Die Wahrheit um den Fachkräftemangel

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ebi80
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Re: Die Wahrheit um den Fachkräftemangel

Beitragvon ebi80 » Di 16. Mai 2017, 03:11

Kibuka hat geschrieben:(10 May 2017, 08:30).

In Deutschland sind die Ingenieursgehälter international ohnehin niedrig. So verdient ein IT-Experte in den USA mehr als das Doppelte.


Aber vergiss nicht das der Lebensunterhalt in den USA auch ein weit höherer ist. Die Mieten da drüben will ich nicht zahlen. Aber wenn man halt nur auf das Gehalt schaut und kein Meter weiter, klingt das natürlich gut.
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Laertes
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Re: Die Wahrheit um den Fachkräftemangel

Beitragvon Laertes » Di 16. Mai 2017, 06:58

Boracay hat geschrieben:(15 May 2017, 22:18)
Durchschnittliches Gehalt eines Ingenieurs in Deutschland: 77.000€ im Jahr. Und da sind die kleinen Konstruktionsbüros schon mit dabei. Bei großen Firmen geht es eher Richtung 100k€, ganz ohne Führungsverantwortung.

Scheint mir zu hoch gegriffen. Hast du dafür bitte mal eine Quelle?
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Gody
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Re: Die Wahrheit um den Fachkräftemangel

Beitragvon Gody » So 21. Mai 2017, 20:29

Laertes hat geschrieben:(16 May 2017, 07:58)

Scheint mir zu hoch gegriffen. Hast du dafür bitte mal eine Quelle?


Ist es auch. Von einigen sollte man zahlen hier immer mit vorsicht genießen. Meistens Fantasie um die mangelhafte Argumentation zu stützen.

Ein Durchschnitt aller Ingenieure ist sowieso Quatsch. Was soll das bringen. Mann kann sich die Branchen ansehen. Ingenieure im Pharma wesen verdienen am meisten. Die liegen bei 80.000. Verwundern sollte dies aber nicht bei den mafiösen Strukturen dort. Am wenigsten verdient man in der Elektronik und Elektrotechnik Branche. 61.000 im Schnitt. Die ganzen anderen Branchen bewegen sich im Schnitt zwischen 62.000 und 67.000. So steht es zumindest in der Einkommensstudie 2017.

Als Vergleich, in der Schweiz verdient man fast doppelt soviel. nach Abzug der Lebenshaltungskosten sind es noch ca. 10-25% mehr als die Deutschen.
Egal wie tief man die Messlatte des geistigen Verstandes eines Menschen legt..es gibt jeden Tag jemanden, der bequem darunter durchlaufen kann!
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Der Neandertaler
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Facharbeitermangel - Zuwanderung = Lösung unserer Sozialsysteme?

Beitragvon Der Neandertaler » Mi 13. Sep 2017, 12:09

"Kinder statt Inder." - verteidigt seinerzeit NRWs schwarzsehender und selbsternannte Arbeiterführer Jürgen Rüttgers seine Postkartenaktion. Die Postkartenaktion sollte eine Anti-Green-Card-Kampagne zur Maßnahme der Regierung Schroeder sein. Denn Rüttgers war der Meinung, befristete Arbeitserlaubnisse für Computerfachleute aus Nicht-EU-Staaten seien der falsche Weg zur Lösung des Fachkräftemangels in der Informationstechnik. Allerdings lautete der Slogan, der darauf zu lesen war und der zur Debatte stand, nicht wie der ürsprüngliche verbale Ausrutscher, sondern nüchtern:
    "Mehr Ausbildung statt mehr Einwanderung" - im Gedächtnis blieb allerdings der ursprüngliche Text.
Nicht nur Stoiber hatte es als einen Widerspruch angesehen, "Wenn die SPD Elitebildung verpönt und dann Eliten aus dem Ausland hereinholt." So sagte etwa Volker Kauder 2007, daß er nicht wolle, "daß es in der Wirtschaft zugeht wie bei vielen deutschen Fußballklubs: Daheim wenig ausbilden und die guten Spieler im Ausland einkaufen."

