Perfides Spiel mit der Sprache

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Nathan
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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon Nathan » Mo 12. Dez 2016, 20:08

think twice hat geschrieben:(12 Dec 2016, 19:51)

Wieso Israelin? Vor kurzem warst du noch ne selbsterklärte Polin. Na egal. Kann man ja mal verwechseln.
Zu nicht-deutschen Themen habe ich mich noch nie in diesem Forum geäußert. Außer dass ich die Wahlentscheidungen der Amis und Türken für klotzhohl halte. Aber ich kann mir lebhaft deine hysterische Reaktion vorstellen, wenn ich z.B. meine Meinung zur israelischen Siedlungspolitik äußern würde. :cool:
Wie dem auch sei: Die Bassams und Elzbietas sollen sich mal schön um ihre eigenen Baustellen kümmern. Und die applaudierenden, österreichischen Josefs auch.

Das würde ich an deiner Stelle mir überlassen. Bei mir ists eh schon wurscht. Mein Ruf ist ruiniert, dahin der schöne Glanz. Die Kollegin Bleibtreu ist Jüdin, da besteht kein Zweifel. Man kann ja durchaus Polin und Jüdin sein, das schließt sich nicht aus. Diskutiere nicht fernschriftlich, im Chat oder sonst irgendwie unpersönlich mit einem Juden über die Siedlungspolitik auf der Westbank. So vorsichtig kannst du dich gar nicht ausdrücken, als dass er dir an die Gurgel fährt. Das funktioniert halbwegs nur in einem persönlichen Gespräch, indem außer dem geschriebenen Wort noch Gestik und Mimik dafür sorgen können, dein ehrliches Bemühen um die Wahrheit glaubwürdig zu transportieren. Ich darf mich rühmen, in versteckte koschere Lokale in München eingeladen zu werden und dort neben sehr gutem Essen auch sehr gute Gespräche zu führen. Aber die Westbank ist auch für den liberalsten israelischen Studenten ein extrem heikles Thema, allzuweitr komme ich da auch nicht. Irgendwann kommt das eine Argument, das weder sprachlich noch inhaltlich irgendwie widerlegbar ist und das bei Kishon wohl auch "Ben Gurion" hieße, nämlich die erklärte und nach wie vor aktuelle arabische Forderung, Israel von der Landkarte zu tilgen. Ich verstehe, dass diese Forderung in den Augen der Israelis so gut wie zu allen Gegenmaßnahmen berechtigt.
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schokoschendrezki
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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon schokoschendrezki » Di 13. Dez 2016, 10:17

Das Problem mit der "Leitkultur" besteht darin, dass sie an sich redundant ist. Die Prinzipien der Leitkultur, also Demokratie, Laizismus, Aufklärung, Menschenrechte und Zivilgesellschaft sind sämtlich im Grundgesetz der Bundesrepublik hinterlegt. Wenn man also eine Leitkultur über die Verfassung hinaus für nötig hält, was sagt man damit eigentlich? Man unterstellt einem Teil der Bevölkerung eine Art zusätzliches Unterweisungsdefizit. Wozu sonst sollte dieser "Leit"-Gedanke über das Grundgesetz hinaus gut sein? Mit dieser (impliziten) Diskriminierung ist "Leitkultur" aber in gewisser Hinsicht selbst grundgesetznonkonform.
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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon think twice » Di 13. Dez 2016, 10:54

schokoschendrezki hat geschrieben:(13 Dec 2016, 10:17)

Die Prinzipien der Leitkultur, also Demokratie, Laizismus, Aufklärung, Menschenrechte und Zivilgesellschaft sind sämtlich im Grundgesetz der Bundesrepublik hinterlegt.

So sehe ich das auch. Es ist reine Wichtigtuerei des Herrn Tibi, die verbindlichen Werte und Normen unserer Verfassung explizit zur "Leitkultur" zu erheben.
Wie kann es sein, dass Europa seine Werte verteidigt, in dem es andere Menschen von seinen Werten ausschließt?
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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon Bleibtreu » Di 13. Dez 2016, 10:58

schokoschendrezki hat geschrieben:(13 Dec 2016, 10:17)

Das Problem mit der "Leitkultur" besteht darin, dass sie an sich redundant ist. Die Prinzipien der Leitkultur, also Demokratie, Laizismus, Aufklärung, Menschenrechte und Zivilgesellschaft sind sämtlich im Grundgesetz der Bundesrepublik hinterlegt. Wenn man also eine Leitkultur über die Verfassung hinaus für nötig hält, was sagt man damit eigentlich? Man unterstellt einem Teil der Bevölkerung eine Art zusätzliches Unterweisungsdefizit. Wozu sonst sollte dieser "Leit"-Gedanke über das Grundgesetz hinaus gut sein? Mit dieser (impliziten) Diskriminierung ist "Leitkultur" aber in gewisser Hinsicht selbst grundgesetznonkonform.

