Antisemitismus

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Re: Antisemitismus

Beitragvon schokoschendrezki » Di 28. Aug 2018, 22:00

Die Frage für mich ist, ob religiöse Texte aus ferner Zeit und gleich welcher Art nicht auch schon zu jenen fernen Zeiten einfach solche propagandistischen Rechtfertigungsideologien waren. Immer schon. Und dass sie nur im Laufe der Jahrhunderte aus nachvollziehbaren Machtbefestigungswünschen zu kanonischen Lehren gemacht wurden, die uns heute als "Kulturen" vorgeführt werden.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Zunder » Di 28. Aug 2018, 22:03

Wenn du jetzt noch herausfindest, daß der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und Iran ein innerislamischer Hegemonie-Konflikt ist und mit Antisemitismus nicht einmal ansatzweise etwas zu tun hat, könntest du auch vielleicht auch wieder zum Thema zurückkehren.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon schokoschendrezki » Di 28. Aug 2018, 22:17

Zunder hat geschrieben:(28 Aug 2018, 23:03)

Wenn du jetzt noch herausfindest, daß der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und Iran ein innerislamischer Hegemonie-Konflikt ist und mit Antisemitismus nicht einmal ansatzweise etwas zu tun hat, könntest du auch vielleicht auch wieder zum Thema zurückkehren.

Dieser Konflikt hat trivialerweise und uanbweisbarerweise etwas mit Antisemitismus zu tun. Da das zwischenstaatliche Verhältnis zwischen S.A., Iran und Israel und die ganze Machtbalance und die außenpolitischen Interessen (in alle Richtungen, USA, Russland, Türkei, Europa usw. usf,.) dabei eine Rollen spielen. Aber genau da sind wir endlich bei Relevantem. Nämlich bei politischen Entscheidungsmöglichkeiten, Wahlmöglichkeiten, Handlungsoptionen.

Denn das primäre Problem besteht in der Bedrohung des Staats Israel und der Bedrohung jüdischer Menschen in der Welt und nicht in der akademischen Korrektheit oder Nichtkorrektheit der Interpretation antisemitischer Verhaltensmuster in Abhängigkeit von religiösen Geprägtheiten.
Zuletzt geändert von schokoschendrezki am Di 28. Aug 2018, 22:24, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Zunder » Di 28. Aug 2018, 22:23

Der Antisemitismus spielt im Verhältnis zwischen Saudi-Arabien und Iran definitiv keine Rolle.
Es wird immer hanebüchener.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon schokoschendrezki » Di 28. Aug 2018, 22:38

Zunder hat geschrieben:(28 Aug 2018, 23:23)

Der Antisemitismus spielt im Verhältnis zwischen Saudi-Arabien und Iran definitiv keine Rolle.

Uff. Na das glaube ich aber nun wirklich nicht. Die Frage ist nur eben nicht plakativ zu beantworten sondern vermutlich etwas komplizierter. Ideologischer Antisemitismus stand noch bis vor kurzem im Lehrplan saudi-arabischer Schulen. Und gerade diese Wende wäre politisch, außenpolitisch eigentlich genau zu analysieren. Was sich da eigentlich hinter den Kulissen abspielt. Welches innen- und außenpolitische Machgerangel. Welche Gruppen Oberhand gewinnen. Wie die diplomatischen Neuverknüpfungen z.B. im Zuge des Machtwechsels in den USA aussehen.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Zunder » Di 28. Aug 2018, 22:44

schokoschendrezki hat geschrieben:(28 Aug 2018, 23:00)

Die Frage für mich ist, ob religiöse Texte aus ferner Zeit und gleich welcher Art nicht auch schon zu jenen fernen Zeiten einfach solche propagandistischen Rechtfertigungsideologien waren. Immer schon. Und dass sie nur im Laufe der Jahrhunderte aus nachvollziehbaren Machtbefestigungswünschen zu kanonischen Lehren gemacht wurden, die uns heute als "Kulturen" vorgeführt werden.

