Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Watchful_Eye » Do 18. Okt 2018, 20:52

Dark Angel hat geschrieben:(16 Oct 2018, 20:41)
Mach dir bitte selbst ein Bild ob und wie Gender Studies im Widerspruch zu Naturwissenschaft und naturwissenschaftlichen Erkenntnissen stehen

Also, dass unter dem Label "Gender Studies" jede Menge großer Käse verbreitet wird, würde ich nie abstreiten. Hab ich vor diesem Thread schon nicht.
Aber was ich mich frage, ist, ob es nicht zumindest grundsätzlich möglich ist, vernünftige Forschung unter dem Label "Gender Studies" zu betreiben.

Du schreibst etwas gegenüber Selina, was ich mal aufgreifen will:
Dark Angel hat geschrieben:(18 Oct 2018, 20:33)
Es gibt bezüglich Geschlecht KEINE "beide Seiten"!
Geschlecht (männlich/weiblich) ist ausschließlich biologisch! Es gibt KEIN "soziales Geschlecht"!

Obwohl sich die Kernunterschiede zwischen den Geschlechtern biologisch sind, kann es doch trotzdem ein Forschungsthema sein, wie Geschlechter sozial unterschiedlich behandelt werden, oder?

Also es dürfte ja zB unstrittig sein, dass die Stelllung der Frau bzw. die Erwartung an Weiblichkeit in Deutschland und Saudi-Arabien nicht gleich ist. Wäre das nicht etwas, was "Gender Studies" legitim untersuchen könnten?
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Fliege » Do 18. Okt 2018, 21:16

Dark Angel hat geschrieben:(18 Oct 2018, 20:33)
Es gibt bezüglich Geschlecht KEINE "beide Seiten"!
Geschlecht (männlich/weiblich) ist ausschließlich biologisch! Es gibt KEIN "soziales Geschlecht"!
Watchful_Eye hat geschrieben:(18 Oct 2018, 21:52)
Obwohl sich die Kernunterschiede zwischen den Geschlechtern biologisch sind, kann es doch trotzdem ein Forschungsthema sein, wie Geschlechter sozial unterschiedlich behandelt werden, oder?

"Soziale Geschlechter" sind Geschlechterbilder, also Frauenbilder und Männerbilder (wie von mir bereits angemerkt; bitte Obacht, Männerbilder sind keine Mannsbilder *g*), samt zugehöriger Praxen. Geschlechterbilder und zugehörige Praxen sind Gegenstand von psychologisch-soziologischen Studien seit Jahrtausenden. Ich sehe keinen Bedarf, Genderologen, die die Begriffe "Geschlecht" und "Geschlechterbild" systematisch konfundieren, mit der Erstellung von postfaktischen Narrativen zu beauftragen.
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Dark Angel » Do 18. Okt 2018, 21:28

Watchful_Eye hat geschrieben:(18 Oct 2018, 21:52)

Also, dass unter dem Label "Gender Studies" jede Menge großer Käse verbreitet wird, würde ich nie abstreiten. Hab ich vor diesem Thread schon nicht.
Aber was ich mich frage, ist, ob es nicht zumindest grundsätzlich möglich ist, vernünftige Forschung unter dem Label "Gender Studies" zu betreiben.

Grundsätzlich vernünftige Forschung würde nur mit wissenschaftlicher Methode funktionieren, jedoch nicht, wie praktiziert mittels der "Methoden" des Sozialkonstruktivismus und Poststrukturalismus.

Watchful_Eye hat geschrieben:(18 Oct 2018, 21:52)
Du schreibst etwas gegenüber Selina, was ich mal aufgreifen will:

Obwohl sich die Kernunterschiede zwischen den Geschlechtern biologisch sind, kann es doch trotzdem ein Forschungsthema sein, wie Geschlechter sozial unterschiedlich behandelt werden, oder?

Selina meint mit "beide Seiten" allerdings biologisches Geschlecht und das von den Gender"forschern" postulierte "soziale Geschlecht" - was immer das sein soll.
Das "sozial unterschiedlich behandeln" wäre ein Forschungsthema für die empirische Soziologie, dafür bedarf es keiner extra Gender Studies.

Watchful_Eye hat geschrieben:(18 Oct 2018, 21:52)Also es dürfte ja zB unstrittig sein, dass die Stelllung der Frau bzw. die Erwartung an Weiblichkeit in Deutschland und Saudi-Arabien nicht gleich ist. Wäre das nicht etwas, was "Gender Studies" legitim untersuchen könnten?

