Volksentscheide, direkte Demokratie: Pro & Contra

Moderator: Moderatoren Forum 2

Benutzeravatar
Teeernte
Beiträge: 11570
Registriert: Do 11. Sep 2014, 17:55

Re: Volksentscheide, direkte Demokratie: Pro & Contra

Beitragvon Teeernte » Sa 5. Nov 2016, 21:21

DarkLightbringer hat geschrieben:(05 Nov 2016, 12:58)

Die Nazis kamen von der Straße und schrien alles nieder. Ein anderes historisches Beispiel ist der französische Nationalkonvent, dessen Begünstigung von Demagogie schließlich zur Terrorherrschaft unter Danton und Robespierre führte.

"Die Leute" sind in Stimmungslagen kurzfristig zu unbedachten Emotionen fähig, insbesondere, wenn sie von Agitatoren aufgehetzt werden. Das zeigt doch die Geschichte. Die Wahl von Vertrauenspersonen setzt stets mehr Überlegung voraus, da das Mandat über Jahre geht und die Verhandlungsführung beauftragt wird, nicht aber Ergebniskonstruktionen. Gerade das parlamentarische System setzt den aufmerksamen Bürger voraus, nicht aber die Tumbheit auf Zuruf.


Die schweizerische Neutralität unterscheidet sich von jeder anderen. Sie ist für die Schweiz eine der wesentlichsten Voraussetzungen des Friedens im Innern und damit der Unabhängigkeit des Landes, das so viele nach Sprache und Kultur verschiedenartige Bestandteile in sich vereinigt. (…) Die Erhaltung dieser seit Jahrhunderten bestehenden Institution ist aber auch für ganz Europa nicht weniger wertvoll als für die Schweiz selbst. (…) Die Neutralität hat in der Schweiz während Jahrhunderten Stämme verschiedener Abkunft, Sprache und Konfession zu einer Einheit zusammengefasst.»


Natürlich wird es Versuche geben - sowas in den Dreck zu ziehen...
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
Benutzeravatar
DarkLightbringer
Beiträge: 24597
Registriert: Mo 19. Dez 2011, 16:49
Benutzertitel: Vive la Liberté !

Re: Volksentscheide, direkte Demokratie: Pro & Contra

Beitragvon DarkLightbringer » So 6. Nov 2016, 08:15

Teeernte hat geschrieben:(05 Nov 2016, 21:21)

Natürlich wird es Versuche geben - sowas in den Dreck zu ziehen...

Die Schweiz ist ein gutes Beispiel, denn gerade dort ist die rechtspopulistische SVP dabei, den traditionellen Konsens zu zerstören. Die idyllische Heidi-Schweiz wird es womöglich bald gar nicht mehr geben. Die SVP nutzt Kampagnen, um zu polarisieren, zu spalten und die Themen zu bestimmen. Das gelingt, obwohl sie Abstimmungen auch verliert.

Zweitens. Das Schweizer Inselbewußtsein der Glückseligkeit resultiert aus der Sicherheitsarchitektur ihrer Umgebung. Die Umgebung aber kann sich nicht verpuppen. Das wäre so, als schlösse man sich in einen Käfig ein und erklärte den Außenraum zum Innenraum. Dann wäre man subjektiv frei und sicher.
>>We’ll always have Paris<<
[Humphrey Bogart als Rick Blaine in >Casablanca<, 1942]
Benutzeravatar
Teeernte
Beiträge: 11570
Registriert: Do 11. Sep 2014, 17:55

Re: Volksentscheide, direkte Demokratie: Pro & Contra

Beitragvon Teeernte » So 6. Nov 2016, 10:40

DarkLightbringer hat geschrieben:(06 Nov 2016, 08:15)

1.Die Schweiz ist ein gutes Beispiel, denn gerade dort ist die rechtspopulistische SVP dabei, den traditionellen Konsens zu zerstören. Die idyllische Heidi-Schweiz wird es womöglich bald gar nicht mehr geben. Die SVP nutzt Kampagnen, um zu polarisieren, zu spalten und die Themen zu bestimmen. Das gelingt, obwohl sie Abstimmungen auch verliert.

2.Zweitens. Das Schweizer Inselbewußtsein der Glückseligkeit resultiert aus der Sicherheitsarchitektur ihrer Umgebung. Die Umgebung aber kann sich nicht verpuppen. Das wäre so, als schlösse man sich in einen Käfig ein und erklärte den Außenraum zum Innenraum. Dann wäre man subjektiv frei und sicher.


