Wahlgrund: Protest

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hafenwirt
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Wahlgrund: Protest

Beitragvon hafenwirt » Mi 29. Jun 2016, 12:06

Liebe Userinnen und User,

in diesem Forum wird in letzter Grund oft kolpotiert, die Menschen wählen aus Protestgründen. Dabei wird meist kurz einfach nur zusammengefasst:
Regierung ist schlecht = Krise = Menschen wählen automatisch Protest.

Dies würde letztendlich heißen, wenn die Regierung weiter schlimme Sachen tut, dann wird irgendwann jeder der 80 Millionen Protest wählen.

Mir erscheint das alles nicht ganz nachvollziehbar. Zumindest in meinem Umfeld, sowohl familiär (Arbeiter) als auch unter Freunden (Akademiker) ist man aus unterschiedlichsten Gründen nicht mit dem einverstanden, was die Regierung so tut. Dennoch habe ich von noch niemanden vernommen, man habe ja die ganze Zeit SPD/CDU/GRÜNE/Linkspartei, also das Establishment, gewählt, und jetzt bricht man mit dem Ganzen und wählt AfD/NPD aus Protest.

Auch ich bin nicht zufrieden mit der Regierung. Dennoch käme mir nie in den Sinn, AfD/NPD zu wählen.

So stellte ich mir deswegen die Frage:
Weshalb wählen Menschen Protest?
Welche Eigenschaften müssen diese BürgerInnen haben, wenn sie Protest wählen?
Braucht es eine ganz bestimmte Kombination von Eigenschaften?
Kann man diese Leute davon abhalten oder werden sie für immer Protest wählen?
Wie hoch schätzt ihr das Protestpotenzial ein? Schätze ich mich hier selbst falsch ein und jeder wählt irgendwann Protest?
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Re: Wahlgrund: Protest

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mi 29. Jun 2016, 12:16

hafenwirt hat geschrieben:(29 Jun 2016, 13:06)


Auch ich bin nicht zufrieden mit der Regierung.


Ich schon. Eine Regierung die man nicht merkt ist eine gute Regierung ;)
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hafenwirt
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Re: Wahlgrund: Protest

Beitragvon hafenwirt » Mi 29. Jun 2016, 12:18

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(29 Jun 2016, 13:16)

Ich schon. Eine Regierung die man nicht merkt ist eine gute Regierung ;)


Vielleicht habe ich das falsch ausgedrückt. Insgesamt ist das ok, was die Regierung leistet. Sie macht hier und da aber für mich Fehler.
Ich wollte damit ausdrücken: Selbst wenn sie noch ganz viele Fehler macht, werde ich nicht Protest wählen. Dann bleibe ich eher zuhause, als der NPD die Stimme zu geben, um es "denen zu zeigen".
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Re: Wahlgrund: Protest

Beitragvon Unité 1 » Mi 29. Jun 2016, 12:21

Die AfNPD-Protestwähler sind nicht nur "unzufrieden", sondern stehen hinter den in dieser Partei vertretenen Politikvorstellungen. So würden sie ja dann nicht mehr unzufrieden sein und "protestwählen", wenn das "Establishment" Politik gemäß ihrer Vorstellungen praktizierte. Weswegen ich Protestwähler für irreführend halte, es sind AfNPD-Wähler.
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Re: Wahlgrund: Protest

Beitragvon Fadamo » Mi 29. Jun 2016, 12:32

hafenwirt hat geschrieben:(29 Jun 2016, 13:06)

Liebe Userinnen und User,

in diesem Forum wird in letzter Grund oft kolpotiert, die Menschen wählen aus Protestgründen. Dabei wird meist kurz einfach nur zusammengefasst:
Regierung ist schlecht = Krise = Menschen wählen automatisch Protest.

Dies würde letztendlich heißen, wenn die Regierung weiter schlimme Sachen tut, dann wird irgendwann jeder der 80 Millionen Protest wählen.

