Wendung im Fall Schlecker

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Wendung im Fall Schlecker

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mi 13. Apr 2016, 17:59

4 Jahre nach der Pleite von Schlecker erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage. Und zwar nicht nur gegen Anton Schlecker, auch gegen seine Frau, seinen Sohn und seine Tochter. Ebenfalls sind 2 Wirtschaftsprüfer angeklagt. Das Delikt: Vorsätzlicher Bankrott und im Falle der Verwandten eben Beihilfe dazu. Dazu kommt noch Insolvenzverschleppung und Untreue. Das ganze Register. Insgesamt 13 Straftaten soll Schlecker laut Staatsanwaltschaft in "besonders, schwerem Fall" begangen haben. Sollte sich das als richtig herausstellen, droht eine langjährige Haftstrafe.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/untern ... 87025.html

Das sollte eigentlich Wasser auf die Mühlen derjenigen sein, die immer befürchten, dass die Justiz Unternehmer mit Samthandschuhen anfasst. Was meint ihr?
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John Galt
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Re: Wendung im Fall Schlecker

Beitragvon John Galt » Mi 13. Apr 2016, 18:03

War eigentlich von Anfang klar. Darüber wurde schon vor 4 Jahren berichtet. Erschreckend ist eher, dass es solange gedauert hat.

Wirtschaftskriminalität in Deutschland wird so gut wie nicht verfolgt.

Von 2012:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/untern ... 45086.html
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Re: Wendung im Fall Schlecker

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mi 13. Apr 2016, 18:12

Nun ... 4 Jahre Ermittlungszeit erscheint schon ziemlich lang.
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Re: Wendung im Fall Schlecker

Beitragvon Kibuka » Mi 13. Apr 2016, 21:20

John Galt hat geschrieben:(13 Apr 2016, 19:03)

Wirtschaftskriminalität in Deutschland wird so gut wie nicht verfolgt.


Weil eine Verfolgung oft schwierig ist. Die Kriminellen sind den Fahndern meist zwei Schritte voraus. Recherchen dauern Jahre. Die Behörden sind zudem unterbesetzt.

Es ist ein Kampf auf verlorenen Posten. Der ganze Betrug um Briefkastenfirmen in Panama oder Delaware ist auch ein Beispiel von vielen weiteren.
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Re: Wendung im Fall Schlecker

Beitragvon John Galt » Do 14. Apr 2016, 06:20

Kibuka hat geschrieben:(13 Apr 2016, 22:20)

Weil eine Verfolgung oft schwierig ist. Die Kriminellen sind den Fahndern meist zwei Schritte voraus. Recherchen dauern Jahre. Die Behörden sind zudem unterbesetzt.

Es ist ein Kampf auf verlorenen Posten. Der ganze Betrug um Briefkastenfirmen in Panama oder Delaware ist auch ein Beispiel von vielen weiteren.


Das ist korrekt.

Auf der anderen Seite sind die Strafen für Millionenschäden sehr niedrig. Da muss man sich als Normalo-Arbeitnehmer fast überlegen, ob man nicht doch eine Karriere in White-Collar Kriminalität startet.

Mr.Flowtex mit Milliardenschaden hat 12 Jahre bekommen und kam nach ca. 8 Jahren frei.

Schlecker hat den Fehler gemacht, dass er es auf bauernschlaue Art und Weise legal übertragen hat. In der Insolvenzanfechtung kann man Rechtsgeschäfte in verschiedenen Stufen von 3 Monaten bis 10 Jahre rückgängig machen.

Hätte er es bar abgehoben, Gold gekauft und im Wald verbuddelt, wäre er besser dran gewesen.
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Re: Wendung im Fall Schlecker

Beitragvon zollagent » Do 14. Apr 2016, 10:35

Verwunderlich ist eigentlich nur, wie schon John Galt richtig schrieb, daß das so lange gedauert hat. Jeder, der die Geschäftsführung Anton Schleckers kennt, und das ist praktisch jede/r Filialleiter/in gewesen, kann dazu Aussagen machen.
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Re: Wendung im Fall Schlecker

Beitragvon Dampflok94 » Do 14. Apr 2016, 10:46

zollagent hat geschrieben:(14 Apr 2016, 11:35)

Verwunderlich ist eigentlich nur, wie schon John Galt richtig schrieb, daß das so lange gedauert hat. Jeder, der die Geschäftsführung Anton Schleckers kennt, und das ist praktisch jede/r Filialleiter/in gewesen, kann dazu Aussagen machen.