In (West-) Deutschland gab es erstmals 1976, 1983 und später 2006 Prognosen mit dem Tenor:
    "Die demographische Entwicklung hilft dem Arbeitsmarkt."
Doch seltsam, das Wunder fand nie statt. Nie schien der Arbeitsmarkt sich so zu verhalten, wie es die Demographie erwarten ließ. Spätere Prognosen sagten für das Jahr 2018, allerspätestens aber für 2025 einen landesweiten Facharbeitermangel voraus. Ist das endlich, endlich der Segen der demographischen Entwicklung?

Der neueste Fortschrittsbericht sagt nun, daß spätesten 2040 in Deutschland 3,3 Millionen qualifizierte Arbeitnehmer fehlen könnten. Angesichts dieser Zahlen sagte Bundessozialministerin Andrea Nahles, dieser Fortschrittsbericht sei "eine Mahnung zum Handeln".

Neuerdings kommen Klagen aus Politik und Wirtschaft über Facharbeitermangel und Forderungen derart, daß das Zuwanderungsrecht gelockert werden soll.
    "Ein Zuwanderungsgesetz muß her!"
Eine Sprecherin von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles sagte, daß dies "nicht Gegenstand des Regierungshandelns" sei. Die Ministerin betonte zudem, daß es Ziel der Bundesregierung bleibe, zuerst Arbeitskräfte im Inland zu finden. Ein Zuzug von Fachkräften aus dem Ausland könne nur "parallel laufen". Max Frisch sagte einst in einem Interview angsichts der Situation der Gastarbeiter der ersten Generation:
    "Man hat Arbeitskräfte gerufen, und es kamen Menschen."
Haben wir denn nicht selbst genug Fachleute unter unseren Arbeitslosen?
Allerdings:
    Sind unsere "Fachleute" allgemein und nicht nur betrieblich gut ausgebildet - also: überbetrieblich ... also auch für andere Unternehmen, falls der derzeitige Arbeitgeber pleite geht?
Zweite Frage:
    Warum erst jetzt? Warum springt Politik erst jetzt auf diesen Zug auf?
Es scheint sich allerdings auch innerhalb der Bevölkerung noch nicht so ganz herumgsprochen zu haben, daß dieses Thema: "Facharbeitermangel" akkut ist. Liegt es daran, daß zudem eine recht entfernte Jahreszahl genannt wird?
    2025 - 2040
Angesichts der jungen, arbeitsfähigen und arbeitswilligen Flüchtlinge, die vergangenheitlich zu uns kamen, wähnten nicht wenige schon das Ende des "Facharbeitermangels" in Sicht. Vielleicht war dies etwas zu früh gefreut. Einige werden sich wohl zu Facharbeitern aus- und weiterbilden lassen - zumindest sind sie willig. Aber der alles lösende Segen werden sie wohl nicht sein - zumindest nicht kurzfristig.

Nicht nur mit Blick auf die Postkartenaktion des selbsternannten Arbeiterführers Jürgen Rüttgers stellt sich mir die Frage:
    "Sind mehr Kinder das Allheilmittel unserer Sozialsysteme?"
Ich meine, sie zahlen doch nur in unsere Sozialsysteme ein, wenn sie auch Arbeit haben. Können und sollten wir uns also auf derartige Prognosen von Fortschrittsberichten verlassen?
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Re: Facharbeitermangel - Zuwanderung = Lösung unserer Sozialsysteme?

Beitragvon Skull » Mi 13. Sep 2017, 12:18

Der Neandertaler hat geschrieben:(13 Sep 2017, 13:09)

Können und sollten wir uns also auf derartige Prognosen von Fortschrittsberichten verlassen?

Natürlich. Was auch sonst ?

Solche Prognosen und Erwartungen fliessen in gesamtgesellschaftliche zukünftige Entscheidungen mit ein.

Nicht mehr...aber auch nicht weniger. Es handelt sich eben um Prognosen.

Die Zukunft VORHERSAGEN...kann niemand.

mfg
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Re: Die Wahrheit um den Fachkräftemangel

Beitragvon Realist2014 » Fr 15. Sep 2017, 11:58

Boracay hat geschrieben:(15 May 2017, 22:18)

.



