Landtagswahl in Bayern 2018

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Julian
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Re: Landtagswahl in Bayern 2018

Beitragvon Julian » Di 14. Aug 2018, 20:10

jorikke hat geschrieben:(14 Aug 2018, 20:44)

Wien wächst sehr stark?
Wien hatte 1945 1,6 Millionen Einwohner, 37.000 Wohnungen wurden durch den Krieg zerstört. Heute hat Wien 250.000 Einwohner mehr. Es musste also für etwa 350.000 Bürger neuer Wohnraum geschaffen werden. Eine Zuwachs von etwa 25% musste in knapp 75 Jahren bewältigt werden.
München dagegen hatte 1945 545000 Einwohner und 81.000 Wohnungen wurden durch den Krieg zerstört. Heute hat München 1,5 Millionen Einwohner. Es mussten wurden also in den letzten 75 Jahren nicht nur die zerstörten Wohnungen wieder ersetzt, sondern gleichzeitig Wohnraum für eine sich verdreifachte Bevölkerungszahl geschaffen.
Die aktuellen Bevölkerungszahlen sind in beiden Fällen stark wachsend.
Daraus kann ich nicht erkennen, dass Wien handlungsfähiger ist. Die Leistungen der Stadt München erscheinen mir mindestens gleichwertig.


Nun, das hängt eben davon ab, welches Vergleichsjahr wir nehmen. Wenn wir 1910 nehmen, dann ist Wien gar nicht gewachsen, sondern geschrumpft...

Tatsächlich ist Wien stark gewachsen in den letzten zehn Jahren (2006/16), nämlich um über 182.000 Einwohner oder 11,0%:

1916: 2.239.000
1939: 1.770.938
1951: 1.616.125
1981: 1.531.346
2006: 1.658.479
2016: 1.840.226 (+181.747; +11,0% versus 2006)


München ist im gleichen Zeitraum absolut gesehen, etwas weniger gewachsen, relativ dagegen etwas mehr, nämlich um 170.000 Einwohner oder 13,1%:

1916: 594.096
1939: 829.318
1951: 855.003
1972: 1.338.924
1987: 1.185.421
2006: 1.294.608
2016: 1.464.301 (+169.693; +13,1% versus 2006)

Ich habe schon in beiden Städten Wohnungen gesucht, und in Wien war das definitiv einfacher und günstiger, obwohl die Stadt größer, weltläufiger und viel attraktiver als München ist.
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Re: Landtagswahl in Bayern 2018

Beitragvon Misterfritz » Di 14. Aug 2018, 20:28

Hmm, kann mir mal Jemand erklären, was diese geschichtliche Betrachtung von Wien und München mit den Landtagswahlen zu tun haben soll?
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Re: Landtagswahl in Bayern 2018

Beitragvon Katenberg » Di 14. Aug 2018, 22:45

Misterfritz hat geschrieben:(14 Aug 2018, 21:28)

Hmm, kann mir mal Jemand erklären, was diese geschichtliche Betrachtung von Wien und München mit den Landtagswahlen zu tun haben soll?


Mit Hinblick auf etatistische Wohnpolitik, dahingehend, dass Wien nicht so sehr das Problem hat, wie München, was nunmal eben ein Thema bei der Landtagswahl in den Metropolregionen sein wird.

Und natürlich hat die CSU das Thema verschlafen, da die Antwort auf die Umwälzungen am Wohnungsmarkt eben nicht die üblichen etatistischen Programme sein müssen, die Bürger daran hindern sollen, Wohnraum zu besitzen. Neben dieser ökonomischen Komponente hat die CSU dabei eben auch die Auswirkung auf einen ihrer Kernbegriffe, den Begriff Heimat, verpasst. Wenn die eigene Bevölkerung sich ihre Heimatstadt mit einer normalen Berufstätigkeit nicht mehr leisten kann, ist etwas schief gelaufen, auf unterschiedlichsten Ebenen, was man eben dem eigenen Staat durchaus anlasten kann. Die wirtschaftliche Stärke Bayerns gerät damit zur Farce.
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Re: Landtagswahl in Bayern 2018

Beitragvon Katenberg » Di 14. Aug 2018, 23:08

Wieder einmal Zeit für meinen Zahlensermon.

