Wahlgrund: Protest

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pikant
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Re: Wahlgrund: Protest

Beitragvon pikant » Mi 29. Jun 2016, 14:50

Quatschki hat geschrieben:(29 Jun 2016, 15:44)

Das sind ganz normale DDR-Konservative, die den Linken davonlaufen, weil denen im Zuge ihrer Westausdehnung das Bekenntnis zu Volk und Heimat verloren gegangen ist.


das wage ich mal schwer zu bezweifeln - die Westausdehnung hat uebrigens der Linkspartei im Osten nicht geschadet.
die Linkspartei hat nur jetzt das Problem im Osten, dass man nicht mehr als Protestpartei angesehen wird und man merkt, dass man in politischer Verantwortung nicht jeden Wunsch erfuellen kann.
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Quatschki
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Re: Wahlgrund: Protest

Beitragvon Quatschki » Mi 29. Jun 2016, 16:28

Ein anderer Punkt ist auch die Haltung zur Religion.
Im Osten leben 80% Atheisten und die haben früher gelernt: Religion dient zum Einlullen des Volkes und ist ein Herrschaftsinstrument der Mächtigen. Ziel müsse es sein, die Religionen zu überwinden und die Menschen aus der geistlichen Knechtschaft der Pfaffen und Imame zu befreien! Das ist Links! Immer gewesen!
Nun haben wir mit dem Islam eine Religion, die das in besonders aggressiver Weise verkörpert und die überall da, wo sie staatliche Macht ausübt, Linke und Kommunisten als Todfeinde verfolgt, zudem explizit gegen Frauenrechte eintritt (von den Schwulen garnicht zu reden).
Also wäre es nur allzu logisch, wenn Linke die Avantgarde einer Antiislambewegung bilden!
Stattdessen tun sie das Gegenteil und machen den Steigbügelhalter der Islamisierung.
Ein Kurs, der für viele ehemalige Wähler indiskutabel ist.
Wenn die nun deswegen AfD wählen, kann man sie Protestwähler nennen.
Denn die AfD gibt sich betont christlich, auch wenn die Kirchenoberen davon (noch) nichts wissen wollen.
Und die deutsche Linke hätte die Chance, diese Wähler zurückzugewinnen, wenn sie ihre Haltung gegenüber Religionen und speziell gegenüber dem Islam im oben dargestellten Sinne revidiert.
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Re: Wahlgrund: Protest

Beitragvon Unité 1 » Mi 29. Jun 2016, 16:32

Quatschki hat geschrieben:(29 Jun 2016, 17:28)

Ein anderer Punkt ist auch die Haltung zur Religion.
Im Osten leben 80% Atheisten und die haben früher gelernt: Religion dient zum Einlullen des Volkes und ist ein Herrschaftsinstrument der Mächtigen. Ziel müsse es sein, die Religionen zu überwinden und die Menschen aus der geistlichen Knechtschaft der Pfaffen und Imame zu befreien! Das ist Links! Immer gewesen!
Nun haben wir mit dem Islam eine Religion,

die in keiner Weise auch nur annährend das gesellschaftliche Leben mitbestimmt wie das Christentum durch die Kirche. Der Islam taugt wenig als Herrschaftsinstrument, wenn nur eine Minderheit ihm anhängt. Folglich läuft diese Erklärung ins Leere bzw. lässt sich nicht mit der Realität begründen.
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Re: Wahlgrund: Protest

Beitragvon Quatschki » Mi 29. Jun 2016, 16:48

Ich glaube, dass die Menschen sehr genau wahrnehmen, wie der Islam in den islamischen Gemeinschaften wirkt und welche Bedrohung mit dem Wachsen dieser Gemeinschaften für eine freiheitlich-säkulare Gesellschaft entsteht.
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Re: Wahlgrund: Protest

