Rote_Galaxie Sammelthread

Moderator: Moderatoren Forum 1

Benutzeravatar
Rote_Galaxie
Beiträge: 7181
Registriert: Mi 28. Nov 2012, 18:26

Re: Der Kommunismus - Planwirtschaft - Rote_Galaxie Sammelthread

Beitragvon Rote_Galaxie » Do 11. Jan 2018, 17:56

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(11 Jan 2018, 17:55)

Dann korrigier mal :D


Vielleicht ist der Fehler nett zu dir zu sein. :rolleyes:
Und wer kontrolliert die Kontrolle?
rain353
Beiträge: 894
Registriert: Di 5. Dez 2017, 01:37

Re: Der Kommunismus - Planwirtschaft - Rote_Galaxie Sammelthread

Beitragvon rain353 » Do 11. Jan 2018, 17:59

Rote_Galaxie hat geschrieben:(11 Jan 2018, 17:23)

Sag mal glaubst du eigentlich selbst was du da von dir gibst?


Natürlich.. Glaubst du dagegen im Ernst, dass Venezuela, die DDR und die Sowjetunion keine sozialistischen Staaten waren?
Benutzeravatar
Rote_Galaxie
Beiträge: 7181
Registriert: Mi 28. Nov 2012, 18:26

Re: Der Kommunismus - Planwirtschaft - Rote_Galaxie Sammelthread

Beitragvon Rote_Galaxie » Do 11. Jan 2018, 18:03

rain353 hat geschrieben:(11 Jan 2018, 17:59)

Natürlich.. Glaubst du dagegen im Ernst, dass Venezuela, die DDR und die Sowjetunion keine sozialistischen Staaten waren?


Realsozialismus...

Venezuela bin ich mir nicht sicher.
Und wer kontrolliert die Kontrolle?
Benutzeravatar
Ivanhoe
Beiträge: 41
Registriert: Mi 10. Jan 2018, 16:28

Re: Der Kommunismus - Planwirtschaft - Rote_Galaxie Sammelthread

Beitragvon Ivanhoe » Do 11. Jan 2018, 18:42

Alle bisher erdachten und praktizierten Wirtschaftssysteme bestehen aus 4 grundlegenden Phasen:

Produktion, Verteilung, Tausch, Konsum

Der Kommunismus und der Kapitalismus unterscheiden sich im ganzen Gefüge wesentlich weniger als es zunächst den Anschein hat.

Beide Systeme müssen zunächst einmal die Aufgabe lösen, die Produktion von Waren und Dienstleistungen so zu organisieren, dass eine genügende Anzahl von nachgefragten Gütern produziert wird, dass neue, innovative Güter produziert werden und dass Herstellungsprozesse optimiert werden, damit mit weniger Arbeit mehr produziert werden kann.

Wenn man das Individuum betrachtet, so bedarf es einer gewissen Motivation, um dieses überhaupt zur Arbeit zu bewegen. Der Kapitalismus geht davon aus, dass die Aussicht auf einen erhöhten Konsum ( in der intermediären Form von Geld ) den Hauptanreiz für eine Leistungsaufnahme bietet. Der Kommunismus hingegen glaubt an das reflektierte und gesellschaftlich verantwortliche Handeln der Wirtschaftssubjekte. Diese Überzeugung wird oft kritisiert und als unrealistisch und weltfremd verworfen. So einfach, sollte man es sich aber nicht machen und deswegen möchte ich eine Spielart des Kommunismus in den Hut werfen, die hervorragend funktioniert und sein kapitalistische Äquivalent teilweise übertrifft.

Durch meinen Beruf habe ich mich näher mit dem gesellschaftlichen Phänomen der Open-Source Bewegung befasst, deren Mitglieder qualitativ hochwertige Softwareprodukte herstellen, die sie der Allgemeinheit kostenlos zu Verfügung stellen. Die Programmierer und die Nutzer bilden dabei „die Community“. Während ihr diese Zeile lest, sorgen höchstwahrscheinlich die genannten Produkte im Hintergrund, für die technische Umsetzung dieses Forums. Überhaupt würde es das Internet in der heutigen Form nicht geben, wenn es diese Programme nicht gäbe.