Unstrittig ist, dass sich die Stellung der Frau in Saudi-Arabien von der in Deutschland/Europa unterscheidet. Das hat allerdings etwas mit den gesellschaftlichen Verhältnissen (mit Regeln, Normen, Gesetzen) zu tun.
In diese Regeln, Gesetze und Normen sind die Erwartungen an das Verhalten der Frau eingebunden. Die Erwartung, dass sich Frau regelkonform verhält ist jedoch etwas anderes als "Erwartung an Weiblichkeit".
Eine Studie (aus der bekannten Doku) hat doch gezeigt, dass geschlechtsspezifische Verhaltensunterschiede kulturübergreifend sind. Auch für solche Forschungen/Untersuchungen benötigt man keine Gender Studies, weil es bereits Fachrichtungen gibt, die sich mit solcher Problematik beschäftigen und zwar unter Anwendung wissenschaftlicher Methode.
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Dark Angel » Do 18. Okt 2018, 21:37

Fliege hat geschrieben:(18 Oct 2018, 22:16)

"Soziale Geschlechter" sind Geschlechterbilder, also Frauenbilder und Männerbilder (wie von mir bereits angemerkt; bitte Obacht, Männerbilder sind keine Mannsbilder *g*), samt zugehöriger Praxen. Geschlechterbilder und zugehörige Praxen sind Gegenstand von psychologisch-soziologischen Studien seit Jahrtausenden. Ich sehe keinen Bedarf, Genderologen, die die Begriffe "Geschlecht" und "Geschlechterbild" systematisch konfundieren, mit der Erstellung von postfaktischen Narrativen zu beauftragen.

Sorry, aber dem kann ich so nicht zustimmen.
Unter "Geschlechterbild" verstehe ich die Vorstellung bzw Erwartungshaltung gegenüber bestimmten geschlechtsspezifischen Verhaltensweisen. Diese wiederum sind angeboren/biologisch bedingt (nicht sozial konstruiert), basieren also auf Beobachtung und Erfahrung.
Ist also gewissermaßen Voraussetzung, um sein Gegenüber einschätzen zu können.
Geschlechtsspezifische Verhaltensmuster und i.w.S. "Geschlechterbilder" sind u.a. auch Forschungsgegenstand der Evolutionspsychologie.
Das sagt aber immer noch nichts darüber aus, was ein "soziales Geschlecht" sein soll, wie es von Gender"forschern" postuliert wird.
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Skeptiker » Do 18. Okt 2018, 21:49

Zunder hat geschrieben:(18 Oct 2018, 20:50)
Biologie ist eine Naturwissenschaft.
Biologismus ist eine Ideologie, die glaubt, gesellschaftliche Verhältnisse aus der Biologie ableiten zu können.

Das heißt also, es gibt für die Biologie das seltsame Phänomen, dass diese, und offenbar NUR diese Naturwissenschaft, von üblen Strolchen genutzt wird um generalisierte Thesen aufzustellen. Für die Physik scheint das nicht zu gelten, auch nicht für die Chemie. Mir fällt auch sonst keine Wissenschaft ein, aus der eine Ideologie erwachsen ist, die derart generalisierte Schlussfolgerungen zieht.

Weiterhin ist merkwürdig, dass es niemanden gibt, der sich die Bezeichnung "Biologist" anheften mag. Wenn es doch eine Weltanschauung ist (also Ideologie) warum steht dann keiner dazu? Zu anderen Ideologien (Marxismus, Humanismus, Katholizismus, usw.) bekennen sich die Menschen doch auch ganz offen - nur nicht zum Biologismus.

Tatsache ist, dass Biologismus per Definition der Kulturwissenschaften eine Ideologie ist. Und das übrigens seit 1911, also einer Zeit die nach heutigen Maßstäben hochgradig rassistisch ausgeprägt war, in der man noch von Menschenrassen sprach.

