Indexlohn

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garfield335

Indexlohn

Beitragvon garfield335 » Do 13. Okt 2011, 13:15

Hallo Forum.

In Luxemburg herrscht der sogenannte Indexlohn. Der Index ist hier ein Wert der vom statistischen Amt anhand der aktuellen Preisentwicklung berechnet wird.
Er beinhaltet einen Warenkorb und spiegelt die Preisentwicklung dieses Warenkorbs wieder.

In Luxemburg werden die meisten Gehälter an diesen Index gekoppelt. Die indexanpassung erfolgt in Schritten von 2,5%.
Die Gehälter die an den Index gekoppelt sind erfahren also eine automatische Anpassung an die Inflation und diese Gehälter spiegeln daher den Reallohn wieder.

Warum kann ein solches System in andern Ländern nicht funktionnieren? oder weshalb funktionniert es in Luxemburg?

Der Indexlohn ist jetzt wieder stark in der Kritik, da durch die anhaltende hohe Inflation, der Gehaltsunterschied zu den nachbarländern zu gross wird. Da die Gehälter in einem System ohne Indexlohn viel langsamer an die Inflation angepasst wird.
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Tantris
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Re: Indexlohn

Beitragvon Tantris » Do 13. Okt 2011, 16:17

Ich würde sagen, es wird zeit, dass die politik diese idee aufgreift, sonst brauchen wir mal wieder eine neue partei.

Oder neue gewerkschaften?
garfield335

Re: Indexlohn

Beitragvon garfield335 » Do 13. Okt 2011, 16:32

Tantris » Do 13. Okt 2011, 17:17 hat geschrieben:Ich würde sagen, es wird zeit, dass die politik diese idee aufgreift, sonst brauchen wir mal wieder eine neue partei.

Oder neue gewerkschaften?


Der Unterschied ist, dass in Deutschland der Reallohn ständig schrumpft, und die Leute Arbeitskämpfe austragen müssen um eine Anpassung zu erreichen.

In Luxemburg gibt es kaum, bis gar keine Streiks und Arbeitskämpfe, wegen der automatischen anpassung ist es kaum notwendig. Die Produktivität ist hier deswegen deutlich höher. Die Uunternehmen sind sogar bereit ihre Gehälter an den Index zu koppeln, weil sie wissen, dass dadurch der soziale Frieden gewahrt bleibt, Streiks vermieden werden können und damit die Produktivität hoch bleibt.

Die Arbeitgeber haben es sehr schwer eine reduzierung des reallohns durchzusetzen, weil es für jeden sofort offensichtlich ist.

Nachteil, in Zeiten hoher Inflation, gibt es in Lux eine ständige Gehaltsanpassung, während in D die Reallöhne stark sinken.
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ralphon
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Re: Indexlohn

Beitragvon ralphon » Do 13. Okt 2011, 17:22

Garfield335 » Do 13. Okt 2011, 14:15 hat geschrieben:In Luxemburg werden die meisten Gehälter an diesen Index gekoppelt. Die indexanpassung erfolgt in Schritten von 2,5%.
Die Gehälter die an den Index gekoppelt sind erfahren also eine automatische Anpassung an die Inflation und diese Gehälter spiegeln daher den Reallohn wieder.


Wird das bei euch vom Staat vorgegeben oder bestimmen das die meisten Tarifparteien oder einzelne Arbeitsverträge?
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Quatschki
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Re: Indexlohn

Beitragvon Quatschki » Do 13. Okt 2011, 19:28

Mag sich auch Luxemburg diese Art von Sozialismus leisten können,
so würden doch andere Länder damit schnell Schiffbruch erleiden, die nicht als Finanzplatz schmarotzen.

Denn das ist alles ein Wechselspiel.
Die Preise steigen (auch) wegen zu schnell angestiegener Löhne, weil einerseits die Unternehmen die Lohnkosten weitergeben müssen
und andererseits am Markt das Geld der Leute lockerer sitzt und abgeschöpft werden will.
Wenn dies zum Anlaß für weitere Lohnerhöhungen genommen wird, treibt man die Spirale noch weiter hoch,
und bekommt letztlich einfach nur ein teures Land.