Mir erscheint das alles nicht ganz nachvollziehbar. Zumindest in meinem Umfeld, sowohl familiär (Arbeiter) als auch unter Freunden (Akademiker) ist man aus unterschiedlichsten Gründen nicht mit dem einverstanden, was die Regierung so tut. Dennoch habe ich von noch niemanden vernommen, man habe ja die ganze Zeit SPD/CDU/GRÜNE/Linkspartei, also das Establishment, gewählt, und jetzt bricht man mit dem Ganzen und wählt AfD/NPD aus Protest.

Auch ich bin nicht zufrieden mit der Regierung. Dennoch käme mir nie in den Sinn, AfD/NPD zu wählen.

So stellte ich mir deswegen die Frage:
Weshalb wählen Menschen Protest?
Welche Eigenschaften müssen diese BürgerInnen haben, wenn sie Protest wählen?
Braucht es eine ganz bestimmte Kombination von Eigenschaften?
Kann man diese Leute davon abhalten oder werden sie für immer Protest wählen?
Wie hoch schätzt ihr das Protestpotenzial ein? Schätze ich mich hier selbst falsch ein und jeder wählt irgendwann Protest?


Mit einer Protestwahl kann der Wähler nix falsch machen.Außer, dass den großen Parteien etwas Macht weggenommen wird und sie zum Umdenken zwingt.
Bei der letzten LTW war ich auch ein Protestwähler. :thumbup:
Protestwahl hat auch etwas Gutes.
Die Politik bestimmt wie viele Protestwähler es in der Zukunft geben wird.
Gute Politik für den Bürger = wenige Protestwähler,schlechte Politik für den Bürger = mehr Protestwähler.
So einfach ist das.
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Re: Wahlgrund: Protest

Beitragvon Fadamo » Mi 29. Jun 2016, 12:34

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(29 Jun 2016, 13:16)

Ich schon. Eine Regierung die man nicht merkt ist eine gute Regierung ;)



Wenn der Bürger keine Regierung merkt,fühlt man sich freier. :D
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Re: Wahlgrund: Protest

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mi 29. Jun 2016, 12:47

hafenwirt hat geschrieben:(29 Jun 2016, 13:18)

Vielleicht habe ich das falsch ausgedrückt. Insgesamt ist das ok, was die Regierung leistet. Sie macht hier und da aber für mich Fehler.
Ich wollte damit ausdrücken: Selbst wenn sie noch ganz viele Fehler macht, werde ich nicht Protest wählen. Dann bleibe ich eher zuhause, als der NPD die Stimme zu geben, um es "denen zu zeigen".


Schon das ist problematisch. Ob sie Fehler macht oder nicht, kann man letztendlich nicht feststellen.
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Re: Wahlgrund: Protest

Beitragvon Unité 1 » Mi 29. Jun 2016, 12:53

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(29 Jun 2016, 13:47)

Schon das ist problematisch. Ob sie Fehler macht oder nicht, kann man letztendlich nicht feststellen.

Sicher kann man das, ist aber abhängig von der eigenen Sicht auf die Dinge. Das Forcieren austeritärer Politik ist in meinen Augen ein Fehler, es mag für andere keiner sein, wenn man das dahinter stehende Ziel teilt.
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Re: Wahlgrund: Protest

Beitragvon Fuerst_48 » Mi 29. Jun 2016, 12:53

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(29 Jun 2016, 13:16)

Ich schon. Eine Regierung die man nicht merkt ist eine gute Regierung ;)

Das stimmt schon, allerdings ist eine Regierung, die man nicht merkt, weil sie durch Untätigkeit glänzt, eine Katastrophe.
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Re: Wahlgrund: Protest

Beitragvon pikant » Mi 29. Jun 2016, 13:26

hafenwirt hat geschrieben:(29 Jun 2016, 13:18)

Vielleicht habe ich das falsch ausgedrückt. Insgesamt ist das ok, was die Regierung leistet. Sie macht hier und da aber für mich Fehler.
Ich wollte damit ausdrücken: Selbst wenn sie noch ganz viele Fehler macht, werde ich nicht Protest wählen. Dann bleibe ich eher zuhause, als der NPD die Stimme zu geben, um es "denen zu zeigen".


na ja,
viele waehlen halt jetzt aus Protest die AfD, da diese Rassismus und Fremdenfeindlichkeit hoffaehig macht mit Aussagen a la Gauland.
neuerdings waehlen ja auch Rechtsradikale AfD, die vorher gar nicht zu Wahl gingen.