Biologismus wird sehr oft verwendet um die Äußerung wissenschaftlicher Fakten pauschalisiert zu diskreditieren. Bei Genderologen fängt das leider eben schon bei der Nennung primitivster biologischer Fakten an. Daher kann ich dieser Vorwurf in Gänze nicht mehr akzeptieren. Hier wird eine Randerscheinung zur Untergrabung einer naturwissenschaftlichen Disziplin verwendet, und das von Leuten die keine Scheu haben ganz grundsätzlich gegen wissenschaftliche Standards zu verstoßen. Eine Lachnummer in meinen Augen, wenn es nicht so traurig wäre.
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Fliege » Do 18. Okt 2018, 22:05

Dark Angel hat geschrieben:(18 Oct 2018, 22:37)
Sorry, aber dem kann ich so nicht zustimmen.
Unter "Geschlechterbild" verstehe ich die Vorstellung bzw Erwartungshaltung gegenüber bestimmten geschlechtsspezifischen Verhaltensweisen. Diese wiederum sind angeboren/biologisch bedingt (nicht sozial konstruiert), basieren also auf Beobachtung und Erfahrung.
Ist also gewissermaßen Voraussetzung, um sein Gegenüber einschätzen zu können.
Geschlechtsspezifische Verhaltensmuster und i.w.S. "Geschlechterbilder" sind u.a. auch Forschungsgegenstand der Evolutionspsychologie.
Das sagt aber immer noch nichts darüber aus, was ein "soziales Geschlecht" sein soll, wie es von Gender"forschern" postuliert wird.

Nun sagt die Scharia, um ein Beispiel herzunehmen, Frauen gehörten an den Herd (KKK = Koran, Küche, Kinder), womit die Scharia ein Frauenbild befördert, eine Vorstellung davon, was eine Frau sei und für was eine Frau gut sei. Und genau in diesem Sinne verwende ich den Begriff "Frauenbild". Die Scharia fördert mit ihrem Frauenbild die Fertilität der arabisch-menschlichen Population. Ist damit die Scharia "angeboren/biologisch bedingt"? Wohl kaum, denn die Araber könnten auch anders. Dieses Anders-Können ist "angeboren/biologisch bedingt", nicht "angeboren/biologisch bedingt" (determiniert) hingegen ist das jeweilige Resultat des Anders-Könnens.
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Zunder » Do 18. Okt 2018, 22:27

Dark Angel hat geschrieben:(18 Oct 2018, 21:24)

Und von wem soll diese Ideologie vertreten werden?

Kutschera zum Beispiel.
viewtopic.php?p=3956745#p3956745

Die Aussage, daß sich ein gleichgeschlechtliches Paar nicht reproduzieren kann, ist Biologie.
Die Schlussfolgerung, daß ihm deshalb die Ehe verwehrt werden sollte, ist Biologismus, weil die Ehe nunmal eine gesellschaftliche Institution ist und keine Reproduktionsanstalt.
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Fliege » Do 18. Okt 2018, 22:34

Zunder hat geschrieben:(18 Oct 2018, 23:27)
Kutschera zum Beispiel.
viewtopic.php?p=3956745#p3956745

Die Aussage, daß sich ein gleichgeschlechtliches Paar nicht reproduzieren kann, ist Biologie.
Die Schlussfolgerung, daß ihm deshalb die Ehe verwehrt werden sollte, ist Biologismus, weil die Ehe nunmal eine gesellschaftliche Institution ist und keine Reproduktionsanstalt.

Leider verpatzt du den letzten Halbsatz.
Denn das Grundgesetz sieht die Ehe als gesellschaftliche Institution zur Reproduktion vor. Vor der Einführung einer Homo-Ehe hätte, um das Grundgesetz nicht zu brechen, das Grundgesetz derart geändert werden müssen, dass die Ehe im Grundgesetz nicht mehr als gesellschaftliche Institution zur Reproduktion eingestuft wird.
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Skeptiker » Do 18. Okt 2018, 22:49

Fliege hat geschrieben:(18 Oct 2018, 23:34)
Leider verpatzt du den letzten Halbsatz.
Denn das Grundgesetz sieht die Ehe als gesellschaftliche Institution zur Reproduktion vor. Vor der Einführung einer Homo-Ehe hätte, um das Grundgesetz nicht zu brechen, das Grundgesetz derart geändert werden müssen, dass die Ehe im Grundgesetz nicht mehr als gesellschaftliche Institution zur Reproduktion eingestuft wird.