Außerdem:
Steigende Energie- und Rohstoffpreise sind nicht immer Anzeichen für Inflation, sondern Resultat eines verknappten Angebots.
Wenn eine Sache aus solchen Gründen teurer wird, ändert sich ihr Wert und ihr Gewicht im Verhältnis zu anderen Gütern und Dienstleistungen.
Das hat aber nichts mit Inflation zu tun.
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Tantris
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Re: Indexlohn

Beitragvon Tantris » Fr 14. Okt 2011, 00:45

Quatschki » Do 13. Okt 2011, 20:28 hat geschrieben:Mag sich auch Luxemburg diese Art von Sozialismus leisten können,
so würden doch andere Länder damit schnell Schiffbruch erleiden, die nicht als Finanzplatz schmarotzen.

Zumindest so arme, elende gegenden wie D sind darauf angewiesen, ungerechte löhne zu zahlen...

So ein nonsens!

Denn das ist alles ein Wechselspiel.
Die Preise steigen (auch) wegen zu schnell angestiegener Löhne, weil einerseits die Unternehmen die Lohnkosten weitergeben müssen
und andererseits am Markt das Geld der Leute lockerer sitzt und abgeschöpft werden will.

Und wenn dieser effekt nicht durch die finanziell schwächeren abgefedert wird, geht die welt unter.


Wenn dies zum Anlaß für weitere Lohnerhöhungen genommen wird, treibt man die Spirale noch weiter hoch,
und bekommt letztlich einfach nur ein teures Land.

Man sollte alle löhne unterhalb des existenzminimuns einfrieren, dann sind wir richtig frei!

Außerdem:
Steigende Energie- und Rohstoffpreise sind nicht immer Anzeichen für Inflation, sondern Resultat eines verknappten Angebots.

Steigende preise SIND inflation. Egal, wo das herkommt. Nichts zu danken.

Wenn eine Sache aus solchen Gründen teurer wird, ändert sich ihr Wert und ihr Gewicht im Verhältnis zu anderen Gütern und Dienstleistungen.
Das hat aber nichts mit Inflation zu tun.


Dochdoch. Mach dich mal schlau!

Ausserdem ist es egal, wie du es nennst. Wenn der preisindex steigt, dann steigt er nunmal.
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Re: Indexlohn

Beitragvon garfield335 » Fr 14. Okt 2011, 07:01

ralphon » Do 13. Okt 2011, 18:22 hat geschrieben:
Wird das bei euch vom Staat vorgegeben oder bestimmen das die meisten Tarifparteien oder einzelne Arbeitsverträge?


Die Tarifparteien bestimmen einen indexbasierten Lohn. das ist ein punktwert, der mit dem punktwert des Indexes multipliziert werden mus.

Der Index selbst ist ein Verbraucherpreisindex der mithilfe eines Warenkorbes ermittelt wird. Das macht das statistische Amt, also der Staat.

allerdings mus ich dazu sagen, dass meistens nur der Niedriglohnsektor an den index gekoppelt sind. Ingénieure und Managergehälter sind das meistens nicht.
Zuletzt geändert von garfield335 am Fr 14. Okt 2011, 07:05, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Indexlohn

Beitragvon garfield335 » Fr 14. Okt 2011, 07:04

Quatschki » Do 13. Okt 2011, 20:28 hat geschrieben:Mag sich auch Luxemburg diese Art von Sozialismus leisten können,


Sozialismus ist ein schönes Wort. Hier würde niemals eine politische Partei es wagen dieses System in Frage zu stellen. würde sie es tun, wären sie bei der nächsten Wahl unter der <1% marke :s

Da vorallem der Niedriglohnsektor ihre Löhne an den Index koppelt, und in Luxemburg ein Mindeslohn gibt, sind vorallem Mindestlohnempfänger vom System betroffen.

Sie erfahren eine ständige automatische Gehaltserhöhung. Da der Mindestlohn ständig durch den Index erhöht wird.
Zuletzt geändert von garfield335 am Fr 14. Okt 2011, 07:07, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Indexlohn

Beitragvon garfield335 » Fr 14. Okt 2011, 09:12

Es gibt hier auch bei Tarifabschlüssen, oft eine sogenannte Tripatite, bei dem 3 Parteien an einem Tisch sitzen und verhandeln.

