Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

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yogi61
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon yogi61 » Sa 7. Okt 2017, 12:30

H2O hat geschrieben:(07 Oct 2017, 13:20)

Kritik, insbesondere berechtigte Kritik, halte ich für den Treibstoff einer Gesellschaft. Stimmungsmache gehört sicher nicht dazu. Ich möchte in unserem Lande keine bösartige Umgangsweise der politischen Klasse miteinander erleben, wie sie als Toilettengeräusch aus Österreich zu uns dringt.


Wer möchte das schon? Es ist mir nur aufgefallen, dass viele Medien die jahrelang der Kanzlerin praktisch völlig kritiklos begegneten, plötzlich den Stab über sie brechen. Selbst die "Bild" und die "Welt" sprechen heute vom "Anfang vom Ende“ das kann ja nicht nur an ihrer jämmerlichen Pressekonferenz am Tag nach der Wahl oder den Protestplakaten der JU heute liegen.
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Sa 7. Okt 2017, 12:38

yogi61 hat geschrieben:(07 Oct 2017, 13:30)

Wer möchte das schon? Es ist mir nur aufgefallen, dass viele Medien die jahrelang der Kanzlerin praktisch völlig kritiklos begegneten, plötzlich den Stab über sie brechen. Selbst die "Bild" und die "Welt" sprechen heute vom "Anfang vom Ende“ das kann ja nicht nur an ihrer jämmerlichen Pressekonferenz am Tag nach der Wahl oder den Protestplakaten der JU heute liegen.

Man muss schon ein Idiot Mohringschen Formats sein um zu glauben, dass hier nicht Namen erfasst wurden und Konsequenzen folgen werden.
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon H2O » Sa 7. Okt 2017, 12:50

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(07 Oct 2017, 13:38)

Man muss schon ein Idiot Mohringschen Formats sein um zu glauben, dass hier nicht Namen erfasst wurden und Konsequenzen folgen werden.


Solche Ausrutscher sehe ich gar nicht so verkniffen. Die empfinde ich so, wie sich in der Familie etwas schwierige Heranwachsende aufführen. Da werden Eltern und restliche Familie angepöbelt oder über alle Maßen kritisiert... am besten, solche Dummheiten mit Schweigen zu übergehen. Meist kommen diese unfertigen Menschen von allein darauf, daß sie eine Grenze überschritten haben. Blöde wird die Sache bei organisierter Angehensweise... dann hilft ja alles nichts, dann gibt es Tritte vor das Schienbein.

Kumpanei mit Pressevertretern... das kann nicht gut gehen: Siehe Bundespräsident Wulff.
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Sa 7. Okt 2017, 12:52

Man sollte nicht vergessen, dass in der JU 30+ den Ton angibt. Wer diese Plattform mißbraucht, wird nichts mehr.
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon Just Me » Sa 7. Okt 2017, 15:43

H2O hat geschrieben:(07 Oct 2017, 11:17)
Schön, daß Sie sich in der Grammatik auskennen.

Aye, ich merke mir, dass ich für dich besonders schlicht schreiben muss.
H2O hat geschrieben:(07 Oct 2017, 11:17)
Was ich zum Ausdruck bringen wollte, das war schon, daß die hohe Zustimmung zu einer Politischen Richtung nicht unbedingt diese Richtung adelt.

"Adeln"? In einer Demokratie? Verdammt! Ich dachte immer, in einer Demokratie ginge es um Volks-Herrschaft; also i.d.R. mindestens um einen Mehrheitswillen. Die Frage, ob das dann ein "guter", "schlechter", "böser" oder "lieber" Wille ist, stellt sich erst in zweiter Linie
H2O hat geschrieben:(07 Oct 2017, 11:17)
Ich meine, daß diese Partei beweist, daß sie mit allen demokratischen Parteien auch in der Regierungsverantwortung erfolgreich zusammen arbeiten kann.

Ich habe schon verstanden: Moralische Flexibilität steht hoch im Kurs. Und da hast du völlig Recht: Die GRÜNEN haben sich als zunehmend moralisch flexibel erwiesen, seitdem die Pizza-Connection die Macht an sich riss.
H2O hat geschrieben:(07 Oct 2017, 11:17)
Ihre Wähler finden das auch so weit in Ordnung.

Tun sie das? Zum Einen hat sich ihr Klientel nahezu vollständig verändert: Waren es früher Linksliberale mit Visionen aus allen Schichten, sind es heute vor allem gehobene Mittelschichtler, die sich eine "FDP mit einem kleinen, aber möglichst nicht hinderlichen Gewissen" leisten; die also ein politisches Wohlstands-Hobby pflegen. Und zum Anderen sind unzählige Verzweiflungstäter darunter: So wanderte bei der letzten BT-Wahl im September fast eine halbe Million Wähler von der SPD bzw. von den Nichtwählern zu den GRÜNEN und verhinderte so ihren ... wollen wir es "Absturz" nennen, wenn wir über gut 1,3 Prozentpunkte, also 8,9 statt 7,6 Prozent reden?

Man könnte also auch formulieren: Die GRÜNEN hätten um den BT-Einzug zittern müssen, wenn die AfD nicht genug Angst unter den Leuten verbreitet hätte und die SPD ein wenig stärker geblieben wäre. Oder noch einfacher: Das scheinbar stabile Wahlergebnis der GRÜNEN beruht zu fast 20 Prozent auf politischer Leichenfledderei...

Derartiges würde ich nicht als "Ihre Wähler finden das in Ordnung" beschreiben; aber Religionen kennen da eigene Phrasen, um sich die Welt schönzureden.

H2O hat geschrieben:(07 Oct 2017, 11:17)
Atomausstieg; erneuerbare Energien fördern. Ein sehr dornenreicher Weg... aber am Ende sicher erfolgreich.

"Sicher erfolgreich"? Gute 30 Jahre politische Teilhabe, 4 Jahre Regierung im Bund, 14 von 16 Landtagen mit den GRÜNEN im Parlament, "8-10 Landtage mit regierungsbeteiligten GRÜNEN", davon 1, in der sie den Ministerpräsidenten stellen ... und alles, was man über sie schreiben kann, ist "... am Ende sicher erfolgreich" und "... sie versuchen hier und da"?
H2O hat geschrieben:(07 Oct 2017, 11:17)
Was Grüne in BaWü leisten und geleistet haben hat offenbar ausgereicht, daß sie in der Regierungsverantwortung bestätigt wurden ...

Besser kannst du den Bruch der Partei gar nicht beschreiben: Vom Paulus zum Saulus. Ein ehemalig im Kommunistischen Bund Aktiver, der, davon profitierend, sich aber dennoch, kaum dass er im Dunstkreis der erzkonservativen Hinterzimmer-Pizza-Connection Klüngel-Aufstiegschancen wittert, bekehrt und fortan alles als "fundamentalen politischen Irrtum" bezeichnet, was nicht mindestens erzkonservativ daherkommt, also laut knallend die Tür zu seiner Vergangenheit und zugleich dem Gründungs-, insbesondere aber auch seinem eigenen Beitrittsgedanken der bzw. zu den GRÜNEN zuschlägt, ist das perfekte Sinnbild dieser Partei.

Für ein Amt verkaufen die GRÜNEN also nicht nur ihre Großmutter, sondern auch ihre Ideale...