Besonders nennenswert ist die Organisationsstruktur dieser Gemeinschaft, die größtenteils auf Selbstverwaltung beruht. Jeder kann sich einbringen und neue Programme beisteuern oder auch einen anderen Beitrag leisten. Auch die berühmte Wikipedia ist dem Wesen nach ein kommunistisches Projekt an dem hunderttausende Menschen freiwillig zum Wohle der Allgemeinheit mitwirken.

Der Mensch an sich ist in der Lage und Willens sich einzubringen, um Ziele zu verwirklichen, die seine partikulären Interessen überragen und überdauern. Wichtig ist dabei jedoch, dass er dabei nicht das Gefühl hat fremdbestimmt zu sein oder ausgenutzt zu werden.

Der Kommunismus hat aufgrund seiner Färbung unter Stalin, Mao und Anderen eine sehr negative Konnotation erhalten und ist als politischer Begriff nicht mehr gebrauchsfähig. Vor allem die auf dem Klassenkampf fußende Doktrin erinnert zu sehr an Revolution mit Mord und Totschlag. Als ein sozialökonomisches gesellschaftliche System jedoch könnte er in einer weitestgehend automatisierten Wirtschaft in der Zukunft wieder eine Rolle spielen, wenngleich unter einem anderen Namen.
Es ist so wie es ist und wenn's anders wäre, wäre es auch so wie es ist.
Benutzeravatar
3x schwarzer Kater
Vorstand
Beiträge: 15966
Registriert: Mo 26. Mai 2014, 15:25
Benutzertitel: Do legst di nieda
Wohnort: Schwaben

Re: Der Kommunismus - Planwirtschaft - Rote_Galaxie Sammelthread

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Do 11. Jan 2018, 18:49

Ivanhoe hat geschrieben:(11 Jan 2018, 18:42)

Alle bisher erdachten und praktizierten Wirtschaftssysteme bestehen aus 4 grundlegenden Phasen:

Produktion, Verteilung, Tausch, Konsum

Der Kommunismus und der Kapitalismus unterscheiden sich im ganzen Gefüge wesentlich weniger als es zunächst den Anschein hat.

Beide Systeme müssen zunächst einmal die Aufgabe lösen, die Produktion von Waren und Dienstleistungen so zu organisieren, dass eine genügende Anzahl von nachgefragten Gütern produziert wird, dass neue, innovative Güter produziert werden und dass Herstellungsprozesse optimiert werden, damit mit weniger Arbeit mehr produziert werden kann.



Das ist trivial. Es geht bei einem Wirtschaftssystem letztendlich immer um die optimale Ressourcenallokation, also den Umgang mit knappen Gütern und eben darum, wie die Allokation der Güter zu erfolgen hat. Und natürlich unterscheiden sich hier Marktwirtschaft und Planwirtschaft fundamental.
„Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem.“ (Karl Valentin)
Benutzeravatar
Rote_Galaxie
Beiträge: 7181
Registriert: Mi 28. Nov 2012, 18:26

Re: Der Kommunismus - Planwirtschaft - Rote_Galaxie Sammelthread

Beitragvon Rote_Galaxie » Do 11. Jan 2018, 19:04

Ivanhoe hat geschrieben:(11 Jan 2018, 18:42)

Alle bisher erdachten und praktizierten Wirtschaftssysteme bestehen aus 4 grundlegenden Phasen:

Produktion, Verteilung, Tausch, Konsum

Der Kommunismus und der Kapitalismus unterscheiden sich im ganzen Gefüge wesentlich weniger als es zunächst den Anschein hat.

Beide Systeme müssen zunächst einmal die Aufgabe lösen, die Produktion von Waren und Dienstleistungen so zu organisieren, dass eine genügende Anzahl von nachgefragten Gütern produziert wird, dass neue, innovative Güter produziert werden und dass Herstellungsprozesse optimiert werden, damit mit weniger Arbeit mehr produziert werden kann.