Merkst du den Widerspruch nicht selbst? Es wird nichts über die Verfassung gestellt. Das existiert nur in deiner putzigen Interpretation. Du hast dich in deinem beharrlichen Bedürfnis LeitKultur unbedingt anpissen zu müssen, komplett gedanklich wie auch logisch verrannt. Du kannst beispielsweise nicht die MenschenRechte über die MenschenRechte stellen. Du kannst nichts über etwas stellen, was eben dies beinhaltet - das ist doch bizarr und existiert nur in deiner Vorstellung. Es wird schlicht sprachlich, erklärend, besser begreifbar zusammen gefasst und aufgezählt, was eine moderne LeitKultur ausmacht. Dass worauf die Gesellschaft basiert, was sie ausmacht, was sie zusammenhält, was erhalten bleiben muss und soll. Und dein DiskriminierungsPostulat ist völlig bizarr - das schießt den Vogel ab. Du baust hier einen selbst gebastelten, irrealen PappKameraden auf den anderen, die du dann anschließend selbst umschießt. :D
Zuletzt geändert von Bleibtreu am Di 13. Dez 2016, 11:06, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon think twice » Di 13. Dez 2016, 11:04

Bleibtreu hat geschrieben:(13 Dec 2016, 10:58)

Es wird schlicht sprachlich, erklärend, besser begreifbar zusammen gefasst und aufgezählt, was eine moderne LeitKultur ausmacht. Dass worauf die Gesellschaft basiert, was sie ausmacht, was sie zusammenhält, was erhalten bleiben muss und soll.

Glaubt der Professor, die Deutschen sind ein Volk von Deppen, die nur den Ausdruck "Leitkultur" verstehen?
Wie kann es sein, dass Europa seine Werte verteidigt, in dem es andere Menschen von seinen Werten ausschließt?
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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon Julian » Di 13. Dez 2016, 11:11

schokoschendrezki hat geschrieben:(13 Dec 2016, 10:17)

Das Problem mit der "Leitkultur" besteht darin, dass sie an sich redundant ist. Die Prinzipien der Leitkultur, also Demokratie, Laizismus, Aufklärung, Menschenrechte und Zivilgesellschaft sind sämtlich im Grundgesetz der Bundesrepublik hinterlegt. Wenn man also eine Leitkultur über die Verfassung hinaus für nötig hält, was sagt man damit eigentlich? Man unterstellt einem Teil der Bevölkerung eine Art zusätzliches Unterweisungsdefizit. Wozu sonst sollte dieser "Leit"-Gedanke über das Grundgesetz hinaus gut sein? Mit dieser (impliziten) Diskriminierung ist "Leitkultur" aber in gewisser Hinsicht selbst grundgesetznonkonform.


Das ist ein sehr formaler, in meinen Augen viel zu formaler Blick auf das Problem.

Verfassungen können geändert werden; ihre Interpretation ist zu einem gewissen Grade dem Zeitgeist unterworfen. Wichtiger für eine Gesellschaft sind die Werte, die dahinter stehen. Deswegen wäre ein Export des Grundgesetzes in einen Staat wie Syrien völlig sinnlos, es würde dort nicht funktionieren. Andererseits wird uns das Grundgesetz nicht retten, wenn zu viele Menschen mit völlig anderen Wertvorstellungen (z.B. Höherstellung der Religion über den Staat, Frauenverachtung, Stammesdenken) einwandern.
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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon pikant » Di 13. Dez 2016, 11:19

Julian hat geschrieben:(13 Dec 2016, 11:11)


Verfassungen können geändert werden; ihre Interpretation ist zu einem gewissen Grade dem Zeitgeist unterworfen..


das ist unfug - ich kenne keinen Paragrafen des GG, der mit der Zeit anders interpretiert wurde.

