"Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

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jorikke
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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon jorikke » Do 9. Feb 2017, 20:50

frems hat geschrieben:(09 Feb 2017, 20:40)

Könntest Du den Wahlkampf bitte ein einziges mal in einem Strang sein lassen, Genosse? :p Es sind gerade die CDU-geführten Kleinstädte, die darüber klagen, dass ihnen die Ortskerne veröden und früher alles besser war.


Etwas beklagen heißt, den Finger auf die Wunde legen, Aufmerksamkeit erregen und Änderungen herbei führen.
Insofern liegen die Parteien nicht schlecht.
Allerdings, den Einzelhandel retten, der Zug ist abgefahren.
Finger weg CDU, es ist unchristlich die Agonie zu verlängern.
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frems
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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon frems » Do 9. Feb 2017, 20:55

jorikke hat geschrieben:(09 Feb 2017, 20:50)

Etwas beklagen heißt, den Finger auf die Wunde legen, Aufmerksamkeit erregen und Änderungen herbei führen.
Insofern liegen die Parteien nicht schlecht.
Allerdings, den Einzelhandel retten, der Zug ist abgefahren.
Finger weg CDU, es ist unchristlich die Agonie zu verlängern.

Schulden sind auch haram, erst recht bei schwarzen Nehmerländern (http://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial ... 32508.html), aber darum geht's ja nicht. Den Wandel im Handel kann ja keine Partei aufhalten, sondern nur schauen, wie man freiwerdende Potenziale raumordnungspolitisch sinnvoll nutzt und Begleiterscheinungen intelligent steuert. Der Einzelhandel nimmt ja ordentlich Flächen ein.
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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon Helmuth_123 » Do 9. Feb 2017, 20:56

Teeernte hat geschrieben:(08 Feb 2017, 21:23)

Was hast Du gekauft ? Einen Robotron ?


Ich habe bisher noch keinen Fernseher gekauft. Es war nur ein Beispiel, das ich von einem anderen Nutzer aufgriff, um meine Position zu verdeutlichen.
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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon frems » Sa 25. Feb 2017, 19:56

So langsam passt sich das träge Ausbildungswesens dem 21. Jahrhundert an:

In den Ausbildungsordnungen von Groß- oder Einzelhandelskaufleuten kam der Onlinehandel bisher nicht vor. Wer ihn beherrscht, hat ihn sich selbst beigebracht. Das ändert sich jetzt mit einem eigenen Ausbildungsberuf.

s ist der ganz große Wachstumsmarkt: Während der Umsatz des deutschen Einzelhandels von Januar bis November 2016 um 1,9 Prozent wuchs, legten die Händler im Internet um 5,4 Prozent zu. Und im Weihnachtsgeschäft, zu dem das Statistische Bundesamt noch keine Zahlen veröffentlicht hat, dürfte der Online-Handel die Konkurrenz in den Läden noch einmal überflügelt haben.

Nicht nur Bücher, Kleidung und Schuhe kaufen die Deutschen inzwischen selbstverständlich über das Internet ein. Auch Matratzen, Spielzeug oder Möbel werden zunehmend online geordert. Selbst Lebensmittelketten werben für die Bestellung im Netz.

Dass die Digitalisierung den Handel wie kaum eine andere Branche verändert, setzt nicht nur die Unternehmen unter Druck, sondern auch ihre Mitarbeiter. Wer erfolgreich sein will, muss möglichst überall Zuhause sein – in der Fußgängerzone wie im virtuellen Raum. Multichannel-Handelsexperten sind gefragt. Doch darauf ist in den Unternehmen fast niemand vorbereitet.

https://www.welt.de/wirtschaft/karriere ... fmann.html
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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon Boracay » Sa 25. Feb 2017, 22:09

Helmuth_123 hat geschrieben:(08 Feb 2017, 19:46)

Wenn ich den Fernseher im Elektroladen meiner Heimat- oder Nachbarstadt kaufe, dann verdient der Laden daran, die Mitarbeiter bekommen davon ihren Lohn, es werden davon entsprechend Steuern gezahlt und möglicherweise gibt der Mitarbeiter seinen Lohn auch wieder in der Region aus. Wenn ich den Fernseher über den Versandhandel bestelle, dann geht das Geld an den Versandhändler, der seinen Sitz möglicherweise nicht in meiner Region hat oder sogar im Ausland.