Beitragvon Der Neandertaler » Mi 29. Jun 2016, 18:10

Hallo hafenwirt.
hafenwirt hat geschrieben:... wählen aus Protestgründen. [...] dann wird irgendwann jeder der 80 Millionen Protest wählen.[...] ... habe ich von noch niemanden vernommen, man habe ja die ganze Zeit SPD/CDU/GRÜNE/Linkspartei, also das Establishment, gewählt, und jetzt bricht man mit dem Ganzen und wählt AfD/NPD aus Protest.
Wie hoch schätzt ihr das Protestpotenzial ein? Schätze ich mich hier selbst falsch ein und jeder wählt irgendwann Protest?
Ich möchte gerne hinten anfangen - OK?
  1. Es hat mal eine Untersuchung gegeben, in der wurde empirisch festgehalten und festgestellt, daß etwa 15-20% der wahlberechtigten Bevölkerung rechtes Gedankengut befürworten. Sie würden aber trotzdem eine der etablierten und demokratischen Partei wählen - wer möchte schon gerne an den rechten Pranger gestellt werden ... man outet sich also nicht unbedingt.
  2. In Sachsen hat die dortige Wahl-Bevölkerung in der Landtagswahl 2004 mit 9,2 Prozent der NPD zum Einzug in den Landtag verholfen - 1999 waren es noch 1,4 Prozent.
Nun würde ich nicht jeden der über 9 Prozent der Wähler, die die NPD in den Landtag gewählt hat, ... diese allesamt als "Rechte" oder Neo-Nazis abzutun, wäre fatal - es würde der Sache nicht gerecht. Es waren auch Protestwähler darunter!
hafenwirt hat geschrieben:Selbst wenn sie noch ganz viele Fehler macht, werde ich nicht Protest wählen. Dann bleibe ich eher zuhause, als der NPD die Stimme zu geben, um es "denen zu zeigen".
Mit dieser Haltung würdest Du genau das erreichen, was Du nicht willst. Gehen wir mal davon aus, daß die NPD-Quoten-Wähler etwa 20 Prozent ist. Wenn immer mehr potentielle Wähler aus Protest zuhause bleiben, würde dieser Anteil von etwa 9 Prozent suzessive größer - denn die extrem "rechten" Parteien schaffen es allemal, ihre Wählerklientel zur Wahl zu animieren. Somit wäre jede Stimme, die aus Protest nicht abgegeben würde, ...
    ... sie wäre Wahlhilfe für eine dieser Parteien.
Andere Rechnung:
    solange ein Wähler noch zur Wahl geht (weil ja die Anderen alle aus Protest zuhause bleiben ... nicht wählen gehen, ... dieser Eine würde die NPD wählen, ... schon hätte diese Partei 100 Prozent - ich glaube, dies ist nicht das, was Du mit Deinem Protest beabsichtigt hast, ODER?
Dann lieber Wechselwähler.
    ... oder eventuell eine Stimme für eine demokratische Partei, die es eventuell nicht in's Parlament schaffen wird.
Aber vielleicht schafft sie es doch!?

Was aber die AfD angeht:
    diese Partei gibt sich nur demokratisch! Sie kam aus der EURO-Protest-Ecke und ist nun in der Flüchtlings-Protest-Ecke gelandet. Da sie (vermeintlich) gemäßigtere Töne anschlägt, als etwa PEDIDA oder die NPD etc., meinen die Protestler nun, diese Partei sei lediglich eine Protestpartei ... sie könne man deshalb getrost wählen ... sie wäre demokratisch. Daß dies nicht so ist, dürfte vielleicht ihre Ansicht einer freien Presse bestätigen!?!
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Re: Wahlgrund: Protest

Beitragvon jack000 » Mi 29. Jun 2016, 20:05

hafenwirt hat geschrieben:(29 Jun 2016, 13:06)Mir erscheint das alles nicht ganz nachvollziehbar. Zumindest in meinem Umfeld, sowohl familiär (Arbeiter) als auch unter Freunden (Akademiker) ist man aus unterschiedlichsten Gründen nicht mit dem einverstanden, was die Regierung so tut. Dennoch habe ich von noch niemanden vernommen, man habe ja die ganze Zeit SPD/CDU/GRÜNE/Linkspartei, also das Establishment, gewählt, und jetzt bricht man mit dem Ganzen und wählt AfD/NPD aus Protest.

Auch ich bin nicht zufrieden mit der Regierung. Dennoch käme mir nie in den Sinn, AfD/NPD zu wählen.

