Volksentscheide, direkte Demokratie: Pro & Contra

Moderator: Moderatoren Forum 2

Benutzeravatar
Watchful_Eye
Moderator
Beiträge: 2203
Registriert: Sa 7. Jun 2008, 11:13
Benutzertitel: Free Jazz & Black Metal
Kontaktdaten:

Volksentscheide, direkte Demokratie: Pro & Contra

Beitragvon Watchful_Eye » Mo 22. Feb 2016, 22:13

Mich erinnert der aktuelle Aufstieg der AfD ja an eine Debatte, die wir vor 10 Jahren hatten, als unter Schröder die Hartz-Gesetze eingeführt wurden.

Damals machte die SPD damit eine wirtschaftsliberale Politik, die zuvor nicht einmal von der Schwarz-Gelben Kohl-Regierung gewagt worden war. Die Folge war, dass Oskar Lafontaine den Kurs nicht mittrug und die sozialistische radikale Linke erstarkte. Sarah Wagenknecht war ständig in den Talkshows und die Medien stellten sie als populistische Spinnerin dar. Die Leute wollten diese Partei oftmals eigentlich nicht wählen, wussten aber nicht, wie sie ihren Protest zu den Hartz-Gesetzen anderweitig zum Ausdruck bringen sollten.

Nun dasselbe umgekehrt: Die CDU macht eine Asylpolitik, die man bestenfalls von Rot-Grün erwartet hätte. Die Folge ist, dass rechte Kräfte, oftmals ehemalige CDUler, erstarkten. Man sieht irgendwelche rechten in Talkshows, die in den Medien als populistische oder gar gefährliche Spinner dargestellt werden. Die meisten wollen die AfD gar nicht wählen, wissen aber nicht, wie sie ihren Protest zur Asylpolitik von Merkel anders zum Ausdruck bringen sollen.

Ich sehe darin ein Problem der parlamentarischen Demokratie. Dieses System ist zu unflexibel. Wenn eine große Partei eine Politik macht, die eigentlich eher ihrer eigenen Opposition zuzutrauen wäre, fehlt eine sinnvolle Alternative. So bleibt dem wählenden Volk nichts anderes übrig, als irgendwelche radikalen Splitterparteien zu wählen. Wenn man derzeit als Wähler die CDU für die Asylpolitik abstrafen will, muss man "mit Kanonen auf Spatzen schießen" und ein komplett rechtes Paket (inkl. Dinge wie Ablehnung von Abtreibung und Homo-Ehe) wählen, dabei wären die nicht-radikalen Kritiker bereits mit einer restriktiveren Politik á la CSU/Seehofer bereits zufriedenzustellen.

Ich glaube nicht daran, dass die parlamentarische Demokratie für mehr Stabilität sorgt. Zwar rückt der Zwang, sich für ein Paket zu entscheiden, die Wähler zunächst in Richtung Mitte, sobald aber "der Damm gebrochen ist", kann potentiell daraus sogar eine radikalere Politik entstehen, als von den Wählern eigentlich gewünscht ist.
Zuletzt geändert von Brainiac am Mi 6. Apr 2016, 17:03, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: [MOD] Titel aufgrund Threadzusammenführung geändert
"In a world where I feel so small, I can't stop thinking big." (Rush - Caravan)
steve1974
Beiträge: 1926
Registriert: Do 14. Mai 2015, 18:17

Re: Am Aufstieg der AfD erkennt man erneut das Problem der parlamentarischen Demokratie

Beitragvon steve1974 » Mo 22. Feb 2016, 22:22

-
Ich wäre für mehr Volksentscheide.
und nur für Abgeordnete ohne Parteien.
Die transparent alle Einkünfte offenlegen müssen,
keine Aufsichtsratsposten oder sonstige Industrieposten haben dürfen,
und nur nach Information und bestem Gewissen entscheiden .
Nicht nach Fraktionszwang .
Und für eine Wahl der Minister direkt vom Volk.

Ich halte das bestehende System für überholt und verfault .
-
Benutzeravatar
Yossarian
Beiträge: 2980
Registriert: Do 24. Sep 2015, 12:06
Wohnort: Franken. Nicht Bayern.
Kontaktdaten:

Re: Am Aufstieg der AfD erkennt man erneut das Problem der parlamentarischen Demokratie

Beitragvon Yossarian » Mo 22. Feb 2016, 22:26

Gut analysiert, kann ich zustimmen. Aber nur ein Faktor der zum erstarken reaktionärer (kann man schon davon sprechen?) Kräfte in Europa aber auch den USA beiträgt.