H2O hat geschrieben:(07 Oct 2017, 11:17)
DIE GRÜNEN sind insgesamt zu einer verantwortungsbewußten politischen Partei gereift und eben nicht mehr ein chaotischer Haufen.

Anscheinend ist "verantwortungsbewusste politische Partei" synonym zu "ebenso korrupt und moralisch flexibel, wie die anderen Etablierten; also 'formal in jenem Establishment, das man einst so sehr verabscheute, dass deswegen die GRÜNEN überhaupt gegründet wurden, angekommen'".

H2O hat geschrieben:(07 Oct 2017, 11:17)
Die alten Ziele der Nachhaltigkeit verfolgen sie dennoch. Deswegen werden sie auch so heftig angegriffen. Hilft den Eisvögeln aber nichts. Die Zeit der Paradiesvögel ist bei den DIE GRÜNEN vorbei.
Tja, ich kann auch nicht empfehlen, Politik ohne Politiker gestalten zu wollen. Irgendeiner muß das am Ende ja tun, und Meckerer muß man dabei ertragen.

Und genau diese zunehmend selbstherrliche Attitüde ist es, die den GRÜNEN sukzessive das Genick bricht. Da du vehement religiös angehauchte Propaganda zu verbreiten versuchst, schlage ich vor, dass wir einfach abwarten, wie das Wahlergebnis der GRÜNEN in 2021 ausfallen wird. Aber vermutlich sind dann - Natürlich(!) - "die Anderen" schuld, nicht wahr?!
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon H2O » Sa 7. Okt 2017, 15:59

Just Me hat geschrieben:(07 Oct 2017, 16:43)

Aye, ich merke mir, dass ich für dich besonders schlicht schreiben muss.

Meinetwegen; werde mir Mühe geben, den Einfachsprech zu verstehen. Auf die Inhalte kommt es an.
"Adeln"? In einer Demokratie? Verdammt! Ich dachte immer, in einer Demokratie ginge es um Volks-Herrschaft; also i.d.R. mindestens um einen Mehrheitswillen. Die Frage, ob das dann ein "guter", "schlechter", "böser" oder "lieber" Wille ist, stellt sich erst in zweiter Linie

Mit diesem Verständnis von Demokratie hat sich ein großes Reich aus der Geschichte abgemeldet.
Ich habe schon verstanden: Moralische Flexibilität steht hoch im Kurs. Und da hast du völlig Recht: Die GRÜNEN haben sich als zunehmend moralisch flexibel erwiesen, seitdem die Pizza-Connection die Macht an sich riss.

Realpolitik ist eben nicht jedermanns Sache.
Tun sie das? Zum Einen hat sich ihr Klientel nahezu vollständig verändert: Waren es früher Linksliberale mit Visionen aus allen Schichten, sind es heute vor allem gehobene Mittelschichtler, die sich eine "FDP mit einem kleinen, aber möglichst nicht hinderlichen Gewissen" leisten; die also ein politisches Wohlstands-Hobby pflegen. Und zum Anderen sind unzählige Verzweiflungstäter darunter: So wanderte bei der letzten BT-Wahl im September fast eine halbe Million Wähler von der SPD bzw. von den Nichtwählern zu den GRÜNEN und verhinderte so ihren ... wollen wir es "Absturz" nennen, wenn wir über gut 1,3 Prozentpunkte, also 8,9 statt 7,6 Prozent reden?
Man könnte also auch formulieren: Die GRÜNEN hätten um den BT-Einzug zittern müssen, wenn die AfD nicht genug Angst unter den Leuten verbreitet hätte und die SPD ein wenig stärker geblieben wäre. Oder noch einfacher: Das scheinbar stabile Wahlergebnis der GRÜNEN beruht zu fast 20 Prozent auf politischer Leichenfledderei...

Derartiges würde ich nicht als "Ihre Wähler finden das in Ordnung" beschreiben; aber Religionen kennen da eigene Phrasen, um sich die Welt schönzureden.

Klarer Fall von Wählerbeschimpfung; DIE GRÜNEN werden sich über jede Stimme freuen, die ihnen Einfluß auf die Gestaltung unserer Gesellschaft ermöglicht.
...

Ich habe einmal Ihre kindische Beschimpfungsorgie weg gedrückt. Wenn Ihnen die hilft: Ausdrucken und über'm Kinderbettchen anpinnen.
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon Just Me » Sa 7. Okt 2017, 16:08

JJazzGold hat geschrieben:(07 Oct 2017, 12:04)
Im letzten Punkt sind wir uns einig, die SPD hätte sich wesentlich früher vom Ruf der reinen Arbeitervertreterpartei lösen müssen.
Seitengedanke: Nichts gegen das traditionelle “Glück auf“, nur kann der heutzutage mehrheitliche Angestellte wenig bis nichts damit anfangen.

Entweder hast du mich missverstanden; oder du drückst dich jetzt missverständlich aus. Ich sagte: "Noch eine Mitten-Partei braucht es in Deutschland nicht. Die EINZIGE Chance der SPD ist es, sich auf ihre Grundwerte, auf ihren Gründungsgedanken, zurückzubesinnen; und das war die 'Arbeiter-Vertretung'." (Nicht zuletzt auch aus dem einfachen Grunde, dass dieses Klientel, abgesehen von der LINKEN, nahezu gar nicht mehr vertreten wird; dass also über 70 Prozent des Wählerpotenzials brach liegt.)
JJazzGold hat geschrieben:(07 Oct 2017, 12:04)
Inwieweit die SPD Demokratie etablieren soll, erschließt sich mir nicht. Die halte ich für zementiert.

Du meinst, abgesehen davon, dass ich nicht "etablieren", sondern "forttragen" sagte? Den gleichen Fehler beging man in der Weimarer Republik. Die Folgen dieses fatalen Irrtums kannst du in den Geschichtsbüchern nachlesen, falls sie dir entgangen sein sollten.
Ich sehe jedenfalls Hunderte Punkte, weswegen die hiesige "Demokratie" nur in Anführungszeichen stehen kann. Beispielhaft nenne ich einen Punkt: Angenommen, ich halte die Arbeit der SPD insgesamt für nicht schlecht, möchte aber, da mir die "Vertretung" durch Gabriel und Nahles nicht zusagt, diese beiden ausgetauscht und von richtungsentscheidenden Positionen ferngehalten wissen: Wie kann der Souverän, also der Wähler abstimmen, um dieses Ergebnis zu erreichen?
JJazzGold hat geschrieben:(07 Oct 2017, 12:04)
Sie wäre allenfalls im Bezug auf Volksentscheide ausbaubar, was wiederum momentan Ländersache ist und meines Erachtens, käme sie auch im Bund zu tragen, nur sehr eingegrenzt anwendbar wäre. Zu selten, meines Erachtens, um der SPD damit nachhaltig Profilschärfe zu verleihen.

"Allenfalls"? So geringe Ansprüche an die Demokratie hast du? "Alle 4, 5 Jahre mal für einen Tag Gehör finden; und ansonsten damit beschieden werden, dass Abgeordnete nicht dem Wähler, sondern nur 'ihrem eigenen Gewissen' zu folgen haben; ganz egal, wo es sie hinträgt"; dass also Wahlen zunehmend sinnfreier werden, wenn sich das Gewissen des Vormunds von den Vorstellungen des Mündels immer weiter entkoppelt; ohne dass das Mündel hier korrigierend eingreifen darf respektive kann?
JJazzGold hat geschrieben:(07 Oct 2017, 12:04)
Was mich wiederum wundert ist, dass die Jusos, im Gegensatz zur Jungen Union, wenig bis nicht wahrnehmbar einen Generationswechsel fordert. Der Zeitpunkt wäre momentan dazu mehr als geeignet.