Zeitgeist ist eher das Aendern des GG.
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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon Julian » Di 13. Dez 2016, 11:21

think twice hat geschrieben:(13 Dec 2016, 11:14)

Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes! :thumbup: :thumbup:


Ich finde deine Naivität immer wieder entwaffnend. Du würdest dich wohl, wenn es sich nur um einen deiner heiligen Flüchtlinge handelte, noch bei deinem Vergewaltiger entschuldigen, wie es ja die Sprecherin der "Linksjugend" so eindrücklich getan hat.

Anfang des Jahres war bekannt geworden, dass Selin Gören, Bundessprecherin der Linksjugend „Solid“, des Jugendverbandes der Partei Die Linke, von drei Männern mit vermutlich arabischem Hintergrund vergewaltigt wurde.

Sie hatten der 24-Jährigen nachts auf einem Spielplatz in Mannheim aufgelauert, sie gewürgt und zu Oralsex gezwungen. Als sie sich in jener Nacht Ende Januar endlich befreien konnte, ging sie zur Polizei. Doch was sie dort zu Protokoll gab, war nicht die Wahrheit. Selin Gören sagte, sei sei überfallen worden. Von einer Gruppe von Deutschen und Migranten. Von einer Gruppe von Männern, die Deutsch miteinander sprachen. Sie hätten ihr die Tasche gestohlen. Von der Vergewaltigung sprach sie nicht.

Im aktuellen „Spiegel“ erzählt sie, was damals geschehen ist und warum sie zuerst gelogen hat und erst zwölf Stunden später noch mal zur Polizei ging, um die wirkliche Geschichte zu erzählen: Ihr Freund hatte sie dazu überredet. Er hatte ihr ins Gewissen geredet, sie daran erinnert, dass ganz in der Nähe auch eine andere Frau vergewaltigt worden sei und der Täter noch herumlaufe. Eine Frau, von der sich später allerdings herausstellte, dass sie die Vergewaltigung erfunden hatte. Aber das wusste Selin Gören zu dem Zeitpunkt nicht und sagte der Polizei, was sie erlebt hatte – und dass die Täter nicht Deutsch gesprochen hatten, sondern Kurdisch oder Farsi.

https://www.welt.de/vermischtes/article ... ingen.html

Oder dieses Vorkommnis:
Sie haben viel zu lange geschwiegen. Sie haben es einfach über sich ergehen lassen. Drei junge Frauen, zwischen 16 und 18 Jahre alt, Schülerinnen der Kasseler Herderschule, haben es sich gefallen lassen, dass Männer ihnen viel näher gekommen sind, als sie es wollten. In der Straßenbahn, im Bus. Morgens, mittags auf dem Weg zur Schule und nach Hause. Immer waren sie schon da, wenn die Mädchen in die öffentlichen Verkehrsmittel stiegen, immer wieder gelang es den Männern, sie am Po zu begrapschen, an der Brust, zwischen den Beinen. Und wenn sie mit ihren Händen nicht an sie rankamen, dann machten sie obszöne Szenen vor ihren Augen, riefen: „Hure!“

Wahrscheinlich hätten die Mädchen viel schneller reagiert, wenn die Männer keinen Migrationshintergrund hätten. Das haben sie jedenfalls ihrer Lehrerin gesagt, der sie sich vor einigen Wochen endlich doch anvertraut haben.

Wie die „Hessische Niedersächsische Allgemeine Zeitung“ (HNA) schrieb, haben sie deshalb so lange geschwiegen, weil sie nicht zu einer Diskriminierung von Flüchtlingen beitragen wollten. „Wir möchten keine Menschen pauschal beschuldigen und auf keinen Fall böses Blut schüren“, sagte eine Betroffene, die nicht mit ihrem Namen genannt werden möchte, der „HNA“.

https://www.welt.de/vermischtes/article ... ingen.html
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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon Julian » Di 13. Dez 2016, 11:27

pikant hat geschrieben:(13 Dec 2016, 11:19)

das ist unfug - ich kenne keinen Paragrafen des GG, der mit der Zeit anders interpretiert wurde.

Zeitgeist ist eher das Aendern des GG.


Dann erweitere mal deinen Horizont.