So stellte ich mir deswegen die Frage:
Weshalb wählen Menschen Protest?

NPD wählen ist nicht Protest, sondern Dummheit. Aber diese Partei ist und bleibt im 0,x - 1,x %-Sprektrum und ist daher zumindest vom Anteil her vernachlässigbar.

Den Ausdruck "Protestwähler" halte ich für überzogen, denn es sind halt Wähler und die wählen das was sie für richtig halten. Dabei können Ereignisse zu einem großen Wählerwechsel führen. In Baden-Württemberg hatten die Grünen S21 und Fokushima als Wahlhelfer und konnten somit ihren Wähleranteil sprunghaft auf nie geahnte Höhen steigern. Aber das ist doch keine Protestwahl, sondern es wurde die Partei gewählt (oder abgewählt) die man wollte, bzw. nicht mehr wollte.
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Re: Wahlgrund: Protest

Beitragvon nichtkorrekt » Mi 29. Jun 2016, 20:35

Sagen wir mal so, vor der Asylinvasion waren die Leute auch nicht glücklich über die vielen Ausländer, aber es war nicht wahlentscheidend, außer für eine kleine Randgruppe NPD-Wähler. Das hat sich jetzt geändert, weil das Faß übergelaufen ist, ich halte das allerdings auch für keine Protestwahl, da diese Wähler (denke ich) grundsätzlich mit den AfD-Positionen einverstanden sind, wenn auch vielleicht nicht in allen Details. Die Merkel-CDU hat die SPD links überholt und damit Platz geschaffen für eine konservative Partei ähnlich der alten CDU. Jeder der den neoliberalen Umvolkungs-, Gender- und Islamisierungskurs der Altparteien nicht mitträgt muss letztlich AfD wählen.
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Re: Wahlgrund: Protest

Beitragvon frems » Mi 29. Jun 2016, 20:54

jack000 hat geschrieben:(29 Jun 2016, 21:05)

NPD wählen ist nicht Protest, sondern Dummheit.

Das sehen die Protestwähler aber anders. Denken wir etwas mehr als zehn Jahre zurück. Die Nationaldemokraten kamen in Ländern wie Sachsen an die 10%, in den Grenzgebieten auch auf über 20-25%. Lafontaine, der heute gegen Flüchtlinge und Europa wettert, machte Stimmung gegen "Fremdarbeiter", während Schröder sich dafür einsetzte, dass die Freizügigkeit für polnische Klempner viele Jahre hinausgezögert wird... vor der "Polen-Invasion" wurde in allen Winkeln des Landes gewarnt, während die Briten dafür warben, dass viele tüchtige Osteuropäer möglichst schnell bei ihnen arbeiten können. Glaubst Du, ohne Radikale bzw. Populisten wär die Entwicklung die selbe gewesen? Möglich. Der Protestwähler sieht sich aber bestätigt und denkt, seine Wahl "wirkte".
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Re: Wahlgrund: Protest

Beitragvon jack000 » Mi 29. Jun 2016, 21:24

frems hat geschrieben:(29 Jun 2016, 21:54)

Das sehen die Protestwähler aber anders. Denken wir etwas mehr als zehn Jahre zurück. Die Nationaldemokraten kamen in Ländern wie Sachsen an die 10%, in den Grenzgebieten auch auf über 20-25%.

Wie du schon sagst: 10 Jahre zurück und Provinzkäffer in Sachsen. Damals gab es aber noch keine Flüchtlingskrise und selbst heutzutage würde die NPD wohl kaum die 5%-Hürde schaffen und ist im Prinzip bedeutungslos.

Lafontaine, der heute gegen Flüchtlinge und Europa wettert, machte Stimmung gegen "Fremdarbeiter", während Schröder sich dafür einsetzte, dass die Freizügigkeit für polnische Klempner viele Jahre hinausgezögert wird... vor der "Polen-Invasion" wurde in allen Winkeln des Landes gewarnt, während die Briten dafür warben, dass viele tüchtige Osteuropäer möglichst schnell bei ihnen arbeiten können. Glaubst Du, ohne Radikale bzw. Populisten wär die Entwicklung die selbe gewesen? Möglich. Der Protestwähler sieht sich aber bestätigt und denkt, seine Wahl "wirkte".

Auch seine Frau Wagenknecht hat sich zu Flüchtlingen geäußert aber wegen denen beiden wählt niemand NPD ... auch damals nicht wegen Schröder. Es waren allerdings Befürchtungen zur Schmutzkonkurrenz die dazu geführt haben und nicht wirklich unbegründet waren, das es keinen Mindestlohn in Deutschland gab.
Inzwischen gibt es einen Mindestlohn und wenn ein polnischer LKW-Fahrer von Polen nach Frankreich fährt muss für die entsprechende Zeit der deutsche, bzw. der Französische Mindestlohn gezahlt werden.
=> Die Befürchtung der Schmutzkonkurrenz ist also wenn nicht komplett aus der Welt aber zumindest deutlich entschärft.
=> Die Sorge, das Flüchtlinge für Schmutzkonkurrenz sorgen ist ebenso nicht gegeben, da sich wohl niemand darum sorgt seinen Job zu verlieren weil ein Flüchtling den Job zu weniger Lohn macht. Es ist eher die Sorge, dass eben nicht die freien Arbeitsplätze besetzt werden sondern dass im großen Maßstab langfristige Aufenthalte in den sozialen Sicherungssystemen anstehen.
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Re: Wahlgrund: Protest

Beitragvon frems » Mi 29. Jun 2016, 21:26

jack000 hat geschrieben:(29 Jun 2016, 22:24)

Wie du schon sagst: 10 Jahre zurück und Provinzkäffer in Sachsen. Damals gab es aber noch keine Flüchtlingskrise und selbst heutzutage würde die NPD wohl kaum die 5%-Hürde schaffen.

Na, fast zweistellig im sächsischen Landtag, das war nicht ohne. Ob das zehn Jahre zurück ist oder weniger, ist doch egal. So sehr hat sich die NPD ja nicht geändert. Und klar, heute hätten sie es schwierig, weil die AfD die Protestwähler abgesaugt hat.

Auch seine Frau Wagenknecht hat sich zu Flüchtlingen geäußert aber wegen denen beiden wählt niemand NPD ... auch damals nicht wegen Schröder. Es waren allerdings Befürchtungen zur Schmutzkonkurrenz die dazu geführt haben und nicht wirklich unbegründet waren, das es keinen Mindestlohn in Deutschland gab.
Inzwischen gibt es einen Mindestlohn und wenn ein polnischer LKW-Fahrer von Polen nach Frankreich fährt muss für die entsprechende Zeit der deutsche, bzw. der Französische Mindestlohn gezahlt werden.
=> Die Befürchtung der Schmutzkonkurrenz ist also wenn nicht komplett aus der Welt aber zumindest deutlich entschärft.
=> Die Sorge, das Flüchtlinge für Schmutzkonkurrenz sorgen ist ebenso nicht gegeben, da sich wohl niemand darum sorgt seinen Job zu verlieren weil ein Flüchtling den Job zu weniger Lohn macht. Es ist eher die Sorge, dass eben nicht die freien Arbeitsplätze besetzt werden sondern dass im großen Maßstab langfristige Aufenthalte in den sozialen Sicherungssystemen anstehen.

Nicht wegen denen wird die NPD gewählt, sondern sie wollen, dass Wähler bei ihnen bleiben statt zur NPD zu gehen.
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Re: Wahlgrund: Protest

Beitragvon jack000 » Mi 29. Jun 2016, 22:39

frems hat geschrieben:(29 Jun 2016, 22:26)

Na, fast zweistellig im sächsischen Landtag, das war nicht ohne. Ob das zehn Jahre zurück ist oder weniger, ist doch egal. So sehr hat sich die NPD ja nicht geändert. Und klar, heute hätten sie es schwierig, weil die AfD die Protestwähler abgesaugt hat.

Die NPD hat sich natürlich nicht geändert, die AfD ist aber nicht die Alternative für die NPD sondern die hat Wählerstimmern von allen Parteien abgerippt.

Nicht wegen denen wird die NPD gewählt, sondern sie wollen, dass Wähler bei ihnen bleiben statt zur NPD zu gehen.

