"Seenotrettung" von Flüchtlingen

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watisdatdenn?
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Re: Seenotrettung von Flüchtlingen

Beitragvon watisdatdenn? » Do 6. Apr 2017, 10:17

Unité 1 hat geschrieben:(06 Apr 2017, 11:10)
Die Kriminalisierung von Seenotrettern und damit das Inkaufnehmen des hundert-, des tausendfachen Ertrinkungstodes.

Umgedreht! Das Beispiel Australien hat klar gezeigt, dass eine konsequente Rückführung zu NULL Toten führt.
Wie kommen sie also zu der, sagen wir Mal "gewagten" Annahme, dass es hier anders laufen würde als in Australien?
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H2O
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Re: Seenotrettung von Flüchtlingen

Beitragvon H2O » Do 6. Apr 2017, 10:22

watisdatdenn? hat geschrieben:(06 Apr 2017, 10:51)

Sind die Begleiterscheinungen der europäischen Lösung etwa besser:
Ertrunkene Afrikaner und eine unkontrollierte Zuwanderung?

Was genau ist denn für sie an der australischen Lösung nicht hinnehmbar?


Ohje, ist Ihnen wirklich entgangen, daß Australien aufgegriffene Boote mitsamt Insassen auf eine öde Insel (Nauru) schleppt und sie dort praktisch in Lagerhaft verdämmern? Mag sein, daß Herkunftsländer die Rücknahme verweigern. Etwa Burma/Mianmar seine aus Bangladesch zugewanderten Moslems... aber ich wiederhole: Mir ist die Großwetterlage in der Region nicht so gut bekannt, daß ich Australien dafür verurteilen könnte.
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Re: Seenotrettung von Flüchtlingen

Beitragvon watisdatdenn? » Do 6. Apr 2017, 10:34

H2O hat geschrieben:(06 Apr 2017, 11:22)
Ohje, ist Ihnen wirklich entgangen, daß Australien aufgegriffene Boote mitsamt Insassen auf eine öde Insel (Nauru) schleppt und sie dort praktisch in Lagerhaft verdämmern?

OK das ist schlimm. Wo sind die muslimischen Länder, die sich anbieten die 4000 (überwiegend muslimische) Flüchtlinge aufzunehmen? Ist wohl eine naive Frage..

Letztendlich führt das aber dazu, dass keine Menschen vor Australien ertrinken. Australien nutzt die Bilder wohl gezielt zur Abschreckung, was wohl sehr effektiv funktioniert. Die 4000 Flüchtlinge sind da die gearschten.. sie wurden aber auch gewarnt und hätten auch z.b. nach Pakistan fliehen können.
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Re: Seenotrettung von Flüchtlingen

Beitragvon schokoschendrezki » Do 6. Apr 2017, 10:40

watisdatdenn? hat geschrieben:(06 Apr 2017, 11:02)

Wäre überhaupt kein Problem wenn sich die Zuwanderung auf Berlin beschränken würde.
Aber es betrifft nun Mal auch massiv Bayern und hier haben viele den Willen, dass Bayern auch als solches erkennbar bleibt und kein Interesse die kurzsichtige Berliner Politik mitzutragen.
BERlin ist eine multikulturelle Versagerstadt, die sich auf Kosten des restlichen (vor allem südlichen) Deutschlands durchfüttern lässt.
Berliner haben damit natürlich kein Problem. Dit is Berlin, wa?
Da wird auch gerne mal einer Joggerin mit einem Stein die Fresse eingeschlagen.

Ich werd mich jetzt ganz sicher nicht auf irgendein Regional-Disput einlassen. Ich habe zu Berlin und Umgebung ebensowenig eine identitäre und unkritische Beziehung wie zu sonst irgendeiner Region. Ich weiß nur einfach, wovon ich spreche, wenn es um Flüchtlinge und Zuwanderer geht.
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Re: Seenotrettung von Flüchtlingen

Beitragvon Unité 1 » Do 6. Apr 2017, 11:06

watisdatdenn? hat geschrieben:(06 Apr 2017, 11:17)

Umgedreht! Das Beispiel Australien hat klar gezeigt, dass eine konsequente Rückführung zu NULL Toten führt.