Mit aller Freude werden derzeit die Umfragen wie die Sau durchs Dorf getrieben und ich kann es verstehen, ist es irgendwie ja aufregend, der CSU beim vermeintlichen Sterben zuzuschauen. Während sich extra3 über die Äußerung Seehofers lustig machte, er glaube an einen Gewinn, weil 2017 die Umfragen gut waren, die Ergebnisse schlecht und dieses Jahr die Umfragewerte schlecht. Ja, der gute Mann hat da ein Stück weit recht, sind Umfragen ja auch immer ein Grund zur Mobilisierung. Wenn auch inzwischen nwahrscheinlicher geworden, ist eines der Angstargumente die Machtnahme der Partei der afrikanischen und arabischen Minderheit sowie urbaner Einwohnerschaften mit teuren Küchen, den Grünen. Und so habe ich es von vielen wiederum gehört, die trotz Zorn auf die Partei überlegten, die CSU zu wählen, um die Grünen zu verhindern. Eine AfD auf Ecstassy, die immerzu die Grünen von der falschen Seite aus angreift, tut da nochmal ihr Übriges, die CSU eher zu stützen. Eine gewisse Inkompetenz in der Richtung, welche Wähler ich wie anwerbe etc.
Denn die Frage ist doch auch, wieviel Prozent die CSU denn wirklich benötigt, um alleine regieren zu können. Realistisch ist, dass die CSU alle Direktmandate gewinnt, allerhöchstens München-Nord verliert. Ein Wahlergebnis von 43-44% könnte für eine absolute Mehrheit reichen, vorausgesetzt, FDP und LINKE verpassen den Einzug.

Den Spekulationen zum Trotz halte ich eine Koalition aus Grünen und CSU inzwischen für unwahrscheinlicher, zu sehr ist man nun wieder aneinandergeraten und viel zu sehr geht es derzeit darum, glaubwürdig zu sein, was wohl beide mit einer Koalition nicht mehr wären.

Was die SPD angeht, halte ich es nicht mehr für unwahrscheinlich, dass sie unter die 10% fallen könnten und besser noch, sogar hinter die Freien Wähler fallen. Es ist halt nichts von Substanz mehr da und selbst mit Ude hat man es gerade mal auf klägliche 20% geschafft.

Am interessantesten finde ich wohl den Gedanken einer Koalition aus CSU und FW. Nun, in erster Linie spricht wohl die Identität der FW dagegen und ebenso die interne Angst der CSU, die FW durch Einfluss dort zu stärken, wo sie am gefährlichsten sind: In den Komunen. Das Plus, dass die FW besitzen ist ihre regionale Verwurzelung und, dass sie mit Aiwanger einen fähigen und bekannten Spitzenkandidaten haben. Mit 47 Jahren ist er jung genug, dass auch noch eine Weile zu machen, doch wäre nach zwo Legislaturperioden Opposition die Regierung nochmal eine andere Erfahrung, vor allem mit der Aussicht, Vize und Minister zu werden.
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Re: Landtagswahl in Bayern 2018

Beitragvon rain353 » Mi 15. Aug 2018, 01:36

Katenberg hat geschrieben:(15 Aug 2018, 00:08)

Wieder einmal Zeit für meinen Zahlensermon.