Durchschnittliches Gehalt eines Ingenieurs in Deutschland: 77.000€ im Jahr. Und da sind die kleinen Konstruktionsbüros schon mit dabei. Bei großen Firmen geht es eher Richtung 100k€, ganz ohne Führungsverantwortung.



I .


Bei BMW gibt es keinen Job OHNE Führungsverantwortung mit einem Gehalt über 85k
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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Re: Die Wahrheit um den Fachkräftemangel

Beitragvon Boracay » Fr 15. Sep 2017, 12:03

Realist2014 hat geschrieben:(15 Sep 2017, 12:58)

Bei BMW gibt es keinen Job OHNE Führungsverantwortung mit einem Gehalt über 85k


Da lese ich die Tabelle anders. Höchste Gruppe in der letzten Stufe + 13 Gehälter + Bonus + ein paar Überstunden + evtl. GWV sind 100k€ drin, noch ganz ohne AT. 85k€ hat jeder von den Älteren Ingenieuren in einem Konzern.
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Re: Die Wahrheit um den Fachkräftemangel

Beitragvon frems » Fr 15. Sep 2017, 15:44

Der Gastbeitrag vom Ökonom Prof. Straubhaar passt hier wohl gut rein: https://www.welt.de/wirtschaft/article1 ... m-ist.html

Er sieht den Fachkräftemangel als Phantom und eher betriebs- statt volkswirtschaftliches Problem.
Labskaus!

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Re: Die Wahrheit um den Fachkräftemangel

Beitragvon Realist2014 » Sa 16. Sep 2017, 11:51

Boracay hat geschrieben:(15 Sep 2017, 13:03)

Da lese ich die Tabelle anders. Höchste Gruppe in der letzten Stufe + 13 Gehälter + Bonus + ein paar Überstunden + evtl. GWV sind 100k€ drin, noch ganz ohne AT. 85k€ hat jeder von den Älteren Ingenieuren in einem Konzern.



nein

sind es nicht

ich kenne eine Personaltante bei BMW

die habe ich extra nochmal gefragt

deine Gehaltszahlen sind schon teilweise fern der Realität

das Mediangehalt eines Vollzeit arbeitenden AN in D beträgt ca 43.tsd Euro
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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Re: Die Wahrheit um den Fachkräftemangel

Beitragvon Realist2014 » Sa 16. Sep 2017, 11:54

frems hat geschrieben:(15 Sep 2017, 16:44)

Der Gastbeitrag vom Ökonom Prof. Straubhaar passt hier wohl gut rein: https://www.welt.de/wirtschaft/article1 ... m-ist.html

Er sieht den Fachkräftemangel als Phantom und eher betriebs- statt volkswirtschaftliches Problem.



Straubhaar und seine Thesen & Wünsche sind mit Vorsicht zu genießen..
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Re: Die Wahrheit um den Fachkräftemangel

Beitragvon Pro&Contra » Sa 16. Sep 2017, 12:28

Der Facharbeitermangel ist in einigen Branchen ja schon deutlich zu sehen. Dass die Flüchtlinge nicht die Lösung des Problems sein können, war klar. Zumindest nicht kurzfristig. Langfristig wird man sicherlich einen Teil Fachkräfte aus den Flüchtlingen machen können, wenn sie denn langfristige Aufenthaltsgenehmigungen bekommen. Der Flüchtling ist ja allein schon aus seiner Bleibeperspektive nicht langfristig für den Arbeitsmarkt zu gebrauchen. Wozu dann ausbilden? Und wenn wir sie ausbilden, dann wird nur ein Teil davon zu gebrauchen sein. Der Rest wandert in die Sozialkassen ein.

Was wir brauchen ist ein durchdachtes Einwanderungsgesetz.