Ist es also ein für Europa gutes Modell? Die Antwortet lautet eindeutig: Nein.

Die australische Regierung behauptet nämlich, dass ihre Politik dazu geführt habe, dass keine Flüchtlinge mehr ertrinken – doch diese Behauptung lässt sich nur schwer überprüfen. Alle Operationen der australischen Marine unterliegen strengster Geheimhaltung, die eines autoritären Staates würdig sind. Trotzdem dringen manchmal schreckliche Nachrichten an die Öffentlichkeit. Ein ehemaliger Marinesoldat berichtete zum Beispiel von Dutzenden Toten, die er gesehen habe und von der schrecklichen Aufgabe, die aufgedunsenen Leichen fortzuschaffen.

http://blog.zeit.de/ladurnerulrich/2015 ... er-europa/

Und die Geheimhaltung und Nichtüberprüfbarkeit betrifft beileibe nicht nur die Geschehnisse auf hoher See, sondern auch den Rest der Flüchtlings"politik" Australiens. Der Mantel des Schweigens ist darüber ausgebreitet, wer über die Zustände in den australischen Flüchtlingslagern redet, dem kann Gefängnis drohen.
Jedenfalls hat Australien radikale "Antworten" auf die "Flüchtlingskrise" gefunden.
Australiens Flüchtlingspolitik
Aus der Hölle in die Hölle
...
Das Land hat die so genannte "pazifische Lösung" für Flüchtlinge gefunden, die übers Meer kommen: Boote weit draußen in den australischen Hoheitsgewässern abfangen, Flüchtlinge mit Wasser, Nahrung und Schwimmwesten versorgen, Boote umdrehen und zurückschicken. Wenn das nicht klappt, weil die Flüchtlinge schon auf australischem Insel-Territorium gelandet sind, in Auffanglager verfrachten.
...
Alanna Maycock ist Kinderkrankenschwester, ihr Spezialgebiet ist Tuberkulose. Sie arbeitet in Sydney in einem Krankenhaus, einmal pro Woche behandelt sie in einer Art offenen Klinik Flüchtlinge. Die Presse ist nicht zugelassen bei diesen Behandlungen. Deshalb dürfte Alanna Maycock auch nicht über ihre Erfahrungen sprechen.

"Wir wissen, dass Nauru ein gefährlicher Ort für Flüchtlinge ist: Frauen werden vergewaltigt, Kinder missbraucht, von den Wachleuten und anderen Flüchtlingen, das hat der unabhängige Moss-Review bestätigt. Alle zwei Wochen gibt es einen neuen Fall. Auf Nauru herrscht Gesetzlosigkeit; man kann es beinahe mit Händen greifen kann, dieses dunkle, kalte Gefühl der Gesetzlosigkeit."
...
"Es gibt keine Türen an den Duschen, die Frauen mussten sich und ihre Kinder direkt vor den männlichen Wachleuten waschen. Die Duschzeit ist begrenzt, aber Frauen durften länger duschen, wenn sie sich den Wachleuten nackt präsentierten."
Verlust der Identität

Als sie ein Kind behandelte und dessen Vater rufen ließ, rief die Wärterin nur eine Nummer. Auf Alanna Maycocks Frage, warum sie nicht den Namen nenne, antwortete die Wärterin nur: Sie hätten zu viele Mohammeds hier. Das sei so weit gegangen, empört sich Maycock, dass auch Kinder sich automatisch nur noch mit ihren Nummern vorgestellt hätten

http://www.deutschlandradiokultur.de/au ... _id=358715

Sehr human, diese entmenschlichende australische Politik.