1. Die sind innerhalb des Recht-staates ?

2.Die Nachbarn Deutschlands rüsten gegen D ?

...Schweizer müssen nicht die Heimat in Afghanistan retten.....oder gegen Russland reiten...
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
Benutzeravatar
DarkLightbringer
Beiträge: 24597
Registriert: Mo 19. Dez 2011, 16:49
Benutzertitel: Vive la Liberté !

Re: Volksentscheide, direkte Demokratie: Pro & Contra

Beitragvon DarkLightbringer » So 6. Nov 2016, 11:45

Teeernte hat geschrieben:(06 Nov 2016, 10:40)

1. Die sind innerhalb des Recht-staates ?

Der Rechtsstaat schließt eine schlechte Politik nicht aus.

2.Die Nachbarn Deutschlands rüsten gegen D ?

...Schweizer müssen nicht die Heimat in Afghanistan retten.....oder gegen Russland reiten...

Europa ist mittlerweile von einem Gürtel der Krisen und Konflikte umgeben. In dieser Situation die Außenpolitik des Karibikstaates Tuvalu zu bertreiben, wäre fatal. Das nur als Beispiel. Der Blick auf Schloß Neuschwanstein ist schön, bildet aber kaum die Realitäten ab.
>>We’ll always have Paris<<
[Humphrey Bogart als Rick Blaine in >Casablanca<, 1942]
Benutzeravatar
Teeernte
Beiträge: 11570
Registriert: Do 11. Sep 2014, 17:55

Re: Volksentscheide, direkte Demokratie: Pro & Contra

Beitragvon Teeernte » So 6. Nov 2016, 16:07

DarkLightbringer hat geschrieben:(06 Nov 2016, 11:45)

1.Der Rechtsstaat schließt eine schlechte Politik nicht aus.


2.Europa ist mittlerweile von einem Gürtel der Krisen und Konflikte umgeben. In dieser Situation die Außenpolitik des Karibikstaates Tuvalu zu bertreiben, wäre fatal. Das nur als Beispiel. Der Blick auf Schloß Neuschwanstein ist schön, bildet aber kaum die Realitäten ab.


1. IST Teil der Demokratie. ....diesen durch "Pädagogen" abzuschwächen - ist Faschismus.

2. Diese Konflikte sollten nicht durch Mitwirkung vergrössert werden... Gewalt - wenn die Politik verliert.

Was nutzt ein "Flächengewinn" ?
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
Benutzeravatar
DarkLightbringer
Beiträge: 24597
Registriert: Mo 19. Dez 2011, 16:49
Benutzertitel: Vive la Liberté !

Re: Volksentscheide, direkte Demokratie: Pro & Contra

Beitragvon DarkLightbringer » So 6. Nov 2016, 16:37

Teeernte hat geschrieben:(06 Nov 2016, 16:07)

1. IST Teil der Demokratie. ....diesen durch "Pädagogen" abzuschwächen - ist Faschismus.

Der "Marsch auf Rom" war faschistisch, nicht das Parlament.

2. Diese Konflikte sollten nicht durch Mitwirkung vergrössert werden... Gewalt - wenn die Politik verliert.
Was nutzt ein "Flächengewinn" ?

Flüchtlingskrise, Ausbreitung des IS.... alles kein Problem, wenn man nur fest nach Tuvalu blickt?

Es geht im übrigen nicht um "Flächengewinn", sondern um Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen.
>>We’ll always have Paris<<
[Humphrey Bogart als Rick Blaine in >Casablanca<, 1942]
Benutzeravatar
Teeernte
Beiträge: 11570
Registriert: Do 11. Sep 2014, 17:55

Re: Volksentscheide, direkte Demokratie: Pro & Contra

Beitragvon Teeernte » So 6. Nov 2016, 16:50

DarkLightbringer hat geschrieben:(06 Nov 2016, 16:37)

1.Der "Marsch auf Rom" war faschistisch, nicht das Parlament.


2.Flüchtlingskrise, Ausbreitung des IS.... alles kein Problem, wenn man nur fest nach Tuvalu blickt?

Es geht im übrigen nicht um "Flächengewinn", sondern um Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen.


