Konservative und soziale Politik unvereinbar?

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Re: Konservative und soziale Politik unvereinbar?

Beitragvon H2O » So 19. Aug 2018, 07:42

Neandertaler hat geschrieben:(18 Aug 2018, 20:37)

Ich denke die Skandinavier sind mit ihren egalitären Systemen Jahrzehntelang sehr gut gefahren. Das Experiment Sozialismus ohne Demokratie ist hingegen natürlich von vornherein zum scheitern verurteilt.

Die Demokratie hat letztendlich auch dafür gesorgt, daß das "Rundum-sorglos-Paket" Schwedens aufgeschnürt und neu gepackt wurde. Die Schweden fanden ihre Vereinnahmung durch den Staat und ihre Steuerbelastung zu hoch. Leistungsträger verließen das Land: Kulturschaffende, Regisseure, Schauspieler. Weil sie so bekannt waren / sind wurde darüber berichtet.
Die Dänen fahren mit einer Krankenkasse super, die medizinische Versorgung ist sicher besser dort als in Deutschland.

Dänemark ist ein vergleichsweise kleines Land; ich würde das Land nicht vergleichen mit großen Staaten wie Italien, Frankreich, Großbritannien, Deutschland oder Polen. Da ist der gesellschaftliche Zusammenhalt weitaus stärker als in unseren volkreichen und stark durchmischten Staaten; ich vermute, daß dann auch eine staatliche Einengung leichter zu ertragen ist. Das gilt ja nicht nur für die Krankenversicherung.
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Re: Konservative und soziale Politik unvereinbar?

Beitragvon Neandertaler » So 19. Aug 2018, 08:22

Der Neandertaler hat geschrieben:(18 Aug 2018, 20:44)

Hallo Namensvetter
:) endlich ein Gespräch unter Neandertalern
Was hälst Du "für ein Gerücht"?

Daß die AfD die Grenzen komplett schließen will ohne ein Experte dafür zu sein bin ich mir sicher deren Vorstellungen gehen Richtung Dänemark nicht Richtung Nordkorea.
Daß fast alle Parteien (ungerechtfertigte) Migration begrenzen wollen ... sie zumindest in geordnete Bahnen lenken wollen?
hmm wenn ich darüber nachdenke, da Einwanderung übers Asylrecht auch bei nicht Asylberechtigten die Regel ist, von der Drittstaaten Regelung des Grundgesetzes Mal ganz abgesehen, würde ich das bestreiten. Ich habe nicht das Gefühl das da in geordnete Bahnen gelenkt wird

À propos:
    Du solltest nicht versuchen, aus oder in meinen Aussagen das Gegenteil vermuten, als das was ich ausgesagt habe!
jetzt verwirrt du mich, habe ich was falsch interpretiert?
Ich bin linksliberal, ich habe mich testen lassen.
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Re: Konservative und soziale Politik unvereinbar?

Beitragvon Neandertaler » So 19. Aug 2018, 08:34

H2O hat geschrieben:(19 Aug 2018, 08:42)

Die Demokratie hat letztendlich auch dafür gesorgt, daß das "Rundum-sorglos-Paket" Schwedens aufgeschnürt und neu gepackt wurde. Die Schweden fanden ihre Vereinnahmung durch den Staat und ihre Steuerbelastung zu hoch. Leistungsträger verließen das Land: Kulturschaffende, Regisseure, Schauspieler. Weil sie so bekannt waren / sind wurde darüber berichtet.


Schweden ist aber nicht zusammengebrochen sondern hat Jahrzehnte gut funktioniert und dann ein paar Korrekturen vorgenommen. Ein normaler Vorgang in einer Demokratie das es mal ewas in die eine mal etwas in die andere Richtung geht.

Und klar sind die Skandinavier Hochsteuer Länder trotzdem zahlen sie zu denn beliebtesten Auswanderungsländern der deutschen.