Funfact: Um "no boats" durchzusetzen, hat die australische Regierung keine Skrupel, jene Schlepper für ihre Dienste zu bezahlen, die eigentlich Flüchtlinge nach Australien bringen sollen.
Vor Krieg und Terror nach Australien zu fliehen ist nicht nur lebensgefährlich, sondern auch sinnlos: Australien hat seine Schotten dicht gemacht. „Wir feiern ein Jahr ohne eine einzige erfolgreiche Menschenschmuggler-Aktion, ein bedeutender Erfolg“, frohlockte Einwanderungsminister Peter Dutton gerade Anfang August. Dafür hat die konservative Regierung aber zum Entsetzen von Menschenrechtlern offenbar einen Pakt mit den von ihr verteufelten Schleppern in Kauf genommen.

Im Juni berichteten Schlepper in Indonesien, australische Beamte hätten ihnen Tausende Dollar in die Hand gedrückt, damit sie ihre voll besetzten Flüchtlingsboote zurück nach Indonesien steuern.

http://www.taz.de/!5223092/
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Re: Seenotrettung von Flüchtlingen

Beitragvon watisdatdenn? » Do 6. Apr 2017, 12:08

Unité 1 hat geschrieben:(06 Apr 2017, 12:06)
Der Mantel des Schweigens ist darüber ausgebreitet, wer über die Zustände in den australischen Flüchtlingslagern redet, dem kann Gefängnis drohen.

quellen über Verurteilungen bitte..
und zahlen über die ertrunkenen bei Australien im Jahr 2016
bei uns wird man verurteilt, wenn man die flüchtlingspolitik kritisiert:
https://www.merkur.de/lokales/dachau/vi ... 48310.html

meinungsfreiheit hat momentan anscheinend keine hochzeit.. findet herr Maas auch recht geil.
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Re: Seenotrettung von Flüchtlingen

Beitragvon Unité 1 » Do 6. Apr 2017, 12:20

watisdatdenn? hat geschrieben:(06 Apr 2017, 13:08)

quellen über Verurteilungen bitte..

Lies die Links. Aus dem zweiten:
Im Juli 2015 erließ die australische Regierung den Border Force Act, ein Gesetz, mit dem alle strafrechtlich verfolgt werden können, die berichten, was in den Auffanglagern geschieht. Bei Zuwiderhandlung drohen bis zu zwei Jahre Gefängnis.
Verurteilungen musst du dir selbst raussuchen, die sind mMn sekundär. Alleine die Strafbewehrtheit, die Drohung der Repression erfüllt ihren Zweck. Angst verbreiten. Eben so, wie in den australischen Lagern.

Das ist halt das autralische Modell. Entrechtung, Entmenschlichung, Misshandlungen - alles "to stop the boats". Inklusive der Zusammenarbeit mit Schleppern, inklusive von Toden durch Ertrinken.

Ich würde dich übrigens bitten, von Ablenkungen abzusehen. Wie bewertest du das autralische Modell nach den von mir eingestellten Links oder von dir selbst gesuchten weiterführenden Informationen?

und zahlen über die ertrunkenen bei Australien im Jahr 2016

Hapert es an der Lese- oder an der Verständnisfähigkeit? Was auf hoher See geschieht, erfährt niemand. Es wird geheim gehalten.
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Re: Seenotrettung von Flüchtlingen

Beitragvon watisdatdenn? » Do 6. Apr 2017, 12:26

man muss ja gar nicht so einen radikalen schritt wie Australien gehen (obwohl dieser weg offensichtlich sehr gut funktioniert).
man sollte erst einmal damit anfangen die leute aus dem mittelmeer zurück nach lybien zu bringen. die lybische küstenwache ist hier ja sehr kooperativ!
aber selbst für so einen einfachen und logischen schritt gibt es hier ja keine mehrheit (siehe thread).

die australischen flüchtlinge auf den inseln sollten in muslimische länder gebracht werden. aber bisher hat sich kein muslimisches land dafür interessiert..
Zuletzt geändert von watisdatdenn? am Do 6. Apr 2017, 12:27, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Seenotrettung von Flüchtlingen

Beitragvon Unité 1 » Do 6. Apr 2017, 12:29

watisdatdenn? hat geschrieben:(06 Apr 2017, 13:26)

man muss ja gar nicht so einen radikalen schritt wie Australien gehen (obwohl dieser weg offensichtlich sehr gut funktioniert).