1.
Die Faschisten hatten die Gunst der Stunde genutzt und durch entschlossenes Auftreten den Eindruck einer äußersten Entschlossenheit erweckt, die vielleicht berechtigt war, aber aufgrund der schlechten Ausrüstung der Squadristen einem entschlossenen Einschreiten seitens der Armee kaum standgehalten hätte.


2. Mach nie die Tür auf...

Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
Fazer
Beiträge: 3985
Registriert: Mi 21. Okt 2015, 09:40

Re: Volksentscheide, direkte Demokratie: Pro & Contra

Beitragvon Fazer » Mo 7. Nov 2016, 00:35

Bürgerentscheid in Münster gegen verkaufsoffene Samstage.

Nötiges Quorum wie von SPD und Grünen durchgesetzt: 20%. Wurde mit ca. 22% knapp erreicht, 53% der abgegebenen Stimmen dann gegen Sonntagsöffnung.

http://www.rp-online.de/nrw/panorama/bu ... -1.6378006

Ca. 12% der Wahlberechtigten entscheiden damit für den Rest. DAS soll Demokratie sein? Da zeigt sich höchstens, wer in der Lage war eine bestimmte Gruppe von Menschen zu mobilisieren. Minderheiten entscheiden gegen die Mehrheit der Menschen, das ist die Konsequenz.
Freiheit bedeutet Verantwortung; das ist der Grund, weshalb sich die meisten vor ihr fürchten. (George Bernard Shaw)
Benutzeravatar
jorikke
Beiträge: 5299
Registriert: Sa 30. Mai 2009, 09:05

Re: Volksentscheide, direkte Demokratie: Pro & Contra

Beitragvon jorikke » Mo 7. Nov 2016, 09:14

Fazer hat geschrieben:(07 Nov 2016, 00:35)

Bürgerentscheid in Münster gegen verkaufsoffene Samstage.

Nötiges Quorum wie von SPD und Grünen durchgesetzt: 20%. Wurde mit ca. 22% knapp erreicht, 53% der abgegebenen Stimmen dann gegen Sonntagsöffnung.

http://www.rp-online.de/nrw/panorama/bu ... -1.6378006

Ca. 12% der Wahlberechtigten entscheiden damit für den Rest. DAS soll Demokratie sein? Da zeigt sich höchstens, wer in der Lage war eine bestimmte Gruppe von Menschen zu mobilisieren. Minderheiten entscheiden gegen die Mehrheit der Menschen, das ist die Konsequenz.


Wer sich für ein Thema engagiert hat im Zweifelsfall immer bessere Chancen als die indifferente Mehrheit.
Ich habe das auch immer für den größten Nachteil von Bürgerentscheiden/Volksabstimmungen gehalten.
Zwischenzeitlich habe ich aber meine Meinung geändert.
Wenn Gruppen aufeinander treffen, bei der die eine ein Anliegen vertritt, der anderen dieses Anliegen weitgehend egal ist, kann man das nicht nur zahlenmäßig werten.
Erstens trifft da, unabhängig von den Zahlen auch Qualität auf Dumpfheit und zweitens ist es nicht ganz redlich, so zu tun, als wäre die zahlenmäßige Mehrheit automatisch dagegen.
Immerhin besteht für die, die ein Anliegen durchsetzen wollen, die Chance einer gewissen "Manipulierbarkeit" indem sie Desinteresse ins Kalkül nehmen.
Letztlich aber sind Bürgerbegehren usw. aber ein Wert an sich. Die große Chance dadurch der Politik das Phlegma auszutreiben ist weit mehr wert als mögliche, etwas schräge Ergebnisse.
Benutzeravatar
odiug
Moderator
Beiträge: 8811
Registriert: Di 25. Sep 2012, 06:44

Re: Volksentscheide, direkte Demokratie: Pro & Contra

Beitragvon odiug » Mo 7. Nov 2016, 09:21

jorikke hat geschrieben:(07 Nov 2016, 09:14)

Wer sich für ein Thema engagiert hat im Zweifelsfall immer bessere Chancen als die indifferente Mehrheit.
Ich habe das auch immer für den größten Nachteil von Bürgerentscheiden/Volksabstimmungen gehalten.
Zwischenzeitlich habe ich aber meine Meinung geändert.
Wenn Gruppen aufeinander treffen, bei der die eine ein Anliegen vertritt, der anderen dieses Anliegen weitgehend egal ist, kann man das nicht nur zahlenmäßig werten.
Erstens trifft da, unabhängig von den Zahlen auch Qualität auf Dumpfheit und zweitens ist es nicht ganz redlich, so zu tun, als wäre die zahlenmäßige Mehrheit automatisch dagegen.
Immerhin besteht für die, die ein Anliegen durchsetzen wollen, die Chance einer gewissen "Manipulierbarkeit" indem sie Desinteresse ins Kalkül nehmen.
Letztlich aber sind Bürgerbegehren usw. aber ein Wert an sich. Die große Chance dadurch der Politik das Phlegma auszutreiben ist weit mehr wert als mögliche, etwas schräge Ergebnisse.

Das Phlegma der Politik ist ja der Wurstigkeit ihrer Waehler geschuldet.
Das ist ja auch schon ein Volksentscheid.
Das Phlegma ist eigentlich ein guter Indikator fuer die Dringlichkeit von Problemen.
Daher sollten fuer Volksentscheide auf Bundesebene, wenn sei denn sein muessen, sehr hohe Huerden bestehen.
Moderatoren sind die Herren des Forums :x
Aber wir sind edel und gut, gerecht und unbestechlich und sorgen uns innig um das Wohlergehen unsrer Foristen.
Ich habe nun eine deutsche Tastatur ... äöüß :cool:
Benutzeravatar
jorikke
Beiträge: 5299
Registriert: Sa 30. Mai 2009, 09:05

Re: Volksentscheide, direkte Demokratie: Pro & Contra

Beitragvon jorikke » Mo 7. Nov 2016, 09:29

odiug hat geschrieben:(07 Nov 2016, 09:21)

Das Phlegma der Politik ist ja der Wurstigkeit ihrer Waehler geschuldet.
Das ist ja auch schon ein Volksentscheid.
Das Phlegma ist eigentlich ein guter Indikator fuer die Dringlichkeit von Problemen.
Daher sollten fuer Volksentscheide auf Bundesebene, wenn sei denn sein muessen, sehr hohe Huerden bestehen.


Ich habe unklar formuliert. Gemeint war nicht das Phlegma der Politiker sondern das Phlegma und Desinteresse der Wähler an der Politik.
Ich fände es wünschenswert die Menschen wieder mehr zu interessieren und einzubeziehen. Dafür können Bürgerinitiativen ein Weg sein.
Ansonsten, in der Bundespolitik hohe Hürden, nach unten abnehmend.
Benutzeravatar
Skull
Vorstand
Beiträge: 15765
Registriert: Do 12. Apr 2012, 21:22
Benutzertitel: woaussie
Wohnort: NRW
Kontaktdaten:

Re: Volksentscheide, direkte Demokratie: Pro & Contra

Beitragvon Skull » Mo 7. Nov 2016, 09:40

odiug hat geschrieben:(07 Nov 2016, 09:21)

Daher sollten fuer Volksentscheide auf Bundesebene, wenn sei denn sein muessen, sehr hohe Huerden bestehen.

Korrekt.

Und wenn diese Hürden nicht überwunden werden, ist das Interesse für die entsprechende Fragestellung zu gering.
Wenn also diese Hürden nicht überwunden werden, verbleibt die Entscheidung wie gehabt dem Parlament.

Die Hürde müsste sich aber in erster Linie an der Teilnahmequote richten,
bei eventuellen GG Änderungen natürlich zusätzlich an einer erhöhten Zustimmungsquote.

Das Volk hätte aber eben die Möglichkeit, bei entsprechenden gegenteiligen "Vokswillen" gegenzusteuern.
Das Parlamant kann einer drohenden Voksabstimmung dagegen durch entsprechenden "Vorvollzug" im Parlament gegensteuern.

DIe entsprechenden Gegner einer konkreten Volksabstimmung würden dagegen alleine durch NICHT-Teilnahme
Ihrer Stimme Ausdruck verleihen. Und es somit dem Parlament überlassen.

mfg
Man dient für Lohn und liebt sich für Geschenke
Benutzeravatar
Skull
Vorstand
Beiträge: 15765
Registriert: Do 12. Apr 2012, 21:22
Benutzertitel: woaussie
Wohnort: NRW
Kontaktdaten:

Re: Volksentscheide, direkte Demokratie: Pro & Contra

Beitragvon Skull » Mo 7. Nov 2016, 09:49

Fazer hat geschrieben:(07 Nov 2016, 00:35)

Ca. 12% der Wahlberechtigten entscheiden damit für den Rest. DAS soll Demokratie sein? Da zeigt sich höchstens, wer in der Lage war eine bestimmte Gruppe von Menschen zu mobilisieren. Minderheiten entscheiden gegen die Mehrheit der Menschen, das ist die Konsequenz.

und ?