Wo genau steht das bitte? Ich kann das in der Form nicht finden.
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Zunder » Do 18. Okt 2018, 23:11

Skeptiker hat geschrieben:(18 Oct 2018, 22:49)

Das heißt also, es gibt für die Biologie das seltsame Phänomen, dass diese, und offenbar NUR diese Naturwissenschaft, von üblen Strolchen genutzt wird um generalisierte Thesen aufzustellen. Für die Physik scheint das nicht zu gelten, auch nicht für die Chemie. Mir fällt auch sonst keine Wissenschaft ein, aus der eine Ideologie erwachsen ist, die derart generalisierte Schlussfolgerungen zieht.

Weiterhin ist merkwürdig, dass es niemanden gibt, der sich die Bezeichnung "Biologist" anheften mag. Wenn es doch eine Weltanschauung ist (also Ideologie) warum steht dann keiner dazu? Zu anderen Ideologien (Marxismus, Humanismus, Katholizismus, usw.) bekennen sich die Menschen doch auch ganz offen - nur nicht zum Biologismus.

Tatsache ist, dass Biologismus per Definition der Kulturwissenschaften eine Ideologie ist. Und das übrigens seit 1911, also einer Zeit die nach heutigen Maßstäben hochgradig rassistisch ausgeprägt war, in der man noch von Menschenrassen sprach.

Biologismus wird sehr oft verwendet um die Äußerung wissenschaftlicher Fakten pauschalisiert zu diskreditieren. Bei Genderologen fängt das leider eben schon bei der Nennung primitivster biologischer Fakten an. Daher kann ich dieser Vorwurf in Gänze nicht mehr akzeptieren. Hier wird eine Randerscheinung zur Untergrabung einer naturwissenschaftlichen Disziplin verwendet, und das von Leuten die keine Scheu haben ganz grundsätzlich gegen wissenschaftliche Standards zu verstoßen. Eine Lachnummer in meinen Augen, wenn es nicht so traurig wäre.

Die Jahreszahl 1911 hast du offensichtlich aus dem Wiki-Artikel.
Jetzt mußt du ihn nur noch vollständig lesen, dann hast du eine brauchbare Beschreibung, was mit Biologismus gemeint ist.
Ein geschlossenes Welterklärungsmodell jedenfalls nicht. Es geht um einen Erklärungsansatz.

So wie rassistische Ideologien immer auf biologische Erklärungen zurückgreifen, auch wenn die behaupteten biologischen Grundlagen einer fundierten Überprüfung gar nicht standhalten, werden manche gesellschaftlichen Phänomene, wie zum Beispiel homosexuelle Partnerschaften, biologisch zu bewerten versucht, auch wenn die Biologie gar nicht greift.

Im Fall des Genderismus kann man dabei leicht in den Biologismus abgleiten, auch wenn der eigentlich biologische Ansatz der Kritik zutrifft.

Daß das Geschlecht biologisch bestimmt ist, läßt sich nicht wirklich widerlegen. Daraus aber zu folgern, daß es keine sozialen Festlegungen auf geschlechtsspezifische Verhaltensmuster geben kann, die mit Biologie überhaupt nichts zu tun haben, wäre nur die Negativfolie zum sozial bestimmten Geschlecht des Genderismus.

Der Witz an der genderistischen Kritik der Geschlechterrollen besteht nicht zuletzt in der unverhohlen affirmativen Haltung der Gender-Päpstin Judith Butler zur inferioren Stellung der Frau im Islam:

Die Verschleierung der Frau könne, so fasst Butler einen Vortrag Abu-Lughods zustimmend zusammen, auch als »eine Übung in Bescheidenheit und Stolz« verstanden werden und diene »als Schleier (…), hinter dem und durch den die weibliche Handlungsfähigkeit wirken kann«. Kritik am islamischen Tugendterror diskreditiert Butler als »kulturimperialistische Ausbeutung des Feminismus«.
https://jungle.world/artikel/2014/03/de ... ing-israel

Den Verteidigern des Genderismus scheint nicht ganz klar zu sein, daß diese Ideologie alles andere als emanzipatorisch ist.
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Fliege » Do 18. Okt 2018, 23:14

Skeptiker hat geschrieben:(18 Oct 2018, 23:49)
Wo genau steht das bitte? Ich kann das in der Form nicht finden.

