Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

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jorikke
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon jorikke » Sa 7. Okt 2017, 08:03

Just Me hat geschrieben:(07 Oct 2017, 08:29)

Oh, es ist jetzt schon ziemlich klar, dass die GRÜNEN dafür bluten werden, sich mit der CDU/CSU einzulassen. Die einzige offene Frage lautet: "Werden sie den Weg der FDP gehen und aus dem Bundestag fliegen; oder werden sie daran vorbeischrammen?" In jedem Fall aber, und das frustriert Özdemir so besonders, sind die Tage Özdemirs gezählt. (Mich, ganz persönlich, würde es nicht überraschen, wenn in 3, 4 Jahren eine Spaltung der GRÜNEN bevorstünde.)


Nein, hat sie nicht. Sie macht nur, was sie in den vergangenen Jahrzehnten stets getan hat: Sie leugnet die Realität. Dass sie sich nun trotzig in die Opposition zurückzieht, hat mehr mit infantil-bockigem "Schippe-auf-Kopf-hauen" zu tun, als mit "Hausaufgaben". Das kannst du an vielen Punkten festmachen; deshalb picke ich wahllos einen heraus: Würde die SPD ihre "Hausaufgaben" machen, würde sie nicht gleich als erste Aktion im Hinterzimmer beschließen, Nahles zur Fraktionsvorsitzenden zu machen.


Tatsache ist, die SPD hat auch im Debakel Handlungsfähigkeit bewiesen und sich unverzüglich von Oppermann getrennt.
Mit ihm wäre ein Neuanfang wohl kaum zu vermitteln gewesen.
Ob Nahles eine gute Lösung ist, wird sich zeigen. Was Besseres war wohl nicht greifbar.
Übrigens, so Stimmungsvokabeln wie "Hinterzimmer" ändern am Ergebnis nichts. Nahles ist Fraktionsvorsitzende.
Das wäre sie auch, hätte ihre Wahl im Kölner Dom oder auf dem Oktoberfest stattgefunden.
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H2O
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon H2O » Sa 7. Okt 2017, 08:28

Just Me hat geschrieben:(07 Oct 2017, 08:29)

Oh, es ist jetzt schon ziemlich klar, dass die GRÜNEN dafür bluten werden, sich mit der CDU/CSU einzulassen. Die einzige offene Frage lautet: "Werden sie den Weg der FDP gehen und aus dem Bundestag fliegen; oder werden sie daran vorbeischrammen?" In jedem Fall aber, und das frustriert Özdemir so besonders, sind die Tage Özdemirs gezählt. (Mich, ganz persönlich, würde es nicht überraschen, wenn in 3, 4 Jahren eine Spaltung der GRÜNEN bevorstünde.)

...


In meiner Wahrnehmung verfolgen DIE GRÜNEN ganz hartnäckig das Ziel, unsere Wirtschafts- und Lebensweise zukunftsfest ("nachhaltiger") zu gestalten. Dabei gehen sie zeitweise Kompromisse ein, um das Land regierbar zu halten; sie übernehmen also Verantwortung auch dort, wo andere sich schaudernd abwenden. Dafür werden DIE GRÜNEN nur von jenen abgestraft, die mit den Grundlinien der DIE GRÜNEN nichts anfangen können.

DIE GRÜNEN leben diese Kompromißfähigkeit auch in ihrer Partei seit Jahrzehnten; früher sortierten sie sich nach Realos und Fundis... und es gibt keinen guten Grund, diese "Konmstruktion" zu ändern. Daß DIE GRÜNEN sich deshalb teilen könnten... halte ich für Wunschdenken der politischen Wettbewerber.

In Herrn Özdemir sehe ich jedenfalls einen gesellschaftlichen Aufsteiger, den Neider nicht mehr übersehen können. So viel sinnlose Häme muß man sich auch erst einmal verdienen. :)
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon Just Me » Sa 7. Okt 2017, 08:31

jorikke hat geschrieben:Tatsache ist, die SPD hat auch im Debakel Handlungsfähigkeit bewiesen und sich unverzüglich von Oppermann getrennt.

Es ist "Handlungsfähigkeit", wenn das Versagen einer ganzen Partei(-Elite) auf den Schultern eines Einzelnen, noch dazu auf denen eines Statisten, abgeladen wird? Nicht "die Fraktion", und damit "der Fraktionsvorsitzende", hat versagt, jorikke. Es war die GESAMTE Elite der Partei. Würde die SPD also "Handlungsfähigkeit" beweisen, würde sie den gesamten Partei-Vorstand zur Debatte stellen. Stattdessen finden nur in Hinterzimmern ausgeklüngelte "Bäumchen-wechsel-dich"-Spielchen innerhalb der seit einem Jahrhundert inzestuös gezüchteten Partei-Elite statt. Das steht einer Klientel-Partei, die nur Kleinstgruppen vertritt, gut zu Gesicht, weil es "heimelige Familien-Betriebs"-Züge trägt. Eine Volkspartei nimmt daran massiven Schaden.
jorikke hat geschrieben:Mit ihm wäre ein Neuanfang wohl kaum zu vermitteln gewesen.

Aber mit Nahles, Schwesig & Co.?
jorikke hat geschrieben:Ob Nahles eine gute Lösung ist, wird sich zeigen. Was Besseres war wohl nicht greifbar.