Alle hatten die Möglichkeit, mitzuentscheiden.
Minderheiten entscheiden GEGEN die Mehrheit ?
Wenn überhaupt müsste es heissen, entscheiden ÜBER die Mehrheit.
Im Parlamant entscheidet ja IMMER eine Minderheit von 600 Menschen über die Mehrheit von 65 Millionen. ;)



Und wenn bei Kommunalwahlen mit Wahlbeteiligungen von 45 Prozent eine relative Mehrheit
von 38 Prozent im Stadtparlament das sagen hat, wird es doch auch gesellschaftlich akzeptiert.

Oder wenn im Bundestag 100 Abgeordnete über irgendetwas abstimmen,
und die anderen 500 nicht einmal dabei sind, wird es doch ebenfalls akzeptiert.

ICH sehe da überhaupt kein Problem. :)

mfg
Man dient für Lohn und liebt sich für Geschenke
Benutzeravatar
Tom Bombadil
Beiträge: 29146
Registriert: Sa 31. Mai 2008, 15:27
Benutzertitel: Non Soli Cedit

Re: Volksentscheide, direkte Demokratie: Pro & Contra

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 7. Nov 2016, 11:21

Fazer hat geschrieben:(07 Nov 2016, 00:35)

Ca. 12% der Wahlberechtigten entscheiden damit für den Rest. DAS soll Demokratie sein?

Sicher ist das Demokratie oder wurde jemand davon abgehalten, seine Stimme abzugeben? Den restlichen 88% war es wohl schlichtweg egal, ob die Geschäfte Sonntags geöffnet haben oder nicht.
The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants. It is its natural manure.
Thomas Jefferson
Fazer
Beiträge: 3985
Registriert: Mi 21. Okt 2015, 09:40

Re: Volksentscheide, direkte Demokratie: Pro & Contra

Beitragvon Fazer » Mo 7. Nov 2016, 11:29

Tom Bombadil hat geschrieben:(07 Nov 2016, 11:21)

Sicher ist das Demokratie oder wurde jemand davon abgehalten, seine Stimme abzugeben? Den restlichen 88% war es wohl schlichtweg egal, ob die Geschäfte Sonntags geöffnet haben oder nicht.


Was nur unterstreicht, dass solche Bürgerentscheide kleinen aktiven Minderheiten die Möglichkeit geben, ihre Agenda durchzusetzen. Mit "Volkswillen" und Demokratie hat das bei so geringen Beteiligungsquoten schlicht nichts zu tun.
Freiheit bedeutet Verantwortung; das ist der Grund, weshalb sich die meisten vor ihr fürchten. (George Bernard Shaw)
Benutzeravatar
Tom Bombadil
Beiträge: 29146
Registriert: Sa 31. Mai 2008, 15:27
Benutzertitel: Non Soli Cedit

Re: Volksentscheide, direkte Demokratie: Pro & Contra

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 7. Nov 2016, 11:46

Fazer hat geschrieben:(07 Nov 2016, 11:29)

Was nur unterstreicht, dass solche Bürgerentscheide kleinen aktiven Minderheiten die Möglichkeit geben, ihre Agenda durchzusetzen.

Wieso? Es wird doch niemand davon abgehalten, seine Stimme abzugeben.
The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants. It is its natural manure.
Thomas Jefferson
Fazer
Beiträge: 3985
Registriert: Mi 21. Okt 2015, 09:40

Re: Volksentscheide, direkte Demokratie: Pro & Contra

Beitragvon Fazer » Mo 7. Nov 2016, 11:50

Tom Bombadil hat geschrieben:(07 Nov 2016, 11:46)

Wieso? Es wird doch niemand davon abgehalten, seine Stimme abzugeben.


Das reicht aber nicht als Begründung dafür, warum eine Entscheidung, die durch 11% der Bürger getroffen wird angeblich als demokratisch gelten soll. Es ist halt Fakt, dass Aktivisten es einfacher haben, Leute zu motivieren zu einer Abstimmung zu gehen, für "ihr" Thema. Menschen haben keine Lust alle 4 Wochen für irgendwas an die Urnen zu gehen. Solche Abstimmungen begünstigen schlicht Minderheiten in der Durchsetzung ihrer Agenda. Das kann man nur mit angemessen hohen Quoren verhindern. Die 20%, die rotgrün in NRW durchgesetzt haben sind ein Hohn, die Ergebnisse haben nichts mit "Volkswillen" zu tun.
Freiheit bedeutet Verantwortung; das ist der Grund, weshalb sich die meisten vor ihr fürchten. (George Bernard Shaw)
Benutzeravatar
ThorsHamar
Beiträge: 20629
Registriert: Di 19. Mai 2009, 21:53
Benutzertitel: Jury Jury
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Volksentscheide, direkte Demokratie: Pro & Contra

Beitragvon ThorsHamar » Mo 7. Nov 2016, 11:55

Fazer hat geschrieben:(07 Nov 2016, 11:29)

Was nur unterstreicht, dass solche Bürgerentscheide kleinen aktiven Minderheiten die Möglichkeit geben, ihre Agenda durchzusetzen. Mit "Volkswillen" und Demokratie hat das bei so geringen Beteiligungsquoten schlicht nichts zu tun.


Doch, hat es .... und zwar gibt "das Volk" dann ein eindeutiges Votum ab: Es will nicht wählen.
Solange es die Möglichkeit gibt, Einfluss zu nehmen, diese Möglichkeit aber nicht nutzt, kann man das Ergebnis eines Votums nicht benörgeln.

Was heisst das?
Richtig, man muss sich dann um jedes Thema, was bei einem Entscheid auf dem Tisch liegt, auch selbst kümmern, um nämlich kompetent entscheiden zu können.
Und genau dort sehe ich den Knackpunkt beim Thema direkte Demokratie:
Eine grosse Fresse zu haben, dies oder das viel besser zu wissen und viel besser machen zu können, ist schnell mal gemacht.
Aber was ist mit dem Übernehmen der Verantwortung bei Fehlentscheidungen? Tritt das Volk dann selbst zurück?
"Wenn du wissen willst, wer dich beherrscht, mußt du nur herausfinden, wen du nicht kritisieren darfst."
Voltaire,
Benutzeravatar
jorikke
Beiträge: 5299
Registriert: Sa 30. Mai 2009, 09:05

Re: Volksentscheide, direkte Demokratie: Pro & Contra

Beitragvon jorikke » Mo 7. Nov 2016, 11:57

Fazer hat geschrieben:(07 Nov 2016, 11:29)

Was nur unterstreicht, dass solche Bürgerentscheide kleinen aktiven Minderheiten die Möglichkeit geben, ihre Agenda durchzusetzen. Mit "Volkswillen" und Demokratie hat das bei so geringen Beteiligungsquoten schlicht nichts zu tun.


Dadurch, dass die Mehrheit an der Abstimmung nicht teilnimmt, akzeptiert sie per se das Ergebnis.
...das ist absolut demokratisch, auch Demokratie kann man lernen.
Benutzeravatar
Tom Bombadil
Beiträge: 29146
Registriert: Sa 31. Mai 2008, 15:27
Benutzertitel: Non Soli Cedit

Re: Volksentscheide, direkte Demokratie: Pro & Contra

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 7. Nov 2016, 12:04

Fazer hat geschrieben:(07 Nov 2016, 11:50)

Das reicht aber nicht als Begründung dafür, warum eine Entscheidung, die durch 11% der Bürger getroffen wird angeblich als demokratisch gelten soll.

Weil es die Mehrheit so gewollt hat und niemand davon abgehalten wurde, seine Stimme abzugeben.

Es ist halt Fakt, dass Aktivisten es einfacher haben, Leute zu motivieren zu einer Abstimmung zu gehen, für "ihr" Thema.

Wenn 88% der Leute keiner Meinung zu einem Thema haben, ist das doch auch ok. Und es hindert ja auch niemand die Gegenaktivisten daran, ihre eigenen Leute zu motivieren.

Menschen haben keine Lust alle 4 Wochen für irgendwas an die Urnen zu gehen.

Das ließe sich ja einem Gesetz regulieren, wie oft solche Entscheide gemacht werden.

Solche Abstimmungen begünstigen schlicht Minderheiten in der Durchsetzung ihrer Agenda.

Soweit die Behauptung, der schlüssige Beweis steht noch aus.
The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants. It is its natural manure.
Thomas Jefferson

Zurück zu „20. Wahlen - Wahlergebnisse“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Sole.survivor@web.de und 2 Gäste