Auch bei den Jusos rauscht es gewaltig. Doch anders als bei der JU, das erkennen die Jusos ebenfalls, ist ein Generationswechsel hier zwingend mit einem Richtungswechsel verbunden; d.h. zuerst muss die alte Garde den natürlichen Weg gehen.
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon Just Me » Sa 7. Okt 2017, 17:13

Eisvogel hat geschrieben:(07 Oct 2017, 12:44)
Weil er aktuell nicht als Fraktionschef der SPD zur Verfügung steht, die Gründe sind dabei zweitrangig..

Nein, die Gründe sind NICHT zweitrangig. Sie sind Symptom, das es zu beachten gilt, will man den Ursachen auf die Spur kommen. Und eine der Kernfragen lautet: "Warum hat die AfD rund 2 Millionen Stimmen von den etablierten Parteien, darunter fast eine halbe Million von der SPD, bekommen?"

Die Antwort darauf ist vielschichtig und keineswegs mit "... weil die SPD halt eine halbe Million xenophobe und homophobe Anhänger hatte, die nun eine neue politische Heimat gefunden haben." vom Tisch zu wischen, wie man es in den vergangenen zwei Jahren immer und immer wieder tat. Richtig ist vielmehr, dass über 60 Prozent der AfD-Wähler diese Partei wählten, weil sie nur und allein ihren PROTEST GEGEN DIE ETABLIERTEN ausdrücken wollen. Da ist das klassische "Brot & Spiele", also das "Unverdrossen weiter so!" das die Etablierten zu jeder Wahl veranstalten, das schlechteste Signal, das man geben kann.

In diesem Sinne wird es die SPD nicht retten, wenn nun wieder die plakative Partei-Eliten-interne "Reise nach Jerusalem" veranstaltet wird, indem man Oppermann "opfert" und jemand anders aus der Partei-Elite den Posten einnimmt.
Eisvogel hat geschrieben:(07 Oct 2017, 12:44)
sein Posten ist frei und bedarf einer "Alternative" (Nachfolger). Wenn nicht Nahles wer dann und warum nicht Nahles ?

Sein Posten wurde frei, weil es die "etablierte Parteien-Doktrin", dass stets irgendjemand "seinen Posten räumen" muss, damit der brasselige Pöbel besänftigt wird, verlangte. Doch das funktioniert seit gut 30 Jahren immer schlechter und schlechter. Zuletzt hat es der SPD gar nicht mehr genutzt, ganz egal, wie viele Posten sie innerhalb ihrer Elite hin und her schob. Sind 30 Jahre Erfahrung mit "heißer Herdplatte" immer noch nicht genug Zeit? Muss man wirklich bis zum bitteren Ende dabei bleiben, "einfach nur das falsche Volk" zu haben, wie Müntefering es vor ein paar Jahren mal in gewohnt schnodderiger Weise nonchalant ausdrückte?

Dabei ist die Besetzung des Postens irrelevant. Ich behaupte, dass die größere Hälfte der Wähler noch nicht einmal eine Ahnung hat, dass es so einen "Fraktionsfurzenden" ((c) Kauder, Rösler) überhaupt gibt, geschweige denn, was für eine Dienstaufgabe er hat. Warum also wird er ausgetauscht?



Eisvogel hat geschrieben:(07 Oct 2017, 12:44)
nein das ist kein Unfug, das wäre die logische Konsequenz des vergangenen Wahlergebnisses.

"Logische Konsequenz" eines jeden Wahlergebnisses sollte die ergebnisoffene Ursachenforschung sein. Das Ergebnis der SPD seit den 90er Jahren lautete aber stets gleich: "Wir haben einfach das falsche Volk! Dieses Mistpack ist zu dumm, uns zu verstehen." Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Und der perfekte Indikator dafür ist eben dieses Verhalten (*mit kratziger Stimme sprechen!*): "Business as ususal: Du wirst medienwirksam öffentlich geopfert ... bekommst aber selbstverständlich ein warmes, sicheres und gut dotiertes Pöstchen! Schließlich lassen wir in der Familie niemanden fallen."

Eisvogel hat geschrieben:(07 Oct 2017, 12:44)
Hör dich doch mal um und sprich mit den Menschen auf der Straße, WARUM die SPD dieses Ergebnis zu verzeichnen hat. Dass es falsch ist die Politik der SPD und deren Inhalte allein auf dessen Kanzlerkandidaten zu reduzieren brauchst du mir nicht erklären, das steht aber nicht zur Debatte. Jemand anderes an die Stelle von Schulz zu setzen ist EIN Punkt den die SPD bei ihrer "neu Erfindung" umsetzen sollte, wenn sie in 4 Jahren mehr Erfolg haben möchte. Dass da Parteiintern noch einige andere auf der Liste stehen ist mir bewusst.

Es ist ja richtig, dass man mit dem, wie nannte man es seinerzeit so euphemistisch?, "Schulz-Zug", der der Partei binnen kürzester Zeit über 4.000 Neu-Mitglieder bescherte, keine Kuh vom Eis ziehen kann. Doch die Personalien sind nicht der wesentliche Faktor. In den vergangenen 30 Jahren hat die SPD durchgetauscht, was nur irgend möglich war. Aus der aktuellen Führungsriege hat - zumindest gefühlt - jeder schon alles gemacht; einschließlich Kanzler-Kandidatur. ... Doch es wurde einfach nicht besser. Insofern ist es an Realitätsferne kaum noch zu überbieten, dass man sich nun erneut zuerst und vor allem damit aufhält, das zu machen, was seit 30 Jahren immer weniger wirkt.

Und ja, ich höre mich bei den Menschen um. Genau deshalb kann ich dir auch so klar sagen, dass diese "Bäumchen-wechsel-dich"-Spiele der SPD nicht auf furchtbaren Boden fallen, solange nur innerhalb der "Schröder-Gang" hin und her getauscht wird. Diese Partei braucht zweifellos eine politische Erneuerung. Doch die kommt nicht mit Nahles; und auch nicht mit Schwesig. Die kommt erst und einzig dann, wenn die SPD mal wieder einen "Kniefall", dieses Mal vor dem Wähler, macht...
Eisvogel hat geschrieben:(07 Oct 2017, 12:44)
Weil sie eine der Jenigen ist, die es noch immer nicht begriffen haben WARUM die SPD dieses Wahlergebnis kassiert hat. Ihre Hauptaufgabe ist das diffamieren der AFD und deren Mitglieder, dass ist aber nicht das was ihre Wähler oder nicht Wähler hören wollen. Der 2. Weltkrieg ist vorbei, die Nazis sind es auch. Mehr als das übliche Gequatsche von der bösen AFD und dem bösen Rechtspopulismus als Katja Kipping habe ich von der Frau nach der Bundestagswahl noch nicht viel gehört oder gelesen.