Dänemark ist ein vergleichsweise kleines Land; ich würde das Land nicht vergleichen mit großen Staaten wie Italien, Frankreich, Großbritannien, Deutschland oder Polen. Da ist der gesellschaftliche Zusammenhalt weitaus stärker als in unseren volkreichen und stark durchmischten Staaten; ich vermute, daß dann auch eine staatliche Einengung leichter zu ertragen ist. Das gilt ja nicht nur für die Krankenversicherung.
wenn wirklich alles was in anderen Ländern besser ist, wie zum Beispiel auch die Demokratie in der Schweiz, nur deshalb funktionieren soll, weil dieser Länder kleiner sind, so sollten wir Deutschland dringend in kleinere Staaten aufteilen, hatten wir ja schonmal.
Ich bin linksliberal, ich habe mich testen lassen.
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Re: Konservative und soziale Politik unvereinbar?

Beitragvon Der Neandertaler » So 19. Aug 2018, 09:29

Hallo Namensvetter.
    (und da sage noch einer, die Neanderthaler seien ausgestorben ... tz, tz, tz ...)
Neandertaler hat geschrieben:Daß die AfD die Grenzen komplett schließen will ohne ein Experte dafür zu sein bin ich mir sicher deren Vorstellungen gehen Richtung Dänemark nicht Richtung Nordkorea.
Ich bin immer der Meinung, man sollte den Leuten zumindest zuhören. Damit man mit ihnen und nicht nur über sie reden kann. So habe ich auch ein Interview mit stellvertretenden Fraktionschefin der AfD Beatrix von Storch mitbekommen - ich habe es mir angetan, ihr zuzuhören. Ihre Spruchkarte:
    "Wir können nicht weiter das Sozialamt der Welt sein."
Dem könnte ich ja noch zustimmen - dies könnte ja wohl jeder. Aber wenn sie äußert:
    "Entweder hat ein Land einen Sozialstaat oder offene Grenzen. Beides gleichzeitig funktioniert nicht. Offene Grenzen sind mit unserer sozialen Ordnung nicht vereinbar."
2016 hatte sie noch geäußert:
    "Wer das HALT an unserer Grenze nicht akzeptiert, der ist ein Angreifer. Und gegen Angriffe müssen wir uns verteidigen. Die Menschen sind in Österreich in Sicherheit. Es gibt keinen Grund, mit Gewalt unsere Grenze zu überqueren."
Zuvor sagte 2015 der ehemalige Fraktionsvorsitzender der NRW-AfD gegenüber der Deutschen Presse-Agentur:
    "Die Verteidigung der deutschen Grenze mit Waffengewalt als Ultima Ratio ist eine Selbstverständlichkeit."
Der damalige stellvertretende Parteivorsitzende Alexander Gauland teilte diese Auffassung, indem er wenige Tage später der Zeitung "Handelsblatt" sagte: "ich sehe das genauso."

Also, wenn das nicht nach Grenzschließung ächzst ... ich-weiß-nicht?

Daß sie nun anders reden, ... klar, sie sitzen ja nun auch im Bundestag - sie sind also noch mehr unter (öffentlicher) Beobachtung. So könnte sich der Spitzenkandidat Alexander Gauland nun unter bestimmten Bedingungen ein Einwanderungsgesetz für qualifizierte Fachkräfte vorstellen:
    "Ein vernünftiges Einwanderungsgesetz heißt, daß man Menschen, die in Deutschland gebraucht werden, die auch auf dem Arbeitsmarkt eine Chance haben, daß man denen dann auch eine solche Chance gibt."
In dem anderen Punkt gebe ich Dir Recht:
    Einwanderung, auch wenn sie nur zum Arbeiten sein soll - also: die sogenannten Wirtschaftsflüchtlinge, ... dies geht zur Zeit alles nur über den Asylantrag - wird er abgelehnt, liegt uns dieser Probant erst recht "auf der Tasche".
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Re: Konservative und soziale Politik unvereinbar?

