Kommunistische WG als Beispiel

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Welfenprinz
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon Welfenprinz » Do 19. Jul 2018, 14:05

:rolleyes:
Die Kalkulation jedes Verkäufers besteht darin abzuschätzen wieviel ein Kunde bereit ist für etwas auszugeben. Dieser Schmerzgrenze nähert er sich möglichst nah an um sein Maximum rauszuholen.

Herstellungskosten sind da so wichtig wie ein Furz im Wind.

Aber gut,ich werd nicht weiter stören.
Versprochen.
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Dieter Winter
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon Dieter Winter » Do 19. Jul 2018, 14:10

Welfenprinz hat geschrieben:(19 Jul 2018, 15:05)

:rolleyes:
Die Kalkulation jedes Verkäufers besteht darin abzuschätzen wieviel ein Kunde bereit ist für etwas auszugeben. Dieser Schmerzgrenze nähert er sich möglichst nah an um sein Maximum rauszuholen.

Herstellungskosten sind da so wichtig wie ein Furz im Wind.

Aber gut,ich werd nicht weiter stören.
Versprochen.


Naja, die AHK sollten schon < VK sein. Im Idealfall.... :)
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theoretiker
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@franktoast

Beitragvon theoretiker » Do 19. Jul 2018, 14:19

@franktoast
Schau mal auf den letzten Satz Deines Beitrages, in dem Du irgendwie erklären wolltest, wie sich aus Präferenzen Wert ergeben soll:
Marktpreise helfen dabei herauszufinden, was Menschen mehr schätzen als andere Dinge

Du beschreibst damit genau das Gegenteil Deiner Vermutung. Die Berücksichtigung des Marktpreis (als Erscheinung des Werts) soll Deiner Meinung nach die Präferenzen von Haushaltssubjekten beeinflussen. Tja, wenn das so ist, dann ist Marktpreis bzw. Wert längst vorhanden und wird nicht durch die irgendwelche Präferenzvergabe bestimmt.
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Re: @franktoast

Beitragvon Realist2014 » Do 19. Jul 2018, 14:27

theoretiker hat geschrieben:(19 Jul 2018, 15:19)

@franktoast
Schau mal auf den letzten Satz Deines Beitrages, in dem Du irgendwie erklären wolltest, wie sich aus Präferenzen Wert ergeben soll:

Du beschreibst damit genau das Gegenteil Deiner Vermutung. Die Berücksichtigung des Marktpreis (als Erscheinung des Werts) soll Deiner Meinung nach die Präferenzen von Haushaltssubjekten beeinflussen. Tja, wenn das so ist, dann ist Marktpreis bzw. Wert längst vorhanden und wird nicht durch die irgendwelche Präferenzvergabe bestimmt.



es gibt diesen "Wert" nicht konstant

der wird durch Angebot & Nachfrage bestimmt
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BlueMonday
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Re: @blue mondayTeil 2 Cockshott/ Cottrell

Beitragvon BlueMonday » Do 19. Jul 2018, 15:02

theoretiker hat geschrieben:(18 Jul 2018, 15:48)

Abgelehnt. Wert ist das Austauschverhältnis von Waren und Dienstleistungen.
Er kommt nicht zustande durch die Prioritätensetzung im Haushalt eines Wirtschaftssubjekts Mit dem Wert rechnet zwar keiner, aber mit dem Marktpreis, der Ausdruck des Wertes ist.

Demnach gäbe es für einen isolierten Akteur keinen Stellenwerte. Absurde Vorstellung. Natürlich gibt es die, bei jeder Entscheidung wird vorgezogen und zurückgestellt, sonst wäre man handlungsunfähig, indifferent. Das sind die Basics. Damit beginnt ökonomsiches Denken.

Ein Austauschverhältnis ist dann der Preis, und der Preis kommt ins Spiel, wenn zwei Akteure eben in Austausch treten.
Wie kommt ein Tausch denn zustande? Akteur1 hat X und will Y. Akteur2 hat Y und will X. Double coincidence of wants.

Und damit hat man zwei Rangordnungen/Präferenzstrukturen: Akteur1 zieht Y X vor bei Akteur2 ist es genau umgekehrt. Bewusst sollte einem dabei sein, dass das nur der demonstrierte "Ausschnitt" ist.
Akteur1 hätte vielleicht auch 2X für 1Y hergegeben. Kurz: Preise sind demonstierte Stellenwerte.
Man kann Tausch gar nicht ohne die Existenz von Stellenwerten/Präferenzen erklären.Ich empfehle Ludwig Mises' "Human Action", um einen fundierten Einblick zu bekommen.