Wenn man das Individuum betrachtet, so bedarf es einer gewissen Motivation, um dieses überhaupt zur Arbeit zu bewegen. Der Kapitalismus geht davon aus, dass die Aussicht auf einen erhöhten Konsum ( in der intermediären Form von Geld ) den Hauptanreiz für eine Leistungsaufnahme bietet. Der Kommunismus hingegen glaubt an das reflektierte und gesellschaftlich verantwortliche Handeln der Wirtschaftssubjekte. Diese Überzeugung wird oft kritisiert und als unrealistisch und weltfremd verworfen. So einfach, sollte man es sich aber nicht machen und deswegen möchte ich eine Spielart des Kommunismus in den Hut werfen, die hervorragend funktioniert und sein kapitalistische Äquivalent teilweise übertrifft.

Durch meinen Beruf habe ich mich näher mit dem gesellschaftlichen Phänomen der Open-Source Bewegung befasst, deren Mitglieder qualitativ hochwertige Softwareprodukte herstellen, die sie der Allgemeinheit kostenlos zu Verfügung stellen. Die Programmierer und die Nutzer bilden dabei „die Community“. Während ihr diese Zeile lest, sorgen höchstwahrscheinlich die genannten Produkte im Hintergrund, für die technische Umsetzung dieses Forums. Überhaupt würde es das Internet in der heutigen Form nicht geben, wenn es diese Programme nicht gäbe.

Besonders nennenswert ist die Organisationsstruktur dieser Gemeinschaft, die größtenteils auf Selbstverwaltung beruht. Jeder kann sich einbringen und neue Programme beisteuern oder auch einen anderen Beitrag leisten. Auch die berühmte Wikipedia ist dem Wesen nach ein kommunistisches Projekt an dem hunderttausende Menschen freiwillig zum Wohle der Allgemeinheit mitwirken.

Der Mensch an sich ist in der Lage und Willens sich einzubringen, um Ziele zu verwirklichen, die seine partikulären Interessen überragen und überdauern. Wichtig ist dabei jedoch, dass er dabei nicht das Gefühl hat fremdbestimmt zu sein oder ausgenutzt zu werden.

Der Kommunismus hat aufgrund seiner Färbung unter Stalin, Mao und Anderen eine sehr negative Konnotation erhalten und ist als politischer Begriff nicht mehr gebrauchsfähig. Vor allem die auf dem Klassenkampf fußende Doktrin erinnert zu sehr an Revolution mit Mord und Totschlag. Als ein sozialökonomisches gesellschaftliche System jedoch könnte er in einer weitestgehend automatisierten Wirtschaft in der Zukunft wieder eine Rolle spielen, wenngleich unter einem anderen Namen.


Super Beitrag, vielen Dank! :)
Und wer kontrolliert die Kontrolle?
rain353
Beiträge: 894
Registriert: Di 5. Dez 2017, 01:37

Re: Der Kommunismus - Planwirtschaft - Rote_Galaxie Sammelthread

Beitragvon rain353 » Do 11. Jan 2018, 20:42

Rote_Galaxie hat geschrieben:(11 Jan 2018, 19:04)

Super Beitrag, vielen Dank! :)


Nur, gab es keinen Kommunismus...

Es wurden in vielen sozialistischen Diktaturen Kommunismus als Endziel versprochen, aber ich warte bis heute, bis wenigstens dieses Versprechen eingehalten wird... (Kommunismus ist nur eine Illusion, um seine Macht zu festigen
Benutzeravatar
Rote_Galaxie
Beiträge: 7181
Registriert: Mi 28. Nov 2012, 18:26

Re: Der Kommunismus - Planwirtschaft - Rote_Galaxie Sammelthread

Beitragvon Rote_Galaxie » Do 11. Jan 2018, 20:46

rain353 hat geschrieben:(11 Jan 2018, 20:42)

Nur, gab es keinen Kommunismus...