Beitragvon H2O » So 19. Aug 2018, 10:10

Neandertaler hat geschrieben:(19 Aug 2018, 09:34)

Schweden ist aber nicht zusammengebrochen sondern hat Jahrzehnte gut funktioniert und dann ein paar Korrekturen vorgenommen. Ein normaler Vorgang in einer Demokratie das es mal ewas in die eine mal etwas in die andere Richtung geht.

Und klar sind die Skandinavier Hochsteuer Länder trotzdem zahlen sie zu denn beliebtesten Auswanderungsländern der deutschen.

Da wäre ich schon etwas neugierig, wie viele junge Schweden sich im Gegenzug in unseren Großstädten der ausgeflippteren Art niedergelassen haben! Etwa Berlin, Köln oder München.
Mein Gefühl sagt mir, daß auch in Schweden der innere Zusammenhalt dieser Gesellschaft eine große Anziehungskraft ausübt. Mein Fall wäre dieses etwas behäbige Land wohl nicht, aber was ich auf Dienstreisen gesehen habe, das hat mir landschaftlich sehr gut gefallen. Mein Sohn klagte jüngst über nahezu unerschwingliche Preise in schwedischen Gaststätten.

wenn wirklich alles was in anderen Ländern besser ist, wie zum Beispiel auch die Demokratie in der Schweiz, nur deshalb funktionieren soll, weil dieser Länder kleiner sind, so sollten wir Deutschland dringend in kleinere Staaten aufteilen, hatten wir ja schonmal.

Aus meiner Sicht ist in kleineren Ländern nicht "alles" besser; wohl aber vieles anders. Mein Bestreben ist eher eine europäische Föderation, in der sich Lebensverhältnisse auf hohem Stand angleichen. Um diesen Stand werden wir in Europa hart ringen müssen.
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Re: Konservative und soziale Politik unvereinbar?

Beitragvon Boracay » So 19. Aug 2018, 10:44

Neandertaler hat geschrieben:Schweden ist aber nicht zusammengebrochen sondern hat Jahrzehnte gut funktioniert und dann ein paar Korrekturen vorgenommen. Ein normaler Vorgang in einer Demokratie das es mal ewas in die eine mal etwas in die andere Richtung geht.

Und klar sind die Skandinavier Hochsteuer Länder trotzdem zahlen sie zu denn beliebtesten Auswanderungsländern der deutschen.


Dann nehmen wir doch mal das Achso soziale Dänemark:

- Kündigungsschutz: gibt es nicht, 1/3-1/4 der Dänen verliert jedes Jahr ihren Job.
- Lohnfortzahlung im Krankheitsfall: Gibt es nur zwei Woche und nur bis zu einer lachhaften Obergrenze
- ALG1: Höhe sehr beschränkt
- Sanktionen: sehr viel heftiger als bei Hartz4
-Flüchtlinge: keine offenen Grenzen

Und das ist das soziale Paradies?
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Re: Konservative und soziale Politik unvereinbar?

Beitragvon H2O » So 19. Aug 2018, 13:56

Boracay hat geschrieben:(19 Aug 2018, 11:44)

Dann nehmen wir doch mal das Achso soziale Dänemark:

- Kündigungsschutz: gibt es nicht, 1/3-1/4 der Dänen verliert jedes Jahr ihren Job.
- Lohnfortzahlung im Krankheitsfall: Gibt es nur zwei Woche und nur bis zu einer lachhaften Obergrenze
- ALG1: Höhe sehr beschränkt
- Sanktionen: sehr viel heftiger als bei Hartz4
-Flüchtlinge: keine offenen Grenzen

Und das ist das soziale Paradies?


Diese Verhältnisse können aus Ihrer Sicht die wesentlichen Randbedingungen für das Leben in Dänemark sein. Die Dänen fühlen sich darin aber sehr wohl. Wiederholt wurden Dänen als das glücklichste Volk der Welt ermittelt. Das kann dann doch kein Zufall sein.
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Re: Konservative und soziale Politik unvereinbar?