Siehe GG-Artikel 6.
Schnittblumen verhalten sich zahm, sind aber nicht immer stubenrein; gelten "als politisch ungefestigt und unklar".
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Zunder » Do 18. Okt 2018, 23:19

Fliege hat geschrieben:(18 Oct 2018, 23:34)

Leider verpatzt du den letzten Halbsatz.
Denn das Grundgesetz sieht die Ehe als gesellschaftliche Institution zur Reproduktion vor. Vor der Einführung einer Homo-Ehe hätte, um das Grundgesetz nicht zu brechen, das Grundgesetz derart geändert werden müssen, dass die Ehe im Grundgesetz nicht mehr als gesellschaftliche Institution zur Reproduktion eingestuft wird.

So so.

Art. 6

(1) Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.
(2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.
(3) Gegen den Willen der Erziehungsberechtigten dürfen Kinder nur auf Grund eines Gesetzes von der Familie getrennt werden, wenn die Erziehungsberechtigten versagen oder wenn die Kinder aus anderen Gründen zu verwahrlosen drohen.
(4) Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft.
(5) Den unehelichen Kindern sind durch die Gesetzgebung die gleichen Bedingungen für ihre leibliche und seelische Entwicklung und ihre Stellung in der Gesellschaft zu schaffen wie den ehelichen Kindern.


Daß die Ehe im GG als Institution zur Reproduktion eingerichtet wurde, erkennt man daran, daß uneheliche Kinder ehelichen Kindern gleichgestellt werden.
Auch die "Unehe" ist demnach eine Reproduktionsanstalt.
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Vongole » Do 18. Okt 2018, 23:19

Fliege hat geschrieben:(18 Oct 2018, 23:34)

Leider verpatzt du den letzten Halbsatz.
Denn das Grundgesetz sieht die Ehe als gesellschaftliche Institution zur Reproduktion vor. Vor der Einführung einer Homo-Ehe hätte, um das Grundgesetz nicht zu brechen, das Grundgesetz derart geändert werden müssen, dass die Ehe im Grundgesetz nicht mehr als gesellschaftliche Institution zur Reproduktion eingestuft wird.


Eine wahrhaftig kühne These, das aus Art. 6 GG herauszulesen.
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Fliege » Do 18. Okt 2018, 23:31

Vongole hat geschrieben:(19 Oct 2018, 00:19)
Eine wahrhaftig kühne These, das aus Art. 6 GG herauszulesen.

Das finde ich nicht.
Schnittblumen verhalten sich zahm, sind aber nicht immer stubenrein; gelten "als politisch ungefestigt und unklar".
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Selina » Fr 19. Okt 2018, 06:03

Skeptiker hat geschrieben:(18 Oct 2018, 20:15)

Was ist denn Deiner Ansicht nach der Unterschied zwischen Biologie und Biologismus?


Biologismus ist das Übertragen biologischer Gegebenheiten auf andere Sachverhalte, zum Beispiel auf soziale sowie das Verabsolutieren des Biologischen. Letzteres führt dazu, dass alles, was uns umgibt - auch sämtliche gesellschaftlichen Verhältnisse, Bedingungen, Umstände (zum Beispiel Machtverhältnisse) -, ausschließlich als biologisch und "natürlich" erfasst und erklärt werden.

Und um das hier gleich mal richtigzustellen, ich sprach nie von "sozialem Geschlecht" (wie das hier beim Zitieren meiner Ansichten behauptet wurde, ich glaube DA tat das), sondern immer davon, beim Betrachten und Diskutieren der Geschlechterfrage beide Aspekte, die biologischen und die sozialen, mit einzubeziehen. Kleiner, aber feiner Unterschied. Menschen (und ihr Geschlecht) befinden sich nun mal nicht im luftleeren Raum, sondern immer in ganz bestimmten gesellschaftlichen Verhältnissen. Letzteres zu leugnen - wie es im Biologismus geschieht - bedeutet in der Endkonsequenz, auch die Veränderbarkeit der Verhältnisse und Umstände zu leugnen, in denen etwa Frauen sich nicht gleichermaßen frei entwickeln können wie Männer, in denen Homosexuelle immer noch auf Hass und Vorurteile stoßen. Auf beiden Gebieten hat es in den letzten Jahrzehnten zwar enorme Fortschritte gegeben. Trotzdem existieren Diskriminierung und Ungleichbehandlung in vielen Fällen auch weiterhin. Da gibt es Handlungsbedarf.
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon MäckIntaier » Fr 19. Okt 2018, 07:33

Selina hat geschrieben:(19 Oct 2018, 07:03)

Trotzdem existieren Diskriminierung und Ungleichbehandlung in vielen Fällen auch weiterhin. Da gibt es Handlungsbedarf.