Es wurden in vielen sozialistischen Diktaturen Kommunismus als Endziel versprochen, aber ich warte bis heute, bis wenigstens dieses Versprechen eingehalten wird... (Kommunismus ist nur eine Illusion, um seine Macht zu festigen


Wenigstens gibst du zu dass Kommunismus etwas gutes ist.
Und wer kontrolliert die Kontrolle?
Benutzeravatar
BlueMonday
Beiträge: 1712
Registriert: Mo 14. Jan 2013, 17:13

Re: Der Kommunismus - Planwirtschaft - Rote_Galaxie Sammelthread

Beitragvon BlueMonday » Do 11. Jan 2018, 20:55

Ivanhoe hat geschrieben:(11 Jan 2018, 18:42)

Durch meinen Beruf habe ich mich näher mit dem gesellschaftlichen Phänomen der Open-Source Bewegung befasst, deren Mitglieder qualitativ hochwertige Softwareprodukte herstellen, die sie der Allgemeinheit kostenlos zu Verfügung stellen. Die Programmierer und die Nutzer bilden dabei „die Community“. Während ihr diese Zeile lest, sorgen höchstwahrscheinlich die genannten Produkte im Hintergrund, für die technische Umsetzung dieses Forums. Überhaupt würde es das Internet in der heutigen Form nicht geben, wenn es diese Programme nicht gäbe.


Ja, darauf wurde auch hier im Rahmen dieses Threads schon viele Male verwiesen, dass man hier, heute und jetzt den wesentlichen Teil des kommunistischen Prinzips leben könnte, sprich aufzustehen, anzupacken, und Leistungen zu vollbringen ohne eine direkte Gegenleistung zu erwarten. Niemand hindert einen daran. Das wäre mal so erfrischend hier davon zu lesen, von Ergebnissen und erbrachten Leistungen statt von dieser ewigen ergebnislosen Kreisdreherei... Oder sollten sich darin schon alle "Fähigkeiten" erschöpfen?

Dieses ganze Gerede von "Gleichhiet" bspw. Völliger Unfug. Marx ging es schon damals nicht um Gleichheit. Im Gegenteil. Er sprach abschätzig von der "Nivellierungssucht" macher "grober Kommunisten" seiner Zeit. Der kommunistische Mensch ist frei von Neid und rechnet nicht auf. Er leistet, weil es ihm ein Bedürfnis geworden ist.
But who would build the roads?
Benutzeravatar
Ivanhoe
Beiträge: 41
Registriert: Mi 10. Jan 2018, 16:28

Re: Der Kommunismus - Planwirtschaft - Rote_Galaxie Sammelthread

Beitragvon Ivanhoe » Fr 12. Jan 2018, 00:19

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(11 Jan 2018, 18:49)

Das ist trivial. Es geht bei einem Wirtschaftssystem letztendlich immer um die optimale Ressourcenallokation, also den Umgang mit knappen Gütern und eben darum, wie die Allokation der Güter zu erfolgen hat. Und natürlich unterscheiden sich hier Marktwirtschaft und Planwirtschaft fundamental.


Das ist nicht richtig. Es gab Varianten des Kommunismus, die auf einer Marktwirtschaft aufgebaut waren, wie im ehemaligen Jugoslawien z.B. In diesem System war auch das Eigentum an den Produkivmitteln nicht verstaatlicht sondern in den Händen der jeweiligen Betriebe, genannt Kooperationsgemeinschaften ( OOUR ). Da gehörte der Betrieb tatsächlich den Arbeitern, ähnlich wie es bei den Partnerships in den USA heute der Fall ist. Dieses System hat aber ebenfalls nicht die Resultate kapitalistischer Marktwirtschaften erreicht. Andererseits könnte es auch mit der Größe des jeweiligen Marktes gelegen haben, weil mit angrenzenden kapitalistischen Staaten wie Griechenland konnte es Jugoslawien durchaus aufnehmen.

Der Hauptunterschied zwischen Kapitalismus und Kommunismus liegt in der Gewinnerzielungsabsicht. Der Kapitalismus ist dem Profit unterworfen, welcher sich mittlerweile als Ziel verselbständigt hat. Wir alle wissen instinktiv dass das falsch ist, fürchten uns aber noch viel mehr von einer Machtübernahme durch verblendete Idealisten, die uns ihre unausgereiften Visionen aufdrücken wollen. Trotzdem ist es absehbar, dass die Gesellschaft der Zukunft keine kapitalistische sein wird.
Es ist so wie es ist und wenn's anders wäre, wäre es auch so wie es ist.
rain353
Beiträge: 894
Registriert: Di 5. Dez 2017, 01:37