Beitragvon rain353 » So 19. Aug 2018, 14:52

Und was ist mit Nobert Blüm??? Der war auch in der CDU und galt als Herz-Jesu-Marxist.
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Re: Konservative und soziale Politik unvereinbar?

Beitragvon Katenberg » So 19. Aug 2018, 20:30

Wenn ich mir den Anfangstweet schon anschaue, ist ja erstmal die Frage, was soziale Politik überhaupt sein soll. Den Leuten Geldgeschenke auf Kosten Anderer zu machen halte ich nicht gerade für "sozial", zumal auch fraglich bleibt, ob es den angesprochenen wirklich nützt.
Frei nach Ludwig Erhard ist eine freie Wirtschaft automatisch eine soziale, eine freie Gesellschaft vielleicht auch eine soziale(re)?
Will man eine Politik im Sinne der breiten Bevölkerung fahren, wäre es wohl sinnvoller, wenn es leicht ist, zu gründen und aufzubauen, seien es Familie, Gewerbe oder Vermögen. Die sogenannte "Umverteilung" ist genau das Gegenteil, das Fehlanreize setzt, dass die Menschen viel eher am Aufbau, also der Vergrößerung des Kuchens hindert.

Die Gegenposition, sei sie nun konservativ, liberal oder was auch immer, auf die Eigenverantwortung und Selbstorganisation der Menschen zu setzen, sie von staatlicher Seite soweit wie möglich in Ruhe zu lassen, erscheint mir als der sozialere Weg.
There was blood upon t risers
there were brains upon t chute
Intestines were a-dangling from his paratroopers suit
He was a mess, they picked him up
and poured him from his boots
And he ain't gonna jump no more
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Re: Konservative und soziale Politik unvereinbar?

Beitragvon H2O » So 19. Aug 2018, 21:15

Katenberg hat geschrieben:(19 Aug 2018, 21:30)

Wenn ich mir den Anfangstweet schon anschaue, ist ja erstmal die Frage, was soziale Politik überhaupt sein soll. Den Leuten Geldgeschenke auf Kosten Anderer zu machen halte ich nicht gerade für "sozial", zumal auch fraglich bleibt, ob es den angesprochenen wirklich nützt.
Frei nach Ludwig Erhard ist eine freie Wirtschaft automatisch eine soziale, eine freie Gesellschaft vielleicht auch eine soziale(re)?
Will man eine Politik im Sinne der breiten Bevölkerung fahren, wäre es wohl sinnvoller, wenn es leicht ist, zu gründen und aufzubauen, seien es Familie, Gewerbe oder Vermögen. Die sogenannte "Umverteilung" ist genau das Gegenteil, das Fehlanreize setzt, dass die Menschen viel eher am Aufbau, also der Vergrößerung des Kuchens hindert.

Die Gegenposition, sei sie nun konservativ, liberal oder was auch immer, auf die Eigenverantwortung und Selbstorganisation der Menschen zu setzen, sie von staatlicher Seite soweit wie möglich in Ruhe zu lassen, erscheint mir als der sozialere Weg.


Völlige Übereinstimmung in fast allen Punkten. In Sachen "Sozialer Marktwirtschaft" meine ich, daß Marktwirtschaft ohne gesetzliche Begrenzung zu Ergebnissen führt, die keineswegs ein gedeihliches Miteinander ermöglichen. Das wäre ein Haifischbecken, in dem die großen allmählich die Kleinen auffressen. Deshalb hatte Ludwig Erhard auch den Wettbewerb um den zahlenden Kunden oben an gestellt, vor allem aber Werkzeuge, die diesen Wettbewerb am Leben halten... etwa Kartellgesetze. Mitarbeiter in Unternehmen sollten ihre Interessen vertreten können, um am Erfolg der Wirtschaft angemessen teilhaben zu können.