Aber leider ist die deutsche Wirtschaft zum großen Teil ein arroganter geldgieriger Dreckshaufen. Die wollen Fachkräfte am besten kostenlos bekommen. Deshalb haben sich einige Nichtdenker auch über die Flüchtlinge gefreut. Da haben sich einige schon wieder die Hände gerieben und gehofft, dass sie billige Arbeitskräfte bekommen. Die haben halt nur von 12 bis Mittag gedacht. Wir leben nicht mehr in den 50 er oder 60 er Jahren, wo es noch viele einfache Tätigkeiten gab, die auch ein nicht ausgebildeter Gastarbeiter nach einer kurzen Anlernphase erledigen konnte.

Ein sinnvolles Einwanderungsgesetz bedeutet natürlich auch, dass die Unternehmen für eingewanderte Fachkräfte vernünftig bezahlen müssen.

So langsam findet aber auch ein Umdenken statt. Gezwungenermaßen natürlich.
Wenn ich nicht antworte, dann habe ich entweder keine Lust oder deine Argumente sind Unsinn.
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Re: Die Wahrheit um den Fachkräftemangel

Beitragvon Boracay » Sa 16. Sep 2017, 12:53

Realist2014 hat geschrieben:(16 Sep 2017, 12:51)

nein

sind es nicht

ich kenne eine Personaltante bei BMW

die habe ich extra nochmal gefragt


Google: ERA Bayern.

Dort gehst du in E12.

Das höchste was bezahlt wird ist 5.579.
Alle großen Konzerne haben einen Haustarif. 10% sollte dabei mindestens raus springen Also 6.136€ im Monat.

BMW zahlt 15,5 Monatsgehälter wenn man länger dabei ist (im ersten Jahr nur 13), also kommen wir auf 95k€ (da sind noch keine Leistungszulage dabei, im Schnitt liegt die bei 14%)

Ohne Führungsverantwortung.

Als Führungskraft solltest bei mindestens 110€ liegen. Open End. Die gehören natürlich auch zu den Ingenieuren sofern sie was Ingeneurwissenschaftliches studiert haben.

Bei uns ist das Maximale im Tarifvertrag 6.800€ wenn man lange dabei ist und ein wenig Glück hatte. Das ist auch noch ohne Leistungszulage. AT sind dann mindestens 10% mehr und 10k€ Mindestbonus.

das Mediangehalt eines Vollzeit arbeitenden AN in D beträgt ca 43.tsd Euro


Dsa ist ja schön dass die Bäckereifachverkäuferinne, Ruhrpottler, Ossis, Verkäuferinnen oder Tankstellenkräfte hier aufzählst, mit denen wird sich aber in Ingenieur beim Großkonzern nicht vergleichen.
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Re: Die Wahrheit um den Fachkräftemangel

Beitragvon Realist2014 » Sa 16. Sep 2017, 14:51

Boracay hat geschrieben:(16 Sep 2017, 13:53)






Das ist ja schön dass die Bäckereifachverkäuferinne, Ruhrpottler, Ossis, Verkäuferinnen oder Tankstellenkräfte hier aufzählst, mit denen wird sich aber in Ingenieur beim Großkonzern nicht vergleichen.


die haben keine 43.000 Euro

das ist das Mediangehalt in D

ist auch völlig losgelöst von BMW oder den Konzernen

das bezieht sich auf deine sonstigen Angaben zu den angeblichen Gehältern in D
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Re: Die Wahrheit um den Fachkräftemangel

Beitragvon frems » Sa 16. Sep 2017, 14:54

Realist2014 hat geschrieben:(16 Sep 2017, 12:54)

Straubhaar und seine Thesen & Wünsche sind mit Vorsicht zu genießen..

Die von uns zwei Hübschen auch, aber das ist ja erstmal inhaltlich bzw. argumentativ kein Einwand. Wenn einem Aussagen missfallen, braucht man schon Gegenargumente und möglichst auch Fakten, z.B. Kennwerte von einer bedeutsamen Größe an Unternehmen, die sehr große Mühen bewerkstelligen müssen, um Fachkräfte zu kriegen. Wenn nur einzelne Unternehmen so unattraktiv sind, dass sich dort nicht die Besten bewerben, sondern höchstens jene, die nichts Besseres fanden, dann würde das Straubhaars Aussagen jedenfalls nicht widersprechen.
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Re: Die Wahrheit um den Fachkräftemangel

