Taktische Fehler

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Quatschki
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Re: Taktische Fehler

Beitragvon Quatschki » Do 3. Aug 2017, 22:36

Katenberg hat geschrieben:(03 Aug 2017, 22:48)

Nun, das Entscheidende und Einzige, was die CDU möchte, ist gewählt zu werden.

Die Bundesregierung macht doch Industriepolitik, Umweltpolitik, Außenpolitik, Migrationspolitik, Sozialpolitik, Europapolitik, Finanzpolitik usw.
Darin lassen sich doch bestimmte Strategien erkennen! Weiche für Weiche wird da gestellt.
Nicht als Folge offentlicher Debatte um die besten Lösungen und demokratischer Willensbildung. Sondern inspiriert durch die globalen Eliten, deren Thinktanks und Lobbynetzwerke.
Und die SPD kann nur die Rolle spielen, die ihr dabei zugedacht ist.
Und wenn sie nicht mehr als nötig erachtet wird, wird sie wie andere sozialdemkratische Parteien in der Versenkung verschwinden...
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Re: Taktische Fehler

Beitragvon Wähler » Fr 4. Aug 2017, 05:19

Katenberg hat geschrieben:(03 Aug 2017, 22:14)
Koalition 2013
Der größte Fehler der SPD war wohl die Koalition mit der CDU einzugehen.
Das größte Risiko wäre das gewesen, was die SPD hätte eingehen müssen: Rot-Rot-Grün
Die AfD
Mit einer der größten Fehler der SPD war der Umgang mit der AfD.
Die SPD hätte wesentlich geschickter gehandelt, hätte sie erkannt, dass ein nicht unwesentlicher Teil der AfD der klassischen Sozialdemokratie aufgeschlossen ist.
Das Personal
Das wohl größte Problem der SPD ist, wie bei der CDU ebenfalls, das Personal. Die Partei macht den gewaltigen Fehler, nur eine Art Parteiadel nach vorne zu lassen.
Die Agenda Schulz
Seien wir ernst: Die SPD profitierte von dem wahren Marathon, den die Medien zur Kür von Schulz veranstalteten. Auch wenn ich diese Welle eben für eine statistische Spielerei halte, hätte die SPD diese nutzen können. Tatsächlich hat sie es auc versucht, den Kandidaten Schulz mit Themen auszustatten, das Problem: Die Themen verfingen entweder nicht, oder waren meist Landesthemen. Da die SPD in fast allen Landesregierungen sitzt, ist es schlicht unglaubwürdig, wenn sie öffentlich den Zustand der Schulen und des Bildungssystems anprangert und auch ein Schulz kann da nichts ändern, gehört er eben auch zum bekannten Zirkel der SPD.
Einerseits wirkt die Agenda zu schwach und auf der anderen Seite ist und bleibt Schulz schlicht der falsche Kandidat dafür.
Die Zeit
Und wieder kommen wir zum Punkt 1. Das Hauptproblem der SPD lautet Merkel, denn, auch wenn ich es immer noch nicht fasse, die Menschen wollen sie. Sie verkörpert ein "Es geht halt so weiter" ohne Ziel zu nennen, gibt Ruhe und ist vor allem wie die Deutschen: unpolitisch.

Taktisch kann die SPD wenig machen, weil die Grünen offensichtlich mit Jamaika liebäugeln. Strategisch hat Schulz erkannt, dass er Zukunftsthemen, mit denen viele Deutsche sich noch nicht beschäftigen wollen, trotzdem vorsichtig besetzen muss. Dazu gehören Bildungspolitik, Investitionen in moderne Infrastruktur, Digitalisierung, Einwanderung von Fachkräften und mehr Kooperation mit Frankreich. Damit biedert sie sich auch nicht der AfD an, sondern setzt einen Kontrast, um unschlüssige Wähler zum Nachdenken zu bringen.
Die SPD wird wahrscheinlich in die Opposition gehen müssen, bis mehr Menschen in Deutschland bereit sind, sich intensiver mit der Zukunft ihrer Kinder auseinanderzusetzen. Auch die Ära Merkel wird vorübergehen.
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Re: Taktische Fehler

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mo 14. Aug 2017, 13:53

Katenberg hat geschrieben:(03 Aug 2017, 22:14)
Die AfD
Mit einer der größten Fehler der SPD war der Umgang mit der AfD. Selbstverständlich war und ist die AfD eine Gefahr für den Wählerbestand der SPD, doch hat sich die SPD auf einen idiotischen Kampf eingelassen. Während die AfD mit der Selbstzerlegung beschäftigt war feuerte das linke Lage geschlossen auf die AfD, mit Hilfe der FDP, während sich die CDU zurücklehnen konnte

Da ist was dran. Die AfD rekrutiert sich aus der populismus-affinen Teilmenge der eher sozialdemokratisch orientierten Wähler. Das trifft für einen kleinen Teil auch auf die Linkspartei zu, aber eher in den 90ern als heute - die sind eben zu klar inzwischen besetzt mit "links" statt mit "ostdeutsch", "antiamerikanisch", "irgendwie Protest", "ärgert CDU" usw.

Der typische AfD-Wähler 2013-2016 könnte auch die Westerwelle/Möllemann-FDP gewählt haben oder die Gysi-Linke oder eine Dregger-CDU. Inzwischen gibt es unter den AfD-Wählern auch einen verfestigten Nazianteil. So richtig braune Kackbratzen, die allenfalls aus Not was anderes gewählt hätten oder eben gleich NPD.

Die SPD hätte gut daran getan, ihre unter Gabriel begonnene Pflege des rechtsoffenen Heimatgedönses fortzusetzen. http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 15001.html Hier sieht man, wie SPD und Pegida, scheinbare Antipoden, in Wirklichkeit in vielen Fragen ähnlich dastehen. Sicher gibt es Differenzen. Die gibt es zwischen "NPD" und "Die Rechte" auch. Die SPD hätte spätestens nach Luckes Abgang die AfD-Anhänger aufsaugen können, ohne sich mit dem Personal das Hemd zu beschmutzen. Sie hätte nur ihre Noske-Buschkowsky-Sarazin-Gabriel-Linie klarer herausstellen müssen. Stattdessen lauter mittelmäßige Angsthasen im Sparkassen-Anzug, die PR-mäßig konservativ noch jede Chance verpassen.

Der SPD fehlt neben einer Person, die glaubhaft die Angst vor Ali und Aishe mit dem gesellschaftlichen Bodensatz für Deutschland teilt, auch eine ganze Reihe Personen daneben und dahinter. Die ganze Anlage ihres Parteiapparates ist, mehr noch als bei der CDU und der CSU, auf Politikbeamte ausgelegt, die wechselseitig mit Rückendeckung der Partei im Verband, mit Rückendeckung des Verbandes in der Partei, so ähnlich auch in Verwaltung und politikrelevanten Großkonzernen, in den Stadtwerken und Zweckverbänden sowieso, ihre Verwaltungskarriere veredeln. Dazwischen ein paar Lehrer und perspektivlose Dauerstudenten. Da ist die AfD mit ihren gestandenen Biographiehanseln und ihren wenigstens authentischen nationalverblödeten Hausierern irgendwie attraktiver.

Die Hybris der SPD zeigt sich schon in dem Versuch, einen feisten Parteisoldaten ohne jede echte Lebenserfahrung durch einen disziplinlosen Selbstbediener aus der parteipolitischen Rumpelkammer zu ersetzen, den alle toll finden sollen, weil er in 30 Jahren Politik nur solche Fehler gemacht hat, an die sich keiner mehr erinnern mag. Ist das nach Exkommunisten, dem Exilgänger, dem Wehrmachtsheini und dem Fußballplatz-Fensterkittfresser von Gazprom wirklich das letzte Aufgebot der SPD?
Die FDP unter Gerhardt oder das 2002er Lineup der PDS mit Pau, Holter und Claus könnte nicht blasser gewesen sein. So wird das nichts.

Die Menschen sind mit Merkel bedient, sie haben ihre dreikommafünf Posen und Gesten nun oft genug gesehen, sie wollen Dynamik und einen neuen Aufbruch - aber den bietet weder der ungewaschene Weinflaschenbürokrat, der gern bedingungslos Parteichef bleiben will, noch die sozialdemokratische Mutterkreuzträgerin mit ihrem Narrenzirkus aus Viertel-, Drittel- und 200%-Nazis. Die Grünen sowieso nicht. Bei denen kann man nicht mal eine Umschreibung erfinden, denn woran sollte man die fest machen? Aus diesem Erdogan-Plagiat für Verwaltungswirte, das sich bei denen Vorsitzender nennt, könnte man allenfalls einen mittelprächtigen Landrat drehen. Sowas gehört einfach nicht in die nationale Politik. Die Leute werden Merkel wählen. Vielleicht nicht begeistert, aber wenn man guckt, was man mit der Stimme alles verhindern kann, dann doch irgendwie überzeugt.
"I should welcome almost any war, for I think this country needs one" - T. Roosevelt, Politiker.
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Re: Taktische Fehler

Beitragvon Wähler » Mo 14. Aug 2017, 17:50

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(14 Aug 2017, 14:53)
Die Menschen sind mit Merkel bedient, sie haben ihre dreikommafünf Posen und Gesten nun oft genug gesehen, sie wollen Dynamik und einen neuen Aufbruch - aber den bietet weder der ungewaschene Weinflaschenbürokrat, der gern bedingungslos Parteichef bleiben will, noch die sozialdemokratische Mutterkreuzträgerin mit ihrem Narrenzirkus aus Viertel-, Drittel- und 200%-Nazis. Die Grünen sowieso nicht. Bei denen kann man nicht mal eine Umschreibung erfinden, denn woran sollte man die fest machen? Aus diesem Erdogan-Plagiat für Verwaltungswirte, das sich bei denen Vorsitzender nennt, könnte man allenfalls einen mittelprächtigen Landrat drehen. Sowas gehört einfach nicht in die nationale Politik. Die Leute werden Merkel wählen. Vielleicht nicht begeistert, aber wenn man guckt, was man mit der Stimme alles verhindern kann, dann doch irgendwie überzeugt.

http://www.euractiv.de/section/bundesta ... n-sich-an/
Euractiv 20. Juli 2017 Studie zu Wählern der Parteien
Die Wählerschaften von Union und SPD weichen in ihrer sozialen Zusammensetzung nicht weit vom Schnitt der Gesellschaft ab. Ob Alter, Berufe, Bildung, Einkommen, Wohnort – beide Parteien bilden mit ihrer Wählerstruktur die Gesamtgesellschaft annährend ab, während alle anderen Parteien doch jeweils „abweichende Merkmale“ haben.

Was die Leute auf den Straßen so im Wahlkampf bewegt:
http://gfx.sueddeutsche.de/apps/e126982/www/
15. Juli 2017 SZ-Democracy-Lab
Grafik:
http://gfx.sueddeutsche.de/apps/e126982 ... 0ffeb6.png

Die Parteien und ihre Kandidaten beziehen im Wahlkampf und ihren Programmen schon Stellung zu bestimmten, den Wählern wichtigen Themen. Allerdings blenden sie auch wichtige Bereiche, wie Flüchtlings- und Zuwanderungspolitik und die europäische Ebene aus. Die von Dir beobachteten Politiker-Charaktere passen irgendwie nicht mit diesen von eben diesen Kandidaten formulierten politischen Positionen ihrer Parteien zusammen.

Habe Schulz und Özdemir im ZDF-Sonntagsinterview gesehen. Beide vertreten sachkundig und ohne die markigen Sprüche eines Seehofers den jeweiligen Markenkern ihrer Parteien. Unterschiede zu den konservativen Parteien werden also für den Wähler deutlich. Auch Merkel bezieht nach ihrer Rückkehr aus dem Sommerurlaub deutlicher Position. Linder wirkt bisher noch zu blass auf mich. Die AfD-Spitzenkandidaten verfolge ich nicht so genau.
Zeitungstexte bei Genios mit Bibliotheksausweis kostenlos: https://www.wiso-net.de/login?targetUrl=%2Fdosearch (Zugang auch bundesweit)
Sole.survivor@web.de
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Registriert: Fr 14. Jul 2017, 19:37

Re: Taktische Fehler

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Di 15. Aug 2017, 10:09

Wähler hat geschrieben:(14 Aug 2017, 18:50)

http://www.euractiv.de/section/bundesta ... n-sich-an/
Euractiv 20. Juli 2017 Studie zu Wählern der Parteien

Was die Leute auf den Straßen so im Wahlkampf bewegt:
http://gfx.sueddeutsche.de/apps/e126982/www/
15. Juli 2017 SZ-Democracy-Lab
Grafik:
http://gfx.sueddeutsche.de/apps/e126982 ... 0ffeb6.png

Die Parteien und ihre Kandidaten beziehen im Wahlkampf und ihren Programmen schon Stellung zu bestimmten, den Wählern wichtigen Themen. Allerdings blenden sie auch wichtige Bereiche, wie Flüchtlings- und Zuwanderungspolitik und die europäische Ebene aus. Die von Dir beobachteten Politiker-Charaktere passen irgendwie nicht mit diesen von eben diesen Kandidaten formulierten politischen Positionen ihrer Parteien zusammen.

Habe Schulz und Özdemir im ZDF-Sonntagsinterview gesehen. Beide vertreten sachkundig und ohne die markigen Sprüche eines Seehofers den jeweiligen Markenkern ihrer Parteien. Unterschiede zu den konservativen Parteien werden also für den Wähler deutlich. Auch Merkel bezieht nach ihrer Rückkehr aus dem Sommerurlaub deutlicher Position. Linder wirkt bisher noch zu blass auf mich. Die AfD-Spitzenkandidaten verfolge ich nicht so genau.

Linda hat etwas sehr richtiges zur Außenpolitik gesagt. Er steht für eine besonnene Machtpolitik mit Merkel. In der Rolle könnte ich mir auch Horst Seehofer vorstellen. Özelmir brauchen wir hier nicht.
"I should welcome almost any war, for I think this country needs one" - T. Roosevelt, Politiker.

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