Mit der Globalisierung der Wirtschaft und auch von Unternehmen sind aus meiner Sicht manche der sinnvollen Regeln unwirksam geworden. Regierungen von Staaten können nicht gut in die Wirtschaft anderer Staaten einwirken, um wirtschaftliche Übermacht zu zügeln. Noch fehlt eine Ordnungsmacht, die diesen freien Entfaltungsraum auch wieder mit verbindlichen Regeln führt. Auf dem Gebiet gibt es eher ein Gegeneinander von Staaten als ein Miteinander. "Die Wirtschaft" steht darüber und kann Staaten gegeneinander ausspielen.

Durchaus möglich, daß bestimmte Staaten auch gar keine soziale Marktwirtschaft einführen wollen, weil sie andere gesellschaftliche Vorstellungen haben.

Vermutlich müssen wir als Europäer viele Gedanken darauf verwenden, daß wenigstens in unserem großen Wirtschaftsraum eine soziale Marktwirtschaft entsteht, und sie die Herausforderungen der Globalisierung so gestaltet, das sie nicht schleichend verschwindet.
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Re: Konservative und soziale Politik unvereinbar?

Beitragvon Boracay » Mo 20. Aug 2018, 06:47

H2O hat geschrieben:(19 Aug 2018, 14:56)

Diese Verhältnisse können aus Ihrer Sicht die wesentlichen Randbedingungen für das Leben in Dänemark sein. Die Dänen fühlen sich darin aber sehr wohl. Wiederholt wurden Dänen als das glücklichste Volk der Welt ermittelt. Das kann dann doch kein Zufall sein.


Glück ist ein nicht wirklich greifbares Thema. Vorne liegt im Jahr 2018 Finnland trotz hoher Arbeitslosigkeit, extrem hoher Jugendarbeitslosigkeit, viel Alkoholismus und niedrigen Sozialleistungen.

Wenn du Wohlstand vergleichen willst, dann nimm doch bitte den HDI. Da liegt Deutschland vor Dänemark.

Im übrigen bezweifle ich nicht dass ein heftig kapitalistisches Land wie z.B. die Schweiz mit ihrem amerikanischen Arbeitsrecht einen sehr hohen Wohlstand erreichen kann (und auch eher erreichen wird als soziale Staaten). Glücklich sein offensichtlich auch völlig ohne Kündigungsschutz. So führt eine Kündigung eben nicht zum sozialen Stigma sondern ist völlig normal.
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Re: Konservative und soziale Politik unvereinbar?

Beitragvon H2O » Mo 20. Aug 2018, 07:10

Sicher ist Glück kaum meßtechnisch zu erfassen; dennoch gibt es aber ernsthafte Versuche von Soziologen, anhand vieler kleiner Beiträge zum Glück oder Unglück die Gesellschaft zu finden, in der die Glückspunkte sich häufen.

http://www.tt.com/panorama/gesellschaft ... nschen.csp

Leider kommen diese Wertungen dann doch sehr abstrakt in Rangfolgen an die Öffentlichkeit. Wichtig wäre schon eine Art statistischer Verteilung der Glückspunkte. In der genannten Quelle sind Finnen die glücklichsten Menschen der Welt und ihre Zuwanderer gleich noch die glücklichsten Zuwanderer der Welt.

Da reichen schon vernachlässigbare Unterschiede in der Punktewertung, um sich um einen oder gleich mehrere Ränge zu verbessern oder zu verschlechtern. Der Mangel liegt also in der Darstellung glücklicher Völker in Rangfolgen, die das Ausmaß der Unterschiede nicht verdeutlichen.
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Re: Konservative und soziale Politik unvereinbar?

Beitragvon Betrachter » Mo 20. Aug 2018, 09:04

Was ist "soziale Politik"?