Es fällt mir schwer, diesem Gedankensprung zu folgen: Schwesig ist bei der LINKEN gut aufgehoben, weil sie die Ursachen des Scheiterns der SPD nicht erkannt hat?

Dass übrigens "die Nazis vorbei" sind, kann ich so nicht nachvollziehen. Nicht nur, dass wir bei NSU- und NSA-, aber auch im Kontext der G20-Aufarbeitung immer wieder auf "tote Zeugen, Schwärzungen & Aktenschredder" stoßen; also mitten in typischerweise Diktaturen zugeordneter Mittelauswahl stecken, es gab auch zu besten Nazi-Zeiten nur wenige "die Nazis"; dafür aber umso mehr, die bei Kleinigkeiten weggeschaut und bei größeren Problemen geschwiegen haben; die also selbst "die Nazis" erst möglich gemacht haben.

Das Problem der Weimarer Republik, und damit der erste Genickbruch der Demokratie in Deutschland, kam nicht von "den Nazis", sondern direkt aus der Mitte der Gesellschaft. Denn wir sollten eines nie vergessen: Die angebliche "Machtergreifung" war eine - fast vollkommen - demokratische Wahl, bei der die Vorläufer-Parteien von CDU (Zentrum), CSU (Bayerische Volkspartei) und FDP (ehemalig NSDAP, Zentrum, etc.) fast einstimmig zustimmten, als es darum ging, die noch junge Demokratie gegen eine handfeste Diktatur einzutauschen. ... Auf dem gleichen Weg befinden wir uns heute wieder, wenn wir uns bereit erklären, Menschenrechte gegen die Xenophobie einiger Weniger (immerhin haben selbst mit den Protestwählern nur 12,6 Prozent der AfD ihre Stimme gegeben; 87,4 Prozent haben es nicht getan) einzutauschen, ja, auch nur darüber nachzudenken bereit sind.

Eisvogel hat geschrieben:(07 Oct 2017, 12:44)
Falls es die Genossen überhaupt selbst wissen, weiß doch aktuell wirklich NIEMAND für welche Politik die SPD aktuell steht. Ähnlich ist es bei den Grünen.

Zumindest gemessen an der Realpolitik kann man durchaus klare Aussagen treffen: "SPD und GRÜNE streiten mit CDU/CSU um die 'Mitte' der Gesellschaft. Und sie alle - CDU, CSU, FDP, SPD und GRÜNE - lassen all jene, die ihnen nicht nutzen, - und das im wahrsten SInne des Wortes - links liegen." Das kannst du übrigens ebenfalls mit Leichtigkeit nachvollziehen: Sie alle machen sich Gedanken darum, die ihnen am rechten Rand weglaufenden Wähler wieder einzufangen. Doch wer ihnen am linken Rand davonläuft, ist "verblendet & hat es nicht besser verdient". Und dabei ist es völlig egal, ob du diese Haltung der AfD oder der SPD bzw. den GRÜNEN zuschreiben möchtest. Es betrifft sie alle, einschließlich FDP und CDU/CSU; ja, selbst die LINKEN.
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon JJazzGold » Sa 7. Okt 2017, 17:24

"Just me“

Entweder hast du mich missverstanden; oder du drückst dich jetzt missverständlich aus. Ich sagte: "Noch eine Mitten-Partei braucht es in Deutschland nicht. Die EINZIGE Chance der SPD ist es, sich auf ihre Grundwerte, auf ihren Gründungsgedanken, zurückzubesinnen; und das war die 'Arbeiter-Vertretung'." (Nicht zuletzt auch aus dem einfachen Grunde, dass dieses Klientel, abgesehen von der LINKEN, nahezu gar nicht mehr vertreten wird; dass also über 70 Prozent des Wählerpotenzials brach liegt.)


Dann habe ich Sie in der Tat missverstanden, was darauf beruht, dass ich die SPD traditionell als Arbeiterpartei betrachte, worauf auch mein Verweis auf “Glück auf“ hinwies. Eine in der Hauptsache auf die Vertretung des rund 26%igen Anteils von Arbeitern fokussierte Partei ist ebenso obsolet, wie diese dem ex Arbeiter- und Bauernstaat entsprungene Die Linke.

Die wiederum sitzt bereits dort, wo Sie die SPD verortet sehen möchten, ganz weit links. Ergo schluckt entweder die SPD diese Partei auf ihrem Weg nach links, oder sie kollidiert mit dieser. Beides eröffnet einer anderen Partei zusätzliche Mitte und es wird nicht nur die Partei der Grünen sein, die dies zu nutzen weiß.



Du meinst, abgesehen davon, dass ich nicht "etablieren", sondern "forttragen" sagte? Den gleichen Fehler beging man in der Weimarer Republik. Die Folgen dieses fatalen Irrtums kannst du in den Geschichtsbüchern nachlesen, falls sie dir entgangen sein sollten.
Ich sehe jedenfalls Hunderte Punkte, weswegen die hiesige "Demokratie" nur in Anführungszeichen stehen kann. Beispielhaft nenne ich einen Punkt: Angenommen, ich halte die Arbeit der SPD insgesamt für nicht schlecht, möchte aber, da mir die "Vertretung" durch Gabriel und Nahles nicht zusagt, diese beiden ausgetauscht und von richtungsentscheidenden Positionen ferngehalten wissen: Wie kann der Souverän, also der Wähler abstimmen, um dieses Ergebnis zu erreichen?


Gar nicht, lässt man die Wahl des Direktmandat unberücksichtigt.
Wie stellen Sie sich die Beteiligung des Wählers per se bei der Belegung von Funktionen innerhalb jeder im Parlament vertretenen Partei vor? Sollen diese Parteien jedes Mal eine Wahl ausschreiben, wenn die Neubesetzung einer Funktion erforderlich wird, nicht nur bei Bildung der Fraktion, sondern auch im Fall von persönlichen Entscheidungen, wie beruflicher Veränderung, Krankheit und Mutterschutz?

"Allenfalls"? So geringe Ansprüche an die Demokratie hast du? "Alle 4, 5 Jahre mal für einen Tag Gehör finden; und ansonsten damit beschieden werden, dass Abgeordnete nicht dem Wähler, sondern nur 'ihrem eigenen Gewissen' zu folgen haben; ganz egal, wo es sie hinträgt"; dass also Wahlen zunehmend sinnfreier werden, wenn sich das Gewissen des Vormunds von den Vorstellungen des Mündels immer weiter entkoppelt; ohne dass das Mündel hier korrigierend eingreifen darf respektive kann?


Es obliegt “dem Mündel“, ich betrachte mich dagegen als mündigen Bürger, das Angebot an Entscheiden von kommunaler bis Länderebene zu nutzen, wie auch das Angebot sich persönlich einzubringen. Es ist reichlich Korrekturmöglichkeit vorhanden.
Das ist mein Anspruch an Demokratie und den mündigen Bürger.


Da Sie den mündigen Bürger als Mündel des Staates betrachten, welches zunehmend vom Vormund entkoppelt wurde, erscheint es mir sinnvoll, “das Mündel“ per Bürgerentscheid und Volksabstimmung an die Wahrnehmung der direkten Demokratie in den Ländern zu gewöhnen, bis sichergestellt ist, dass jeder Bürger begriffen hat, dass auf der Bundesebene, und damit zunehmend verbunden auf EU Ebene, eine themenorientierte Entscheidung gefordert ist und nicht, überspitzt formuliert, der protestierende Groll über den Rundfunkbeitrag.



