Ist die Eurokrise zurück...

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Re: Ist die Eurokrise zurück...

Beitragvon zollagent » Mo 9. Jul 2018, 15:14

Senexx hat geschrieben:(09 Jul 2018, 16:10)

Sie bestreiten, dass es unterschiedliche Meinungen dazu gibt?

Aus dem Kontext geht eher hervor, daß er bestreitet, "daß man das weiß". So verstehe ich jedenfalls seinen Beitrag. Und es ist in der Tat so, daß die wenigsten Bürger das Hintergrundwissen zu solchen Themen haben und dieses allenfalls von Katastrophenmeldungen a là Bild oder Epochtimes haben.
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Re: Ist die Eurokrise zurück...

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mo 9. Jul 2018, 15:47

Perdedor hat geschrieben:(09 Jul 2018, 16:14)

So wie ich es verstanden habe, spielt der Exportüberschuss nur eine sehr geringe Rolle. Weit wichtiger ist der Kapitaltransfer. Wenn z.B. ein italienischer Bürger sein Geld auf ein Konto in Deutschland einzahlt, steigt das deutsche Saldo. Dass der Export nur ein untergeordnete Rolle spielt kann man daran erkennen, dass sich die Target2 Salden von 2012 bis 2015 massiv verringerten, während der Leistungsilanzüberschuss Deutschlands leicht zunahm:
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/ ... 281%29.jpg
https://de.tradingeconomics.com/germany/current-account
edit: Auch bezogen auf den Euroraum blieb der Überschuss positiv:
https://archiv.wirtschaftsdienst.eu/jah ... berschuss/
Grund für die Abnahme des Target2 Slados war zurückgewonnenes Vertrauen in die Banken der Südländer, so dass Kapital wieder zurücktransferiert wurde.
Auf der anderen Seite waren die Target2 Salden von 2000-2007 konstant, obwohl der Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands kontinuierlich zunahm.
Seit 2015 steigt das Target2 Saldo wieder, vor allem aufgrund der Anleihenankäufe der EZB.


Wie bereits geschrieben führt der Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands zu einem Kapitalexport, also zu einer Zunahme der Verschuldung des Auslands gegenüber des Inlands. Dabei ist es erstmal irrelevant worin man diese Verschuldung des Auslands nun sieht. Sei es nun in vermehrtet Anleihekäufen von Inländern oder in den Target2 Salden. Oder um es mal anders auszudrücken. Wenn du schreibst, dass der Target2-Saldo wegen der Anleiheankäufe der EZB (über den Sekundärmarkt) steigt, dann mag das primär als Ursache für den Target2-Saldo stimmen. Die eigentliche Ursache, aber, dass diese Anleihen angekauft werden ist eine Nettokreditaufnahme der Staaten. Und diese Nettokreditaufnahme geht natürlich zu Lasten der Staaten, die einen Exportüberschuß haben. Denn die finanzieren per Se ihren Exportüberschuss damit. Ob nun über Anleihen, Target2 oder Lieferantenkredite ist erstmal irrelevant. Tatsache ist, hätte Deutschland keinen Leistungsbilanzüberschuss, dann hätte D wohl auch keine so hohe Forderung aus dem Target2-System. Das ist nunmal vollkommen wertfrei beschrieben. Aber Leistungsbilanzüberschuss bedingt nun mal Kapitalexport. Daran gibt es nichts zu rütteln.
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Re: Ist die Eurokrise zurück...

Beitragvon Perdedor » Mo 9. Jul 2018, 15:56

3x schwarzer Kater hat geschrieben:Tatsache ist, hätte Deutschland keinen Leistungsbilanzüberschuss, dann hätte D wohl auch keine so hohe Forderung aus dem Target2-System.


Zu einem großen Teil eben doch.
Es reicht, dass Bürger aus anderen EU-Ländern ein Konto in Deutschland eröffnen und Geld überweisen.
Zumindest während der "Eurokrise" war das der Hauptgrund für die Target2 Salden. Wie das Verhältnis heutzutage ist, ist unklar, aber dürfte immernoch einen Großteil ausmachen.
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Re: Ist die Eurokrise zurück...

Beitragvon Senexx » Mo 9. Jul 2018, 15:58

Perdedor hat geschrieben:(09 Jul 2018, 16:56)

Zu einem großen Teil eben doch.
Es reicht, dass Bürger aus anderen EU-Ländern ein Konto in Deutschland eröffnen und Geld überweisen.
Zumindest während der "Eurokrise" war das der Hauptgrund für die Target2 Salden. Wie das Verhältnis heutzutage ist, ist unklar, aber dürfte immernoch einen Großteil ausmachen.

Die sekundäre Kapitalflucht scheint eine große Rolle zu spielen.
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Re: Ist die Eurokrise zurück...

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mo 9. Jul 2018, 15:59

Perdedor hat geschrieben:(09 Jul 2018, 16:56)

Zu einem großen Teil eben doch.
Es reicht, dass Bürger aus anderen EU-Ländern ein Konto in Deutschland eröffnen und Geld überweisen.
Zumindest während der "Eurokrise" war das der Hauptgrund für die Target2 Salden. Wie das Verhältnis heutzutage ist, ist unklar, aber dürfte immernoch einen Großteil ausmachen.


Und wieviele Milliarden soll das nun im Vergeich zum Leistungsbilanzüberschuss ausmachen?
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Re: Ist die Eurokrise zurück...

Beitragvon Perdedor » Mo 9. Jul 2018, 16:11

3x schwarzer Kater hat geschrieben:Und wieviele Milliarden soll das nun im Vergeich zum Leistungsbilanzüberschuss ausmachen?


Wie gesagt: Für heute ist mir das nicht klar. Aber von 2012 bis 2015 sank das Saldo von ca +800 Mrd auf ca +500 Mrd Euro (bei gleichbleibenden Leistungsbilanzüberschuss). Der Grund war wohl schlicht der Geldtransfer von den sicheren deutschen Konten wieder zurück in die Ausgangsländer im Süden. Ich wüsste nicht, wie man herausfinden könnte, wieviel noch hier ist. Aber der schnelle Target2-Anstieg von 2010 bis 2012 lässt vermuten, dass es sich bei einem Großteil der damals angehäuften Forderungen schlicht um einen solchen Geldtransfer handelte, der dementsprechend heute noch einen signifikanten Anteil ausmachen dürfte. Ich wüsste es auch gern genauer.
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Re: Ist die Eurokrise zurück...

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mo 9. Jul 2018, 16:24

Perdedor hat geschrieben:(09 Jul 2018, 17:11)

Wie gesagt: Für heute ist mir das nicht klar. Aber von 2012 bis 2015 sank das Saldo von ca +800 Mrd auf ca +500 Mrd Euro (bei gleichbleibenden Leistungsbilanzüberschuss). Der Grund war wohl schlicht der Geldtransfer von den sicheren deutschen Konten wieder zurück in die Ausgangsländer im Süden. Ich wüsste nicht, wie man herausfinden könnte, wieviel noch hier ist. Aber der schnelle Target2-Anstieg von 2010 bis 2012 lässt vermuten, dass es sich bei einem Großteil der damals angehäuften Forderungen schlicht um einen solchen Geldtransfer handelte, der dementsprechend heute noch einen signifikanten Anteil ausmachen dürfte. Ich wüsste es auch gern genauer.



hier nochmal die Leistungsbilanz Deutschlands im Überblick:

https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/ ... =8&img.jpg

die Sekundäreinkommen, also diejenigen Geldflüße, denen keine konkrete Leistung gegenübersteht (also z.B. Überweisungen vom/ins Ausland) sind in Deutschland traditionellerweise negativ. Es fließt also mehr Geld aus Deutschland ab, als auf diese Art und Weise reinkommt. Damit kann das alleine also keine Erhöhung der Target2-Forderungen Deutschlands bewirken, zumindest nicht ohne auf anderer Seite kompensiert zu werden.
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Re: Ist die Eurokrise zurück...

Beitragvon Perdedor » Mo 9. Jul 2018, 16:38

3x schwarzer Kater hat geschrieben:die Sekundäreinkommen, also diejenigen Geldflüße, denen keine konkrete Leistung gegenübersteht (also z.B. Überweisungen vom/ins Ausland) sind in Deutschland traditionellerweise negativ.


Soweit ich weiß fallen die Geldüberweisungen in die Vermögensbilanz (Schenkungsbilanz) und nicht in die Übertragungsbilanz (in deiner Grafik "Sekundäreinkommen"), welche nur Einkommen beinhaltet.

Hier noch ein plausibler Artikel zum jüngsten Antieg des Target2 Saldos aufgrund der EZB Anleihenkäufe:
"Alle italienischen Anleihen werden von der Banca d’Italia erworben. Die Bundesbank kauft ausschließlich Bundesanleihen, aber viele aus der Eurozone stammenden Banken, die der Banca d’Italia Anleihen verkaufen, haben in der Eurozone ein Bankkonto in Frankfurt. Das heißt, in Italien entsteht durch den Anleihekauf neues Geld, das aber von den Anleihe verkaufenden Banken in Frankfurt auf Konten bei der Bundesbank gehalten wird. Verrechnet wird dies durch das Zahlungsverkehrssystem Target 2, in dem die Forderungen der Bundesbank und die Verbindlichkeiten der Banca d’Italia gegenüber der EZB zunehmen."
https://blogs.faz.net/fazit/2018/07/03/ ... ldo-10130/
Das fällt auch nicht unter die Leistungsbilanz.
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Re: Ist die Eurokrise zurück...

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mo 9. Jul 2018, 17:07

Perdedor hat geschrieben:(09 Jul 2018, 17:38)

Soweit ich weiß fallen die Geldüberweisungen in die Vermögensbilanz (Schenkungsbilanz) und nicht in die Übertragungsbilanz (in deiner Grafik "Sekundäreinkommen"), welche nur Einkommen beinhaltet.


zur Erläuterung:

Unter den Sekundäreinkommen werden – im Gegensatz zur Vermögensänderungsbilanz (Posten II der Zahlungsbilanz) – regelmäßige Zahlungen verstanden, denen keine erkennbare Leistung der anderen Seite gegenübersteht. Beispiele hierfür sind die Überweisungen der in Deutschland beschäftigten ausländischen Arbeitnehmer in ihre Heimatländer, Einkommens- und Vermögenssteuer, Sozialbeiträge und Sozialleistungen, aber auch Zahlungen des Staates an internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen oder Leistungen im Rahmen der deutschen Entwicklungshilfe. Bei den Sekundäreinkommen hat Deutschland traditionell ein umfangreiches Defizit. Es betrug im Jahr 2016 40,0 Milliarden Euro.


https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/ ... 6bodyText4

Also korrekterweise Geldtransfers auf Konten in anderen Ländern, denen keine Leistung gegenübersteht. Und hier scheint der Saldo aus deutscher Sicht traditionellerweise negativ zu sein,

Hier noch ein plausibler Artikel zum jüngsten Antieg des Target2 Saldos aufgrund der EZB Anleihenkäufe:
"Alle italienischen Anleihen werden von der Banca d’Italia erworben. Die Bundesbank kauft ausschließlich Bundesanleihen, aber viele aus der Eurozone stammenden Banken, die der Banca d’Italia Anleihen verkaufen, haben in der Eurozone ein Bankkonto in Frankfurt. Das heißt, in Italien entsteht durch den Anleihekauf neues Geld, das aber von den Anleihe verkaufenden Banken in Frankfurt auf Konten bei der Bundesbank gehalten wird. Verrechnet wird dies durch das Zahlungsverkehrssystem Target 2, in dem die Forderungen der Bundesbank und die Verbindlichkeiten der Banca d’Italia gegenüber der EZB zunehmen."
https://blogs.faz.net/fazit/2018/07/03/ ... ldo-10130/
Das fällt auch nicht unter die Leistungsbilanz.


Auch hier drehen wir uns im Kreis. Technisch gesehen mag der Saldo bei Target2 ja durchaus auf die Anleihenaufkäufe zurückzuführen zu sein. Das ändert aber nichts an der Gesamtforderung, die Deutschland hat. Das hab ich ja schon geschrieben, ob nun Target2, Anleihen oder Lieferantkredite. Die Ursache für die hohen Forderungen Deutschlands ist der Leistungsbilanzüberschuß. Target2 ist ja im Wesentlichen auch nur ein technischer Nettingmechanismus der den Zahlungsverkehr zwischen den Staaten vereinfachen soll. Woher soll die hohe Verschuldung des Auslands sonst kommen?
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Re: Ist die Eurokrise zurück...

Beitragvon Perdedor » Mo 9. Jul 2018, 17:52

3x schwarzer Kater hat geschrieben:Also korrekterweise Geldtransfers auf Konten in anderen Ländern, denen keine Leistung gegenübersteht.


Aber eben nicht alle, wie auch in deinem Link steht.
Die hier besprochenen Transfers fallen unter die Vermögensänderungsbilanz bzw die Kapitalbilanz und nicht unter das Sekundäreinkommen (insb nicht das, was aus der Eurozone raustransferiert wird).
Aus der Zahlungsbilanz von 2012:
"Allerdings kamen bei den Kreditinstituten Mittel in Höhe von netto 113½ Mrd € auf. Ursächlich dafür war zum einen, dass die hiesigen Institute im Rahmen ihres Deleveraging ihre unverbrieften Auslandsforderungen im Jahr 2012 um weitere 62 Mrd € reduzierten. Der Schwerpunkt lag dabei auf den angfristigen Finanzkrediten. Zum anderen flossen inländischen Banken angesichts der hohen Unsicherheit im Euro-Raum – vor allem Anfang 2012 – per saldo in größerem Umfang Gelder aus dem Ausland zu (51½ Mrd €)."
http://willmann.com/~gerald/aw-13-Bi/zb-2012.pdf
Diese Bilanz ist nicht negativ, sondern positiv. Daher stieg das Target2-Saldo.
Leider beziehen sich die Bilanzen immer auf die ganze Welt und nicht nur auf die Eurozone.
Falls dies für dich nicht plausibel ist, würde mich interessieren, wie du den Rückgang der Target2 Forderungen Deutschlands um 300Mrd Euro zwischen 2012 und 2015 erklärst. Die Leistungsbilanz kann dafür ja nicht verantwortlich sein, da sie ja weiterhin positiv war.

3x schwarzer Kater hat geschrieben:Das ändert aber nichts an der Gesamtforderung, die Deutschland hat. Das hab ich ja schon geschrieben, ob nun Target2, Anleihen oder Lieferantkredite.


Oder eben Konten ausländischer Banken in Deutschland. Die Forderungen Deutschlands können bereits dadurch beglichen werden, dass die Kontoinhaber Geld von Deutschland ins Euroausland überweisen (ohne es auszugeben). Es handelt sich dabei nicht um Kredite oder Anleihen, sondern um Guthaben.
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Re: Ist die Eurokrise zurück...

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mo 9. Jul 2018, 18:10

Perdedor hat geschrieben:(09 Jul 2018, 18:52)

Aber eben nicht alle, wie auch in deinem Link steht.
Die hier besprochenen Transfers fallen unter die Vermögensänderungsbilanz bzw die Kapitalbilanz und nicht unter das Sekundäreinkommen (insb nicht das, was aus der Eurozone raustransferiert wird).
Aus der Zahlungsbilanz von 2012:
"Allerdings kamen bei den Kreditinstituten Mittel in Höhe von netto 113½ Mrd € auf. Ursächlich dafür war zum einen, dass die hiesigen Institute im Rahmen ihres Deleveraging ihre unverbrieften Auslandsforderungen im Jahr 2012 um weitere 62 Mrd € reduzierten. Der Schwerpunkt lag dabei auf den angfristigen Finanzkrediten. Zum anderen flossen inländischen Banken angesichts der hohen Unsicherheit im Euro-Raum – vor allem Anfang 2012 – per saldo in größerem Umfang Gelder aus dem Ausland zu (51½ Mrd €)."
http://willmann.com/~gerald/aw-13-Bi/zb-2012.pdf
Diese Bilanz ist nicht negativ, sondern positiv. Daher stieg das Target2-Saldo.
Leider beziehen sich die Bilanzen immer auf die ganze Welt und nicht nur auf die Eurozone.
Falls dies für dich nicht plausibel ist, würde mich interessieren, wie du den Rückgang der Target2 Forderungen Deutschlands um 300Mrd Euro zwischen 2012 und 2015 erklärst. Die Leistungsbilanz kann dafür ja nicht verantwortlich sein, da sie ja weiterhin positiv war.



Oder eben Konten ausländischer Banken in Deutschland. Die Forderungen Deutschlands können bereits dadurch beglichen werden, dass die Kontoinhaber Geld von Deutschland ins Euroausland überweisen (ohne es auszugeben). Es handelt sich dabei nicht um Kredite oder Anleihen, sondern um Guthaben.


unabhängig davon, dass möglicherweise ein geringer teil der Salden nicht geklärt ist, bestätigt aber der Bericht den du verlinkt hast genau das, was ich geschrieben habe.

Dem Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands
standen 2012 erneut hohe Netto-Kapitalexporte
(235 Mrd €) gegenüber. Etwas weniger als die Hälfte davon entfiel auf den Übrigen
Kapitalverkehr. Hier spielte der Forderungsaufbau
der Bundesbank im Rahmen des Zahlungsverkehrssystems
TARGET2 wieder eine entscheidende
Rolle.


etwa Seite 7/8 des Berichts den du verlinkt hast.
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Re: Ist die Eurokrise zurück...

Beitragvon Senexx » Mo 9. Jul 2018, 18:24

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(09 Jul 2018, 13:56)

Eigentlich nicht. Am Ende des Tages sind sie im Wesentlichen (im Bezug auf Deutschland) eine Folge des Exportüberschusses. Denn letztendlich führt ein Leistungsbilanzüberschuß auch immer zu Kapitalexport. Dabei ist es primär erstmal egal ob sich das in Target2-Salden widerspiegelt, in Lieferantenkrediten oder im Ankauf von Staatsanleihen ausländischer Staaten durch Inländer.

Unsinn.

Italien steht mit etwa 400+ Milliarden Euro bei D In der Kreide. Das italienische Defizit im Außenhandel mit D beträgt nur rund 10 Mrd.
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Re: Ist die Eurokrise zurück...

Beitragvon Perdedor » Mo 9. Jul 2018, 19:03

3x schwarzer Kater hat geschrieben:unabhängig davon, dass möglicherweise ein geringer teil der Salden nicht geklärt ist, bestätigt aber der Bericht den du verlinkt hast genau das, was ich geschrieben habe.


Der Leistungsbilanzüberschuss bestand 2012 nur zu einem kleineren Teil gegenüber der Eurozone. Der größere Teil bestand gegenüber dem Rest der Welt. Das kann also auch nur einen kleinen Teil des Target2 Überschusses ausmachen. Dass letzterer in der Zahlungbilanz auftaucht ist natürlich korrekt, sagt aber nichts darüber aus, wie er entstanden ist. Wie ist denn nun deine Erklärung bzgl der 300Mrd Abnahme in 3 Jahren?
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Re: Ist die Eurokrise zurück...

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mo 9. Jul 2018, 19:18

Perdedor hat geschrieben:(09 Jul 2018, 20:03)

Der Leistungsbilanzüberschuss bestand 2012 nur zu einem kleineren Teil gegenüber der Eurozone. Der größere Teil bestand gegenüber dem Rest der Welt. Das kann also auch nur einen kleinen Teil des Target2 Überschusses ausmachen. Dass letzterer in der Zahlungbilanz auftaucht ist natürlich korrekt, sagt aber nichts darüber aus, wie er entstanden ist. Wie ist denn nun deine Erklärung bzgl der 300Mrd Abnahme in 3 Jahren?


Auch wenn es schwierig zu verstehen. Primär ist es erstmal egal gegen wen sich am internationalen Kapitalmarkt die Forderung richtet. Wesentlich ist, dass durch die Exportüberschüsse Deutschlands, Auslandsvermögen entsteht, also die Verschuldung von Ausländern gegenüber dem Inland steigt. Das sehen wir u.a. aber nicht ausschließlich an den Target2-Salden. Die bilden am Ende des Tages ja auch nur einen Teil des Auslandsvermögens der Deutschen ab. Hier werden die Zusammenhänge auch nochmal halbwegs vernünftig erklärt:

https://www.handelsblatt.com/politik/de ... 9ARRMh-ap5

Wesentlich ist hier, dass sich allein aufgrund des Leistungsbilanzüberschusses das deutsche Auslandsvermögen etwa alle 4 Jahre um etwa eine Billion erhöht. Der Target2-Saldo ist nur ein kleiner Indikator dafür.
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Re: Ist die Eurokrise zurück...

Beitragvon Perdedor » Mo 9. Jul 2018, 19:50

3x schwarzer Kater hat geschrieben:Der Target2-Saldo ist nur ein kleiner Indikator dafür.


Vor allem ist es für sich genommen ein sehr unzuverlässiger Indikator. Denn anhand des Saldos würde man ja vermuten, dass das deutsche Auslandsvermögen in den Jahren 2012 bis 2015 massiv gesunken ist.
Ich will nicht aufdringlich erscheinen, aber mich würde ehrlich deine Meinung zu diesem Zeitraum interessieren. Für mich ist dies ein deutlicher Hinweis, dass die Leistungsbilanz zumindest zu jener Zeit keine große Rolle spielte.
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Re: Ist die Eurokrise zurück...

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mo 9. Jul 2018, 19:57

Perdedor hat geschrieben:(09 Jul 2018, 20:50)

Vor allem ist es für sich genommen ein sehr unzuverlässiger Indikator. Denn anhand des Saldos würde man ja vermuten, dass das deutsche Auslandsvermögen in den Jahren 2012 bis 2015 massiv gesunken ist.
Ich will nicht aufdringlich erscheinen, aber mich würde ehrlich deine Meinung zu diesem Zeitraum interessieren. Für mich ist dies ein deutlicher Hinweis, dass die Leistungsbilanz zumindest zu jener Zeit keine große Rolle spielte.


Lies dir einfach mal den Artikel im Handelsblatt durch. Die Target2-Stellen ja nur einen geringen Teil des deutschen Auslandsvermögens dar. Und die werden natürlich auch beeinflußt durch Anleiheankäufe. Aber das ändert nichts am Grundprinzip. Denn die Anleihen haben ja auch eine Ursache ... und die liegt größtenteils natürlich bei den Leistungsbilanzüberschüssen. Die Auslandsvermögen der Deutschen haben mittlerweile eine Größenordnung von deutlich über 8 Billionen erreicht. Die Target2-Salden von etwa 1 Billion sind also nur ein vergleichsweise kleiner Ausschnitt daraus.
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Re: Ist die Eurokrise zurück...

Beitragvon Wähler » Di 10. Jul 2018, 14:26

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(09 Jul 2018, 13:56)
Eigentlich nicht. Am Ende des Tages sind sie im Wesentlichen (im Bezug auf Deutschland) eine Folge des Exportüberschusses. Denn letztendlich führt ein Leistungsbilanzüberschuß auch immer zu Kapitalexport. Dabei ist es primär erstmal egal ob sich das in Target2-Salden widerspiegelt, in Lieferantenkrediten oder im Ankauf von Staatsanleihen ausländischer Staaten durch Inländer.

Target2Salden betreffen den Zentralbankgeldkreislauf. Der Giralgeldkreislauf für Kredite und Geldüberweisungenen für Nichtbanken steigt nicht 1:1, je mehr Zentralbankgeld es gibt. Während der Eurokrise stiegen die Target2Salden 2012 sehr stark, weil auch die Kapitalflucht aus den Südländern zu deutschen Banken sehr stark war. Kein Mensch weiß, was passiert, wenn Italien wie Kalifornien eine Parallelwährung für die Begleichung von Steuerschulden vorübergehend einführt. Selbst Herr Sinn meinte neulich bei einem Vortrag in der Bayerischen Akademie der Künste, dass Länder wie Italien die Möglichkeit haben sollten, den Euro vorübergehend zu verlassen und eine Parallelwährung eine geschickte Lösung wäre.
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Re: Ist die Eurokrise zurück...

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Di 10. Jul 2018, 15:19

Wähler hat geschrieben:(10 Jul 2018, 15:26)

Target2Salden betreffen den Zentralbankgeldkreislauf. Der Giralgeldkreislauf für Kredite und Geldüberweisungenen für Nichtbanken steigt nicht 1:1, je mehr Zentralbankgeld es gibt. Während der Eurokrise stiegen die Target2Salden 2012 sehr stark, weil auch die Kapitalflucht aus den Südländern zu deutschen Banken sehr stark war. Kein Mensch weiß, was passiert, wenn Italien wie Kalifornien eine Parallelwährung für die Begleichung von Steuerschulden vorübergehend einführt. Selbst Herr Sinn meinte neulich bei einem Vortrag in der Bayerischen Akademie der Künste, dass Länder wie Italien die Möglichkeit haben sollten, den Euro vorübergehend zu verlassen und eine Parallelwährung eine geschickte Lösung wäre.


Auch das geht am eigentlichen Thema vorbei. Dass Deutschland hohes Auslandsvermögen bildet liegt an den hohen Leistungsbilanzüberschüssen. Und dieses Auslandsvermögen schlägt sich eben zum Teil (und nicht im gesamten) in den Target2-Salden wider.
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Re: Ist die Eurokrise zurück...

Beitragvon Senexx » Di 10. Jul 2018, 17:19

Auch wenn Sie es noch so oft wiederholen: Das ist keine Erklärung für den hohen Saldo gegenüber Italien oder Spanien.
Hinweis aus gegebenen Anlass: Ich verwende niemals "copy paste". Jede Zeile ist selbst verfasst.
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Re: Ist die Eurokrise zurück...

Beitragvon Wähler » Di 10. Jul 2018, 17:54

Wähler hat geschrieben:(10 Jul 2018, 15:26)
Target2Salden betreffen den Zentralbankgeldkreislauf. Der Giralgeldkreislauf für Kredite und Geldüberweisungenen für Nichtbanken steigt nicht 1:1, je mehr Zentralbankgeld es gibt. Während der Eurokrise stiegen die Target2Salden 2012 sehr stark, weil auch die Kapitalflucht aus den Südländern zu deutschen Banken sehr stark war. Kein Mensch weiß, was passiert, wenn Italien wie Kalifornien eine Parallelwährung für die Begleichung von Steuerschulden vorübergehend einführt. Selbst Herr Sinn meinte neulich bei einem Vortrag in der Bayerischen Akademie der Künste, dass Länder wie Italien die Möglichkeit haben sollten, den Euro vorübergehend zu verlassen und eine Parallelwährung eine geschickte Lösung wäre.

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(10 Jul 2018, 16:19)
Auch das geht am eigentlichen Thema vorbei. Dass Deutschland hohes Auslandsvermögen bildet liegt an den hohen Leistungsbilanzüberschüssen. Und dieses Auslandsvermögen schlägt sich eben zum Teil (und nicht im gesamten) in den Target2-Salden wider.

Wenn Bürger aus den Südländern von ihren Heimatbanken Giralgeld in großen Mengen auf Konten bei deutschen Banken überweisen, dann brauchen die südländischen Banken Zentralbankgeld für die Überweisung. Banken akzeptieren untereinander nur Zentralbankgeld, aber kein Giralgeld. Vor der Eurokrise haben sich die Banken dieses Zentralbankgeld über den Interbankenhandel zwischen den Banken besorgt. Dieser Interbankenhandel ist duch die Hypotheken- und Staatsschuldenkrise zusammengebrochen. Nun sorgt die EZB für die nötige Liquidität an Zentralbankgeld zu Gunsten der Südbanken, die dafür auch minderwertige Pfänder bei der EZB hinterlegen dürfen, zum Beispiel Staatsanleihen mit schlechter Bonität. Die nationalen Zentralbanken im EZB-System verbuchen dann untereinander einen Saldo. Das ist der Kern von Target-II.
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