Die polizeiliche Kriminalstatistik

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jack000
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Die polizeiliche Kriminalstatistik

Beitragvon jack000 » Sa 13. Feb 2016, 18:54

Die polizeiliche Kriminalstatistik als Werkzeug in der Politik, Bsp. Baden-Württemberg:
Das Innenministerium will Kriminalstatistik nach derzeitigem Plan erst kurz nach Landtagswahl veröffentlichen.

Stuttgart - Die oppositionelle CDU-Landtagsfraktion fordert von Innenminister Reinhold Gall (SPD) eine rasche Bekanntgabe der aktuellen Zahlen zur Kriminalitätsentwicklung für den Südwesten. „Wir verlangen von Innenminister Gall, dass er die Bevölkerung noch vor der Landtagswahl umfassend über die Sicherheitslage im Land unterrichtet“, sagte der innenpolitische Sprecher der Fraktion, Thomas Blenke, in Stuttgart.

Dass Gall die polizeiliche Kriminalstatistik für 2015 erst nach der Landtagswahl veröffentlichen wolle, sei ein „billiger Wahlkampftrick“. Die Gesamtzahl der Straftaten sei im vergangenen Jahr um 3,8 Prozent gestiegen, erklärte der CDU-Politiker unter Berufung auf ihm vorliegende Daten.

Das Innenministerium will die landesweiten Zahlen voraussichtlich zwischen Mitte und Ende März in der Öffentlichkeit vorstellen, wie ein Sprecher sagte. Dies entspreche der bisherigen Praxis. „Die Polizei benötigt eine gewisse Zeitdauer, um nacherfasste Rohdaten auszuwerten und die Daten aufzuarbeiten.“ In Kreisen der Polizei gibt es Unmut über dieses Vorgehen. Ende Januar hatte Gall nur die Daten über die Zahl der Wohnungseinbrüche bekannt gegeben. Die Ermittler zählten demnach im vergangenen Jahr in diesem Bereich 12 255 Fälle; der Wert markiert den ersten Rückgang nach acht Jahren.

Viele Zahlen seien alarmierend, sagte Blenke. Nach seinen Angaben gab es unter anderem eine Zunahme bei Straftaten wie gefährlicher oder schwerer Körperverletzung, Ladendiebstahl oder Taschendiebstahl.

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhal ... ac677.html

Ist der Kriminalstatistik überhaupt zu trauen? Sie kann ja niemals die tatsächliche Anzahl an Straftaten wiedergeben sondern halt nur den Teil, der als Straftaten bekannt ist/angezeigt wurde.
Werden mit einer geschönten Statistik Beruhigungspillen an die Bevölkerung verteilt oder mit Steigerungen unnötig Angst verbreitet?
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Pit Potter
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Re: Die polizeiliche Kriminalstatistik

Beitragvon Pit Potter » Sa 13. Feb 2016, 18:56

Man sieht: die Gegenmaßnahmen gegen die Einbruchskriminalität zeigen zumindest minimal Wirkung.

Besser als nichts.
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jack000
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Re: Die polizeiliche Kriminalstatistik

Beitragvon jack000 » Sa 13. Feb 2016, 20:29

Pit Potter hat geschrieben:(13 Feb 2016, 18:56)

Man sieht: die Gegenmaßnahmen gegen die Einbruchskriminalität zeigen zumindest minimal Wirkung.

Besser als nichts.

Es ist bei Einbrüchen zumindest davon auszugehen, dass ein jeder Einbruch angezeigt wird. Daher sollte diese Statistik stimmen.
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Re: Die polizeiliche Kriminalstatistik

Beitragvon Päule0815 » Sa 13. Feb 2016, 20:59

jack000 hat geschrieben:(13 Feb 2016, 18:54)


Ist der Kriminalstatistik überhaupt zu trauen? Sie kann ja niemals die tatsächliche Anzahl an Straftaten wiedergeben sondern halt nur den Teil, der als Straftaten bekannt ist/angezeigt wurde.
Werden mit einer geschönten Statistik Beruhigungspillen an die Bevölkerung verteilt oder mit Steigerungen unnötig Angst verbreitet?



Ich bin ein wenig irritiert. Hast du die Erwartungshaltung, dass eine seriöse Statistik mehr als die TATSÄCHLICHE Anzahl hergibt?

Die PKS ist gar nicht so schlecht, wenn man sie lesen kann.
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Re: Die polizeiliche Kriminalstatistik

Beitragvon Julian » Fr 3. Feb 2017, 22:14

jack000 hat geschrieben:(13 Feb 2016, 18:54)

Die polizeiliche Kriminalstatistik als Werkzeug in der Politik, Bsp. Baden-Württemberg:

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhal ... ac677.html

Ist der Kriminalstatistik überhaupt zu trauen? Sie kann ja niemals die tatsächliche Anzahl an Straftaten wiedergeben sondern halt nur den Teil, der als Straftaten bekannt ist/angezeigt wurde.
Werden mit einer geschönten Statistik Beruhigungspillen an die Bevölkerung verteilt oder mit Steigerungen unnötig Angst verbreitet?


Ich befürchte so langsam, dass die PKS nicht zuletzt zur Verarschung der Bürger dient.

Die meisten Taten aus der Silvesternacht seien aber erst gar nicht in die Kriminalstatistik eingeflossen, weil es sich hier nicht um so genannte „Opferdelikte“ handele, erklärte Innenminister Ralf Jäger (SPD). Opferdelikte beeinflussten das Sicherheitsgefühl der Bürger im besonderen Maße, zum Beispiel Gewalt, Einbrüche und Vergewaltigungen. Bei der überwiegenden Anzahl der Taten in der Silvesternacht handele es sich aber um Taschendiebstähle und Beleidigungen auf sexueller Grundlage.

http://www.general-anzeiger-bonn.de/new ... 80806.html

Die PKS ist also lediglich als Minimum zu betrachten - bzw. als das Maximum, das politisch korrekt zugegeben werden kann. Mit der Realität hat die PKS nur indirekt zu tun, keinesfalls in einem proportionalen Verhältnis.
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Re: Die polizeiliche Kriminalstatistik

Beitragvon Joker » Fr 3. Feb 2017, 22:29

Das mit den "Opferdelikten" zu Sylvester in Köln kapier ich nicht

Was soll das heißen ,das es da keine Opfer gab und wo kein Opfer natürlich auch kein Täter ?
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Re: Die polizeiliche Kriminalstatistik

Beitragvon Julian » Fr 3. Feb 2017, 23:01

Joker hat geschrieben:(03 Feb 2017, 22:29)

Das mit den "Opferdelikten" zu Sylvester in Köln kapier ich nicht

Was soll das heißen ,das es da keine Opfer gab und wo kein Opfer natürlich auch kein Täter ?


Ich habe es auch nicht verstanden. Im wesentlichen geht es wohl darum, die Statistik zu beschönigen, indem man eine große Anzahl von Delikten nicht erfasst.
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Re: Die polizeiliche Kriminalstatistik

Beitragvon immernoch_ratlos » Sa 4. Feb 2017, 16:28

Schön mal wieder etwas als zweifelhaft darzustellen, was allein durch die Masse der dargebotenen Daten eine persönlichen Überprüfung eher unmöglich macht. Hier ist Vertrauen angesagt. Eine schöne Gelegenheit für die konkurrierenden Parteien, Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit der "Konkurrenz" zu schüren. :mad:

Ein "Bärendienst" an der Demokratie. Sicher freudig aufgegriffen von rechts-gedrehten Parteien mit eher wenig demokratischen Absichten. Wie umfangreich allein das Informationsangebot ist zeigt diese BKA Seite Wer will da noch von sich behaupten, alles wenigstens ansatzweise zu verstehen ?

Das KrimLEX - Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) benötigt schon mal 1.234 Wörter um einen "Überblick zu verschaffen" - lesenswert, weil dort auf die unterschiedlichen Problemfelder erklärend und durchaus kritisch eingegangen wird.

Wer viel freie Zeit hat, kann sich mal durch diese 135 Seiten arbeiten : "]PKS 2015 - des Bundesministeriums des Innern - Bund.de" PDF-Download (startet automatisch)

Was die "Verarschung der Bürger" angeht, dazu müssten ja erst einmal ALLE "zu verarschenden Bürger" diese 135 Seiten lesen und auch eine sehr fremde Thematik verstehen - doch die "verlassen" sich lieber auf die üblichen Kandidaten (die zwar auch nicht lesen), aber das Verarschung gerne selbst und vollkommen "freihändig" übernehmen. Je nach politischem Gusto können nahezu beliebige Aufbauschungen oder Tatsachenverdrehungen den Bürger deutlich besser verarschen, als dies eine solide Statistik zu diesem Thema je könnte :dead:

Schade nur, wenn das aus den Reihen der demokratischen Parteien geschieht, die spätestens nach erfolgreicher Wahl genau das gleiche Problem haben - nun ihrerseits diese (dann "ihre") Statistiken - oh Wunder plötzlich als "vertrauenswürdig" darstellen müssen :mad:

Im übrigen bin ich sicher, die noch existierenden Probleme - zwischen den unterschiedlichen Deliktarten und dem was oft Jahre später "juristisch abschließend" daraus wird :

    Folgende Delikte werden begrifflich unterschieden:
  • Offizialdelikte
  • Antragsdelikte
  • Ermächtigungsdelikte
  • Erfolgsdelikte
  • Privatklagedelikte
  • Gefährdungsdelikte
  • Begehungsdelikte
  • Tätigkeitsdelikte
  • Unterlassungsdelikte
  • Dauerdelikte.
  • Unternehmensdelikte


auch nur annähernd fachlich korrekt zu unterscheiden, ist etwas, was ich weder dem üblichen Politiker und schon gar nicht den rechts- bzw. linksgedrehten "Wutbürgern" und ihren Lenkern zutraue. Kein Wunder also, wenn jemand ohne hinreichende Spezialkenntnisse "etwas nicht versteht". Besonders, wenn der Wille etwas "misszuverstehen" das Hauptmotivation ist.

Hier noch die Antwort auf die
Quelle hat geschrieben:Kleine Anfrage 5113 der Abgeordneten Ina Scharrenbach der Fraktion der CDU „Monatliche Veröffentlichung von PKS-Daten: Wo sind die Übergriffe gegen Frauen aus der Kölner Silvesternacht bilanziert? , LT-Drs. 16/12882
Eigentlich verständlich :
In der PKS werden Informationen zu Opfern nur bei den sogenannten Opferdelikten erfasst. Hierzu zählen Straftaten gegen höchstpersönliche Rechtsgüter (Leben, körperliche Unversehrtheit, Freiheit, Ehre, sexuelle Selbstbestimmung). In den anderen Deliktsbereichen werden statistisch keine Informationen zu Opfern erfasst.

Bei der überwiegenden Anzahl der Taten der Silvesternacht in Köln handelte es sich strafrechtlich um Taschendiebstähle und Beleidigungen auf sexueller Grundlage. Beide Delikte sind statistisch keine sogenannten Opferdelikte. Damit stehen die mit der Anfrage erbetenen Informationen zur statischen Recherche nicht zur Verfügung.


Sollte jeder mit Volksschul- bzw. Hauptschulabschluss gerade noch verstehen - KEIN "Opferdelikt" KEINE statistische Erfassung der Opfer solcher Straftaten.

Wenn "Opferdelikt"(Leben, körperliche Unversehrtheit, Freiheit, Ehre, sexuelle Selbstbestimmung), dann statistische Erfassung (auch) der Opfer eben dieser Deliktarten.

Das mag ja nun jenseits des bloßen Verstehens des Sachverhalts, noch andere Forderungen - Wünsche - was auch immer - wecken, aber wenn etwas entlang der normalen Praxis verwirklicht wurde, ist das eben keine Verarschung. Klar, wenn etwas der geliebten Verschwörungstheorie nicht folgt, dann ist alles noch viel schlimmer...
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Re: Die polizeiliche Kriminalstatistik

Beitragvon Joker » Sa 4. Feb 2017, 16:36

immernoch_ratlos hat geschrieben:(04 Feb 2017, 16:28)



Wenn "Opferdelikt"(Leben, körperliche Unversehrtheit, Freiheit, Ehre, sexuelle Selbstbestimmung), dann statistische Erfassung (auch) der Opfer eben dieser Deliktarten.

Also gibt schon Opfer
Aber auch nicht weil irgendwelche verrückten Rechtsverdreher ein Opferdelikt ohne Opfer sehen

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