Und wie viele Fernsehgeschäfte hat es so bei dir in der Region? Ich müsste da jetzt schon sehr lange suchen und noch einen Laden zu finden. Die 1-2 Ketten mit ihren Angestellten mit Migrationshintergrund die es hier noch gibt verdienen mit dem Verkauf von Fernsehern absolut null Geld. Das Geld wird dem Verkauf von überteuertem Zubehör verdient. Und wer da so dumm ist ein Kabel für 15€ im Einzelhandel zu kaufen anstelle für 2€ im Netz, dem kann man nicht helfen.
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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 23. Aug 2017, 07:38

Sorry, wenn ich diesen Thread noch mal hochhole. Anlass war ein kürzlicher Besuch im nordfriesischen Husum. Nicht als "Touri" wohlbemerkt. Also ausdrücklich nicht aus der Perspektive eines Besuchers, der ein wenig an Fischläden, Kunsgewerbeausstellungen, Friesenteegeschäften, kleinen malerischen Häfen entlangschlendern möchte und sich beschwert, wenn den Anwohnern das tägliche Leben (u.a. durch Einkaufsmöglichkeiten) verbessert werden soll. Sondern aus der Perspektive von guten Freunden/Freundinnen, die ein Dutzend Kilometer außerhalb von Husum am Rande eines ganz kleinen Dörfchens leben.

Mitten in der Husumer Innestadt entsteht gerade mit dem HSC (Husum Shopping Center) ein großes regionales Einkaufscenter, das nächstes jahr eröffnet wird. Interessiert geworden habe ich mich etwas eingelesen und erfahre, dass Schleswig-Holstein inzwischen einen D-weiten Spitzenplatz beim Neubau von Shopping-Centern dieses Typs einnimmt (und wenn ich mich recht erinnere MVP gleich dahinter).

Frage nun: Bringt der Paradigmenwechsel von Center auf der Grünen Wiese zu Center in der Innenstadt, der vor vielleicht zehn, fünfzehn Jahren einsetzte, tatsächlich auch einen Zugewinn an Lebensqualität für die Bewohner und auch einen Stop der Innenstadt-Verödung durch attraktive Angebote im Zentrum?

Wie ist dieser Trend aus architektonischer und auch verkehrsplanerischer Sicht zu beurteilen?

Wie ist die kombinierte Entwicklung aus wachsendem Online-Handel, im Rückzug befindlichen separaten Einzelhandelsgeschäften und zunehmender Anzahl von Innenstadt-Shopping-Centern zu beurteilen?

Versucht man per Internet-Rechereche Wertungen zum Konzept Innenstadt-Shopping-Center zu bekommen, so stößt man gefühlt auf den ersten 100 Suchtreffern beinahe ausschließlich auf das Kriterium "Anteil bereits vermieteter Flächen am Gesamtflächenangebot". Und zum anderen erfährt man, in welchem Maße der Bau solcher Center von dem Wunsch großer internationaler Geldgeber (Rentenfonds, Banken, Investitionsfonds) bestimmt wird, die relativ gute wirtschaftliche Lage in Deutschland für die Platzierung renditeträchtiger Anlagen zu nutzen. Als Effekt beginnen bereits jetzt, die Renditeerwartungen zu sinken. Ist das ganze Konzept von daher nicht etwas kurzfristig und vor allem völlig vorbei an tatsächlichen Kundenbedürfnissen und vor allem Lebensqualitätsverbesserungen der jeweiligen Bürger geplant?

Vor allem im Bereich Textilien, aber auch Schuhe haben im Einzelhandel der letzten zehn, fünfzehn Jahre über 50 Prozent der Anbieter aufgegeben. Für die Bereiche Technik, Elektronik, Medien, Bücher würde ich vom Gefühl her für die nächste Zeit ähnliches erwarten. Es sind vor allem die immergleichen großen Unternehmen (H&M, Rossmann, Saturn usw. usf.), die gegenüber der enormen Breite des Online-Handels, die immer auch echte Exoten jenseits vom Mainstream einschließt, die für die Drögheit dieses ganzen Konzepts sorgen. Ich hatte die (zufällige) Gelegenheit, ein paar Husumer beim Begucken der großen HSC-Baustelle zu "belauschen" und habe genau und exakt diesen Vorbehalt bestätigt gefunden.
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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon watisdatdenn? » Mi 23. Aug 2017, 07:56

nezumi hat geschrieben:(06 Feb 2017, 10:02)
Lebensmittel und Alltagsbedarf sind eine andere Geschichte. Solange dort die Sofortlieferung mit überhöhten Preisen oder Lieferkosten verbunden ist, bleibt das Ladengeschäft das geringere Übel.

ich finde die edeka box gut:
https://www.edekanord-shop.de/gaimersheim/edekabox
keine zusatzkosten und auch obst ist in top zustand!
einkaufszettel und in supermarkt herumirren brauch ich nicht mehr :).
man kann auch liefern lassen, kostet aber was.
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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 23. Aug 2017, 07:58

Um beim Thema konstruktiv zu bleiben, müssen natürlich auch positive Gegenbeispiele genannt werden. Das sind für mich zum einen Kombinationen aus Bahnhof und Shopping Center. Beispiele gibts genügend. Stellvertretend hier nur: Leipzig Hauptbahnhof.

Das mit Abstand faszinierendste, was ich in dieser Hinsicht kenne, ist das Renoma Center im polnischen Breslau/Wrocław. Es liegt in der komplett wiederaufgebauten Innenstadt in einem ehemaligen Wertheim
-Kaufhaus-Gebäude, das in den zwanziger, dreißiger Jahren eines der klassischen europäischen Konsumtempel war. In der Innenstadt zwar aber am Rande und außerhalb der völlig auto- und ahistorienfreien zentralen Altstadt. (Und das übrigens auf einer Architektur-Biennale in Barcelona zum europäsichen "Gebäude des Jahres" erklärt wurde).

Neben (natürlich) gehobenem, klassischen Konsum: Chopin-Musik am weißen Schleiflack-Piano anstelle von nervtötendem Popschlager-Zeugs von dumm dreinblickenden "DJ"s. Man muss das nicht mögen und hätte auch gute Gründe, das für abgehoben und der tatsächlichen sozialen Lage der meisten Polen nicht angemessen zu halten. Aber man sieht: Es geht auch völlig anders.
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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon watisdatdenn? » Mi 23. Aug 2017, 08:05

Adam Smith hat geschrieben:(09 Feb 2017, 13:08)
Dann werden die Drohnen mit Kameras ausgerüstet welche die Bilder an eine zentrale Stelle übermitteln. Und schon ist der Täter geschnappt. Des Weiteren ist auch unklar inwiefern die jemals in grosser Anzahl fliegen werden.

in deutschland nicht.. hier ist es erstmal verboten :mad: . scheiß hinterwäldler diese berliner politiker..
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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon Selina » Mi 23. Aug 2017, 08:11

schokoschendrezki hat geschrieben:(23 Aug 2017, 08:58)

Um beim Thema konstruktiv zu bleiben, müssen natürlich auch positive Gegenbeispiele genannt werden. Das sind für mich zum einen Kombinationen aus Bahnhof und Shopping Center. Beispiele gibts genügend. Stellvertretend hier nur: Leipzig Hauptbahnhof.

Das mit Abstand faszinierendste, was ich in dieser Hinsicht kenne, ist das Renoma Center im polnischen Breslau/Wrocław. Es liegt in der komplett wiederaufgebauten Innenstadt in einem ehemaligen Wertheim
-Kaufhaus-Gebäude, das in den zwanziger, dreißiger Jahren eines der klassischen europäischen Konsumtempel war. In der Innenstadt zwar aber am Rande und außerhalb der völlig auto- und ahistorienfreien zentralen Altstadt. (Und das übrigens auf einer Architektur-Biennale in Barcelona zum europäsichen "Gebäude des Jahres" erklärt wurde).

Neben (natürlich) gehobenem, klassischen Konsum: Chopin-Musik am weißen Schleiflack-Piano anstelle von nervtötendem Popschlager-Zeugs von dumm dreinblickenden "DJ"s. Man muss das nicht mögen und hätte auch gute Gründe, das für abgehoben und der tatsächlichen sozialen Lage der meisten Polen nicht angemessen zu halten. Aber man sieht: Es geht auch völlig anders.


Ja, der Leipziger Hauptbahnhof ist ein gutes Beispiel für gelungene Verbindung von Alt und Neu, von Traditionellem und Modernem. Kann ich bestätigen, bin oft dort und fühle mich da wohl, als Reisender und Kunde. Aber ansonsten stimmt es schon: Was da zum Teil aus Innenstädten - auch im Osten - gemacht wird, spottet jeder Beschreibung. Da werden durch große, in den Medien hochgelobte Investitionen aller möglichen großen Investoren ebenso große Shopping-Meilen fabriziert, obwohl sich die Bürger (ich kenne das Beispiel aus eigener Anschauung) in der Mehrheit gegen solch eine großflächige, hohe und monströse Bebauung a la Potsdamer Platz ausgesprochen haben und sie viel mehr für architektonische Kleinteiligkeit in ihrer City waren. Das waren aber ganz offensichtlich nur pseudodemokratische Umfragen, weil dann sowieso gemacht wurde, was Investoren, verbandelt mit maßgeblichen Stadtvätern, so wollten. Das Ergebnis: Kälte durch zu viel Glas, Stahl und Beton und natürlich das Wegbrechen sämtlicher kleiner Händler in der Umgebung. Oder genauer gesagt: Das Dahindümpeln von ihnen wegen der großen Ketten in den überdimensionierten Einkaufspalästen vor ihrer Nase.
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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon Dampflok94 » Mi 23. Aug 2017, 08:12

In den meisten Shopping-Center findet man dann doch immer die gleichen Ketten. Ausnahmen sind selten. Eine davon ist hier das Bikini Berlin. Firmen die noch nicht ganz so bekannt sind.

Aber ein Problem ist vor allem die schiere Masse. In Berlin stehen die Dinger inzwischen an jeder Ecke. Bei mir in Moabit ist auch schon wieder eins im Bau, obwohl wenige Meter weiter bereits eines steht. Das trifft dann den Einzelhandel schon. Früher waren rund um die Kaufhäuser durchaus ein lebendiger Einzelhandel zu finden. Einfach weil da wo die Kaufhäuser waren auch Kunden waren. Aber die Kaufhäuser gab es nun nicht gerade im Dutzend.
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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon Alpha Centauri » Mi 23. Aug 2017, 11:50

Selina hat geschrieben:(23 Aug 2017, 09:11)

Ja, der Leipziger Hauptbahnhof ist ein gutes Beispiel für gelungene Verbindung von Alt und Neu, von Traditionellem und Modernem. Kann ich bestätigen, bin oft dort und fühle mich da wohl, als Reisender und Kunde. Aber ansonsten stimmt es schon: Was da zum Teil aus Innenstädten - auch im Osten - gemacht wird, spottet jeder Beschreibung. Da werden durch große, in den Medien hochgelobte Investitionen aller möglichen großen Investoren ebenso große Shopping-Meilen fabriziert, obwohl sich die Bürger (ich kenne das Beispiel aus eigener Anschauung) in der Mehrheit gegen solch eine großflächige, hohe und monströse Bebauung a la Potsdamer Platz ausgesprochen haben und sie viel mehr für architektonische Kleinteiligkeit in ihrer City waren. Das waren aber ganz offensichtlich nur pseudodemokratische Umfragen, weil dann sowieso gemacht wurde, was Investoren, verbandelt mit maßgeblichen Stadtvätern, so wollten. Das Ergebnis: Kälte durch zu viel Glas, Stahl und Beton und natürlich das Wegbrechen sämtlicher kleiner Händler in der Umgebung. Oder genauer gesagt: Das Dahindümpeln von ihnen wegen der großen Ketten in den überdimensionierten Einkaufspalästen vor ihrer Nase.


Ja, und dann beklagen jene Vertreter über die vermeintlich vom Internet verursachte Verödung von Innenstädten ,die im eigentlichen Sinne mit der Verödung der Innenstädte begonnen haben ( Stichwort immer gleiche Konsum Tempel mit MC Donalds, H&M und Co.) Schon lustig :D
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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon yogi61 » Mi 23. Aug 2017, 12:55

Es ist eine Allianz der Giganten: Der US-Internetkonzern Google kooperiert ab September mit der Supermarktkette Walmart, dem größten Einzelhändler der Welt. Das teilten die beiden Unternehmen mit. Demnach will Walmart seine Produkte künftig bei "Google Express" anbieten, einer Art Online-Supermarkt des Konzerns. Auf der Plattform, die 2013 in Betrieb ging, können sich Kunden in vielen Ballungsgebieten der USA Lebensmittel nach Hause bestellen. Es wäre das erste Mal, dass Walmart seine Waren außerhalb des eigenen Online-Shops anbietet.

Die Kooperation zwischen Walmart und Google ist vor allem eines: eine Kampfansage an Amazon. Der Internet-Versandhändler, der anfangs noch Bücher und CDs verschickte, hat längst auch den Lebensmittel-Einzelhandel für sich entdeckt. Zuletzt gab Amazon etwa die Übernahme der Bio-Supermarktkette Whole Foods bekannt.

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/g ... -1.3637305

Auch wenn wir in diesem Land meist zehn Jahre zurück sind,wird sich das am Ende durchsetzen. Unsere Enkel werden das Haus und die Wohnung wegen solcher Dinge wie Einkaufen nicht mehr verlassen.
Two unique places, one heart
https://www.youtube.com/watch?v=Ca9jtQhnjek
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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon Selina » Mi 23. Aug 2017, 13:13

Ja, genau, yogi61, so wirds kommen. Aber diese Architektur- und Einzelhandelssünden, von denen ich sprach, passierten Anfang bis Ende der 90er. Und damit müssen wir noch ne Weile leben. Die Innenstadtverödung wird durch die von dir geschilderten Extrem-Entwicklungen, über die ich neulich auch las, noch größer werden. Eine Art moderne Geisterstädte. Da lob ich mir die Studenten, die sich immer mehr innenstadtnahe Außenbezirke erobern und schön alternativ und bunt für ihre Zwecke umgestalten. Damit waren allerdings "nur" Teile Mitteldeutschlands gemeint. In den Metropolen wie Berlin gibt es nochmal ne andere, verschärftere Art von "Verödung" oder besser "Landnahme". Stichwort Gentrifizierung.
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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon Pro&Contra » Mi 23. Aug 2017, 13:52

Der Einzelhandel ist größtenteils überflüssig geworden. Im Internet habe ich eine wesentliche größere Auswahl, eine viel bessere Vergleichsmöglichkeit und keinen Stress. Der Deutsche Einzelhandel wäre gut beraten, wenn er sich zusammentun würde und einen Onlinestore wie Amazon aufbauen würde. Ich persönlich kaufe so gut wie alles online. In Ausnahmefällen gehe ich in ein Fachgeschäft. Ein Fahrrad zum Beispiel kaufe ich lieber noch offline. Aber mindestens 90% meiner Einkäufe finden online statt. Von Lebensmitteln mal abgesehen.
Wenn ich nicht antworte, dann habe ich entweder keine Lust oder deine Argumente sind Unsinn.
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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon Quatschki » Mi 23. Aug 2017, 14:09

Pro&Contra hat geschrieben:(23 Aug 2017, 14:52)
Der Deutsche Einzelhandel wäre gut beraten, wenn er sich zusammentun würde und einen Onlinestore wie Amazon aufbauen würde.

Kannst du vergessen.
Für echte Konkurrenz sind die viel zu klein. Da hat nur Alibaba oder Google eine Chance
Es kommt ja auf Vernetzung und die möglichst exklusive Präsenz auf allen möglichen Plattformen an.
Ein schnöder Onlinestore ist Stand von vor 20 Jahren
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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon gödelchen » Mi 23. Aug 2017, 14:28

Pro&Contra hat geschrieben:(23 Aug 2017, 14:52)

Der Einzelhandel ist größtenteils überflüssig geworden. Im Internet habe ich eine wesentliche größere Auswahl, eine viel bessere Vergleichsmöglichkeit und keinen Stress. Der Deutsche Einzelhandel wäre gut beraten, wenn er sich zusammentun würde und einen Onlinestore wie Amazon aufbauen würde. Ich persönlich kaufe so gut wie alles online. In Ausnahmefällen gehe ich in ein Fachgeschäft. Ein Fahrrad zum Beispiel kaufe ich lieber noch offline. Aber mindestens 90% meiner Einkäufe finden online statt. Von Lebensmitteln mal abgesehen.


Eigentlich geht es darum nicht. Das urbane Leben, das Leben in der Stadt wird runter gehen., noch mehr runter als es heute schon ist. Eintreten für den Verlust von Qualität an Bauten, positiv gestimmten Menschen, Plätzen zum Verweilen muss die öffentliche Hand. Bezahlt von Geldern, die Amazon, und Co nicht zahlen.

Das "Elend" ist doch heute schon mehr als fühlbar. Es ist da. Einerlei des Erscheinungsbildes von Geschäften der Ketten Zara, H+M etc, Menschen in Jogginganzügen mit grauen, abgehangener Mimik und Haltung, elende Gestalten drücken sich in die entstehenden Ecken und Leere der sich entblößenden Stadt. Vertraute Cafès, Winkel und Ecken, die Stadtkultur vermitteln verschmutzen. Es drängelt sich die Masse der Smartphon-Junkies und Selfie-Fischer geballt an Hot-Spots.

Wer muss für den Ausgleich sorgen, den Dreck wegmachen? Die öffentliche Hand. Bezahlt von Geldern, die Amazon, ebay und Co nicht zahlen.......

Weitermachen (lassen) :-)
Zuletzt geändert von gödelchen am Mi 23. Aug 2017, 14:29, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon Helmuth_123 » Mi 23. Aug 2017, 20:13

Bisher habe ich im Internet nur ein Bücher bestellt und das auch nur für meine Eltern. Ansonsten habe ich noch nichts im Internet gekauft und ich möchte, dass das so auch bleibt. Ich möchte den Einzelhandel meiner Heimat unterstützen.
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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon BlueMonday » Mi 23. Aug 2017, 20:32

Es soll auch in der Heimat Menschen geben, die mittlerweile Onlinehandel betreiben und davon leben wollen. Onlinehandel ist in der Regel auch Einzelhandel, abgesehen eben vom Großhandel. Am Ende sitzt so ein Onlinehändler immer in irgendeiner Heimat. Heimat ist überall!
Da so ein Onlinehändler ein Impressum haben muss, kann man sogar nachschauen, ob man dann die eigene Heimat mit einem Einkauf unterstützt oder die Heimat eines anderen Menschen. Was ja auch nicht verkehrt ist. Wer will schon eine Heimat über eine andere stellen, so aus Prinzip?
Wenn ein Nichtthüringer thüringische Nussknacker aus einem thüringischen Onlineshop kauft, dann erhält er die thüringische Heimat gewissermaßen aus der nichthüringischen Ferne. Ich vermute, so ein thüringischer Nussknackeronlineshop wird sogar in der Mehrzahl nichtthüringische Kunden haben. Und das dank Internet und Onlinekauf.
But who would build the roads?
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Re: "Dem deutschen Einzelhandel droht ein Massensterben"

Beitragvon Quatschki » Mi 23. Aug 2017, 20:52

Helmuth_123 hat geschrieben:(23 Aug 2017, 21:13)

Bisher habe ich im Internet nur ein Bücher bestellt und das auch nur für meine Eltern. Ansonsten habe ich noch nichts im Internet gekauft und ich möchte, dass das so auch bleibt. Ich möchte den Einzelhandel meiner Heimat unterstützen.

Die meisten Buchhandlungen gehören irgendwelchen Ketten. die irgendwelchen fremdländischen Investoren gehören und die Gebäude, in denen sie Ladenmiete zahlen, gehören auch irgendwelchen fremdländischen Investoren.
So was steht bei mir nicht unter Artenschutz.
Und die Bücher, die mich interessieren, haben die sowieso nicht in der Filiale.

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