Re: Der Kommunismus - Planwirtschaft - Rote_Galaxie Sammelthread

Beitragvon rain353 » Fr 12. Jan 2018, 01:42

Ivanhoe hat geschrieben:(12 Jan 2018, 00:19)

Das ist nicht richtig. Es gab Varianten des Kommunismus, die auf einer Marktwirtschaft aufgebaut waren, wie im ehemaligen Jugoslawien z.B. In diesem System war auch das Eigentum an den Produkivmitteln nicht verstaatlicht sondern in den Händen der jeweiligen Betriebe, genannt Kooperationsgemeinschaften ( OOUR ). Da gehörte der Betrieb tatsächlich den Arbeitern, ähnlich wie es bei den Partnerships in den USA heute der Fall ist. Dieses System hat aber ebenfalls nicht die Resultate kapitalistischer Marktwirtschaften erreicht. Andererseits könnte es auch mit der Größe des jeweiligen Marktes gelegen haben, weil mit angrenzenden kapitalistischen Staaten wie Griechenland konnte es Jugoslawien durchaus aufnehmen.

Der Hauptunterschied zwischen Kapitalismus und Kommunismus liegt in der Gewinnerzielungsabsicht. Der Kapitalismus ist dem Profit unterworfen, welcher sich mittlerweile als Ziel verselbständigt hat. Wir alle wissen instinktiv dass das falsch ist, fürchten uns aber noch viel mehr von einer Machtübernahme durch verblendete Idealisten, die uns ihre unausgereiften Visionen aufdrücken wollen. Trotzdem ist es absehbar, dass die Gesellschaft der Zukunft keine kapitalistische sein wird.


Keine Sorge, der Rechtsruck(Stärkung konservativ und liberaler Parteien) wird dafür sorgen, dass diese utopischen Ideen nie in die Tat umgesetzt werden... :D
Occham
Beiträge: 2163
Registriert: Do 21. Mai 2015, 15:38
Benutzertitel: Ritt über die Rasierklinge

Re: Der Kommunismus - Planwirtschaft - Rote_Galaxie Sammelthread

Beitragvon Occham » Fr 12. Jan 2018, 03:22

Ich finde opensource ein gutes Beispiel, das Systeme auch ohne Profit funktionieren können. Daran lässt sich doch ansetzen.
Die beste Lösung eines Problems ist meist die Einfachste.
Boracay
Beiträge: 3976
Registriert: So 30. Dez 2012, 23:26

Re: Der Kommunismus - Planwirtschaft - Rote_Galaxie Sammelthread

Beitragvon Boracay » Fr 12. Jan 2018, 04:29

Ivanhoe hat geschrieben:Wenn man das Individuum betrachtet, so bedarf es einer gewissen Motivation, um dieses überhaupt zur Arbeit zu bewegen. Der Kapitalismus geht davon aus, dass die Aussicht auf einen erhöhten Konsum ( in der intermediären Form von Geld ) den Hauptanreiz für eine Leistungsaufnahme bietet. Der Kommunismus hingegen glaubt an das reflektierte und gesellschaftlich verantwortliche Handeln der Wirtschaftssubjekte. Diese Überzeugung wird oft kritisiert und als unrealistisch und weltfremd verworfen. So einfach, sollte man es sich aber nicht machen und deswegen möchte ich eine Spielart des Kommunismus in den Hut werfen, die hervorragend funktioniert und sein kapitalistische Äquivalent teilweise übertrifft.

Durch meinen Beruf habe ich mich näher mit dem gesellschaftlichen Phänomen der Open-Source Bewegung befasst, deren Mitglieder qualitativ hochwertige Softwareprodukte herstellen, die sie der Allgemeinheit kostenlos zu Verfügung stellen. Die Programmierer und die Nutzer bilden dabei „die Community“. Während ihr diese Zeile lest, sorgen höchstwahrscheinlich die genannten Produkte im Hintergrund, für die technische Umsetzung dieses Forums. Überhaupt würde es das Internet in der heutigen Form nicht geben, wenn es diese Programme nicht gäbe.