Es wurde nirgends hier das Gegenteil behauptet. Der Handlungsbedarf bezieht sich jedoch darauf, dass, wie Sie selbst explizit und richtig sagen, "Frauen sich nicht gleichermaßen frei entwickeln können wie Männer". Sozialwissenschaftler können sich nun mit den Rollenbildern in einer Gesellschaft beschäftigen, und daraus wiederum lassen sich gesellschaftspolitische Konsequenzen ziehen. Vom Grundsatz her scheint das hier konsensfähig, wenn auch sicher unterschiedliche Gestaltungsansätze bevorzugt werden. Kein Konsens hingegen herrscht darüber, dass die Kategorie Frau und Mann, vom Sonderfall Menschen mit biologisch nicht eindeutigem Geschlecht abgesehen, um Pseudo- oder Phantomgeschlechter erweitert werden, mit der Begründung, auch Frau und Mann seien nur konstruiert, ergo sei jedes weitere Phantomgeschlecht ebenfalls anzuerkennen. Vom erwähnten Sonderfall abgesehen, ist jeder immer schon männlichen oder weiblichen Geschlechts, bevor er versteht, was die biologische Kategorie "Geschlecht" überhaupt bedeutet. So, wie jeder Mensch ist, bevor er versteht, was es bedeutet, ein Mensch und kein Tier oder ein Baum zu sein. Der unwissenschaftlichen "Logik" mancher Genderanhänger nach wäre im Grunde "Mensch" auch nur ein soziales Konstrukt - es mögen mir Flügel oder Kiemen fehlen, aber warum sollte ich mich nicht als Adler oder Barsch entwerfen?

Außerhalb von Macht, Einfluss, materiellen Interessen, Ideologie und Eitelkeiten ist nicht nachvollziehbar, warum eine "Lehre" verteidigt wird, die wie im vorliegenden Fall Texte für bare Münze nimmt, die sich schon kein Kaberettist merh ausdenken kann. Im Übrigen wird der Selbstwiderspruch der Zunft - und damit der Kampf um Macht um Einfluss - schon dort sichtbar, wo diese Zunft jede objektive Wahrheit zurückweist, aber aus den eigenen Ansprüchen allgemeingültige Aussagen ableiten möchte. Hier tritt an die Stelle des Wahrheitsbegriffes (es gibt nun einmal derzeit nur die beiden "natürlichen" Geschlechter) ein normativ grundierter Machtbegriff. Die Methode zur Durchsetzung beruht demnach auf einem diskursiven Machtanspruch, nicht auf wissenschaftlichen Fakten. Um das schon gegebene Beispiel noch einmal aufzunehmen: Im Grunde verteidigen Sie mit Ihrer Argumentation jene Einstellung, wie sie auch Päpste und Theologen gegenüber Wissenschaftlern an den Tag legten, als letztere in der kopernikanischen Wende das geozentrische Weltbild zertrümmerten. Mit dem rein machtgestützten Ansatz, wie er in manchen Genderkreisen vertreten wird, kann gemäß deren logischem Ansatz die Erde auch wieder zur Scheibe werden, und wer das faktenbasiert bestreitet, ist dann ein reaktionärer Physikalist. Es bleibt dabei: Der Satz "Die Sonne scheint" ist unabhängig vom politischen Standpunkt genau dann wahr, wenn die Sonne tatsächlich beobachtbar am Himmel steht. Und ob einer Mann oder Frau, Mensch oder Tier, Fisch oder Vogel ist, ist ebenfalls wissenschaftlich zweifelsfrei feststellbar.
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Skeptiker » Fr 19. Okt 2018, 08:16


Genau da hatte ich geschaut, aber Deine Aussage ...
gesellschaftliche Institution zur Reproduktion

... nicht gefunden. Gibt es noch eine andere Stelle im Grundgesetz die das besagen würde, oder handelt es sich einfach um eine Interpretation deinerseits?