Wer den Sozialstaat beschwört, hat sich längst mit ganz viel Armut abgefunden, die er gar nicht abgeschafft- sonder nur besser betreut sehen will. Diese reaktionäre Haltung ist bei allen bürgerlichen Parteien zu finden- auch bei der LINKEN. Und leider auch bei denen, die arm sind und sich jetzt "einsammeln" lassen, mit „Aufstehen“.
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Re: Konservative und soziale Politik unvereinbar?

Beitragvon imp » Mo 20. Aug 2018, 09:18

Betrachter hat geschrieben:(20 Aug 2018, 10:04)

Was ist "soziale Politik"?

Wer den Sozialstaat beschwört, hat sich längst mit ganz viel Armut abgefunden, die er gar nicht abgeschafft- sonder nur besser betreut sehen will. Diese reaktionäre Haltung ist bei allen bürgerlichen Parteien zu finden- auch bei der LINKEN. Und leider auch bei denen, die arm sind und sich jetzt "einsammeln" lassen, mit „Aufstehen“.

Hallo,

analytisch ist die These von dem Gesellschaftlichen Beobachter nicht ganz verkehrt. Jedoch ist sie wenig gehaltvoll. Alle diese Parteien erzählen seit Jahrzehnten, dass sie auf die Marktwirtschaft schwören. Zu dieser gehört notwendig die Möglichkeit des Scheiterns mit Folgen, wie auch die Möglichkeit des herausragenden Erfolges samt persönlichem Reichtum in Größenordnungen, die man sich kaum noch als Vielfaches des Durchschnittslohnes ausmalen kann. Eine SPD oder Linke müsste ernsthaft mit Freiheit und Marktwirtschaft brechen wollen, um sich gegen dieses Betreuungswesen für eine fest eingeplante Unterschicht zu stellen. Wieviele würden da folgen wollen?
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Re: Konservative und soziale Politik unvereinbar?

Beitragvon Betrachter » Mo 20. Aug 2018, 09:33

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(20 Aug 2018, 10:18)
Eine SPD oder Linke müsste ernsthaft mit Freiheit und Marktwirtschaft brechen wollen, um sich gegen dieses Betreuungswesen für eine fest eingeplante Unterschicht zu stellen. Wieviele würden da folgen wollen?


Mit "Freiheit und Marktwirtschaft brechen" wäre nichts anderes als eine sozialistische Revolution. Richtig, da würden heute nicht viele "folgen"- übrigens müsten die lieben Massen das schon selbst machen. Aber sie sind ja so folgsam...

"Heute über "Revolution" oder gar über ihre Notwendigkeit zu debattieren, hat etwas Gespenstisches an sich. Der Kontrast zwischen einem solchen Anliegen und einer Gesellschaft, in der sich die absolute Mehrheit ihrer Bürger regelmäßig per Wahlstimme zur Herrschaftsform der Demokratie und der von ihr verwalteten kapitalistischen Ökonomie bekennt, könnte nicht größer sein." (F. Huisken)
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Re: Konservative und soziale Politik unvereinbar?

Beitragvon H2O » Mo 20. Aug 2018, 09:44

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(20 Aug 2018, 10:18)

Hallo,

analytisch ist die These von dem Gesellschaftlichen Beobachter nicht ganz verkehrt. Jedoch ist sie wenig gehaltvoll. Alle diese Parteien erzählen seit Jahrzehnten, dass sie auf die Marktwirtschaft schwören. Zu dieser gehört notwendig die Möglichkeit des Scheiterns mit Folgen, wie auch die Möglichkeit des herausragenden Erfolges samt persönlichem Reichtum in Größenordnungen, die man sich kaum noch als Vielfaches des Durchschnittslohnes ausmalen kann. Eine SPD oder Linke müsste ernsthaft mit Freiheit und Marktwirtschaft brechen wollen, um sich gegen dieses Betreuungswesen für eine fest eingeplante Unterschicht zu stellen. Wieviele würden da folgen wollen?


Dieser Überlegung kann ich folgen! Ich versuche ein Beispiel aus einer ganz anderen Welt, nämlich dem sportlichen Wettkampf. Da gibt es -zig Veranstaltungen mit Gold, Silber, Bronze und Preisgeldern. Und es gibt Siegertypen, die immer wieder auf dem Treppchen landen und Preisgeld kassieren. Andere gehen ständig leer aus, sind aber für die Wettbewerbe wertvoll, weil sie die Spitzenleister zu immer mehr Leistung zwingen. Da wäre es doch im Sinne der Wettkämpfe klug, diesen "ewigen Verlieren" ebenfalls Preisgelder für die folgenden Plätze zu bezahlen, damit sie weiter machen und sich auch als "ewige Verlierer" weiterhin anstrengen.

Unser Wirtschaftsleben ist natürlich deutlich verzwickter. In Wirtschaftsbetrieben werden nicht sämtliche im Lande verfügbaren Kräfte gebraucht. Aber für die Gesamtgesellschaft ist es sinnvoll, die nicht eingesetzten Kräfte aus öffentlichen Kassen leistungsfähig zu halten, damit sie bei Notwendigkeit und Bedarf als notwendige Mitarbeiter in Betrieben eingesetzt werden können. Leider liegen im Wirtschaftsleben die Dinge nicht so einfach wie im Sport mit der Hoffnung auf Sieg und Platz... aber so ungefähr. Ohne Leistung ist weder hier noch dort ein Blumentopf zu gewinnen.
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Re: Konservative und soziale Politik unvereinbar?

Beitragvon imp » Mo 20. Aug 2018, 09:47

Betrachter hat geschrieben:(20 Aug 2018, 10:33)

Mit "Freiheit und Marktwirtschaft brechen" wäre nichts anderes als eine sozialistische Revolution. Richtig, da würden heute nicht viele "folgen"- übrigens müsten die lieben Massen das schon selbst machen. Aber sie sind ja so folgsam...

Wie folgsam die sind, wenn sie zwischen Kindergeld und Kommunismus wählen sollen, das kann man sich leicht ausrechnen. Ein "Bewegung" könnte allenfalls anführen im Sinne von Popularisierung von Zusammenhängen und Erkenntnissen, Popularisierung eines mutigen Standpunktes gegenüber all den Notwendigkeiten, denen man doch nicht so leicht auskommt. Aus der Sicht eines Wahlwerbers ist das alles anstrengender Klimbim, Zusatzarbeit, die noch dazu bestimmte Milieus verschreckt und kurzfristig zu nichts konkretem führt. Da ist bei Wagenknecht nichts zu holen, bei Kippings "Utopien schaffen" und "weiterdenken, hinterfragen" erst recht nichts.


"Heute über "Revolution" oder gar über ihre Notwendigkeit zu debattieren, hat etwas Gespenstisches an sich. Der Kontrast zwischen einem solchen Anliegen und einer Gesellschaft, in der sich die absolute Mehrheit ihrer Bürger regelmäßig per Wahlstimme zur Herrschaftsform der Demokratie und der von ihr verwalteten kapitalistischen Ökonomie bekennt, könnte nicht größer sein." (F. Huisken)


Auch diese Erkenntnis ist älter als "Die Linke". Das Dilemma des Reformismus und seiner populistisch-innerparteilichen Kritikasterei von links ist doch ein alter Hut.
"Im Übrigen fängt Kritik nicht damit an, daß sie an sich die kri­tische Frage stellt, ob sie weitergeht, praktisch und konstruktiv ist. Sie beginnt damit, daß man sich Rechenschaft ablegt darüber, woher all das kommt, was man als Belästigung und Schaden wahr­nimmt. Wer auf das bißchen Ursachenforschung verzichtet, vertut sich womöglich im Engagement, sucht sich Ort, Zeit und Adressat wie Gegner seiner Bemühungen verkehrt aus. Dann vergeht seine Ju­gend, und er war in Gorleben zelten, hat seine Zeit im Frauenbuchladen verplempert und Grüne gewählt, während die Klassengesellschaft funktioniert, daß es kracht."
(Die Klassen (II), MSZ - Gegen die Kosten der Freiheit - Dem Satzbau nach vermutlich Theo Wentzke oder Karl Held)

Besser, das zu lassen. Aber 10 Euro sind eben 10 Euro.
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Re: Konservative und soziale Politik unvereinbar?