Besonders nennenswert ist die Organisationsstruktur dieser Gemeinschaft, die größtenteils auf Selbstverwaltung beruht. Jeder kann sich einbringen und neue Programme beisteuern oder auch einen anderen Beitrag leisten. Auch die berühmte Wikipedia ist dem Wesen nach ein kommunistisches Projekt an dem hunderttausende Menschen freiwillig zum Wohle der Allgemeinheit mitwirken.


Programmieren ist ein Hobby, das gewissen Nerds Spaß macht. Das trifft auf 90% der Produktionsprozesse nicht zu - Schaltschränke verdrahten, Scheißhaus putzen, SAP Stammdaten pflegen,...das macht niemand Spaß.
Benutzeravatar
3x schwarzer Kater
Vorstand
Beiträge: 15966
Registriert: Mo 26. Mai 2014, 15:25
Benutzertitel: Do legst di nieda
Wohnort: Schwaben

Re: Der Kommunismus - Planwirtschaft - Rote_Galaxie Sammelthread

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Fr 12. Jan 2018, 09:10

Ivanhoe hat geschrieben:(12 Jan 2018, 00:19)

Das ist nicht richtig.


doch natürlich. Einfach nochmal lesen.
„Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem.“ (Karl Valentin)
Benutzeravatar
Ivanhoe
Beiträge: 41
Registriert: Mi 10. Jan 2018, 16:28

Re: Der Kommunismus - Planwirtschaft - Rote_Galaxie Sammelthread

Beitragvon Ivanhoe » Fr 12. Jan 2018, 13:07

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(12 Jan 2018, 09:10)

doch natürlich. Einfach nochmal lesen.


Es ist weder richtig, dass der Hauptunterschied zwischen Kommunismus und Kapitalismus in der Anwendung der Markt oder Planwirtschaft liegt noch ist es richtig, dass die Art und Weise wie der Erwerb von knappen Gütern geregelt ist, entscheidend für die Zuordnung zu einem dieser Systeme ist.

Es ist durchaus denkbar, der Güterknappheit auch im Kommunismus mit marktwirtschaftlichen Mechanismen zu begegnen.

Der Hauptunterschied liegt, wie der Name schon andeutet, in der Art und Weise der Verwendung von Kapital. Im Kapitalismus sucht sich das Kapital die lukrativsten Betätigungsfelder zur Vermehrung seiner selbst. Das System hat eine Eigendynamik, ist kaum kontrollierbar und deshalb anfällig für Konjunkturschwankungen, Blasen und auch Wirtschaftskrisen.

Im Kommunismus steht die Versorgung der Bevölkerung im Vordergrund und die Betätigungsfelder der Wirtschaft werden im Idealfall durch Konsens der beteiligten Wirtschaftssubjekte ausgewählt. Dieses System ist jedoch sehr träge, da von Natur aus unterkapitalisiert und große Projekte bedürfen oft einer Intervention und Koordination durch eine übergeordnete Stelle.
Es ist so wie es ist und wenn's anders wäre, wäre es auch so wie es ist.
Benutzeravatar
zollagent
Beiträge: 53510
Registriert: Mo 8. Aug 2011, 11:21

Re: Der Kommunismus - Planwirtschaft - Rote_Galaxie Sammelthread

Beitragvon zollagent » Fr 12. Jan 2018, 13:09

Ivanhoe hat geschrieben:(12 Jan 2018, 13:07)

Es ist weder richtig, dass der Hauptunterschied zwischen Kommunismus und Kapitalismus in der Anwendung der Markt oder Planwirtschaft liegt noch ist es richtig, dass die Art und Weise wie der Erwerb von knappen Gütern geregelt ist, entscheidend für die Zuordnung zu einem dieser Systeme ist.

Es ist durchaus denkbar, der Güterknappheit auch im Kommunismus mit marktwirtschaftlichen Mechanismen zu begegnen.

Der Hauptunterschied liegt, wie der Name schon andeutet, in der Art und Weise der Verwendung von Kapital. Im Kapitalismus sucht sich das Kapital die lukrativsten Betätigungsfelder zur Vermehrung seiner selbst. Das System hat eine Eigendynamik, ist kaum kontrollierbar und deshalb anfällig für Konjunkturschwankungen, Blasen und auch Wirtschaftskrisen.

