosten für eine Küche müssen erst mal reingeholt werden.
Meine Frau kocht gerne. Sonst hätten wir keine Küche.

Es wird auch so nur selten gekocht. Ich und meine Frau essen in der Arbeit und die Kinder im Kindergarten..
Gekocht wird manchmal noch am Wochenende.



Das bisschen Essen hätten Sie am Wochenende auch online bestellen und sich liefern lassen können.
Mit dem Geld für die Kücheneinrichtung hätte sich bestimmt etwas Sinnvolleres anfangen lassen.
Ein sog. Küchenschrank hätte völlig gereicht.
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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon jorikke » So 27. Aug 2017, 07:48

JJazzGold hat geschrieben:(27 Aug 2017, 08:29)


Das bisschen Essen hätten Sie am Wochenende auch online bestellen und sich liefern lassen können.
Mit dem Geld für die Kücheneinrichtung hätte sich bestimmt etwas Sinnvolleres anfangen lassen.
Ein sog. Küchenschrank hätte völlig gereicht.


Der Zeitgeist macht uns fertig oder - je nach Einstellung - fit.
Wem dreimal das Smartphone in die Suppe gefallen ist, dem bricht die Küchenallergie aus.
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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon JJazzGold » So 27. Aug 2017, 08:03

jorikke hat geschrieben:(27 Aug 2017, 08:48)

Der Zeitgeist macht uns fertig oder - je nach Einstellung - fit.
Wem dreimal das Smartphone in die Suppe gefallen ist, dem bricht die Küchenallergie aus.


Das ist der online Abschnitt der Zeit. Das suppen-, sprich flüssigkeitsresiszente Smartphone ist wahrscheinlich schon erfunden, wir beide wissen es nur nicht, weil wir weder unter Wasser, noch unter Suppe im Internet surfen wollen.
Es soll ja soger Leute geben, die sich einen Chip unter die Haut pflanzen lassen, um die schwere Karte zum Bezahlen nicht mit sich schleppen zu müssen und begeistert darüber sind, dass sich jede ihrer Bewegungen lückenlos überwachen lässt.

“In“ scheinen zurzeit auch diese Uhren mit persönlichem Datenabruf zu sein. Zwei meiner Freundinnen verfallen abends jeweils in Euphorie oder Panik, weil sie die angegebene Schrittzahl/Tag entweder überschritten, eingehalten, oder unterschritten haben.

Ich, respektive mein Körper, weiß auch ohne das Teil, was ich pro Tag mit Haushalt, Garten, Schwimmen und Radfahren geleistet habe und wenn ich bei der Hitze den ganzen Nachmittag lesend auf der Liege verbringe, so what?
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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon jorikke » So 27. Aug 2017, 08:19

JJazzGold hat geschrieben:(27 Aug 2017, 09:03)


Das ist der online Abschnitt der Zeit. Das suppen-, sprich flüssigkeitsresiszente Smartphone ist wahrscheinlich schon erfunden, wir beide wissen es nur nicht, weil wir weder unter Wasser, noch unter Suppe im Internet surfen wollen.
Es soll ja soger Leute geben, die sich einen Chip unter die Haut pflanzen lassen, um die schwere Karte zum Bezahlen nicht mit sich schleppen zu müssen und begeistert darüber sind, dass sich jede ihrer Bewegungen lückenlos überwachen lässt.

“In“ scheinen zurzeit auch diese Uhren mit persönlichem Datenabruf zu sein. Zwei meiner Freundinnen verfallen abends jeweils in Euphorie oder Panik, weil sie die angegebene Schrittzahl/Tag entweder überschritten, eingehalten, oder unterschritten haben.

Ich, respektive mein Körper, weiß auch ohne das Teil, was ich pro Tag mit Haushalt, Garten, Schwimmen und Radfahren geleistet habe und wenn ich bei der Hitze den ganzen Nachmittag lesend auf der Liege verbringe, so what?


In meinem Fall hat das Alter den Vorteil die Wandlungen der Gewohnheiten, am Beispiel meiner acht Kinder und Enkelkinder, gut beobachten zu können.
Das eigene Aufwachsen in den 50-Jahren erinnere ich noch sehr gut.
Dazwischen liegen Welten, sie hat sich aber weiter gedreht, direkte Vergleiche als Gradmesser wären dumm.
Deshalb urteile ich nicht über Dinge die mir im Grunde fremd sind. Ich akzeptiere sie weitgehend ohne sie zu lieben.
Letztes Wochenende haben wir den 70. meiner Frau gefeiert.
Nachmittags, beim Kaffee auf der Pergola waren von 17 Personen acht mit ihrem iPhone beschäftigt.
Das als grobe Unhöflichkeit zu begreifen, wäre wohl keinen von ihnen eingefallen.
Ist es wahrscheinlich auch nicht mehr aber an mir ist dieser Wandel wohl vorbeigegangen.

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