Abschaffung von Bargeld

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schokoschendrezki
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Re: Abschaffung von Bargeld

Beitragvon schokoschendrezki » Do 4. Okt 2018, 12:55

Raskolnikof hat geschrieben:(01 Oct 2018, 14:20)

@ schokoschendrezki:

du kommst jetzt wieder auf ein anderes Thema. Es ging zuvor einfach um die Erreichbarkeit von Geldautomaten. Und da habe ich die Möglichkeit aufgezeigt, einen Geldautomaten zu finden, bei dessen Nutzung keinerlei Gebühren anfallen, einfach nur durch Auswahl der "richtigen" Bank. Das hat doch jetzt MobilePay nichts zu tun.

Die "Erreichbarkeit von Geldautomaten" - solange es zumindest ein paar irgendwo in meiner Stadt gibt, rangiert bei mir in der Problemliste irgendwo an der 2321-Stelle. Ich hab' unlängst ganz bewusst am Automaten einer Bank Geld abgehoben und eine Gebühr in Kauf genommen, die nicht die meine war. Nur, um mir nicht durch Anzeige des Kontostands die Laune verderben zu lassen ...

Weiß Du. Es ist so. Stand Oktober 2018. Ich höre eine Sendung auf einem seriösen Kanal, die ist überschrieben mit:
Wie unser Geld wirklich entsteht. Money from nothing

Der größte Teil unseres Geldes wird nicht von der Zentralbank geschaffen, sondern von den Banken. Und zwar einfach so, aus dem Nichts. Die Tatsache ist weitgehend unbekannt. Aber sie gefährdet zunehmend die Stabilität unseres Finanzsystems. Kritiker fordern eine neue Geldordnung.
https://www.deutschlandfunkkultur.de/wie-unser-geld-wirklich-entsteht-money-from-nothing.3720.de.html?dram:article_id=425402

In dieser Sendung wird einiges erklärt. Unter anderem, dass selbst Banker und Finanzwissenschaftler eigentlich nicht wissen, wie Geld tatsächlich entsteht. Dass dem Bankgeld immer auch ein entsprechendes Äquivalent an Zentralbankgeld gegenübersteht ... dachte ich bislang eigentlich auch. Ist aber vielleicht nicht so. Mein weiß es nicht genau. Der Ökonom Peter Bofinger wird zitiert, der nachträglich seine Lehrbücher überarbeitete, weil er einsah, dass diese üblichen rein güterwirtschaftlichen Volkswirtschaftsmodelle völlig untauglich sind. Ich als Laie bin verwirrt. Mit der Abschaffung des Bargelds kommts mir so vor, als wenn man eine Herzoperation durchführt, aber noch gar nicht so genau weiß oder sich darüber einig ist, was und wo dieses Herz eigentlich ist.
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Raskolnikof
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Re: Abschaffung von Bargeld

Beitragvon Raskolnikof » Do 4. Okt 2018, 15:22

Warum schreibst du jetzt auch von der Abschaffung des Bargeldes? Wer will das hier denn? Es scheint wohl eine Art Fluch über diesen Thread zu hängen. :rolleyes:
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Re: Abschaffung von Bargeld

Beitragvon immernoch_ratlos » Do 4. Okt 2018, 23:57

schokoschendrezki hat geschrieben:In dieser Sendung wird einiges erklärt. Unter anderem, dass selbst Banker und Finanzwissenschaftler eigentlich nicht wissen, wie Geld tatsächlich entsteht. Dass dem Bankgeld immer auch ein entsprechendes Äquivalent an Zentralbankgeld gegenübersteht ... dachte ich bislang eigentlich auch. Ist aber vielleicht nicht so. Mein weiß es nicht genau.
Auf die Gefahr hin, das Du meine (eigentlich nicht meine) "Erkenntnisse" ignorierst oder völlig daneben findest - das bin ich inzwischen gewöhnt - hier kleine Schnipsel aus Yuval Noah Hararis Buch "Eine kurze Geschichte der Menschheit" :
Yuval Noah Harari hat geschrieben:Götter, Nationen, Geld, Menschenrechte und Gesetze gibt es gar nicht – sie existieren nur in unserer kollektiven Vorstellungswelt.
Yuval Noah Harari hat geschrieben:Aber wie gelang es dem Homo sapiens, diese kritische Schwelle zu überwinden? Wie schaffte er es, Städte mit Zehntausenden Einwohnern und Riesenreiche mit Millionen von Untertanen zu gründen? Sein Erfolgsgeheimnis war die fiktive Sprache. Eine große Zahl von wildfremden Menschen kann effektiv zusammenarbeiten, wenn alle an gemeinsame Mythen glauben.
Yuval Noah Harari hat geschrieben:Rechtsstaaten fußen auf gemeinsamen juristischen Mythen: Zwei wildfremde Anwälte können effektiv kooperieren, weil sie an die Existenz von Recht, Gesetz und Menschenrechten glauben.
Yuval Noah Harari hat geschrieben:Das Unternehmen ist unsichtbar, es handelt sich nicht um ein physisches Objekt. Trotzdem existiert es als juristische Person.Es kann Bankkonten eröffnen und Eigentum erwerben. Es zahlt Steuern und kann verklagt werden, und zwar völlig unabhängig von den Menschen, die es besitzen oder für es arbeiten.