Im Kommunismus steht die Versorgung der Bevölkerung im Vordergrund und die Betätigungsfelder der Wirtschaft werden im Idealfall durch Konsens der beteiligten Wirtschaftssubjekte ausgewählt. Dieses System ist jedoch sehr träge, da von Natur aus unterkapitalisiert und große Projekte bedürfen oft einer Intervention und Koordination durch eine übergeordnete Stelle.

...und es ist auf Dauer nicht lebensfähig, wie die Geschichte gezeigt hat.
Wer an Absurditäten glaubt, wird Abscheulichkeiten begehen. (Voltaire)
Benutzeravatar
3x schwarzer Kater
Vorstand
Beiträge: 15966
Registriert: Mo 26. Mai 2014, 15:25
Benutzertitel: Do legst di nieda
Wohnort: Schwaben

Re: Der Kommunismus - Planwirtschaft - Rote_Galaxie Sammelthread

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Fr 12. Jan 2018, 13:17

Ivanhoe hat geschrieben:(12 Jan 2018, 13:07)

Es ist weder richtig, dass der Hauptunterschied zwischen Kommunismus und Kapitalismus in der Anwendung der Markt oder Planwirtschaft liegt noch ist es richtig, dass die Art und Weise wie der Erwerb von knappen Gütern geregelt ist, entscheidend für die Zuordnung zu einem dieser Systeme ist.



Das hab ich auch nie so behauptet. Ich hab nur geschrieben, dass die die Hauptaufgabe eines jeden Wirtschaftssystem die Allokation knapper Ressourcen ist. Insofern war ja deine ursprüngliche Aussage natürlich trivial und in der Schlussfolgerung falsch. Zwei Wirtschaftssysteme sind sich nicht zwangsläufig deswegen ähnlich, weil sie das gleiche Problem lösen wollen.
„Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem.“ (Karl Valentin)
Benutzeravatar
Ivanhoe
Beiträge: 41
Registriert: Mi 10. Jan 2018, 16:28

Re: Der Kommunismus - Planwirtschaft - Rote_Galaxie Sammelthread

Beitragvon Ivanhoe » Fr 12. Jan 2018, 13:22

zollagent hat geschrieben:(12 Jan 2018, 13:09)

...und es ist auf Dauer nicht lebensfähig, wie die Geschichte gezeigt hat.


Na ja, ein paar Millionen Jahre haben wir als Spezies noch vor uns, um das endgültig festzustellen. Natürlich nur vorausgesetzt, dass der Donald nicht irgendwann auf seinen mächtig großen roten Knopf drückt.
Es ist so wie es ist und wenn's anders wäre, wäre es auch so wie es ist.
Benutzeravatar
zollagent
Beiträge: 53510
Registriert: Mo 8. Aug 2011, 11:21

Re: Der Kommunismus - Planwirtschaft - Rote_Galaxie Sammelthread

Beitragvon zollagent » Fr 12. Jan 2018, 13:34

Ivanhoe hat geschrieben:(12 Jan 2018, 13:22)

Na ja, ein paar Millionen Jahre haben wir als Spezies noch vor uns, um das endgültig festzustellen. Natürlich nur vorausgesetzt, dass der Donald nicht irgendwann auf seinen mächtig großen roten Knopf drückt.

Mir haben die Proben bisher genügt. Ich muß nicht mehrmals mit dem Kopf gegen eine Wand rennen, um festzustellen, daß die härter ist als mein Schädel. :D
Wer an Absurditäten glaubt, wird Abscheulichkeiten begehen. (Voltaire)
Benutzeravatar
BlueMonday
Beiträge: 1712
Registriert: Mo 14. Jan 2013, 17:13

Re: Der Kommunismus - Planwirtschaft - Rote_Galaxie Sammelthread

Beitragvon BlueMonday » Fr 12. Jan 2018, 14:21

Ivanhoe hat geschrieben:(12 Jan 2018, 00:19)