Nur um das klarzustellen: Ich bin klar für eine Ausrichtung der Gesellschaft an Bedingungen die ihren Fortbestand fördern. Ich sehe dadurch durchaus eine sinnvolle Begründung warum das streben nach gleicher Förderung von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften an manchen Stellen gesellschaftlich nicht sinnvoll ist. Der Staat darf fördern was ihm gut tut und dieses Interesse des Staates kann fallweise auch über anderen Rechten stehen. Den Ansatz mancher Leute, Gleichheitsrechte stehe grundsätzlich in der Abwägung immer über allem, teile ich nicht. Das ist ja auch in anderen Bereichen niemals so gewesen (Beispiel Wehrdienst).
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Dark Angel » Fr 19. Okt 2018, 09:37

Fliege hat geschrieben:(18 Oct 2018, 23:05)

Nun sagt die Scharia, um ein Beispiel herzunehmen, Frauen gehörten an den Herd (KKK = Koran, Küche, Kinder), womit die Scharia ein Frauenbild befördert, eine Vorstellung davon, was eine Frau sei und für was eine Frau gut sei. Und genau in diesem Sinne verwende ich den Begriff "Frauenbild". Die Scharia fördert mit ihrem Frauenbild die Fertilität der arabisch-menschlichen Population. Ist damit die Scharia "angeboren/biologisch bedingt"? Wohl kaum, denn die Araber könnten auch anders. Dieses Anders-Können ist "angeboren/biologisch bedingt", nicht "angeboren/biologisch bedingt" (determiniert) hingegen ist das jeweilige Resultat des Anders-Könnens.

Sorry, dann habe ich dich missverstanden. Für mich verbinden sich mit "Frauenbild"/"Männerbild" bzw die Vorstellung von "Männlichkeit"/"Weiblichkeit" angeborene geschechtsspezifische Verhaltensunterschiede und nicht die jeweilige gesellschaftliche Stellung, die natürlich NICHT angeboren ist, sondern auf Regeln, Normen Gesetzen - häufig basierend auf religiösen Glaubensvorstellungen.
Ich bin mir allerdings ziemlich sicher, dass Gender"forscher" mit "sozialem Geschlecht" etwas anderes meinen, aber was das sein soll, erschließt sich mir nicht.
Die jeweilige soziale Stellung von Mann und Frau hat sich in den verschiedenen Gesellschaften/Kulturen mehrfach gewandelt bzw war/ist in den verschiedenen Gesellschaften/Kulturen unterschiedlich, so dass da keine Verallgemeinerung vorgenommen werden kann.
Schon in der Antike war die Spartanerin - im Gegensatz zur Athenerin - relativ gleichberechtigt. Das mag durchaus im Zusammenhang mit der spartanischen Kriegergesellschaft gestanden haben. Gleiches gilt für die Kelten - auch bei ihnen gab es relative Gleichberechtigung von Mann und Frau. (natürlich nicht im heutigen Sinn). Mit der allgemeinen Christianisierung Europas vollzog sich dann ein Wandel in der sozialen Stellung der Frau - etc pp
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Dark Angel » Fr 19. Okt 2018, 09:39

Zunder hat geschrieben:(18 Oct 2018, 23:27)

Kutschera zum Beispiel.
viewtopic.php?p=3956745#p3956745

Die Aussage, daß sich ein gleichgeschlechtliches Paar nicht reproduzieren kann, ist Biologie.
Die Schlussfolgerung, daß ihm deshalb die Ehe verwehrt werden sollte, ist Biologismus, weil die Ehe nunmal eine gesellschaftliche Institution ist und keine Reproduktionsanstalt.

Sorry, aber der (ursprüngliche) Sinn der Ehe IST die Reproduktionsgemeinschaft und die gemeinsame Aufzucht und die gemeinsame Sorge für den Nachwuchs.
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Billie Holiday » Fr 19. Okt 2018, 09:59

Dark Angel hat geschrieben:(19 Oct 2018, 10:39)

Sorry, aber der (ursprüngliche) Sinn der Ehe IST die Reproduktionsgemeinschaft und die gemeinsame Aufzucht und die gemeinsame Sorge für den Nachwuchs.


Das alles ist auch Homosexuellen möglich.
Ein homos. Paar mit Kindern leistet nichts anderes als ein heteros. ( Ehe)paar mit Kindern.
Das einzige, was fehlt, ist das Miteinander gezeugt haben. Aber Heteros in zweiter Ehe haben auch nicht zwingend ihre Kinder miteinander gezeugt.
Insofern sehe ich in einer homos. engen Beziehung, in der Kinder großgezogen werden, jede Voraussetzung und Grund für eine Eheschließung.
Andere heiraten auch ohne Kinderwunsch.....
Die Ehe bedeutet offenbar vielen Menschen etwas.
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
K. Kinski

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