Ich sehe durchaus diverse Parallelen zwischen Rechten und Linken (Daher lehne ich beide extreme Richtungen ab), aber das die Linken Parolen der Rechten übernehmen um Wählerstimmen zu bekommen halte ich für eine abenteuerliche These!
(Umgekehrt müsste es ja so sein, dass die Rechten linke Positionen übernehmen um sich Stimmen von den Rechten Wählern zu sichern)
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Re: Wahlgrund: Protest

Beitragvon frems » Mi 29. Jun 2016, 23:13

jack000 hat geschrieben:(29 Jun 2016, 23:39)

Die NPD hat sich natürlich nicht geändert, die AfD ist aber nicht die Alternative für die NPD sondern die hat Wählerstimmern von allen Parteien abgerippt.

Was meinst Du denn, wo die 10-25% der NPD in diversen Landkreisen herkamen? Eingewandert?

Ich sehe durchaus diverse Parallelen zwischen Rechten und Linken (Daher lehne ich beide extreme Richtungen ab), aber das die Linken Parolen der Rechten übernehmen um Wählerstimmen zu bekommen halte ich für eine abenteuerliche These!
(Umgekehrt müsste es ja so sein, dass die Rechten linke Positionen übernehmen um sich Stimmen von den Rechten Wählern zu sichern)

Ich nicht. Gerade die Linkspartei hat diverse Kreise lange an sich gebunden. Dass jemand wie Lafontaine dann mit bestimmten Kampfbegriffen und Aussagen darum wirbt, dass sie bei seiner Partei bleiben, ist kein neues Phänomen. Die Schokotorte gegen seine Lebensgefährtin Wagenknecht kam ja auch nicht vom Himmel gefallen. Und ja, rechtsaußen übernimmt gerne linke Positionen; zumindest im Wahlkampf. Schau Dir doch an, wie die NPD höhere Sozialleistungen, Zerschlagung von Banken, hohe Mindestlöhne, bessere Renten, mehr Investitionen in die öff. Bildung etc. verlangt bzw. verspricht.

Gregor Gysi, aufmerksamer Beobachter ostdeutscher Befindlichkeiten und langjährige Galionsfigur der Linken, macht sich deshalb "große Sorgen". Pegida, glaubt Gysi, habe auch 25 Jahre nach dem Mauerfall noch viel mit der DDR zu tun.

"Die DDR war eine geschlossene Gesellschaft, übersichtlich, aber abgekapselt. Der Westen war anstrengender, aber weltoffener" erläutert der Sozialist. Mit fremden Kulturen seien DDR-Bürger kaum in Berührung gekommen. Vietnamesische Vertragsarbeiter lebten kaserniert, selbst das Kinderkriegen war ihnen verboten. Zwar lebten in der DDR auch kubanische Ingenieure und Exil-Chilenen. Doch insgesamt fielen Ausländer kaum auf. Und wenn doch, bekamen sie es schnell mit der Staatssicherheit oder der Volkspolizei zu tun. Multikulti kannte man in der DDR nur aus dem West-Fernsehen – und selbst das konnte man im "Tal der Ahnungslosen" – so der DDR-Spott über die abgeschirmte Dresdner Elbregion – nicht empfangen.

Berichte über arabische Intensivtäter in Neukölln oder Salafisten im Ruhrgebiet müssen den Dresdnern also wie Horrorberichte vorkommen. Dass es neben unbestrittenen Problemen im Westen aber inzwischen vor allem ein lange erprobtes gedeihliches Mit- und Nebeneinander von Migranten und angestammten Deutschen gibt, dass inzwischen jede achte Ehe in der Republik binational geschlossen wird und die meisten Einwanderer in Bayern längst Lederhosen tragen, scheint im Elbflorenz noch nicht bekannt zu sein.