Beitragvon Realist2014 » Sa 16. Sep 2017, 15:18

frems hat geschrieben:(16 Sep 2017, 15:54)

Die von uns zwei Hübschen auch, aber das ist ja erstmal inhaltlich bzw. argumentativ kein Einwand. Wenn einem Aussagen missfallen, braucht man schon Gegenargumente und möglichst auch Fakten, z.B. Kennwerte von einer bedeutsamen Größe an Unternehmen, die sehr große Mühen bewerkstelligen müssen, um Fachkräfte zu kriegen. Wenn nur einzelne Unternehmen so unattraktiv sind, dass sich dort nicht die Besten bewerben, sondern höchstens jene, die nichts Besseres fanden, dann würde das Straubhaars Aussagen jedenfalls nicht widersprechen.


Straubhaar ist - sagen wir mal- etwas "links" orientiert

wie Bofinger...

die Sache mit den Fachkräften ist natürlich sehr stark von der Region abhängig

wie auch die Arbeitslosigkeit
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Re: Die Wahrheit um den Fachkräftemangel

Beitragvon frems » Sa 16. Sep 2017, 15:47

Realist2014 hat geschrieben:(16 Sep 2017, 16:18)

Straubhaar ist - sagen wir mal- etwas "links" orientiert

wie Bofinger...

die Sache mit den Fachkräften ist natürlich sehr stark von der Region abhängig

wie auch die Arbeitslosigkeit

Naja, und von der Branche. Ich finde es bloß interessant, wenn ein Mangel (ob nun über Fachkräfte oder angehende Azubis) vor allem in Branchen beklagt wird, die für schlechte Arbeitsbedingungen (Gehalt, Befristungen, Aufstiegschancen, Arbeitszeiten etc.) bekannt sind, ob nun in der Logistik (z.B. Lkw-Fahrer), in der Pflege oder im Hotelgewerbe. Das sind keine Jobs für die man ein mehrjähriges Studium benötigt, sondern wo man relativ schnell eine arbeitslose Person anlernen könnte oder auf den Pool an jungen, arbeitslosen Europäern zurückgreifen könnte, die froh wären, überhaupt irgendeine Tätigkeit zu kriegen. Ob Straubhaar links ist oder nicht: die Arbeitskondititionen müssten sich bei einem Mangel doch verbessern. Tun sie aber nicht erkennbar.

Wenn ich für einen Mangel ein privates Beispiel bringen darf: ein Bekannter (Handwerksmeister in der Zone) war vor anderthalb Jahrzehnten in die Arbeitslosigkeit gerutscht. Viele Perspektiven sah er nicht. Er machte u.a. einen Fremdsprachkurs an einer Volkshochschule (Norwegisch), worauf einige Unternehmen bzw. Headhunter aus Skandinavien aufmerksam wurden und dort mal mit den Kursbesuchern nach ihren Intentionen fragten. Nach wenigen Tagen bekam er einen Anruf, was man ihm bieten müsse, damit er in Norwegen anfängt zu arbeiten. Dabei hatte er gar keine großen Ansprüche, sondern wollte einfach in seinem Job wieder arbeiten. Nach wenigen Wochen kam der Umzugswagen (natürlich auf Firmenkosten) und brachte seine sieben Sachen in den Norden. Um eine Wohnung musste er sich nicht kümmern, da die Firma eine für seine Familie anmietete und schon mal die Miete für die ersten Monate bezahlte. Einen Tag pro Woche (als Arbeitszeit verrechnet) besuchte er einen Intensivkurs für Norwegisch und seiner Frau, die auch gerne arbeiten würde, richtete man eine Teilzeitstelle ein. Infos für die beiden Kinder (Kita, Schule) wurden auch vorher überreicht und die Frau des Chefs stellte schon mal deutsches Bier in den Kühlschrank der angemieteten Wohnung, damit sie nicht so schnell Heimweg kriegen. Dass er ordentlich verdiente, versteht sich hoffentlich von selbst.