Vielleicht hat es genau deswegen so lange gedauert. Hat man nur eine Handvoll Unterlagen, die eine Straftat beweisen sollen, dann geht das schnell. Wenn es aber 100 Meter Regalwand Unterlagen und Zeugen en masse gibt, dann dauert es natürlich dies alles zu verarbeiten. Und genau das ist häufig ein Problem an Wirtschaftsverbrechen. Man hat nicht zu wenig Material man hat zu viel.
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Re: Wendung im Fall Schlecker

Beitragvon pikant » Do 14. Apr 2016, 11:09

Dampflok94 hat geschrieben:(14 Apr 2016, 11:46)

Vielleicht hat es genau deswegen so lange gedauert. Hat man nur eine Handvoll Unterlagen, die eine Straftat beweisen sollen, dann geht das schnell. Wenn es aber 100 Meter Regalwand Unterlagen und Zeugen en masse gibt, dann dauert es natürlich dies alles zu verarbeiten. Und genau das ist häufig ein Problem an Wirtschaftsverbrechen. Man hat nicht zu wenig Material man hat zu viel.


kann aber auch an einer Unterbesetzung der Staatsanwaltschaft liegen - je weniger Mitarbeiter man hat, desto laenger dauert die Sichtung.
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Re: Wendung im Fall Schlecker

Beitragvon Dampflok94 » Do 14. Apr 2016, 11:18

pikant hat geschrieben:(14 Apr 2016, 12:09)

kann aber auch an einer Unterbesetzung der Staatsanwaltschaft liegen - je weniger Mitarbeiter man hat, desto laenger dauert die Sichtung.

Das kommt dazu. Zumal man auch Leute mit dem entsprechenden Fachwissen braucht. Da hat die Gegenseite häufig mehr Manpower zu bieten.
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Re: Wendung im Fall Schlecker

Beitragvon pikant » Do 14. Apr 2016, 11:23

Dampflok94 hat geschrieben:(14 Apr 2016, 12:18)

Das kommt dazu. Zumal man auch Leute mit dem entsprechenden Fachwissen braucht. Da hat die Gegenseite häufig mehr Manpower zu bieten.


ja,
weil die Gegenseite mehr bezahlt - das Fachwissen geht zum Geld :)
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Re: Wendung im Fall Schlecker

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Do 14. Apr 2016, 13:26

2012 ging Schlecker pleite. Ihm wird unter anderem vorgeworfen bereits den Jahresabschluss 2009 bereits so verfälscht zu haben, dass er kein korrektes Bild der finanziellen Situation mehr lieferte. Anschließend hat er wohl in großem Stil Geld zur Seite geschafft und somit vosätzlich zum Bankrott beigetragen. Insgesamt 36 Vergehen werden im vorgeworfen, 13 davon wiegen besonders schwer.
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Re: Wendung im Fall Schlecker

Beitragvon Cobra9 » Do 14. Apr 2016, 13:43

pikant hat geschrieben:(14 Apr 2016, 12:09)

kann aber auch an einer Unterbesetzung der Staatsanwaltschaft liegen - je weniger Mitarbeiter man hat, desto laenger dauert die Sichtung.



Für solche Fälle hat die STA deutlich zu wenige Fachleute in der Regel. Ist nicht das es so wollten. Aber Fachleute verdienen beim Staat nicht so toll und auf Staatsdienst hat man oft wenig Lust
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Re: Wendung im Fall Schlecker

Beitragvon Cobra9 » Do 14. Apr 2016, 13:46

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(14 Apr 2016, 14:26)

2012 ging Schlecker pleite. Ihm wird unter anderem vorgeworfen bereits den Jahresabschluss 2009 bereits so verfälscht zu haben, dass er kein korrektes Bild der finanziellen Situation mehr lieferte. Anschließend hat er wohl in großem Stil Geld zur Seite geschafft und somit vosätzlich zum Bankrott beigetragen. Insgesamt 36 Vergehen werden im vorgeworfen, 13 davon wiegen besonders schwer.


