Sammelstrang betreffend Kriminalität durch Deutsche

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relativ
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Re: Sammelstrang betreffend Kriminalität durch Deutsche

Beitragvon relativ » Do 14. Jun 2018, 14:29

Tom Bombadil hat geschrieben:(14 Jun 2018, 15:17)

Komparative Kritik an Urteilen ist nicht gleich "pauschale Abstrafung unseres Rechtssystems". Adios.


Derweil spazieren Mörder und Vergewaltiger mit Bewährungsstrafen aus dem Gerichtssaal.
Wo sind die Urteile? Adios.
Das Banale braucht man nicht zu schälen.
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schokoschendrezki
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Re: Sammelstrang betreffend Kriminalität durch Deutsche

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 15. Jun 2018, 07:35

Alexyessin hat geschrieben:(14 Jun 2018, 13:17)

Naja, ein Mörder, der nicht mehr frei kommt, der kann einfach keinen Mord mehr begehen. Das ist doch Tom´s Grundaussage.


Das dürfte wohl niemand bezweifeln, der noch bei Verstand ist.

Für die Gesamtgesellschaft ist jedoch entscheidend, wie die Gesamtgewaltkriminalität von der Gesamtjustizstrenge abhängt. Die Frage ist komplizierter als man erstmal denkt. Allgemein ist Justizvollzug in modernen, aufgeklärten Gesellschaften eher präventiv angelegt. In die Zukunft gerichtet. Nicht mehr einfach nur Vergeltung und Rache für Vergangenes. Auf der anderen Seite: Diese präventive Ausrichtung ist zumindest potenziell totalitär.
Seit Ende des 19. Jahrhunderts scheint die "moderne", präventive Richtung mehr und mehr zu obsiegen. Der NS-Ideologie kam sie außerordentlich gelegen. Diese hat sie nach Kräften gefördert. Denn "Prävention" bedeutet Vorsorge, Vorsorge verlangt Kontrolle, Kontrolle ist ihrem Wesen nach unbeschränkt, unbegrenzt – totalitär. Wenn es möglich wäre, in die Gehirne aller Bürger hineinzuschauen und die Gefährlichen von den Ungefährlichen schon vorab zu unterscheiden: Warum sollte man das nicht tun?
https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-03/schuld-suehne-schuldausgleich-und-abschreckung-fischer-im-recht/seite-3
Es muss also unweigerlich ein Kompromiss gefunden werden zwischen Gefahrenvermeidung und Totalüberwachung. Typischerweise wird in Diskussionen häufig nur die eine Seite dargestellt: "Dieser Scheißstaat lässt potenzielle Mörder frei herumlaufen". Das wäre die rechtsphilosophische Seite des Problems.

Auf der anderen Seite gibt es ja auch empirische Sozialwissenschaft. Die ganz direkt über statistische Methoden die Auswirkung von üblichem Strafmaß auf reale Gewaltkriminalität untersucht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es da keine monoton fallende Abhängigkeit gibt, sondern irgendwo ein Optimum. Dass man also ab einem gewissen Punkt Strafandrohung noch so viel verschärfen kann, ohne dass es irgendeinen Effekt auf die durchschnittliche Gewaltkriminalität hat. Das wäre die wissenschaftliche Seite des Problems.

Was wir heute in Medien und sozialen Netzen erleben, ist vor allem die Heraushebung von Einzelfällen. Das ist ja jedem bekannt und trivial. Auf der Bildzeitung-Titelseite erscheint in Riesenlettern irgendein spektakulärer Fall. UNd es werden anhand dieses einen konkreten Falls sofort alle möglichen Schlussfolgerungen gezogen. Wenn man aber bedenkt, dass in jüngerer Zeit in Deutschland jedes Jahr allein schon etwas über 100 Kinder als Folge von Misshandlung oder sogar durch eine vorsätzliche Tötung sterben ... dann stößt man unweigerlich auf diese Diskrepanz zwischen medial "verwerteter" und tatsächlicher Kriminalität. Das wäre die politische Seite des Problems.
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Tom Bombadil
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Re: Sammelstrang betreffend Kriminalität durch Deutsche

Beitragvon Tom Bombadil » Fr 15. Jun 2018, 09:07

Und wieder wird die Nazikeule geschwungen und Strohmänner wie "Scheißstaat" ausgeschwitzt, wieder wird von "Prävention", "Vergeltung" und "Rache" und "potenziellen Mördern" fabuliert und wieder sind die Opfer keiner Erwähnung wert, wohl aber die Betonung der Einzelfälle. Wenn ein Mörder oder Kinderficker zwei- oder mehrmals zuschlägt, dann ist es eben kein Einzelfall mehr, siehe Christian L. einschlägig polizei- und justizbekannt, es war mW. sogar bekannt, dass er trotz Verbotes wieder Umgang mit einem Kind, seinem späteren Opfer, hatte.
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Re: Sammelstrang betreffend Kriminalität durch Deutsche

Beitragvon Eulenwoelfchen » Fr 15. Jun 2018, 09:09

schokoschendrezki hat geschrieben:(15 Jun 2018, 08:35)

Das dürfte wohl niemand bezweifeln, der noch bei Verstand ist.

Für die Gesamtgesellschaft ist jedoch entscheidend, wie die Gesamtgewaltkriminalität von der Gesamtjustizstrenge abhängt.
...Diese präventive Ausrichtung ist zumindest potenziell totalitär.
...Das wäre die rechtsphilosophische Seite des Problems.

Auf der anderen Seite gibt es ja auch empirische Sozialwissenschaft. ...
...Dass man also ab einem gewissen Punkt Strafandrohung noch so viel verschärfen kann, ohne dass es irgendeinen Effekt auf die durchschnittliche Gewaltkriminalität hat. Das wäre die wissenschaftliche Seite des Problems.

Was wir heute in Medien und sozialen Netzen erleben, ist vor allem die Heraushebung von Einzelfällen. …Das wäre die politische Seite des Problems.


Sehr guter Beitrag, Herr schokoschendrezki!


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Der User, Herr Tom Bombadil meint, immer missverstanden zu werden, ohne sich auch nur einen Fußbreit auf Folgen einzulassen, die seine Forderungen
nach Strafverschärfung und einem sicherstellenden Status bedeuten würden= dass man gewisse Straftaten nur einmal begehen können "solle". Wie eben Kindsmissbrauch, Vergewaltigung
oder Mord.

Im weitergehenden Schluß seiner Meinung heisst das, dass man entweder solche TäterInnen beim gerichtsfestgestellten Beweis automatisch - entweder nach
Verbüßung der eigentlichen Strafe, mit der dann das Verbrechen an sich gesühnt ist, in lebenslange und irreversible Sicherungsverwahrung kommt. Damit eine Strafe
für das Verbrechen automatisch und faktisch "lebenslangem" zu tatsächlichem Freiheitsentzug umgewandelt. Ohne jede Chance auf Resozialisierung, Rehabilitation, Einsicht und Reue eines Täters/in, z.B. infolge von Therapie usw.

Entsprechend könnte man diesen reinen Strafansatz, für den Herr Bombadil sehr eifrig plädiert, um damit eine Wiederholungstat ein für allemal wasserdicht auszuschließen,
darum geht es ihm ja seinen Ausführungen nach vor allem, gleich mit einer Änderung des Strafmaßes für Verbrechen wie Mord, Vergewaltigung oder Kindsmissbrauch auf
echtes "lebenslang" ändern. Das wäre dann in etwa die humane Todesstrafe, ohne den Täter/die Täterin hinrichten zu müssen.

Natürlich kann man im positiv gemeinten Sinne eines maximalen oder optimierten Bestrafungsschutzes, der weiteres Ungemach durch solche Taten ausschließt,
eine Lösung sehen.

Vergessen wird allerdings oftmals, dass man damit nur einen kleinen Teil jener Gewaltverbrechen verhindern könnte. Denn sowohl Kindsmissbrauch als auch
andere Gewaltdelikte wie Vergewaltigung oder Mord sind nicht wirklich ein Problem der Wiederholungstäter, sondern - leider - sehr oft (und natürlich viel zu oft) Erstaten. Von tickenden
Zeitbomben, die tagtäglich unter uns weilen, ohne das wir das ahnen...bis sie austicken. Besonders Kindsmissbrauchsfälle geschehen ja meistens im
engeren Umfeld von Familien - und Freundeskreis. Also in einem Umfeld, in dem man zunächst solche Täter am wenigsten vermutet oder vermuten will…

Der totale Schutz nach Lesart von Herrn Bombadil ist eine Illusion, die der umsetzbaren Realität immer hinterherhinken wird, so gut sie gemeint sein mag.
Am Ende steht ein totalitaristisch ausgeriechtete Gesellschaft und Strafjustiz. Und damit auch die Frage, inwieweit hier ein Rechtsstaat seine humanistische
und ethische Wertebasis schleift. In einer law-and-order Überreaktion all die zivilisatorischen Übereinkünfte zu Freiheit, Menschen- und Bürgerrechten
einem Schutz opfert, der keiner ist oder nur einen sehr kleinen Teil abdeckt, während Gewaltverbrechen durch Ersttaaten und damit verbundenes Leid für die Opfer und deren
Angehörige die Mehrheit der Fälle ausmachen und damit nicht verhindert werden können.

Um es deutlich zu machen, die Forderung nach ewigem Wegsperren bei gewissen Gewaltverbrechen, um Wiederholungstaten zu verhindern, pauschal einzuführen,
ohne jede Rehabilitationschance, lehne ich ab. Nicht jedoch die jetzt schon mögliche Sicherungsverwahrung bei nachweislich besonders gefährlichen
Tätern, deren sorgfältige Überprüfung einfach solche Schutzmaßnahmen notwendig macht. Was im übrigen schon geschieht und angewandt wird.
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Re: Sammelstrang betreffend Kriminalität durch Deutsche

Beitragvon Tom Bombadil » Fr 15. Jun 2018, 09:20

Eulenwoelfchen hat geschrieben:(15 Jun 2018, 10:09)

Der totale Schutz nach Lesart von Herrn Bombadil...

Deine bösartigen Unterstellungen reichen mir jetzt. EOD.

Wer meint, dass gerade der sexuelle Missbrauch von Kindern lediglich Einmaltaten wären oder "nur" an einem Opfer - dafür aber über lange Zeiträume - verübt würden, der hat sowieso keinen blassen Schimmer von der Materie, über die er hier lang und breit pseudointellektuell schwadroniert.
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Re: Sammelstrang betreffend Kriminalität durch Deutsche

Beitragvon Polibu » Fr 15. Jun 2018, 09:23

Im Migranten- und Flüchtlingsstrang kommen dauernd neue Taten zum Vorschein. Hier ist es irgendwie still. Bis auf eine Diskussion über das Rechtssystem kommt hier ja nicht viel bei rum.
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Re: Sammelstrang betreffend Kriminalität durch Deutsche

Beitragvon Ammianus » Fr 15. Jun 2018, 10:02

Mal kurz was zum Mord und Mördern. Mörder sind in der Regel keine Kriminellen und wohl in den meisten Fällen Ersttäter. Die Rückfallquote ist sehr gering und bezieht sich dann auf Leute aus entsprechende Milieus. Mir scheint, dass wie es bei uns gehandhabt wird, schon die beste Art und Weise ist. Kommt man zu dem Schluss, dass der Straftäter weiter eine permanente Gefahr für seine Mitmenschen ist, dann kann Sicherheitsverwahrung angewandt werde. Diese aber ist, Menschen können sich änder und Gutachter irren, regelmäßig überprüft wird.