Geht's auch konkreter?
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Re: Seenotrettung von Flüchtlingen

Beitragvon watisdatdenn? » Do 6. Apr 2017, 12:37

Unité 1 hat geschrieben:(06 Apr 2017, 13:29)
Geht's auch konkreter?

Mein Wuschszenario:
In Kooperation mit der Lybischen Küstenwache und der lybischen Regierung werden aus dem Meer "gerettete" zurück nach Libyen gebracht..
Retterschlepper werden nach einem ordentlichen Gerichtsverfahren wegen Beihilfe zu einer Straftat (Schleppen) verurteilt.

Das war es schon. Inseln zu Abschreckung wie in Australien müssen für mich auch nicht sein, wenn es humaner auch geht.
Zuletzt geändert von watisdatdenn? am Do 6. Apr 2017, 12:45, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Seenotrettung von Flüchtlingen

Beitragvon relativ » Do 6. Apr 2017, 12:43

watisdatdenn? hat geschrieben:(06 Apr 2017, 11:17)

Umgedreht! Das Beispiel Australien hat klar gezeigt, dass eine konsequente Rückführung zu NULL Toten führt.
Wie kommen sie also zu der, sagen wir Mal "gewagten" Annahme, dass es hier anders laufen würde als in Australien?

Lese dir das Beispiel Australien mal durch und sage mir was du verbessern könntest/würdest.
http://www.taz.de/!5011150/

Wen n du nix schreibst, weiss ich wenigstens bescheid.

Also ich weiss schon was ich persönlich evtl als temporäre Lösung von Australien übernehmen könnte.
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Re: Seenotrettung von Flüchtlingen

Beitragvon relativ » Do 6. Apr 2017, 12:44

watisdatdenn? hat geschrieben:(06 Apr 2017, 13:08)

quellen über Verurteilungen bitte..
und zahlen über die ertrunkenen bei Australien im Jahr 2016
bei uns wird man verurteilt, wenn man die flüchtlingspolitik kritisiert:
https://www.merkur.de/lokales/dachau/vi ... 48310.html

meinungsfreiheit hat momentan anscheinend keine hochzeit.. findet herr Maas auch recht geil.

Hetze ich für dich also Kritik. Lol, geistig Kind?
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Re: Seenotrettung von Flüchtlingen

Beitragvon relativ » Do 6. Apr 2017, 12:51

watisdatdenn? hat geschrieben:(06 Apr 2017, 13:37)

Mein Wuschszenario:
In Kooperation mit der Lybischen Küstenwache und der lybischen Regierung werden aus dem Meer "gerettete" zurück nach Libyen gebracht..
Was soll Libyen mit den Flüchtlingen machen? Aus dem Auge aus dem Sinn Prinzip?
Retterschlepper werden nach einem ordentlichen Gerichtsverfahren wegen Beihilfe zu einer Straftat (Schleppen) verurteilt.
Evt. geht sogar ne schnellere Lösung. ;)

Das war es schon. Inseln zu Abschreckung wie in Australien müssen für mich auch nicht sein, wenn es humaner auch geht.

Wir habe solche Inseln auch gar nicht, bzw. leben dort Menschen, den können wir wohl schlecht sowas vor die haustür setzen wie es Australien macht und dann noch einigermaßen Geheim halten.

Gebt es doch einfach zu, humaitäre Ideen habt ihr gar nicht und Vorschläge wollt ihr diesbezüglich auch nicht machen.
Die alternative Wahrheit die dann nur noch in Betracht kommt, wagt ihr hier nicht auszusprechen. Am Besten verleugnen und Kopf in den Sand stecken.
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Re: Seenotrettung von Flüchtlingen

Beitragvon schokoschendrezki » Do 6. Apr 2017, 12:53

watisdatdenn? hat geschrieben:(06 Apr 2017, 13:37)

Mein Wuschszenario:
In Kooperation mit der Lybischen Küstenwache und der lybischen Regierung werden aus dem Meer "gerettete" zurück nach Libyen gebracht..