Die Ursachen sind komplex, von Globalisierung über Finanzkrise und Strukturkrisen in der Eu, Kultur- und Medienkampf, Flüchtlingskrise bishin zu den Brandstiftern in Russland und ähnlich autoritären Staaten. Aufzuhalten sind sie nicht mehr, die Chance hatte vielleicht auch nur Obama vor 2014. Nun, Vorhang auf Film ab, zumindest kann man sich gute Plätze sichern für die Show.
Wenn ich einen Vogel sehe der wie eine Ente watschelt und wie eine Ente schwimmt und wie eine Ente quakt dann nenne ich ihn eine Ente. Und wenn der Vogel dementiert eine Ente zu sein ist es eine russische Ente.
Benutzeravatar
Quatschki
Beiträge: 6273
Registriert: Mi 4. Jun 2008, 08:14
Wohnort: rechtselbisch

Re: Am Aufstieg der AfD erkennt man erneut das Problem der parlamentarischen Demokratie

Beitragvon Quatschki » Mo 22. Feb 2016, 22:39

Ein anderes Problem dieser Demokratie:
In der Vergangenheit mußten Politiker oft wegen Spendenaffairen oder Bonusmeilenmißbrauchs zurücktreten
Wenn sie aber Mißwirtschaft in Milliardenhöhe betreiben, die Bundeswehr verrotten lassen, einen außenpolitischen Scherbenhaufen anrichten oder das ganze Land gegen den Baum zu fahren drohen, dann ist das kein Grund, sie abzulösen?
Was menschlicher Wahn erschuf, kann durch menschliche Einsicht überwunden werden.
Benutzeravatar
3x schwarzer Kater
Beiträge: 11776
Registriert: Mo 26. Mai 2014, 15:25
Benutzertitel: Do legst di nieda
Wohnort: Lower Bavaria & Upper Austria

Re: Am Aufstieg der AfD erkennt man erneut das Problem der parlamentarischen Demokratie

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mo 22. Feb 2016, 22:41

steve1974 hat geschrieben:(22 Feb 2016, 22:22)

-
Ich wäre für mehr Volksentscheide.
und nur für Abgeordnete ohne Parteien.
Die transparent alle Einkünfte offenlegen müssen,
keine Aufsichtsratsposten oder sonstige Industrieposten haben dürfen,
und nur nach Information und bestem Gewissen entscheiden .
Nicht nach Fraktionszwang .

-


Welche Verbesserung erwartest du dir davon?
„Fremd ist der Fremde nur in der Fremde.“ (Karl Valentin)
Benutzeravatar
Svi Back
Beiträge: 5516
Registriert: Di 8. Sep 2015, 16:50
Benutzertitel: The Spirit of Entebbe
Wohnort: Leipzig/ Freistaat Sachsen

Re: Am Aufstieg der AfD erkennt man erneut das Problem der parlamentarischen Demokratie

Beitragvon Svi Back » Mo 22. Feb 2016, 22:48

Watchful_Eye hat geschrieben:(22 Feb 2016, 22:13)

Wenn man derzeit als Wähler die CDU für die Asylpolitik abstrafen will, muss man "mit Kanonen auf Spatzen schießen" und ein komplett rechtes Paket (inkl. Dinge wie Ablehnung von Abtreibung und Homo-Ehe) wählen, dabei wären die nicht-radikalen Kritiker bereits mit einer restriktiveren Politik á la CSU/Seehofer bereits zufriedenzustellen.


Was du schreibst ist durchaus richtig. Auf diesen Absatz muss ich jedoch eingehen. Soweit ich mitbekommen
habe, will die AfD eine Veränderung des Abtreibungsparagraph (was ich für falsch halte). Von Verbot war noch nie die Rede. Im Übrigen ist auch die CDU gegen die Homoehe und wie die AfD für die Beibehaltung der eingetragenen Partnerschaften (was ich für richtig halte).