Aber gleich mal die verwunderte Frage, warum Du davon ausgehst, eine sozialistische Wirtschaft müsse die Marktmechanismen von Angebot und Nachfrage ausschalten, also den Grund, warum heutzutage weitgehend auf Zentralerfassung verzichtet werden kann. Ein Markt funktioniert doch auch, wenn nichtkapitalistische Unternehmen anbieten und der Handel mit der Ware Arbeitskraft verboten ist.


Die Verwunderung ist meinerseits. Du hast doch C&C ins Thema geschleppt. Bei denen geht es darum, den als "ineffizient" erachteten Markt (Marx: "Anarchie des Marktes") mit zentraler Wirtschaftsplanung, Arbeitszetteln, "Supercomputern" und mathematischer Methode zu ersetzen.
Und vor allem geht es Sozialisten darum, dass es für den Produktionsfaktor "Kapital" keinen Markt mehr geben soll, also hier das sondernde Eigentum (Privateigentum) abgeschafft wird und alles in einer Hand (Staat) ist, die dann zentralplanerisch die knappen Ressourcen zuweist (allokiert). Und das ist das sozialistische Grundproblem, das seit Jahrzehnten diskutiert wird, also wie man damit umgeht, wenn es ideologiebedingt keine Märkte und Marktpreise für Produktionsfaktoren mehr gibt.

Auch mit den vielen anderen Überlegungen machst Du es Dir zu schwer. Sozialistisch wirtschaften heißt doch nichts anderes, als die kapitalistische Ausbeutung vertrieben zu haben, die Ausbeutung der Arbeitskraft zu verhindern. Alles andere sind doch Gestaltungsmöglichkeiten.

Dir scheint die ganze, Jahrzehnte umspannende Geschichte hinter diesem Problem (Wirtschaftsrechnung im Sozialismus um die es auch zentral bei C&C geht) gar nicht bekannt zu sein. Und das betrifft ja auch im Wesentlichen das vielfache Scheitern des Realsozialismus. Das Problem besteht im Gegenteil darin, dass man es sich immer viel zu leicht gemacht hat, um nicht zu sagen, naiv gewesen ist. Man ahnt gar nichts von der Komplexität des Problems.


Hier die wirkliche Herausforderung: Der Wert der Arbeitskraft taucht nicht mehr auf, weil Arbeitskraft als solche nicht mehr gehandelt wird. Wie also entlohnen? Der selbständige Alleinproduzent/ Dienstleister hat keine Probleme, denn er tauscht auf dem Markt seine Leistungen zum Wert.


Der tauscht wie oben dargestellt zum erzielbaren Preis. Der kann auch mal 0 sein. Wenn er niemanden findet, der's ihm abkauft. Das ist ja gerade der marxsche/sozialistische Trugschluss , dass die Arbeitszeit der einzige Bestimmungsgrund des Preises sei ("Wertgesetz").

Hier gehts aber schon los. Wie vergleicht sich die Kraftfahrerin mit dem Buchhalter? Wie der Leiter mit dem Hallenfeger?
Noch komplizierter wirds in die Gesamtgesellschaft hinein. Der Regionalpolitiker in Kiel mit einem Chemiker in Bayern? Der Schauspieler in Köln mit einem Förster in der Lausitz?

Das muss für eine funktionierende sozialistische Wirtschaft geklärt sein auf gerechter Basis.


Ja, das wird dann zum Politikum, wie jeder Preis, der nicht mehr marktförmig zustandekommen darf. Planwirtschaft als "planned chaos" (Mises)...
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Re: @blue mondayTeil 2 Cockshott/ Cottrell

Beitragvon theoretiker » Do 19. Jul 2018, 15:33

BlueMonday hat geschrieben:Wie kommt ein Tausch denn zustande? Akteur1 hat X und will Y. Akteur2 hat Y und will X. Double coincidence of wants.
Und damit hat man zwei Rangordnungen/Präferenzstrukturen: Akteur1 zieht Y X vor bei Akteur2 ist es genau umgekehrt. Bewusst sollte einem dabei sein, dass das nur der demonstrierte "Ausschnitt" ist.
Akteur1 hätte vielleicht auch 2X für 1Y hergegeben. Kurz: Preise sind demonstierte Stellenwerte.

