Sammelstrang betreffend Kriminalität durch Deutsche

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relativ
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Re: Sammelstrang Kriminalität durch Deutsche

Beitragvon relativ » Di 12. Jun 2018, 15:31

think twice hat geschrieben:(12 Jun 2018, 16:20)

Die Justiz unterscheidet zwischen einfacher, gefährlicher und schwerer Körperverletzung. Genau in dieser Reihenfolge. Einfache Körperverletzung ist es dann, wenn keine Waffe im Spiel war, gefährliche Körperverletzung ist es, wenn eine Waffe im Spiel war und schwere Körperverletzung ist es, wenn das Opfer bleibende Schäden davon trägt.
Bewährung wird dann ausgesprochen, wenn der Täter nicht einschlaegig vorbestraft war und/oder er sich in einem psychischen Ausnahmezustand befand.
In den meisten Faellen ist es jedenfalls so.

Erstmal richtig der entscheiden Punkt ist hier m.M. aber die Annahme ob er wusste was er da tut und wie potentiell gefährlich dies für sein Opfer sein kann und bei aller Liebe und Verständnis zu einer Ausnahmesituation bei Menschen , wenn ich mit einer Waffe auf einem Menschen losgehe, dann weiss ich um die Gefahr, wenn ich nicht den IQ, oder die Lebenserfahrungen eines Kleinkindes habe.
Daher wünsche ich mir bei dieser Einschätzung schon ein wenig mehr Härte bei der Umsetzung der Gesetze, oder schließung der gesetzlichen Lücken, wenn eine Zunahme von Gewaltdelikten mit Messer und anderen Waffen erkennbar ist.
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Re: Sammelstrang Kriminalität durch Deutsche

Beitragvon think twice » Di 12. Jun 2018, 15:33

relativ hat geschrieben:(12 Jun 2018, 16:31)

Erstmal richtig der entscheiden Punkt ist hier m.M. aber die Annahme ob er wusste was er da tut und wie potentiell gefährlich dies für sein Opfer sein kann und bei aller Liebe und Verständnis zu einer Ausnahmesituation bei Menschen , wenn ich mit einer Waffe auf einem Menschen losgehe, dann weiss ich um die Gefahr, wenn ich nicht den IQ, oder die Lebenserfahrungen eines Kleinkindes habe.
Daher wünsche ich mir bei dieser Einschätzung schon ein wenig mehr Härte bei der Umsetzung der Gesetze, oder schließung der gesetzlichen Lücken, wenn eine Zunahme von Gewaltdelikten mit Messer und anderen Waffen erkennbar ist.

Nun, ein Richter hat nicht zu bewerten, was haette passieren können, sondern was tatsächlich passiert ist.
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Re: Sammelstrang betreffend Kriminalität durch Deutsche

Beitragvon Vongole » Di 12. Jun 2018, 15:34

Tom Bombadil hat geschrieben:(12 Jun 2018, 16:25)

Wer einem anderen Menschen mit dem Messer am Hals rumschneidet, der nimmt den Tod dieses Menschen billigend in Kauf, dass so jemand dafür nicht in den Knast einfährt, ist mal wieder unglaublich. Aber die Oma, die aus Armut ein paar Sachen zu klauen versucht, die sperrt man weg, da gibt es keinerlei Gnade: https://www.focus.de/regional/bayern/om ... 67531.html Man kann gar nicht so viel fressen, wie man kotzen muss.


Da möchte ich mal etwas zu bedenken geben: In den allermeisten Fällen kennen wir alle nur Tat und Urteil aus den Medien.
Wir wissen kaum etwas über die Gerichtsverhandlungen, denn der gute alte Gerichtsreporter scheint ja ausgestorben zu sein.
Wir wissen auch selten etwas über die Urteilsbegründungen, schon gar nicht über die ausführlichen.
Natürlich verletzen viele Urteile unser Gerechtigkeitsempfinden, wie in dem von dir genannten Fall, aber solange sie mit dem Recht in Einklang stehen, müssen wir sie akzeptieren.
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Re: Sammelstrang Kriminalität durch Deutsche

Beitragvon relativ » Di 12. Jun 2018, 15:38

think twice hat geschrieben:(12 Jun 2018, 16:33)

Nun, ein Richter hat nicht zu bewerten, was haette passieren können, sondern was tatsächlich passiert ist.