Also, wenn man sich der Problematik AfD seriös nähern will, muss man bei Fakten bleiben und keinen Popanz aufbauen.
Kein Vormarsch ist so schwer wie der zurück zur Vernunft.
(B.Brecht)
Benutzeravatar
3x schwarzer Kater
Beiträge: 11776
Registriert: Mo 26. Mai 2014, 15:25
Benutzertitel: Do legst di nieda
Wohnort: Lower Bavaria & Upper Austria

Re: Am Aufstieg der AfD erkennt man erneut das Problem der parlamentarischen Demokratie

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mo 22. Feb 2016, 23:00

Svi Back hat geschrieben:(22 Feb 2016, 22:48)



Also, wenn man sich der Problematik AfD seriös nähern will, muss man bei Fakten bleiben und keinen Popanz aufbauen.


Fakten würde aber bedingen ein Parteiprogramm zu haben. Das hst die AfD nicht.
„Fremd ist der Fremde nur in der Fremde.“ (Karl Valentin)
Benutzeravatar
Svi Back
Beiträge: 5516
Registriert: Di 8. Sep 2015, 16:50
Benutzertitel: The Spirit of Entebbe
Wohnort: Leipzig/ Freistaat Sachsen

Re: Am Aufstieg der AfD erkennt man erneut das Problem der parlamentarischen Demokratie

Beitragvon Svi Back » Mo 22. Feb 2016, 23:13

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(22 Feb 2016, 23:00)

Fakten würde aber bedingen ein Parteiprogramm zu haben. Das hst die AfD nicht.


Richtig, das hatten wir aber schon. Musst dich halt noch gedulden.
Ich habe jedoch nur von Verschärfung der Abtreibungsparagraph gelesen und nichts von Verbot und ich hatte auch
gelesen, dass man "eingetragene Lebenspartnerschaften" richtig findet.
Es ist egal was man dazu sagt, das sind völlig legitime politische Ansichten, die sich nicht für einen Popanz
eignen. Man kann sagen, man findet das falsch oder richtig mit Argumenten dafür werben oder dagegen argumentieren und das war es auch. Null Thema für Aufregung.
Kein Vormarsch ist so schwer wie der zurück zur Vernunft.
(B.Brecht)
Benutzeravatar
3x schwarzer Kater
Beiträge: 11776
Registriert: Mo 26. Mai 2014, 15:25
Benutzertitel: Do legst di nieda
Wohnort: Lower Bavaria & Upper Austria

Re: Am Aufstieg der AfD erkennt man erneut das Problem der parlamentarischen Demokratie

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mo 22. Feb 2016, 23:19

Svi Back hat geschrieben:(22 Feb 2016, 23:13)

Richtig, das hatten wir aber schon. Musst dich halt noch gedulden.
Ich habe jedoch nur von Verschärfung der Abtreibungsparagraph gelesen und nichts von Verbot und ich hatte auch
gelesen, dass man "eingetragene Lebenspartnerschaften" richtig findet.
Es ist egal was man dazu sagt, das sind völlig legitime politische Ansichten, die sich nicht für einen Popanz
eignen. Man kann sagen, man findet das falsch oder richtig mit Argumenten dafür werben oder dagegen argumentieren und das war es auch. Null Thema für Aufregung.


Ein Parteiprogramm ist für mich essentiell um überhaupt zu beurteilen, ob eine Partei wählbar ist. Hat die AfD nicht, also unwählbar.
„Fremd ist der Fremde nur in der Fremde.“ (Karl Valentin)
Benutzeravatar
Svi Back
Beiträge: 5516
Registriert: Di 8. Sep 2015, 16:50
Benutzertitel: The Spirit of Entebbe
Wohnort: Leipzig/ Freistaat Sachsen

Re: Am Aufstieg der AfD erkennt man erneut das Problem der parlamentarischen Demokratie

Beitragvon Svi Back » Mo 22. Feb 2016, 23:21

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(22 Feb 2016, 23:19)

Ein Parteiprogramm ist für mich essentiell um überhaupt zu beurteilen, ob eine Partei wählbar ist. Hat die AfD nicht, also unwählbar.


das kannst du so sehen, andere sehen das anders. Nichts unnormales. Ich vermute 80% der Wähler kennen
kein einziges Parteiprogramm irgendeiner Partei.
Kein Vormarsch ist so schwer wie der zurück zur Vernunft.
(B.Brecht)
Benutzeravatar
John Galt
Beiträge: 14493
Registriert: So 1. Jun 2008, 22:44
Benutzertitel: No Gods or Kings. Only Man.