BVerfGE 6, 389 - Homosexuelle

1. Die Strafvorschriften gegen die männliche Homosexualität (§§ 175 f. StGB) verstoßen nicht gegen den speziellen Gleichheitssatz der Abs. 2 und 3 des Art. 3 GG, weil der biologische Geschlechtsunterschied den Sachverhalt hier so entscheidend prägt, daß etwa vergleichbare Elemente daneben vollkommen zurücktreten.
2. Die §§ 175 f. StGB verstoßen auch nicht gegen das Grundrecht auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit (Art. 2 Abs. 1 GG), da homosexuelle Betätigung gegen das Sittengesetz verstößt und nicht eindeutig festgestellt werden kann, daß jedes öffentliche Interesse an ihrer Bestrafung fehlt.

http://www.schwulencity.de/BVerfGE_6_389.html

So hat man das Grundgesetz vor 60 Jahren interpretiert.
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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon schokoschendrezki » Di 13. Dez 2016, 11:31

Bleibtreu hat geschrieben:(13 Dec 2016, 10:58)
Merkst du den Widerspruch nicht selbst? Es wird nichts über die Verfassung gestellt.

Nur zur Information: "Redundanz" bedeutet nicht "Übergestelltsein" sondern "Mehrfachgenanntsein". Oder anders gesagt: Ohne Informationsverslust weglassbar. Und genau so verhält es sich mit der Leitkultur bei Gültigjkeit des Grundgesetzes.
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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon pikant » Di 13. Dez 2016, 11:32

Julian hat geschrieben:(13 Dec 2016, 11:27)

Dann erweitere mal deinen Horizont.


http://www.schwulencity.de/BVerfGE_6_389.html

So hat man das Grundgesetz vor 60 Jahren interpretiert.


hat aber mit meiner Aussage nichts zu tun und bestaetigt mich ja noch , denn das Gesetz wurde ja veraendert.
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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon Julian » Di 13. Dez 2016, 11:35

pikant hat geschrieben:(13 Dec 2016, 11:32)

hat aber mit meiner Aussage nichts zu tun und bestaetigt mich ja noch , denn das Gesetz wurde ja veraendert.


Doch, das hat direkt damit zu tun. Was geändert wurde, war das Strafgesetzbuch, nicht aber das Grundgesetz. Bezüglich des Grundgesetzes wurde nur die Interpretation geändert.

Selbst Grundgesetzänderungen widersprechen ja nicht meiner Hypothese, sondern stützen sie. Unsere Verfassung ist nichts anderes als das Produkt unserer Kultur, und wenn sich unsere Kultur ändert, wird sich auch das Grundgesetz ändern, direkt oder indirekt.
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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon pikant » Di 13. Dez 2016, 11:38

Julian hat geschrieben:(13 Dec 2016, 11:35)
. Unsere Verfassung ist nichts anderes als das Produkt unserer Kultur, und wenn sich unsere Kultur ändert, wird sich auch das Grundgesetz ändern, direkt oder indirekt.


was fuer ein Unsinn!

das GG kann nur durch Abgeordnete des deutschen Bundestages veraendert werden und unsere Kultur veraeendert sich immer, denn was deutsche Kultur ist, das entcheidet jeder Deutscher fuer sich selbst im Rahmen der bestehenden Gesetze.
Zuletzt geändert von pikant am Di 13. Dez 2016, 11:39, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon think twice » Di 13. Dez 2016, 11:39

Julian hat geschrieben:(13 Dec 2016, 11:35)

Doch, das hat direkt damit zu tun. Was geändert wurde, war das Strafgesetzbuch, nicht aber das Grundgesetz. Bezüglich des Grundgesetzes wurde nur die Interpretation geändert.

Selbst Grundgesetzänderungen widersprechen ja nicht meiner Hypothese, sondern stützen sie. Unsere Verfassung ist nichts anderes als das Produkt unserer Kultur, und wenn sich unsere Kultur ändert, wird sich auch das Grundgesetz ändern, direkt oder indirekt.

Was meinst, wer erlangt eher die erforderliche 2/3-Mehrheit zur Änderung des Grundgesetzes? Die besorgten Patrioten oder die Islamisten?
Wie kann es sein, dass Europa seine Werte verteidigt, in dem es andere Menschen von seinen Werten ausschließt?
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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon Julian » Di 13. Dez 2016, 11:42

think twice hat geschrieben:(13 Dec 2016, 11:39)

Was meinst, wer erlangt eher die erforderliche 2/3-Mehrheit zur Änderung des Grundgesetzes? Die besorgten Patrioten oder die Islamisten?