Wenn Nahles "das Beste der SPD" ist, dann wird es dringend Zeit, dass die SPD die Bühne verlässt. Nur zur Erinnerung: Nahles ist maßgeblich mitschuldig am (Alters-)Armuts-Desaster, das mitten in einem der reichsten Länder dieses Planeten fast 50 Prozent aller erwerbsfähigen Lohnabhängigen - und damit das zentrale Klientel der (einstigen) Arbeiterpartei - treffen wird. Genauso gut hätte man also auch postulieren können: "Ob Schröders Reaktivierung eine gute Lösung ist, wird sich zeigen. Was Besseres war wohl nicht greifbar."
jorikke hat geschrieben:Übrigens, so Stimmungsvokabeln wie "Hinterzimmer" ändern am Ergebnis nichts.

Du kannst es "Stimmungsvokabel" nennen. Ich nenne es "fehlendes Demokratie-Verständnis". Daran - und maßgeblich DARAN - scheitert die SPD seit fast einem Jahrhundert systematisch, regelmäßig und mittlerweile - dank wachsendem Demokratie-(Selbst-)Verständnis des Pöbels - auch zunehmend.
jorikke hat geschrieben:... ihre Wahl ... Kölner Dom ... Oktoberfest ...

Möchtest du "Stimmungsvokabel"-Bullshit-Bingo machen; oder liegt dir an einer ernsthaften Diskussion? Ist dir vielleicht auch nur der Begriff des "Hinterzimmers" nicht geläufig, jorikke? Es geht nicht um das "Wo?", sondern um das "Wie?" einer Beschlussfassung. Und die SPD tut sich dabei wie kaum eine andere Partei durch demokratisch zweifelhafte Mafia-Methoden hervor, um ihre Eliten zu bedienen; ganz egal, ob wir auf "Hinterzimmer" oder auf "Erpressung" bzw. "Nötigung" abstellen wollen.
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon JJazzGold » Sa 7. Okt 2017, 08:44

Just Me hat geschrieben:(07 Oct 2017, 09:31)

Es ist "Handlungsfähigkeit", wenn das Versagen einer ganzen Partei(-Elite) auf den Schultern eines Einzelnen, noch dazu auf denen eines Statisten, abgeladen wird? Nicht "die Fraktion", und damit "der Fraktionsvorsitzende", hat versagt, jorikke. Es war die GESAMTE Elite der Partei. Würde die SPD also "Handlungsfähigkeit" beweisen, würde sie den gesamten Partei-Vorstand zur Debatte stellen. Stattdessen finden nur in Hinterzimmern ausgeklüngelte "Bäumchen-wechsel-dich"-Spielchen innerhalb der seit einem Jahrhundert inzestuös gezüchteten Partei-Elite statt. Das steht einer Klientel-Partei, die nur Kleinstgruppen vertritt, gut zu Gesicht, weil es "heimelige Familien-Betriebs"-Züge trägt. Eine Volkspartei nimmt daran massiven Schaden.

Aber mit Nahles, Schwesig & Co.?

Wenn Nahles "das Beste der SPD" ist, dann wird es dringend Zeit, dass die SPD die Bühne verlässt. Nur zur Erinnerung: Nahles ist maßgeblich mitschuldig am (Alters-)Armuts-Desaster, das mitten in einem der reichsten Länder dieses Planeten fast 50 Prozent aller erwerbsfähigen Lohnabhängigen - und damit das zentrale Klientel der (einstigen) Arbeiterpartei - treffen wird. Genauso gut hätte man also auch postulieren können: "Ob Schröders Reaktivierung eine gute Lösung ist, wird sich zeigen. Was Besseres war wohl nicht greifbar."

Du kannst es "Stimmungsvokabel" nennen. Ich nenne es "fehlendes Demokratie-Verständnis". Daran - und maßgeblich DARAN - scheitert die SPD seit fast einem Jahrhundert systematisch, regelmäßig und mittlerweile - dank wachsendem Demokratie-(Selbst-)Verständnis des Pöbels - auch zunehmend.

Möchtest du "Stimmungsvokabel"-Bullshit-Bingo machen; oder liegt dir an einer ernsthaften Diskussion? Ist dir vielleicht auch nur der Begriff des "Hinterzimmers" nicht geläufig, jorikke? Es geht nicht um das "Wo?", sondern um das "Wie?" einer Beschlussfassung. Und die SPD tut sich dabei wie kaum eine andere Partei durch demokratisch zweifelhafte Mafia-Methoden hervor, um ihre Eliten zu bedienen; ganz egal, ob wir auf "Hinterzimmer" oder auf "Erpressung" bzw. "Nötigung" abstellen wollen.


Interessanter als SPD Bashing wäre zu erfahren, auf welchen Gebieten Sie anstelle der SPD anders gehandelt hätten, von Schröder bis zu acht Jahren GroKo.
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon Just Me » Sa 7. Okt 2017, 08:47

H2O hat geschrieben:(07 Oct 2017, 09:28)

In meiner Wahrnehmung verfolgen DIE GRÜNEN ganz hartnäckig das Ziel, unsere Wirtschafts- und Lebensweise zukunftsfest ("nachhaltiger") zu gestalten. Dabei gehen sie zeitweise Kompromisse ein, um das Land regierbar zu halten; sie übernehmen also Verantwortung auch dort, wo andere sich schaudernd abwenden. Dafür werden DIE GRÜNEN nur von jenen abgestraft, die mit den Grundlinien der DIE GRÜNEN nichts anfangen können.