Für mich ist das ein klarer Mangel an Fachkräften, der die Existenz des Unternehmens bedrohte, da die Firma ja nicht aus Nächstenliebe solche Angebote machte, sondern um zu überleben. Und dann beklagen sich Firmen, wenn sich auf eine Stelle nicht 50, sondern fünf geeignete Personen bewerben und es nicht alles Überflieger sind. Was hindert die Betriebe, die so klagen, denn daran, zu schauen, welche Arbeitslosen in Deutschland geeignet sind? Oder nach Personal in Griechenland, Polen oder Spanien Ausschau zu halten? Im Zweifel gibt's eine anfängliche Sprachbarriere, aber das dürfte doch kein Hindernis sein, wenn man jemanden unbefristet (?) einstellt und hofft, dass die Person viele Jahre beim Betrieb bleibt, oder?
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Re: Die Wahrheit um den Fachkräftemangel

Beitragvon DieBananeGrillt » Mo 25. Sep 2017, 16:14

Wer Fachkraft ist, hat die Arschkarte gezogen.
Denn der Anfang der lebenslangen Schiene auf die sich der Fachkräftige eingefahren hat, kann dann nicht oder nur schwer wieder verlassen werden.
Hier sind Zeitarbeiter im Vorteil, die Ausbildung interessiert nur wenig und die Flexibilität der Aufgaben und Einsatzbereiche ist deutlich vielfältiger, interessanter viele Firmen, Aufgaben kennen lernen zu können.
Schön doof auf solche Erfahrungen verzichten zu sollen, nur weil es in einer Facharbeitsplanstelle dann mehr Gehalt gibt. Und eine lebenslange Anstellung , die so nicht gewollt ist.
Manchmal sind Abwechselungen und Erfahrungen viel mehr wert.
Deswegen kündigen auch Viele ihre sicheren Stellen.
Somit sind Firmen ständig auf der Suche nach Fachleuten, die sich halten lassen, bzw. keine Chance haben zu wechseln.
In den USA wird viel schneller und effektiver gewechselt und es ist auch möglich und nicht so verfahren wir hier.
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Re: Die Wahrheit um den Fachkräftemangel

Beitragvon Realist2014 » Mo 25. Sep 2017, 17:50

DieBananeGrillt hat geschrieben:(25 Sep 2017, 17:14)


In den USA wird viel schneller und effektiver gewechselt und es ist auch möglich und nicht so verfahren wir hier.


wer HINDERT die AN hier so zu wechseln wie in den USA?
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Re: Die Wahrheit um den Fachkräftemangel

Beitragvon DieBananeGrillt » Mo 25. Sep 2017, 20:18

Realist2014 hat geschrieben:(25 Sep 2017, 18:50)

wer HINDERT die AN hier so zu wechseln wie in den USA?



Ganz einfach, wer hier wechselt verliert Geld, Pensionskassenansprüche, Prämien, Leistungszuschläge.

Wer in den USA wechselt gewinnt immer dazu.

Somit muß AN hierzulande verbleiben und nur wegen drohenden Verlusten frustvoll weiterarbeiten ....oder durch Krankheit als Weg ausscheiden.
Und AG möchte binden und sucht gezielt Fachkräfte, die möglichst keine Möglichkeiten haben, flexibel zu sein.

Es werden keine Fachkräfte gesucht, sondern Leute, die schienenmäßig sich auf eine Linie eingeschossen haben.
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Re: Die Wahrheit um den Fachkräftemangel

Beitragvon Realist2014 » Mo 25. Sep 2017, 20:25

DieBananeGrillt hat geschrieben:(25 Sep 2017, 21:18)

Ganz einfach, wer hier wechselt verliert Geld, Pensionskassenansprüche, Prämien, Leistungszuschläge.

Wer in den USA wechselt gewinnt immer dazu.

S .


wo gibt es in den USA Prämien & Leistungszuschläge, die der AN "mitnehmen" kann zum neuen Unternehmen ?

wo gibt es in den USA eine Betriebliche Altersvorsorge wie bei uns?

Und DIE kann man in D natürlich mitnehmen ( Pensionskasse usw...)

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