Das einzige, was Dein Ansatz klärte, war schon Prämisse. Zwei Akteure wollen tauschen. Du nimmst nun an, weil sie beide die Ware des anderen als Präferenz 1 haben, tauschen die 1:1. (Richtig verstanden?) Das wäre ja nun wirklich Humbug, der nicht durch die beigelegte Relativierung verschwindet, es hätte auch einen Austausch 2:1 geben können. Ja, sicher. Es hätte auch ein Austausch 200:1 sein können oder 1:200. Um das Maß des quantitaiven Austauschs ging es aber.
Ein Austauschverhältnis (Wert von Waren) ist aus Deinem Präferenz-Beispiel nicht ermittelbar.
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Re: @blue mondayTeil 2 Cockshott/ Cottrell

Beitragvon theoretiker » Do 19. Jul 2018, 16:25

BlueMonday hat geschrieben:Die Verwunderung ist meinerseits. Du hast doch C&C ins Thema geschleppt. Bei denen geht es darum, den als "ineffizient" erachteten Markt (Marx: "Anarchie des Marktes") mit zentraler Wirtschaftsplanung, Arbeitszetteln, "Supercomputern" und mathematischer Methode zu ersetzen.
Und? Ist doch nicht meine Bibel. Ich empfehle erst einmal grundsätzlich alles, was sich in ehrlichem Versuch mit Gestaltungsmöglichkeiten nachkapitalistischer Gesellschaft befasst.

BlueMonday hat geschrieben:Und vor allem geht es Sozialisten darum, dass es für den Produktionsfaktor "Kapital" keinen Markt mehr geben soll, also hier das sondernde Eigentum (Privateigentum) abgeschafft wird und alles in einer Hand (Staat) ist, die dann zentralplanerisch die knappen Ressourcen zuweist (allokiert). Und das ist das sozialistische Grundproblem, das seit Jahrzehnten diskutiert wird, also wie man damit umgeht, wenn es ideologiebedingt keine Märkte und Marktpreise für Produktionsfaktoren mehr gibt.
Das ist eine Ansammlung von Falschem und Fehlinterpretationen, wobei unklar ist, wen Du hier als "Sozialisten" meinst.
Kommunisten wollen eine klassenfreie, herrschaftslose, ausbeutungsfreie, staatenlose Gesellschaft. Alles andere sind Ideen des Weges dahin.

BlueMonday hat geschrieben:Dir scheint die ganze, Jahrzehnte umspannende Geschichte hinter diesem Problem (Wirtschaftsrechnung im Sozialismus um die es auch zentral bei C&C geht) gar nicht bekannt zu sein.
Natürlich nicht. Es wird auch keinen anderen geben, der die vielen praktischen und theoretischen Ansätze bis ins Detail kennt und aus marxistischer Sicht durchdenkt. Mich interesieren nur die Prinzipien. Wobei mein Augenmerk auf der Seite der Leistenden im Kommunismus liegt, also der Bewertung ihrer Leistungen..
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon unity in diversity » Do 19. Jul 2018, 16:38

Welfenprinz hat geschrieben:(19 Jul 2018, 15:05)

:rolleyes:
Die Kalkulation jedes Verkäufers besteht darin abzuschätzen wieviel ein Kunde bereit ist für etwas auszugeben. Dieser Schmerzgrenze nähert er sich möglichst nah an um sein Maximum rauszuholen.

Herstellungskosten sind da so wichtig wie ein Furz im Wind.

Aber gut,ich werd nicht weiter stören.
Versprochen.

Auf dem Basar oder Flohmarkt hättest du Recht, aber seriöse Unternehmen erlauben Einblick in die Preiskalkulation.
Für jedes Problem gibt es zwei Lösungsansätze:
Den Falschen und den Unsrigen.
Aus den USA
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Re: @blue mondayTeil 2 Cockshott/ Cottrell

Beitragvon theoretiker » Do 19. Jul 2018, 16:46

BlueMonday hat geschrieben:Der tauscht wie oben dargestellt zum erzielbaren Preis. Der kann auch mal 0 sein. Wenn er niemanden findet, der's ihm abkauft. Das ist ja gerade der marxsche/sozialistische Trugschluss , dass die Arbeitszeit der einzige Bestimmungsgrund des Preises sei ("Wertgesetz").
Solche vulgäre Auslegung hat das Marxsche Wertgesetz nicht verdient. Erst einmal gilt es nur der Bestimmung des Wertes und nicht des "Preises". Der Ausdruck des Wertes findet sich natürlich im Marktpreis, der Durchschnitt aller Preise dieser Ware auf dem Markt ist.
Der durchschnittliche Arbeitsaufwand (durchschnittliche gesellschaftliche Arbeitszeit) zur Reproduktion einer Ware wird als Wert angenommen, was nun wiederum bedeutet, dass die individuelle Arbeitszeit keine Rückschlüsse auf den Wert der Ware gibt.
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon Realist2014 » Fr 20. Jul 2018, 07:58

theoretiker hat geschrieben:(19 Jul 2018, 17:46)


Der durchschnittliche Arbeitsaufwand (durchschnittliche gesellschaftliche Arbeitszeit) zur Reproduktion einer Ware wird als Wert angenommen, was nun wiederum bedeutet, dass die individuelle Arbeitszeit keine Rückschlüsse auf den Wert der Ware gibt.


ein völlig realitätsfernes "Modell" im freien Markt..

Haben wir ja aber in bestimmten Bereichen:

Gebührenordnungen der GKV

Steuerberater

usw...

Auch im Bereich REFA gibt es das in der Arbeitswelt in der Industrie...
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon Realist2014 » Fr 20. Jul 2018, 07:58

unity in diversity hat geschrieben:(19 Jul 2018, 17:38)

Auf dem Basar oder Flohmarkt hättest du Recht, aber seriöse Unternehmen erlauben Einblick in die Preiskalkulation.



versuch das mal bei BMW oder anderen großen Unternehmen...

oder sind die alle nicht seriös?
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon Realist2014 » Fr 20. Jul 2018, 08:00

theoretiker hat geschrieben:(19 Jul 2018, 17:25)

. Ich empfehle erst einmal grundsätzlich alles, was sich in ehrlichem Versuch mit Gestaltungsmöglichkeiten nachkapitalistischer Gesellschaft befasst.

..



ist ungefähr genau so sinnvoll, wie sich mit dem "Verglühen" unserer Sonne zu befassen

werden die heute lebenden beides nicht erleben...
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Re: @blue mondayTeil 2 Cockshott/ Cottrell

Beitragvon BlueMonday » Fr 20. Jul 2018, 10:37

theoretiker hat geschrieben:(19 Jul 2018, 17:46)

Solche vulgäre Auslegung hat das Marxsche Wertgesetz nicht verdient. Erst einmal gilt es nur der Bestimmung des Wertes und nicht des "Preises". Der Ausdruck des Wertes findet sich natürlich im Marktpreis, der Durchschnitt aller Preise dieser Ware auf dem Markt ist.
Der durchschnittliche Arbeitsaufwand (durchschnittliche gesellschaftliche Arbeitszeit) zur Reproduktion einer Ware wird als Wert angenommen, was nun wiederum bedeutet, dass die individuelle Arbeitszeit keine Rückschlüsse auf den Wert der Ware gibt.


Na wenn, dann ist gerade diese xmal schon vorgebrachte Vorstellung gedankenlos oder "vulgär", eben viel zu einfach gedacht.
Es geht beim Wertgesetz darum, in welchem Verhältnis sich "die Waren vertauschen", nennt sich bei Marx "Tauschwert", also nichts anderes als was man heutzutage in der Ökonomik "Preis" nennt.
Austauschverhältnisse gibt es nur, wenn es nicht um Totalitäten geht, sondern um konrete Teile. Also wenn konkrete Akteure konkrete Güter austauschen, dann entstehen Preise. Und da ist "Arbeitszeit" in welcher Form auch immer allenfalls ein Bestimmungsgrund und nicht der einzige.