Mit aller Freude werden derzeit die Umfragen wie die Sau durchs Dorf getrieben und ich kann es verstehen, ist es irgendwie ja aufregend, der CSU beim vermeintlichen Sterben zuzuschauen. Während sich extra3 über die Äußerung Seehofers lustig machte, er glaube an einen Gewinn, weil 2017 die Umfragen gut waren, die Ergebnisse schlecht und dieses Jahr die Umfragewerte schlecht. Ja, der gute Mann hat da ein Stück weit recht, sind Umfragen ja auch immer ein Grund zur Mobilisierung. Wenn auch inzwischen nwahrscheinlicher geworden, ist eines der Angstargumente die Machtnahme der Partei der afrikanischen und arabischen Minderheit sowie urbaner Einwohnerschaften mit teuren Küchen, den Grünen. Und so habe ich es von vielen wiederum gehört, die trotz Zorn auf die Partei überlegten, die CSU zu wählen, um die Grünen zu verhindern. Eine AfD auf Ecstassy, die immerzu die Grünen von der falschen Seite aus angreift, tut da nochmal ihr Übriges, die CSU eher zu stützen. Eine gewisse Inkompetenz in der Richtung, welche Wähler ich wie anwerbe etc.
Denn die Frage ist doch auch, wieviel Prozent die CSU denn wirklich benötigt, um alleine regieren zu können. Realistisch ist, dass die CSU alle Direktmandate gewinnt, allerhöchstens München-Nord verliert. Ein Wahlergebnis von 43-44% könnte für eine absolute Mehrheit reichen, vorausgesetzt, FDP und LINKE verpassen den Einzug.

Den Spekulationen zum Trotz halte ich eine Koalition aus Grünen und CSU inzwischen für unwahrscheinlicher, zu sehr ist man nun wieder aneinandergeraten und viel zu sehr geht es derzeit darum, glaubwürdig zu sein, was wohl beide mit einer Koalition nicht mehr wären.

Was die SPD angeht, halte ich es nicht mehr für unwahrscheinlich, dass sie unter die 10% fallen könnten und besser noch, sogar hinter die Freien Wähler fallen. Es ist halt nichts von Substanz mehr da und selbst mit Ude hat man es gerade mal auf klägliche 20% geschafft.

Am interessantesten finde ich wohl den Gedanken einer Koalition aus CSU und FW. Nun, in erster Linie spricht wohl die Identität der FW dagegen und ebenso die interne Angst der CSU, die FW durch Einfluss dort zu stärken, wo sie am gefährlichsten sind: In den Komunen. Das Plus, dass die FW besitzen ist ihre regionale Verwurzelung und, dass sie mit Aiwanger einen fähigen und bekannten Spitzenkandidaten haben. Mit 47 Jahren ist er jung genug, dass auch noch eine Weile zu machen, doch wäre nach zwo Legislaturperioden Opposition die Regierung nochmal eine andere Erfahrung, vor allem mit der Aussicht, Vize und Minister zu werden.


Es wird vllt. gar nicht für eine CSU-FW Koalition reichen... Dann bleibt nur eine Koalition mit der AfD, wenn sie ihre Glaubwürdigkeit behalten wollen...
Vllt. werden Söder und Seehofer entsorgt und dann wird sich die Wut gegen Merkel richten, denn jeder müsste doch eigentlich einsehen, dass die CSU wegen Merkels Asylpolitik bei 37% liegt...
Söder bemüht sich anscheinend ein noch schlechteres Ergebnis zu bekommen, wenn er dies feierlich als Ziel vorgibt....
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Re: Landtagswahl in Bayern 2018

Beitragvon Alexyessin » Mi 15. Aug 2018, 01:37

rain353 hat geschrieben:(15 Aug 2018, 02:36)

Es wird vllt. gar nicht für eine CSU-FW Koalition reichen... Dann bleibt nur eine Koalition mit der AfD, wenn sie ihre Glaubwürdigkeit behalten wollen...
Vllt. werden Söder und Seehofer entsorgt und dann wird sich die Wut gegen Merkel richten, denn jeder müsste doch eigentlich einsehen, dass die CSU wegen Merkels Asylpolitik bei 37% liegt...
Söder bemüht sich anscheinend ein noch schlechteres Ergebnis zu bekommen, wenn er dies feierlich als Ziel vorgibt....
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Komisch, die CSU liegt aber dank Söders Rechtskurs bei 37 %
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Re: Landtagswahl in Bayern 2018

Beitragvon rain353 » Mi 15. Aug 2018, 01:41

Alexyessin hat geschrieben:(15 Aug 2018, 02:37)

Komisch, die CSU liegt aber dank Söders Rechtskurs bei 37 %


Du weißt schon, dass Söder seit Monaten nicht mehr Merkels Flüchtlingspolitik kritisiert und "soziale" Wohltaten verteilt, um sich Wählerstimmen einzukaufen...
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Re: Landtagswahl in Bayern 2018

Beitragvon Alexyessin » Mi 15. Aug 2018, 01:44

rain353 hat geschrieben:(15 Aug 2018, 02:41)

Du weißt schon, dass Söder seit Monaten nicht mehr Merkels Flüchtlingspolitik kritisiert und "soziale" Wohltaten verteilt, um sich Wählerstimmen einzukaufen...


Seit wann? Oberbayern Wahlparteitag war vor 5 Wochen. Bis dahin war er in der Ausdrucksweise sehr AfD Lastig.
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Re: Landtagswahl in Bayern 2018

Beitragvon rain353 » Mi 15. Aug 2018, 02:09

Alexyessin hat geschrieben:(15 Aug 2018, 02:44)

Seit wann? Oberbayern Wahlparteitag war vor 5 Wochen. Bis dahin war er in der Ausdrucksweise sehr AfD Lastig.


Das stimmt, aber da waren die Umfragen noch knapp über den 40er Bereich...
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Re: Landtagswahl in Bayern 2018

Beitragvon JJazzGold » Mi 15. Aug 2018, 07:16

rain353 hat geschrieben:(15 Aug 2018, 02:36)

Es wird vllt. gar nicht für eine CSU-FW Koalition reichen... Dann bleibt nur eine Koalition mit der AfD, wenn sie ihre Glaubwürdigkeit behalten wollen...
Vllt. werden Söder und Seehofer entsorgt und dann wird sich die Wut gegen Merkel richten, denn jeder müsste doch eigentlich einsehen, dass die CSU wegen Merkels Asylpolitik bei 37% liegt...
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Ich möchte den bayerischen Volkszorn lieber nicht erleben, der losbricht, wenn die Söder CSU auch nur laut andenkt, mit den heutigen Lolamannen AfD zu koalieren.
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Re: Landtagswahl in Bayern 2018

Beitragvon jorikke » Mi 15. Aug 2018, 07:22

Misterfritz hat geschrieben:(14 Aug 2018, 21:28)

Hmm, kann mir mal Jemand erklären, was diese geschichtliche Betrachtung von Wien und München mit den Landtagswahlen zu tun haben soll?


Fast nix.
Es war mir lediglich ein Anliegen, die große Aufbauleistung von München nach 45, im Vergleich mit Wien, mal hervorzuheben um die Behauptung von J. zu entkräften, Wien sei handlungsfähiger. Die Vitalität einer Stadt lässt sich nicht an kurzfristigen Einzelproblemen festmachen.
Durch die oben angesprochene Leistung, die in erster Linie von den Altparteien erbracht wurde, ergibt sich die Verbindung zur Landtagswahl und vielleicht auch die Einsicht, das sich bewährte politische Kräfte nicht ohne weiteres durch Politik Schreihälse ersetzen lassen.
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Re: Landtagswahl in Bayern 2018

Beitragvon Europa2050 » Mi 15. Aug 2018, 07:32

jorikke hat geschrieben:(15 Aug 2018, 08:22)

Fast nix.
Es war mir lediglich ein Anliegen, die große Aufbauleistung von München nach 45, im Vergleich mit Wien, mal hervorzuheben um die Behauptung von J. zu entkräften, Wien sei handlungsfähiger. Die Vitalität einer Stadt lässt sich nicht an kurzfristigen Einzelproblemen festmachen.
Durch die oben angesprochene Leistung, die in erster Linie von den Altparteien erbracht wurde, ergibt sich die Verbindung zur Landtagswahl und vielleicht auch die Einsicht, das sich bewährte politische Kräfte nicht ohne weiteres durch Politik Schreihälse ersetzen lassen.
… etwas weit hergeholt ist es schon.