Arbeitgeber, Gewerkschaften und Regierung.

In solch einer Runde wird dann auch immer über den Index beraten. Um die Gehaltsschere zu den Nachbarländern nicht aus dem Ruder laufen zu lassen, wurden zuletzt immer wieder Gehaltsanpassungen an den Index ausgesetzt. Was in diesem Falle natürlich eine reduzierung des Reallohnes gleichkommt.
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Re: Indexlohn

Beitragvon Tantris » Fr 14. Okt 2011, 09:14

Garfield335 » Fr 14. Okt 2011, 10:12 hat geschrieben:Es gibt hier auch bei Tarifabschlüssen, oft eine sogenannte Tripatite, bei dem 3 Parteien an einem Tisch sitzen und verhandeln.

Arbeitgeber, Gewerkschaften und Regierung.

In solch einer Runde wird dann auch immer über den Index beraten. Um die Gehaltsschere zu den Nachbarländern nicht aus dem Ruder laufen zu lassen, wurden zuletzt immer wieder Gehaltsanpassungen an den Index ausgesetzt. Was in diesem Falle natürlich eine reduzierung des Reallohnes gleichkommt.


Eine europaweite einführung würde die binnenachfrage und damit die konjunktur gehörig beflügeln!
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Re: Indexlohn

Beitragvon garfield336 » Di 24. Feb 2015, 09:31

Ich komme noch mal zu diesem Thema zurück.

Aktuell betreibt Luxemburg und Belgien das System eines indexierten Lohnes.



Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, ob sowas z.b. auch den Griechen helfen könnte. Der Index ist doch sowas wie eine Paralellwährung.
Das Gehalt wird in Relation zu einem Indexpunktwert gesetzt und nicht zum Euro.
Dieser Index ist an die Inflation gebunden, er kann aber auch in einer Deflationären Phase zu Gehaltskürzungen führen.
Das ist doch genau das was Griechenland braucht. Oder nicht?

Unser "Index" lag im September 2013 bei 824,70 Punkten, das war das letzte mal, dass es auf diesem Wege eine Gehaltsanpassung gab.
Mittlerweile liegt der Punktwert bei 812.80 , wenn der Punktwert unter 805 Punkten fällt müssen wir gar mit einer Gehaltskürzung rechnen. :|
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Re: Indexlohn

Beitragvon garfield336 » Di 24. Feb 2015, 10:44

Tantris » Fr 14. Okt 2011, 09:14 hat geschrieben:
Eine europaweite einführung würde die binnenachfrage und damit die konjunktur gehörig beflügeln!


Warum :?:
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Re: Indexlohn

Beitragvon BlueMonday » Di 24. Feb 2015, 10:46

Also eine gesetzlich eingebaute Lohnpreisspirale. Die Preise steigen, weil die Lohnkosten gestiegen sind. Die Löhne steigen wiederum, weil die Preise gestiegen sind.... Die Zahlen werden größer, man freut sich.


Hat schon etwas von Schilda (http://de.wikipedia.org/wiki/Schildbürger ). Wobei die Schildbürgerstreiche weitaus harmloser und kostengünstiger waren.
Zuletzt geändert von BlueMonday am Di 24. Feb 2015, 10:47, insgesamt 1-mal geändert.
But who would build the roads?
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Re: Indexlohn

Beitragvon garfield336 » Di 24. Feb 2015, 10:51

BlueMonday » Di 24. Feb 2015, 10:46 hat geschrieben:Also eine gesetzlich eingebaute Lohnpreisspirale. Die Preise steigen, weil die Lohnkosten gestiegen sind. Die Löhne steigen wiederum, weil die Preise gestiegen sind.... Die Zahlen werden größer, man freut sich.


Hat schon etwas von Schilda (http://de.wikipedia.org/wiki/Schildbürger ). Wobei die Schildbürgerstreiche weitaus harmloser und kostengünstiger waren.