DIE GRÜNEN leben diese Kompromißfähigkeit auch in ihrer Partei seit Jahrzehnten; früher sortierten sie sich nach Realos und Fundis... und es gibt keinen guten Grund, diese "Konmstruktion" zu ändern. Daß DIE GRÜNEN sich deshalb teilen könnten... halte ich für Wunschdenken der politischen Wettbewerber.

In Herrn Özdemir sehe ich jedenfalls einen gesellschaftlichen Aufsteiger, den Neider nicht mehr übersehen können. So viel sinnlose Häme muß man sich auch erst einmal verdienen. :)

Die Grundlinie der GRÜNEN hat sich seit den 80er Jahren massiv verändert. Gegründet als pazifistisch-linksliberale Partei ist sie mit der Machtübernahme der Pizza-Connection endgültig im neoliberal-konservativen Lager angekommen. Dabei sei ihnen zugute gehalten, dass sie nicht so neoliberal, wie die FDP, und nicht so konservativ, wie die CDU, sind. Es ist aber unbestreitbar, dass sie sich - neben ihrem letzten verbleibenden Thema "Umweltschutz" - selbst überflüssig gemacht haben, indem sie alle anderen Kernthemen, die einst "grün" ausmachten - von der sozialen Frage bis hin zum Pazifismus - aufgaben oder selbst verleugneten.

Und Özdemir steht in der Tat für die zentralen Probleme dieser Partei: Waren es früher Ideen, die die GRÜNEN umtrieben, sind es heute Emporkömmlinge, die in Hinterzimmern die Nähe zu angeblichen "politischen Konkurrenz-Anbietern" suchen.

H2O hat geschrieben:DIE GRÜNEN leben diese Kompromißfähigkeit auch in ihrer Partei seit Jahrzehnten; früher sortierten sie sich nach Realos und Fundis... und es gibt keinen guten Grund, diese "Konmstruktion" zu ändern. Daß DIE GRÜNEN sich deshalb teilen könnten... halte ich für Wunschdenken der politischen Wettbewerber.

Was die Spaltung der Partei angeht: Die Widersprüche innerhalb der GRÜNEN kumulieren seit Jahrzehnten. Während aber "Realos" und "Fundis" noch über das Ziel einig waren und nur über den Weg stritten; gilt das für die heutige Partei gar nicht mehr. Vielmehr stellen die GRÜNEN zwei völlig diametrale Parteien dar, die (noch) unter einem Dach vereint sind.

Stellvertretend dafür sei Kretschmann genannt, der, wüsste man nicht um die Farbe seines Parteibuches, bei blindem Raten unzweifelhaft einer streng konservativ ausgerichteten Partei zugeordnet würde. Derartiges hätte es noch in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts nicht einmal im Ansatz gegeben; schon gar nicht auf strategie-beeinflussender Ebene.

In diesem Sinne werden sich die GRÜNEN schon sehr bald entscheiden müssen, welchen Weg sie gehen wollen: Den Weg, noch eine "liberal-konservative" Partei, wenn auch eine gemäßigte, darzustellen und in den gleichen Gewässern zu fischen, in denen alle Liberalen und Konservativen fischen; oder den Weg, ihren einstigen (Gründungs-)Idealen neuen Wind zu verleihen, die einstigen USP's zurückzuerobern und wieder "unique" zu werden. Das wird jedoch in jedem Fall mit drastischen Schmerzen für den jeweils benachteiligten Flügel verbunden sein. Es fragt sich also nur, ob die Partei den Alterstod stirbt, oder ob sie sich spaltet.

H2O hat geschrieben:Wunschdenken der politischen Wettbewerber

Die GRÜNEN sind - auch größenmäßig - in jeder Konstellation bestenfalls Steigbügelhalter, oder, wohlwollender formuliert, "Königsmacher". "Wettbewerber" ist da wohl deutlich zu weit gegriffen.
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon think twice » Sa 7. Okt 2017, 08:49

Just Me hat geschrieben:(07 Oct 2017, 09:31)

Und die SPD tut sich dabei wie kaum eine andere Partei durch demokratisch zweifelhafte Mafia-Methoden hervor, um ihre Eliten zu bedienen; ganz egal, ob wir auf "Hinterzimmer" oder auf "Erpressung" bzw. "Nötigung" abstellen wollen.

Bist wohl auch so ein angefressener Linker, der es der SPD übel nimmt, dass sie nicht mit den Linken spielen will.
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon H2O » Sa 7. Okt 2017, 09:08

Just Me hat geschrieben:(07 Oct 2017, 09:47)
...

Die GRÜNEN sind - auch größenmäßig - in jeder Konstellation bestenfalls Steigbügelhalter, oder, wohlwollender formuliert, "Königsmacher". "Wettbewerber" ist da wohl deutlich zu weit gegriffen.


Tja, die hohe politische Bedeutung einer AfD kann man den DIE GRÜNEN derzeit nicht nachsagen. Das Wörtchen "derzeit" ist dabei entscheidend. DIE GRÜNEN sind in der Tat nicht mehr der Chaotenverein, sondern sie haben sich zu einer Partei entwickelt, die an politischen Zielen arbeitet... in mindestens 8 oder 10 Landtagen. Auf Bundesebene wird diese Partei gebraucht, um überhaupt eine Regierung mehrheitsfähig zu machen. Da können Sie nun schäumen, wie sie wollen. Bei 4 Parteien zwischen 7 % und 14 % gibt es keine Wettbewerber? Ja, wenn man das denn unbedingt so sehen will!
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon Just Me » Sa 7. Okt 2017, 09:15

JJazzGold hat geschrieben:(07 Oct 2017, 09:44)

Interessanter als SPD Bashing wäre zu erfahren, auf welchen Gebieten Sie anstelle der SPD anders gehandelt hätten, von Schröder bis zu acht Jahren GroKo.