Re: Am Aufstieg der AfD erkennt man erneut das Problem der parlamentarischen Demokratie

Beitragvon John Galt » Mo 22. Feb 2016, 23:38

Die Spannungen entstehen eben vor allem dadurch, dass der Wähler nur alle 4 Jahre sein Stimmchen abgeben darf. Gerade deshalb benötigt man auf Bundesebene eine Möglichkeit der direkten Mitbestimmung. Wir haben das Geld und die Ressourcen, daran soll es nicht scheitern. Das Volk soll allerdings seine Klappe halten, dann kommt eben die Rechnung nach den 4 Jahren.

Natürlich kann man auch innerparteilich den Kurs ändern. Wir haben aber die niedrigsten Parteimitgliederzahlen seit langem. Von ~60 Millionen Wählern, sind gerade noch 1 Millionen und ein paar Zerquetschte in einer Partei.

Auch innerparteilich lässt sich kurzfristig ohne Geld und Einfluss nichts bewirken.
Civilization is the progress toward a society of privacy. The savage’s whole existence is public, ruled by the laws of his tribe. Civilization is the process of setting man free from men.
Benutzeravatar
Cat with a whip
Beiträge: 9087
Registriert: Fr 4. Jul 2008, 20:49

Re: Am Aufstieg der AfD erkennt man erneut das Problem der parlamentarischen Demokratie

Beitragvon Cat with a whip » Mo 22. Feb 2016, 23:42

Watchful_Eye hat geschrieben:(22 Feb 2016, 22:13)

Wenn man derzeit als Wähler die CDU für die Asylpolitik abstrafen will, muss man "mit Kanonen auf Spatzen schießen" und ein komplett rechtes Paket (inkl. Dinge wie Ablehnung von Abtreibung und Homo-Ehe) wählen.

Warum muß man das? Das versteh ich nicht. Man kann doch auch eine menschenfreundlichere Politik wählen.
"Die Erde ist ein Irrenhaus. Dabei könnte das bis heute erreichte Wissen der Menschheit aus ihr ein Paradies machen." Joseph Weizenbaum
Benutzeravatar
Cat with a whip
Beiträge: 9087
Registriert: Fr 4. Jul 2008, 20:49

Re: Am Aufstieg der AfD erkennt man erneut das Problem der parlamentarischen Demokratie

Beitragvon Cat with a whip » Mo 22. Feb 2016, 23:48

Watchful_Eye hat geschrieben:(22 Feb 2016, 22:13)
Die Folge war, dass Oskar Lafontaine den Kurs nicht mittrug und die sozialistische radikale Linke erstarkte.


Die radikalen linken Parteien blieben weiter bedeutungslos. Das was sich links von der SPD formte waren das was die SPD aufgab. Radikal war das nicht, sondern sozialdemokratisch.
"Die Erde ist ein Irrenhaus. Dabei könnte das bis heute erreichte Wissen der Menschheit aus ihr ein Paradies machen." Joseph Weizenbaum
Benutzeravatar
Cat with a whip
Beiträge: 9087
Registriert: Fr 4. Jul 2008, 20:49

Re: Am Aufstieg der AfD erkennt man erneut das Problem der parlamentarischen Demokratie

Beitragvon Cat with a whip » Mo 22. Feb 2016, 23:55

Watchful_Eye hat geschrieben:(22 Feb 2016, 22:13)

Nun dasselbe umgekehrt: Die CDU macht eine Asylpolitik, die man bestenfalls von Rot-Grün erwartet hätte.

Ganz und gar nicht. Für diese Erwartungshaltung müsste man schon eine ziemlich verdrehte Sicht auf die Welt haben oder ganz rechts politisch angesiedelt sein.
"Die Erde ist ein Irrenhaus. Dabei könnte das bis heute erreichte Wissen der Menschheit aus ihr ein Paradies machen." Joseph Weizenbaum
Benutzeravatar
Cat with a whip
Beiträge: 9087
Registriert: Fr 4. Jul 2008, 20:49

Re: Am Aufstieg der AfD erkennt man erneut das Problem der parlamentarischen Demokratie

Beitragvon Cat with a whip » Di 23. Feb 2016, 00:01

Watchful_Eye hat geschrieben:(22 Feb 2016, 22:13)
Ich glaube nicht daran, dass die parlamentarische Demokratie für mehr Stabilität sorgt.