Nein ein Richter hat sehr wohl auch eine Verantwortung für die Gesellschaft bezüglich des zukünftigen Gefahrenpotenzials der Täters. Sonst würde es ja auch z.B. keine Anordnung von Sicherheitsverwahrungen geben können.
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Re: Sammelstrang betreffend Kriminalität durch Deutsche

Beitragvon Tom Bombadil » Di 12. Jun 2018, 15:51

Vongole hat geschrieben:(12 Jun 2018, 16:34)

Natürlich verletzen viele Urteile unser Gerechtigkeitsempfinden, wie in dem von dir genannten Fall, aber solange sie mit dem Recht in Einklang stehen, müssen wir sie akzeptieren.

Vllt. muss dann das Recht bzw. das, was Richter als Recht ansehen, geändert werden.
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Re: Sammelstrang betreffend Kriminalität durch Deutsche

Beitragvon Vongole » Di 12. Jun 2018, 15:55

Tom Bombadil hat geschrieben:(12 Jun 2018, 16:51)

Vllt. muss dann das Recht bzw. das, was Richter als Recht ansehen, geändert werden.


Vorsicht, Tom, ganz dünnes Eis!
Eine Reform vieler Gesetze halte ich allerdings auch für nötig.
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Re: Sammelstrang betreffend Kriminalität durch Deutsche

Beitragvon Tom Bombadil » Di 12. Jun 2018, 16:07

Wieso dünnes Eis? Richter sind frei in ihrer Entscheidung, aber man kann in der Ausbildung darauf hinweisen, dass bei schlimmen Taten auch mal härtere Strafen verhängt werden dürfen.
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Re: Sammelstrang Kriminalität durch Deutsche

Beitragvon think twice » Di 12. Jun 2018, 16:14

relativ hat geschrieben:(12 Jun 2018, 16:38)

Nein ein Richter hat sehr wohl auch eine Verantwortung für die Gesellschaft bezüglich des zukünftigen Gefahrenpotenzials der Täters. Sonst würde es ja auch z.B. keine Anordnung von Sicherheitsverwahrungen geben können.

Richtig. Sicherungsverwahrung wird ausgesprochen, wenn die Wiederholungsgefahr entsprechend hoch ist.
Aber nicht, weil "noch Schlimmeres haette passieren können".
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Re: Sammelstrang Kriminalität durch Deutsche

Beitragvon Praia61 » Di 12. Jun 2018, 16:38

Eulenwoelfchen hat geschrieben:(12 Jun 2018, 01:49)

Falls es einen solchen Thread bereits gibt, bitte diesen löschen bzw.

den Link und den Eröffnungsbeitrag dorthin verschieben. Danke.

https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/kriminalitaet/id_83914074/missbrauchsfall-in-staufen-hauptverdaechtiger-gesteht-grausame-taten.html

Der Fall ist erschütternd. Sowohl der deutsche Stiefvater, ein einschlägig gewalttätiger Pädophiler, als auch die Mutter des kleinen Jungen
mißbrauchten diesen unvorstellbar grausam. Und verkauften ihn im darknet an andere deutsche Männer, die an einer Vergewaltigung eines
kleinen Buben interessiert waren und dies auch taten. Es wurden bereits gegen zwei dieser üblen Täter hohe Haftstrafen verhängt.
Ein Mann soll das Paar sogar angefragt haben, ob er das Kind nach dem Missbrauch töten dürfe? - Gegen diesen Mann aus dem Raum Schleswig-Holstein
läuft gerade ein Prozess.

Aus dem Link:
"In der mehr als 100 Seiten langen Anklageschrift ist die Rede von Fesselungen, extremen Demütigungen, Beschimpfungen, Drohungen sowie körperlicher Gewalt und Vergewaltigungen des Jungen.
Dem Paar werden unter anderem schwere Vergewaltigung und Zwangsprostitution in jeweils knapp 50 Fällen zur Last gelegt. Angeklagt sind Taten zwischen Mai 2015 bis Ende August 2017."


Dem Paar wird ausserdem zur Last gelegt, ein 3-jähriges, geistig behindertes Mädchen missbraucht zu haben...

Schöner Gruß im übrigen an Jack000, der so eifrig hinter jedem Verbrechen her ist, das von Migranten begangen wird.
Wobei sich sein diesbezüglicher Eifer bei Schwerstverbrechen durch deutsche Männer und leider, auch Frauen…
in sehr überschaubaren Grenzen zu halten scheint. Zumindest soweit ich das nachlesen konnte.

Der Fall wirft auch kritische Fragen an Justiz und zuständige Behörden/Ämter auf. Die den kleinen Buben nicht schützten, obwohl bekannt war,
dass die Kindsmutter ein Beziehung mit dem einschlägig wegen schweren Kindsmissbrauchs vorbestraften Pädophilen hatte und er als weiterhin gefährlich hinsichtlich solcher sexueller
Straftaten galt.

Generell - unabhängig von Herkunft und Glaube - ist es einfach unfassbar, verstörend und erschütternd, was Menschen anderen Menschen, vor allem faktisch wehrlosen Opfern,
antun und dabei aus jeder Menschlichkeit austreten.

Mit der Wahrheit scheinst du auch Probleme zu haben.
Meines Wissens kamen die Kinderschänder aus vielen europäischen Ländern und nicht nur wie du es darstellst aus Deutschland.
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Re: Sammelstrang Kriminalität durch Deutsche

Beitragvon Ammianus » Di 12. Jun 2018, 19:29

think twice hat geschrieben:(12 Jun 2018, 16:33)

Nun, ein Richter hat nicht zu bewerten, was haette passieren können, sondern was tatsächlich passiert ist.


Selbstverständlich bewertet ein Richter auch das, was passieren könnte, wenn es für die Begründung eines Urteils relevant ist und wenn dies auch dem Angeklagten klar sein musste.
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Re: Sammelstrang Kriminalität durch Deutsche

Beitragvon think twice » Di 12. Jun 2018, 20:18

Ammianus hat geschrieben:(12 Jun 2018, 20:29)

Selbstverständlich bewertet ein Richter auch das, was passieren könnte, wenn es für die Begründung eines Urteils relevant ist und wenn dies auch dem Angeklagten klar sein musste.

Wenn ein Täter sich darauf beruft, dass er nicht wissen konnte, dass er jemanden mit einem Messer lebensgefährlich verletzen konnte, dann sagt ein Richter: "Doch, das hätte dir klar sein muessen. "
Dazu muss aber die lebensgefährliche Verletzung auch stattgefunden haben.

Wenn ein Täter jemanden mit einem Messer am Arm getroffen hat, wird jedoch kein Richter sagen: "Theoretisch hättest du ihn auch ins Herz treffen können und deshalb gibt es 3 Jahre mehr."
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Re: Sammelstrang betreffend Kriminalität durch Deutsche

Beitragvon Ammianus » Di 12. Jun 2018, 20:22

1. Falsch, es reicht das der Versuch stattgefunden hat und die Absicht nachweisbar ist ...

2. Falsch, denn es kommt auch auf die Absicht an und ob Tot oder schwere Verletzungen z.B. mit dauerhaften Schäden billigend in Kauf genommen wurden.

(denk mal an so was wie "Verkehrsgefährdung", da geht es auch darum, was passieren könnte)
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Re: Sammelstrang betreffend Kriminalität durch Deutsche

Beitragvon think twice » Di 12. Jun 2018, 20:25

Ammianus hat geschrieben:(12 Jun 2018, 21:22)

1. Falsch, es reicht das der Versuch stattgefunden hat und die Absicht nachweisbar ist ...

2. Falsch, denn es kommt auch auf die Absicht an und ob Tot oder schwere Verletzungen z.B. mit dauerhaften Schäden billigend in Kauf genommen wurden.

(denk mal an so was wie "Verkehrsgefährdung", da geht es auch darum, was passieren könnte)

Darum ging es aber in der Diskussion nicht. User relativ wünschte allein deshalb ein höheres Strafmass, weil " mehr haette passieren können". Unabhängig von der Absicht oder Billigung des Täters.
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Re: Sammelstrang betreffend Kriminalität durch Deutsche

Beitragvon schokoschendrezki » Di 12. Jun 2018, 20:35

Politisch relevant wirds nur, wenn man den eingangs geschilderten Fall in irgendeine soziale Tendenz einordnen kann oder eben als extremen atypischen Außenseiterfall identifiziert. Typischerweise muss man sich dabei an (halbwegs) wissenschaftliche Studien halten. Sich über einen einzelnen Fall bzw. seine jruistische Aufarbeitung aufregen ist zwar verständlich, bringt aber an politischem Erkenntnisgewinn wenig.
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Re: Sammelstrang betreffend Kriminalität durch Deutsche

Beitragvon Ammianus » Di 12. Jun 2018, 20:40

think twice hat geschrieben:(12 Jun 2018, 21:25)

Darum ging es aber in der Diskussion nicht. User relativ wünschte allein deshalb ein höheres Strafmass, weil " mehr haette passieren können". Unabhängig von der Absicht oder Billigung des Täters.


Nein, es geht um deine falsche Aussage:

"Nun, ein Richter hat nicht zu bewerten, was haette passieren können, sondern was tatsächlich passiert ist."

Und was der "relativ" da schreibt ist schon völlig richtig. Es ist nun mal ein Unterschied, ob ich mit Papiertauben, bloßen Fäusten oder einem Messer auf Jemanden losgehe. Und das hat auch ein Richter zu beurteilen. Abgesehen davon, dass es ja auch aktuell dieses unseelige Kuschelurteil der Bewährungsstrafe bei einer Körperverletzung mit Todesfolge gibt, wo der Angriff nur mit Fäusten erfolgte.

Der direkte Angriff mit einem Messer kann aber immer tötlich sein, egal ob der Angreifer das billigend in Kauf nimmt oder nicht. Und das sollte ein Richter sehr wohl berücksichtigen.
Also, deine Aussage ist auch im Zusammenhang falsch.
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Re: Sammelstrang betreffend Kriminalität durch Deutsche

Beitragvon relativ » Di 12. Jun 2018, 23:04

think twice hat geschrieben:(12 Jun 2018, 21:25)

Darum ging es aber in der Diskussion nicht. User relativ wünschte allein deshalb ein höheres Strafmass, weil " mehr haette passieren können". Unabhängig von der Absicht oder Billigung des Täters.

Sorry aber das stimmt so nicht.
Btw. Der Deutsche der den Bürgermeister von Altena mit einem Messer am Hals verletzt hat, bekommt 2 Jahre auf Bewährung. Das er keine Tötungsabsicht hatte, hat man ihm abgenommen, aber warum nur gefährliche Körperverletzung.
Also wenn ich jemanden mit einem Messer attackiere, dann weiss ich , daß er durch diese Attacke wohl eher getötet/schwer verletzt werden könnte, als wenn ich ihn z.B. mit Fäusten attackiere. Warum wurde hier kein Unterschied gemacht und warum dann auf Bewährung.
Ehrlich gesagt ist verstehe dieses Urteil nicht wirklich und die Botschaft ist auch eine ganz schlechte. Auch seine angeblich schwierige Lage wäre für mich jetzt kein Grund das Strafmaß zu lockern.

Leider kenne ich die Urteilsbegründung nicht, daher mag es andere Faktoren gegeben haben, die zu diesem milden Urteil führten. Sollte hier nicht mehr Straßmaß drin gewesen sein, ist dies sicherlich eine Lücke die man schnell schließen sollte.

Das war meine Kernaussage. Also nicht nur weil es hätte passieren können.
Zuletzt geändert von relativ am Mi 13. Jun 2018, 07:43, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Sammelstrang betreffend Kriminalität durch Deutsche

Beitragvon Eulenwoelfchen » Mi 13. Jun 2018, 05:59

Das Problem bei oder für lebenslangen Freiheitsentzug durch Sicherungsverwahrung ist, dass diese im Anschluß
an eine Haftstrafe verhängt wird, und somit keine gerichtlich verhängte Strafe, oder neutraler, Sanktion für eine Verbrechenstat ist.
Hat jemand die Freiheitsstrafe verbüsst, ist nach gängiger Rechtsauffassung damit die Tat gesellschaftlich gesühnt und
es tritt der juristische Status des Unbescholtenen ein.

Ein Täter, egal was er angestellt hatte, kann in unserem Rechtsstaatssystem nur zu lebenslanger Höchststrafe und dem
in den entsprechenden Gesetzen festgelegten Spielräumen des höchsten Strafmaßes verurteilt werden.
Gerichtsurteile sind im übrigen auch davon abhängig, wessen er seitens der Staatsanwaltschaft angeklagt wird.
Das übersieht man gerne in der so beliebten RichterInnen-Schelte.

Im übrigen ist unser Strafrecht nicht vom ausschließlichen Strafgedanken getragen, in der Art eines gesellschaflichen Befriedigungssystems für allerlei emotionale, leicht rachelüsterne Befindlichkeiten.
Das Gegenteil ist der Fall. Der Wiedereingliederungs- und Besserungsgedanke steht im Vordergrund. Das mag man verlachen oder für daneben halten. Was ich ausdrücklich nicht tue.

(Direkt betroffene Opfer oder deren engste Angehörige möchte ich bei emotional verständlichen, teils drastischen, Unmuts- oder Fehlurteilsäusserungen ausgenommen wissen.
Für sie ist es fast unmöglich, sachlich zu bleiben. Anders, als die vielen Aussenstehenden, selbsternannten "Richterinnen und Richter, die nicht direkt oder gar nicht betroffen sind, und letztlich auch ein ganz anderes,
eigenes Süppchen kochen möchten).

Es gibt höchstrichterliche Entscheidungen, die für eine sog. Sicherungsverwahrung eine temporär in regelmäßigen Abständen vorzunehmende gerichtliche Überprüfung dieser Maßnahme vorsehen.
Abhängig von Gutachten und Prognosen hinsichtlich fortbestehender Gefährdung durch neue Taten und Opfer.
Kurz gesagt, ob jemand voraussichtlich und weiterhin sehr gefährlich für andere Menschen sein wird. Eine ganz schwierige Baustelle, sowohl für Gutachter als auch die befassten Gerichte.

Kommt man bei einer Überprüfung zu dieser, negativen Gefährdungsprognose, bleibt so jemand in Sicherungsverwahrung, theoretisch sogar sein ganzes Leben lang in Hochsicherheitstrakten entsprechender Einrichtungen "unter Verschluß".
(Siehe auch "Dr. Thomas Müller: Bestie Mensch") - Von wegen Kuscheljustiz...

Die Hürden für eine Sicherungsverwahrung sind aus guten, juristischen Gründen jedoch sehr hoch.

Und man wird innerhalb unseres rechtsstaatlichen Systems und der gottseidank unabhängigen Justiz auch damit leben müssen,
dass manche Anklagen und Urteile von aussen, incl. Urteilsbegründungen, aus dieser Sicht wenig bis gar nicht nachvollziehbar sind.

Das gesunde Volksempfinden ist in seiner Urteilsfähigkeit allerdings seltener als gedacht besser als von Fachleuten, den Richterinnen und Richtern und Ihren Kollegen/innen auf der Anklageseite.
Wobei auch die sehr wichtige Rolle des Strafverteidigers nicht vergessen werden sollte.
Die in unserem Rechtssystem genauso wichtig ist. Verteidiger, die So manche emotionale Forderung nach drastischen Strafen (oder vorschnelle Verurteilungen) zu Fall bringen können.
Bis hin zur Revidierung von Fehlurteilen. Ohne dass dies richtig wahrgenommen oder bewertet würde.

Am Ende steht dann nur:
Strafe viel zu mild und was man dazu alles an moderat-radikalen, über völlig ausrastende "law-and-order" Forderungen bis hin zu
gefühlsbesoffenem, pauschalierenden Rechtsstaatsbashing lesen kann.

Äusserungen, die alle Eines gemeinsam haben:
Den Glauben, dass noch härtere Strafen und wenig zimperlicher Umgang mit unserem Rechtssystem und der Rechtssprechung
etwas daran ändern, dass immer wieder furchtbare Verbrechen geschehen, wie im Eingangsbeitrag dargestellten Fall.

Oder dem jüngsten Beispiel, wo sechs jugendliche Täter (14-16 Jahre alt, dem Vernehmen nach in Deutschland wohnende
EU-Ausländer bulgarisch-stämmiger Herkunft) einem 13-jährigen Mädchen auflauerten, und es, wie Staatsanwaltschaft es
ausdrückte, "regelrecht über das Mädchen herfielen". Der Fall sei vergleichsweise klar und eindeutig, so die Staatsanwaltschaft.
Sollen die jetzt auch lebenslang durch Sicherungsverwahrung weggesperrt werden. Die männlichen Täter sind selbst noch
Jugendliche. Das Opfer juristisch ein Kind. Wer möchte hier von den im Thread Diskutierenden gerne der Richter oder Staatsanwalt sein?

Da es innerhalb der EU Niederlassungsfreiheit usw. gibt, greifen hier auch die üblichen Migrations- oder Asylantireflexe,
nicht, die nach Abschottung und Abschiebung schreien. Tagtäglich die AfD-Hetze bedienen.

Denn genauso wie mit durch Deutsche begangene Schwerstverbrechen, besonders auch Sexualdelikte wie Vergewaltigung,
Mord usw. muss sich unsere Gesellschaft damit auseinandersetzen, wie mit diesem Fall jugendlicher Gewalttäter umzugehen ist.

Wenn ich mir hier die etwas aufgeladene Strafverschärfungsstimmung so durchlese, möchte ich lieber nicht daran
denken, was das Volk draussen denkt, würde es eine Volksabstimmung über die Wiedereinführung der Todesstrafe
geben und wie das Ergebnis ausfiele.

Wobei wir dann wieder beim im juristischen Sinne - zweifelhaften "Vergnügen" wären, über das gesunde Volksempfinden diskutieren und befinden zu müssen.
Mit all den unbelehrbaren Kuscheljustiz-Verschwörungstheoretikern und law-and-order Rechtknallern.
Die im Grunde keine tatsächliche, sachliche Auseinandersetzung suchen. Sondern nur emotionale Bestätigung ihrer eigenen, wenig aufgearbeiteten,
teils ziemlich wüst mit diffusen Antihaltungen durchzogenen persönlichen Befindlichkeiten suchen.

Ein freiheitliches und rechtsstaatliches System (ohne Todesstrafe!) wie in Deutschland, ist etwas, das man trotz mancher zu schluckender Kröten innerlich feiern sollte.
Es möge jede/r hier antreten, und ein besseres System dafür präsentieren...

Alles fließt…und darin darf durchaus auch Kritik an Gerichtsurteilen oder politischen/gesetzgeberischen Ist-Zuständen
miteingebunden sein. Wenn sich die Meinungsäusserungen allerdings nur noch in Vorkommnissen regelrecht festbeissen,
die nicht besonders gut oder sogar schlecht gelaufen sind, besteht die Gefahr, den Blick auf diesen Rechtsstaat und sein insgesamt
sehr positives Wirken zu verlieren.
Denn die notorisch berufenen Kritikmissionare eröffnen zwar gerne einen Thread über eine versagende Kuscheljustiz.
Aber keinen über die übergroße Vielzahl positiver Ergebnisse dieser Justiz und seines Rechtsstaatssystems.

Fazit:
Eine alte Wahrheit aus dem schreibenden Gewerbe lautet: "Only bad news are good news".
Und was anderes wollen wir doch auch gar nicht hören, oder?
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Re: Sammelstrang betreffend Kriminalität durch Deutsche

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 13. Jun 2018, 06:57

Eulenwoelfchen hat geschrieben:(13 Jun 2018, 06:59)

Das Problem bei oder für lebenslangen Freiheitsentzug durch Sicherungsverwahrung ist, dass diese im Anschluß
an eine Haftstrafe verhängt wird, und somit keine gerichtlich verhängte Strafe, oder neutraler, Sanktion für eine Verbrechenstat ist.
Hat jemand die Freiheitsstrafe verbüsst, ist nach gängiger Rechtsauffassung damit die Tat gesellschaftlich gesühnt und
es tritt der juristische Status des Unbescholtenen ein.
...
Fazit:
Eine alte Wahrheit aus dem schreibenden Gewerbe lautet: "Only bad news are good news".
Und was anderes wollen wir doch auch gar nicht hören, oder?

Selten einen so bedachten und vernünftigen Beitrag hier gelesen ... :thumbup:

Man sollte sich vielleicht auch mal die entsprechenden Verhältnisse in den USA zum Vergleich anschauen. Obwohl in einer Stadt wie New York die Gewaltkriminalität ab Mitte der 80er drastisch zurückging ist die Inhaftiertenquote in den USA ab Mitte der 80er förmlich explodiert. Und ist heute mit 666 pro 100 000 Einwohner die zweithöchste der Welt. Will man das haben? Es hängt vermutlich mit der Privatisierung des Strafvollzugs und der Entstehung einer Gefängnisindustrie zusammen. Einen realen Einfluss auf die tatsächliche Kriminalitätsbedrohung in der Gesellschaft hat all das wohl kaum.
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Re: Sammelstrang Kriminalität durch Deutsche

Beitragvon ThorsHamar » Mi 13. Jun 2018, 07:12

think twice hat geschrieben:(12 Jun 2018, 16:33)

Nun, ein Richter hat nicht zu bewerten, was haette passieren können, sondern was tatsächlich passiert ist.


Das stimmt so selbstverständlich nicht. Ein Richter muss immer den Gesamtkontext beachten, also die Entwicklung bis dahin, den Ist -Zustand und die möglichen Konsequenzen, die noch hätten passieren können.
Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft; wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit.
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Re: Sammelstrang Kriminalität durch Deutsche

Beitragvon relativ » Mi 13. Jun 2018, 07:19

ThorsHamar hat geschrieben:(13 Jun 2018, 08:12)

Das stimmt so selbstverständlich nicht. Ein Richter muss immer den Gesamtkontext beachten, also die Entwicklung bis dahin, den Ist -Zustand und die möglichen Konsequenzen, die noch hätten passieren können.

Kleine korrektur: Er muss natürlich nicht, er kann, natürlich besteht dabei immer die Gefahr, daß er von der einen oder anderen Seite gewisse Entscheidung um die Ohren gehauen bekommt, aber einen gewisse Freiheit bei der Einschätzung der Tat und der Bemessung der Strafe hat er selbstverständlich, wenn er sich dabei in den dafür vorgesehenden Strafrahmen bewegt.
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