Jede Ideologie ist eine Rechtfertigungsideologie. Was denn sonst?
Allerdings ist eine Ideologie keine Kultur. Sie ist allenfalls ein Teil der Kultur.
Und so wie Kulturen die Entstehung bestimmter Ideologien ermöglichen, wirken umgekehrt Ideologien auf Kulturen ein. Der Marxismus konnte nur infolge der Aufklärung entstehen. Umgekehrt sind die Veränderungen z.B. in der chinesischen Kultur ohne Marxismus (resp. Maoismus) gar nicht denkbar.
Diese wechselseitigen Überschreitungen philosophischer, ideologischer und kultureller Grenzen ermöglichen überhaupt erst so etwas wie Fortschritt. Sie können allerdings auch zu üblen Regressionen führen.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Ammianus » Di 28. Aug 2018, 22:52

schokoschendrezki hat geschrieben:(28 Aug 2018, 22:40)

Gut. Oder Schlecht. Humor war nun wirklich absolut nicht die Stärke von SED-Parteikadern. Aber du sagst es doch selbst. Und es ist ja inzwischen auch allgemein bekannt, Es gab - wie überall im sogennannten Ostblock - einen Machtkampf von Clicken. Und das war das, was sich eigentlich abspielte. Innerhalb der DDR wie auch innerhalb des damaligen Ostblocks. Du hast insofern recht: Aus der Verlogenheit, Oberflächlichkeit, WIdersprüchlichkeit und Phrasenhaftigkeit offizieller Programmdokumente lässt sich schon ablesen, dass hinter der "Ideologie fürs Volk" im wesentlichen Nichts und insofern die Instrumentalisierung solcher ideologischen Kampfbegriffe von seiten der verschiedenen Machtgruppen stand. Und die Frage im Zusammenhang mit dem Thema hier ist eben, ob das von seiten solcher Organisationen wie der Hisbollah, der Hamas, der iranischen Regierungskreise bzw. Religionsführer nicht ganz ähnlich ist.

Der Konflikt zwischen Saudi Arabien und Iran hat ganz wesentlich mit den Ereignissen im Zusammenhang mit der Shah-Hinwegfegung 1979 durch islamische Geistliche zu tun. Dem saudischen Königreich wurde schlagartig bewusst, dass die gewaltsame Absetzung eines "Königshauses" möglich ist. Für wirklich fanatische Muslime war das saudische Königshaus der Teufel. Dann drehte sich die Politik dieses Königshauses opportunistisch in Richtung strenger Islam. Und jetzt unlängst gab es die sogenannte Prinzen-Entmachtung in Saudi-Arabien, bei der von wenigen Einzelpersonen eine geradezu unfassbare Milliardensumme von Dollars beschlagnahmt wurde. Das alles sicher nur schlaglichtartig. Aber das sind die eigentlichen politischen Vorgänge. Die wirklich relevanten. Auch in Hinsicht auf Antisemitismus und das Verhältnis zu Israel. Wo ist da jetzt der Koran und der Prophhet Mohammed? Glaubst du im ernst, ein Erich Mielke hat je mehr als zwei drei Seiten zusammenhängend aus dem Kapital gelesen? Aber die Öffentlichkeit stürzt sich auf Kopftuchmädchen in Düsseldorf. So als würde man das DDR-Pioniertuch als zentrales Symbol für Stasi-Verfolgung, DDR-Unrechtssystem und Clickenwirtschaft brandmarken.

Die Öffentlichkeit will nicht Zusammenhänge erkennen wollen sondern sich von "Kulturen" abgrenzen.


Eh die Sache zerfasert sollten wir beim eigentlichen Thema bleiben, nämlich dem originären islamischen Antisemitismus der sich sowohl aus Koran, Leben Mohameds sowie natürlich auch dem Nahostkonflikt ergibt. Ich habe besonders auf den 2. Aspekt verwiesen. Deine Ausführungen zum Konflikt zwischen den Saudis und der IRI zeigen, dass deine Kenntnisse dann doch etwas begrenzt sind. Denn das Zusammengehen des saudischen Herrscherclans mit der dortigen Islamauslegung reicht bis an deren Wurzeln zurück. Darüber solltest du dich informieren wie eben auch über die Ereignisse - wie real sie auch immer gewesen sein mögen, darauf habe ich auch verwiesen - in Jathrib, dem heutigen Medina. Auch wurde der Sha nicht durch "islamische Geistliche" gestürzt sondern es war schon eine Revolution von großen Teilen des Volkes getragen. Der Klerus, übrigens in dieser Form eine iranische Besonderheit, war nur daran beteilgt und setzte sich dann an die Spitze. Gewisse Parallelen finden sich da zu Russland, wo die Bolschewiki eine Revolution auf ihre Art weiter führten. Und nicht zu vergessen dabei ist der universale Anspruch des iranischen Klerus unter Khomeini und auch noch heute, die Ummah zu führen und zwar weltweit. Zwar unrealistisch, von den Saudis aber schon damals als direkte Bedrohung empfunden.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Zunder » Di 28. Aug 2018, 22:53

schokoschendrezki hat geschrieben:(28 Aug 2018, 23:38)