Um mich selbst zu zitieren:
"Die durchschnittlichen Preise auf Märkten werden durch die darin durchschnittlich enthaltene gesellschaftlich nützliche Arbeit bestimmt. "
Klassik.
Alle Preise werden also zu einem Durchschnittspreis aggregiert. Allein das ist ja schon mehr als fragwürdig. Verdeckt die wirklichen Tauschvorgänge. Was fängt man mit so einem Wert an? Angenommen das allgemein anerkannte Tauschmittel(=Geld) ist Käse. und dann kommt ein Durchschnittspreis für alle Austauschvorgänge von 1 kg Käse heraus. Allein was heißt "alle"? Räumlich, zeitlich.
Und diese nutzlose Zahl soll dann durch "gesellschaftlich nützliche Arbeit" bestimmt sein? Das ist bestenfalls eine Tautologie. Also dass man meint, dass den Dingen, die da ertauscht wurden, eben nötige Aufwände gegenüberstehen. U.a. Arbeit. Wer wollte das bestreiten. Also bisschen bereinigt ist die Aussage: Die Gesamheit der ertauschten Güter, in denen notwendig Arbeit steckt, steht der zu ihrer Herstellung nötigen Arbeit gegenüber. Also zwei Türmchen, die man sich gleichhoch vorstellt.
Klar. Aber damit hat man nicht das Zustandekommen eines einzígen konkreten Austauschverhältnis erklärt. Im Gegenteil, man hat die möglichen Erklärungen durch das Zusammenwerfen aller Austauschvorgänge zu einer einzigen Zahl (Durchschnittspreis) verdeckt, ja unmöglich gemacht


Offenbar ist das nicht jedem einsichtig, dass eine Preistheorie, die Aussagen über Totalitäten macht, nutzloser Unfug ist.
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Re: Kommunistische WG als Beispiel

Beitragvon BlueMonday » Fr 20. Jul 2018, 11:04

Böhm-Bawerk hat dazu mal eine schöne Analogie gebracht:

"Das trivialste Beispiel wird in einer so handgreiflichen Sache vielleicht das beste sein. Man spricht über die Wirkung der Geschütze auf Schiffspanzer, und jemand stellt die Behauptung auf, daß der Grad der zerstörenden Wirkung des Schusses einzig und allein von der Größe der verwendeten Pulverladung abhänge. Man stellt ihn zur Rede und weist ihm an der Hand der tatsächlichen Erfahrung unter seiner eigenen schrittweisen Zustimmung nach, daß es für die Schußwirkung nicht bloß auf die Menge des verladenen Pulvers, sondern auch auf dessen Stärke, weiter aber auch auf die Konstruktion, Länge u. dgl. des Geschützrohrs, dann auf die Gestalt und Härte des Geschosses, weiter auf die Entfernung des Objekts und nicht am wenigsten endlich auf die Dicke und Festigkeit der Panzerplatten ankomme. Und nun, nachdem alles das schrittweise zugestanden ist, würde unser Mann sagen, er habe also mit seiner anfänglichen Behauptung doch recht; denn, wie sich gezeigt habe, übe der von ihm berufene Faktor Pulvermenge doch einen maßgebenden Einfluß auf die Schußwirkung aus, was sich unter anderem daran erweise, daß unter sonst gleichen Umständen mit der Stärke der Pulverladung die Schußwirkung sich steigere und umgekehrt! "

Man hat also auf der einen Seite die Gesamtmenge von verschossenem Pulver. Auf der anderen Seite das Ergebnis, irgendwelche zerstörten Ziele und sagt dann: Das verschossene Pulver (Totalität) steht der ganzen Zerstörung(Totalität) gegenüber, als einziger Bestimmungsgrund und dann nennt man das Ganze hochtrabend "Schießpulverwertgesetz". Mehr Pulver, mehr Zerstörung. Bäng. Und wenn man dann einwendet, dass das ganze Pulver nix nutzt, wenn man immer im konkreten Falle daneben ballert, ja dann müsste - eigentlich - eine Erleuchtung einsetzen. Und so müsste man eben auch bei einer Preistheroie zu dem Punkte kommen, dass ein Gut erst zum Gut wird, wenn eine zahlende Gegenseite eben etwas Gutes/Nützliches darin erkennt und dass der darin versenkte oder "anhaftende" Arbeitsaufwand nicht der alleinige Bestimmungsgrund von Austauschverhältnissen sein kann.

Oder mal so gesagt, das "Vulgäre" (das Grobe, Verdeckende, Naive) im Denken nimmt mit der immer feineren Differenzierung ab, je näher man am konkreten, tatsächlichen Fall ist, also indem man hinunter schreitet zum tatsächlich handelnden Menschen (homo agens).
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Re: @blue mondayTeil 2 Cockshott/ Cottrell

Beitragvon Sanity » Fr 20. Jul 2018, 11:37

BlueMonday hat geschrieben:(20 Jul 2018, 11:37)
Aber damit hat man nicht das Zustandekommen eines einzígen konkreten Austauschverhältnis erklärt.


Marx will auch keine einzelnen konkreten Austauschverhältnisse erklären. Er hat mit dem Kapital eine Kritik an der herrschenden politischen Ökonomie verfasst und wollte damit ganz sicher nicht den kapitalistischen Ökonomen eine "Hilfestellung" zur Ermittlung ihrer Preise in die Hand geben ;) Für den Zweck dieser Kritik genügt es, die Austauschverhältnisse in durchschnittlichen gesellschaftlichen Dimensionen verstehen und erklären zu können, deshalb spricht er auch von durchschnittlicher gesellschaftlich-notwendiger Arbeitszeit. Jemand kann einem nur Leid tun, der erwartet hat, ausgerechnet bei Marx das zu finden, was die bürgerlichen Theorien bis heute nicht zu leisten imstande sind :rolleyes:
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Re: @blue mondayTeil 2 Cockshott/ Cottrell

Beitragvon theoretiker » Fr 20. Jul 2018, 14:48

BlueMonday hat geschrieben:Es geht beim Wertgesetz darum, in welchem Verhältnis sich "die Waren vertauschen", nennt sich bei Marx "Tauschwert", also nichts anderes als was man heutzutage in der Ökonomik "Preis" nennt.
Wert und Preis sind aber unterschiedliche Dinge. Der einzelne Warenpreis kann vom Marktpreis dieser Ware(Ausdruck des Werts oder Ausdruck des Tauschwerts) abweichen und das ist eigentlich auch die Regel aller Markttausche.


BlueMonday hat geschrieben:Austauschverhältnisse gibt es nur, wenn es nicht um Totalitäten geht, sondern um konrete Teile. Also wenn konkrete Akteure konkrete Güter austauschen, dann entstehen Preise.
Das zweite Satz stimmt. Preise sind nur das sichtbare Ergebnis realisierten Austauschs. Marktpreis und Wert sind aber etwas anderes. Wert bedingt keinen vollzogenen Austausch. Preis und Wert sind nicht das Gleiche! Ein Händler kann Ware in seinem Laden für 10.000€ lagern, was nicht heißt, dass sie diesen Preis erzielt hat oder erzielen wird.
Zuletzt geändert von theoretiker am Fr 20. Jul 2018, 14:51, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: @blue mondayTeil 2 Cockshott/ Cottrell

Beitragvon theoretiker » Fr 20. Jul 2018, 14:49

doppelt sorry
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Re: @blue mondayTeil 2 Cockshott/ Cottrell

Beitragvon Realist2014 » Fr 20. Jul 2018, 14:55

theoretiker hat geschrieben:(20 Jul 2018, 15:48)

Ein Händler kann Ware in seinem Laden für 10.000€ lagern, was nicht heißt, dass sie diesen Preis erzielt hat oder erzielen wird.


stimmt

nur steht in den Büchern dann der FMV......

und bezüglich "Arbeit" gib es ebne überhaupt keinen "Wert".

Sondern NUR einen PREIS..

denn der "Markt" bezahlt...

daher haben wir Niedriglöhne...
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Re: @blue mondayTeil 2 Cockshott/ Cottrell

Beitragvon theoretiker » Fr 20. Jul 2018, 15:08

BlueMonday hat geschrieben:Alle Preise werden also zu einem Durchschnittspreis aggregiert. Allein das ist ja schon mehr als fragwürdig. Verdeckt die wirklichen Tauschvorgänge. Was fängt man mit so einem Wert an?
So ziemlich jeder Kaufmann, Händler, Produzent orientiert sich an Marktpreisen im Allgemeinen und wird in seinem Handel die Besonderheiten der Preisschwankungen berücksichtigen.
Wert richtig einschätzen zu können, bzw. ihn über Marktpreis zu kennen ist unerlässliche Voraussetzung für zielgerichtete, erfolgreiche geschäftliche Tätigkeit.
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Re: @blue mondayTeil 2 Cockshott/ Cottrell

Beitragvon Realist2014 » Fr 20. Jul 2018, 15:15

theoretiker hat geschrieben:(20 Jul 2018, 16:08)

So ziemlich jeder Kaufmann, Händler, Produzent orientiert sich an Marktpreisen im Allgemeinen und wird in seinem Handel die Besonderheiten der Preisschwankungen berücksichtigen.
.


die Marktpreise für "Arbeit" mit geringen Kompetenzanforderungen "schwanken" kaum.

Die bewegen sich um den Mindestlohn. Auch die entsprechenden Tariflöhne

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