Basierend auf den aktuellen Infos ist die Anklage berechtigt. Was Schlecker da geritten hat....
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Re: Wendung im Fall Schlecker

Beitragvon Fuerst_48 » Do 14. Apr 2016, 14:06

Cobra9 hat geschrieben:(14 Apr 2016, 14:43)

Für solche Fälle hat die STA deutlich zu wenige Fachleute in der Regel. Ist nicht das es so wollten. Aber Fachleute verdienen beim Staat nicht so toll und auf Staatsdienst hat man oft wenig Lust

Der Beamte hat am Ersten nix, am Letzten nix, das aber hat er fix... :thumbup:
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Re: Wendung im Fall Schlecker

Beitragvon Cobra9 » Do 14. Apr 2016, 15:00

Fuerst_48 hat geschrieben:(14 Apr 2016, 15:06)

Der Beamte hat am Ersten nix, am Letzten nix, das aber hat er fix... :thumbup:


Das will Ich nicht gesagt haben das die Gehälter nix ergeben in der Lohntüte. Aber meine Lebensgefährtin als Beispiel könnte als Juristin am freien Markt mehr erwirtschaften. Aber mit der Aufgabe ist sie zufrieden, es reicht zum Leben. Nur Fachleute extern wird man so kaum anlocken
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Re: Wendung im Fall Schlecker

Beitragvon Fuerst_48 » Do 14. Apr 2016, 15:20

Cobra9 hat geschrieben:(14 Apr 2016, 16:00)

Das will Ich nicht gesagt haben das die Gehälter nix ergeben in der Lohntüte. Aber meine Lebensgefährtin als Beispiel könnte als Juristin am freien Markt mehr erwirtschaften. Aber mit der Aufgabe ist sie zufrieden, es reicht zum Leben. Nur Fachleute extern wird man so kaum anlocken

Stimmt. In sog. guten Zeiten verdient man in der Wirtschaft mehr als im Staatsdienst. In schlechten Zeiten ist man froh, unkündbar zu sein, was Existenzängste fern hält.
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Re: Wendung im Fall Schlecker

Beitragvon Cobra9 » Do 14. Apr 2016, 15:26

Fuerst_48 hat geschrieben:(14 Apr 2016, 16:20)

Stimmt. In sog. guten Zeiten verdient man in der Wirtschaft mehr als im Staatsdienst. In schlechten Zeiten ist man froh, unkündbar zu sein, was Existenzängste fern hält.


Stimmt auch und das war ein Punkt warum Sie da arbeitet. Der Job macht ihr Spass. Also warum nicht. Aber es ist eben kein Wunder das bei komplexen Fällen auch die STA oder Gerichte lange brauchen. Schlecker die 36 Verstösse zur Last zu legen dürfte viel Arbeit gewesen sein. Jetzt muss mas das LG entscheiden ob das Hauptverfahren eröffnet wird. Das dürfte dauern
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Re: Wendung im Fall Schlecker

Beitragvon Fuerst_48 » Do 14. Apr 2016, 15:49

Cobra9 hat geschrieben:(14 Apr 2016, 16:26)

Stimmt auch und das war ein Punkt warum Sie da arbeitet. Der Job macht ihr Spass. Also warum nicht. Aber es ist eben kein Wunder das bei komplexen Fällen auch die STA oder Gerichte lange brauchen. Schlecker die 36 Verstösse zur Last zu legen dürfte viel Arbeit gewesen sein. Jetzt muss mas das LG entscheiden ob das Hauptverfahren eröffnet wird. Das dürfte dauern

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Re: Wendung im Fall Schlecker

Beitragvon Adam Smith » Do 14. Apr 2016, 15:55

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(14 Apr 2016, 14:26)

2012 ging Schlecker pleite. Ihm wird unter anderem vorgeworfen bereits den Jahresabschluss 2009 bereits so verfälscht zu haben, dass er kein korrektes Bild der finanziellen Situation mehr lieferte. Anschließend hat er wohl in großem Stil Geld zur Seite geschafft und somit vosätzlich zum Bankrott beigetragen. Insgesamt 36 Vergehen werden im vorgeworfen, 13 davon wiegen besonders schwer.

Und die Gerichte haben ja auch schon Middelhoff ins Gefängnis geschickt. Aus dem Grund sieht es richtig übel aus.
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Re: Wendung im Fall Schlecker

Beitragvon Fuerst_48 » Do 14. Apr 2016, 16:02

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(14 Apr 2016, 14:26)

2012 ging Schlecker pleite. Ihm wird unter anderem vorgeworfen bereits den Jahresabschluss 2009 bereits so verfälscht zu haben, dass er kein korrektes Bild der finanziellen Situation mehr lieferte. Anschließend hat er wohl in großem Stil Geld zur Seite geschafft und somit vosätzlich zum Bankrott beigetragen. Insgesamt 36 Vergehen werden im vorgeworfen, 13 davon wiegen besonders schwer.

Das werden umfangreiche Akten und Protokolle, schon bevor der Prozeß losgeht...

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