Bei aller Zustimmung:

Dann sollten die „bewährten politischen Kräfte“ sich eben auch nicht als Schreihälse und Effekthascher betätigen, sondern das verfolgen, was sie Jahrzehnte anerkannt erfolgreich (obwohl ich kein CSU-Fan bin) getan haben:
In Kooperation mit Bürgern, Mittelstand und Großindustrie die Lebensqualität Bayerns signifikant über dem Bundesdurchschnitt halten (Arbeitslose, Pisa, ...) und damit dann meinetwegen auch werben. So hat die CSU jahrzehntelang absolute Mehrheiten erreicht.
Und nicht gut integrierte Flüchtlinge abschieben, oder stundenlange Staus an den Grenzen produzieren weil man so schön einfach Krakeeler ruhig stellt.
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Re: Landtagswahl in Bayern 2018

Beitragvon imp » Mi 15. Aug 2018, 07:36

Katenberg hat geschrieben:(15 Aug 2018, 00:08)

Wieder einmal Zeit für meinen Zahlensermon.

Mit aller Freude werden derzeit die Umfragen wie die Sau durchs Dorf getrieben und ich kann es verstehen, ist es irgendwie ja aufregend, der CSU beim vermeintlichen Sterben zuzuschauen. Während sich extra3 über die Äußerung Seehofers lustig machte, er glaube an einen Gewinn, weil 2017 die Umfragen gut waren, die Ergebnisse schlecht und dieses Jahr die Umfragewerte schlecht. Ja, der gute Mann hat da ein Stück weit recht, sind Umfragen ja auch immer ein Grund zur Mobilisierung. Wenn auch inzwischen nwahrscheinlicher geworden, ist eines der Angstargumente die Machtnahme der Partei der afrikanischen und arabischen Minderheit sowie urbaner Einwohnerschaften mit teuren Küchen, den Grünen. Und so habe ich es von vielen wiederum gehört, die trotz Zorn auf die Partei überlegten, die CSU zu wählen, um die Grünen zu verhindern. Eine AfD auf Ecstassy, die immerzu die Grünen von der falschen Seite aus angreift, tut da nochmal ihr Übriges, die CSU eher zu stützen. Eine gewisse Inkompetenz in der Richtung, welche Wähler ich wie anwerbe etc.
Denn die Frage ist doch auch, wieviel Prozent die CSU denn wirklich benötigt, um alleine regieren zu können. Realistisch ist, dass die CSU alle Direktmandate gewinnt, allerhöchstens München-Nord verliert. Ein Wahlergebnis von 43-44% könnte für eine absolute Mehrheit reichen, vorausgesetzt, FDP und LINKE verpassen den Einzug.

Den Spekulationen zum Trotz halte ich eine Koalition aus Grünen und CSU inzwischen für unwahrscheinlicher, zu sehr ist man nun wieder aneinandergeraten und viel zu sehr geht es derzeit darum, glaubwürdig zu sein, was wohl beide mit einer Koalition nicht mehr wären.

Was die SPD angeht, halte ich es nicht mehr für unwahrscheinlich, dass sie unter die 10% fallen könnten und besser noch, sogar hinter die Freien Wähler fallen. Es ist halt nichts von Substanz mehr da und selbst mit Ude hat man es gerade mal auf klägliche 20% geschafft.

Am interessantesten finde ich wohl den Gedanken einer Koalition aus CSU und FW. Nun, in erster Linie spricht wohl die Identität der FW dagegen und ebenso die interne Angst der CSU, die FW durch Einfluss dort zu stärken, wo sie am gefährlichsten sind: In den Komunen. Das Plus, dass die FW besitzen ist ihre regionale Verwurzelung und, dass sie mit Aiwanger einen fähigen und bekannten Spitzenkandidaten haben. Mit 47 Jahren ist er jung genug, dass auch noch eine Weile zu machen, doch wäre nach zwo Legislaturperioden Opposition die Regierung nochmal eine andere Erfahrung, vor allem mit der Aussicht, Vize und Minister zu werden.

Eine csu-geführte Regierung ist vor allem deshalb wahrscheinlich, weil alle Kombinationen ohne CSU kompliziert werden - und kompliziert hält oft nicht. Dabei ist gar nicht so entscheidend, ob die CSU 30 oder 40 Prozent einholt. Für die Politiker natürlich geht es um ihren Arbeitsplatz...
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Re: Landtagswahl in Bayern 2018

Beitragvon JJazzGold » Mi 15. Aug 2018, 07:42

jorikke hat geschrieben:(15 Aug 2018, 08:22)

Fast nix.
Es war mir lediglich ein Anliegen, die große Aufbauleistung von München nach 45, im Vergleich mit Wien, mal hervorzuheben um die Behauptung von J. zu entkräften, Wien sei handlungsfähiger. Die Vitalität einer Stadt lässt sich nicht an kurzfristigen Einzelproblemen festmachen.
Durch die oben angesprochene Leistung, die in erster Linie von den Altparteien erbracht wurde, ergibt sich die Verbindung zur Landtagswahl und vielleicht auch die Einsicht, das sich bewährte politische Kräfte nicht ohne weiteres durch Politik Schreihälse ersetzen lassen.
… etwas weit hergeholt ist es schon.


Das Problem der CSU ist, dass sich deren heutiges Personal bisher nicht unter der Überschrift “bewährt“ sammeln konnte. Sondern vielmehr den Verdacht weckt, das Bewährte leichtfertig aufs Spiel zu setzen.
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Re: Landtagswahl in Bayern 2018

Beitragvon imp » Mi 15. Aug 2018, 07:44

Orbiter1 hat geschrieben:(14 Aug 2018, 14:41)

Wer ist denn für dich ein bayerischer Bürger/ eine bayerische Familie? 43% aller Einwohner Münchens haben einen Migrationshintergrund. Sind das für dich bayerische Bürger?

Es ist für eine wachsende Stadt normal, dass durch Zuzug und Wegzug die Eingeborenen keine breite Mehrheit bilden. Vor dem Hintergrund kommt die aktuelle Zündelei der CSU nicht an. Für dumpfe Resentiments gibt es einen konkurrierenden Anbieter.
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Re: Landtagswahl in Bayern 2018

Beitragvon Nightrain » Mi 15. Aug 2018, 07:44

Es fehlt massiv an stiller, effektiver Politik. Auch ohne große Töne könnte man in Bayern durch Umstellung auf reine Sachleistungen und konsequente Abschiebung die gut integrierten Flüchtlinge da behalten und den Rest in die anderen Bundesländer vertreiben.
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Re: Landtagswahl in Bayern 2018

Beitragvon Julian » Mi 15. Aug 2018, 08:10

jorikke hat geschrieben:(15 Aug 2018, 08:22)

Fast nix.
Es war mir lediglich ein Anliegen, die große Aufbauleistung von München nach 45, im Vergleich mit Wien, mal hervorzuheben um die Behauptung von J. zu entkräften, Wien sei handlungsfähiger. Die Vitalität einer Stadt lässt sich nicht an kurzfristigen Einzelproblemen festmachen.
Durch die oben angesprochene Leistung, die in erster Linie von den Altparteien erbracht wurde, ergibt sich die Verbindung zur Landtagswahl und vielleicht auch die Einsicht, das sich bewährte politische Kräfte nicht ohne weiteres durch Politik Schreihälse ersetzen lassen.
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Die Aufbauleistung nach 1945 hat wenig mit der heutigen Situation zu tun. Und was das mit der Landtagswahl zu tun hat, erklärt sich daraus, dass die Knappheit von Wohnraum und die Höhe der Mieten eines der wichtigsten Themen ist, das die bayerische Bevölkerung bewegt, und dies vor allem in den großen Städten und hier wieder vor allem in München.

Man kann dazu verschiedene Haltungen einnehmen, und ich selbst bin gar nicht festgelegt. Man könnte zum Beispiel sagen, dass dies eben der freie Markt sei und es sich auch nicht jeder müsse leisten können, in teuren Großstädten zu wohnen. Schließlich gebe es doch genug günstigen Wohnraum anderswo, etwa auf dem Land in Oberfranken.

Wien hat einen anderen Weg als München eingeschlagen; dort lebt ein viel größerer Anteil der Bevölkerung in Gemeindebauten, sprich kommunalen Sozialwohnungen. Die Stadt Wien besitzt über 200.000 Wohnungen, in denen eine halbe Million Einwohner lebt, während es in München zum Vergleich nur ca. 50.000 Sozialwohnungen gibt (die, so vermute ich, gar nicht alle im Besitz der Stadt sind).

Natürlich könnte man auch sagen, dass dies kein Thema für den Landtagswahlkampf ist, sondern eher für die Kommunalpolitik oder die Bundespolitik. Die Wähler sehen es aber als ein drängendes Thema an.

Persönlich würde ich vor allem prüfen, ob nicht regulatorische Hindernisse aus dem Weg geräumt werden können. So bin ich immer wieder verwundert, wie flach in München gebaut wird. Auch könnte ich mir vorstellen, dass viele Vorschriften, die gut gemeint sind - etwa ökologischer Natur - das Bauen verteuern. Hier müsste man abwägen, was einem wichtiger ist.
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Re: Landtagswahl in Bayern 2018

Beitragvon JJazzGold » Mi 15. Aug 2018, 09:06

Nightrain hat geschrieben:(15 Aug 2018, 08:44)

Es fehlt massiv an stiller, effektiver Politik. Auch ohne große Töne könnte man in Bayern durch Umstellung auf reine Sachleistungen und konsequente Abschiebung die gut integrierten Flüchtlinge da behalten und den Rest in die anderen Bundesländer vertreiben.


Jakob Fischbacher und Michael Horlacher haben in der Tat ihre Erben in Bayern. Fragt sich nur, wo diese heute parteilich angesiedelt sind, bei CSU oder AfD? Eine Frage, deren Beantwortung Söder bis dato unbeantwortet lässt.
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Re: Landtagswahl in Bayern 2018

Beitragvon Katenberg » Mi 15. Aug 2018, 10:07

rain353 hat geschrieben:(15 Aug 2018, 02:36)

Es wird vllt. gar nicht für eine CSU-FW Koalition reichen... Dann bleibt nur eine Koalition mit der AfD, wenn sie ihre Glaubwürdigkeit behalten wollen...
Vllt. werden Söder und Seehofer entsorgt und dann wird sich die Wut gegen Merkel richten, denn jeder müsste doch eigentlich einsehen, dass die CSU wegen Merkels Asylpolitik bei 37% liegt...
Söder bemüht sich anscheinend ein noch schlechteres Ergebnis zu bekommen, wenn er dies feierlich als Ziel vorgibt....
Sein Vorbild soll Strauß sein, dass ich nicht lache...


Nein, die CSU kann nicht mit der AfD koalieren und die AfD will das auch gar nicht.
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Re: Landtagswahl in Bayern 2018

Beitragvon JJazzGold » Mi 15. Aug 2018, 10:18

Katenberg hat geschrieben:(15 Aug 2018, 11:07)

Nein, die CSU kann nicht mit der AfD koalieren und die AfD will das auch gar nicht.


Das können Sie noch so oft schreiben, das kann die AfD noch so oft negieren, da kann die CSU noch soft oft die AfD zum politischen Feindbild deklarieren, diese Hoffnung stirbt beim getreuen AfD Wähler noch nicht einmal nach der Wahl, sondern wird dann nonchalant auf die nächste projiziert.
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