Detaillierte Ausführungen würden den Rahmen dieses Forums sprengen (und meine samstag-morgendliche Schreibbereitschaft, zweifellos aber auch deine dann notwendige Lesebereitschaft, überstrapazieren ;)). Daher nenne ich einen abstrakt-essenziellen Punkt, um den sich letztlich alles dreht: "Rückbesinnung auf Werte".

Die SPD wurde einst als "Arbeiter-Partei" gegründet. In dieser Funktion kommt ihr maßgeblich - nicht allein, aber maßgeblich - das Verdienst der Befreiung dieser Bevölkerungsschicht aus dem konservativen Korsett der "Politik-Ohnmacht" zugute. Mit anderen Worten: Sie ist maßgeblich - nicht allein, aber maßgeblich - mitverantwortlich dafür, dass sich, und das nicht nur auf deutschem Boden, überhaupt Demokratie etablieren ließ. Das können sich weder Liberale, noch - und erst recht nicht - Konservative auf die Fahnen schreiben.

Diesen "historischen Wert der SPD", diese elementare Bedeutung der "ältesten Partei Deutschlands" für die Demokratie, sollte sie nicht verspielen; schon gar nicht auf dem seit rund 100 Jahren beschrittenen Weg, sich den einst so verbittert bekämpften elitären Ständen bis zum Verwechseln anzugleichen. Stattdessen gälte es, den Gründungsgedanken fortzuführen und in die Zukunft zu tragen.

... ab hier kannst du selbst weiterdenken. Es beginnt damit, dass man jede Menge "alter Zöpfe" abschneiden und sich auf die zwei wesentlichen Grundwerte der Partei (Arbeiter- heute: Erwerbstätigen-Vertretung & Etablierung/Festigung der Demokratie - doch nicht als Vormund-Mündel-Verbindung, sondern als Empore, als Lautsprecher) zurückbesinnen muss, will man nicht über kurz oder lang sein Leben als "Sonstige" beenden und sich selbst überflüssig machen.
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon Eisvogel » Sa 7. Okt 2017, 09:30

Just Me hat geschrieben:Nein, hat sie nicht. Sie macht nur, was sie in den vergangenen Jahrzehnten stets getan hat: Sie leugnet die Realität. Dass sie sich nun trotzig in die Opposition zurückzieht, hat mehr mit infantil-bockigem "Schippe-auf-Kopf-hauen" zu tun, als mit "Hausaufgaben". Das kannst du an vielen Punkten festmachen; deshalb picke ich wahllos einen heraus: Würde die SPD ihre "Hausaufgaben" machen, würde sie nicht gleich als erste Aktion im Hinterzimmer beschließen, Nahles zur Fraktionsvorsitzenden zu machen.



Naja nachdem der Oppermann nicht mehr will (oder soll ?) muss ein anderer her...ich kenne mich in SPD Kreisen nicht so gut aus, wen hättest du als "bessere" Alterative ? Eine wichtige Hausaufgabe die ich bei der SPD sehen würde ist die Entsorgung von Schulz, aber an dem werden sie wohl fest halten. Frau Schwesig ist auch so ein Grund (für mich) die SPD nicht zu wählen.. :D, die wäre meiner Meinung nach besser bei den Linken aufgehoben.
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon Just Me » Sa 7. Okt 2017, 09:32

H2O hat geschrieben:(07 Oct 2017, 10:08)
Tja, die hohe politische Bedeutung einer AfD kann man den DIE GRÜNEN derzeit nicht nachsagen.

*Hust* ... Meinst du das ernst? Den GRÜNEN ist es NOCH NIE und mit keinem einzigen Thema gelungen, derart massiv einwirken zu können. Entlastend sei allerdings angemerkt, dass die AfD letztlich nur das Sprachrohr längst etablierter Kreise ist; während die GRÜNEN früher novellierte Denkweisen insistiert hatten (Man beachte das Plusquamperfekt!).

H2O hat geschrieben:(07 Oct 2017, 10:08)
Das Wörtchen "derzeit" ist dabei entscheidend. DIE GRÜNEN sind in der Tat nicht mehr der Chaotenverein, sondern sie haben sich zu einer Partei entwickelt, die an politischen Zielen arbeitet... in mindestens 8 oder 10 Landtagen.

Ach was?! Die Anzahl, in wie vielen Landtagen eine Partei vertreten ist, sagt etwas über die Qualität der Arbeit aus? Damit wären wir wieder bei Eisvogels immer noch unbeantworteter Frage: "An welchen politischen Zielen ARBEITEN sie denn? Auf welche sinnvoll/nützlich/erfolgreich umgesetzten Projekte können die GRÜNEN denn verweisen?" Bei "mindestens 8-10 Landtagen" müsste da ja eine ganze Liste zusammenkommen, nicht wahr?!

H2O hat geschrieben:(07 Oct 2017, 10:08)
Auf Bundesebene wird diese Partei gebraucht, um überhaupt eine Regierung mehrheitsfähig zu machen.