Uff. Na das glaube ich aber nun wirklich nicht. Die Frage ist nur eben nicht plakativ zu beantworten sondern vermutlich etwas komplizierter. Ideologischer Antisemitismus stand noch bis vor kurzem im Lehrplan saudi-arabischer Schulen. Und gerade diese Wende wäre politisch, außenpolitisch eigentlich genau zu analysieren. Was sich da eigentlich hinter den Kulissen abspielt. Welches innen- und außenpolitische Machgerangel. Welche Gruppen Oberhand gewinnen. Wie die diplomatischen Neuverknüpfungen z.B. im Zuge des Machtwechsels in den USA aussehen.

Der Antisemitismus könnte im Verhältnis zwischen Saudi-Arabien und Iran allenfalls eine Rolle spielen, wenn er als Basis für eine Verständigung zwischen den Ländern benutzt wird - so wie der schiitische Iran die sunnitische Hamas ja nicht aufgrund religiöser Harmonie unterstützt.
Im ideologischen und territorialen Machtgerangel bleibt der Jud' außen vor. Er wäre da auch völlig fehl Platz l.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 29. Aug 2018, 06:47

Zunder hat geschrieben:(28 Aug 2018, 23:53)

Der Antisemitismus könnte im Verhältnis zwischen Saudi-Arabien und Iran allenfalls eine Rolle spielen, wenn er als Basis für eine Verständigung zwischen den Ländern benutzt wird - so wie der schiitische Iran die sunnitische Hamas ja nicht aufgrund religiöser Harmonie unterstützt.
Im ideologischen und territorialen Machtgerangel bleibt der Jud' außen vor. Er wäre da auch völlig fehl Platz l.


Nicht doch.
Im eskalierenden Konflikt mit dem Iran erhält Israel öffentlichen Beistand von ungewohnter Seite: Per Twitter betonte der Außenminister des Golfstaates Bahrain, Scheich Khalid al Khalifa, nach dem israelisch-iranischen Schlagabtausch der vergangenen Tage, der jüdische Staat habe das Recht auf Selbstverteidigung. Israel dürfe die „Quelle der Gefahr“ bekämpfen, unterstrich der Minister.

Da das kleine Bahrain häufig als Sprachrohr des großen Nachbarn Saudi-Arabien fungiert, ist die Unterstützungsbekundung für Israel mehr als nur die Einzelmeinung eines Ministers. Israel und Saudi-Arabien rücken enger zusammen, sehr zur Freude der USA. Doch die Annäherung hat auch ihre Grenzen.

Der neue Hauptfeind heißt Teheran

Und die neue Allianz im Nahen Osten heißt offenbar USA, SA, Israel. Und noch 2010 war Antisemitismus und Israelhass obligatorischer Schulstoff in Saudi Arabien. Auch wenn das Land seit langem eine Vermittler-Rolle spielt oder zu spielen vorgibt. Nur ein Beispiel dafür, wie Antisemitismus im Nahen Osten opportunistisch, taktisch, machtpolitisch instrumentalisiert wird. Schon Morgen kann es für die Saudis eine völlig andere Allianz mit Stoßrichtung gegen ISrael geben. Aber auch ein Beispiel dafür, dass man, wenn man genau hinschaut, Zusammenhänge erkennen und daraus politische Entscheidungsmöglichkeiten ableiten kann.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 29. Aug 2018, 06:57

Ammianus hat geschrieben:(28 Aug 2018, 23:52)

Eh die Sache zerfasert sollten wir beim eigentlichen Thema bleiben, nämlich dem originären islamischen Antisemitismus der sich sowohl aus Koran, Leben Mohameds sowie natürlich auch dem Nahostkonflikt ergibt. Ich habe besonders auf den 2. Aspekt verwiesen.

Erstmal heißt das Thema "Antisemitismus" (allgemein) und nicht "Islamischer Antisemitismus". Das verwiesene Interview mit Ranan belegt, dass sich der verbreitete Antisemitismus (zunächst mal) unter gebildeten Muslimen in Deutschland eben überhaupt nicht aus dem Koran ergibt. Die Interviewten wissen überhaupt nix von entsprechenden Passagen im Koran. Sie plappern ganz überwiegend einfach die gängigen antisemitischen Stereotype und Verschwörungstheorien nach, die ihnen von anderen vorgeplappert werden. Diese anderen werden sicherlich auch oder sogar überwiegend islamische Hassprediger sein. Die wiederum damit ganz eigene, machttaktische Ziele verfolgen. Und währenddessen sitzen sich klug wähnende Leute über alten religiösen Schriften und lesen und interpretieren. Dabei müsste man politisch handeln. Die Ergebnisse solcher "KUltur"-Studien sind nur dann interessant und relevant, wenn sich daraus politische Handlungsoptionen ableiten lassen.

Und in etlichen Kommentaren zum Fall Saudi Arabien ist die Rede davon, dass das Köngishaus gerade aktuell ein doppeltes Spiel gegenüber Israel spielt. Nach außendie Rolle des Verbündeten. Nach Innen einen populären Judenhass bedienen.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Zunder » Mi 29. Aug 2018, 08:32

schokoschendrezki hat geschrieben:(29 Aug 2018, 07:47)

Nicht doch.

Und die neue Allianz im Nahen Osten heißt offenbar USA, SA, Israel. Und noch 2010 war Antisemitismus und Israelhass obligatorischer Schulstoff in Saudi Arabien. Auch wenn das Land seit langem eine Vermittler-Rolle spielt oder zu spielen vorgibt. Nur ein Beispiel dafür, wie Antisemitismus im Nahen Osten opportunistisch, taktisch, machtpolitisch instrumentalisiert wird. Schon Morgen kann es für die Saudis eine völlig andere Allianz mit Stoßrichtung gegen ISrael geben. Aber auch ein Beispiel dafür, dass man, wenn man genau hinschaut, Zusammenhänge erkennen und daraus politische Entscheidungsmöglichkeiten ableiten kann.

"Der Hauptfeind heißt Teheran."
Steht doch ziemlich deutlich da.

Aus solchen temporären Annäherungen, die ausschließlich zweckorientiert sind, irgendwelche ideologischen Schlüsse ziehen zu wollen, hieße , daß Hitler Kommunist geworden wäre, weil er ein Bündnis mit Stalin geschlossen hatte. Das wäre ja wohl reichlich albern.

Bevor sich Juden nicht in Saudi-Arabien niederlassen dürfen gibt es nicht den geringsten Anlaß, am Antisemitismus der Saudis zu zweifeln. Der Jud' bleibt draußen. Und zwar noch länger.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Ammianus » Mi 29. Aug 2018, 08:36

Schokoschendretzki schrieb:

"Erstmal heißt das Thema "Antisemitismus" (allgemein) und nicht "Islamischer Antisemitismus". Das verwiesene Interview mit Ranan belegt, dass sich der verbreitete Antisemitismus (zunächst mal) unter gebildeten Muslimen in Deutschland eben überhaupt nicht aus dem Koran ergibt. Die Interviewten wissen überhaupt nix von entsprechenden Passagen im Koran. Sie plappern ganz überwiegend einfach die gängigen antisemitischen Stereotype und Verschwörungstheorien nach, die ihnen von anderen vorgeplappert werden. Diese anderen werden sicherlich auch oder sogar überwiegend islamische Hassprediger sein. Die wiederum damit ganz eigene, machttaktische Ziele verfolgen. Und währenddessen sitzen sich klug wähnende Leute über alten religiösen Schriften und lesen und interpretieren. Dabei müsste man politisch handeln. Die Ergebnisse solcher "KUltur"-Studien sind nur dann interessant und relevant, wenn sich daraus politische Handlungsoptionen ableiten lassen.

Und in etlichen Kommentaren zum Fall Saudi Arabien ist die Rede davon, dass das Köngishaus gerade aktuell ein doppeltes Spiel gegenüber Israel spielt. Nach außendie Rolle des Verbündeten. Nach Innen einen populären Judenhass bedienen."

Ja, und die im Islam genau so wie im Christentum vorhandenen judenfeindlichen Anteile sind eben das Thema wenn man Antisemitismus verstehen will. Ich weise noch einmal darauf hin, dass ich nicht judenfeindliche Passagen des Koran in den Vordergrund rückte sondern die Ereignisse über welche die Überlieferung aus Jathrib berichtet. Wenn du keine Lust hast, dich damit zu beschäftigen, dann bin ich da machtlos.

