Perfides Spiel mit der Sprache

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Ger9374
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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon Ger9374 » Sa 17. Dez 2016, 22:51

Leitkultur heißt für mich im Alltag alles zu umschreiben was kulturell, sprachlich,zu
mir gehört. Es bestimmt mit mein gesellschaftliches Verhalten, meinen Umgang
im sozialen Umfeld zu bestimmen.
Es zeigt und bestimmt Verhaltensregeln.
Alles nichts negatives, man kann es natürlich
so auslegen das es negativ wird!!
Es sollte gerade Menschen aus anderen Kulturen
hilfreich sein sich besser in ihrem neuen
Umfeld zurecht zu finden. Ist ja ein völlig neuer
Kulturraum.Was kann daran schlecht sein?
:thumbup: Es gibt eine Streitkultur, der Hass gehört ganz gewiss nicht dazu :thumbup: :thumbup: :D

Menschen sind Ausländer irgendwo: :thumbup:
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Selina
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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon Selina » Sa 17. Dez 2016, 23:38

Ger9374 hat geschrieben:(17 Dec 2016, 22:51)

Leitkultur heißt für mich im Alltag alles zu umschreiben was kulturell, sprachlich,zu
mir gehört. Es bestimmt mit mein gesellschaftliches Verhalten, meinen Umgang
im sozialen Umfeld zu bestimmen.
Es zeigt und bestimmt Verhaltensregeln.
Alles nichts negatives, man kann es natürlich
so auslegen das es negativ wird!!
Es sollte gerade Menschen aus anderen Kulturen
hilfreich sein sich besser in ihrem neuen
Umfeld zurecht zu finden. Ist ja ein völlig neuer
Kulturraum.Was kann daran schlecht sein?


Das ist doch alles ok, dafür gibt es aber bereits Begriffe. Das Wort "Leitkultur" braucht man da nicht, weil es anmaßend klingt. "Kultur" reicht. Manches sind auch Traditionen, Sitten und Bräuche. Hinzu kommen Normen, Regeln, Verhaltensweisen, Alltag. Der Begriff "Leitkultur" ist da völlig überflüssig. Sagt aber was über die Schöpfer des Begriffes aus.
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon Billie Holiday » Sa 17. Dez 2016, 23:52

Selina hat geschrieben:(17 Dec 2016, 23:38)

Das ist doch alles ok, dafür gibt es aber bereits Begriffe. Das Wort "Leitkultur" braucht man da nicht, weil es anmaßend klingt. "Kultur" reicht. Manches sind auch Traditionen, Sitten und Bräuche. Hinzu kommen Normen, Regeln, Verhaltensweisen, Alltag. Der Begriff "Leitkultur" ist da völlig überflüssig. Sagt aber was über die Schöpfer des Begriffes aus.


Empfindest du es weltweit als anmaßend, oder nur hier?
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Ger9374
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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon Ger9374 » Sa 17. Dez 2016, 23:56

Selina hat geschrieben:(17 Dec 2016, 23:38)

Das ist doch alles ok, dafür gibt es aber bereits Begriffe. Das Wort "Leitkultur" braucht man da nicht, weil es anmaßend klingt. "Kultur" reicht. Manches sind auch Traditionen, Sitten und Bräuche. Hinzu kommen Normen, Regeln, Verhaltensweisen, Alltag. Der Begriff "Leitkultur" ist da völlig überflüssig. Sagt aber was über die Schöpfer des Begriffes aus.



Du störst dich nur am Begriff, was schwebt dir
alternativ so vor? bestehender Kulturraum?
oder einfach gelebtes Umfeld?

Der Begriff Leitkultur ist mir aber erst seit einiger
Zeit so oft vorgekommen.Kannte ich so nicht!!
:thumbup: Es gibt eine Streitkultur, der Hass gehört ganz gewiss nicht dazu :thumbup: :thumbup: :D

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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon schokoschendrezki » So 18. Dez 2016, 08:49

H2O hat geschrieben:(17 Dec 2016, 21:56)
Mir geht das Eindampfen einer deutschen Gesellschaft auf wenige Sätze unserer Verfassung dann doch zu weit. Niemand hat unsere Verfassung geschrieben, um unsere Gesellschaft von vielen anderen freiheitlichen Gesellschaften zu unterscheiden... eher ist das Gegenteil wahr. Deutschland sollte ein Glied in der westlichen Wertegemeinschaft werden.

Warum ist denn all das "eingedampft", was nicht in Juristensprache explizit formuliert ist? Das was so formuliert werden muss, ist in der Verfassung niedergelegt. Soll ein kreativer Künstler, bevor er etwas neues Kreatives wagt, erstmal im Leitkulturalmanach nachschlagen, was denn so erlaubt oder erwünscht ist und was nicht? Wie ärmlich ist das denn.
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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon Selina » So 18. Dez 2016, 09:50

Billie Holiday hat geschrieben:(17 Dec 2016, 23:52)

Empfindest du es weltweit als anmaßend, oder nur hier?


Ich hab das woanders noch nie gehört, dass es um irgendeine "Leitkultur" gehen müsse. Falls das andere Nationen aber auch von sich sagen sollten, dann empfehle ich zu schauen, welche Kräfte so etwas wollen. Und ja, die Deutschen, die sich selbst schon einmal zur "Herrenrasse" hochstilisiert hatten, müssen mit solchen, anderen Nationen Angst machenden Begriffen echt besonders vorsichtig sein.
Zuletzt geändert von Selina am So 18. Dez 2016, 10:00, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon Selina » So 18. Dez 2016, 09:53

Ger9374 hat geschrieben:(17 Dec 2016, 23:56)

Du störst dich nur am Begriff, was schwebt dir
alternativ so vor?


Nichts. Ganz weglassen den Begriff. Wie gesagt: Alles ist bereits vorhanden in der Sprache. Warum brauchst du dann zusätzlich noch ein Wort wie "Leitkultur"? Was soll es den Menschen sagen?
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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon Billie Holiday » So 18. Dez 2016, 11:31

Selina hat geschrieben:(18 Dec 2016, 09:50)

Ich hab das woanders noch nie gehört, dass es um irgendeine "Leitkultur" gehen müsse. Falls das andere Nationen aber auch von sich sagen sollten, dann empfehle ich zu schauen, welche Kräfte so etwas wollen. Und ja, die Deutschen, die sich selbst schon einmal zur "Herrenrasse" hochstilisiert hatten, müssen mit solchen, anderen Nationen Angst machenden Begriffen echt besonders vorsichtig sein.


Es wäre mir neu, dürfte man in muslimischen Ländern seine Kultur leben und pflegen, wie man will.
Hier ist jeder frei, muß sich nur an die Gesetze halten.
Das ist das, was der eine oder andere meint, wenn er von Leitkultur faselt, vermute ich. GG sollte über allem stehen, religiöse Auswüchse dadrunter.
Ich bin vehement gegen Burka, Nikab, Kinderehen und Zwangsverheiratung, gegen Scharia, Todesstrafe und jeden Einfluss sämtlicher Religionen auf die Politik. Bin also froh, dass es noch Politiker gibt, die NICHT der Meinung sind, der Islam sei hier gleichberechtigt und gehöre in dieses Land. Nö, die hier lebenden Muslime gehören zu D, aber diese mittelalterliche Religion mit Sicherheit nicht, auch wenn gemeingefährliche, naive Menschen diesen Traum hegen.
Ein Blick auf ein muslimisches Land, und man weiß, warum.
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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon Julian » So 18. Dez 2016, 12:39

Selina hat geschrieben:(18 Dec 2016, 09:53)

Nichts. Ganz weglassen den Begriff. Wie gesagt: Alles ist bereits vorhanden in der Sprache. Warum brauchst du dann zusätzlich noch ein Wort wie "Leitkultur"? Was soll es den Menschen sagen?


Es soll ihnen sagen, dass hier die deutsche Kultur dominiert und auch dominieren soll. Und dass, wer hierher einwandert, sich damit anfreunden sollte. Warum sollte er auch sonst nach Deutschland kommen? Dabei bedeutet Leitkultur nicht, dass alles unveränderlich wäre, nicht unterschiedlichste Beiträge willkommen wären, oder dass kein fruchtbarer Austausch zwischen unterschiedlichen Kulturen stattfinden sollte. Es bedeutet aber, dass wir in Deutschland eine bevorzugte Verantwortung für die Bewahrung der eigenen Kultur haben und uns dieser Aufgabe bewusst sind.

Warum ist denn unsere Amtssprache überhaupt Deutsch? Warum gibt es an deutschen Hochschulen einen so starken Fokus auf deutsche Literatur, deutsche Geschichte und deutsche Musik? Warum wird in deutschen Schulen der Fokus ebenfalls auf deutsche Sprache, deutsche Geschichte etc. gelegt? Warum gibt es hier staatlich subventionierte Orchester und Opernhäuser? Warum gibt es eine deutsche Nationalbibliothek, und warum sammelt diese alle Bücher, die weltweit auf Deutsch erscheinen, und alle Bücher, die in Deutschland erscheinen?

Wer jegliche deutsche Identität verneint und nur auf die Verfassung verweist, wird auf diese trivialen Fragen keine Antwort finden.
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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon Selina » So 18. Dez 2016, 12:57

Julian hat geschrieben:(18 Dec 2016, 12:39)

Es soll ihnen sagen, dass hier die deutsche Kultur dominiert und auch dominieren soll. Und dass, wer hierher einwandert, sich damit anfreunden sollte. Warum sollte er auch sonst nach Deutschland kommen? Dabei bedeutet Leitkultur nicht, dass alles unveränderlich wäre, nicht unterschiedlichste Beiträge willkommen wären, oder dass kein fruchtbarer Austausch zwischen unterschiedlichen Kulturen stattfinden sollte. Es bedeutet aber, dass wir in Deutschland eine bevorzugte Verantwortung für die Bewahrung der eigenen Kultur haben und uns dieser Aufgabe bewusst sind.

Warum ist denn unsere Amtssprache überhaupt Deutsch? Warum gibt es an deutschen Hochschulen einen so starken Fokus auf deutsche Literatur, deutsche Geschichte und deutsche Musik? Warum wird in deutschen Schulen der Fokus ebenfalls auf deutsche Sprache, deutsche Geschichte etc. gelegt? Warum gibt es hier staatlich subventionierte Orchester und Opernhäuser? Warum gibt es eine deutsche Nationalbibliothek, und warum sammelt diese alle Bücher, die weltweit auf Deutsch erscheinen, und alle Bücher, die in Deutschland erscheinen?

Wer jegliche deutsche Identität verneint und nur auf die Verfassung verweist, wird auf diese trivialen Fragen keine Antwort finden.


Das ist alles richtig. Dennoch begründet es nicht, warum man einen Begriff wie "Leitkultur" für all das Gesagte einführen sollte. "Kultur" reicht da voll und ganz. Eine "Dominanz", die aus Deutschland kommt, hat noch nie was Gutes gebracht.
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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon Billie Holiday » So 18. Dez 2016, 13:00

Julian hat geschrieben:(18 Dec 2016, 12:39)

Es soll ihnen sagen, dass hier die deutsche Kultur dominiert und auch dominieren soll. Und dass, wer hierher einwandert, sich damit anfreunden sollte. Warum sollte er auch sonst nach Deutschland kommen? Dabei bedeutet Leitkultur nicht, dass alles unveränderlich wäre, nicht unterschiedlichste Beiträge willkommen wären, oder dass kein fruchtbarer Austausch zwischen unterschiedlichen Kulturen stattfinden sollte. Es bedeutet aber, dass wir in Deutschland eine bevorzugte Verantwortung für die Bewahrung der eigenen Kultur haben und uns dieser Aufgabe bewusst sind.

Warum ist denn unsere Amtssprache überhaupt Deutsch? Warum gibt es an deutschen Hochschulen einen so starken Fokus auf deutsche Literatur, deutsche Geschichte und deutsche Musik? Warum wird in deutschen Schulen der Fokus ebenfalls auf deutsche Sprache, deutsche Geschichte etc. gelegt? Warum gibt es hier staatlich subventionierte Orchester und Opernhäuser? Warum gibt es eine deutsche Nationalbibliothek, und warum sammelt diese alle Bücher, die weltweit auf Deutsch erscheinen, und alle Bücher, die in Deutschland erscheinen?

Wer jegliche deutsche Identität verneint und nur auf die Verfassung verweist, wird auf diese trivialen Fragen keine Antwort finden.


So richtig kann ich mit "deutscher Kultur" nichts anfangen, denn schon jedes Bundesland hat seine eigene Kultur, Bräuche, Traditionen.
Unsere "Leitkultur" ist eine Mischung aus vielen friedlichen, freiheitsliebenden Kulturen, auch aus vielen anderen Ländern. :thumbup: :thumbup: Wir leben hier frei und jeder kann nach seiner Facon glücklich werden, solange er die Freiheit der anderen achtet.
Über allem steht unser GG.

Wer jedoch Kulturen etablieren will, die nicht freiheitlich sind, die ihre Kinder und Frauen einschränkt, Sonderrechte für sich beansprucht, die die Scharia dulden will.....soll doch dahin gehen, wo all das zum Alltag gehört.
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon Julian » So 18. Dez 2016, 15:09

Billie Holiday hat geschrieben:(18 Dec 2016, 13:00)

So richtig kann ich mit "deutscher Kultur" nichts anfangen, denn schon jedes Bundesland hat seine eigene Kultur, Bräuche, Traditionen.


Selbstverständlich gibt es große regionale Unterschiede. Deswegen werden Umgebindehäuser eben in der Lausitz gefördert, und an bayrischen Universitäten gibt es Lehrstühle für bayrische Landesgeschichte. Auch finde ich es normal, dass man sich beispielsweise im Südwesten verstärkt nach Frankreich öffnet, und in Schleswig Richtung Dänemark. Es ist auch völlig klar, dass das, was ich mir unter Leitkultur vorstelle, offen ist für alle möglichen Einflüsse, und dass auch andere Kulturen in Deutschland ihren Platz haben.

Ich glaube auch nicht, dass man den Begriff der Leitkultur gesetzlich verankern muss. Letztlich liegt es ohnehin an uns, inwiefern unsere Kultur lebendig und attraktiv bleibt. Manchmal kommen mir Zweifel, wenn ich beispielsweise sehe, wie sehr lokale und regionale Architekturtraditionen mutwillig zerstört werden zugunsten einer austauschbaren Architektursprache, die gleichermaßen für Kapstadt und Hinterzarten gilt.
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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon H2O » So 18. Dez 2016, 21:01

schokoschendrezki hat geschrieben:(18 Dec 2016, 08:49)

Warum ist denn all das "eingedampft", was nicht in Juristensprache explizit formuliert ist? Das was so formuliert werden muss, ist in der Verfassung niedergelegt. Soll ein kreativer Künstler, bevor er etwas neues Kreatives wagt, erstmal im Leitkulturalmanach nachschlagen, was denn so erlaubt oder erwünscht ist und was nicht? Wie ärmlich ist das denn.


Ein kreativer Künstler kann sicher tun, was nicht der Verfassung widerspricht, Mitmenschen aber wachrüttelt; als Einzelperson wird er damit kein heftiges Unwohlsein erregen, allenfalls erwünschte Aufmerksamkeit. Wenn aber 5 Mio versteinerte Künstler sich bewußt aufreizend aufführen, dann gehe ich dahin, wo mir solche Wichtigtuer vom Hof bleiben. Na ja, andere gehen dann eben auf Abwehr. Ein angeborenes Verständnis habe ich dafür... wo die geistige Armut zu Hause sein könnte, darüber kann man stundenlang streiten.
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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon frems » So 18. Dez 2016, 21:15

Selina hat geschrieben:(18 Dec 2016, 12:57)

Das ist alles richtig. Dennoch begründet es nicht, warum man einen Begriff wie "Leitkultur" für all das Gesagte einführen sollte. "Kultur" reicht da voll und ganz. Eine "Dominanz", die aus Deutschland kommt, hat noch nie was Gutes gebracht.

Vielleicht bräuchte man weniger Dominanz. Die kulturelle Verunsicherung ist ja in so ziemlich jedem westlichen Land (in unterschiedlichem Ausmaße) verbreitet, weil wir global dominierend sind. So jedenfalls eine häufige These, warum der weiße Mann so große Angst vor fremden Einflüssen hat, weil er nicht mehr seine Kultur (er)kennt.
Labskaus!

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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon Selina » So 18. Dez 2016, 22:06

frems hat geschrieben:(18 Dec 2016, 21:15)

Vielleicht bräuchte man weniger Dominanz. Die kulturelle Verunsicherung ist ja in so ziemlich jedem westlichen Land (in unterschiedlichem Ausmaße) verbreitet, weil wir global dominierend sind. So jedenfalls eine häufige These, warum der weiße Mann so große Angst vor fremden Einflüssen hat, weil er nicht mehr seine Kultur (er)kennt.


Weniger Dominanz ist in jedem Falle gut. Augenhöhe, Gleichberechtigung, Respekt vor anderen Kulturen sind da immer die besseren Ratgeber, denke ich. Aber wem sage ich das ;)
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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon Zunder » So 18. Dez 2016, 23:24

Selina hat geschrieben:(18 Dec 2016, 22:06)

Weniger Dominanz ist in jedem Falle gut. Augenhöhe, Gleichberechtigung, Respekt vor anderen Kulturen sind da immer die besseren Ratgeber, denke ich. Aber wem sage ich das ;)

Wenn du glaubst, daß die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, in der sich die Kultur der Aufklärung manifestiert, sich auf Augenhöhe mit der Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam befindet, hast du offensichtlich nicht verstanden, daß die Grundrechte nicht allgemeingültig sein und gleichzeitig unter dem Vorbehalt der Scharia stehen können.
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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon ThorsHamar » So 18. Dez 2016, 23:41

Selina hat geschrieben:(18 Dec 2016, 22:06)

Weniger Dominanz ist in jedem Falle gut. Augenhöhe, Gleichberechtigung, Respekt vor anderen Kulturen sind da immer die besseren Ratgeber, denke ich. Aber wem sage ich das ;)


Diese idealistischen Phantasien und halbgaren, nie zu Ende gedachten Phrasen sind unter Umständen tödlich.

"Augenhöhe, Gleichberechtigung, Respekt vor anderen Kulturen" .... ein schönes Beispiel mit perfidem Spiel mit Sprache.

Hast Du Respekt vor der "Kultur" von Islamisten, Nationalsozialisten, roten Diktaturen? Räumst Du diesen Kulturen tatsächlich Gleichberechtigung ein??
Meinst Du, Gleichberechtigung impliziere überhaupt und auch nur entfernt die Möglichkeit einer Einbahnstrasse?

Für Deinen idealistischen Spruch braucht es einen kulturellen Konsens ALLER Beteiligten!! Und den gibt es definitiv nicht ...

Welche Augenhöhe ist denn gemeint, wenn Du das praktische Zusammenleben mit einer Steinzeitkultur am Amazonas oder in Afrika meinst?
Du müsstest Dich hinknien .....
"Wenn du wissen willst, wer dich beherrscht, mußt du nur herausfinden, wen du nicht kritisieren darfst."
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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon Selina » So 18. Dez 2016, 23:47

Die "Augenhöhe" bezog sich lediglich auf das unnötige Wort "Leitkultur". "Leitkultur" will nur leiten, führen, anleiten, Wege weisen. Eine "Kultur" jedoch nimmt auch Fremdes auf in sich. Es geht um Sprache :)
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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon ThorsHamar » Mo 19. Dez 2016, 00:09

Selina hat geschrieben:(18 Dec 2016, 23:47)

Die "Augenhöhe" bezog sich lediglich auf das unnötige Wort "Leitkultur". "Leitkultur" will nur leiten, führen, anleiten, Wege weisen. Eine "Kultur" jedoch nimmt auch Fremdes auf in sich. Es geht um Sprache :)


Die Beschreibung der Begegnung von z.B. Steinzeit und Moderne benutzt selbstredend Sprache.
Wie würdest Du denn das praktische Zusammenleben von zwei Kulturen beschreiben, ohne mit Sprache zu jonglieren?
Problem:
Eine Kultur lebt in der Steinzeit am Rio Xingu, die andere in der Moderne in Europa. Beide begegnen sich.
Wie funktionieren hier "Respekt, Augenhöhe, Gleichberechtigung", wenn man den semantischen Gehalt dieser Termini tatsächlich beachtet?
Meine Antwort: Geht nicht .....
WIR können respektieren, weil wir uns den Respekt leisten können. Der putzige Indio ist ein Objekt für UNSERE Wissenschaft und ist ansonsten für uns völlig ungefährlich.
Wir können Augenhöhe anbieten, müssen aber dabei knien.
Gleichberechtigung müssen wir dann schon einschränken, denn bestimmte Riten sind bei uns, kulturell bedingt, verboten, z.B. Drogenkonsum ohne Beteiligung der Regierung durch Steuereinnahmen.
Und die Indios in ihrer Steinzeit haben praktisch keine Möglichkeit, von sich aus uns zu respektieren, uns eine Augenhöhe anbieten zu können oder gar eine Gleichberechtigung zu fordern.
"Wenn du wissen willst, wer dich beherrscht, mußt du nur herausfinden, wen du nicht kritisieren darfst."
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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon H2O » Mo 19. Dez 2016, 00:31

Selina hat geschrieben:(18 Dec 2016, 23:47)

Die "Augenhöhe" bezog sich lediglich auf das unnötige Wort "Leitkultur". "Leitkultur" will nur leiten, führen, anleiten, Wege weisen. Eine "Kultur" jedoch nimmt auch Fremdes auf in sich. Es geht um Sprache :)


Es liegt doch ganz bei Ihnen, mit welchem Begriff Sie dem schnellen und vielfach abgelehnten Eindringen fremder Gewohnheiten etwas entgegen setzen. Mit Leitkultur kann man sich als Wortakrobat beschäftigen oder aber den Inhalt dessen bewerten, was damit gemeint ist. Denn was damit gemeint ist, das geht aus vielen Beiträgen auch hier sehr klar hervor. Ich halte nichts davon, daß hier längst eingefahrene Gewohnheiten plötzlich "von oben" verändert werden, in Kantinen, Schwimmbädern, Amtsräumen... nicht etwa nur eine Gewohnheit, sondern so viele, daß der eine oder andere in der Mehrheitsgesellschaft auf Ablehnung bis hin zur Tätlichkeit verfällt.

Dann aber mit dem Begriff zu jonglieren anstatt das empfundene Problem an zu gehen... das empfinde ich als hochnäsig. Bitte, welchen Begriff setzen Sie an die Stelle des Begriffs Leitkultur, damit genau das geschieht, was geschehen müßte: Eine klare Begrenzung der importierten Gewohnheiten einer aufdringlichen Minderheit, die aus mir unerfindlichen Gründen einer Mehrheit verordnet werden.

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