Denkst du, die arabischen Klans in Berlin interessieren sich für eine Zweidrittelmehrheit? Mit solchen Leuten wird das Grundgesetz zu einem wertlosen Stück Papier, zusammen mit BGB und Strafgesetzbuch. Für Muslime steht der Koran weit über Grundgesetz und anderen menschengemachten Gesetzen; es hat ohnehin nur Gültigkeit, solange es dem Koran nicht widerspricht.
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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon jack000 » Di 13. Dez 2016, 16:56

[MOD] - Strang wird gekärchert
Ein Zeichen von Intelligenz ist der stetige Zweifel - Idioten sind sich immer todsicher, egal was sie tun ...

"allzu häufig paart sich im Gemüte, Dämlichkeit mit Herzensgüte" (Wilhelm Busch)
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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon jack000 » Sa 17. Dez 2016, 15:39

[MOD] - Strang wurde wieder eröffnet
Ein Zeichen von Intelligenz ist der stetige Zweifel - Idioten sind sich immer todsicher, egal was sie tun ...

"allzu häufig paart sich im Gemüte, Dämlichkeit mit Herzensgüte" (Wilhelm Busch)
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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon Bleibtreu » Sa 17. Dez 2016, 16:12

schokoschendrezki hat geschrieben:(13 Dec 2016, 11:31)

Nur zur Information: "Redundanz" bedeutet nicht "Übergestelltsein" sondern "Mehrfachgenanntsein". Oder anders gesagt: Ohne Informationsverslust weglassbar. Und genau so verhält es sich mit der Leitkultur bei Gültigjkeit des Grundgesetzes.

Ich bezog mich auf folgende Aussage von dir

schokoschendrezki hat geschrieben:(13 Dec 2016, 10:17)

Das Problem mit der "Leitkultur" besteht darin, dass sie an sich redundant ist. Die Prinzipien der Leitkultur, also Demokratie, Laizismus, Aufklärung, Menschenrechte und Zivilgesellschaft sind sämtlich im Grundgesetz der Bundesrepublik hinterlegt. Wenn man also eine Leitkultur über die Verfassung hinaus für nötig hält, was sagt man damit eigentlich? Man unterstellt einem Teil der Bevölkerung eine Art zusätzliches Unterweisungsdefizit. Wozu sonst sollte dieser "Leit"-Gedanke über das Grundgesetz hinaus gut sein? Mit dieser (impliziten) Diskriminierung ist "Leitkultur" aber in gewisser Hinsicht selbst grundgesetznonkonform.


Wundert mich, nach meinen Ausführungen, dass du das falsch verstanden hast. ;)
• This right is the natural right of the Jewish people to be masters of their own fate, like all other nations, in their own sovereign State [Ben-Gurion]

https://www.shabak.gov.il/english/Pages/index.html#=2
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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon Selina » Sa 17. Dez 2016, 19:45

schokoschendrezki hat geschrieben:(13 Dec 2016, 10:17)

Das Problem mit der "Leitkultur" besteht darin, dass sie an sich redundant ist. Die Prinzipien der Leitkultur, also Demokratie, Laizismus, Aufklärung, Menschenrechte und Zivilgesellschaft sind sämtlich im Grundgesetz der Bundesrepublik hinterlegt. Wenn man also eine Leitkultur über die Verfassung hinaus für nötig hält, was sagt man damit eigentlich? Man unterstellt einem Teil der Bevölkerung eine Art zusätzliches Unterweisungsdefizit. Wozu sonst sollte dieser "Leit"-Gedanke über das Grundgesetz hinaus gut sein? Mit dieser (impliziten) Diskriminierung ist "Leitkultur" aber in gewisser Hinsicht selbst grundgesetznonkonform.


Genau. Diese Rufe nach einer "Leitkultur" erschallen immer dann, wenn konservative Kreise, die von noch weiter rechts unter Druck gesetzt werden, wieder mal unzufrieden sind mit den Flüchtlingen. Man will ihnen zeigen, wo der Hammer hängt, wer hier das Sagen hat. Dabei ist es ohnehin völlig klar, dass es ohne die deutsche Sprache keine Intergration geben kann. Das wissen eigentlich die meisten Flüchtlinge auch. Nur, dass die angebotenen Deutsch-Kurse immer noch nicht ausreichen. Ansonsten kommt mir die "Leitkultur" wie eine Aufforderung zur Assimilation, also zur bedingungslosen Anpassung an alles Deutsche, vor. Was schon ein Gschmäckle hat angesichts unserer Geschichte.
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Re: Perfides Spiel mit der Sprache

Beitragvon H2O » Sa 17. Dez 2016, 21:56

Selina hat geschrieben:(17 Dec 2016, 19:45)

Genau. Diese Rufe nach einer "Leitkultur" erschallen immer dann, wenn konservative Kreise, die von noch weiter rechts unter Druck gesetzt werden, wieder mal unzufrieden sind mit den Flüchtlingen. Man will ihnen zeigen, wo der Hammer hängt, wer hier das Sagen hat. Dabei ist es ohnehin völlig klar, dass es ohne die deutsche Sprache keine Intergration geben kann. Das wissen eigentlich die meisten Flüchtlinge auch. Nur, dass die angebotenen Deutsch-Kurse immer noch nicht ausreichen. Ansonsten kommt mir die "Leitkultur" wie eine Aufforderung zur Assimilation, also zur bedingungslosen Anpassung an alles Deutsche, vor. Was schon ein Gschmäckle hat angesichts unserer Geschichte.


Mir geht das Eindampfen einer deutschen Gesellschaft auf wenige Sätze unserer Verfassung dann doch zu weit. Niemand hat unsere Verfassung geschrieben, um unsere Gesellschaft von vielen anderen freiheitlichen Gesellschaften zu unterscheiden... eher ist das Gegenteil wahr. Deutschland sollte ein Glied in der westlichen Wertegemeinschaft werden.

Die Verfassung wurde nie und nimmer aufgeschrieben, um hier liebgewordene Gewohnheiten verbindlich fest zu schreiben. Nur weil unsere Verfassungsgeber nichts über Kopftücher, Burkas, Beträume in öffentlichen Gebäuden, Anforderungen an Kantinen aufgeschrieben haben, sind die jeweiligen deutschen Gewohnheiten doch Teil unserer Leitkultur, die wir so leben ohne die Absicht, unsere Gäste oder Neubürger beleidigen zu wollen.

Wenn Neubürger erwarten, daß hier bestehende Regeln ihnen zu Liebe kurz einmal verändert werden... sie uns nerven mit uns unbegreiflichen Bekleidungsregeln in der Öffentlichkeit, beim Schulsport, in deutschen Ämtern, sich gegen jahrhundertelang übliche christliche Symbole in Amtsräumen und Schulen wenden und sogar Beköstigung nach ihren Vorstellungen einfordern, dann stören sie das öffentliche Einvernehmen. Der Katalog läßt sich beliebig fortsetzen. Kein Punkt ist für sich gesehen eine Katastrophe... aber die Gesamtheit dieser Punkte schon.

Ich verstehe, daß diese uns gegen öffentlichen Protest aufgenötigten Gewohnheiten der neuen Minderheiten vielfach Ablehnung und Gegnerschaft herbeiführen. Das zurück zu weisen, dazu gehört ein gerütteltes Maß von Abgehobenheit und "political correctness". Und irgendwann reicht's dann eben, mit politischen Folgen. Nun bibbern alle möglichen Kreise, daß die AfD trotz so vieler unsäglicher politischer Dummheiten doch als zweitstärkste politische Kraft (Stimmenzahl!) im Bundestag vertreten sein könnte. Und machen sich hier noch lustig, daß die gerupften Volksparteien nun einen Teil der Themen aufgreifen, um dieses Ergebnis möglichst zu vermeiden.

Ich meine, daß man sich mit dem Anliegen "Leitkultur" nicht nur spottend befassen sollte. Möglicherweise findet man dann sogar Inhalte dieses Begriffs, die man wertschätzen könnte, und auch, sicher, Inhalte, die man mit einem Achselzucken wegschiebt. So etwas wie landsmannschaftliche Unterschiede wird man in der deutschen Leitkultur auch finden, trotz der tiefen Durchmischung nach dem 2. Weltkrieg. Diese Unterschiede sind allerdings als belächelte Gewohnheiten weitestgehend angenommen... Kölner Karneval wird in Rostock vermutlich mit etwas Abstand (nicht nur räumlich) hingenommen, aber ein massenhafter Antrag, das närrische Treiben doch bitte zu unterlassen, ist bisher noch nicht eingereicht worden.

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