Die Gefahr besteht, allerdings steigt die Geldmenge nicht durch die Gehaltsanpassung.
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Re: Indexlohn

Beitragvon garfield336 » Di 24. Feb 2015, 11:06

Es ist ja keine Pflicht solch ein Arbeitsvertrag abzuschliessen, aber wenn der staatliche Mindestlohn daran gekoppelt ist, sind Unternehmer quasi dazu gezwungen es bei niedriglohnigen Arbeitskräfte es gleich in den Arbeitsvertrag reinzuschreiben, selbst wenn sie geringfügig mehr Gehalt als der Mindestlohn bekommen.


btw ein System der "index-linked wages" gibt es auch teilweise in den USA.
Einige Bundesstaaten haben ihren Mindestlohn indexiert.
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Re: Indexlohn

Beitragvon Star-bird » Di 24. Feb 2015, 13:58

garfield336 » Di 24. Feb 2015, 11:06 hat geschrieben:btw ein System der "index-linked wages" gibt es auch teilweise in den USA.
Einige Bundesstaaten haben ihren Mindestlohn indexiert.


Die USA sind aber auch ein sozialistisches Musterland. ;)
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Re: Indexlohn

Beitragvon pikant » Di 24. Feb 2015, 14:06

Quatschki » Do 13. Okt 2011, 19:28 hat geschrieben:Mag sich auch Luxemburg diese Art von Sozialismus leisten können,
so würden doch andere Länder damit schnell Schiffbruch erleiden, die nicht als Finanzplatz schmarotzen.

.


im Moment gibt es keine Lohnsteigerung in dem kleinen Land wegen dem Index.

die Regierung hat Deine Kritik erkannt und nun diese Tax-Roulings ( sozialistisches Teufelswerk) auch fuer Privatpersonen eingefuehrt.
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Re: Indexlohn

Beitragvon garfield336 » Di 24. Feb 2015, 21:44

Star-bird » Di 24. Feb 2015, 13:58 hat geschrieben:
Die USA sind aber auch ein sozialistisches Musterland. ;)


Dies ist in den USA ein ziemlich neues phànomen, Es haben die letzten 2,3 Jahre eine Reihe Staaten solche System eingeführt.

Indexierte Mindestlöhne sorgen dafür, dass alle Menschen im Niedriglohnsektor davon profitieren.

Hohe Gehälter sind auch in Luxemburg, (ausser bei Staatsangestellten) nicht betroffen.
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Re: Indexlohn

Beitragvon garfield336 » Di 24. Feb 2015, 21:48

pikant » Di 24. Feb 2015, 14:06 hat geschrieben:
im Moment gibt es keine Lohnsteigerung in dem kleinen Land wegen dem Index.


Die Inflationsrate war im Januar bei -0,7% da können wir lange auf eine Lohnsteigerung warten. Diese minus Inflation wiederlegt eigentlich auch das Argument, dass dieser indexierte Lohn automatisch zu noch höherer Inflation führt.

Wenn das so anhält wird es im nächsten Jahr eher eine Gehaltskürzung. :|
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Re: Indexlohn

Beitragvon Realist2014 » Di 24. Feb 2015, 21:59

garfield335 » Do 13. Okt 2011, 16:32 hat geschrieben:
Der Unterschied ist, dass in Deutschland der Reallohn ständig schrumpft, und die Leute Arbeitskämpfe austragen müssen um eine Anpassung zu erreichen.

In Luxemburg gibt es kaum, bis gar keine Streiks und Arbeitskämpfe, wegen der automatischen anpassung ist es kaum notwendig. Die Produktivität ist hier deswegen deutlich höher. Die Uunternehmen sind sogar bereit ihre Gehälter an den Index zu koppeln, weil sie wissen, dass dadurch der soziale Frieden gewahrt bleibt, Streiks vermieden werden können und damit die Produktivität hoch bleibt.

Die Arbeitgeber haben es sehr schwer eine reduzierung des reallohns durchzusetzen, weil es für jeden sofort offensichtlich ist.

Nachteil, in Zeiten hoher Inflation, gibt es in Lux eine ständige Gehaltsanpassung, während in D die Reallöhne stark sinken.



was genau wird denn in Luxemburg so produziert?

Autos?
Maschinenbau?
Züge?

oder was genau?
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden

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