Beitragvon Betrachter » Mo 20. Aug 2018, 09:55

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(20 Aug 2018, 10:47)

Wie folgsam die sind, wenn sie zwischen Kindergeld und Kommunismus wählen sollen, das kann man sich leicht ausrechnen. Ein "Bewegung" könnte allenfalls anführen im Sinne von Popularisierung von Zusammenhängen und Erkenntnissen, Popularisierung eines mutigen Standpunktes gegenüber all den Notwendigkeiten, denen man doch nicht so leicht auskommt. Aus der Sicht eines Wahlwerbers ist das alles anstrengender Klimbim, Zusatzarbeit, die noch dazu bestimmte Milieus verschreckt und kurzfristig zu nichts konkretem führt. Da ist bei Wagenknecht nichts zu holen, bei Kippings "Utopien schaffen" und "weiterdenken, hinterfragen" erst recht nichts.




Auch diese Erkenntnis ist älter als "Die Linke". Das Dilemma des Reformismus und seiner populistisch-innerparteilichen Kritikasterei von links ist doch ein alter Hut.

Besser, das zu lassen. Aber 10 Euro sind eben 10 Euro.


Ja, richtig. Politik ist keine Wissenschaft. In der Wissenschaft findest du allerdings Erkenntnisse, die wahr sind. Egal, wie alt sie sind.
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Re: Konservative und soziale Politik unvereinbar?

Beitragvon H2O » Mo 20. Aug 2018, 10:09

Betrachter hat geschrieben:(20 Aug 2018, 10:55)

Ja, richtig. Politik ist keine Wissenschaft. In der Wissenschaft findest du allerdings Erkenntnisse, die wahr sind. Egal, wie alt sie sind.


Gelegentlich werden auch in der Wissenschaft, sogar in den Naturwissenschaften,
Erkenntnisse/Gesetzmäßigkeiten nur noch in Teilbereichen sinnvoll anwendbar, und wenn man weiter in den Nebel vordringt, dann sind sie nicht mehr brauchbar. Und so manches hochkomplizierte Verfahren verschwindet völlig, obwohl sich tausende von Wissenschaftlern damit und mit Verbesserungen daran befaßt hatten.

In der Naturwissenschaft haben wir die Forderung, daß eine Erkenntnis unter kontrollierten Versuchsbedingungen wieder und wieder zum bekannten Ergebnis führt. Das gibt es auf meinem Kenntnisstand in den Geisteswissenschaften so leider nicht.
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Re: Konservative und soziale Politik unvereinbar?

Beitragvon imp » Mo 20. Aug 2018, 10:18

Betrachter hat geschrieben:(20 Aug 2018, 10:55)

Ja, richtig. Politik ist keine Wissenschaft. In der Wissenschaft findest du allerdings Erkenntnisse, die wahr sind. Egal, wie alt sie sind.

Ja, Erkenntnisse sind, solange der Gegenstand sich nicht ändert, dauerhaft (oder falsch). Unter der Überschrift "konservative und soziale Politik unvereinbar" findet aber nicht das Durchschauen der gesellschaftlichen Konflikte in diesem Sinne statt. Eine soziale Politik im Sinne einer echten Abschaffung der Zustände, die diese ergänzenden Sozialsysteme sinnvoll erscheinen lassen, scheitert schon an Worten. Nicht wenige würden schon darüber diskutieren, ob ein Leben in ALG II überhaupt eine Armut ist.
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