Die lybische "Regierung" in Form von Person al-Sarraj hat (Zitat) "nahezu keinen Einfluss, nicht einmal in der Hauptstadt". Da gibts also nix zu kooperieren.
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Re: Seenotrettung von Flüchtlingen

Beitragvon Unité 1 » Do 6. Apr 2017, 13:02

watisdatdenn? hat geschrieben:(06 Apr 2017, 13:37)

Das war es schon. Inseln zu Abschreckung wie in Australien müssen für mich auch nicht sein, wenn es humaner auch geht.

Ich meinte, was genau ist es, dass deiner Meinung nach sehr gut funktioniert? Und welchen Preis bist du bereit, dafür zu zahlen. Eine humane Flüchtlingsabwehr wird es nicht geben.
Retterschlepper werden nach einem ordentlichen Gerichtsverfahren wegen Beihilfe zu einer Straftat (Schleppen) verurteilt.
Australien arbeitet mit Schleppern zusammen. Würdest du die Fahrtrichtung der Schlepperboote als Kriterium für eine Strafbewehrtheit auswählen?
Und dass die Repression für ein mehr Tote im Mittelmeer sorgt, ist dir bewusst?
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Re: Seenotrettung von Flüchtlingen

Beitragvon relativ » Do 6. Apr 2017, 13:10

Unité 1 hat geschrieben:(06 Apr 2017, 14:02)

Ich meinte, was genau ist es, dass deiner Meinung nach sehr gut funktioniert? Und welchen Preis bist du bereit, dafür zu zahlen. Eine humane Flüchtlingsabwehr wird es nicht geben.
Australien arbeitet mit Schleppern zusammen. Würdest du die Fahrtrichtung der Schlepperboote als Kriterium für eine Strafbewehrtheit auswählen?
Und dass die Repression für ein mehr Tote im Mittelmeer sorgt, ist dir bewusst?

Dazu kommt, daß die Fluchtbewegungen nach Europa ja eine wesentlich größere Dimension hat als die nach Australien.
Wenn Australien die Zurückgeschickten Schiffe wenigsten sicher begleiten würde, aber dies tuen sie ja wohl nicht , weil ihnen wohl sonst zuviel andere Boote durch die Lappen gehen würde. So hört man bisher nix von möglichen Toten (informationssperre) und es wohl eher pures Glück ist/war, daß es die Schiffe, von den man gehört hat, so gerade eben noch zurück schafften haben.
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Re: Seenotrettung von Flüchtlingen

Beitragvon watisdatdenn? » Do 6. Apr 2017, 13:20

Unité 1 hat geschrieben:(06 Apr 2017, 14:02)
Ich meinte, was genau ist es, dass deiner Meinung nach sehr gut funktioniert? Und welchen Preis bist du bereit, dafür zu zahlen. Eine humane Flüchtlingsabwehr wird es nicht geben.

Danke erst mal für deinen vernünftigen Diskussionsstil. Bisher kein Ad Personam oder ähnliches sondern Eingehen auf die Argumente. Das weiß ich zu schätzen.

Ich denke es ist das klare Signal der Grenze (durch plakate und medienkampagnen.. ja und auch das abschreckende Beispiel der Inseln) welches Australien an potentielle Flüchtlinge schickt, welches gut funktioniert. Die Afghanen die nach Australien wollten, werden sich andere (einfachere) Ziele suchen.
Der Preis den ich für eine inhumane Flüchtlingsabwehr bereit bin zu zahlen wird höher, je stärker sich mein persönliches Umfeld zum negativen ändert. Aktuell möchte ich noch keine inhumanen Inseln wie Australien sie hat. Wenn meine Frau oder Kinder aufgrund der Zuwanderung in konkrete Gefahren kommen, wird der Preis aber sehr hoch werden, den ich bereit bin zu zahlen.
Kann man auch als Warnung verstehen. Ich habe auch wie die meisten Menschen Interesse an einer humanen Welt. Wenn meine Familie in Gefahr gerät, schmeiße ich diesen Humanismus aber schnell über Bord.