Weiterhin sollte man das Klischee vom reinen Mißbrauch von Religionen und Ideologien im Sinn der Machthaber überdenken. Die tatsächliche Lage ist da viel differenzierter. Der blutigste Kommunist, der rücksichtsloseste Kalif und der sexuell perverseste Pfaffe - sie alle können trotzdem von dem, was sie vertreten durchaus überzeugt sein. Die Übergänge sind fließend und jeder Fall ist anders. Wir wissen nicht, was ein Mielke dachte oder ein Honecker. Und auch nicht, was ein Khomeini wirklich glaubte. Von Goebbels haben wir die Tagebücher. Wie gesagt, die Sache ist viel komplizierter und reine Klischees von nach dem Weingenuss über die Schafe lachende Despoten mögen einfache Erklärungen liefern, bringen es aber nicht wirklich.

(geändert, weil Zitieren vergessen, Ammianus)
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Re: Antisemitismus

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 29. Aug 2018, 08:47

Zunder hat geschrieben:(29 Aug 2018, 09:32)

"Der Hauptfeind heißt Teheran."
Steht doch ziemlich deutlich da.

Aus solchen temporären Annäherungen, die ausschließlich zweckorientiert sind, irgendwelche ideologischen Schlüsse ziehen zu wollen, hieße , daß Hitler Kommunist geworden wäre, weil er ein Bündnis mit Stalin geschlossen hatte. Das wäre ja wohl reichlich albern.

Bevor sich Juden nicht in Saudi-Arabien niederlassen dürfen gibt es nicht den geringsten Anlaß, am Antisemitismus der Saudis zu zweifeln. Der Jud' bleibt draußen. Und zwar noch länger.


Das letztere genau und im Zusammenhang mit der diplomatischen (und natürlich militärischen) Allianz Saudi Arabiens mit dem Westen ist gemeint, wenn von einem "Doppelspiel" gegenüber Israel die Rede ist. Und da haben wir denn auch schon - endlich! - einen konkreten politischen Handlungs-Ansatzpunkt. Die SPD setzte sich in den Koalitionsverhandlungen für einen Waffenexportstopp nach SA ein. In MVP wiederum setzt sie sich gleichzeitig für die Rettung eines saudischen Rüstungsgroßauftrags an eine Wolgaster Werft ein. Auch ein doppeltes Spiel! Muss ich dazu den Koran lesen? Nein. Das sollen Islamwissenschaftler tun.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 29. Aug 2018, 09:33

Ammianus hat geschrieben:(29 Aug 2018, 09:36)
Ja, und die im Islam genau so wie im Christentum vorhandenen judenfeindlichen Anteile sind eben das Thema wenn man Antisemitismus verstehen will. Ich weise noch einmal darauf hin, dass ich nicht judenfeindliche Passagen des Koran in den Vordergrund rückte sondern die Ereignisse über welche die Überlieferung aus Jathrib berichtet. Wenn du keine Lust hast, dich damit zu beschäftigen, dann bin ich da machtlos.

Ich habe nicht alle Beiträge in diesem Thread komplett lückenlos gelesen.

Ich habe keinen Zweifel, dass es historische Gegebenheiten gibt, die benutzt wurden, um antisemitische Verleumdungen in die Köpfe zu setzen. Und dass Imame und Korangelehrte dies auch wissen. Die erste Frage für mich ist jedoch, ob jemand wie der palästinensische Falafel-Verkäufer auf dem Kollwitz-Platz an dergleichen denkt, wenn er seine antisemitischen Sprüche gegenüber einem jüdischen Lokalbetreiber gegenüber loslässt. Aus zahlreichen Reportagen zu diesem konkreten Fall sind nur zwei Äußerungen bekannt. "Dreckiger Jude" und "Ihr habt Blut an den Händen". Die "Blutbeschuldigung" ist als Ritualmordlegende eine der verbreitetsten antisemitischen Stereotypen weltweit und in allen großen Religionen.

Hört man das Interview mit David Ranan noch mal ganz genau, so wird einem der eigentliche Kern seines Anliegens deutlicher. Er will gar nicht in Konkurrenz zu Analysen von Judenfeindlichkeit im Islam treten. Sondern als Mensch mit jüdischen Wurzeln die antisemitischen Stereotype von Muslimen anhören, aufschreiben und publizieren. Das ganze ist weit eher als Aktion denn als Analyse gedacht.