"Steigbügelhalterei & Postengeschacher" als hohes Ziel der Politik? Ist dir das nicht selbst ein bisschen zu wenig?
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon Just Me » Sa 7. Okt 2017, 09:51

Eisvogel hat geschrieben:(07 Oct 2017, 10:30)

Naja nachdem der Oppermann nicht mehr will (oder soll ?) muss ein anderer her...ich kenne mich in SPD Kreisen nicht so gut aus, wen hättest du als "bessere" Alterative ? Eine wichtige Hausaufgabe die ich bei der SPD sehen würde ist die Entsorgung von Schulz, aber an dem werden sie wohl fest halten. Frau Schwesig ist auch so ein Grund (für mich) die SPD nicht zu wählen.. :D, die wäre meiner Meinung nach besser bei den Linken aufgehoben.

Es ist seit alters her Tradition, dass man dem Pöbel ein Bauernopfer darbietet. Das gibt es nicht erst seit dem Aufkommen songenannter "demokratischer Parteien", sondern es ist uraltes politisches Kalkül der Herrschenden, bewegte Gemüter durch den einen oder anderen öffentlich begangenen, mindestens aber öffentlich zelebierten Mord zu besänftigen.

Ganz egal also, ob Oppermann "nicht mehr will" oder "nicht mehr soll": Bevor man Personalentscheidungen trifft, sollte man sich fragen, wo die Ursachen liegen und wie man diese beseitigen kann. Entscheidend dabei ist nicht nur die Reihenfolge, sondern auch die Wertigkeit.

Eisvogel hat geschrieben:(07 Oct 2017, 10:30)
wen hättest du als "bessere" Alterative ?

Warum überhaupt "Alternative"? Warum soll Oppermann für die Fehler der Partei-Führung büßen? Als Fraktionsvorsitzender ist es sein Job, den Willen der Partei-Elite in der Fraktion durchzuprügeln. Das ist zwar per se absolut undemokratisch, ja, nachgerade anti-demokratisch, weil aristokratisch; doch genau das ist seine Job-Beschreibung. Damit ist er "nur Handlanger" der Partei-Eliten. ... Und als solcher wurde er dem Pöbel auch geopfert.

In diesem Sinne ist JEDER Austausch von Personalien nur Sand, der dem Partei-Mitglied aber auch dem Wähler ins Auge gestreut wird, um die bestehenden Zustände noch eine Weile länger zementieren zu können.

Eisvogel hat geschrieben:(07 Oct 2017, 10:30)
Eine wichtige Hausaufgabe die ich bei der SPD sehen würde ist die Entsorgung von Schulz

Das ist letztlich ebenso viel Unfug, weil es das eigentliche Problem nicht angreift. Schulz ist nur Vermittler, wenn du so willst, "Verkäufer" der SPD-Doktrin. Natürlich kann ein besonders charismatischer Typ besser verkaufen, als Schlaftabletten, wie Scharping oder Schulz. Doch geht es dir nur um die Verpackung? Soll die Verpackung glänzen, aber der Inhalt darf sich als untauglich erweisen?

Was die SPD braucht, ist die Abkehr vom münteferingschen Duktus ("Wir haben einfach das falsche Volk!"), der sich auch im gabrielschen "Hysterisches Pack!" niederschlägt. Das erreichst du aber nicht, wenn die "Entsorgung" sich nur als "innerparteiliches Postengeschiebe" darstellt.

Eisvogel hat geschrieben:(07 Oct 2017, 10:30)
Frau Schwesig ist auch so ein Grund (für mich) die SPD nicht zu wählen.. :D, die wäre meiner Meinung nach besser bei den Linken aufgehoben.

Warum? Frau Schwesig ist der Inbegriff der "klassischen Sozialdemokratie", wie sie seit 1914 gelebt wird: Nicht nur, dass sie, das Sinken der SPD sehend, das sinkende Boot fluchtartig verließ, um sich an sicherem Land fortan als Ministerpräsidentin zu betätigen, statt den Verlust des Ministeramts betrauern zu müssen, war und ist sie als Ministerin und jetzt auch als Ministerpräsidentin maßgeblich mitverantwortlich dafür, die öffentlichen Schulen zu schleifen, schickt sie ihren Knaben dank Steuerzahler-Vollsubventionierung auf eine private Schule. Schließlich ist das Kind eines elitären Spezialdemokraten mehr wert, als das Kind eines SPD-Parteimitglieds, dessen Eltern sich die private Schule nicht leisten können, sondern das ausbaden muss, was die SPD-Partei-Elite - hier in Person Schwesigs - mittrug, nicht wahr?!
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon H2O » Sa 7. Okt 2017, 10:17

Just Me hat geschrieben:(07 Oct 2017, 10:32)

*Hust* ... Meinst du das ernst? Den GRÜNEN ist es NOCH NIE und mit keinem einzigen Thema gelungen, derart massiv einwirken zu können. Entlastend sei allerdings angemerkt, dass die AfD letztlich nur das Sprachrohr längst etablierter Kreise ist; während die GRÜNEN früher novellierte Denkweisen insistiert hatten (Man beachte das Plusquamperfekt!).

Schön, daß Sie sich in der Grammatik auskennen. Was ich zum Ausdruck bringen wollte, das war schon, daß die hohe Zustimmung zu einer Politischen Richtung nicht unbedingt diese Richtung adelt.
Ach was?! Die Anzahl, in wie vielen Landtagen eine Partei vertreten ist, sagt etwas über die Qualität der Arbeit aus?

Ich meine, daß diese Partei beweist, daß sie mit allen demokratischen Parteien auch in der Regierungsverantwortung erfolgreich zusammen arbeiten kann. Ihre Wähler finden das auch so weit in Ordnung.
Damit wären wir wieder bei Eisvogels immer noch unbeantworteter Frage: "An welchen politischen Zielen ARBEITEN sie denn? Auf welche sinnvoll/nützlich/erfolgreich umgesetzten Projekte können die GRÜNEN denn verweisen?" Bei "mindestens 8-10 Landtagen" müsste da ja eine ganze Liste zusammenkommen, nicht wahr?!

Kommt ja auch zusammen.

Atomausstieg; erneuerbare Energien fördern. Ein sehr dornenreicher Weg... aber am Ende sicher erfolgreich.

In der Landwirtschaft versuchen sie gegen erhebliche Widerstände erfolgreich, möglichst viel artgerechte Tierhaltung und bodenschonende Bebauungsweisen zu fördern. Dazu gehört auch die Begrenzung von trinkwasserschädigenden Einträgen durch Überdüngung, Bewahrung und Schaffung von Naturschutzgebieten.

In Bremen versuchen DIE GRÜNEN die Stadt bewohnbar zu halten... sehr zum Ärger der stets brüllenden Baulöwen. Und sie geben sich Mühe, das wenige Geld zusammen zu halten, das andere so gern verpulvern würden. Eine Sisyphosarbeit. Wer solche Mühen nicht wertschätzt, der erkennt sie bestenfalls als Störung des Fortschritts. Was Grüne in BaWü leisten und geleistet haben hat offenbar ausgereicht, daß sie in der Regierungsverantwortung bestätigt wurden... da hat Ihr Eisvogel wohl nicht ganz mitgekoppelt.

DIE GRÜNEN sind insgesamt zu einer verantwortungsbewußten politischen Partei gereift und eben nicht mehr ein chaotischer Haufen. Die alten Ziele der Nachhaltigkeit verfolgen sie dennoch. Deswegen werden sie auch so heftig angegriffen. Hilft den Eisvögeln aber nichts. Die Zeit der Paradiesvögel ist bei den DIE GRÜNEN vorbei.
"Steigbügelhalterei & Postengeschacher" als hohes Ziel der Politik? Ist dir das nicht selbst ein bisschen zu wenig?

Tja, ich kann auch nicht empfehlen, Politik ohne Politiker gestalten zu wollen. Irgendeiner muß das am Ende ja tun, und Meckerer muß man dabei ertragen.
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon Alpha Centauri » Sa 7. Okt 2017, 10:29

Just Me hat geschrieben:(07 Oct 2017, 09:31)

Es ist "Handlungsfähigkeit", wenn das Versagen einer ganzen Partei(-Elite) auf den Schultern eines Einzelnen, noch dazu auf denen eines Statisten, abgeladen wird? Nicht "die Fraktion", und damit "der Fraktionsvorsitzende", hat versagt, jorikke. Es war die GESAMTE Elite der Partei. Würde die SPD also "Handlungsfähigkeit" beweisen, würde sie den gesamten Partei-Vorstand zur Debatte stellen. Stattdessen finden nur in Hinterzimmern ausgeklüngelte "Bäumchen-wechsel-dich"-Spielchen innerhalb der seit einem Jahrhundert inzestuös gezüchteten Partei-Elite statt. Das steht einer Klientel-Partei, die nur Kleinstgruppen vertritt, gut zu Gesicht, weil es "heimelige Familien-Betriebs"-Züge trägt. Eine Volkspartei nimmt daran massiven Schaden.

Aber mit Nahles, Schwesig & Co.?

Wenn Nahles "das Beste der SPD" ist, dann wird es dringend Zeit, dass die SPD die Bühne verlässt. Nur zur Erinnerung: Nahles ist maßgeblich mitschuldig am (Alters-)Armuts-Desaster, das mitten in einem der reichsten Länder dieses Planeten fast 50 Prozent aller erwerbsfähigen Lohnabhängigen - und damit das zentrale Klientel der (einstigen) Arbeiterpartei - treffen wird. Genauso gut hätte man also auch postulieren können: "Ob Schröders Reaktivierung eine gute Lösung ist, wird sich zeigen. Was Besseres war wohl nicht greifbar."

Du kannst es "Stimmungsvokabel" nennen. Ich nenne es "fehlendes Demokratie-Verständnis". Daran - und maßgeblich DARAN - scheitert die SPD seit fast einem Jahrhundert systematisch, regelmäßig und mittlerweile - dank wachsendem Demokratie-(Selbst-)Verständnis des Pöbels - auch zunehmend.

Möchtest du "Stimmungsvokabel"-Bullshit-Bingo machen; oder liegt dir an einer ernsthaften Diskussion? Ist dir vielleicht auch nur der Begriff des "Hinterzimmers" nicht geläufig, jorikke? Es geht nicht um das "Wo?", sondern um das "Wie?" einer Beschlussfassung. Und die SPD tut sich dabei wie kaum eine andere Partei durch demokratisch zweifelhafte Mafia-Methoden hervor, um ihre Eliten zu bedienen; ganz egal, ob wir auf "Hinterzimmer" oder auf "Erpressung" bzw. "Nötigung" abstellen wollen.


Die SPD sich sich mal selbst gründlich hinterfragen. Die Hartz Reformen werden der SPD heute noch übel genommen ( Verrat an den eigenen politischen Werten) sie haben erst die Partei die LINKE ermöglicht, und eine Partei der Arbeiter und Anwalt des "kleinen Mannes" ist die SPD auch schon längst nicht mehr.
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon Alpha Centauri » Sa 7. Okt 2017, 10:35

H2O hat geschrieben:(07 Oct 2017, 10:08)

Tja, die hohe politische Bedeutung einer AfD kann man den DIE GRÜNEN derzeit nicht nachsagen. Das Wörtchen "derzeit" ist dabei entscheidend. DIE GRÜNEN sind in der Tat nicht mehr der Chaotenverein, sondern sie haben sich zu einer Partei entwickelt, die an politischen Zielen arbeitet... in mindestens 8 oder 10 Landtagen. Auf Bundesebene wird diese Partei gebraucht, um überhaupt eine Regierung mehrheitsfähig zu machen. Da können Sie nun schäumen, wie sie wollen. Bei 4 Parteien zwischen 7 % und 14 % gibt es keine Wettbewerber? Ja, wenn man das denn unbedingt so sehen will!


Naja die AFD wird auch medial ganz schön aufgebauscht.
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon JJazzGold » Sa 7. Okt 2017, 11:04

Just Me hat geschrieben:(07 Oct 2017, 10:15)

Detaillierte Ausführungen würden den Rahmen dieses Forums sprengen (und meine samstag-morgendliche Schreibbereitschaft, zweifellos aber auch deine dann notwendige Lesebereitschaft, überstrapazieren ;)). Daher nenne ich einen abstrakt-essenziellen Punkt, um den sich letztlich alles dreht: "Rückbesinnung auf Werte".

Die SPD wurde einst als "Arbeiter-Partei" gegründet. In dieser Funktion kommt ihr maßgeblich - nicht allein, aber maßgeblich - das Verdienst der Befreiung dieser Bevölkerungsschicht aus dem konservativen Korsett der "Politik-Ohnmacht" zugute. Mit anderen Worten: Sie ist maßgeblich - nicht allein, aber maßgeblich - mitverantwortlich dafür, dass sich, und das nicht nur auf deutschem Boden, überhaupt Demokratie etablieren ließ. Das können sich weder Liberale, noch - und erst recht nicht - Konservative auf die Fahnen schreiben.

Diesen "historischen Wert der SPD", diese elementare Bedeutung der "ältesten Partei Deutschlands" für die Demokratie, sollte sie nicht verspielen; schon gar nicht auf dem seit rund 100 Jahren beschrittenen Weg, sich den einst so verbittert bekämpften elitären Ständen bis zum Verwechseln anzugleichen. Stattdessen gälte es, den Gründungsgedanken fortzuführen und in die Zukunft zu tragen.

... ab hier kannst du selbst weiterdenken. Es beginnt damit, dass man jede Menge "alter Zöpfe" abschneiden und sich auf die zwei wesentlichen Grundwerte der Partei (Arbeiter- heute: Erwerbstätigen-Vertretung & Etablierung/Festigung der Demokratie - doch nicht als Vormund-Mündel-Verbindung, sondern als Empore, als Lautsprecher) zurückbesinnen muss, will man nicht über kurz oder lang sein Leben als "Sonstige" beenden und sich selbst überflüssig machen.


Im letzten Punkt sind wir uns einig, die SPD hätte sich wesentlich früher vom Ruf der reinen Arbeitervertreterpartei lösen müssen.
Seitengedanke: Nichts gegen das traditionelle “Glück auf“, nur kann der heutzutage mehrheitliche Angestellte wenig bis nichts damit anfangen.

Inwieweit die SPD Demokratie etablieren soll, erschließt sich mir nicht. Die halte ich für zementiert.
Sie wäre allenfalls im Bezug auf Volksentscheide ausbaubar, was wiederum momentan Ländersache ist und meines Erachtens, käme sie auch im Bund zu tragen, nur sehr eingegrenzt anwendbar wäre. Zu selten, meines Erachtens, um der SPD damit nachhaltig Profilschärfe zu verleihen.

Was mich wiederum wundert ist, dass die Jusos, im Gegensatz zur Jungen Union, wenig bis nicht wahrnehmbar einen Generationswechsel fordert. Der Zeitpunkt wäre momentan dazu mehr als geeignet.


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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon Eisvogel » Sa 7. Okt 2017, 11:44

Just Me hat geschrieben:
Warum überhaupt "Alternative"?


Weil er aktuell nicht als Fraktionschef der SPD zur Verfügung steht, die Gründe sind dabei zweitrangig..sein Posten ist frei und bedarf einer "Alternative" (Nachfolger). Wenn nicht Nahles wer dann und warum nicht Nahles ?


Just Me hat geschrieben:
Warum soll Oppermann für die Fehler der Partei-Führung büßen?



"Soll" er nicht, jedenfalls nicht meinetwegen..ich habe das aber auch nicht zu entscheiden oder zu verantworten, von daher kann ich dir daraufhin keine Antwort geben.


Just Me hat geschrieben:Das ist letztlich ebenso viel Unfug, weil es das eigentliche Problem nicht angreift. Schulz ist nur Vermittler, wenn du so willst, "Verkäufer" der SPD-Doktrin.



Nein das ist kein Unfug, das wäre die logische Konsequenz des vergangenen Wahlergebnisses. Hör dich doch mal um und sprich mit den Menschen auf der Straße, WARUM die SPD dieses Ergebnis zu verzeichnen hat. Dass es falsch ist die Politik der SPD und deren Inhalte allein auf dessen Kanzlerkandidaten zu reduzieren brauchst du mir nicht erklären, das steht aber nicht zur Debatte. Jemand anderes an die Stelle von Schulz zu setzen ist EIN Punkt den die SPD bei ihrer "neu Erfindung" umsetzen sollte, wenn sie in 4 Jahren mehr Erfolg haben möchte. Dass da Parteiintern noch einige andere auf der Liste stehen ist mir bewusst.


Just Me hat geschrieben:
Warum? Frau Schwesig ist der Inbegriff der "klassischen Sozialdemokratie", wie sie seit 1914 gelebt wird: Nicht nur, dass sie, das Sinken der SPD sehend, das sinkende Boot fluchtartig verließ, um sich an sicherem Land fortan als Ministerpräsidentin zu betätigen, statt den Verlust des Ministeramts betrauern zu müssen, war und ist sie als Ministerin und jetzt auch als Ministerpräsidentin maßgeblich mitverantwortlich dafür, die öffentlichen Schulen zu schleifen, schickt sie ihren Knaben dank Steuerzahler-Vollsubventionierung auf eine private Schule. Schließlich ist das Kind eines elitären Spezialdemokraten mehr wert, als das Kind eines SPD-Parteimitglieds, dessen Eltern sich die private Schule nicht leisten können, sondern das ausbaden muss, was die SPD-Partei-Elite - hier in Person Schwesigs - mittrug, nicht wahr?!




Weil sie eine der Jenigen ist, die es noch immer nicht begriffen haben WARUM die SPD dieses Wahlergebnis kassiert hat. Ihre Hauptaufgabe ist das diffamieren der AFD und deren Mitglieder, dass ist aber nicht das was ihre Wähler oder nicht Wähler hören wollen. Der 2. Weltkrieg ist vorbei, die Nazis sind es auch. Mehr als das übliche Gequatsche von der bösen AFD und dem bösen Rechtspopulismus als Katja Kipping habe ich von der Frau nach der Bundestagswahl noch nicht viel gehört oder gelesen.


Falls es die Genossen überhaupt selbst wissen, weiß doch aktuell wirklich NIEMAND für welche Politik die SPD aktuell steht. Ähnlich ist es bei den Grünen.
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon H2O » Sa 7. Okt 2017, 12:08

Alpha Centauri hat geschrieben:(07 Oct 2017, 11:35)

Naja die AFD wird auch medial ganz schön aufgebauscht.


Das ist schon wahr! Inzwischen beginnen auch Menschen an der Zuverlässigkeit der Medien zu zweifeln, die bisher Zweifel für übertrieben hielten. Tun Sie sich den Gefallen, und sehen Sie sich das Gesicht der Kanzlerin in den heutigen "t-online-Nachrichten (spiegel online?)" an. Wie kann man nur einen Menschen systematisch in so unvorteilhafter Weise darstellen? Diese Art von Nachrichtengestaltern läßt sich an Bösartigkeit nicht mehr übertreffen.

Nachtrag: Huch, das angesprochene Bild der Kanzlerin ist aus den t-online-Nachrichten verschwunden; der damit verzierte Beitrag, daß jeder Dritte Mitbürger sich ihren vorzeitigen Abgang wünscht, ist zum Nebenthema geworden... mit einem ganz normalen Bild. Da muß wohl ein leitender Redakteur eine Grenzüberschreitung bemerkt haben.
Zuletzt geändert von H2O am Sa 7. Okt 2017, 12:25, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon yogi61 » Sa 7. Okt 2017, 12:11

H2O hat geschrieben:(07 Oct 2017, 13:08)

Das ist schon wahr! Inzwischen beginnen auch Menschen an der Zuverlässigkeit der Medien zu zweifeln, die bisher Zweifel für übertrieben hielten. Tun Sie sich den Gefallen, und sehen Sie sich das Gesicht der Kanzlerin in den heutigen "t-online-Nachrichten (spiegel online?)" an. Wie kann man nur einen Menschen systematisch in so unvorteilhafter Weise darstellen? Diese Art von Nachrichtengestaltern läßt sich an Bösartigkeit nicht mehr übertreffen.


Die Medien haben mit Frau Merkel offensichtlich inzwischen fertig. Selbst die Springer-Presse lässt sie nach und nach fallen.
Two unique places, one heart
https://www.youtube.com/watch?v=Ca9jtQhnjek
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Sa 7. Okt 2017, 12:17

yogi61 hat geschrieben:(07 Oct 2017, 13:11)

Die Medien haben mit Frau Merkel offensichtlich inzwischen fertig. Selbst die Springer-Presse lässt sie nach und nach fallen.

Das ist nur eine Phase. Alle Merkelwitze wurden schon 2001 erzählt. Die Opposition aus AfD und SPD wird bald wieder genug Gründe liefern, Merkel relativ entspannt zu sehen.
"I should welcome almost any war, for I think this country needs one" - T. Roosevelt, Politiker.
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon H2O » Sa 7. Okt 2017, 12:20

yogi61 hat geschrieben:(07 Oct 2017, 13:11)

Die Medien haben mit Frau Merkel offensichtlich inzwischen fertig. Selbst die Springer-Presse lässt sie nach und nach fallen.


Kritik, insbesondere berechtigte Kritik, halte ich für den Treibstoff einer Gesellschaft. Stimmungsmache gehört sicher nicht dazu. Ich möchte in unserem Lande keine bösartige Umgangsweise der politischen Klasse miteinander erleben, wie sie als Toilettengeräusch aus Österreich zu uns dringt.

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