Auch bei den Jusos rauscht es gewaltig. Doch anders als bei der JU, das erkennen die Jusos ebenfalls, ist ein Generationswechsel hier zwingend mit einem Richtungswechsel verbunden; d.h. zuerst muss die alte Garde den natürlichen Weg gehen.


Fragt sich, inwieweit in der zweiten oder dritten Reihe entsprechendes Personal zur Verfügung steht, welches nahtlos übernehmen könnte?
Zuletzt geändert von JJazzGold am Sa 7. Okt 2017, 17:29, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Sa 7. Okt 2017, 17:26

Man sollte auf keinen Fall wegen einer lauten, latent gewaltbereiten, in Teilen staatsfeindlichen Minderheit seine Politik ändern.
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Sa 7. Okt 2017, 17:38

[quote][/quote]Hallo justme,

Du schreibst, Demokratie sei Regierung durch das Volk. Das ist verkürzt und grenzt an ein völkisches Mißverständnis. Demokratisch wird durch das Volk die Herrschaft ausgesucht. Die herrscht dann. Das kann man sich als eine Art Auftrag oder Vertretung vorstellen, praktisch ist es das nur insoweit, wie eine rundheraus ungeliebte Herrschaft praktisch immer ersetzt wird, ungeachtet ihrer Form und Botschaft.
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon Just Me » Sa 7. Okt 2017, 18:15

JJazzGold hat geschrieben:(07 Oct 2017, 18:24)
Dann habe ich Sie in der Tat missverstanden, was darauf beruht, dass ich die SPD traditionell als Arbeiterpartei betrachte, worauf auch mein Verweis auf “Glück auf“ hinwies. Eine in der Hauptsache auf die Vertretung des rund 26%igen Anteils von Arbeitern fokussierte Partei ist ebenso obsolet, wie diese dem ex Arbeiter- und Bauernstaat entsprungene Die Linke.

Noch stellen die Lohnabhängigen die weitaus größte Gruppe der Wählerschaft. Das mag sich im Zuge der Automatisierung zunehmend verschieben, doch bis dahin dürften selbst im optimistischsten Fall noch ein paar Jahrzehnte vergehen. In diesem Sinne bist du gut beraten, die "marx'schen Arbeiter", die zu vertreten sich die SPD einst auf die Fahnen schrieb, auf die Gegenwart zu übertragen. Und das sind und bleiben die Lohnabhängigen.

Und ob linke, also progressive, Parteien, denen du unter anderem alle - ausnahmslos ALLE - Arbeitnehmer-Rechte zu verdanken hast, "obsolet" sind, wird die Zukunft zeigen. Bisher jedenfalls hat es den Anschein, dass sich immer mehr Menschen damit unzufrieden zeigen, real nicht mehr als 1994 in der Tasche zu haben, obwohl der Druck auf sie stetig steigt. Dabei sei das konservative "Bewahren existierender Werte" nicht kleingeredet; doch es braucht ein ausgewogenes Maß, will man die neuen Anforderungen, die sich auch durch die Vogel-Strauß-Methode des "Was ich nicht sehe, das gibt es nicht.", die die Konservativen, und das ist nicht böse gemeint, sondern wissenschaftlich bestätigt, aus Mangel an intellektueller Leistungsfähigkeit pflegen, nicht "wegmachen" lässt, gerecht werden.
JJazzGold hat geschrieben:(07 Oct 2017, 18:24)
Die wiederum sitzt bereits dort, wo Sie die SPD verortet sehen möchten, ganz weit links. Ergo schluckt entweder die SPD diese Partei auf ihrem Weg nach links, oder sie kollidiert mit dieser. Beides eröffnet einer anderen Partei zusätzliche Mitte und es wird nicht nur die Partei der Grünen sein, die dies zu nutzen weiß.

Im Gegensatz zum Konservativismus, der mit "Bewahren, was besteht", bereits erschöpft ist, gibt es im Progressivismus, also links, jede Menge Spielraum. Das hängt vor allem damit zusammen, dass es unendlich viele Wege gibt, aber - wie auch die Gegenwart zeigt - nicht jeder Weg zum Erfolg führt.
JJazzGold hat geschrieben:(07 Oct 2017, 18:24)
Wie stellen Sie sich die Beteiligung des Wählers per se bei der Belegung von Funktionen innerhalb jeder im Parlament vertretenen Partei vor? Sollen diese Parteien jedes Mal eine Wahl ausschreiben, wenn die Neubesetzung einer Funktion erforderlich wird, nicht nur bei Bildung der Fraktion, sondern auch im Fall von persönlichen Entscheidungen, wie beruflicher Veränderung, Krankheit und Mutterschutz?

Siehst du! Genau das meine ich. Es gibt unzählige Auflösungen dieses Problems. Sie nun ausführlich zu diskutieren, bevor man die Demokratie aufs Spiel setzt, sollte Aufgabe der progressiven Kräfte sein. Beispielhaft, doch nicht als einzige Lösung, nannte ich die "Abwahl-vor-Wahl"-Option, also die Möglichkeit des Pöbels, nachlaufend auf die Partei-Strukturen Einfluss nehmen zu können, indem er sein Veto ausdrückt. Das zu gestalten gibt es wiederum unzählige Möglichkeiten; lasse einfach deiner Fantasie freien Lauf.

JJazzGold hat geschrieben:(07 Oct 2017, 18:24)
... ich betrachte mich dagegen als mündigen Bürger, ...

Entscheidend ist nicht, als was du dich betrachtest, sondern was du tatsächlich bist. Lass es mich mit Goethe sagen, der einst formulierte: "Niemand ist mehr Sklave, als der, der sich für frei hält."
JJazzGold hat geschrieben:(07 Oct 2017, 18:24)
das Angebot an Entscheiden von kommunaler bis Länderebene zu nutzen, wie auch das Angebot sich persönlich einzubringen. Es ist reichlich Korrekturmöglichkeit vorhanden.

Ich vermute mal, deine praktischen politischen Erfahrungen belaufen sich auf die reine Theorie, hm?! Welche Korrekturmöglichkeiten hast du denn in den genannten Fällen? Im plakativsten Falle sind mehr als 5,8 Millionen Wähler aufgestanden und verlangten "Merkel muss weg!" Das kann man wahlweise für sinnvoll oder sinnentleert halten; doch die zentrale Frage lautet hier: "Was haben sie erreicht? Fast sechs Millionen Wähler. In Zahlen: 5.877.094 einzelne Stimmen sind an der Parteien-Diktatur gescheitert."

JJazzGold hat geschrieben:(07 Oct 2017, 18:24)
Das ist mein Anspruch an Demokratie und den mündigen Bürger.

Was genau ist dein Anspruch? Die weitgehende Nutzlosigkeit deiner Stimme?
JJazzGold hat geschrieben:(07 Oct 2017, 18:24)Da Sie den mündigen Bürger als Mündel des Staates betrachten, ...

Offensichtlich sollten wir vielleicht erst einmal Basis-Begriffe klären; oder woher kommt diese nachhaltige Missdeutung? Erstens gibt es keine "mündigen Bürger". Seine "Mündigkeit" drückt sich EINZIG darin aus, alle vier, fünf Jahre einmal ein Kreuz bei irgenwelchen Namen, die er im Regelfall zuvor noch nie gehört oder gesehen hat (jedenfalls in 100 Prozent der Fälle niemals alle, um dann "nach dem Bestenauswahl-Prinzip" entscheiden zu können), zu machen. Und der Bürger ist nicht "Mündel des Staates", sondern "Mündel der Parteien". So steht es übrigens im Grundgesetz und im Parteiengesetz. Da es dir offensichtlich auch an dieser Information gebricht, trage ich sie dir hiermit zu:

Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt. Sie sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen. GG, Art 38 (1)

Mit dieser "reinen Gewissensverpflichtung" bekommen alle Arten von Wahlversprechen Unverbindlichkeitscharakter, sind also vom reinen Zufall bestimmt. Und nun stellen wir uns mal vor, ein Unternehmen macht mit seinen Arbeitnehmern einen Vertrag, in dem eine solche Klausel stünde: "Der Arbeitnehmer ist nicht an Weisungen gebunden und einzig seinem Gewissen verpflichtet." Wie weit käme dieses Unternehmen? Oder stellen wir uns vor, Monarchien oder Diktaturen würden nach diesem Prinzip funktionieren: "Der Untertan ist nicht an Weisungen gebunden und einzig seinem Gewissen verpflichtet." Wie lange würde es diese Monarchie/Diktatur wohl geben?

Entsprechendes gilt für eine Demokratie. Noch dazu, wenn man den (listigerweise durch ebendiesen GG-Artikel verbotene) "Fraktionszwang", der gern verharmlosend "Fraktionsdisziplin" genannt wird, berücksichtigt. Allein dieser Bruch fundamentalster demokratischer Bedingungen entmündigt dich vollkommen, JJazzGold. Und du stehst noch klatschend daneben...

JJazzGold hat geschrieben:(07 Oct 2017, 18:24)
... erscheint es mir sinnvoll, “das Mündel“ per Bürgerentscheid und Volksabstimmung an die Wahrnehmung der direkten Demokratie in den Ländern zu gewöhnen, bis sichergestellt ist, dass jeder Bürger begriffen hat, dass auf der Bundesebene, und damit zunehmend verbunden auf EU Ebene, eine themenorientierte Entscheidung gefordert ist und nicht, überspitzt formuliert, der protestierende Groll über den Rundfunkbeitrag.

Hier bin ich ganz bei dir: Demokratie muss man lernen. Deshalb würde ich auch "sofortigen Volksentscheiden auf Bundesebene" keineswegs das Wort reden. Das ändert jedoch nichts daran, dass wir hier schon über den übernächsten Schritt fabulieren, während der naheliegende zunehmend aus dem Fokus gerät: Welchen Zweck erfüllen Parteien eigentlich? Auch und gerade in Anbetracht der Tatsache, dass sie - wohlgemerkt: ALLE ZUSAMMEN - nicht einmal mehr zwei Prozent (knapp über 1,8 %) der Wahlberechtigten vertreten. Und welchen Zweck MÜSSTEN sie erfüllen, würde man das Grundgesetz (s. etwa Art 21 GG) tatsächlich befolgen? Dort steht nicht, dass die Parteien die politische Willensbildung übernehmen, sondern dass sie an der Bildung des politischen Willens mitzuarbeiten haben. In diesem Sinne entmündigen sie dich besonders plakativ durch den Vorenthalt der von dir immer wieder aufs Tapet gebrachten "Volksentscheide"; auch, wenn ich nochmals betone, dass ich entsprechendes im momentanen Zustand der politischen Bildung (s. auch deine Einlassung oben) für kreuzgefährlich halte und tatsächlich froh bin, dass sie ihre Vormundschaft an dieser Stelle so vehement verteidigen.

JJazzGold hat geschrieben:(07 Oct 2017, 18:24)
Fragt sich, inwieweit in der zweiten oder dritten Reihe entsprechendes Personal zur Verfügung steht, welches nahtlos übernehmen könnte?

Ganz ehrlich? Kann es schlechter werden? Die SPD befindet sich im freien Fall und wird, wenn sie so weitermacht, innerhalb der nächsten 15 Jahre unter "Sonstige" geführt werden. Selbst scharpingsche Wahlergebnisse von 36+ Prozent würden diese Partei heute bereits in Verzückung versetzen und die Partei-Apologeten zu einem wochenlangen Kriegstanz motivieren. Was also kann schlimmer kommen, wenn man sogar zweite und dritte Reihe übergeht und erst dahinter Ausschau nach fähigem Personal hält? Darüber hinaus könnte die SPD diese Gelegenheit zur Ehrlichkeit nutzen: Ganz egal, auf wen man abstellen möchte: Es sollte eine Entscheidung der Partei-Mitglieder werden. Warum also nicht den gesamten Partei-Vorstand vollständig zur Disposition stellen und unter der Berücksichtigung, dass die "Schröder-Gang" dieses Mal nicht kandidiert, völlig freie Hand lassen.

Diese (Re-)Form der Demokratie wäre bereits ein weiterer Fortschritt; wieder von der SPD ausgehend. Man könnte genau damit also das dringend ersehnte Zeichen setzen, dass "die da oben" eben doch nicht so weitermachen wollen, wie sie es seit über 100 Jahren in der SPD und seit fast 70 Jahren in allen Parteien in der Bundesrepublik machen.

Am Ende wäre es egal, wie der- oder diejenige dann heißen würde und aus welcher Reihe er oder sie käme: Er/Sie wäre "von unten, also basisdemokratisch gewählt"; anstatt, wie bisher, von oben durch "Kandidatur-Zulassung" diktiert zu werden. Und die Medien, die es schon als "Wahl" bezeichnen, wenn einer kandidiert; die von "Kampf-Kandidatur" faseln, wenn zwei kandidieren; und die stets den "heraufziehenden Untergang der Partei" beschwören, wenn mehr als zwei kandidieren, müssten mal wieder neue Propaganda-Begriffe finden, weil Wahl zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik wirklich demokratisch wäre...
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon Eisvogel » Sa 7. Okt 2017, 18:45

Just Me hat geschrieben:(07 Oct 2017, 18:13)

Nein, die Gründe sind NICHT zweitrangig. Sie sind Symptom, das es zu beachten gilt, will man den Ursachen auf die Spur kommen. Und eine der Kernfragen lautet: "Warum hat die AfD rund 2 Millionen Stimmen von den etablierten Parteien, darunter fast eine halbe Million von der SPD, bekommen?"




Du hast schon etwas weiter gedacht als ich, oder wir haben uns missverstanden. Die Gründe für den Rücktritt sind für alle die nicht in der SPD sind zweitrangig, oder ändert sich für den Wähler etwas, wenn er die Wahrheit kennt ? Nach außen zeigt sich das Bild der Nervosität so oder so..aber eine Fraktion braucht nun mal einen "Chef". WER da besser geeignet ist als Frau Nahles weiß ich nicht, das bedeutet ja nicht, DASS sie geeignet ist..der Rücktritt Oppermanns ist für mich ohnehin nicht nachvollziehbar..es lag ja nicht an ihm, dass die SPD so schlecht abschnitt. DIESE Gründe sind dann nicht mehr zweitrangig..da sind wir uns einig.


Just Me hat geschrieben:
Dabei ist die Besetzung des Postens irrelevant. Ich behaupte, dass die größere Hälfte der Wähler noch nicht einmal eine Ahnung hat, dass es so einen "Fraktionsfurzenden" ((c) Kauder, Rösler) überhaupt gibt, geschweige denn, was für eine Dienstaufgabe er hat.



Dem stimme ich zu, warum dieser gehen muss weiß ich wie gesagt nicht..ich schrieb ja auch nur, dass es einen Nachfolger (Alternative) geben muss. Zum Personalaustausch habe ich mich schon geäußert, für mich wäre die logische Konsequenz gewesen, einen anderen Repräsentanten für den Wahlkampf als Schulz zu nehmen. Im Wahlkampf (gab es überhaupt einen ?) haben die Wähler in erster Linie nun mal Martin Schulz mit der SPD in Verbindung gebracht, das hat zwar relativ viele neue Mitglieder in relativ kurzer Zeit, aber eben keine Wähler gebracht..in Folge dessen schließe ich Schulz als geeigneten Kandidaten für diese Position aus...Alternativen ? Habe ich keine.


Just Me hat geschrieben:
Es ist ja richtig, dass man mit dem, wie nannte man es seinerzeit so euphemistisch?, "Schulz-Zug", der der Partei binnen kürzester Zeit über 4.000 Neu-Mitglieder bescherte, keine Kuh vom Eis ziehen kann. Doch die Personalien sind nicht der wesentliche Faktor. In den vergangenen 30 Jahren hat die SPD durchgetauscht, was nur irgend möglich war. Aus der aktuellen Führungsriege hat - zumindest gefühlt - jeder schon alles gemacht; einschließlich Kanzler-Kandidatur. ... Doch es wurde einfach nicht besser. Insofern ist es an Realitätsferne kaum noch zu überbieten, dass man sich nun erneut zuerst und vor allem damit aufhält, das zu machen, was seit 30 Jahren immer weniger wirkt.



Jein..wie gesagt weiß so wirklich Niemand für welche Politik die SPD überhaupt steht, Gabriel hat zwar behauptet, dass die Union innerhalb der GroKo erhebliche Einschränkungen in ihrer Politik durch die SPD als Koalitionspartner hat erleben müssen, aber sowohl Frau Merkel als auch der Großteil der Wähler hat davon nichts gemerkt. Ich weiß nicht ob es Schwesig oder Nahles war, aber eine von beiden hat gesagt, dass die SPD sich nun völlig neu erfinden muss.."und dann kriegen sie auf die Fresse"...und wie soll das funktionieren mit den selben Gurken in der Führung ? Wie will man dem Wähler glaubhaft rüber bringen, dass die Parteiführung , für die man sie bei der Wahl verantwortlich gemacht hat plötzlich alles anders macht ?


Just Me hat geschrieben:Dass übrigens "die Nazis vorbei" sind, kann ich so nicht nachvollziehen. Nicht nur, dass wir bei NSU- und NSA-, aber auch im Kontext der G20-Aufarbeitung immer wieder auf "tote Zeugen, Schwärzungen & Aktenschredder" stoßen; also mitten in typischerweise Diktaturen zugeordneter Mittelauswahl stecken, es gab auch zu besten Nazi-Zeiten nur wenige "die Nazis"; dafür aber umso mehr, die bei Kleinigkeiten weggeschaut und bei größeren Problemen geschwiegen haben; die also selbst "die Nazis" erst möglich gemacht haben.



Korruption gab es immer und wird es auch immer geben, ich meinte aber eher, dass die Menschen das ewige Gesülze von jedem der nicht dem "68iger Pressemainstream" folgt ein böser Brauner ist. Genau wie diese immer anhaltende Kollektivschuld immer und überall, weil wir wie jedes Volk ein dunkles Kapitel in unser Geschichte haben. Frau Schwesig ist auch eine von dieser Sorte...als hätten wir keine echten Sorgen um die es sich zu kümmern lohnt.


Just Me hat geschrieben:
Auf dem gleichen Weg befinden wir uns heute wieder, wenn wir uns bereit erklären, Menschenrechte gegen die Xenophobie einiger Weniger (immerhin haben selbst mit den Protestwählern nur 12,6 Prozent der AfD ihre Stimme gegeben; 87,4 Prozent haben es nicht getan) einzutauschen, ja, auch nur darüber nachzudenken bereit sind.


Das Problem der AFD ist, dass sie sich von Gauland,Höcke und co nicht distanziert, bzw sie gleich vor die Tür setzt. Im großen und ganzen ist sie aber eher da, wo die Union früher mal war..ich bin kein AFD Wähler weil sie mich nicht überzeugt, aber "schlimmer" als die heutige SED sind die auch nicht.
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon JJazzGold » Sa 7. Okt 2017, 19:35

"Just Me"

Noch stellen die Lohnabhängigen die weitaus größte Gruppe der Wählerschaft. Das mag sich im Zuge der Automatisierung zunehmend verschieben, doch bis dahin dürften selbst im optimistischsten Fall noch ein paar Jahrzehnte vergehen. In diesem Sinne bist du gut beraten, die "marx'schen Arbeiter", die zu vertreten sich die SPD einst auf die Fahnen schrieb, auf die Gegenwart zu übertragen. Und das sind und bleiben die Lohnabhängigen.


Inwieweit vertritt die SPD AN Ihrer Meinung nach nicht mehr?

Und ob linke, also progressive, Parteien, denen du unter anderem alle - ausnahmslos ALLE - Arbeitnehmer-Rechte zu verdanken hast, "obsolet" sind, wird die Zukunft zeigen. Bisher jedenfalls hat es den Anschein, dass sich immer mehr Menschen damit unzufrieden zeigen, real nicht mehr als 1994 in der Tasche zu haben, obwohl der Druck auf sie stetig steigt. Dabei sei das konservative "Bewahren existierender Werte" nicht kleingeredet; doch es braucht ein ausgewogenes Maß, will man die neuen Anforderungen, die sich auch durch die Vogel-Strauß-Methode des "Was ich nicht sehe, das gibt es nicht.", die die Konservativen, und das ist nicht böse gemeint, sondern wissenschaftlich bestätigt, aus Mangel an intellektueller Leistungsfähigkeit pflegen, nicht "wegmachen" lässt, gerecht werden.


Lassen Sie mal Ihre Fantasie spielen, wie stellen Sie persönlich sich das ausgewogene Maß vor?


Im Gegensatz zum Konservativismus, der mit "Bewahren, was besteht", bereits erschöpft ist, gibt es im Progressivismus, also links, jede Menge Spielraum. Das hängt vor allem damit zusammen, dass es unendlich viele Wege gibt, aber - wie auch die Gegenwart zeigt - nicht jeder Weg zum Erfolg führt.

Siehst du! Genau das meine ich. Es gibt unzählige Auflösungen dieses Problems. Sie nun ausführlich zu diskutieren, bevor man die Demokratie aufs Spiel setzt, sollte Aufgabe der progressiven Kräfte sein. Beispielhaft, doch nicht als einzige Lösung, nannte ich die "Abwahl-vor-Wahl"-Option, also die Möglichkeit des Pöbels, nachlaufend auf die Partei-Strukturen Einfluss nehmen zu können, indem er sein Veto ausdrückt. Das zu gestalten gibt es wiederum unzählige Möglichkeiten; lasse einfach deiner Fantasie freien Lauf.


Stellen Sie sich vor, ich sei ein wenig fantasiebegabter Wähler, den Sie überzeugen müssten. Nennen Sie mir einige dieser Möglichkeiten.


Ich vermute mal, deine praktischen politischen Erfahrungen belaufen sich auf die reine Theorie, hm?!


:)

Welche Korrekturmöglichkeiten hast du denn in den genannten Fällen? Im plakativsten Falle sind mehr als 5,8 Millionen Wähler aufgestanden und verlangten "Merkel muss weg!" Das kann man wahlweise für sinnvoll oder sinnentleert halten; doch die zentrale Frage lautet hier: "Was haben sie erreicht? Fast sechs Millionen Wähler. In Zahlen: 5.877.094 einzelne Stimmen sind an der Parteien-Diktatur gescheitert."


Wer wäre Ihre Wahl anstelle von Frau Merkel gewesen, gesetzt den Fall, es wäre Ihnen möglich gewesen direkt zu voten, statt über einen Stellvertreter?

Was genau ist dein Anspruch? Die weitgehende Nutzlosigkeit deiner Stimme?


:)
Allein dieser Bruch fundamentalster demokratischer Bedingungen entmündigt dich vollkommen, JJazzGold.


Da Sie mir nichts konkret und überzeugend Besseres anbieten können, bin und bleibe ich im Großen und Ganzen einverstanden mit der Arbeit meiner gewählten Stellvertreter.

Hier bin ich ganz bei dir: Demokratie muss man lernen.




Vor allem muss man lernen sie wertzuschätzen.


Ganz ehrlich? Kann es schlechter werden? Die SPD befindet sich im freien Fall und wird, wenn sie so weitermacht, innerhalb der nächsten 15 Jahre unter "Sonstige" geführt werden. Selbst scharpingsche Wahlergebnisse von 36+ Prozent würden diese Partei heute bereits in Verzückung versetzen und die Partei-Apologeten zu einem wochenlangen Kriegstanz motivieren. Was also kann schlimmer kommen, wenn man sogar zweite und dritte Reihe übergeht und erst dahinter Ausschau nach fähigem Personal hält? Darüber hinaus könnte die SPD diese Gelegenheit zur Ehrlichkeit nutzen: Ganz egal, auf wen man abstellen möchte: Es sollte eine Entscheidung der Partei-Mitglieder werden. Warum also nicht den gesamten Partei-Vorstand vollständig zur Disposition stellen und unter der Berücksichtigung, dass die "Schröder-Gang" dieses Mal nicht kandidiert, völlig freie Hand lassen.

Diese (Re-)Form der Demokratie wäre bereits ein weiterer Fortschritt; wieder von der SPD ausgehend. Man könnte genau damit also das dringend ersehnte Zeichen setzen, dass "die da oben" eben doch nicht so weitermachen wollen, wie sie es seit über 100 Jahren in der SPD und seit fast 70 Jahren in allen Parteien in der Bundesrepublik machen.

Am Ende wäre es egal, wie der- oder diejenige dann heißen würde und aus welcher Reihe er oder sie käme: Er/Sie wäre "von unten, also basisdemokratisch gewählt"; anstatt, wie bisher, von oben durch "Kandidatur-Zulassung" diktiert zu werden. Und die Medien, die es schon als "Wahl" bezeichnen, wenn einer kandidiert; die von "Kampf-Kandidatur" faseln, wenn zwei kandidieren; und die stets den "heraufziehenden Untergang der Partei" beschwören, wenn mehr als zwei kandidieren, müssten mal wieder neue Propaganda-Begriffe finden, weil Wahl zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik wirklich demokratisch wäre...


Was würde die SPD Ihrer Meinung nach machen, wenn in Reihenfolge jeder ihrer vorgeschlagenen Kandidaten von der Basis, dem Volk, ein Veto generiert, weil ein Aspirant aus der dritten oder vierten Reihe flächendeckend unbekannt ist und der Kandidat in seiner Umsetzungsfähigkeit schlichtweg nicht einschätzbar ist? Wählen bis es passt?
Zuletzt geändert von JJazzGold am Sa 7. Okt 2017, 19:41, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon JJazzGold » Sa 7. Okt 2017, 19:35

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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Sa 7. Okt 2017, 19:44

JJazzGold hat geschrieben:(07 Oct 2017, 20:35)

Inwieweit vertritt die SPD AN Ihrer Meinung nach nicht mehr?



Lassen Sie mal Ihre Fantasie spielen, wie stellen Sie persönlich sich das ausgewogene Maß vor?

Mal nicht SPD-Mitglieder und Volk in eines setzen.


Stellen Sie sich vor, ich sei ein wenig fantasiebegabter Wähler, den Sie überzeugen müssten. Nennen Sie mir einige dieser Möglichkeiten.




:)



Wer wäre Ihre Wahl anstelle von Frau Merkel gewesen, gesetzt den Fall, es wäre Ihnen möglich gewesen direkt zu voten, statt über einen Stellvertreter?



:)


Da Sie mir nichts konkret und überzeugend Besseres anbieten können, bin und bleibe ich im Großen und Ganzen einverstanden mit der Arbeit meiner gewählten Stellvertreter.





Vor allem muss man lernen sie wertzuschätzen.




Was würde die SPD Ihrer Meinung nach machen, wenn in Reihenfolge jeder ihrer vorgeschlagenen Kandidaten von der Basis, dem Volk, ein Veto generiert, weil ein Aspirant aus der dritten oder vierten Reihe flächendeckend unbekannt ist und der Kandidat in seiner Umsetzungsfähigkeit schlichtweg nicht einschätzbar ist? Wählen bis es passt?
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon JJazzGold » Sa 7. Okt 2017, 19:49

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(07 Oct 2017, 20:44)
Mal nicht SPD-Mitglieder und Volk in eines setzen.


Mache ich doch nicht, ich bin das Volk und Just Me das SPD Mitglied. ;)
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Sa 7. Okt 2017, 19:55

JJazzGold hat geschrieben:(07 Oct 2017, 20:49)

Mache ich doch nicht, ich bin das Volk und Just Me das SPD Mitglied. ;)

;) Aber eine Mitgliederabstimmung über den Vorstand kann ich mir schon vorstellen in Ausnahmezeiten. Oder über Spitzenkandidaten.
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon JJazzGold » Sa 7. Okt 2017, 20:04

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(07 Oct 2017, 20:55)

;) Aber eine Mitgliederabstimmung über den Vorstand kann ich mir schon vorstellen in Ausnahmezeiten. Oder über Spitzenkandidaten.


Wenn, dann wäre doch jetzt der richtige Zeitpunkt. Erneuerung aus der Basis und vier Jahre Zeit für die zweite und dritte Reihe sich in die neue Funktion einzuleben.
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Re: Warum kritisieren Özdemir und Kubicki die SPD dafür, dass die SPD eine weitere GroKo ablehnt?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Sa 7. Okt 2017, 20:28

JJazzGold hat geschrieben:(07 Oct 2017, 21:04)

Wenn, dann wäre doch jetzt der richtige Zeitpunkt. Erneuerung aus der Basis und vier Jahre Zeit für die zweite und dritte Reihe sich in die neue Funktion einzuleben.

Jetzt oder bald, wenn es etwas werden soll.
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