Gerade in Zeiten wie diesen wo die menschenfeindlichen nationalistischen Hetzer Aufwind bekommen zeigt sich wie stabilisierend unsere parlamentarische Demokratie ist. Denn das Gesamtbild ist ja entscheidend.
Wir haben eben nicht mehr Weimarer Verhältnisse, so sehr sich dies auch einige herbeisehnen.
"Die Erde ist ein Irrenhaus. Dabei könnte das bis heute erreichte Wissen der Menschheit aus ihr ein Paradies machen." Joseph Weizenbaum
Benutzeravatar
Watchful_Eye
Moderator
Beiträge: 2203
Registriert: Sa 7. Jun 2008, 11:13
Benutzertitel: Free Jazz & Black Metal
Kontaktdaten:

Re: Am Aufstieg der AfD erkennt man erneut das Problem der parlamentarischen Demokratie

Beitragvon Watchful_Eye » Di 23. Feb 2016, 00:16

Cat with a whip hat geschrieben:(22 Feb 2016, 23:42)

Warum muß man das? Das versteh ich nicht. Man kann doch auch eine menschenfreundlichere Politik wählen.

Das ist ein "Wenn, dann"-Satz. Wenn man mit der CDU einverstanden ist, kann man das natürlich auch nicht tun.

Ganz und gar nicht. Für diese Erwartungshaltung müsste man schon eine ziemlich verdrehte Sicht auf die Welt haben oder ganz rechts politisch angesiedelt sein.

Naja, die Mehrheit der EU-Länder handhabt ja die Asylpolitik restriktiver. Und unter der CDU selbst (bzw CDU/SPD) wurde im Jahre 1993 die massive Einschränkung des Asylrechts als sog "Asylkompromiss" eingeführt. Ich sehe da schon einen Bruch, unabhängig davon, ob man das jetzt gut oder schlecht findet.

Übrigens bin ich zwar kein Mod in diesem Forum, aber ich würde dich bitten, der Übersicht halber auf einen Post nicht gleich mit 4 Posts zu antworten.
"In a world where I feel so small, I can't stop thinking big." (Rush - Caravan)
Benutzeravatar
Cat with a whip
Beiträge: 9087
Registriert: Fr 4. Jul 2008, 20:49

Re: Am Aufstieg der AfD erkennt man erneut das Problem der parlamentarischen Demokratie

Beitragvon Cat with a whip » Di 23. Feb 2016, 02:20

Watchful_Eye hat geschrieben:(23 Feb 2016, 00:16)

Das ist ein "Wenn, dann"-Satz. Wenn man mit der CDU einverstanden ist, kann man das natürlich auch nicht tun.


Sie hätte sich selbst fragen sollen wieso sie selbstredend davon ausgehen, dass ein CDU-Wähler, der die CDU für ihre Asylpolitik "abstrafen" will (als ob es ein Vergehen wäre) ist eine restriktivere Alternative sucht.
Kann ja sein dass es CDU-Wähler gibt die sich eine offenere und menschenfreundlichere Asylpolitik wünschen. Würde ich mir schonmal vorstellen können bei einer Partei die sich aufs Christentum und seine Werte wie Nächstenliebe und Barmherzigkeit beruft.
Oder passt das nicht in Ihr Stereotyp vom CDU-Wähler?
"Die Erde ist ein Irrenhaus. Dabei könnte das bis heute erreichte Wissen der Menschheit aus ihr ein Paradies machen." Joseph Weizenbaum
Benutzeravatar
Watchful_Eye
Moderator
Beiträge: 2203
Registriert: Sa 7. Jun 2008, 11:13
Benutzertitel: Free Jazz & Black Metal
Kontaktdaten:

Re: Am Aufstieg der AfD erkennt man erneut das Problem der parlamentarischen Demokratie

Beitragvon Watchful_Eye » Di 23. Feb 2016, 02:56

Die CDU ist zumindestens die Partei, die den Konservatismus verkörpert. Dort würde ich so eine Denkweise in der Tat eher erwarten als bei den davon links stehenden Parteien. Ausnahme ist vielleicht noch die FDP.

Verstehe ich es richtig, dass sie davon ausgehen (ich duze übrigens lieber im Internet), dass es abgesehen von jenen AFD-wählenden Rechten/Rechtsradikalen praktisch keine Deutschen gibt, die eine restriktivere Flüchtlingspolitik wünschen?