Hier allerding ist das so eine Sache, die sich über viele Jahrzehnte hinzieht:

https://www.daserste.de/information/rep ... g-100.html
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Re: Sammelstrang betreffend Kriminalität durch Deutsche

Beitragvon Eulenwoelfchen » Sa 16. Jun 2018, 11:07

Tom Bombadil hat geschrieben:(15 Jun 2018, 10:20)

Deine bösartigen Unterstellungen reichen mir jetzt. EOD.

Wer meint, dass gerade der sexuelle Missbrauch von Kindern lediglich Einmaltaten wären oder "nur" an einem Opfer - dafür aber über lange Zeiträume - verübt würden, der hat sowieso keinen blassen Schimmer von der Materie, über die er hier lang und breit pseudointellektuell schwadroniert.


Zuerst einmal: Wir duzen uns nicht. Und das verbitte ich mir auch bei jemanden wie Ihnen, der mangels Argumentationsarmut
dann einfach ins Persönliche in leicht raunzender Tonart ausweicht. Was meinen Informationsstand der "Materie" angeht, ich spreche lieber von komplizierten, komplexen Zusammenhängen,
mache ich mir keine Sorgen bezüglich Ihrer Feststellung. Ich weiss aber eines, dass ich Sie nicht kenne, und umgekehrt. Und Sie entsprechend gar nicht in der Lage sind,
über meinen Informationshintergrund und -stand zu urteilen. Es sei denn, man will von der Sachebene einfach mal ins persönlich Deminuierende abdriften. Warum auch immer...

Zur Sache selbst:
Ich unterstellte Ihnen gar nichts. Lesen Sie doch einfach mal in Ruhe nach, was Sie wie geschrieben hatten. Und was da im Besonderen Ihr Anliegen war.
Bei dem Sie sich - besonders durch mich - unverstanden oder missverstanden fühlten.
Dann werden Sie - hoffentlich - auch Ihre eigenen Widersprüche zu dem erkennen, das Sie in obig zitierten Beitrag beschreiben.

Guten Tag!
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Re: Sammelstrang betreffend Kriminalität durch Deutsche

Beitragvon Teeernte » Sa 16. Jun 2018, 12:03

Eulenwoelfchen hat geschrieben:(15 Jun 2018, 10:09)

Sehr guter Beitrag, Herr schokoschendrezki!

Um es deutlich zu machen, die Forderung nach ewigem Wegsperren bei gewissen Gewaltverbrechen, um Wiederholungstaten zu verhindern, pauschal einzuführen,
ohne jede Rehabilitationschance, lehne ich ab. Nicht jedoch die jetzt schon mögliche Sicherungsverwahrung bei nachweislich besonders gefährlichen
Tätern, deren sorgfältige Überprüfung einfach solche Schutzmaßnahmen notwendig macht. Was im übrigen schon geschieht und angewandt wird.


Besonders hervorzuheben....der Versuch einiger Splitterparteien...und Lobbyisten - das Schutzalter abzusenken.

Als Schutzalter wird das Alter bezeichnet, ab dem eine Person juristisch als einwilligungsfähig bezüglich sexueller Handlungen angesehen wird. Sexuelle Handlungen mit Personen unterhalb des Schutzalters werden dem Grundsatz nach strafrechtlich verfolgt.
. https://de.wikipedia.org/wiki/Schutzalter


Und am Ende des Tages lässt sich auch die linke Protesttussi oft eher vom mehrfach verurteilten Gewalttäter im Auto abholen, als mit dem dreckigen Hippie auf seinem Blümchenfahrrad in die versiffte WG zu fahren.
. https://www.helalbeauty.de/index.php/20 ... kinderehe/
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: Sammelstrang betreffend Kriminalität durch Deutsche

Beitragvon Tom Bombadil » Sa 16. Jun 2018, 12:07

Eulenwoelfchen hat geschrieben:(16 Jun 2018, 12:07)

Ich unterstellte Ihnen gar nichts.

Selbstverständlich unterstellst du mir etwas, zB. dass ich den "totalen Schutz" wolle, um anschließend gegen deinen eigenen Strohmann zu Felde zu ziehen.

Dir auch einen guten Tag!
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