Pegida ventiliert kleinbürgerliche Ängste, über die sich Gregor Gysi aber gar nicht lustig machen will. Denn das ostdeutsche Kleinbürgertum gehört zur Stammklientel der Linken, die in ihrer Programmatik nie Rentner, Staatsbedienstete oder Angestellte vergaß. So gelang es Gysis Partei jahrelang, ostdeutsche Kleinbürger angesichts der neuen Unübersichtlichkeiten politisch an sich zu binden und das Entstehen rechter, xenophober Bewegungen zumindest zu verlangsamen – eine demokratische Leistung, die kaum gewürdigt wird.

http://www.welt.de/politik/deutschland/ ... ngste.html
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Re: Wahlgrund: Protest

Beitragvon jack000 » Mi 29. Jun 2016, 23:43

frems hat geschrieben:(30 Jun 2016, 00:13)

Was meinst Du denn, wo die 10-25% der NPD in diversen Landkreisen herkamen? Eingewandert?

Dummvolk vor Ort ...
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Re: Wahlgrund: Protest

Beitragvon frems » Mi 29. Jun 2016, 23:44

jack000 hat geschrieben:(30 Jun 2016, 00:43)

Dummvolk vor Ort ...

Mag ja sein, aber es sind eben Wähler. Protestwähler. (Und einige Überzeugte, mit denen man keine 5%-Hürde knackt)
Labskaus!

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Re: Wahlgrund: Protest

Beitragvon Bielefeld09 » Do 30. Jun 2016, 00:42

jack000 hat geschrieben:(30 Jun 2016, 00:43)

Dummvolk vor Ort ...

Nein, es gibt kein Dummvolk.
Aber es gibt andere Agitatoren.
Mach mal.
Auch wenn es mal falsch rüberkommt, es ist nie persönlich gemeint. Sorry :( :(
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Re: Wahlgrund: Protest

Beitragvon Fadamo » Do 30. Jun 2016, 02:25

Fuerst_48 hat geschrieben:(29 Jun 2016, 13:53)

Das stimmt schon, allerdings ist eine Regierung, die man nicht merkt, weil sie durch Untätigkeit glänzt, eine Katastrophe.


Bekommst du dein Leben nicht selber in den Griff,dass du dich führen lassen musst ?
Ich nicht.
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Re: Wahlgrund: Protest

Beitragvon Fuerst_48 » Do 30. Jun 2016, 08:36

Fadamo hat geschrieben:(30 Jun 2016, 03:25)

Bekommst du dein Leben nicht selber in den Griff,dass du dich führen lassen musst ?
Ich nicht.

Ich genausowenig! Aber ganz ohne Vorgaben würde das Zusammenleben in grenzenlosem Egoismus versinken. Ein Minimum an Lenkung ist daher kein Fehler!!
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Re: Wahlgrund: Protest

Beitragvon Fadamo » Do 30. Jun 2016, 09:24

Fuerst_48 hat geschrieben:(30 Jun 2016, 09:36)

Ich genausowenig! Aber ganz ohne Vorgaben würde das Zusammenleben in grenzenlosem Egoismus versinken. Ein Minimum an Lenkung ist daher kein Fehler!!



Wenn es nur beim Minimum bleiben würde,hätte ich auch nix dagegen.
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Re: Wahlgrund: Protest

Beitragvon Alexyessin » Do 30. Jun 2016, 09:43

Quatschki hat geschrieben:(29 Jun 2016, 17:48)

Ich glaube, dass die Menschen sehr genau wahrnehmen, wie der Islam in den islamischen Gemeinschaften wirkt und welche Bedrohung mit dem Wachsen dieser Gemeinschaften für eine freiheitlich-säkulare Gesellschaft entsteht.


Du meinst, deswegen gab es schon immer Protestparteien? Interessanter Ansatz. Ich kann nur hoffen, das du nicht Politikwissenschaften studierst.
Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin kein Nazi, aber...
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Re: Wahlgrund: Protest

Beitragvon Flat » Do 30. Jun 2016, 13:49

Moin,

ich habe nichts gegen Protestwahl, aber wenn, warum dann so oft Rechtspopulisten und Nazis?

Ich habe auch mal aus Protest gewählt, weil ich einfach nirgendwo anders meine Stimme geben konnte. Aber eben DIE PARTEI.

Inzwischen stehe ich allerdings auch inhaltlich hinter der PARTEI, bin also Überzeugungswähler.
_______
wer Rechtsradikales sagt und tut, ist rechtsradikal. Das hat nichts mit Nazikeule zu tun.
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/inte ... 62231.html

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