Im Gesetz werden diese Unternehmen auch als »Körperschaften« bezeichnet, was eigentlich ironisch ist, denn diese Bezeichnung kommt vom Wort »Körper« und genau den haben diese Unternehmen ja gerade nicht. Trotzdem behandelt das Gesetz sie so, als handele es sich um Menschen aus Fleisch und Blut.
Yuval Noah Harari hat geschrieben:Wenn ein Priester mit all seinen heiligen Gewändern und geweihten Gerätschaften im richtigen Moment die richtigen Worte sprach, verwandelten sich gewöhnliche Oblaten in den Leib Christi und gewöhnlicher Wein in das Blut Christi. Der Priester sprach die lateinische Formel »Hoc est corpus meum!« (zu Deutsch »das ist mein Leib«) und Hokuspokus! wurde das Brot zu Fleisch. Und nachdem der Priester alle nötigen Formeln gesprochen hatte, waren auch die Gläubigen überzeugt, dass es sich tatsächlich nicht mehr um Brot und Wein, sondern um den Leib und das Blut Christi handelte, und sie behandelten sie mit einer Ehrfurcht, die sie einer Oblate und einem Schluck Wein nie entgegengebracht hätten.
Wer sich danach noch wirklich ernsthaft Gedenken darüber macht, wie solche Mythen - wo gern auch mal das Wasser den Berg hinaufläuft - hier "Geld" entsteht und ob jetzt die eine oder andere "Darreichungsform" von Geld besser abgeschafft werden solle oder aber nicht, dann weiß man das kann nur ein "Homo sapiens sapiens" sein. Der lässt sich immer ein passendes Narrativ einfallen. Wie schon Toyota meint "Nichts ist unmöglich"

Das Geld sollte wieder abgeschafft werden - wir denken uns einfach was ganz Neues aus.... Sicherheitshalber verfluche ich das Geld schon mal - "dreimal schwarzer Kater" - ohh meines ist schon weg :eek:
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Re: Abschaffung von Bargeld

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 5. Okt 2018, 07:33

immernoch_ratlos hat geschrieben:(05 Oct 2018, 00:57)

Auf die Gefahr hin, das Du meine (eigentlich nicht meine) "Erkenntnisse" ignorierst oder völlig daneben findest - das bin ich inzwischen gewöhnt - hier kleine Schnipsel aus Yuval Noah Hararis Buch "Eine kurze Geschichte der Menschheit" : Wer sich danach noch wirklich ernsthaft Gedenken darüber macht, wie solche Mythen - wo gern auch mal das Wasser den Berg hinaufläuft - hier "Geld" entsteht und ob jetzt die eine oder andere "Darreichungsform" von Geld besser abgeschafft werden solle oder aber nicht, dann weiß man das kann nur ein "Homo sapiens sapiens" sein. Der lässt sich immer ein passendes Narrativ einfallen. Wie schon Toyota meint "Nichts ist unmöglich"

Das Geld sollte wieder abgeschafft werden - wir denken uns einfach was ganz Neues aus.... Sicherheitshalber verfluche ich das Geld schon mal - "dreimal schwarzer Kater" - ohh meines ist schon weg :eek:


Ich bin sehr zu haben für jegliche Art von konsequentem Neudenkertum. Haaretz, für die Yuvai Noah Hararis schreibt, gehört zu meinen Lieblingspublikationen und seiner Ansicht zum islamistischen Terror, dass dieser eher von Geldgier und weniger von einem angeblich "intrinsischen" Terrorismus des Islam geleitet ist, stimme ich 100 Prozent zu.

Aber die Verhinderung der Bargeldabschaffung ist einfach ein realistischeres Ziel als die Abschaffung von Geld überhaupt. Und die Prozesse der Gelderschaffung können transparent gemacht werden. Wenn man nur will. So wie ich vielfach mitbekommen habe, wollen die Volkswirtschaftler nur nicht. Vielleichtl, weil einfach das Beharrungsvermögen an den Güterproduktionsmodellen zu groß ist. Weil es einfach mühselig ist, nun auch noch Geld ins Kalkül zu nehmen. In diesen klassischen, kanonischen Modellen scheint Geld einfach "da" und verfügbar zu sein. Man rechnet mit Geldeinheiten. SO wie man auch "Zahlen" benutzt. Aber es lohnt sich durchaus, auch über "Zahlen" mal nachzudenken.
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Re: Abschaffung von Bargeld

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 5. Okt 2018, 07:47

Raskolnikof hat geschrieben:(04 Oct 2018, 16:22)

Warum schreibst du jetzt auch von der Abschaffung des Bargeldes? Wer will das hier denn? Es scheint wohl eine Art Fluch über diesen Thread zu hängen. :rolleyes:

Also zumindest in einer früheren Phase dieses Strangs kann ich mich schon an ein paar vehemente Bargeldabschaffungsbefürworter erinnern.
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Re: Abschaffung von Bargeld

Beitragvon Orbiter1 » Fr 5. Okt 2018, 08:23

schokoschendrezki hat geschrieben:(05 Oct 2018, 08:47)

Also zumindest in einer früheren Phase dieses Strangs kann ich mich schon an ein paar vehemente Bargeldabschaffungsbefürworter erinnern.
Zu denen gehöre ich. War vor kurzem 1 Woche in Schweden. Habe nicht 1 Krone Bargeld benötigt, alles (Hotel, Restaurant, Eintrittsgelder, Supermarkt, Tanken, ...) mit EC- bzw Kreditkarte bezahlt. Finde ich äußerst komfortabel.
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Re: Abschaffung von Bargeld

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 5. Okt 2018, 08:28

Orbiter1 hat geschrieben:(05 Oct 2018, 09:23)

Zu denen gehöre ich. War vor kurzem 1 Woche in Schweden. Habe nicht 1 Krone Bargeld benötigt, alles (Hotel, Restaurant, Eintrittsgelder, Supermarkt, Tanken, ...) mit EC- bzw Kreditkarte bezahlt. Finde ich äußerst komfortabel.

Du siehst das halt rein aus der Perspektive der Konsumentenbequemlichkeit. Auch ich würde nie auf die Idee kommen, Hotelrechnungen, größere Anschaffungen oder gar regelmäßige Zahlungen bar abzuwickeln. Aber: Gerade aus solchen wenigen größeren Zahlungen lassen sich ja auch schlecht Persönlichkeitsprofile ableiten. Zu geringer Stichprobenumfang. Erst die vielen vielen kleineren Zahlungen, das Mineralwasser hier, die Brötchen dort usw. die große Menge an minimalen Transaktionen liefert irgendwann präzise Persönlichkeitsprofile ... und ist andererseits problemlos mit Bargeld abwickelbar.
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Re: Abschaffung von Bargeld

Beitragvon Orbiter1 » Fr 5. Okt 2018, 09:55

schokoschendrezki hat geschrieben:(05 Oct 2018, 09:28)

Du siehst das halt rein aus der Perspektive der Konsumentenbequemlichkeit. Auch ich würde nie auf die Idee kommen, Hotelrechnungen, größere Anschaffungen oder gar regelmäßige Zahlungen bar abzuwickeln. Aber: Gerade aus solchen wenigen größeren Zahlungen lassen sich ja auch schlecht Persönlichkeitsprofile ableiten. Zu geringer Stichprobenumfang. Erst die vielen vielen kleineren Zahlungen, das Mineralwasser hier, die Brötchen dort usw. die große Menge an minimalen Transaktionen liefert irgendwann präzise Persönlichkeitsprofile ... und ist andererseits problemlos mit Bargeld abwickelbar.
Aus den bargeldlosen Zahlungen lässt sich mein Konsumverhalten ableiten, aber ganz sicher nicht meine Persönlichkeit, mein Charakter, meine politischen Einstellungen, mit wem ich mich über was unterhalte, auf welche Demo ich gehe, usw. Ich habe kein Problem damit wenn man meine Vorlieben im Bereich Konsum kennt und mir darauf zugeschnittene Angebote unterbreitet.
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Re: Abschaffung von Bargeld

Beitragvon immernoch_ratlos » Fr 5. Okt 2018, 10:19

;) Freut mich schokoschendrezki das Dir die Überlegungen von Yuvai Noah Harari gefallen, der hat noch mehr an Erkenntnissen auf Lager, die für mich ausformulieren, was ich selbst schon lange ähnlich gedacht habe.

Ein Dissens habe ich allerdings was Du über Zahlen aussagst. Die haben durchaus einen realistischen Bezug zur Wirklichkeit - reale Dinge lassen sich "abzählen" - Mathematik folgt Naturgesetzen. Die gefundenen Bezeichnungen eins, zwei usw. lassen sich sprachlich begründen und sind keine bloßen "Götter, Nationen, Geld, Menschenrechte und Gesetze" die nur solange scheinbar existieren wie irgendwer gemeinsam mit anderen daran glaubt.

Erstaunlich was sich damit alles ableiten und begründen lässt, auch wenn es nur "existiert" weil alle fest daran glauben.

Zahlen haben die erstaunliche Eigenschaft, auch mit erdachten "Realitäten" zu funktionieren. Es nützt nichts, wenn ich mich zum reichsten Mann auf Erden erkläre, mittel einfacher Zahlenspiele lässt sich das doch erheblich relativieren. Würde nun das Geld (das ja nur in unseren Köpfen existiert) irgendwie daraus verschwinden, könnte ich Kraft meiner Fantasie die reichlich roten Sandsteine in meinem Garten (ich sammle die) zu meinem neuen "Reichtum" erklären. Sobald das auch andere so sehen, würde die Mathematik ins Spiel kommen - jeder würde seine roten Sandsteine zählen - und schon wären alle wieder da, wo sie gestern auch schon waren.

Als "Bargeld" wäre so ein roter Sandstein eine echte Belastung - hilfsweise könnte ich ja ein Bild stattdessen dem Bäcker zeigen und wenn der auch Bilder von roten Sandsteinen wertvoll findet, hätten wir das "Geld" neu erfunden - der Rest den kennen wir ja schon :p
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Re: Abschaffung von Bargeld

Beitragvon Raskolnikof » Fr 5. Okt 2018, 17:53

schokoschendrezki hat geschrieben:(05 Oct 2018, 09:28)

Du siehst das halt rein aus der Perspektive der Konsumentenbequemlichkeit. Auch ich würde nie auf die Idee kommen, Hotelrechnungen, größere Anschaffungen oder gar regelmäßige Zahlungen bar abzuwickeln. Aber: Gerade aus solchen wenigen größeren Zahlungen lassen sich ja auch schlecht Persönlichkeitsprofile ableiten. Zu geringer Stichprobenumfang. Erst die vielen vielen kleineren Zahlungen, das Mineralwasser hier, die Brötchen dort usw. die große Menge an minimalen Transaktionen liefert irgendwann präzise Persönlichkeitsprofile ... und ist andererseits problemlos mit Bargeld abwickelbar.

Es ist schon seltsam, dass sich bestimmte Unrichtigkeiten so lange in den Köpfen vieler Bürger halten. Richtig ist, dass z.B. Supermärkte und Discounter Kundenprofile anfertigen können. Diese können allerdings niemals mit der Persönlichkeit der einzelnen Kunden verknüpft werden, da auf dem Chip der Giro- oder Kreditkarte lediglich die IBAN und das Gültigkeitsdatum abgespeichert sind. Dein Edeka-Markt z.B. könnte deine dort mit Karte getätigten Einkäufe lediglich deiner Bankverbindung zuordnen. Somit muss sich auch kein Kunde sorgen, dass er nach dem Einkauf in einem Sexshop regelmäßig Werbepost von Beate uhse erhält. Kundenprofile werden von allen Supermarktketten und Discountern erstellt. Für diese kann es sinnvoll sein zu wissen, wann z.B. bestimmte Kundentypen an welchen Tagen zu welcher Uhrzeit bestimmte Waren einkaufen. Dabei ist es aber vollkommen egal, ob der Kunde Meyer oder Müller heißt.

Anders verhält es sich nur bei bei Einkäufen, für die eine Rechnung ausgestellt und angeliefert wird, im Laden aber bezahlt wird (z.B. 20 qm Gehwegplatten aus dem Baustoffhandel). Da werden ja die persönlichen Daten angegeben, die dann ggf. vom Verkäufer für Werbezwecke genutzt werden kann. Allerdings muss sich dafür der Verkäufer die Einwiligung des Kunden einholen, z.B. in Form eines Kreuzes an passender Stelle auf der Rechnung.
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Re: Abschaffung von Bargeld

Beitragvon unity in diversity » Sa 6. Okt 2018, 14:30

Orbiter1 hat geschrieben:(05 Oct 2018, 10:55)

Aus den bargeldlosen Zahlungen lässt sich mein Konsumverhalten ableiten, aber ganz sicher nicht meine Persönlichkeit, mein Charakter, meine politischen Einstellungen, mit wem ich mich über was unterhalte, auf welche Demo ich gehe, usw. Ich habe kein Problem damit wenn man meine Vorlieben im Bereich Konsum kennt und mir darauf zugeschnittene Angebote unterbreitet.

Wenn nur noch mit Plastik bezahlt wird, kennt dein Händler dein Kundenprofil.
Was du häufig kaufst, macht er teuerer und was du seltener kaufst, billiger.
Das nennt man im stalinistischen Retro-Stil, Bedarfslenkung und Bedürfniskontrolle.
Diesem Anliegen dienen die neuen Kassenterminals, um die Vergleichbarkeit zu behindern.
"Bitte bewahren sie die Anonymität ihres Vorgängers und halten sie Abstand".
Wie in der Bankfiliale.
Im nächsten Schritt werden die Preisschilder in den Auslagen entfernt.
Nicht überall und sofort, aber achte trotzdem darauf.
Für jedes Problem gibt es zwei Lösungsansätze:
Den Falschen und den Unsrigen.
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Re: Abschaffung von Bargeld

Beitragvon Misterfritz » Sa 6. Okt 2018, 19:13

unity in diversity hat geschrieben:(06 Oct 2018, 15:30)
Was du häufig kaufst, macht er teuerer und was du seltener kaufst, billiger.
Ach, und wenn zwei zeitgleich etwas aus dem Regal nehmen, von einem, der das regelmässig kauft und von einem, der das selten kauft, wie ist der Preis dann?
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Re: Abschaffung von Bargeld

Beitragvon Brainiac » Sa 6. Okt 2018, 19:20

Raskolnikof hat geschrieben:(04 Oct 2018, 16:22)

Warum schreibst du jetzt auch von der Abschaffung des Bargeldes? Wer will das hier denn? Es scheint wohl eine Art Fluch über diesen Thread zu hängen. :rolleyes:

Ob das vielleicht mit dem Strangtitel zusammenhängen könnte? :D
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Re: Abschaffung von Bargeld

Beitragvon Raskolnikof » Sa 6. Okt 2018, 20:03

Nur waren wir uns doch wohl alle bereits dahingehend einig, dass Bargeld in absehbarer Zeit nicht abgeschafft wird. Von daher können wir uns hier jetzt alle nur noch im Kreis drehen und uns wiederholen.
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Re: Abschaffung von Bargeld

Beitragvon H2O » Sa 6. Okt 2018, 21:19

unity in diversity hat geschrieben:(06 Oct 2018, 15:30)
...
Im nächsten Schritt werden die Preisschilder in den Auslagen entfernt.
Nicht überall und sofort, aber achte trotzdem darauf.


Das wäre dann aber gesetzwidrig; so weit ich weiß, sind Anbieter verpflichtet, den gültigen Preis gut sichtbar an zu zeigen, um die Vergleichbarkeit sicher zu stellen. Um Mogelpackungen das Leben schwerer zu machen, ist zusätzlich der Preis für 100 g oder 1 kg an zu geben. Das wird auch in Polen so gehandhabt, scheint also einer EU-Binnenmarkt-Regel zu entsprechen.

Einen Laden, der ohne Preisschilder Waren anbietet, würde ich in Mitteleuropa bestimmt nicht betreten. Ich habe keine Lust, mich unangenehm überraschen zu lassen, oder um den Preis zu feilschen.

Wo ich mir solche Spielchen vorstellen könnte, das wäre im online-Handel. Da könnte das Angebot kundenspezifisch gestaltet werden, wenn zuvor die Identität des Käufers abgefragt wird. Aber lohnt sich das wirklich? Dagegen sprechen schon vorhandene Vergleichsportale, mit denen man das günstigste Angebot heraus finden kann. Da wird man doch sehr schnell stutzig!
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Re: Abschaffung von Bargeld

Beitragvon Skull » So 7. Okt 2018, 07:27

Raskolnikof hat geschrieben:(06 Oct 2018, 21:03)

Von daher können wir uns hier jetzt alle nur noch im Kreis drehen und uns wiederholen.

Was heisst da jetzt ?

Das passiert doch schon seit 2 Jahren. :D

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Re: Abschaffung von Bargeld

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 8. Okt 2018, 08:52

Raskolnikof hat geschrieben:(05 Oct 2018, 18:53)

Es ist schon seltsam, dass sich bestimmte Unrichtigkeiten so lange in den Köpfen vieler Bürger halten. Richtig ist, dass z.B. Supermärkte und Discounter Kundenprofile anfertigen können. Diese können allerdings niemals mit der Persönlichkeit der einzelnen Kunden verknüpft werden, da auf dem Chip der Giro- oder Kreditkarte lediglich die IBAN und das Gültigkeitsdatum abgespeichert sind.

Du vergisst, dass die Geldtransaktionen nicht nur beim Händller sondern auch bei deiner Bank verarbeitet werden. Und die Banken können sehr wohl deine IBAN mit deinen Personendaten verbinden. Und es ist eben nicht auszuschließen, dass Banken Verbindungen zu staatlichen Institutionen pflegen.

Das Vertrauen in eine bargeldlose Zahlungsabwicklung ist nicht von ungefähr gerade in Ländern wie in Skandinavien, Baltikum, Schweiz besonders hoch. Staaten, in denen sich die Bevölkerung als mehr oder weniger geschlossene Gemeinschaft versteht. Hyggelige Lego-Länder, wo zum Jahreswechsel die Nationalflagge gehisst wird und die Landeshymne gesungen wird. Und wo es einen subtilen Druck zur Gemeinschaftlichkeit gibt. Wo man brav online seine Steuer- und sonstigen Erklärungen ausfüllt. Um Gottes Willen. Ich will das nicht. Ich will definitiv subervsive Ideen in einer völlig heterogenen Lebenswelt haben können. Die weder Staat noch Gemeinschaft etwas angehen. Und deshalb ist der Schutz meiner Personendaten heiliger als diese Gemeinschaftlichkeit. Und deshalb nehme ich lieber die Unbequemlichkeit des Bargeldzahlens auf mich, als auch nur die potenzielle Möglichkeit der Weitergabe irgendwelcher Personendaten an irgendwelche Stellen.
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Re: Abschaffung von Bargeld

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 8. Okt 2018, 09:17

immernoch_ratlos hat geschrieben:(05 Oct 2018, 11:19)
Ein Dissens habe ich allerdings was Du über Zahlen aussagst. Die haben durchaus einen realistischen Bezug zur Wirklichkeit - reale Dinge lassen sich "abzählen" - Mathematik folgt Naturgesetzen. Die gefundenen Bezeichnungen eins, zwei usw. lassen sich sprachlich begründen und sind keine bloßen "Götter, Nationen, Geld, Menschenrechte und Gesetze" die nur solange scheinbar existieren wie irgendwer gemeinsam mit anderen daran glaubt.

Das ist eine eher naturphilosophische Frage. Zahlen sind nicht nur ganze, rationale, reelle Zahlen. Für komplexe Zahlen gibt es in der Tat Entsprechungen in der Realität bzw. mit komplexen Zahlen lassen sich reale Phänomene elegant beschreiben und berechnen. Bei Quaternionen etwa sieht die Sache schon schwieriger aus ...

Zurück zu den aktuellen Problemen: Ich habe in jüngerer Zeit - vor allem anlässlich des zehnjährigen "Jubiläums" der Banken- und Finanzkrise mindestens so vier, fünf Beiträge - nicht von irgendwelchen Spinnern - sondern von ausgewiesenen Ökonomie- und FInanzfachleuten, Akademikern gehört und gelesen, in denen klipp und klar festgestellt wurde, dass
a) Banken Geld "aus dem Nichts" erschaffen. Ohne dass es irgendein Äquivalent dazu in irgendeiner Zentralbank gibt und dass
b) diese Tatsache weitestgehend unbekannt ist oder abgelehnt oder direkt verneint wird.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Über etwas so eminent wichtiges wie unsere Finanzsysteme - die wir ja selbst erschaffen haben - besteht ein derart fulminanter DIssenz. Selbst wenn diesen fünf Wissenschaftlern 95 gegenüberstehen, die das anders sehen.

Der wesentlich Punkt, wenn ich es richtig verstanden habe, besteht in der Frage, ob man Banken und Finanzsysteme einfach als Institutionen versteht, die eine Geld-Infrastruktur bereitstellen und für die lediglich Gebühren für gewisse Dienstleistungen zu zahlen sind oder ob man sie als Wirtschaftsunternehmen sieht, die mit der Geldwirtschaft Gewinne erzielen. Letzteres scheint mir wesentlich schlüssiger. In jedem Falle aber: Außer dass man die Finanzpuffer etwas größer gemacht hat und die Risiken etwas vermindert hat, scheint aus der Finanzkrise vor 10 Jahren nix, aber gar nix gelernt worden zu sein. Und nun will man dieses Hochrisikogeschäft, über deren innere Gesetzmäßigkeiten man sich in der Fachwelt überhaupt nicht einig ist, nochmal grundlegend und radikal durch Bargeldabschaffung umstrukturieren? Die ganzen DIskussionen über Praktikabilität sind kindisch und für die Katz angesichts der systemischen Risiken.
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Re: Abschaffung von Bargeld

Beitragvon Raskolnikof » Mo 8. Okt 2018, 15:35

schokoschendrezki hat geschrieben:(08 Oct 2018, 09:52)

Du vergisst, dass die Geldtransaktionen nicht nur beim Händller sondern auch bei deiner Bank verarbeitet werden. Und die Banken können sehr wohl deine IBAN mit deinen Personendaten verbinden. Und es ist eben nicht auszuschließen, dass Banken Verbindungen zu staatlichen Institutionen pflegen.

Nein, ich habe nicht vergessen, dass meine Bank die IBAN mit meiner Person verbinden kann. Ist doch auch vollkommen logisch. Das war es dann aber auch schon. Was ich aber im einzelnen bei Edeka oder Aldi eingekauft habe weiß meine Bank nicht.
Es ging aber doch zuvor um die Erstellung von Kundenprofilen. Und da kannst du meine Argumentation nicht entkräften. Für den Supermarkt oder Discounter bin ich anonym, es sei denn, die Kassiererin kennt mich persönlich. Aber dann weiß die auch bei Barzahlung, was ich beim Einkauf bevorzuge.

Was die Bank betrifft: Für die bist du ohnehin ein nackter Mensch. Grundsteuern, Strom, Wasser, Zeitung, Zeitschriften, Telefon/DSL, Handy, Hundesteuer, Lebensversicherung, Hausrat, Haftpflicht, KFZ-Versicherung, Teilzahlungsverträge und viele Dinge mehr (bei mir rund 30 Positionen) werden Monat für Monat von meinem Konto abgebucht. Wer sich bei der Bank für diese Daten interessiert kann eine ausführliche Persönlichkeitsstudie von mir anfertigen (oder von dir). Aber ganz bestimmt nicht wenn die Bank weiß, wieviel Geld ich im Monat bei Edeka lasse.
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Re: Abschaffung von Bargeld

Beitragvon jorikke » Mo 8. Okt 2018, 16:22

Orbiter1 hat geschrieben:(05 Oct 2018, 09:23)

Zu denen gehöre ich. War vor kurzem 1 Woche in Schweden. Habe nicht 1 Krone Bargeld benötigt, alles (Hotel, Restaurant, Eintrittsgelder, Supermarkt, Tanken, ...) mit EC- bzw Kreditkarte bezahlt. Finde ich äußerst komfortabel.


Sicher wird das hier auch mal so sein. Allerdings nicht mal mittelfristig. Die Schweden haben ein anderes Verhältnis zu finanziellen Dingen. Durch die völlige steuerliche Transparenz, jeder Schwede kann ohne weiteres nachschauen wieviel sein Nachbar - oder wer auch immer - versteuert und damit verdient hat.
Die haben Transparenz verinnerlicht. Der Gedanke, irgend jemand könne auf Grund ihrer Kartenzahlungen irgendetwas über ihr Kaufverhalten oder sonst was erfahren, ist ihnen fremd.
In Deutschland wird ein ähnliches Bewusstsein noch lange auf sich warten lassen.
… und deshalb, ein Hoch auf´s Klimpergeld.

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