Was ich dazu spontan gefunden habe:
Merkels Flüchtlingspolitik: Ähnlich viel Zustimmung wie Ablehnung
47 Prozent der Deutschen stellen Angela Merkel für ihre Arbeit im Bereich Flüchtlinge und Asyl ein gutes Zeugnis aus, 50 Prozent sind unzufrieden. Damit ist die Kritik an der Flüchtlingspolitik der Kanzlerin gegenüber Januar (Jan. I: 56 Prozent; Jan. II: 54 Prozent) leicht zurückgegangen und umgekehrt die Akzeptanz leicht gestiegen (Jan. I: 39 Prozent; Jan. II: 41 Prozent). Mehrheitliche Unterstützung für ihren Kurs erfährt sie in den eigenen Reihen (CDU/CSU-Anhänger: 67 Prozent), bei den Anhängern der Grünen (67 Prozent) und der SPD (55 Prozent). Die Anhänger der Linken sind gespalten (gut: 48 Prozent; schlecht: 51 Prozent) und für die meisten Anhänger der FDP (62 Prozent) und nahezu alle Anhänger der AfD (97 Prozent) macht sie ihre Sache beim Thema Flüchtlinge eher schlecht.

http://www.forschungsgruppe.de/Aktuelle ... barometer/

Fairerweise muss man sagen, dass diese Umfrage nicht beantwortet, ob die unzufriedenen eine restriktivere oder eine lockerere Flüchtlingspolitik wünschen. Im Falle der CDU-, FDP- und wahrscheinlich auch SPD-Wähler würde es mich allerdings wundern, wenn der Anteil derjenigen, die eine lockerere Flüchtlingspolitik als Merkel wünschen, überwiegen sollte.
"In a world where I feel so small, I can't stop thinking big." (Rush - Caravan)
Benutzeravatar
Yossarian
Beiträge: 2980
Registriert: Do 24. Sep 2015, 12:06
Wohnort: Franken. Nicht Bayern.
Kontaktdaten:

Re: Am Aufstieg der AfD erkennt man erneut das Problem der parlamentarischen Demokratie

Beitragvon Yossarian » Di 23. Feb 2016, 06:49

Cat with a whip hat geschrieben:(22 Feb 2016, 23:55)

Ganz und gar nicht. Für diese Erwartungshaltung müsste man schon eine ziemlich verdrehte Sicht auf die Welt haben oder ganz rechts politisch angesiedelt sein.


Quark. Die Spd vertritt teils rechtere positionen als die cdu, alles Nazis in dem Fall?
Wenn ich einen Vogel sehe der wie eine Ente watschelt und wie eine Ente schwimmt und wie eine Ente quakt dann nenne ich ihn eine Ente. Und wenn der Vogel dementiert eine Ente zu sein ist es eine russische Ente.
Benutzeravatar
Flat
Beiträge: 4912
Registriert: Sa 7. Mär 2015, 17:14

Re: Am Aufstieg der AfD erkennt man erneut das Problem der parlamentarischen Demokratie

Beitragvon Flat » Di 23. Feb 2016, 07:28

Moin,

Volksabstimmungen laufen auf eine ja-nein-Alternative hinaus. Die ist aber bei komplexen politischen Fragestellungen oft gar nicht möglich. Genauso wie es nicht möglich ist, dass sich ein Großteil der Bevölkerung in komplexe Fragestellungen einarbeitet und dazu fundiert Stellung nehmen kann.

Volksabstimmungen sind mehr von Stimmungen und weniger von Wissen beeinflusst.

Nehmen wir mal an, wir würden über Todesstrafe abstimmen.
2 Tage vor der Abstimmung geht ein Fall von einem unschuldig Hingerichteten in den USA durch die Presse -> 80 % Ablehnung
2 Tage vorher geschieht ein bestialischer Mord an einem kleinen Kind durch einen mehrfach Vorbestraften -> 55-60 % Zustimmung

Ich halte es für einen Trugschluss, dass die Masse der Bevölkerung vernünftig entscheidet.

Deshalb halte ich die repräsentative Demokratie als Korrektiv bei allen Problemen für die richtige.
_______
wer Rechtsradikales sagt und tut, ist rechtsradikal. Das hat nichts mit Nazikeule zu tun.
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/inte ... 62231.html

Zurück zu „20. Wahlen - Wahlergebnisse“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste