Protestwahl - Legitim oder Schwachsinn?

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Brainiac
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Re: Protestwahl - Legitim oder Schwachsinn?

Beitragvon Brainiac » Mo 28. Aug 2017, 22:36

Thales hat geschrieben:(28 Aug 2017, 21:36)

Ja, so ist es :)
Es gab schon Wahlen mit einer Wahlbeteiligung von nur 30 proz.
Da kann man nicht raten, wie du das gemacht hast.

Was habe ich? :?:

Im Zweifel lieber nicht wählen. Wo soll das hinführen?
Wenn man daran festhalten will, dass alle Macht vom Volke ausgeht, dann sollte die Wahlpfkicht zumindest bei den Bundestagswahlen die Regel sein. Dabei hätte ich kein Problem damit, wenn man mehrere Parteien wählen dürfte. Dann gibt es jedesmal eine Groko unter der Führung der Partei mit den meisten Stimmen. Allerdings wenn mehr als die Hälfte der Wähler sich für keine einzige der auf der Wahlliste aufgeführten Parteien identifizieren kann, dann sollten die Wahlen wiederholt werden, eventuell mit einer neuen Partei...
Das war meine Idee. Man sollte die Protestwähler ernst nehmen, wenn man die Demokratie ernst nimmt

Ein fiktives Beispiel zu deinem Ansatz: 5 Wähler, 5 Parteien.

3 der 5 Wähler wählen Partei 1, da sie diese für klar am besten halten. Die beiden anderen Wähler können sich nicht entscheiden und wählen daher alle 5 Parteien, von Partei 1 bis Partei 5.

Ergebnis: Insgesamt werden 13 Stimmen gezählt, davon 5 für Partei 1 und je 2 für Partei 2 bis 5. Partei 1 bräuchte zum Regieren eine Koalition, und das, obwohl 3 von 5 Wählern für Partei 1 waren.

Absurd, geht so nicht. -> One man, one vote.
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Re: Protestwahl - Legitim oder Schwachsinn?

Beitragvon Teeernte » Mo 28. Aug 2017, 23:00

Keoma hat geschrieben:(28 Aug 2017, 15:55)

Sehe ich nicht ganz so.
Natürlich hängt es auch von der Intelligenz des Wählers ab, wem er die Stimme gibt.
Aber ich kann ja schwer der Partei, deren Richtung mir nicht mehr gefällt, trotzdem meine Stimme geben.


Mini"Terrorismus" : wie tritt "das Pack" dem Staat/Volksvertreter "ordentlich" in den Hintern ?

Die Truppe wählen - vor denen er am meisten warnt.....
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Re: Protestwahl - Legitim oder Schwachsinn?

Beitragvon Thales » Mo 28. Aug 2017, 23:21

Brainiac hat geschrieben:(28 Aug 2017, 23:36)

Was habe ich? :?:


Ein fiktives Beispiel zu deinem Ansatz: 5 Wähler, 5 Parteien.

3 der 5 Wähler wählen Partei 1, da sie diese für klar am besten halten. Die beiden anderen Wähler können sich nicht entscheiden und wählen daher alle 5 Parteien, von Partei 1 bis Partei 5.

Ergebnis: Insgesamt werden 13 Stimmen gezählt, davon 5 für Partei 1 und je 2 für Partei 2 bis 5. Partei 1 bräuchte zum Regieren eine Koalition, und das, obwohl 3 von 5 Wählern für Partei 1 waren.

Absurd, geht so nicht. -> One man, one vote.

haha lustig :)
Du hast recht, aber dieses Problem lässt sich leicht lösen. Wer sich gleichzeitig für 5 Parteien entscheidet, kann jeder Partei natürlich nur eine Fünftelstimme geben.
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Re: Protestwahl - Legitim oder Schwachsinn?

Beitragvon Brainiac » Di 29. Aug 2017, 16:05

Thales hat geschrieben:(29 Aug 2017, 00:21)

haha lustig :)
Du hast recht, aber dieses Problem lässt sich leicht lösen. Wer sich gleichzeitig für 5 Parteien entscheidet, kann jeder Partei natürlich nur eine Fünftelstimme geben.

Aha, und bei 34 Parteien (so viele kandidierten nämlich bei der letzten BTW)?

Wir sind ja bei der Frage, was aus der Wahlentscheidung der "ist mir egal"-Nichtwähler werden soll. Von deren einer Stimme müssten bei deiner neuesten Logik dann wohl jede dieser 34 Parteien 1/34 Stimme bekommen. Richtig?

Man kann sich leicht ausrechnen, was das bedeutet: Es würde nämlich jede Partei ca. 3% dieser ex-Nichtwähler-Stimmen bekommen, was zur Folge hätte, dass ggf Parteien unter 5% rutschen könnten, die im jetzigen System leicht drüber lägen, und Parteien <5% (jetziges System) hätten erst recht keine Chance. Die einzigen Parteien, die relativ gestärkt würden, wären die, die bereits jetzt unter 3% liegen - darüber können sie aber auch mit deiner Logik nicht kommen, die Stimmen bleiben verloren.

Ich weiß ja nicht, ob das deine Intention ist. Die der allermeisten jetzigen Nichtwähler dürfte es nicht sein.
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Re: Protestwahl - Legitim oder Schwachsinn?

Beitragvon Texas41 » Di 29. Aug 2017, 16:22

Thales hat geschrieben:(28 Aug 2017, 21:36)

Ja, so ist es :)
Es gab schon Wahlen mit einer Wahlbeteiligung von nur 30 proz.
Da kann man nicht raten, wie du das gemacht hast. Im Zweifel lieber nicht wählen. Wo soll das hinführen?
Wenn man daran festhalten will, dass alle Macht vom Volke ausgeht, dann sollte die Wahlpfkicht zumindest bei den Bundestagswahlen die Regel sein. Dabei hätte ich kein Problem damit, wenn man mehrere Parteien wählen dürfte. Dann gibt es jedesmal eine Groko unter der Führung der Partei mit den meisten Stimmen. Allerdings wenn mehr als die Hälfte der Wähler sich für keine einzige der auf der Wahlliste aufgeführten Parteien identifizieren kann, dann sollten die Wahlen wiederholt werden, eventuell mit einer neuen Partei...
Das war meine Idee. Man sollte die Protestwähler ernst nehmen, wenn man die Demokratie ernst nimmt


Abgesehen davon, daß es in Deutschland wohl nie zu einer Wahlpflicht kommen wird: ich würde trotzdem nur wählen gehen, wenn ich es für richtig halte und mich von niemandem dazu zwingen lassen. Auch die Androhung eines Bußgeldes oder einer anderen Strafe würde daran überhaupt nix ändern. Aber diesmal stellt sich das Problem ja eh nicht - ich werde erstmals seit 1998 wieder wählen, was jedoch nicht heißt, daß es bei der nächsten Wahl genau so ist.
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Re: Protestwahl - Legitim oder Schwachsinn?

Beitragvon Thales » Di 29. Aug 2017, 23:13

Brainiac hat geschrieben:(29 Aug 2017, 17:05)

Aha, und bei 34 Parteien (so viele kandidierten nämlich bei der letzten BTW)?

Wir sind ja bei der Frage, was aus der Wahlentscheidung der "ist mir egal"-Nichtwähler werden soll. Von deren einer Stimme müssten bei deiner neuesten Logik dann wohl jede dieser 34 Parteien 1/34 Stimme bekommen. Richtig?

Man kann sich leicht ausrechnen, was das bedeutet: Es würde nämlich jede Partei ca. 3% dieser ex-Nichtwähler-Stimmen bekommen, was zur Folge hätte, dass ggf Parteien unter 5% rutschen könnten, die im jetzigen System leicht drüber lägen, und Parteien <5% (jetziges System) hätten erst recht keine Chance. Die einzigen Parteien, die relativ gestärkt würden, wären die, die bereits jetzt unter 3% liegen - darüber können sie aber auch mit deiner Logik nicht kommen, die Stimmen bleiben verloren.

Ich weiß ja nicht, ob das deine Intention ist. Die der allermeisten jetzigen Nichtwähler dürfte es nicht sein.


Der Anfang liegt bei dir. Du hast einem potentiellen "Protestwähler" empfohlen, er soll lieber nicht wählen gehen. Und ich suche nach einer Lösung. Wie gesagt, es gab schon Wahlen mit nur 30% Wahlbeteiligung. Man geht hierbei automatisch davon aus, dass die Nichtwähler mit jedem Wahlausgang zufrieden sind. Und was ist, wenn es genau umgekehrt ist. Wissen wir das? Kann man noch die Demokratie ernst nehmen?
Deswegen bin ich für die Wahlpflicht. Und wie gesagt. Bei der Wahlpflicht könnte rauskommen, dass mehr als 50% der Wähler KEINER der zur Wahl stehenden Parteien eine Stimme oder auch nur eine Bruchstimme geben wollen. Dann muss schnell eine neue Partei gegründet werden und Neuwahlen...
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Re: Protestwahl - Legitim oder Schwachsinn?

Beitragvon Thales » Di 29. Aug 2017, 23:28

Texas41 hat geschrieben:(29 Aug 2017, 17:22)

Abgesehen davon, daß es in Deutschland wohl nie zu einer Wahlpflicht kommen wird: ich würde trotzdem nur wählen gehen, wenn ich es für richtig halte und mich von niemandem dazu zwingen lassen. Auch die Androhung eines Bußgeldes oder einer anderen Strafe würde daran überhaupt nix ändern. Aber diesmal stellt sich das Problem ja eh nicht - ich werde erstmals seit 1998 wieder wählen, was jedoch nicht heißt, daß es bei der nächsten Wahl genau so ist.


Ich habe vor einem Monat einen unscheinbaren Brief bekommen, den ich fast schon in die blaue Tonne geworfen habe als ich "Statistisches Amt" gelesen habe. Darin stand der Name einer Frau die mich in 5 Tagen zwischen 16:30 und 18:30 besuchen wird. Ich wurde nämlich für den Mikrozensus 2017 auserwählt. Reflexartig wollte ich "NÖ" sagen. Aber dann habe ich im Internet gelesen, was mit den Verweigerer passiert ist. Und habe die Dame kommen lassen.
Bei einer Wahlpflicht könntest du gar nichts machen. Allerdings eine solche Wahlpflicht wie ich sie vorgeschlagen habe, wo man die Möglichkeit hat alle Parteien abzuwählen, wird es in der Tat nie geben.
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Re: Protestwahl - Legitim oder Schwachsinn?

Beitragvon Pro&Contra » Di 29. Aug 2017, 23:53

Thales hat geschrieben:(30 Aug 2017, 00:28)

Ich habe vor einem Monat einen unscheinbaren Brief bekommen, den ich fast schon in die blaue Tonne geworfen habe als ich "Statistisches Amt" gelesen habe. Darin stand der Name einer Frau die mich in 5 Tagen zwischen 16:30 und 18:30 besuchen wird. Ich wurde nämlich für den Mikrozensus 2017 auserwählt. Reflexartig wollte ich "NÖ" sagen. Aber dann habe ich im Internet gelesen, was mit den Verweigerer passiert ist. Und habe die Dame kommen lassen.
Bei einer Wahlpflicht könntest du gar nichts machen. Allerdings eine solche Wahlpflicht wie ich sie vorgeschlagen habe, wo man die Möglichkeit hat alle Parteien abzuwählen, wird es in der Tat nie geben.


Klar kann man was machen. Beim Mikrozensus lügen und bei der Zwangswahl den Wahlzettel in die Tasche stecken und nach Hause gehen.
Wenn ich nicht antworte, dann habe ich entweder keine Lust oder deine Argumente sind Unsinn.
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Re: Protestwahl - Legitim oder Schwachsinn?

Beitragvon Brainiac » Mi 30. Aug 2017, 06:42

Thales hat geschrieben:(30 Aug 2017, 00:13)

Der Anfang liegt bei dir. Du hast einem potentiellen "Protestwähler" empfohlen, er soll lieber nicht wählen gehen. Und ich suche nach einer Lösung. Wie gesagt, es gab schon Wahlen mit nur 30% Wahlbeteiligung. Man geht hierbei automatisch davon aus, dass die Nichtwähler mit jedem Wahlausgang zufrieden sind. Und was ist, wenn es genau umgekehrt ist. Wissen wir das? Kann man noch die Demokratie ernst nehmen?
Deswegen bin ich für die Wahlpflicht. Und wie gesagt. Bei der Wahlpflicht könnte rauskommen, dass mehr als 50% der Wähler KEINER der zur Wahl stehenden Parteien eine Stimme oder auch nur eine Bruchstimme geben wollen. Dann muss schnell eine neue Partei gegründet werden und Neuwahlen...

Also, wir hatten bei der letzten BTW über 70% Wahlbeteiligung und ich denke, das wird diesmal ähnlich liegen. Die fehlenden knapp 30% sind nicht schön, aber auch noch keine Katastrophe. Bei 50% sähe das in der Tat anders aus.

Mithin aus meiner Sich kein Anlass für irgendwelche waghalsigen Änderungen des Wahlrechts. Mit einer Wahlpflicht könnte ich leben, sehe aber den Nachteil, dass es dann einen nicht genau bekannten Anteil X der Wählerstimmen geben wird, wo jemand nur wählt, weil er muss. :|

Zum Mikrozensus, das hatte ich auch mal. Mein genereller Rat ist, die Fragen so ernsthaft wie möglich zu beantworten, das ist nämlich ein für die deutsche Gesellschaft und Politik recht wichtiges Instrument, da wir ja seit Ewigkeiten keine richtige Volkszählung mehr hatten. Zahlreiche Auswertungen des Statistischen Bundesamtes basieren darauf (Bildung, Einkommen, Familienverhältnisse, Migrationshintergrund,...).

Man sollte dann aber auch klar machen, dass die beim nächsten Mal bitte jemand anders nehmen sollen. Die neigen nämlich dazu, dieselben Haushalte immer wieder zu befragen. ;)
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Re: Protestwahl - Legitim oder Schwachsinn?

Beitragvon Texas41 » Mi 30. Aug 2017, 12:06

Thales hat geschrieben:(30 Aug 2017, 00:28)

Ich habe vor einem Monat einen unscheinbaren Brief bekommen, den ich fast schon in die blaue Tonne geworfen habe als ich "Statistisches Amt" gelesen habe. Darin stand der Name einer Frau die mich in 5 Tagen zwischen 16:30 und 18:30 besuchen wird. Ich wurde nämlich für den Mikrozensus 2017 auserwählt. Reflexartig wollte ich "NÖ" sagen. Aber dann habe ich im Internet gelesen, was mit den Verweigerer passiert ist. Und habe die Dame kommen lassen.
Bei einer Wahlpflicht könntest du gar nichts machen. Allerdings eine solche Wahlpflicht wie ich sie vorgeschlagen habe, wo man die Möglichkeit hat alle Parteien abzuwählen, wird es in der Tat nie geben.


Natürlich habe ich die Wahl - auch bei einer Wahlpflicht! Was will man denn machen, wenn ich mich trotz einer aufdoktrinierten Pflicht weigern würde, zu wählen? Ein Bußgeld? Das würde ich mit einem Lächeln begleichen.....

Was den Mikrozensus angeht - da war ich eben nicht zu Hause als da jemand vorbei kommen wollte.^^ Ich hab die zugeschickten Unterlagen ausgefüllt, abgeschickt und seit etlichen Jahren nie wieder etwas davon gehört.
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Re: Protestwahl - Legitim oder Schwachsinn?

Beitragvon Thales » Mi 30. Aug 2017, 21:40

Brainiac hat geschrieben:(30 Aug 2017, 07:42)

Also, wir hatten bei der letzten BTW über 70% Wahlbeteiligung und ich denke, das wird diesmal ähnlich liegen. Die fehlenden knapp 30% sind nicht schön, aber auch noch keine Katastrophe. Bei 50% sähe das in der Tat anders aus.

Mithin aus meiner Sich kein Anlass für irgendwelche waghalsigen Änderungen des Wahlrechts. Mit einer Wahlpflicht könnte ich leben, sehe aber den Nachteil, dass es dann einen nicht genau bekannten Anteil X der Wählerstimmen geben wird, wo jemand nur wählt, weil er muss. :|

Zum Mikrozensus, das hatte ich auch mal. Mein genereller Rat ist, die Fragen so ernsthaft wie möglich zu beantworten, das ist nämlich ein für die deutsche Gesellschaft und Politik recht wichtiges Instrument, da wir ja seit Ewigkeiten keine richtige Volkszählung mehr hatten. Zahlreiche Auswertungen des Statistischen Bundesamtes basieren darauf (Bildung, Einkommen, Familienverhältnisse, Migrationshintergrund,...).

Man sollte dann aber auch klar machen, dass die beim nächsten Mal bitte jemand anders nehmen sollen. Die neigen nämlich dazu, dieselben Haushalte immer wieder zu befragen. ;)


30% ist eine Menge, weil darunter sehr viele potentielle Jungwähler sind. Es gibt wahrscheinlich mehr halbsenile Wähler als junge Wähler.
Was Mikrozenzus betrifft. Irgendwo habe ich gelesen, dass wenn man einmel drin ist, dann MUSS man weitere 4 Jahre teilnehmen: aus Plausibilitätsgründen
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Re: Protestwahl - Legitim oder Schwachsinn?

Beitragvon Thales » Mi 30. Aug 2017, 21:51

Texas41 hat geschrieben:(30 Aug 2017, 13:06)

Natürlich habe ich die Wahl - auch bei einer Wahlpflicht! Was will man denn machen, wenn ich mich trotz einer aufdoktrinierten Pflicht weigern würde, zu wählen? Ein Bußgeld? Das würde ich mit einem Lächeln begleichen.....

Was den Mikrozensus angeht - da war ich eben nicht zu Hause als da jemand vorbei kommen wollte.^^ Ich hab die zugeschickten Unterlagen ausgefüllt, abgeschickt und seit etlichen Jahren nie wieder etwas davon gehört.

Wenn der Staat eine Wahlpflicht durchsetzen wollte, dann wäre es längt Pflicht. In Wahrheit wollen die Parteien gar nicht, dass alle wählen gehen. Jede Partei zählt zunächst auf ihre Stammwähler und im Wahlkampf versuchen noch ei paar Stimmen zu klauen. Die ewigen Nichtwähler sind ein zu großes Risiko. Die sollen lieber zu Hause bleiben
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Protest - Das Gefühl nicht wahrgenommen zu werden bzw. es gibt nur eine Wahrheit (Ist das demokratisch?)

Beitragvon King Kong 2006 » Di 7. Nov 2017, 00:27

Die Afd hat mit Sicherheit viele Protestwähler an sich gebunden. Entwicklungen sich an Populisten zu halten gibt es auch in den USA.

Donald Trump ist kein Problem, sondern Symptom einer ungerechten Weltordnung - weil die Linke es verpasst hat, eine eigene Antwort auf die Globalisierung zu entwickeln.

Die Nichtdiskussion um die Globalisierung

Ein Denken, das linke Positionen aufgab

Alle, so beschreibt es Rodrik, alle haben sie mitgemacht, und die Niederlage von Hillary Clinton wie auch das generelle Elend der Sozialdemokraten in Europa etwa hängen mit diesem Fehler oder Verrat zusammen - eben keine Gegenposition zur Globalisierung entwickelt zu haben, sondern, wie Sigmar Gabriel für die SPD, die Geheimverhandlungen über die Freihandelsabkommen verteidigt und vorangetrieben zu haben.

Es war ein Fehler, eben nicht zuletzt der Sozialdemokraten, dass sie das Feld der Politik aufgegeben haben und sich ganz der Rationalität der Wirtschaft und der Finanzen hingegeben haben, ein historischer Fehler, der mehr oder weniger direkt zu Brexit und Trump geführt hat.

Die Ursprünge für dieses politische Versagen in den vergangenen Jahren, für die die Sozialdemokraten zurecht bestraft wurden, liegen in den Neunzigern, als sich mit der Rede von der Neuen Mitte und einem Dritten Weg ein Denken etablierte, das traditionelle linke Positionen aufgab - und damit auch große Teile des Milieus der Arbeiter etwa, die dann auch mit der Zeit sehr weit nach rechts gewechselt sind, weil sie dort ihre Interessen besser vertreten fanden.

http://www.spiegel.de/kultur/gesellscha ... 76449.html


Martin Renner ist ein Mitbegründer der Afd. Auf die Frage, wie man auf den Parteinamen gekommen wäre erklärte er, daß er (und offenbar viele andere) nicht verstanden haben, daß das, was Merkel und Co. vertraten und praktizierten "Alternativlos" sei. Das ist in der Tat ein Problem.

Ich störe mich schon länger an bestimmte Floskeln aus der Politik. Neben "spannende Herausforderung" (was soviel heißt wie "wir sitzen in der Schei**e und keine Lösung ist in Sicht) mag ich besonders "wir konnten unsere Politik nicht dem Wähler verständlich machen" bzw. "wir konnten die Wähler nicht mitnehmen" und ähnliche Satzbausteine. Ich halte das gelinde gesagt für eine Frechheit. Man hat eine andere politische Meinung zu bestimmten Themen und wenn man dann so etwas als Antwort hört, bedeutet es nichts anderes als "du hast keine Ahnung, ich erkläre jetzt mal für die ganz Blöden das nochmal, wie es richtig ist...". Darum geht es aber nicht. Man hat eben eine andere Meinung. Punkt. Genauso, wie sich in den USA offenbar viele nicht verstanden fühlen, geht es auch in Deutschland so.

Man fühlt sich nicht gehört. Was Merkel macht ist eben alternativlos und deshalb hinzunehmen. Nö.

Von "alternativlos" bis "wir schaffen das"

http://www.sueddeutsche.de/politik/kanz ... -1.2746169


"Wir schaffen das" ist auch cool. Merkel zelebriert ihren Aktivismus in der Flüchtlingsfrage (was in Deutschland und in Europa viele gar nicht so teilen...) und hält das für "alternativlos". Warum, weil Angela M. das so sagt? Und ausbaden soll das dann wer? "Wir"?

So ein Klima führte zur Namensgebung der AfD. Vieles nicht zu thematisieren, siehe den Satz aus dem SPON-Artikel "Die Nichtdiskussion um die Globalisierung", eine Leitkultur, Einwanderung uvm. das als "alternativlos" einfach wegzuwischen, führt nicht dazu, das es nicht mehr existiert. Auch hilft es wenig, denen, die anderer Meinung sind entgegenzuhalten, sie seien einfach zu blöde, um diese politische Haltung zu verstehen, pardon, "die Inhalte konnten nicht verständlich gemacht werden".

Vieles wurde vernachlässigt, nicht genug - auch unangenehm kritisch - angesprochen und überhaupt zugelassen. Das sorgte für den Nährboden, in denen Heilsbringer und Populisten Gehör finden. Von Rechten in Deutschland bis hin zu z.B. Islamisten in Deutschland. Es gibt nicht ein Totschlagargument "alternativlos". Das fordert geradezu eine Alternative für Deutschland heraus. Die Flüchtlingspolitik Merkels, total alternativlos, tat ihr übriges. Das wurde ad absurdum geführt. Die Alternative sitzt jetzt im Bundestag. :rolleyes:
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
Wissen stellt eine Barriere dar, die einen daran hindert, etwas in Erfahrung zu bringen.
- Frank Herbert, Die Kinder des Wüstenplaneten
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Re: Protestwahl - Legitim oder Schwachsinn?

Beitragvon Watchful_Eye » Di 7. Nov 2017, 01:42

Ich weiß ja, dass du auch im Asienforum sehr aktiv bist. Ich habe manchmal das Gefühl, dass ausgerechnet diejenigen, die sich als aufgeklärte Kämpfer der Mitte gerieren, oftmals ein besonders einseitig aus deutschen Medien geprägtes Bild haben. Sie sind oft nur gewohnt, in den Argumentationslinien deutscher Fernsehtalkshows zu denken. Daher gibt es gefühlt dann oft nur Merkel, Sozialisten und Nazis (bzw. "Populisten" von links und rechts). Auch die Definition von "progressiv" ist völlig durch eine bestimmte Sichtweise geprägt, so, als ob man nicht eben auf verschiedene Weisen progressiv sein könne. Was in anderen Ländern, insbesondere abseits des Westens gerade so abgeht, teilweise mit Erfolg, wird kaum zur Kenntnis genommen.
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Re: Protestwahl - Legitim oder Schwachsinn?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Di 7. Nov 2017, 06:48

Thales hat geschrieben:(30 Aug 2017, 22:51)

Wenn der Staat eine Wahlpflicht durchsetzen wollte, dann wäre es längt Pflicht. In Wahrheit wollen die Parteien gar nicht, dass alle wählen gehen. Jede Partei zählt zunächst auf ihre Stammwähler und im Wahlkampf versuchen noch ei paar Stimmen zu klauen. Die ewigen Nichtwähler sind ein zu großes Risiko. Die sollen lieber zu Hause bleiben

Ich meine auch, wer nicht weiß, was er wählt und warum, der möge es bitte auch lassen. Nicht erst seit 2013.
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Re: Protestwahl - Legitim oder Schwachsinn?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Di 7. Nov 2017, 06:50

Brainiac hat geschrieben:(30 Aug 2017, 07:42)

Also, wir hatten bei der letzten BTW über 70% Wahlbeteiligung und ich denke, das wird diesmal ähnlich liegen. Die fehlenden knapp 30% sind nicht schön, aber auch noch keine Katastrophe. Bei 50% sähe das in der Tat anders aus.

Mithin aus meiner Sich kein Anlass für irgendwelche waghalsigen Änderungen des Wahlrechts. Mit einer Wahlpflicht könnte ich leben, sehe aber den Nachteil, dass es dann einen nicht genau bekannten Anteil X der Wählerstimmen geben wird, wo jemand nur wählt, weil er muss. :|

Zum Mikrozensus, das hatte ich auch mal. Mein genereller Rat ist, die Fragen so ernsthaft wie möglich zu beantworten, das ist nämlich ein für die deutsche Gesellschaft und Politik recht wichtiges Instrument, da wir ja seit Ewigkeiten keine richtige Volkszählung mehr hatten. Zahlreiche Auswertungen des Statistischen Bundesamtes basieren darauf (Bildung, Einkommen, Familienverhältnisse, Migrationshintergrund,...).

Man sollte dann aber auch klar machen, dass die beim nächsten Mal bitte jemand anders nehmen sollen. Die neigen nämlich dazu, dieselben Haushalte immer wieder zu befragen. ;)

Ungültig wählen ist auch wählen.
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Re: Protestwahl - Legitim oder Schwachsinn?

Beitragvon Brainiac » Di 7. Nov 2017, 15:35

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(07 Nov 2017, 06:50)

Ungültig wählen ist auch wählen.

Das hat jetzt genau was mit dem Beitrag von mir zu tun, den du zitiert hast?
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Re: Protestwahl - Legitim oder Schwachsinn?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Di 7. Nov 2017, 15:46

Brainiac hat geschrieben:(07 Nov 2017, 15:35)

Das hat jetzt genau was mit dem Beitrag von mir zu tun, den du zitiert hast?

Mit einer Wahlpflicht könnte ich leben, sehe aber den Nachteil, dass es dann einen nicht genau bekannten Anteil X der Wählerstimmen geben wird, wo jemand nur wählt, weil er muss. :|
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Re: Protestwahl - Legitim oder Schwachsinn?

Beitragvon Brainiac » Di 7. Nov 2017, 15:55

Da ging es um das Für und Wider einer Wahlpflicht. Auch bei Vorhandensein einer Wahlpflicht kann man ungültig wählen, das ist doch unabhängig davon. Wenn du dich vielleicht näher erklären könntest.
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Re: Protestwahl - Legitim oder Schwachsinn?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mi 8. Nov 2017, 10:55

Brainiac hat geschrieben:(07 Nov 2017, 15:55)

Da ging es um das Für und Wider einer Wahlpflicht. Auch bei Vorhandensein einer Wahlpflicht kann man ungültig wählen, das ist doch unabhängig davon. Wenn du dich vielleicht näher erklären könntest.

Ja, eine Wahlpflicht und eine ungültige Wahl sind zusammen möglich. Deshalb ist eine Wahlpflicht überhaupt kein Problem.
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