Und mir nützen Aussagen über eine generelle und immanente Judenfeindlichkeit des Islams nichts, weil sich daraus keine Handlungsmöglichkeiten ergeben. (Die sich dann ja generell und gegen alle Muslime weltweit richten müsste ...) Unabhängig nochmal davon, ob sie zutreffend sind oder nicht. Weil erstens eine Isolation von 1,8 Milliarden Menschen schlicht nicht möglich ist. Weil zweitens die Verflechtung mit sowohl Muslimen als auch deren historischer Kultur so eng und weitreichend ist, dass eine "Entfllechtung" sowieso nicht realisierbar ist. Und schlicht und einfach weil auch im Nahbereich ein vernünftiges Zusammenleben organisiert werden muss. Nicht zuletzt, um antisemitische Übergriffe von muslimischer Seite zu verhindern. Das ist mit pauschalen Generalaussagen nicht möglich. Fertig.
Zuletzt geändert von schokoschendrezki am Mi 29. Aug 2018, 10:34, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Zunder » Mi 29. Aug 2018, 09:41

schokoschendrezki hat geschrieben:(29 Aug 2018, 09:47)

Das letztere genau und im Zusammenhang mit der diplomatischen (und natürlich militärischen) Allianz Saudi Arabiens mit dem Westen ist gemeint, wenn von einem "Doppelspiel" gegenüber Israel die Rede ist. Und da haben wir denn auch schon - endlich! - einen konkreten politischen Handlungs-Ansatzpunkt. Die SPD setzte sich in den Koalitionsverhandlungen für einen Waffenexportstopp nach SA ein. In MVP wiederum setzt sie sich gleichzeitig für die Rettung eines saudischen Rüstungsgroßauftrags an eine Wolgaster Werft ein. Auch ein doppeltes Spiel! Muss ich dazu den Koran lesen? Nein. Das sollen Islamwissenschaftler tun.

Und was hat das mit Antisemitismus zu tun?
Richtig: Nichts.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Senexx » Mi 29. Aug 2018, 09:44

Der User schoschendrezki versucht, Antisemitismus durch Vernebelung und Abstrusierung zu relativieren.
Hinweis aus gegebenen Anlass: Ich verwende niemals "copy paste". Jede Zeile ist selbst verfasst.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 29. Aug 2018, 09:48

Senexx hat geschrieben:(29 Aug 2018, 10:44)

Der User schoschendrezki versucht, Antisemitismus durch Vernebelung und Abstrusierung zu relativieren.

Na klar. Einfach mal was schreiben. Ist doch egal ...
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Re: Antisemitismus

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 29. Aug 2018, 09:53

Zunder hat geschrieben:(29 Aug 2018, 10:41)

Und was hat das mit Antisemitismus zu tun?
Richtig: Nichts.

BPB:
Antisemitismus ist eine Sammelbezeichnung für unterschiedliche ideologische Begründungen für die pauschale Feindschaft gegen und Herabwürdigung von Juden. Im Laufe der Jahrhunderte bildeten sich religiöse, soziale, politische, rassistische, sekundäre und antizionistische Ideologieformen heraus.

Die Innen- wie Außenpolitik Politik von Staaten wie Bahrein, Iran oder Saudi Arabien hat - wer hätte es gedacht - etwas speziell mit dem politischen Aspekt zu tun.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 29. Aug 2018, 10:05

Es gibt natürlich einen wichtigen Punkt ... aber ich glaube keiner der ernsthaft Mitdiskutierenden hat das nicht begriffen: Nicht Israel ist für Antisemitismus in Saudi Arabien oder im Iran verantwortlich. Nicht mal ursächlich.

Dem steht aber eine andere mindestens ebenso wichtige Frage gegenüber. Das Land ISrael wird von Staaten der Region massiv bedroht. Und in der Regel läuft ein großer Teil der Staatspropaganda nach innen mit einer Bestärkung antisemitischer Vorbehalte. Und damit steht man zweifellos auch in Hinsicht auf das Durchschauen des Phänomens Antisemitismus vor der (sehr schwierigen) Aufgabe, die politischen Prozesse im gesamten Nahen Osten und darüberhinaus zu analysieren.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Zunder » Mi 29. Aug 2018, 10:18

schokoschendrezki hat geschrieben:(29 Aug 2018, 10:53)

BPB:
Die Innen- wie Außenpolitik Politik von Staaten wie Bahrein, Iran oder Saudi Arabien hat - wer hätte es gedacht - etwas speziell mit dem politischen Aspekt zu tun.

Außenpolitik hat tatsächlich politische Aspekte.
Wer hätte das gedacht?

Allerdings hat dein Geschwurbel über die SPD nicht das Mindeste mit antisemitischer Ideologie zu tun.

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