Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

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Balsamico
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Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon Balsamico » So 24. Sep 2017, 21:02

Kann mir bitte jemand kurz erklären, warum Cem Özdemir (Grüne) und Wolfgang Kubicki (FDP) (grade bei Anne Will) Frau Schlesig von der SPD dafür kritisieren, dass die SPD eine Fortführung der GroKo ablehnt? Es würde doch nur die Position der Grünen und der FDP in Koalitionsverhandlungen mit der Unon stärken...

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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon Woppadaq » So 24. Sep 2017, 21:06

Balsamico hat geschrieben:(24 Sep 2017, 22:02)

Kann mir bitte jemand kurz erklären, warum Cem Özdemir (Grüne) und Wolfgang Kubicki (FDP) (grade bei Anne Will) Frau Schlesig von der SPD dafür kritisieren, dass die SPD eine Fortführung der GroKo ablehnt? Es würde doch nur die Position der Grünen und der FDP in Koalitionsverhandlungen mit der Unon stärken...

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Du gehst davon aus, dass Jamaica von den Parteien gewollt ist. Das sehen die aber wahrscheinlich anders. Zudem nimmt das beiden Parteien eine Drohoption: wenn du nicht willig bist, gibts halt wieder Groko. Jetzt MÜSSEN sie zwanghafterweise miteinander klarkommen. Und am Ende verlieren sie dadurch womöglich zuviel.
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Platon
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon Platon » So 24. Sep 2017, 21:07

Weil durch den Schritt der SPD der Druck auf die Grünen und die FDP steigt in ihren Verhandlungen miteinander und der Union Kompromisse einzugehen um so eine Neuwahl zu verhindern. Beide Parteien wollen natürlich die Möglichkeit haben in die Opposition zu gehen, wenn ihre Forderungen nicht in angemessener Weise berücksichtigt werden. Durch den Schritt der SPD nicht für eine weitere Koalition zur Verfügung zu stehen, ist das nicht mehr der Fall und der Druck liegt eindeutig bei beiden kleineren Parteien flexibel zu sein.
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon KarlRanseier » So 24. Sep 2017, 21:25

Erschreckend an der Wahl ist, dass die Grünen und die Dekadenten nun von der CDU zerquetscht werden. Man kann sagen, dass es um die sowieso nicht schade ist, weil das die gleiche Soße ist. Aber da die SPD von allein immer weiter an Bedeutung verliert, was meiner Meinung nach gut und nachvollziehbar ist, führt das dazu, dass die Hohlraumdübel der AfD bei der nächsten Bundestagswahl zweitstärkste Partei werden könnte.

Es ist kaum zu fassen, wie eine solche Partei auf 13% kommen kann. Nichteinmal deren Wähler trauen denen irgendetwas zu.

Vielleicht sollte Frau Merkel zur Abwechslung mal mit der Selbstbeweihräucherung aufhören, Deutschland geht es nicht so gut wie nie zuvor, wenn man auch Arbeitnehmer, Arbeitslose und Rentner als zu diesem Land gehörig betrachtet. Wenn man nicht endlich aufhört, den Unternehmen in den Hintern zu kriechen, dann ist zu befürchten, dass dieses Land wieder hässlich wird. Zwar sind die AfDisten noch neoliberaler als die Dekadenten, aber sie stehen halt für "Opposition" und werden von Vielen gewählt, obwohl kein Mensch von denen irgendetwas, abgesehen von Hetze und Pöbelei, erwartet.
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon Tom Bombadil » So 24. Sep 2017, 21:28

Balsamico hat geschrieben:(24 Sep 2017, 22:02)

Kann mir bitte jemand kurz erklären, warum Cem Özdemir (Grüne) und Wolfgang Kubicki (FDP) (grade bei Anne Will) Frau Schlesig von der SPD dafür kritisieren, dass die SPD eine Fortführung der GroKo ablehnt?

Weil die meisten Wähler wollen, dass die Groko fortgeführt wird. Die SPD gibt aber auf, weil sie an Merkels Seite immer mehr an Profil und Stimmen verliert. Jetzt sollen es die kleinen Parteien ausbaden, die das die Existenz kosten kann, die FDP hat es ja schon am eigenen Leib erfahren. Man kann beiden nur raten, nicht mit Merkel zu koalieren, dann muss eben neu gewählt werden, vllt. besinnen sich ja dann genügend Protestwähler.
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon Mahmoud » So 24. Sep 2017, 21:29

KarlRanseier hat geschrieben:(24 Sep 2017, 22:25)

.

Es ist kaum zu fassen, wie eine solche Partei auf 13% kommen kann.



Das ist mir auch ein Rätsel. Ich hatte mit deutlich mehr gerechnet. Offensichtlich sind die ewig Gestrigen aber doch stärker als gehofft....
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon Yossarian » So 24. Sep 2017, 21:30

Weil jede Regierung zur Zeit zum scheitern verurteilt ist.
Eine Zwangskoalition zwischen FDP und Grünen muss scheitern.
Wenn ich einen Vogel sehe der wie eine Ente watschelt und wie eine Ente schwimmt und wie eine Ente quakt dann nenne ich ihn eine Ente. Und wenn der Vogel dementiert eine Ente zu sein ist es eine russische Ente.
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon frems » So 24. Sep 2017, 21:32

Balsamico hat geschrieben:(24 Sep 2017, 22:02)

Kann mir bitte jemand kurz erklären, warum Cem Özdemir (Grüne) und Wolfgang Kubicki (FDP) (grade bei Anne Will) Frau Schlesig von der SPD dafür kritisieren, dass die SPD eine Fortführung der GroKo ablehnt? Es würde doch nur die Position der Grünen und der FDP in Koalitionsverhandlungen mit der Unon stärken...

Danke!

Naja, eine Koalition mit Merkel tat bisher keiner Partei gut. 2005 erzielte die SPD 34,2% und schmierte nach vier Jahren GroKo auf 23,0% ab. Dann wurden die Liberalen mit 14,6% Partner und landeten 2013 bei 4,8%. Die SPD rappelte sich leicht auf 25,7% auf und ist nun bei 20-21%. Will die SPD nun in die Opposition, setzt sie die Grünen und Liberalen unter Druck, weil jedes andere realistische Bündnis damit ausgeschlossen wird. Die CDU kann recht entspannt die Beine hochlegen.
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon KarlRanseier » So 24. Sep 2017, 22:07

Yossarian hat geschrieben:(24 Sep 2017, 22:30)

Weil jede Regierung zur Zeit zum scheitern verurteilt ist.
Eine Zwangskoalition zwischen FDP und Grünen muss scheitern.



Glaube ich nicht. Die Grünen sind die FDP für Menschen mit Gewissen und etwas Verstand. Die Grünen haben die reichste Wählerklientel und passen recht gut zur FDP.
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon Mahmoud » So 24. Sep 2017, 22:14

Balsamico hat geschrieben:(24 Sep 2017, 22:02)

Kann mir bitte jemand kurz erklären, warum Cem Özdemir (Grüne) und Wolfgang Kubicki (FDP) (grade bei Anne Will) Frau Schlesig von der SPD dafür kritisieren, dass die SPD eine Fortführung der GroKo ablehnt? Es würde doch nur die Position der Grünen und der FDP in Koalitionsverhandlungen mit der Unon stärken...

Danke!


Vielleicht, weil die SPD den beiden Genannten damit zeigt, was Ihnen selbst bevorstehen könnte: Wer in eine Koalition mit der CDU geht, kommt schwächer raus als rein. Und das möchten sie nicht wahrhaben wollen.... :p
Ansonsten macht das keinen Sinn. Grüne und FDP können nun mit sehr breiter Brust Forderungen stellen, wohl wissend, daß es ohne sie nicht gehen wird....
Zuletzt geändert von Mahmoud am So 24. Sep 2017, 22:25, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon Balsamico » So 24. Sep 2017, 22:17

Tom Bombadil hat geschrieben:(24 Sep 2017, 22:28)

Weil die meisten Wähler wollen, dass die Groko fortgeführt wird. Die SPD gibt aber auf, weil sie an Merkels Seite immer mehr an Profil und Stimmen verliert. Jetzt sollen es die kleinen Parteien ausbaden, die das die Existenz kosten kann, die FDP hat es ja schon am eigenen Leib erfahren. Man kann beiden nur raten, nicht mit Merkel zu koalieren, dann muss eben neu gewählt werden, vllt. besinnen sich ja dann genügend Protestwähler.

Ich kann mich erinnern, dass eine Umfrage ermittelt hat, dass eine GroKo die allermeisten Bürgern nichtmehr wollen.

Platon hat geschrieben:Weil durch den Schritt der SPD der Druck auf die Grünen und die FDP steigt in ihren Verhandlungen miteinander und der Union Kompromisse einzugehen um so eine Neuwahl zu verhindern. Beide Parteien wollen natürlich die Möglichkeit haben in die Opposition zu gehen, wenn ihre Forderungen nicht in angemessener Weise berücksichtigt werden. Durch den Schritt der SPD nicht für eine weitere Koalition zur Verfügung zu stehen, ist das nicht mehr der Fall und der Druck liegt eindeutig bei beiden kleineren Parteien flexibel zu sein.

Weshalb liegt der Druck auf den kleineren Parteien flexibel zu sein? Mahmoud zum Beispiel sagt das Gegenteil...

Mahmoud hat geschrieben:(24 Sep 2017, 23:14)
Vielleicht, weil die SPD den beiden Genannten damit zeigt, was Ihnen selbst bevorstehen könnte: Wer in die GRoKo geht, kommt schwächer raus als rein. Und das möchten sie nicht wahrhaben wollen.... :p
Ansonsten macht das keinen Sinn. Grüne und FDP können nun mit sehr breiter Brust Forderungen stellen, wohl wissend, daß es ohne sie nicht gehen wird....




Wer unter Druck steht, kommt darauf an, wer von Neuwahlen profitieren würde, oder nicht?

>>>> viewtopic.php?f=32&t=64619



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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon Bleibtreu » So 24. Sep 2017, 22:28

Tom Bombadil hat geschrieben:(24 Sep 2017, 22:28)

Weil die meisten Wähler wollen, dass die Groko fortgeführt wird. Die SPD gibt aber auf, weil sie an Merkels Seite immer mehr an Profil und Stimmen verliert. Jetzt sollen es die kleinen Parteien ausbaden, die das die Existenz kosten kann, die FDP hat es ja schon am eigenen Leib erfahren. Man kann beiden nur raten, nicht mit Merkel zu koalieren, dann muss eben neu gewählt werden, vllt. besinnen sich ja dann genügend Protestwähler.

So in etwa sehe ich die Lage auch.

KarlRanseier hat geschrieben:(24 Sep 2017, 23:07)

Glaube ich nicht. Die Grünen sind die FDP für Menschen mit Gewissen und etwas Verstand. Die Grünen haben die reichste Wählerklientel und passen recht gut zur FDP.

Sehe ich nicht so. Wenn du FDP durch CDU ersetzt stimmt es.
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon Skull » So 24. Sep 2017, 22:41

Ich würde erwarten, das Parteien, die an der politischen Willensbildung teilnehmen,
die für Parlamente kandidieren, das Ziel haben sollten, Politik aktiv zu GESTALTEN.

Wie ich aber auch hier wieder lesen kann...und so wie die Parteien heute ja auch überwiegend
darstellten...geht es den meisten weniger um Verantwortung, weniger um Deutschland,
noch weniger was man im Sinne der programmatischen Ausrichtung für das Land erreichen und umsetzen kann.
Der SPD geht es nicht darum in einer Koalition in den nächsten Jahren eigene Ziele umzusetzen.
Sie will in der Opposition wieder erstarken.
Der AfD geht es nicht darum, eigene Ziele umzusetzen, Alternativen zu präsentieren.
Sie will in der Opposition ihren realitätsfernen Protest weiter umsetzen.

Es geht in erster Linie um sich, um Taktik und um das eigene Interesse.
Was nützt mir, meiner Perspektive, meinen Leuten.
Die nächste Wahl ist wichtig. Auch und gerade schon am heutigen Tag.


Und da wundert sich jemand, das die Bürger immer weniger den Parteien trauen oder vertrauen ? :D

Gratulation...

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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon X3Q » Mo 25. Sep 2017, 08:42

Skull hat geschrieben:(24 Sep 2017, 23:41)

Ich würde erwarten, das Parteien, die an der politischen Willensbildung teilnehmen,
die für Parlamente kandidieren, das Ziel haben sollten, Politik aktiv zu GESTALTEN.

Wie ich aber auch hier wieder lesen kann...und so wie die Parteien heute ja auch überwiegend
darstellten...geht es den meisten weniger um Verantwortung, weniger um Deutschland,
noch weniger was man im Sinne der programmatischen Ausrichtung für das Land erreichen und umsetzen kann.
Der SPD geht es nicht darum in einer Koalition in den nächsten Jahren eigene Ziele umzusetzen.
Sie will in der Opposition wieder erstarken.
Der AfD geht es nicht darum, eigene Ziele umzusetzen, Alternativen zu präsentieren.
Sie will in der Opposition ihren realitätsfernen Protest weiter umsetzen.

Es geht in erster Linie um sich, um Taktik und um das eigene Interesse.
Was nützt mir, meiner Perspektive, meinen Leuten.
Die nächste Wahl ist wichtig. Auch und gerade schon am heutigen Tag.


Und da wundert sich jemand, das die Bürger immer weniger den Parteien trauen oder vertrauen ? :D

Gratulation...

mfg

Und wenn die SPD jetzt sagt, wir stellen uns in den Dienst des Landes und machen erneut eine GroKo (die von der Mehrheit der Wähler aber nicht gewollt wird), werden die selben Wähler der SPD verwerefen, ihr geht es nur um Macht und Pründe, für die die Partei bereit ist alles zu opfern.

--X
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon immernoch_ratlos » Mo 25. Sep 2017, 09:18

Skull hat geschrieben:Ich würde erwarten, das Parteien, die an der politischen Willensbildung teilnehmen, die für Parlamente kandidieren, das Ziel haben sollten, Politik aktiv zu GESTALTEN.
Das Dilemma - die "Tragik der Demokratie" (in Anlehnung zur "Tragik der Allmende") ist die Notwendigkeit, das Parteien sich so präsentieren (müssen), das sie auch von einer großen Anzahl von Wählern "wählbar" erscheinen.

Da diese "große Anzahl" meist wenig mit Fakten und Details "am Hut" hat, werden Parteien mit "feingliedrigem Profil" tendenziell nur von Minderheiten gewählt. Wem es dagegen gelingt einen eher diffusen Trend zu bedienen und ansonsten eher vage mit den üblichen Parolen bleibt, wird Mehrheitspartei. Generell unerwünscht ist dabei eine echte Veränderung. Solange der Eindruck, für "alle" - das sind sehr viele dieser Wähler - läuft alles "wunderbar" - im Prinzip "unverändert", ist "man" stärkste Partei.

Gelingt es Außenseitern hier Misstrauen zu sähen - zu signalisieren, es gäbe eine echte Veränderung - die man selbst zu verhindern weiß (wie oder ob überhaupt möglich, gehört zur Realität und die spielt für diesen Wählertypus eher keine Rolle), werden damit also gezielt diffuse Zukunftsängste bedient, ist eine neue "Protestpartei" im Spiel. Im konkreten Fall die AfD, welche dann auch noch den "Vorzug" geniest, tendenziell den rechten Rand erstmalig über die Fünfprozenthürde hinaus zu "bedienen".

Die Zukunftsängste - etwas wird sich unerwünscht verändern - sind mit dem immer stärker werdenden "Sichtbarkeit" von "Fremden" im "eigenen Land" bestätigt und bekräftigt. Besonders "erfreulich" für Parteien die das sehr geschickt aufgreifen, ein Teil der "Fremden" macht durch ihr Verhalten besonders deutlich, "wir" sind anders und "wir" wollen das auch "laut" und gut "sichtbar" zeigen.

Da sind die dilettantischen Versuche dies als "kulturelle Bereicherung" zu verkaufen (was dem eigenen Parteiprofil entspricht) geradezu ein "Brandverstärker" - wenn nicht gar ein "Brandbeschleuniger".

Die derzeitige "Parteienlandschaft" bildet recht exakt die unterschiedlichen Gruppierungen ab. Die "Kernanliegen" der "Spezialisten" widersprechen sich da eher konträr. Die nach wie vor stärkste Partei (eigentlich eine permanente "Zwangskoalition") muss nun versuchen "FDP" und "Grüne" statt einer wesentlich "kompatibleren Volkspartei" (deren inkompatiblen Elemente zur LINKEn abgewandert sind), miteinander "koalitionsfähig" zu machen, um selbst diese ominöse "Jamaika Koalition" eine "Ménage à Trois" zu bilden.

Neben dem Ziel einer Regierungsbildung (unter der eigenen Führung versteht sich), existiert weiter das Ziel, bei der nächsten Wahl die notgedrungen notwendigen "Koalitionäre" möglichst für alle Probleme verantwortlich zu machen, aber wenn es denn positive Leistungen gab, diese der eigenen Partei zuzuschreiben.

Sollten dabei eigentlich "unerwünschte Erfolge" der Koalitionäre nicht zur eigenen Selbstdarstellung passen, kann die mit "gewissen Zwängen" erklärbar gemacht werden - die selbstverständlich nur mit eigene Billigung überhaupt zustande kamen. Ein klares Signal an die Wähler der Koalitionäre - wählt besser gleich uns "wir" können dies nicht nur "auch", sondern "viel besser".

Das hat mit der SPD auf das beste funktioniert. Nun, nur noch wenige Prozentpunkte von der AfD entfernt, kann sich in der SPD jeder problemlos ausrechnen, wo "man" bei einer Folgewahl als erneuter "Erfüllungsgehilfe" wohl stehen wird.

Da ist es in gewisser Weise eine Notwehrmaßnahme, sich einer erneuten Koalition zu verweigern. Aus "Staatsraison" sich selbst vollkommen zu entleiben, geht als Erwartung selbst für ausgemachte Demokraten schlicht zu weit. Zumal nun, zwei "langjährige heftige Kritiker" sich in die Lage einer "nicht ganz freien Entscheidung" gedrängt fühlen. Im Gegensatz zur AfD - WOLLEN beide ja ihrem Stammklientel gegenüber liefern. Im krassen Gegensatz "zur neuen dritten Kraft", erwartet das "Freund und Feind" von den beiden.

Um das alles zu vermeiden, wäre eine Diktatur frei von solcherlei Verstrickungen und Abhängigkeiten. Im Prinzip gibt es "gefühlt" deutlich mehr "potentielle Wähler", die sich derartig "klare Verhältnisse" insgeheim - manche sehr offen - wünschen. Darin liegt auch die Gefahr für eine Demokratie die selbstverständlich kein derartig einheitliches Bild zu bieten in der Lage ist.

Obwohl es nur wenige Beispiele bislang gibt, wo eine Demokratie sich in eine Diktatur gewandelt hat (was wohl daran liegen mag, es gab bislang eher wenig funktionierende Demokratien weltweit), die Tendenz Politikern ihre Stimme zu geben, die sich für "einfache Lösungen" aussprechen, ist weltweit sichtbar und nimmt beängstigend zu.

Der Widerspruch in einer höchst komplexen Welt, schlicht keine einfachen Lösungen finden zu können, spiegelt sich trauriger Weise in den Wählerentscheidungen wieder. Man muss sie nur sehen wollen. Gleichgültig ob nun eine baldige Neuwahl oder erst nach dem Scheitern eines Versuchs einer "Ménage à Trois" (mit einem "zwangsverheirateten" Pärchen im Gepäck), wird diesmal die Demokratie nicht gleich entgleisen lassen. Aber die Richtung ist vorgegeben - schau mer mal - wer dieser Richtung - dieser "Chance" zugetan ist.

Die "Welt" und all die akuten Probleme warten gewiss nicht darauf, dass sich der dt. Michel seiner tatsächlichen Lage bewusst wird. Europa, selbst in Auflösung begriffen, würde ganz gewiss eine einigermaßen handlungsfähiges D hilfreicher sein, als ein nur noch mit sich selbst beschäftigtes und zugleich größtes Mitglied dieser doch recht lockeren Gemeinschaft zu sein....
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon pikant » Mo 25. Sep 2017, 09:28

Balsamico hat geschrieben:(24 Sep 2017, 22:02)

Kann mir bitte jemand kurz erklären, warum Cem Özdemir (Grüne) und Wolfgang Kubicki (FDP) (grade bei Anne Will) Frau Schlesig von der SPD dafür kritisieren, dass die SPD eine Fortführung der GroKo ablehnt? Es würde doch nur die Position der Grünen und der FDP in Koalitionsverhandlungen mit der Unon stärken...

Danke!


das ist in der Tat so, dass FDP und Gruene nach der Absage einer Koalition der SPD mit der CDU besseren Verhandlungsspielraum haben.
Vielleicht spekuliert die SPD auch auf ein Scheitern der Verhandlungen und kann sich dann als Retter darstellen um wieder mit Merkel zu koalieren.

mal abwarten, was die Verhandlungen bringen.
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon relativ » Mo 25. Sep 2017, 09:34

Balsamico hat geschrieben:(24 Sep 2017, 22:02)

Kann mir bitte jemand kurz erklären, warum Cem Özdemir (Grüne) und Wolfgang Kubicki (FDP) (grade bei Anne Will) Frau Schlesig von der SPD dafür kritisieren, dass die SPD eine Fortführung der GroKo ablehnt? Es würde doch nur die Position der Grünen und der FDP in Koalitionsverhandlungen mit der Unon stärken...

Danke!

Ist doch klar warum. Die SPD hat somit natürlich auch den Druck auf diese beiden kleinen Parteien, als auch auf die CDU/CSU erhöht. Wenn sie Gesprächsbereitschaft signalisiert hätten bzw. eine weiter Koalition nicht ausgeschlossen hätten, dann wäre der Spielraum für die CDU größer gewesen. Kluger und auch notwendiger Schritt, will man die SPD nicht komplett an die Wand fahren.
Das Banale braucht man nicht zu schälen.
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon relativ » Mo 25. Sep 2017, 09:47

Tom Bombadil hat geschrieben:(24 Sep 2017, 22:28)

Weil die meisten Wähler wollen, dass die Groko fortgeführt wird. Die SPD gibt aber auf, weil sie an Merkels Seite immer mehr an Profil und Stimmen verliert. Jetzt sollen es die kleinen Parteien ausbaden, die das die Existenz kosten kann, die FDP hat es ja schon am eigenen Leib erfahren. Man kann beiden nur raten, nicht mit Merkel zu koalieren, dann muss eben neu gewählt werden, vllt. besinnen sich ja dann genügend Protestwähler.

Wieso ausbaden, die Wahlreden hörten sich eher danach an, daß sie es besser können.
Nun haben sie die Chance und beschweren sich über die SPD? Bei der FDP sieht es so aus, als wenn sie jetzt schon die Hosen voll haben, daß es ihnen wieder so ergeht wie beim letzten Gemeinsamen regieren mit der CDU.
Nun solange das Fähnchen im Wind Bundeskanzlerin ist, solange sind solche Ängste auch begründet.
Man muss halt mit dem Stimmvieh zurecht kommen welches man zur Verfügung hat und leider Gottes, oder Gott sei dank, mögen Deutsche Wähler in ihrer Mehrheit mögliche Veränderungen in ihrem Status Quo nicht, weshalb auch solche Politiker wie z.B. Merkel und Kohl solange an der Macht bleiben konnten.
Das Banale braucht man nicht zu schälen.
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon Yossarian » Mo 25. Sep 2017, 09:55

KarlRanseier hat geschrieben:(24 Sep 2017, 23:07)

Glaube ich nicht. Die Grünen sind die FDP für Menschen mit Gewissen und etwas Verstand. Die Grünen haben die reichste Wählerklientel und passen recht gut zur FDP.


Die Grünen sind die Partei für Menschen mit zuviel Geld und keinen anderen Problemen. Eine Luxuspartei.
Wenn ich einen Vogel sehe der wie eine Ente watschelt und wie eine Ente schwimmt und wie eine Ente quakt dann nenne ich ihn eine Ente. Und wenn der Vogel dementiert eine Ente zu sein ist es eine russische Ente.
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon Tomaner » Mo 25. Sep 2017, 10:18

Yossarian hat geschrieben:(25 Sep 2017, 10:55)

Die Grünen sind die Partei für Menschen mit zuviel Geld und keinen anderen Problemen. Eine Luxuspartei.

und die FDP die Partei der armen Leute?

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