Das ist nicht richtig. Es gab Varianten des Kommunismus, die auf einer Marktwirtschaft aufgebaut waren, wie im ehemaligen Jugoslawien z.B. In diesem System war auch das Eigentum an den Produkivmitteln nicht verstaatlicht sondern in den Händen der jeweiligen Betriebe, genannt Kooperationsgemeinschaften ( OOUR ). Da gehörte der Betrieb tatsächlich den Arbeitern, ähnlich wie es bei den Partnerships in den USA heute der Fall ist. Dieses System hat aber ebenfalls nicht die Resultate kapitalistischer Marktwirtschaften erreicht. Andererseits könnte es auch mit der Größe des jeweiligen Marktes gelegen haben, weil mit angrenzenden kapitalistischen Staaten wie Griechenland konnte es Jugoslawien durchaus aufnehmen.

"Kommunismus" gab es ja noch nie und nirgends auf der Welt, gemäß der Proponenten hier im Forum und anderswo...
Wenn, dann war es allenfalls ein Sozialismus mit marktwirtschaftlichen Elementen. Und auch unter den heutigen Zuständen werden Produktivmittel ja eher selten von einzelnen Personen geeignet. Das wäre dann der Fall bei kleinen Einzelunternehmen. Da gehören dem "Arbeiter" die "Produktionsmittel" selbst. Bei Personengesellschaften hat man dann schon mehrere Eigentümer. Und es steht jedem grundsätzlich offen, ein solches Unternehmen zu gründen und in den Besitz von Kapitalgütern bzw "Produktionsmitteln" zu gelangen. Bishin zur großen Aktiengesellschaft, bei der man dann, wenn es gut läuft, einen Teil des "Profits" als Dividende ausgeschüttet bekommt - davor genehmigt sich freilich Herr Staat einen reichlichen Schluck davon.

Der Hauptunterschied zwischen Kapitalismus und Kommunismus liegt in der Gewinnerzielungsabsicht. Der Kapitalismus ist dem Profit unterworfen, welcher sich mittlerweile als Ziel verselbständigt hat. Wir alle wissen instinktiv dass das falsch ist, fürchten uns aber noch viel mehr von einer Machtübernahme durch verblendete Idealisten, die uns ihre unausgereiften Visionen aufdrücken wollen. Trotzdem ist es absehbar, dass die Gesellschaft der Zukunft keine kapitalistische sein wird.


Gewinnerzielunsgabsicht liegt viel tiefer, praktisch im menschlichen Handeln begründet. Ein Akteur setzt knappe Mittel ein, um eine Zustandsverbesserung zu erreichen, und in genau der liegt, sofern sie verwirklicht werden kann, der Gewinn des Mitteleinsatzes. Es ist der "value spread" zwischen eingesetzten Mitteln und Verwendungszwecken. Selbst ein Tier will seine Lage durch das, was es eben tut, verbessern, wenn wohl auch nicht bewusst wie der handelnde Mensch, sonder eher instinktiv. Kapitalismus ist letztlich die bewusste Investition in Kapitalgüter (also "Produktionsumwege" Böhm-Bawerk), man verlängert bewusst und schöpferisch den Produktionsprozess, um ihn ergiebiger zu machen. Kapitalismus = das Kapitalgut hat einen wesentlichen Anteil am Produktionsergebnis.

Kommunismus hingegen - auch das wurde schon mehrmals im Laufe dieses Threads erörtert - ist das Ende der Ökonomie, des ökonomischen Denkens, also des bewussten Umgangs mit Knappheiten. Es ist ein völlig utopischer Zustand, in dem die Mittel nicht mehr knapp sind, also keine konkurrierenden Verwendungszwecke haben...
Wenn man so will, ist das ein "Endziel". Die wesentliche Frage ist aber, wie man dorthin gelangt. Der zentralplanwirtschaftliche Weg hat sich jedenfalls bisher immer wieder als Irrweg herausgestellt. Und der interventionistische Ansatz ("mixed economy"), den momentan praktisch fast alle Staaten verfolgen, birgt zumindest gewaltiges Krisenpotential.
But who would build the roads?

Zurück zu „1. Wirtschaft“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast