Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

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franktoast
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon franktoast » Mo 22. Okt 2018, 13:18

z4ubi hat geschrieben:(22 Oct 2018, 13:58)

Naja, ich bin absolut ein Fürsprecher unseres Geldsystems.

Dennoch ist es auch einfach nur eine Art von Allgemeinbildung eingermaßen zu verstehen wie Geld
funktioniert.
Vielleicht eröffnet es einem im Idealfall ganz neue volkswirtschaftliche Perspektiven. ;)

Ja das ist es. Ironischerweise ist derjenige, der sich nie über das Thema Gedanken macht und glaubt, eine Bank könne nur Sparguthaben verleihen, näher an der Realität dran als die meisten, selbsternannten Geldexperten wie du :D

PS: was ist eigentlich die Antwort auf die Threadfrage?
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zollagent
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon zollagent » Mo 22. Okt 2018, 13:57

z4ubi hat geschrieben:(22 Oct 2018, 13:58)

Naja, ich bin absolut ein Fürsprecher unseres Geldsystems.

Dennoch ist es auch einfach nur eine Art von Allgemeinbildung eingermaßen zu verstehen wie Geld
funktioniert.
Vielleicht eröffnet es einem im Idealfall ganz neue volkswirtschaftliche Perspektiven. ;)

Mit Verlaub, nur einen Aspekt zu betrachten, der eröffnet dir ausschließlich Zirkelschlüsse. Ich weiß ja nicht, welche Möglichkeiten du so hast, aber die VHS in deiner Kreisstadt bietet bestimmt Einführungen in die Volkswirtschaftslehre. Und wenn du schon ein bißchen Grundlagen hast, wäre es auch nicht verkehrt, sich mal - vorausgesetzt, man hat die Zeit - in eine Vorlesung an der Uni zu setzen und konzentriert zu lauschen. DA bekommst du Erkenntnisse, nach denen du offensichtlich suchst.
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon z4ubi » Mo 22. Okt 2018, 14:26

franktoast hat geschrieben:(22 Oct 2018, 14:16)

Klar, ist eben Definitionssache, welche Forderung gegen Geld man als "Geld" definierend und welche nicht. Fakt ist aber, dass bei Kreditverrtagsabschluss über 1000€ 2000€ an Forderungen entstehen. Für deine Bank ist es dann fast egal, ob du nun die 1000€ in bar abhebst oder zu einer anderen Bank überweist. Deine Bank muss auf alle Fälle liefern...


Jep und deine Bank musste 1000€ an Zentralbankgeld an Amazons Konto überweisen, das sie nun mal nicht aus der Luft erschaffen kann. Deiner Bank muss schon - von wo auch immer- die gleiche Menge an Zentralbankgeld zufließen, sonst wird das nix.

Die Banklizenz ist nun mal alles andere als eine Lizenz zum Geld bzw. Gewinn drucken und ohne entsprechende Zuflüsse von Zentralbankgeld, kann eine Bank auch keine Kredite vergeben. Die Mindestreserve der Zentralbank spielt in der Praxis keine Rolle und ist nur eine theoeretische, aber nie erreichbare Barriere. Betriebswirtschaft dagegen schon.



Weder ich noch die von mir zitierten Dokumente behaupten, dass Geschäftsbanken einen einfachen Job haben.
Dennoch übernehmen sie die Aufgabe der Giralgeldschöpfung.
Und dein Beispiel zeigt doch sehr schön, dass bei der Kreditvergabe durch Banken neues Giralgeld entsteht ohne dass die Menge an Zentralbankgeld Zuwachs bekommt.

Du kannst die Giralgeldefinition der Zentralbanken gerne ablehnen. Aber das ähnelt dem Vorhaben, Völkerrechtlern zu erklären, Deutschland sei kein Staat, weil du eine andere Definition von Staat hast.
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon Alter Stubentiger » Mo 22. Okt 2018, 15:03

BlueMonday hat geschrieben:(22 Oct 2018, 14:07)

In diesem Thread geht es um die Frage, warum größere Unternehmen nicht eine Banklizenz erwerben, um dann einfach "Geld aus dem Nichts" zu schaffen.

Wie gesagt, natürlich geht es auch um längerfristige Einlagen ("Sparer"). Die fließen dann ja irgendwann als Zentralbankgeld von außen zu. Als Bareinzahlung, als Überweisung von einer anderen Bank. Der Kreditnehmer hingegen verwendet sein Guthaben in der Regel auf kurze Sicht.
Letztlich hängt das Potential zur Kreditvergabe vom Zentralbankgeldbestand der Bank ab, dazu kommt, was an belastbaren Eigentumstiteln(Sicherheiten) vorhanden ist (liegen im "Pfandpool" bei der Zentralbank), also vom Refinanzerungspotential der betreffenden Geschäftsbank... Aktivseite. Und darüber hinaus geht es dann auch noch um um Fristigkeiten, "Fristenkongruenz". So gesehen ist das eher ein mühseliges Geschäft. Nichts mit Zauberhut.

"Die Bank verleiht Sparergeld"-Sicht ist sicherlich nicht korrekt, aber weniger falsch als diese "Geld aus dem Nichts"-Zauberhutvorstellung. Die korrekte Darstellung liegt irgendwo dazwischen.


Eine Zauberhutvorstellung wurde niemals dargestellt. Bei der Giralgeldschöpfung entsteht gleichzeitig immer auch eine Verbindlichkeit. Es entsteht also ein "+" und ein "-".
Bei einer Schöpfung aus dem Zauberhut würde einfach nur neues Geld entstehen. Auch solche Kunststücke wurden schon von verschiedenen Staaten praktiziert. Mit verherrenden Folgen.
Niemand hat vor eine Mauer zu errichten (Walter Ulbricht)
...und die Mauer wird noch in 50 oder 100 Jahren stehen (Erich Honecker)
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon BlueMonday » Mo 22. Okt 2018, 15:03

Wieso beschäftigt man sich mit Geldtheorie und Banking?
Ohne Geld hat man jedenfalls eine Wirtschaft auf denkbar niedrigstem Niveau. Geld ist essentiell.

Was ist Geld? Wieso erleichtert es das Wirtschaften? Wie entstand Geld? Zentrale Frage seit Jahrzehnten und Jahrhunderten: Wie(und von wem) und wieviel Geld sollte erzeugt werden - damit es zu keiner "Wirtschaftskrise" kommt? Das scheint wohl manchen gar nicht bekannt zu sein, dass Wirtschaftskrisen oft montetär erklärt werden, also in der falschen Geldsteuerung das Problem gesehen wird.

Im Wesentlichen gibt es da zwei Theorien: Unterkonsumtion(Foster&Catchings, Keynes....) oder Überinvestition(Mises, Hayek, Rothbard...) Die einen sagen, zu Wirtschaftskrisen kommt und kam es, weil zu wenig Geld vorhanden ist (Deflation als Problem). Die anderen sehen es gerade gegenteilig, Wirtschaftskrisen entstanden, weil die Geldausweitung zentralistisch und künstlich war (Inflation als Problem). Man kommt zurück zur Frage: Was ist Geld? Geld war jedenfalls eine Ware. Und von diesem "Warenkörper" wurde es Stück für Stück gelöst, um eben die Geldmenge künstlich auszuweiten. Die "easy money"-Fraktion sagt dann: Geld ist doch am Ende nur eine Zahl. Wieso sollte sich insbesondere der Staat damit so plagen? Wenn Geld fehlt, erzeuge man einfach welches... damit kann man dann prima Schulen, Straßen, Busse, Krankenhäuser, Flughäfen, Fußballstadien, ... nach Belieben bauen.
Und an der Stelle stößt man eben auf das Problem aller zentraler Planwirtschaft. Ist das Geld wirklich zu knapp, liegen deshalb reale Ressourcen brach? Wie misst man eigentlich die Geldmenge richtig? Wie vermeidet man als zentraler Lenker, dass man die Wirtschaft in Richtung Abgrund lenkt. Und insofern spielt dann wieder die Frage eine Rolle, wieviel Raum man den "privaten Geschäftsbanken" lässt, ob man sie überhaupt "Giralgeld" schöpfen lassen sollte. Entsprechend überbetont oder dramatisiert man dann den Vorgang (Banken schöpfen Geld aus den Nichts! Aktivkäufe mit selbst erzeugtem Geld, Skandal!). Man muss schon die Motivation hinter diesen Theoriebildungen verstehen, um eben den Sinn dieser ganzen Diskussionen zu erfassen. In der VHS wird man dazu nichts hören. In VWL-Vorlesungen auch eher nichts.
Da muss man schon mal sich an Kants Motto halten: Habe den Mut...
Zuletzt geändert von BlueMonday am Mo 22. Okt 2018, 15:09, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon franktoast » Mo 22. Okt 2018, 15:07

z4ubi hat geschrieben:(22 Oct 2018, 15:26)
Weder ich noch die von mir zitierten Dokumente behaupten, dass Geschäftsbanken einen einfachen Job haben.
Dennoch übernehmen sie die Aufgabe der Giralgeldschöpfung.

Ja, die Banken erfüllen primär zwei Dienstleistungen. Sie ermöglichen den Zahlungsvorgang und sie bringen Kapitalgeber und -nehmer zusammen. Ach, und sie dienen als Geldaufbewahrer.

Und dein Beispiel zeigt doch sehr schön, dass bei der Kreditvergabe durch Banken neues Giralgeld entsteht ohne dass die Menge an Zentralbankgeld Zuwachs bekommt.

Ja und wenn du einen Fernseher bei Amazon bestellst, hat Amazon ihren Fernseher im Lager und du hast einen Giralfernseher. Aus dem Nichts ist ein Neuer entstanden. Bei der Kreditvergabe gilt das gleiche Prinzip. Muss Amazon einen echten Fernseher haben, um ihn zu verkaufen? Ja. Kann es sein, dass Amazon bei Kaufvertragsabschluss noch gar keinen Fernseher hat? Ja. Und was, wenn jemand anderes Amazon noch einen Fernseher schuldet und die den Fernseher dir liefern? Dann hat Amazon die Schuld beglichen ohne auch nur einmal einen Fernseher verschickt zu haben.
Der Unterschied zwischen Geld und jedem anderen Gut ist, dass ein Zeiger auf das Geld genauso gut ist wie das eigentliche Geld. Beim Fernseher gilt das nicht. Und ja, was natürlich stimmt ist, dass es insgesamt mehr Giralgeld gibt als es Zentralbangeld gibt.
Aber das ist eben schon ausgereizt. Eine Bank kann heute nicht einfach einen Kredit vergeben, wenn sie nicht das nötige Zentralbankgeld flüssig haben.

Du kannst die Giralgeldefinition der Zentralbanken gerne ablehnen.

Weißt du, es macht einen Unterschied, ob man behauptet, die Banken erzeugen da aus dem Nichts Geld und verdienen den Zins daran. Das suggeriert eine risikoloses Geschäft. Es ist heute eben so: Wenn du zu einer Bank gehst und 1000e Kredit willst, dann wird sie das das nur geben, wenn sie das Zentralbankgeld auch flüssig hat (bzw. in Reichweite hat).
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon Skull » Mo 22. Okt 2018, 15:26

BlueMonday hat geschrieben:(22 Oct 2018, 14:07)

Letztlich hängt das Potential zur Kreditvergabe vom Zentralbankgeldbestand der Bank ab, dazu kommt, was an belastbaren Eigentumstiteln(Sicherheiten) vorhanden ist (liegen im "Pfandpool" bei der Zentralbank), also vom Refinanzerungspotential der betreffenden Geschäftsbank... Aktivseite. Und darüber hinaus geht es dann auch noch um um Fristigkeiten, "Fristenkongruenz".

So gesehen ist das eher ein mühseliges Geschäft. Nichts mit Zauberhut.

Das möchte ich nochmals aufgreifen, verstärken und den Bogen zur Threadfrage spannen.

Banken unterliegen ZUSÄTZLICH einer Menge spezieller Gesetze und Regeln.
Anders als eben andere Unternehmen und Konzerne.
Sie unterliegen der Aufsicht und Kontrolle der Zentralbank und deren anderer staatlicher Behörden.

Daher kann eben nicht jeder seine eigene Bank gründen.
Da bestimmte Auflagen und Gesetze eben nicht jeder so einfach erfüllen kann.

mfg
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon z4ubi » Mo 22. Okt 2018, 17:45

franktoast hat geschrieben:(22 Oct 2018, 16:07)
Weißt du, es macht einen Unterschied, ob man behauptet, die Banken erzeugen da aus dem Nichts Geld und verdienen den Zins daran. Das suggeriert eine risikoloses Geschäft. Es ist heute eben so: Wenn du zu einer Bank gehst und 1000e Kredit willst, dann wird sie das das nur geben, wenn sie das Zentralbankgeld auch flüssig hat (bzw. in Reichweite hat).


Die Bank wird erst einmal prüfen, ob ich kreditwürdig bin (Sicherheiten etc.). Dass Zinsen verlangt werden, macht auch Sinn (Verwendung für Gehälter, Refinanzierung usw.).
Um den 1000€-Kredit zu refinanzieren, kann die Bank selbst ja auch wieder einen Kredit aufnehmen. Und wenn sie ihre Arbeit gut macht, wird sie diesen Kredit auch bekommen und die Zinsen dafür aufbringen.
Der Leitzins müsste schon gigantisch sein, dass sie hier keinen Kredit vergeben will.

RIsikolos ist es trotzdem nicht.



Skull hat geschrieben:(22 Oct 2018, 16:26)

Das möchte ich nochmals aufgreifen, verstärken und den Bogen zur Threadfrage spannen.

Banken unterliegen ZUSÄTZLICH einer Menge spezieller Gesetze und Regeln.
Anders als eben andere Unternehmen und Konzerne.
Sie unterliegen der Aufsicht und Kontrolle der Zentralbank und deren anderer staatlicher Behörden.

Daher kann eben nicht jeder seine eigene Bank gründen.
Da bestimmte Auflagen und Gesetze eben nicht jeder so einfach erfüllen kann.

mfg


Dem stimme ich zu.
Gerade weil die Geschäftsbanken die Giralgeldschöpfung ausüben, spielen sie eine besondere Rolle und müssen, sollten und werden hoffentlich so gut es geht beaufsichtigt und reguliert.
(Die Subprimekrise hat ja gezeigt, was schiefgehen kann, wenn sowohl die Banken (und andere Akteure an den Finanzmärkten) als auch die staatliche Aufsicht ihren Pflichten nicht gerecht werden...)

Was ich aber dem ersten Posting entnehme ist (so mein Eindruck), dass die Giralgeldschöpfung durch Banken als Märchen abgetan wird.
Es gibt diverse Leute, die behaupten, Banken würden sich ihre eigenen Gehälter und Boni drucken, das ist definitiv Quatsch. Aber dass Geschäftsbanken Giralgeldschöpfung betreiben, ist sicher kein Märchen.
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon Skull » Mo 22. Okt 2018, 20:14

z4ubi hat geschrieben:(22 Oct 2018, 18:45)

Es gibt diverse Leute, die behaupten, Banken würden sich ihre eigenen Gehälter und Boni drucken, das ist definitiv Quatsch.

Aber dass Geschäftsbanken Giralgeldschöpfung betreiben, ist sicher kein Märchen.

Korrekt.

Daher wundere ich mich auch immer wieder, was so mancher schreibt...und meint. :)

mfg
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon Letzter_Hippie » Mo 22. Okt 2018, 21:53

z4ubi hat geschrieben:(21 Oct 2018, 16:09)

Genau. Alles richtig. Wobei es bei der Diskussion ja darum geht, dass bei der Kreditvergabe durch Geschäftsbanken neues Giralgeld entsteht und nicht das Geld der Sparer verliehen wird (wie hier behauptet: viewtopic.php?p=4318518#p4318518).


Und dafür hast Du als einzigen Beleg die Aussagen der Zentralbanken. Eine exemplarische Erklärung dafür, wie das passiert, hast Du nicht.

In dem verlinkten Artikel von mir ist dagegen ein exemplarisches Beispiel, wie man die vorhandene Geldmenge Mx theoretisch unbegrenzt vermehren kann, gerade indem die Bank einfach nur das eingezahlte Geld verleiht.
Und solange niemand diesem beschriebenen Ablauf widerspricht, mutmaße ich, dass das (in vereinfachter Form) das Gemeinte ist.
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon Letzter_Hippie » Mo 22. Okt 2018, 21:55

Alter Stubentiger hat geschrieben:(21 Oct 2018, 16:17)

Der Papst erklärt Dogmen. Dogmen aber sind kein gesichertes Wissen. Es sind Glaubensgrundsätze.

Die Bundesbank klärt über die gesicherte Faktenlage auf. Darum steht du in etwa da wo auch der Papst steht. Inklusive des Starrsinns.


Was der Papst erklärt, ist sogar unfehlbares Wissen. Die Bundesbank ist nicht unfehlbar. :)

Der Knackpunkt ist hier wie da, dass man aus dem eindimensionalen Denken hinaustreten müsste. Oder wie BlueMonday schrieb:

"Die Bank verleiht Sparergeld"-Sicht ist sicherlich nicht korrekt, aber weniger falsch als diese "Geld aus dem Nichts"-Zauberhutvorstellung. Die korrekte Darstellung liegt irgendwo dazwischen.


Die Wirklichkeit ist virtuell, und ist weder mit der einen noch mit der anderen Beschreibung erschöpfend beschrieben - um sie richtig zu beschreiben, braucht es eine weitere Denkdimension.
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon Skull » Mo 22. Okt 2018, 22:08

Letzter_Hippie hat geschrieben:(22 Oct 2018, 22:53)

Und dafür hast Du als einzigen Beleg die Aussagen der Zentralbanken.
Eine exemplarische Erklärung dafür, wie das passiert, hast Du nicht.

In dem verlinkten Artikel von mir ist dagegen ein exemplarisches Beispiel,
wie man die vorhandene Geldmenge Mx theoretisch unbegrenzt vermehren kann,
gerade indem die Bank einfach nur das eingezahlte Geld verleiht.

Und solange niemand diesem beschriebenen Ablauf widerspricht,
mutmaße ich, dass das (in vereinfachter Form) das Gemeinte ist.

Du sagst es. Theoretisch. PUNKT.

Theoretisch wird das exponentielle Bevölkerungswachstum zu Trillionen von Menschen führen.
Theoretisch gibt es den "Josephspfennig".
Theoretisch ist die Welt unendlich.

Alles theoretisch.

Und Deine Mutmassungen zur realen Geldschöpfung...gehen fehl. :)

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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon Senexx » Mo 22. Okt 2018, 22:17

z4ubi hat geschrieben:(22 Oct 2018, 13:58)

Naja, ich bin absolut ein Fürsprecher unseres Geldsystems.

Dennoch ist es auch einfach nur eine Art von Allgemeinbildung eingermaßen zu verstehen wie Geld
funktioniert.
Vielleicht eröffnet es einem im Idealfall ganz neue volkswirtschaftliche Perspektiven. ;)

Dann versuchen Sie es doch einfach einmal, zu verstehen, wie (unser) Geld funktioniert.
Hinweis aus gegebenen Anlass: Ich verwende niemals "copy paste". Jede Zeile ist selbst verfasst.
Zusatzhinweis: Trollbeiträge und ad-personam und Spam werden von mir ignoriert.
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon z4ubi » Mo 22. Okt 2018, 23:00

Letzter_Hippie hat geschrieben:(22 Oct 2018, 22:53)

Und dafür hast Du als einzigen Beleg die Aussagen der Zentralbanken. Eine exemplarische Erklärung dafür, wie das passiert, hast Du nicht.

In dem verlinkten Artikel von mir ist dagegen ein exemplarisches Beispiel, wie man die vorhandene Geldmenge Mx theoretisch unbegrenzt vermehren kann, gerade indem die Bank einfach nur das eingezahlte Geld verleiht.
Und solange niemand diesem beschriebenen Ablauf widerspricht, mutmaße ich, dass das (in vereinfachter Form) das Gemeinte ist.


Hast du den Artikel in diesem Topic hier verlinkt? Konnte ich leider nicht finden. Hast du den Link noch ?


Zur Abwechslung mal die Schweizer Nationalbank. Da ist es so schön ausformuliert und der Vorgang sehr konkret dargestellt:


Wie entsteht das Buchgeld bei den Geschäftsbanken?

Wie entsteht nun das Buchgeld bei den Geschäftsbanken, d.h. die Kundeneinlagen in Franken?
Die Schaffung des Buchgeldes durch die Banken ist im heutigen Finanzsystem eng mit der Kreditvergabe der Banken verknüpft.

Wenn eine Bank einen Kredit vergibt , schreibt sie dem Kreditnehmer den entsprechenden Betrag
als Einlage auf seinem Konto gut. Dadurch nehmen auf der Aktivseite der Bankbilanz die Kredite und auf der Passivseite die Kundeneinlagen zu.

In der Regel wird der Kreditnehmer seine neue Einlage umgehend dazu verwenden, die Güter zu erwerben, für deren Anschaffung er den Kredit beantragt und erhalten hat.
Der Kreditnehmer löst also eine Zahlung aus, so dass seine Einlagen wieder abnehmen,
während die Einlagen auf dem Konto des Zahlungsempfängers bei dessen Bank nun entsprechend zunehmen.


In der Schweiz bilden Hypotheken die bei Weitem häufigste Form von Krediten.
Wird die Hypothek für einen Haus oder Wohnungskauf aufgenommen, ist es gewöhnlich sogar so,
dass das Geld gar nie auf dem Konto des Kreditnehmers erscheint.
Der Kreditbetrag wird von der Bank – im Austausch gegen den Schuldbrief – sofort dem Verkäufer des Hauses oder der Wohnung überwiesen.

Für die Durchführung der Zahlung benötigt die Bank Sichtguthaben bei der Nationalbank.
Wenn sie über ausreichend Liquidität in Form von Zentralbankgeld verfügt, kann sie die Überweisung unverzüglich vollziehen.
Ist dies nicht der Fall, muss sie sich die Liquidität am Interbankenmarkt oder über die Kreditfazilitäten bei der Nationalbank beschaffen.
Das funktioniert nur, wenn die Bank hierfür genügend Sicherheiten in Form von Wertpapieren hat oder wenn sie bereit ist, einen Aufpreis zu zahlen.

Unser Beispiel illustriert folgenden wesentlichen Punkt: Die einzelne Geschäftsbank kann mit der Vergabe von Krediten die bei ihr gehaltenen Einlagen nicht nachhaltig erhöhen.
Infolge von Zahlungsüberweisungen fliesst die mit der Kreditvergabe geschaffene Einlage wieder abund verschwindet aus den Büchern der kreditgebenden Bank.

Für das Bankensystem als Ganzes sieht es jedoch anders aus.
Die Zahlungsüberweisung schafft eine neue Einlage bei einer anderen Bank. Während die Zentralbankgeldmenge insgesamt unverändert bleibt,
erhöht die Kreditvergabe einer einzelnen Bank so die Einlagen im Bankensystem und damit auch die Geldmenge in den Händen des Publikum.


https://www.snb.ch/de/mmr/speeches/id/r ... tjn.de.pdf






Senexx hat geschrieben:(22 Oct 2018, 23:17)

Dann versuchen Sie es doch einfach einmal, zu verstehen, wie (unser) Geld funktioniert.


Wow :) Wenn ich Fehler in meinen Darstellungen gemacht habe, einfach aufzeigen. Daraus könnte ich ja lernen.
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon Letzter_Hippie » Mo 22. Okt 2018, 23:34

z4ubi hat geschrieben:(23 Oct 2018, 00:00)

Hast du den Artikel in diesem Topic hier verlinkt? Konnte ich leider nicht finden. Hast du den Link noch ?


viewtopic.php?p=4318518#p4318518

[Schweizer Nationalbank]
Das ist hübsch und widerspricht nicht grundsätzlich dem was ich beschreibe. Der Unterschied ist, dass hier von Giralgeld ausgegangen wird, während ich in meinem Beispiel von physisch existierendem Geld ausgehe und davon dass es nur eine einzige Bank gibt - da tritt der Effekt grundsätzlich auch schon auf, aber nicht in dem Ausmaß.

Meine Vereinfachung hat den Sinn, dass man da sehen kann, wie die Virtualisierung einsetzt - dass also plötzlich mehr Geld in Summe auf den Konten steht, als physisch vorhanden ist.

Wenn man dann viele Banken hat, und bargeldlose Abläufe, dann braucht man noch eine Zentralbank die bei Bedarf die Differenzen ausgleicht, und der Rest ist völlig virtuell und passiert im Buchungssystem.
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon z4ubi » Di 23. Okt 2018, 06:25

Letzter_Hippie hat geschrieben:(23 Oct 2018, 00:34)

viewtopic.php?p=4318518#p4318518

[Schweizer Nationalbank]
Das ist hübsch und widerspricht nicht grundsätzlich dem was ich beschreibe. Der Unterschied ist, dass hier von Giralgeld ausgegangen wird, während ich in meinem Beispiel von physisch existierendem Geld ausgehe und davon dass es nur eine einzige Bank gibt - da tritt der Effekt grundsätzlich auch schon auf, aber nicht in dem Ausmaß.

Meine Vereinfachung hat den Sinn, dass man da sehen kann, wie die Virtualisierung einsetzt - dass also plötzlich mehr Geld in Summe auf den Konten steht, als physisch vorhanden ist.

Wenn man dann viele Banken hat, und bargeldlose Abläufe, dann braucht man noch eine Zentralbank die bei Bedarf die Differenzen ausgleicht, und der Rest ist völlig virtuell und passiert im Buchungssystem.


Hättest vielleicht in dem Beispiel erwähnen sollen, dass es sich hier nur um Bargeld handelt.
Aber hilft letztlich auch nicht weiter, wenn es um Giralgeldschöpfung geht und Du ein zu vereinfachtes Modell anführst, das dann eben nicht mehr zutreffend ist.
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon franktoast » Di 23. Okt 2018, 06:31

z4ubi hat geschrieben:(22 Oct 2018, 18:45)

Die Bank wird erst einmal prüfen, ob ich kreditwürdig bin (Sicherheiten etc.). Dass Zinsen verlangt werden, macht auch Sinn (Verwendung für Gehälter, Refinanzierung usw.).
Um den 1000€-Kredit zu refinanzieren, kann die Bank selbst ja auch wieder einen Kredit aufnehmen. Und wenn sie ihre Arbeit gut macht, wird sie diesen Kredit auch bekommen und die Zinsen dafür aufbringen.
Der Leitzins müsste schon gigantisch sein, dass sie hier keinen Kredit vergeben will.

RIsikolos ist es trotzdem nicht.

Der Leitzins, ja. Da muss die Bank aber aufpassen. Es ist nicht nur der Leitzins. Stell dir vor, Banken vergeben Kredite mit einer Laufzeit von 10 Jahren. Zentralbankkredite haben eine deutlich geringere Laufzeit und können im Volumen eben auch drastisch eingeschränkt werden. Es kann also sein, dass in 3 Jahren dieser Kredit nicht mehr durch Zentralbankkredite abgedeckt werden kann. Und dann? Und wie du schon sagst: Das Falscheinschätzen der Bonität des Kreditnehmers spielt eine deutlich größere Rolle für die Bank als die Höhe des Leitzinses.

Fakt ist auch, dass es für die meisten Unternehmen vorteilhafter ist, die Bankdienstleistungen von extern machen zu lassen anstatt eine eigene Bank zu gründen. Ja, Unternehmen X könnte für 5Mio. Startkapital und 5Mio. Personalaufwand eine Bank gründen und so an günstige Leitzinsen rankommen. Klingt erstmal gut. Aber das ist - in der Regel - teurer als zu einer anderen Bank zu gehen. Ausnahmen bilden wohl Unternehmen, deren Abnehmer sehr oft auf Kredit kaufen wie eben Autobauer.
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon Skull » Di 23. Okt 2018, 07:59

Letzter_Hippie hat geschrieben:(23 Oct 2018, 00:34)

Meine Vereinfachung hat den Sinn, dass man da sehen kann, wie die Virtualisierung einsetzt -

dass also plötzlich mehr Geld in Summe auf den Konten steht, als physisch vorhanden ist.

Das war und ist schon immer so. Seit es Konten und Buchführung gibt.

Also auch schon unter den Griechen, Römern, Medici und Fuggern. :D

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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon z4ubi » Di 23. Okt 2018, 12:54

franktoast hat geschrieben:(23 Oct 2018, 07:31)

Der Leitzins, ja. Da muss die Bank aber aufpassen. Es ist nicht nur der Leitzins. Stell dir vor, Banken vergeben Kredite mit einer Laufzeit von 10 Jahren. Zentralbankkredite haben eine deutlich geringere Laufzeit und können im Volumen eben auch drastisch eingeschränkt werden. Es kann also sein, dass in 3 Jahren dieser Kredit nicht mehr durch Zentralbankkredite abgedeckt werden kann. Und dann? Und wie du schon sagst: Das Falscheinschätzen der Bonität des Kreditnehmers spielt eine deutlich größere Rolle für die Bank als die Höhe des Leitzinses.

Fakt ist auch, dass es für die meisten Unternehmen vorteilhafter ist, die Bankdienstleistungen von extern machen zu lassen anstatt eine eigene Bank zu gründen. Ja, Unternehmen X könnte für 5Mio. Startkapital und 5Mio. Personalaufwand eine Bank gründen und so an günstige Leitzinsen rankommen. Klingt erstmal gut. Aber das ist - in der Regel - teurer als zu einer anderen Bank zu gehen. Ausnahmen bilden wohl Unternehmen, deren Abnehmer sehr oft auf Kredit kaufen wie eben Autobauer.


Dieses Bild den Geldkritikern zu vermitteln ist deshalb der richtige Weg. Dann erscheint der Giralgeldschöpfungsprozess auch nicht mehr als Hexenwerk, sondern als ein wichtiges Tätigkeitsfeld der Banken, dass weder risokolos noch irgenden ein spaßiges Selbstbedienungsmittel darstellt.
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Re: Warum gründet nicht jeder Konzern eine eigene Bank?

Beitragvon Letzter_Hippie » Di 23. Okt 2018, 20:27

z4ubi hat geschrieben:(23 Oct 2018, 07:25)

Hättest vielleicht in dem Beispiel erwähnen sollen, dass es sich hier nur um Bargeld handelt.
Aber hilft letztlich auch nicht weiter, wenn es um Giralgeldschöpfung geht und Du ein zu vereinfachtes Modell anführst, das dann eben nicht mehr zutreffend ist.


Na, ich weiss ja nicht wo Du weitergeholfen werden willst. ;)

Thema des Threads ist erstmal, warum nicht jeder [Konzern]eine eigene Bank gründet und so selber Geld macht.
Dafür scheint es mir sinnvoll, zu verstehen wie das einfache Modell funktioniert, um sich von da ans kompliziertere ranzuarbeiten (was m.E. nicht grundsätzlich verschieden ist). Denn der Thread zeigt ja, dass man das Thema betrachtet und dabei (überwiegend) keins von beidem verstanden hat. Aber vielleicht ist ja auch genau das gewünscht.
We're here to serve.
Blessed be!
From the branches of Death's tree
The fruit is finally falling down
And the Harvester is free
-- Selim Lemouchi

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