Unité 1 hat geschrieben:(06 Apr 2017, 14:02)Australien arbeitet mit Schleppern zusammen.

Das will ich nicht. es muss einen anderen Weg geben, als mit Kriminellen und/oder Erdogan zusammenzuarbeiten.

Unité 1 hat geschrieben:(06 Apr 2017, 14:02)Und dass die Repression für ein mehr Tote im Mittelmeer sorgt, ist dir bewusst?

das glaube ich eben nicht! ich denke wenn es sich rumspricht, dass man über das mittelmeer nicht mehr nach europa kommt, werden weniger die reise versuchen und darum logischerweise auch weniger sterben.
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Re: Seenotrettung von Flüchtlingen

Beitragvon relativ » Do 6. Apr 2017, 13:44

watisdatdenn? hat geschrieben:(06 Apr 2017, 14:20)

Danke erst mal für deinen vernünftigen Diskussionsstil. Bisher kein Ad Personam oder ähnliches sondern Eingehen auf die Argumente. Das weiß ich zu schätzen.

Ich denke es ist das klare Signal der Grenze (durch plakate und medienkampagnen.. ja und auch das abschreckende Beispiel der Inseln) welches Australien an potentielle Flüchtlinge schickt, welches gut funktioniert. Die Afghanen die nach Australien wollten, werden sich andere (einfachere) Ziele suchen.
Der Preis den ich für eine inhumane Flüchtlingsabwehr bereit bin zu zahlen wird höher, je stärker sich mein persönliches Umfeld zum negativen ändert. Aktuell möchte ich noch keine inhumanen Inseln wie Australien sie hat. Wenn meine Frau oder Kinder aufgrund der Zuwanderung in konkrete Gefahren kommen, wird der Preis aber sehr hoch werden, den ich bereit bin zu zahlen.
Kann man auch als Warnung verstehen. Ich habe auch wie die meisten Menschen Interesse an einer humanen Welt. Wenn meine Familie in Gefahr gerät, schmeiße ich diesen Humanismus aber schnell über Bord.
Es gibt ja für kaum jemanden hier eine akute Gefahr, die sind alle eher Abstrakt.


Das will ich nicht. es muss einen anderen Weg geben, als mit Kriminellen und/oder Erdogan zusammenzuarbeiten.
Ja bestimmt, aber der wird länger dauern und evtl. etwas mehr von dir selber verlangen, denn bis dieser greifen könnte, muss man wohl oder übel mehr Menschen, mind. temporär aufnehmen.


das glaube ich eben nicht! ich denke wenn es sich rumspricht, dass man über das mittelmeer nicht mehr nach europa kommt, werden weniger die reise versuchen und darum logischerweise auch weniger sterben.

Dann streben die eben woanders hin. Was meinst du denn aus welchem Grund sich so viele Menschen sich auf gefahrvolle Wege machen. Weil sie gerne ihr Heimat, Verwandte und Bekannte/Freunde verlassen? Ne dies tun die wenigsten. Die aller meisten haben gar keine andere Wahl und wenn du ein Schlupfloch schließst, oder es schwerer machst dort hineinzukommen, suchen sie sich ein anderes.
Ein verzweifelter Mensch oder jemand der nix zu verlieren hat ausser sein Leben, wird man diesbezüglich nicht aufhalten und es gibt immer mehr dieser Menschen auf dieser Welt, daß ist nunmal eine Tatsache, der wir uns wohl oder übel stellen muessen.
Zuletzt geändert von relativ am Do 6. Apr 2017, 14:02, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Seenotrettung von Flüchtlingen

Beitragvon JJazzGold » Do 6. Apr 2017, 13:55

watisdatdenn? hat geschrieben:(06 Apr 2017, 11:02)

Wäre überhaupt kein Problem wenn sich die Zuwanderung auf Berlin beschränken würde.
Aber es betrifft nun Mal auch massiv Bayern und hier haben viele den Willen, dass Bayern auch als solches erkennbar bleibt und kein Interesse die kurzsichtige Berliner Politik mitzutragen.
BERlin ist eine multikulturelle Versagerstadt, die sich auf Kosten des restlichen (vor allem südlichen) Deutschlands durchfüttern lässt.
Berliner haben damit natürlich kein Problem. Dit is Berlin, wa?
Da wird auch gerne mal einer Joggerin mit einem Stein die Fresse eingeschlagen.


Wo genau in Bayern sollten diese massiven sozialen Brennpunkte sein, die bezüglich Berlin immer wieder benannt werden?
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Re: Seenotrettung von Flüchtlingen

Beitragvon Unité 1 » Do 6. Apr 2017, 14:51

relativ hat geschrieben:(06 Apr 2017, 14:10)

Dazu kommt, daß die Fluchtbewegungen nach Europa ja eine wesentlich größere Dimension hat als die nach Australien.
Wenn Australien die Zurückgeschickten Schiffe wenigsten sicher begleiten würde, aber dies tuen sie ja wohl nicht , weil ihnen wohl sonst zuviel andere Boote durch die Lappen gehen würde. So hört man bisher nix von möglichen Toten (informationssperre) und es wohl eher pures Glück ist/war, daß es die Schiffe, von den man gehört hat, so gerade eben noch zurück schafften haben.

Manche Schiffe werden wohl auch zurückgeleitet. Aber alleine aufgrund der Größe der See und der gleichgültigen bis feindseligen Behandlung Flüchtender bin ich sehr skeptisch, was die Behauptung, es gäbe keine Ertrinkenden, betrifft. Die Geheimhaltung tut ihr Übriges dazu.

watisdatdenn? hat geschrieben:Der Preis den ich für eine inhumane Flüchtlingsabwehr bereit bin zu zahlen wird höher, je stärker sich mein persönliches Umfeld zum negativen ändert. Aktuell möchte ich noch keine inhumanen Inseln wie Australien sie hat. Wenn meine Frau oder Kinder aufgrund der Zuwanderung in konkrete Gefahren kommen, wird der Preis aber sehr hoch werden, den ich bereit bin zu zahlen.
Kann man auch als Warnung verstehen. Ich habe auch wie die meisten Menschen Interesse an einer humanen Welt. Wenn meine Familie in Gefahr gerät, schmeiße ich diesen Humanismus aber schnell über Bord.
Humanismus ist nur eine leere Hülse ohne Bedeutung, wenn er nicht universell gilt.

Verstehe ich dich richtig, wenn du oder deine Familie schlechte Erfahrungen mit Flüchtlingen machst, dann bist du bereit, die Rechte Unbeteiligter mit Füßen zu treten? Was haben jene, die eine Überfahrt wagen, mit denen zu tun?
das glaube ich eben nicht! ich denke wenn es sich rumspricht, dass man über das mittelmeer nicht mehr nach europa kommt, werden weniger die reise versuchen und darum logischerweise auch weniger sterben.
Man wird immer über das Mittelmeer kommen. Die Vorstellung, das Meer ließe sich abriegeln, ist eine Illusion. Und bereits jetzt ist die Chance darauf, den Tod durch ertrinken zu finden, hoch. Es nehmen trotzdem Menschen das Risiko auf sich. Als Gedankenspiel mal angenommen, du hättest recht, es würden weniger Flüchtlinge aufgrund der Repression versuchen, das Mittelmeer zu überqueren, dann stürben relativ gesehen weit mehr als beim Status Quo. Die Hilfsbereitschaft sinkt mit dem Risiko. Ist doch klar. Es geht ja nicht nur um "professionelle" Seenotretter, sondern um den gesamten Schiffsverkehr. Es geht dann nicht nur um ein persönliches Risiko, sondern auch um ein geschäftliches, sofern es kommerzielle Schifffahrt betrifft.
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