Ansgst vor Ueberfremdung, Verlust des Arbeitsplatzes wegen den Fluechtlingen und weg mit der Religionsfreiheit, weg mit dem Islam und Muslime raus aus Deutschland.
das ist Protest und das faengt nun die AfD auf - je ungebildeter und je weniger einer im Geldbeutel hat, desto groesser ist die Wahrscheinlichkeit, dass man den Rattenfaengern auf den Leim geht.
das war uebrigens schon zu NPD-Hochzeiten so.
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Re: Wahlgrund: Protest

Beitragvon pikant » Mi 29. Jun 2016, 13:31

Unité 1 hat geschrieben:(29 Jun 2016, 13:21)

Die AfNPD-Protestwähler sind nicht nur "unzufrieden", sondern stehen hinter den in dieser Partei vertretenen Politikvorstellungen. So würden sie ja dann nicht mehr unzufrieden sein und "protestwählen", wenn das "Establishment" Politik gemäß ihrer Vorstellungen praktizierte. Weswegen ich Protestwähler für irreführend halte, es sind AfNPD-Wähler.


wer gegen Muslime in Deutschland ist, gegen Religionsfreiheit, zu viele Schwarze im Land, so wenig Deutsche ohne Migrationshintergrund da, der ist ein potentieller AfD-Waehler und wird von solcihen Aussagen wie Gauland mit Boateng und wir haben keine deutsche Nationalmannschaft noch bestaerkt und das ist ja auch beabsichtigt.
Luegenpresse manipuliert - sagt Dir auch der AfD-Waehler ohne auch nur einmal eine Faz, Sueddeutsche oder das Handelsblatt gelesen zu haben :)
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Re: Wahlgrund: Protest

Beitragvon Unité 1 » Mi 29. Jun 2016, 13:33

pikant hat geschrieben:(29 Jun 2016, 14:26)


Ansgst vor Ueberfremdung, Verlust des Arbeitsplatzes wegen den Fluechtlingen und weg mit der Religionsfreiheit, weg mit dem Islam und Muslime raus aus Deutschland.
das ist Protest und das faengt nun die AfD auf

Ich verstehe nicht, warum das als Protest verklittert und nicht als entsprechendes Weltbild gewürdigt wird.
Man kann die Wähler schon ernstnehmen und sollte ihre Beweggründe nicht verkleinern ("Protest"). Und sollte es auch nicht, wenn einem an Strategien zum Umgang mir jenen gelegen ist.
Zuletzt geändert von Unité 1 am Mi 29. Jun 2016, 13:44, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wahlgrund: Protest

Beitragvon Unité 1 » Mi 29. Jun 2016, 13:43

pikant hat geschrieben:(29 Jun 2016, 14:31)

wer gegen Muslime in Deutschland ist, gegen Religionsfreiheit, zu viele Schwarze im Land, so wenig Deutsche ohne Migrationshintergrund da, der ist ein potentieller AfD-Waehler und wird von solcihen Aussagen wie Gauland mit Boateng und wir haben keine deutsche Nationalmannschaft noch bestaerkt und das ist ja auch beabsichtigt.
Luegenpresse manipuliert - sagt Dir auch der AfD-Waehler ohne auch nur einmal eine Faz, Sueddeutsche oder das Handelsblatt gelesen zu haben :)

Ja eben. Bis auf den letzten Punkt ist das kein Protest, sonden Ausdruck einer politischen Einstellung.
Der letzte Punkt ist zumindest mehrschneidig. Das kann ein ebensolcher Ausdruck des verachteten bestehenden politischen Systems sein, aber auch Ausdruck von Entfremdung, die sich nicht konkret äußern kann, weil sie nur abstrakt erfahren wird. Da liegt das einzige Protestpotential verborgen, das ich erkennen kann. Die persönliche (sozio-ökonomische) Unzufriedenheit, die aus einer unpolitischen Einstellung heraus diffus auf die regierenden Parteien projiziert wird und in der Wahl von die Leidenschaften ansprechenden Parteien mündet, die schlichte Antworten anbieten.
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Re: Wahlgrund: Protest

Beitragvon pikant » Mi 29. Jun 2016, 13:43

hafenwirt hat geschrieben:(29 Jun 2016, 13:06)

Wie hoch schätzt ihr das Protestpotenzial ein? Schätze ich mich hier selbst falsch ein und jeder wählt irgendwann Protest?


das Protespotential auf der rechtaussen Seite mit Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus ist etwa 20% wenn man diversen Untersuchungen sich betrachtet.
einen starken Fuehre brauchen wir und Juden haben zu viele Rechte und spielen falsch wurde ja in einer aktuellen Studie mit 10% ja beantwortet und bei den Fremden im Land, die zu viel sind, kommen Zustimmungsraten von 30% raus und beim Islam ist ein Gefahr fuer uns auch in diesem Bereich.

zu diesen Ueberzeugungswaehlern kommen dann noch die Unzufriedenen mit der etablierten Politik, die eigentlich nicht so sehr rechts denken

das sieht man aktuell in Frankreich wo die Marine Le Pen auf Zustimmungswerte von 30% kommt, aber nur ein Teil die Politik der FN gut heissen, aber die Schnauze von den Sozialisten und Konservaten gestrichen voll haben
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Re: Wahlgrund: Protest

Beitragvon pikant » Mi 29. Jun 2016, 13:58

Unité 1 hat geschrieben:(29 Jun 2016, 14:33)

Ich verstehe nicht, warum das als Protest verklittert und nicht als entsprechendes Weltbild gewürdigt wird.
.


diese Einstellungen gab es ja schon frueher und man hat ja auch immer davor gewarnt, dass eine Partei dieses Potential mal buendeln koennte.
das ist jetzt mit der Fluechtlingskrise passiert, da die AfD eben diese rechte Parolen nicht bekaempft, sondern sie hoffaehig dadurch macht, dass sie den Zustand beschreibt und fuer den Beuerger Verstaendnis dafuer aufbringt, dass er so denkt.
Sie schuert zudem bewusst Aengste in der Bevoelkerung - Islam gehoert nicht zu Deutschland und ist auch kein Teil davon obwohl 4-5 Millionen Muslime hier wohnen und 2 Millionen Deutsche sind.
Zudem faengt sie jetzt auch noch Antisemiten ein, indem sie den Hohmann mit einem guten Posten versehen hat, der aus der CDU wegen Antisemitismus rausgeflogen ist und testet nun bei Gedeon aus, wie weit man da noch gehen kann, ohne bei ihrer Klientel anzuecken.

das Ganze wird noch garniert mit einem Familienbild, das laengst ueberholt ist , Vorurteile gegen Lesben und Schwule und gegen die Sexualisiierung an unseren Schulen, die ueberall laut AfD betrieben wird.

Dies kommt bei Teilen in der Bevoelkerung an - das ist so, aber man muss diesen Gesichtspunkten nicht nachlaufen, sondern den Buerger aufklaeren und dagegenhalten.
Und man darf vor allem nicht vergessen, dass der rechte Rand zur Zeit auf 15% steht und die grosse Mehrheit in Deutschland da nicht mitmacht.
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Re: Wahlgrund: Protest

Beitragvon Unité 1 » Mi 29. Jun 2016, 14:10

pikant hat geschrieben:(29 Jun 2016, 14:58)

diese Einstellungen gab es ja schon frueher und man hat ja auch immer davor gewarnt, dass eine Partei dieses Potential mal buendeln koennte.
das ist jetzt mit der Fluechtlingskrise passiert, da die AfD eben diese rechte Parolen nicht bekaempft, sondern sie hoffaehig dadurch macht, dass sie den Zustand beschreibt und fuer den Beuerger Verstaendnis dafuer aufbringt, dass er so denkt.
Entweder du drückst dich unklar aus oder es ergibt keinen Sinn, was du schreibst. Warum sollte die AfD rechte Parolen bekämpfen, wenn sie selbst eine rechtspopulistisch bis -extreme Partei ist? Parteien sollten schon für das eintreten, wofür sie stehen. Und dazu stehen und nicht petrysch, storchsch oder gaulandsch verleugnen, womit eine Unangreifbarkeit angepeilt wird. Das ist selbst ein Unwillen zum politischen Kampf.
Sie schuert zudem bewusst Aengste in der Bevoelkerung - Islam gehoert nicht zu Deutschland und ist auch kein Teil davon obwohl 4-5 Millionen Muslime hier wohnen und 2 Millionen Deutsche sind.
Zudem faengt sie jetzt auch noch Antisemiten ein, indem sie den Hohmann mit einem guten Posten versehen hat, der aus der CDU wegen Antisemitismus rausgeflogen ist und testet nun bei Gedeon aus, wie weit man da noch gehen kann, ohne bei ihrer Klientel anzuecken.

das Ganze wird noch garniert mit einem Familienbild, das laengst ueberholt ist , Vorurteile gegen Lesben und Schwule und gegen die Sexualisiierung an unseren Schulen, die ueberall laut AfD betrieben wird.

Und was hat das jetzt damit zu tun, dass du diese Einstellungen als Protest verklitterst und nicht als entsprechendes Weltbild würdigst?

Lass es mich so sagen: Wer die AfD als Protestpartei abstempelt, beraubt sich der Möglichkeit der Auseinandersetzung. Protest ist diffus wie etwa der "Wutbürger", diese unsägliche Wortschöpfung, beides aberkennt die dahinter stehenden politischen Ansichten und ist im Grunde ziemlich beleidigend, da die Aussage mitschwingt, dass der Protestwähler seine Wahl ja eigentlich gar nicht so meinte. Es wird ihm seine Entscheidung als seine gewollte Entscheidung in Abrede gestellt, sie sei ja bloß Ausdruck von Affekten (Wut, Protest). Das entmündigt.

Es mag auch Leute geben, die sie aus Protest wählten, aber das würde ich nicht von vornherein unterstellen. Halte ich auch für kontraproduktiv.
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Re: Wahlgrund: Protest

Beitragvon ThorsHamar » Mi 29. Jun 2016, 14:20

hafenwirt hat geschrieben:(29 Jun 2016, 13:06)


So stellte ich mir deswegen die Frage:
Weshalb wählen Menschen Protest? ....


Wenn sie für's Nichtwählen zu sauer sind ....
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Re: Wahlgrund: Protest

Beitragvon pikant » Mi 29. Jun 2016, 14:22

Unité 1 hat geschrieben:(29 Jun 2016, 15:10)

Entweder du drückst dich unklar aus oder es ergibt keinen Sinn, was du schreibst. Warum sollte die AfD rechte Parolen bekämpfen, wenn sie selbst eine rechtspopulistisch bis -extreme Partei ist? Parteien sollten schon für das eintreten, wofür sie stehen. Und dazu stehen und nicht petrysch, storchsch oder gaulandsch verleugnen, womit eine Unangreifbarkeit angepeilt wird. Das ist selbst ein Unwillen zum politischen Kampf.

.


ich habe doch geschrieben, dass 'die AFD rechte Parolen nicht bekaempft und sie hoffaehig macht'

natuerlich wird die AfD nicht nur von Rechtsradikalen, Rassisten und Fremdenfeinden gewaehlt, sondern auch von Leuten die von der etablierten Politik die Schnauze voll haben -in Sachsen-Anhalt gingen ja etwa 1/3 frueherer Linkswaehler direkt zur AfD und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass dieses Drittel alle rechtsradikal waren, sondernZudem die Meisten sind aus Protest gegen die aktuelle Politik von links-nach rechtsaussen gewechselt.
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Re: Wahlgrund: Protest

Beitragvon Unité 1 » Mi 29. Jun 2016, 14:34

pikant hat geschrieben:(29 Jun 2016, 15:22)

ich habe doch geschrieben, dass 'die AFD rechte Parolen nicht bekaempft und sie hoffaehig macht'
:?: Ja, eben.

natuerlich wird die AfD nicht nur von Rechtsradikalen, Rassisten und Fremdenfeinden gewaehlt, sondern auch von Leuten die von der etablierten Politik die Schnauze voll haben -in Sachsen-Anhalt gingen ja etwa 1/3 frueherer Linkswaehler direkt zur AfD und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass dieses Drittel alle rechtsradikal waren, sondernZudem die Meisten sind aus Protest gegen die aktuelle Politik von links-nach rechtsaussen gewechselt.

Die Linke, insbesondere in den neuen Ländern, ist keine linksextreme Partei, mehr so sozialdemokratisch (alter Prägung). Außerdem war die Linke nicht in Regierungsverantwortung (weder in Sachsen-Anhalt noch im Bund), warum sollten unzufriedene Wähler, die Protest gegen die aktuelle Politik durch ihre Wahl ausdrücken wollen, dann von der Wahl der Oppositionspartei die Linke abrücken und AfD wählen, wenn sie nicht wenigstens mit den Inhalten dieser Partei sympathisieren?

Ich würde vermuten, dass Unzufriedenheit da schon ein wesentlicher Faktor war. Aber als alleiniger Grund kann das nicht ausreichen, sonst hätte es keine Wählerwanderung gegeben. Folglich müssen jene sich von der AfD mehr versprochen haben als von der Linken, vielleicht dass sie ihre Unzufriedenheit besser widerspiegelt, was aber nur möglich ist, wenn jene Wähler sich eben von der AfD hinreichend vertreten fühlen.
Warum sie nun zunächst die Linke wählten, da würde ich nach sozio-ökonomischen und psychologischen Gründen suchen: Das Gefühl abgehängt zu sein. Mag objektiv sogar zutreffen. Es war ja absehbar, dass die AfD in den Landtag einziehen wird und so eine weitere Oppositionspartei sich darin wiederfindet, womit Wähler eine feinere Unterscheidung treffen können.
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Re: Wahlgrund: Protest

Beitragvon Quatschki » Mi 29. Jun 2016, 14:44

pikant hat geschrieben:(29 Jun 2016, 15:22)
-in Sachsen-Anhalt gingen ja etwa 1/3 frueherer Linkswaehler direkt zur AfD und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass dieses Drittel alle rechtsradikal waren, sondernZudem die Meisten sind aus Protest gegen die aktuelle Politik von links-nach rechtsaussen gewechselt.

Das sind ganz normale DDR-Konservative, die den Linken davonlaufen, weil denen im Zuge ihrer Westausdehnung das Bekenntnis zu Volk und Heimat verloren gegangen ist.

Die Unveräußerlichkeit der Heimat ist ein ganz konkreter Punkt, der in der DDR sehr hoch gehalten wurde, den die Linkspartei/PDS später im Zuge der raubkapitalistischen Privatisierung und Wessifizierung der 90er als "Ostpartei" für sich einzusetzen wußte und den die heutige Linke nicht mehr vertritt, weil sie sich entschieden hat, schon die Begrifflichkeiten abzulehnen und zu verteufeln.
Zuletzt geändert von Quatschki am Mi 29. Jun 2016, 14:51, insgesamt 1-mal geändert.
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