Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Skeptiker » So 14. Okt 2018, 23:16

Dark Angel hat geschrieben:(14 Oct 2018, 19:32)

Du hast das, wie immer, sehr akribisch herausgearbeitet und es ist in meinen Augen sehr überzeugend. Ich denke allerdings, da gebe ich Selina sogar Recht, dass ihr da auf keinen gemeinsamen Nenner kommen werdet.

Ich selber hatte auch schon angefangen auf Selinas letzte Frage hin die gesamte Argumentationskette nochmal neu und kompakt aufzubereiten um aufzuzeigen, dass es garkeinen Sinn ergibt Einzelfälle von Studien zu suchen und deren Unwissenschaftlichkeit "nachzuweisen", wenn das Fundament der ganzen Disziplin erklärtermaßen unwissenschaftlich ist und ein Interesse verfolgt (was z.B. klaren Einfluss auf Offenheit und Redlichkeit der Forschung hat). Die Arbeit spare ich mir aber, weil die Antwort klar gewesen wäre, eben "Keine Belege" und "Du bist Anti-Feminist".

Es ist für Selina offenbar auch vollkommen normal davon auszugehen, dass Forschung zu sozialen Themen nicht naturwissenschaftlichen Regeln unterliegen muss, weil, und das ist der Kern des Problems, in meinen Augen bei Ihr und vielen anderen auch, Naturwissenschaften und deren Philosophie garnicht verstanden werden. Mein Eindruck ist, dass viele Menschen Naturwissenschaften rein mit der Untersuchung eines physikalischen Objektes zu tun haben. Die Systematik, die eigentliche wissenschaftliche Methodik ausmacht, wird von vielen Menschen vollkommen unterschätzt, wenn sie überhaupt bekannt ist (das war der Hintergrund, warum ich die Werte der Wissenschaft verlinkt hatte).

Vor dem Hintergrund gehen offenbar viele Menschen davon aus, Sozialwissenschaften kämen auch ohne naturwissenschaftliche Methoden aus, und man könne sie in die Hände von Geisteswissenschaftlern mit politischer Zielausrichtung legen. Das Ergebnis wird ernüchternd sein. Wie bei jeder Ideologie folgt dem politischen Erfolg der Katzenjammer, wenn man feststellt, dass das Ideal nicht dem Real entspricht und die am Ideal ausgerichtete Gesellschaft real an der Vorgabe vorbeilebt, mit entsprechenden Reibungsverlusten ...

Natürlich kann man auch nach wissenschaftlichen Methoden an der Optimierung des Zusammenlebens der Geschlechter miteinander arbeiten (und das tut man ja in den wissenschaftlichen Zweigen auch). Das ist aber der harte Weg. Da muss man erforschen was besser ist. Grundlage der politischen Ideologie Gender Studies ist aber mE nicht zu klären was unser Zusammenleben besser macht. Warum sollte man sich dann gegen die Wissenschaft stellen? Steht die etwa im Ruf schlechte Resultate zu produzieren? Eher nicht! Aber sie steht eben im Ruf nicht immer die Resultate zu produzieren, die sich Interessengruppen oft wünschen. Ein Schelm wer böses dabei denkt.

Vielleicht sollte man mal einen Thread aufmachen, der sich mit dem Thema "Wissenschaftlichkeit" befasst ...
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Dark Angel » Mo 15. Okt 2018, 10:02

Skeptiker hat geschrieben:(15 Oct 2018, 00:16)

Du hast das, wie immer, sehr akribisch herausgearbeitet und es ist in meinen Augen sehr überzeugend. Ich denke allerdings, da gebe ich Selina sogar Recht, dass ihr da auf keinen gemeinsamen Nenner kommen werdet.

Ich selber hatte auch schon angefangen auf Selinas letzte Frage hin die gesamte Argumentationskette nochmal neu und kompakt aufzubereiten um aufzuzeigen, dass es garkeinen Sinn ergibt Einzelfälle von Studien zu suchen und deren Unwissenschaftlichkeit "nachzuweisen", wenn das Fundament der ganzen Disziplin erklärtermaßen unwissenschaftlich ist und ein Interesse verfolgt (was z.B. klaren Einfluss auf Offenheit und Redlichkeit der Forschung hat). Die Arbeit spare ich mir aber, weil die Antwort klar gewesen wäre, eben "Keine Belege" und "Du bist Anti-Feminist".

Es ist für Selina offenbar auch vollkommen normal davon auszugehen, dass Forschung zu sozialen Themen nicht naturwissenschaftlichen Regeln unterliegen muss, weil, und das ist der Kern des Problems, in meinen Augen bei Ihr und vielen anderen auch, Naturwissenschaften und deren Philosophie garnicht verstanden werden. Mein Eindruck ist, dass viele Menschen Naturwissenschaften rein mit der Untersuchung eines physikalischen Objektes zu tun haben. Die Systematik, die eigentliche wissenschaftliche Methodik ausmacht, wird von vielen Menschen vollkommen unterschätzt, wenn sie überhaupt bekannt ist (das war der Hintergrund, warum ich die Werte der Wissenschaft verlinkt hatte).

Vor dem Hintergrund gehen offenbar viele Menschen davon aus, Sozialwissenschaften kämen auch ohne naturwissenschaftliche Methoden aus, und man könne sie in die Hände von Geisteswissenschaftlern mit politischer Zielausrichtung legen. Das Ergebnis wird ernüchternd sein. Wie bei jeder Ideologie folgt dem politischen Erfolg der Katzenjammer, wenn man feststellt, dass das Ideal nicht dem Real entspricht und die am Ideal ausgerichtete Gesellschaft real an der Vorgabe vorbeilebt, mit entsprechenden Reibungsverlusten ...

Natürlich kann man auch nach wissenschaftlichen Methoden an der Optimierung des Zusammenlebens der Geschlechter miteinander arbeiten (und das tut man ja in den wissenschaftlichen Zweigen auch). Das ist aber der harte Weg. Da muss man erforschen was besser ist. Grundlage der politischen Ideologie Gender Studies ist aber mE nicht zu klären was unser Zusammenleben besser macht. Warum sollte man sich dann gegen die Wissenschaft stellen? Steht die etwa im Ruf schlechte Resultate zu produzieren? Eher nicht! Aber sie steht eben im Ruf nicht immer die Resultate zu produzieren, die sich Interessengruppen oft wünschen. Ein Schelm wer böses dabei denkt.

Vielleicht sollte man mal einen Thread aufmachen, der sich mit dem Thema "Wissenschaftlichkeit" befasst ...

Stimmt, Selina und ich finden bezüglich Gender Studies keinen Konsens, denn dazu müsste man sich mit dem auseinander setzen, womit sich "Genderforscher" beschäftigen und was sie an "Forschungsergebnissen" produzieren und nicht nur Zeitungsartikel lesen, in denen nach Argumenten für Gender Studies gesucht wird und mittels argumentum ad hominem gegen Genderkritiker vorgegangen wird. Was man von "Genderforschern" allerdings an Forschungsergebnissen geboten bekommt, ist sehr schwer verdauliche Kost - beispielsweise der von mir zitierte und verlinkte Text oder auch eine so genannte Dissertation in der doch tatsächlich von "sozialer Schwangerschaft", "Beteiligten an einer Schwangerschaft" und davon dass "Frauen Schwangerschaft für sich reklamieren" die Rede ist, in der allen Ernstes behauptet wird Schwangerschaft würde sozial konstruiert, gesellschaftlich hergestellt, dass nicht nur Frauen schwanger würden und dass Schwangerschaft nur minimal etwas mit Biologie zu tun hätte. (hatte ich schon mal verlinkt, finde diesen im Moment jedoch nicht)

Wer da noch von Wissenschaft redet, hat wirklich keine Ahnung, was Wissenschaftlichkeit ist. Die Verteidiger/Befürworter der Gender Studies begreifen ja nicht einmal, dass es nicht darum geht, tatsächliche Diskrepanzen im gesellschaftlichen Gefüge aufzuzeigen bzw Mittel und Wege zur Beseitigung dieser Diskrepanzen zu zeigen, sondern es geht tatsächlich um eine Zerstörung des Zusammelebens, um ein "Gegeneinander der Geschlechter" - der Mann ist der Feind, egal was er tut, der Mann gehört bekämpft. Indem Interessen von marginalen Minderheiten in den Fokus gerückt werden, an denen sich die Mehrheit zu orientieren - besser noch, die sich die Mehrheit zu eigen machen soll, wird das normale Zusammenleben von Mann und Frau zunehmend erschwert. Ein sehr gefährlicher Versuch, der einmal gelungen nur sehr schwer wieder rückgängig zu machen ist.
In den Gender Studies geht es weder um Wissenschaft noch um die Beseitigung gesellschaftlicher Diskrepanzen, sondern um die absolute Macht - darum auch "Forschungen" (zwar noch außerhalb von Unis) zum Matriarchat und Patriarchat, auch wenn sich beide historisch nicht nachweisen lassen, wenn es für beide nicht den kleinsten (archäologischen) Hinweis gibt.
Die von Genderideologen angestrebte Gesellschaft ist eine Dystopie.

Ich bezweifle allerdings, dass ein Thread über Wissenschaftlichkeit, wissenschaftliche Methode an der Einstellung gewisser Zeitgenossen auch nur einen Deut ändern würde.
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon MäckIntaier » Di 16. Okt 2018, 07:26

Skeptiker hat geschrieben:(15 Oct 2018, 00:16)


Vielleicht sollte man mal einen Thread aufmachen, der sich mit dem Thema "Wissenschaftlichkeit" befasst ...


Das wird im Zweifelsfall niemanden überzeugen, von einer falschen Sache abzulassen, wenn er glaubt, mit diesem Ablassen ein Zugeständnis an den Feind zu machen. Da können auch alle Kapitel von Mein Kampf umgeschrieben werden und als Beitrag zu den Gender Studies erscheinen. Nicht das wäre ein Skandal, sondern der wissenschaftliche Zweifel an etwas, das in der eigenen Weltsicht als etwas Gutes gilt. Im Gewissenskonfliktfall hat die Ideologie Vorfahrt.
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Watchful_Eye » Di 16. Okt 2018, 15:53

In Ungarn werden Gender Studies jetzt übrigens aus dem Lehrplan gestrichen:
https://www.zeit.de/politik/ausland/201 ... ktor-orban

Und wie gesagt - ich habe auch das Gefühl, dass dort viel Unsinn gelehrt wird, aber halte nichts von staatlichen Verboten, solange daran Interesse besteht.
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Dark Angel » Di 16. Okt 2018, 17:17

Watchful_Eye hat geschrieben:(16 Oct 2018, 16:53)

In Ungarn werden Gender Studies jetzt übrigens aus dem Lehrplan gestrichen:
https://www.zeit.de/politik/ausland/201 ... ktor-orban

Und wie gesagt - ich habe auch das Gefühl, dass dort viel Unsinn gelehrt wird, aber halte nichts von staatlichen Verboten, solange daran Interesse besteht.

Da sind die Ungarn nicht die ersten. Sie befinden sich da in guter Gesellschaft mit Norwegen, welches das "Institut für Genderforschung" bereits 2011 geschlossen hat. Grund dafür war die Dokumentation "Gehirngewaschen - das Gleichstellungsparadox", die der Komiker und Soziologe Harald Eya 2010 produzierte. In dieser Doku werden "Genderforscher" mit den Erkenntnissen von Evolutionsbiologen, Psychologen und Evolutionspsychologen konfrontiert.
Außer "das kann nicht sein, wir haben eine Theorie" konnten die Genderforscher den Erkenntnissen der Wissenschaftler nichts entgegen setzen.

Achja - Ungarn will Gender Studies an staatlichen Universitäten nicht mehr finanzieren. Es betrifft genau eine ungarische Uni, die zweite - die von der Open Society privat finanzierte - wird Gender Studies weiterhin anbieten und es betrifft auch genau 20 (interessierte) Studenten der staatlichen ungarischen Universität.
Also viel Lärm um nichts.
Zuletzt geändert von Dark Angel am Di 16. Okt 2018, 17:20, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon MäckIntaier » Di 16. Okt 2018, 17:18

Watchful_Eye hat geschrieben:(16 Oct 2018, 16:53)

In Ungarn werden Gender Studies jetzt übrigens aus dem Lehrplan gestrichen:
https://www.zeit.de/politik/ausland/201 ... ktor-orban

Und wie gesagt - ich habe auch das Gefühl, dass dort viel Unsinn gelehrt wird, aber halte nichts von staatlichen Verboten, solange daran Interesse besteht.


In diesem Sinne und im Sinne der Güterabwägung ist das nachvollziehbar. Wobei man dann wiederum auch feststellen könnte, dass die beiden Schweine, die im Rahmen des freien Warenverkehrs den Transport von Flensburg nach Palermo bzw. in die Gegenrichtung von Palermo nach Flensburg zu erdulden haben, irgendwie mehr Bedauern hervorrufen wie die Beschäftigungslosigkeit derjenigen, die außerstande sind, ein umgeschriebenes Kapitel aus Mein Kampf als den Unsinn zu erkennen, der es ist. Beiden Freiheiten sollte auch ein vernünftiges Maß inhärent sein.
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Watchful_Eye » Di 16. Okt 2018, 17:49

Dark Angel hat geschrieben:(16 Oct 2018, 18:17)

Da sind die Ungarn nicht die ersten. Sie befinden sich da in guter Gesellschaft mit Norwegen, welches das "Institut für Genderforschung" bereits 2011 geschlossen hat. Grund dafür war die Dokumentation "Gehirngewaschen - das Gleichstellungsparadox", die der Komiker und Soziologe Harald Eya 2010 produzierte. In dieser Doku werden "Genderforscher" mit den Erkenntnissen von Evolutionsbiologen, Psychologen und Evolutionspsychologen konfrontiert.
Außer "das kann nicht sein, wir haben eine Theorie" konnten die Genderforscher den Erkenntnissen der Wissenschaftler nichts entgegen setzen.

Achja - Ungarn will Gender Studies an staatlichen Universitäten nicht mehr finanzieren. Es betrifft genau eine ungarische Uni, die zweite - die von der Open Society privat finanzierte - wird Gender Studies weiterhin anbieten und es betrifft auch genau 20 (interessierte) Studenten der staatlichen ungarischen Universität.
Also viel Lärm um nichts.

Die Doku kenne ich sehr gut - hab ich auch schon ausführlich angesprochen, sowohl in diesem Thread als auch in einem seperaten Thread. :)

Kannst du mir deine Quellen dafür zeigen, dass a) als Reaktion auf "Hjernevask" das "Institut für Genderforschung" in Norwegen geschlossen wurde - und b) dass das in Ungarn nur für die eine Uni und 20 Studenten gilt? Ich kann mir das schon vorstellen, aber ich würds trotzdem gerne selbst lesen.

Selbst wenn Teile der Genderforschung auf solchen Fehlannahmen basieren, bin ich nicht sicher, ob man da nicht zu pauschal denkt. Nur, weil die Genetik eben nicht vernachlässigt werden darf, heißt das ja nicht, dass obendrein nicht auch soziale Effekte eine Rolle spielen können. Ich vermute mal, dass nicht jede Erkenntnis der Genderforschung im direkten Widerspruch zur Evolutionsbiologie steht.
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Dark Angel » Di 16. Okt 2018, 19:41

Watchful_Eye hat geschrieben:(16 Oct 2018, 18:49)

Die Doku kenne ich sehr gut - hab ich auch schon ausführlich angesprochen, sowohl in diesem Thread als auch in einem seperaten Thread. :)

Kannst du mir deine Quellen dafür zeigen, dass a) als Reaktion auf "Hjernevask" das "Institut für Genderforschung" in Norwegen geschlossen wurde - und b) dass das in Ungarn nur für die eine Uni und 20 Studenten gilt? Ich kann mir das schon vorstellen, aber ich würds trotzdem gerne selbst lesen.

Gerne doch - die Info zur Schließung des norwegischen Instituts
"Harald Eia ist Norweger, Komiker und Soziologe. Und er tritt gern als Clown auf, um seinen Gesprächspartnern ehrliche Antworten zu entlocken. Ende 2011 endete einer seiner Aktionen mit der Schließung des millionenschweren Genderinstituts in Norwegen, wo man sich gerne besonderer Gleichheit der Geschlechter rühmt."
Quelle


In Deutschland wird der Zusammenhang zwischen Doku und Schließung des Institutes von "Genderforschern" dementiert und eine planmäßige Schließung behauptet.

"Die Eötvös Lóránd Tudományegyetem (ELTE) trifft das Verbot härter. Es ist die größte Universität des Landes, Orbán hat hier Jura studiert. Erst vor zwei Jahren bekam sie die Akkreditierung für den ersten Studiengang Gender Studies in ungarischer Sprache.
Zehn Studenten und Studentinnen haben vor einem Jahr ihr Studium angefangen, dieses Jahr kommen zehn weitere hinzu. Aber danach wird wohl Schluss sein. Das Kabinett darf die Akkreditierung des Faches entziehen und die Gender Studies an dieser Uni verbieten."
Quelle


Watchful_Eye hat geschrieben:(16 Oct 2018, 18:49)Selbst wenn Teile der Genderforschung auf solchen Fehlannahmen basieren, bin ich nicht sicher, ob man da nicht zu pauschal denkt. Nur, weil die Genetik eben nicht vernachlässigt werden darf, heißt das ja nicht, dass obendrein nicht auch soziale Effekte eine Rolle spielen können. Ich vermute mal, dass nicht jede Erkenntnis der Genderforschung im direkten Widerspruch zur Evolutionsbiologie steht.


Ok - lassen wir die Gender Studies selber zu Wort kommen, was sie erforschen und wie sie forschen:

"Ein dreiviertel Jahrhundert später hat die nicht mehr als selbstverständlich hingenommene Vorherrschaft von Männern in der Öffentlichkeit, der Wissenschaft und Alltag einen feministischen Generalangriff auf androzentrische Weltauslegung und -bemächtigung auf den Plan gerufen. Sie führte über die Frauenbewegung zur akademischen Institutionalisierung der Frauenforschung und später der Gender Studies. [...]
... dass nicht nur Männer Pornographie konsumieren - aber nicht, was das für die gesellschaftliche Ordnung von Geschlecht bedeutet und dass eigentlich unklar ist, was Männer und Frauen denn noch "wirklich sind. [...]
Soziologie und Gender Studies tragen dazu ihren Teil bei indem sie vermeintlich Selbstverständliches seiner Selbstverständlichkeit berauben und als sozial konstuiert ausweisen"
Quelle


Der Begriff der Heteronormativität beschreibt Heterosexualität als ein zentrales Machtverhältnis, das alle wesentlichen gesellschaftlichen und kulturellen Bereiche, ja die Subjekte selbst durchzieht. In der gängigen Rezeption referiert der
Begriff auf die wechselseitige Verwiesenheit von Geschlecht und Sexualität und hebt die Erkenntnis hervor, dass vorherrschende Geschlechterdiskurse in mehrfacher Weise heterosexualisiert sind: Sie basieren zum einen auf der Annahme von zwei klar voneinander abgrenzbaren, sich ausschließenden Geschlechtern.
Dabei bringt das diskursive Regime hegemonialer Heterosexualität normative Annahmen über ‘gesunde’ Körperlichkeit und angemessenes Sozialverhalten sowie normalisierende Identitätszuschreibungen hervor, die allesamt den
vorherrschenden Glauben an die Natürlichkeit, Eindeutigkeit und Unveränderbarkeit von Geschlecht und sexueller Orientierung fundieren. Entsprechend geht die vermeintliche Normalität heterosexueller Geschlechtlichkeiten und Begehrensstrukturen mit der Konstruktion von Homo- und Bisexualitäten sowie von transgender, transsexueller oder intersexueller Körperlichkeiten als Abweichungen einher. [...]
Die Naturalisierung von Heterosexualität zeigt sich bspw. in der Selbstverständlichkeit, mit der heterosexuelle Paarbildung als Ursprung und Grundlage aller sozialen Beziehungen angesehen und in Diskurse über Körper, Familie, Reife, Gesundheit, Generativität, Erziehung und Nation eingeschrieben ist [...]
Im Zuge des wachsenden Einflusses postmoderner und poststrukturalistischer Narrative innerhalb des akademischen Feminismus, der Lesbian and Gay Studies und der Queer Theory hat die strukturalistische Analyse zunehmend an
Einfluss verloren. Es ist unter anderem der starken Betonung von Vieldeutigkeit und Interdependenz innerhalb poststrukturalistischer Theoriebildung geschuldet
, dass heutzutage weit weniger AutorInnen in ihren Analysen auf das Heterosexismuskonzept zurückgreifen. Die starke Bezugnahme auf Michel Foucault und das zunehmende Interesse an
Queer Theory hat zur Ausarbeitung diskursbezogener Heteronormativitätskonzepte geführt. "
Quelle


Hier wird ganz bewusst nicht zwischen "normal" - im Sinne statistischer Häufigkeit und "natürlich" - im Sinne von "durch den Menschen nicht beeinflussbar" unterschieden. Mehr noch - es wird behauptet (unterstellt) Heterosexualität sei nicht nicht natürlich, sondern gesellschaftlich erzwungen bzw sozial konstuiert.

Aber weiter mit den Aussagen die Gender Studies selbst machen:

"Durchblicken oder durchsetzen - auf diese Formel ließe sich der Unterschied von Gender Studies und Gender Mainstreaming
bringen: Um die Bedeutung der Kategorie Geschlecht und der Geschlechterverhältnisse in ihren sozialen Zusammenhängen zu durchblicken und im nächsten Schritt auch zu verändern, bedarf es der wissenschaftlichen Analyse.
Dafür sind Gender Studies zuständig. Um diesen nächsten Schritt, nämlich Geschlechtergerechtigkeit zu institutionalisieren,
auch politisch durchzusetzen, sind spezifische Instrumente und Methoden vonnöten.
Damit ist Gender Mainstreaming als politische Strategie gefragt. [...]
Gender Mainstreaming ist aber nicht nur eine Strategie der Geschlechterpolitik in Politik und Wirtschaft, sondern ebenso auch
in der Institution Wissenschaft. Und Gender Studies zielen auf eine Entnaturalisierung von Geschlecht, was als Programm allen
Strategien des Gender Mainstreaming (implizit) zugrunde liegt.
Diese Entnaturalisierung lässt sich am prägnantesten mit dem Begriff des Queering fassen. Queer beschreibt "Ansätze oder
Modelle, die Brüche im angeblichen stabilen Verhältnis zwischen chromosomalem, gelebtem Geschlecht (gender) und sexuellem
Begehren hervorheben. Im Kampf gegen diese Vorstellung von Stabilität - die vorgibt, Heterosexualität sei ihre Ursache, während
sie tatsächlich ihre Wirkung ist - lenkt queer den Blick dahin, wo biologisches Geschlecht (sex), soziales Geschlecht (gender)
und Begehren nicht zusammenpassen"
Quelle


"Dabei hat die Geschlechterforschung längst gezeigt, dass nicht erst die tatsächliche Mutterschaft, sondern bereits die (zugeschriebene) potentielle Gebärfähigkeit von Frauen diskriminierende Effekte zeitigt. [...]
Ihre Wirkmächtigkeit erfährt die Gleichsetzung von Frau und Mutter, wie aus den Beobachtungen ersichtlich ist, aus einem biologistischen Begründungszusammenhang - maßgeblich durch das Phänomen der Fortpflanzung. [...]
Die Ableitung einer komplementären und hierarchischen Geschlechterordnung aus dem Prozess der Fortpflanzung findet sich auch in der naturwissenschaftlichen Beschreibung des Vorgangs der Verschmelzung zweier Gametenzellen ...
Die vorliegende Arbeit lässt sich daran anschließend präzisieren, dass sich das Erkenntnisinteresse auf die soziale Hervorbringung des Verweisungszusammenhangs zwischen dem Phänomen Fortpflanzung und der Gechlechtsdifferenzierung in weiblich/männlich richtet. Es wird gefragt, wie der [u]scheinbar rein biologische Prozess der Fortpflanzung seine soziale und insbesondere geschlechterkonstruierende Wirkmächtigkeit entfaltet.
Quelle


Mach dir bitte selbst ein Bild ob und wie Gender Studies im Widerspruch zu Naturwissenschaft und naturwissenschaftlichen Erkenntnissen stehen
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Ammianus » Di 16. Okt 2018, 21:43

Hab mir jetzt streckenweise diese Texte angetan. Kein Wunder das man den derart Gläubigen auch mal ein paar leicht veränderte Seiten von "Mein Kampf" unterschieben kann. Den Versuch, auch im Bereich der Archäologie Unsinn zusammenzuschwatzen gab es ja auch mal. In den letzten Jahren hat das dann aber die böse Genforschung dorthin verwiesen, wo es hingehört: In die Tonne. Biologismus halt...
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon schokoschendrezki » Di 16. Okt 2018, 22:11

Skeptiker hat geschrieben:(15 Oct 2018, 00:16)

Du hast das, wie immer, sehr akribisch herausgearbeitet und es ist in meinen Augen sehr überzeugend. Ich denke allerdings, da gebe ich Selina sogar Recht, dass ihr da auf keinen gemeinsamen Nenner kommen werdet.

Ich selber hatte auch schon angefangen auf Selinas letzte Frage hin die gesamte Argumentationskette nochmal neu und kompakt aufzubereiten um aufzuzeigen, dass es garkeinen Sinn ergibt Einzelfälle von Studien zu suchen und deren Unwissenschaftlichkeit "nachzuweisen", wenn das Fundament der ganzen Disziplin erklärtermaßen unwissenschaftlich ist und ein Interesse verfolgt (was z.B. klaren Einfluss auf Offenheit und Redlichkeit der Forschung hat). Die Arbeit spare ich mir aber, weil die Antwort klar gewesen wäre, eben "Keine Belege" und "Du bist Anti-Feminist".

Es ist für Selina offenbar auch vollkommen normal davon auszugehen, dass Forschung zu sozialen Themen nicht naturwissenschaftlichen Regeln unterliegen muss, weil, und das ist der Kern des Problems, in meinen Augen bei Ihr und vielen anderen auch, Naturwissenschaften und deren Philosophie garnicht verstanden werden. Mein Eindruck ist, dass viele Menschen Naturwissenschaften rein mit der Untersuchung eines physikalischen Objektes zu tun haben. Die Systematik, die eigentliche wissenschaftliche Methodik ausmacht, wird von vielen Menschen vollkommen unterschätzt, wenn sie überhaupt bekannt ist (das war der Hintergrund, warum ich die Werte der Wissenschaft verlinkt hatte).

Vor dem Hintergrund gehen offenbar viele Menschen davon aus, Sozialwissenschaften kämen auch ohne naturwissenschaftliche Methoden aus, und man könne sie in die Hände von Geisteswissenschaftlern mit politischer Zielausrichtung legen.

Auch wenn ich etwas gebraucht habe, um den Sprachkauderwelsch grammatikalisch zu verstehen: In dem in diesem Thread verlinkten ZEIT-Artikel zum Auslaufen des GS-Studiengangs an der Budapester ELTE-Uni ist davon die Rede, dass die Geschlechterforschung nach Ansicht der ungarischen Regierung "die Fundamente der christlichen Familie" untergrabe. Das also soll es sein? Forschung habe im Dienst ideologisch-kulturell-religiöser Vorgaben, "politischer Zielausrichtungen" zu stehen?
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Skeptiker » Di 16. Okt 2018, 22:53

schokoschendrezki hat geschrieben:(16 Oct 2018, 23:11)
Auch wenn ich etwas gebraucht habe, um den Sprachkauderwelsch grammatikalisch zu verstehen: In dem in diesem Thread verlinkten ZEIT-Artikel zum Auslaufen des GS-Studiengangs an der Budapester ELTE-Uni ist davon die Rede, dass die Geschlechterforschung nach Ansicht der ungarischen Regierung "die Fundamente der christlichen Familie" untergrabe. Das also soll es sein? Forschung habe im Dienst ideologisch-kulturell-religiöser Vorgaben, "politischer Zielausrichtungen" zu stehen?

Auf der einen Seite steht die Wissenschaft und deren bekannter Ethos. Auf der anderen Seite stehen Ideologen, welche offenbar die Qualität der Forschung and der Konformität mit der eigenen Meinung festmachen.

Du willst hier den Eindruck erwecken, dass Wissenschaft interessengeleitet ist? Ich finde das schwer nachzuvollziehen. Was muss man anstellen um ernsthaft zu glauben, Naturwissenschaftler hätten sich verschworen holde Genderologen auf ihrer Suche nach der Wahrheit zu sabotieren um das streng gehütete Geheimnis, dass wir uns Geschlechter seit Millionen von Jahren nur ausdenken, für die Kirche vor der Welt zu verbergen?

Auf der anderen Seite stehen Leute, die ausser einem Gedankenkonstrukt und (positiv gedacht) gutem Vorsatz NICHTS zu bieten haben, die NICHTS belegen können und die daher das Prinzip des Belegens, auch Wissenschaft genannt, total blöd finden. DIE sind also NICHT interessengeleitet?

Darf ich daran erinnern, dass Gender Studies eine Grundphilosophie haben die nicht belegt ist? Da würde ich auch Philosophen als Freunde suchen, wenn Wissenschaftler somit nicht mehr in Frage kommen.

Wer das neutral betrachtet, der kommt sehr schnell zu der Erkenntnis WER interessengeleitet ist.
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon schokoschendrezki » Di 16. Okt 2018, 23:07

Skeptiker hat geschrieben:(16 Oct 2018, 23:53)

Auf der einen Seite steht die Wissenschaft und deren bekannter Ethos. Auf der anderen Seite stehen Ideologen, welche offenbar die Qualität der Forschung and der Konformität mit der eigenen Meinung festmachen.

Du willst hier den Eindruck erwecken, dass Wissenschaft interessengeleitet ist? I

Nein. Ich weise schlicht und einfach darauf hin, dass konkret die Wissenschaftspolitik der gegenwärtigen ungarischen Regierung einer rechtskonservativ-nationalistischen Ideologie folgt. Und dass das Auslaufen des GS-Studiengangs an der ELTE Budapest dieser Ideologie geschuldet ist. Das ist eine konkrete politische Aussage, keine allgemein irgendwie wissenschaftskritische.
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Selina » Di 16. Okt 2018, 23:13

Da hier bislang keiner meine Fragen beantwortet hat, die ich im Beitrag So 14. Okt 2018, 14:43 stellte, habe ich nun selbst Antworten gefunden, die im untenstehenden Text gut auf den Punkt gebracht werden.

Aber zunächst nochmal meine schon einmal gestellten Fragen:

Welche "Ideologie" soll denn nun genau hinter der Genderforschung eurer Meinung nach stecken? Was besagt sie? Welche Ziele hat sie diese "Ideologie"?

Was macht sie in deinen (DA) und Skeptikers Augen so gefährlich?

Welche "Schlüsse" der Genderforscher führen zu welchen "falschen Entscheidungen" (Formulierungen von Skeptiker)?

Und nun die Frage, die schokoschendrezki stellte und deren Beantwortung mich auch schon längere Zeit interessiert: "Woher rührt dieser Hang zur Aufblasung dieses Nischenphänomens zu einem schwarzen Riesenmonster"? (schoko)

Hier im Text der Böll-Stiftung wird vieles recht deutlich erklärt und beantwortet:

Zitat:

„Mehr Kinder? Aber nur deutsche!“ - Die Familienpolitik der AfD

Die Kritik an gleichstellungspolitischen und feministischen Errungenschaften unserer Gesellschaft wird lauter. Die AfD hat sich zum Sprachrohr antifeministischer Strömungen gemacht. Ihre Familienpolitik soll die traditionelle Kleinfamilie stärken und dem „Erhalt des eigenen Staatsvolkes“ dienen.

von Dr. Klemens Ketelhut

AfD als antifeministisches Sprachrohr

Aktueller Antifeminismus lehnt gleichstellungspolitische Maßnahmen ab und richtet sich gegen damit verbundenen Abbau sozialer Ungleichheit zwischen Geschlechtern und die Vielfalt sexueller Identitäten und Orientierungen. Antifeministische Strömungen sind vielfältig und werden politisch vor allem von der Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) vertreten. Ihr Fokus liegt auf einer als Familienpolitik bezeichneten völkischen Bevölkerungspolitik. Damit zusammen hängen Themen wie der angebliche „Lebensschutz“ und ein durch Natur begründetes Bild von Geschlecht und Gesellschaft. Die AfD versucht, die Rolle der traditionellen heterosexuellen Kleinfamilie als Garant gesellschaftlicher Ordnung zu stärken.

Traditionelle Familie soll das „deutsche Staatsvolk“ retten

Diese Positionen werden in verschiedenen Wahlprogrammen der AfD als zentraler Bestandteil vertreten. So steht im Bundestagswahlprogramm 2017[1] das entsprechende Kapitel unter der Überschrift „Willkommenskultur für Kinder: Familienförderung und Bevölkerungsentwicklung“[2]. Gemeinsamer Ausgangspunkt für die unterschiedlichen antifeministischen und antiemanzipatorischen Strömungen ist die Vorstellung, dass das „deutsche Staatsvolk“[3] dramatisch kleiner werde. Diese Entwicklung wird als problematisch interpretiert, als Lösung wird eine Familienpolitik gefordert, die auf der deutschstämmigen heterosexuellen Kleinfamilie beruht. Familie wird ausschließlich verstanden als eine lebenslange eheliche Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau und deren (gemeinsamen) Kindern. Diese Setzung und ein naturhaftes Verständnis von Geschlecht führen dann zu entsprechenden weiteren politischen Forderungen wie einer Verschärfung des Scheidungsrechts, einer ablehnenden Haltung gegenüber dem sexuellen und reproduktiven Selbstbestimmungsrecht von Frauen* sowie jeglicher Maßnahmen, die der Geschlechtergerechtigkeit dienen (z.B. geschlechtergerechte Sprache, Gender-Mainstreaming oder Quotenregelungen für Frauen*).

Biologie bestimmt Geschlechterrollen und Staatsverständnis

Die Interpretation von Geschlecht und Geschlechterrollen als „natürlich“ erfüllt mehrere Zwecke: Zum einen besitzen Erklärungen, die mit dem Konzept „Natur“ arbeiten, die Form sogenannter Letztbegründungen. Damit können sie einer argumentativen Auseinandersetzung leicht entzogen werden, ihre Richtigkeit wird nicht mehr angezweifelt. Zum anderen wird ein Zusammenhang zu gesellschaftlicher Ordnung hergestellt: nur wenn Frauen und Männer in die Lage versetzt würden, ihren jeweils „natürlichen“ Anlagen gemäß zu handeln, kann eine gute und stabile Gesellschaft entstehen. Eine der zentralen „weiblichen“ Eigenschaften ist dabei die Reproduktionsarbeit, also das Gebären und Aufziehen von Kindern in Familien.[4] Frauen* werden also als Mütter und damit Hüterinnen des (deutschen) Volkes gesehen.

Gegen Selbstbestimmung und Vielfalt

Aus diesem Verständnis von Staat, Familie und Geschlecht/Geschlechterordnung werden dann weitere politische Forderungen abgeleitet. So lehnt die AfD die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Geschlecht und Geschlechterverhältnissen („Gender-Studies“) als ideologisch und verfassungsfeindlich ab.[5] Weiterhin interpretiert sie die Forderung nach rechtlicher Gleichstellung sexueller und geschlechtlicher Vielfalt als unrechtmäßiges Anliegen einer „lauten Minderheit“. Dabei werden vor allem Bildungsangebote, die auf Aufklärung und Antidiskriminierung zielen, als „Frühsexualisierung“ und als „ideologisches Experiment“ zurückgewiesen.[6] Entsprechend engagieren sich auch Parteimitglieder und Amtsinhaber*innen bei der „Demo für alle“ und ähnlichen Bewegungen, die gleichstellende Bildungsarbeit skandalisieren und sich für die Diskriminierung beispielsweise homosexueller oder trans* Personen aussprechen.

In der Logik einer auf Bevölkerungswachstum orientierten Familienpolitik stehen auch Forderungen, die unter dem Begriff „Lebensschutz“ zusammengefasst werden können. Damit sind Gegner*innen von Schwangerschaftsabbrüchen gemeint, die entweder aus fundamental-christlichen und/oder national-völkischen Motiven heraus das Recht auf reproduktive Selbstbestimmung von Frauen vollkommen abschaffen wollen. Hier wird die Frontstellung zwischen emanzipatorischen Forderungen, wie sie beispielsweise die Frauen*bewegungen erhoben haben und den politischen Forderungen der AfD besonders deutlich.

Demokratie lebt von Vielfalt

Der Kampf um Gleichberechtigung von Männern* und Frauen* wird seit über 150 Jahren in Deutschland geführt. Vor allem die Frauen*bewegungen haben daran einen wichtigen Anteil, aber auch soziale Bewegungen, die sich mit dem Thema sexueller und geschlechtlicher Vielfalt befassen. Der Schutz von Minderheiten und die Forderung nach Gleichberechtigung sind genuiner Bestandteil einer lebendigen Demokratie. Antifeministische Strömungen und Artikulationen versuchen, die bisherigen Resultate zurückzudrängen. Damit negieren sie, dass allen Menschen in einer Gesellschaft die gleichen Rechte zustehen und fördern das Wiedererstarken patriarchaler Denk- und Handlungsmuster. Demokratie aber lebt von Vielfalt. Familien sind da, wo Kinder sind, wo Menschen aufeinander achten – diese Perspektive gilt es zu schützen. Es gibt keine Gründe, dass Frauen* oder Menschen, die sich anders definieren, faktisch weniger Rechte haben sollen als Männer*. Diesen Weg weiterzugehen, scheint eine wichtige Herausforderung der heutigen Zeit zu sein.


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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Fliege » Di 16. Okt 2018, 23:15

Skeptiker hat geschrieben:(16 Oct 2018, 23:53)
Darf ich daran erinnern, dass Gender Studies eine Grundphilosophie haben die nicht belegt ist? Da würde ich auch Philosophen als Freunde suchen, wenn Wissenschaftler somit nicht mehr in Frage kommen.

Einen solchen philosophischen Freund führte ich bereits an:
Fliege hat geschrieben:(11 Oct 2018, 17:23)
In der vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift Information Philosophie gab Geert Keil (früher in Aachen, nun in Berlin) einschlägig zu bedenken:
"Bei dieser Gelegenheit sollten wir auch vor der eigenen Tür kehren und uns publizistisch sichtbar von Theoriemoden distanzieren, die das Feuilleton mit der Philosophie assoziiert, wiewohl sie dort kaum Anklang finden.
Es wäre ein schöner Dienst an der Allgemeinheit, einmal gut verständlich die begrifflichen Verwirrungen aufzudecken, die Slogans wie 'Wirklichkeit ist eine Konstruktion', 'Tatsachen sind interpretationsabhängig' und 'Es gibt keine objektive Wahrheit' zugrunde liegen. Die erforderlichen Unterscheidungen und Werkzeuge liegen in der theoretischen Philosophie bereit aber es wäre von Kulturwissenschaftlern und Journalisten, die sich mit Erkenntnistheorie nur oberflächlich und mit Wahrheitstheorie und Metaphysik überhaupt nicht beschäftigt haben, sehr viel verlangt, ohne professionelle Hilfe die jeweiligen Fehler zu erkennen und zu berichtigen.
Viele von ihnen, die im Studium mit postmoderner Theorie traktiert worden sind, wären vermutlich dankbar, Tatsachenverdrehungen und Lügen wieder solche nennen zu dürfen, ohne befürchten zu müssen, als erkenntnistheoretisch naiv oder als vormodern dogmatisch zu gelten" (Information Philosophie, Heft 1, März 2017, S. 19; meine Unterstreichungen).

Skeptiker hat geschrieben:(16 Oct 2018, 23:53)
Wer das neutral betrachtet, der kommt sehr schnell zu der Erkenntnis WER interessengeleitet ist.

Genderologie ist schlicht schlechte Wissenschaft infolge schlechter Philosophie (siehe Noretta Koertge; insbesondere A House built on Sand – Exposing Postmodernist Myths about Science, herausgegeben von Noretta Koertge, 1998). Ich möchte darauf hinweisen, dass dieses Buch bereits 20 Jahre alt ist! (Mir liegt dieses Buch von Koertge vor, es erfüllt alle Erwartungen.)
Schnittblumen verhalten sich zahm, sind aber nicht immer stubenrein; gelten "als politisch ungefestigt und unklar".
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon MäckIntaier » Mi 17. Okt 2018, 07:25

Selina hat geschrieben:(17 Oct 2018, 00:13)

Da hier bislang keiner meine Fragen beantwortet hat,


Es gibt Arten von Fragen, die man sich allein unter Anwendung der eigenen Urteilskraft selbst beantworten muss. Das kostet etwas Mühe. Sie müssten mal kritisch ein oder zwei der Texte lesen und darüber nachdenken, was der User Fliege in seinem letzten Beitrag zitiert hat. Das sollte reichen, um zu einem Urteil in der Sache zu kommen. Die AfD hat in dieser Diskussion nichts verloren. Die Sonne scheint - auch noch, wenn die AfD das behauptet.
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Skeptiker » Mi 17. Okt 2018, 08:20

Selina hat geschrieben:(17 Oct 2018, 00:13)
Da hier bislang keiner meine Fragen beantwortet hat, die ich im Beitrag So 14. Okt 2018, 14:43 stellte, habe ich nun selbst Antworten gefunden, die im untenstehenden Text gut auf den Punkt gebracht werden.
...
Hier im Text der Böll-Stiftung wird vieles recht deutlich erklärt und beantwortet:
...

Selina, jeder geht zu seinem Guru.

Katholiken gehen zum Papst.
Moslems gehen zu ihrem Imam.
Naturwissenschaftler fragen ihren Verstand und prüfen die Fakten.
Postmoderne (-faktische ?) Feministen gehen halt zur Böll-Stiftung.

So findet halt jeder von uns was er sucht, aber wir suchen eben nicht das selbe.
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Selina » Mi 17. Okt 2018, 08:53

MäckIntaier hat geschrieben:(17 Oct 2018, 08:25)

Es gibt Arten von Fragen, die man sich allein unter Anwendung der eigenen Urteilskraft selbst beantworten muss. Das kostet etwas Mühe. Sie müssten mal kritisch ein oder zwei der Texte lesen und darüber nachdenken, was der User Fliege in seinem letzten Beitrag zitiert hat. Das sollte reichen, um zu einem Urteil in der Sache zu kommen. Die AfD hat in dieser Diskussion nichts verloren. Die Sonne scheint - auch noch, wenn die AfD das behauptet.


Da muss ich dich enttäuschen. Antifeminismus und Gender-Kritik gehen nun mal in allererster Linie von der Neuen Rechten (nicht nur in Deutschland) aus. Und der Kern der Neuen Rechten ist hierzulande nun mal die AfD. Du findest entsprechende Anti-Gender-Abschnitte auch in deren Programm. Das hängt mit dem erzkonservativen frauen- und schwulenfeindlichen Familienbild der Neuen Rechten zusammen. Und um dieses mittelalterliche Bild ideologisch zu unterfüttern, braucht man halt genau diese biologistischen Thesen (dafür ziehen die Neurechten gerne Leute wie den Evolutionsbiologen Ulrich Kutschera heran). Was wiederum sehr gut beschrieben wird im von mir zitierten Böll-Stiftungs-Text. Aber wie gesagt: Da kommen wir nicht unter einen Hut. Was ich völlig ok finde.
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Dark Angel » Mi 17. Okt 2018, 10:06

Selina hat geschrieben:(17 Oct 2018, 00:13)

Da hier bislang keiner meine Fragen beantwortet hat, die ich im Beitrag So 14. Okt 2018, 14:43 stellte, habe ich nun selbst Antworten gefunden, die im untenstehenden Text gut auf den Punkt gebracht werden.

Aber zunächst nochmal meine schon einmal gestellten Fragen:

Welche "Ideologie" soll denn nun genau hinter der Genderforschung eurer Meinung nach stecken? Was besagt sie? Welche Ziele hat sie diese "Ideologie"?

Was macht sie in deinen (DA) und Skeptikers Augen so gefährlich?

Welche "Schlüsse" der Genderforscher führen zu welchen "falschen Entscheidungen" (Formulierungen von Skeptiker)?

Und nun die Frage, die schokoschendrezki stellte und deren Beantwortung mich auch schon längere Zeit interessiert: "Woher rührt dieser Hang zur Aufblasung dieses Nischenphänomens zu einem schwarzen Riesenmonster"? (schoko)

Hier im Text der Böll-Stiftung wird vieles recht deutlich erklärt und beantwortet:

Zitat:

„Mehr Kinder? Aber nur deutsche!“ - Die Familienpolitik der AfD

Die Kritik an gleichstellungspolitischen und feministischen Errungenschaften unserer Gesellschaft wird lauter. Die AfD hat sich zum Sprachrohr antifeministischer Strömungen gemacht. Ihre Familienpolitik soll die traditionelle Kleinfamilie stärken und dem „Erhalt des eigenen Staatsvolkes“ dienen.

von Dr. Klemens Ketelhut

AfD als antifeministisches Sprachrohr

Aktueller Antifeminismus lehnt gleichstellungspolitische Maßnahmen ab und richtet sich gegen damit verbundenen Abbau sozialer Ungleichheit zwischen Geschlechtern und die Vielfalt sexueller Identitäten und Orientierungen. Antifeministische Strömungen sind vielfältig und werden politisch vor allem von der Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) vertreten. Ihr Fokus liegt auf einer als Familienpolitik bezeichneten völkischen Bevölkerungspolitik. Damit zusammen hängen Themen wie der angebliche „Lebensschutz“ und ein durch Natur begründetes Bild von Geschlecht und Gesellschaft. Die AfD versucht, die Rolle der traditionellen heterosexuellen Kleinfamilie als Garant gesellschaftlicher Ordnung zu stärken.

Traditionelle Familie soll das „deutsche Staatsvolk“ retten

Diese Positionen werden in verschiedenen Wahlprogrammen der AfD als zentraler Bestandteil vertreten. So steht im Bundestagswahlprogramm 2017[1] das entsprechende Kapitel unter der Überschrift „Willkommenskultur für Kinder: Familienförderung und Bevölkerungsentwicklung“[2]. Gemeinsamer Ausgangspunkt für die unterschiedlichen antifeministischen und antiemanzipatorischen Strömungen ist die Vorstellung, dass das „deutsche Staatsvolk“[3] dramatisch kleiner werde. Diese Entwicklung wird als problematisch interpretiert, als Lösung wird eine Familienpolitik gefordert, die auf der deutschstämmigen heterosexuellen Kleinfamilie beruht. Familie wird ausschließlich verstanden als eine lebenslange eheliche Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau und deren (gemeinsamen) Kindern. Diese Setzung und ein naturhaftes Verständnis von Geschlecht führen dann zu entsprechenden weiteren politischen Forderungen wie einer Verschärfung des Scheidungsrechts, einer ablehnenden Haltung gegenüber dem sexuellen und reproduktiven Selbstbestimmungsrecht von Frauen* sowie jeglicher Maßnahmen, die der Geschlechtergerechtigkeit dienen (z.B. geschlechtergerechte Sprache, Gender-Mainstreaming oder Quotenregelungen für Frauen*).

Biologie bestimmt Geschlechterrollen und Staatsverständnis

Die Interpretation von Geschlecht und Geschlechterrollen als „natürlich“ erfüllt mehrere Zwecke: Zum einen besitzen Erklärungen, die mit dem Konzept „Natur“ arbeiten, die Form sogenannter Letztbegründungen. Damit können sie einer argumentativen Auseinandersetzung leicht entzogen werden, ihre Richtigkeit wird nicht mehr angezweifelt. Zum anderen wird ein Zusammenhang zu gesellschaftlicher Ordnung hergestellt: nur wenn Frauen und Männer in die Lage versetzt würden, ihren jeweils „natürlichen“ Anlagen gemäß zu handeln, kann eine gute und stabile Gesellschaft entstehen. Eine der zentralen „weiblichen“ Eigenschaften ist dabei die Reproduktionsarbeit, also das Gebären und Aufziehen von Kindern in Familien.[4] Frauen* werden also als Mütter und damit Hüterinnen des (deutschen) Volkes gesehen.

Gegen Selbstbestimmung und Vielfalt

Aus diesem Verständnis von Staat, Familie und Geschlecht/Geschlechterordnung werden dann weitere politische Forderungen abgeleitet. So lehnt die AfD die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Geschlecht und Geschlechterverhältnissen („Gender-Studies“) als ideologisch und verfassungsfeindlich ab.[5] Weiterhin interpretiert sie die Forderung nach rechtlicher Gleichstellung sexueller und geschlechtlicher Vielfalt als unrechtmäßiges Anliegen einer „lauten Minderheit“. Dabei werden vor allem Bildungsangebote, die auf Aufklärung und Antidiskriminierung zielen, als „Frühsexualisierung“ und als „ideologisches Experiment“ zurückgewiesen.[6] Entsprechend engagieren sich auch Parteimitglieder und Amtsinhaber*innen bei der „Demo für alle“ und ähnlichen Bewegungen, die gleichstellende Bildungsarbeit skandalisieren und sich für die Diskriminierung beispielsweise homosexueller oder trans* Personen aussprechen.

In der Logik einer auf Bevölkerungswachstum orientierten Familienpolitik stehen auch Forderungen, die unter dem Begriff „Lebensschutz“ zusammengefasst werden können. Damit sind Gegner*innen von Schwangerschaftsabbrüchen gemeint, die entweder aus fundamental-christlichen und/oder national-völkischen Motiven heraus das Recht auf reproduktive Selbstbestimmung von Frauen vollkommen abschaffen wollen. Hier wird die Frontstellung zwischen emanzipatorischen Forderungen, wie sie beispielsweise die Frauen*bewegungen erhoben haben und den politischen Forderungen der AfD besonders deutlich.

Demokratie lebt von Vielfalt

Der Kampf um Gleichberechtigung von Männern* und Frauen* wird seit über 150 Jahren in Deutschland geführt. Vor allem die Frauen*bewegungen haben daran einen wichtigen Anteil, aber auch soziale Bewegungen, die sich mit dem Thema sexueller und geschlechtlicher Vielfalt befassen. Der Schutz von Minderheiten und die Forderung nach Gleichberechtigung sind genuiner Bestandteil einer lebendigen Demokratie. Antifeministische Strömungen und Artikulationen versuchen, die bisherigen Resultate zurückzudrängen. Damit negieren sie, dass allen Menschen in einer Gesellschaft die gleichen Rechte zustehen und fördern das Wiedererstarken patriarchaler Denk- und Handlungsmuster. Demokratie aber lebt von Vielfalt. Familien sind da, wo Kinder sind, wo Menschen aufeinander achten – diese Perspektive gilt es zu schützen. Es gibt keine Gründe, dass Frauen* oder Menschen, die sich anders definieren, faktisch weniger Rechte haben sollen als Männer*. Diesen Weg weiterzugehen, scheint eine wichtige Herausforderung der heutigen Zeit zu sein.


https://www.gwi-boell.de/de/2018/02/19/ ... ik-der-afd

Selina - die Antworten auf deine Fragen wurden Dir 1. bereits mehrfach sehr ausführlich gegeben. Du hast diese allerdings bisher ignoriert und ignorierst sie weiterhin!
2. Findest du die Antworten eben NICHT in irgendwelchen verschwurbelten Pubblikationen Linken und Grünen nahestehenden Stiftungen - sondern in den Aussagen der Gender"forscher" selbst.

Es geht um Durchsetzung politischer Ziele und es geht um die Erlangung von Macht, es geht um Ausübung von Macht - um nichts anderes. Mit räächts und AfD hat das - entgegen deinen Wahnvorstellungen - gar nichts zu tun.

Worin die Gefahr der Genderideologie besteht, findest du in genau dieser Aussage:
"Durchblicken oder durchsetzen - auf diese Formel ließe sich der Unterschied von Gender Studies und Gender Mainstreaming
bringen: Um die Bedeutung der Kategorie Geschlecht und der Geschlechterverhältnisse in ihren sozialen Zusammenhängen zu durchblicken und im nächsten Schritt auch zu verändern, bedarf es der wissenschaftlichen Analyse.
Dafür sind Gender Studies zuständig. Um diesen nächsten Schritt, nämlich Geschlechtergerechtigkeit zu institutionalisieren,
auch politisch durchzusetzen, sind spezifische Instrumente und Methoden vonnöten.
Damit ist Gender Mainstreaming als politische Strategie gefragt. [...]
Gender Mainstreaming ist aber nicht nur eine Strategie der Geschlechterpolitik in Politik und Wirtschaft, sondern ebenso auch
in der Institution Wissenschaft. Und Gender Studies zielen auf eine Entnaturalisierung von Geschlecht, was als Programm allen
Strategien des Gender Mainstreaming (implizit) zugrunde liegt."


Einfach mal bis zu meiner Antwort an User Watchful_Eye scrollen und den verlinkten Text bzw alle verlinkten Texte lesen!
Diese Texte stammen ausnahmslos von Genderforschern - findet man wenn man nach wissenschaftliche Publikationen zu Gender Studies googled. Diese Mühe sollte man sich schon machen, wenn man bezüglich Gender"forschung"/Gender Studies mitreden will!
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Dark Angel » Mi 17. Okt 2018, 10:24

Selina hat geschrieben:(17 Oct 2018, 09:53)

Da muss ich dich enttäuschen. Antifeminismus und Gender-Kritik gehen nun mal in allererster Linie von der Neuen Rechten (nicht nur in Deutschland) aus. Und der Kern der Neuen Rechten ist hierzulande nun mal die AfD. Du findest entsprechende Anti-Gender-Abschnitte auch in deren Programm. Das hängt mit dem erzkonservativen frauen- und schwulenfeindlichen Familienbild der Neuen Rechten zusammen. Und um dieses mittelalterliche Bild ideologisch zu unterfüttern, braucht man halt genau diese biologistischen Thesen (dafür ziehen die Neurechten gerne Leute wie den Evolutionsbiologen Ulrich Kutschera heran). Was wiederum sehr gut beschrieben wird im von mir zitierten Böll-Stiftungs-Text. Aber wie gesagt: Da kommen wir nicht unter einen Hut. Was ich völlig ok finde.

Nein Selina - User MäckIntaier trifft den Nagel auf den Punkt! Die AfD hat in der Diskussion um Kritik an Gender Studies und deren Wissenschaftlichkeit nichts verloren - gar nichts!
Genau DAS was du hier zur Verteidigung der Gender"forschung"/Gender Studies vorbringst IST Ideologie und es zeigt wie sehr du dieser Ideologie auf den Leim gekrochen bist, es zeigt, wie sehr dein Blick für die Realität bereits getrübt ist.
Die Kritik an Gender Studies richtet sich in erster Linie an die Arbeitsweise, Methodik und darauf, dass diese "Forschungen" NICHT - wie in Wissenschaften normal und üblich - ergebnisoffen sind, sondern ergebnisorientiert.
Wenn Ideologie die Grundlage von Forschung ist, kann man noch so sehr vorgeben wissenschaftlich zu analysieren, das Ergebnis bleibt Ideologie.
Und dass es sich um eine Ideologie handelt, wird an dieser Aussage deutlich:

"Im Zuge des wachsenden Einflusses postmoderner und poststrukturalistischer Narrative innerhalb des akademischen Feminismus, der Lesbian and Gay Studies und der Queer Theory hat die strukturalistische Analyse zunehmend an
Einfluss verloren. Es ist unter anderem der starken Betonung von Vieldeutigkeit und Interdependenz innerhalb poststrukturalistischer Theoriebildung geschuldet, dass heutzutage weit weniger AutorInnen in ihren Analysen auf das Heterosexismuskonzept zurückgreifen. Die starke Bezugnahme auf Michel Foucault ..."


Postmoderne mit ihren sozialkonstruktivistischen und poststrukturalistischen Methoden IST Ideologie - wie eigentlich bereits mit der Sokal-Affäre deutlich geworden sein müsste.
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Dark Angel » Mi 17. Okt 2018, 11:19

Selina hat geschrieben:(17 Oct 2018, 09:53)

Da muss ich dich enttäuschen. Antifeminismus und Gender-Kritik gehen nun mal in allererster Linie von der Neuen Rechten (nicht nur in Deutschland) aus. Und der Kern der Neuen Rechten ist hierzulande nun mal die AfD. Du findest entsprechende Anti-Gender-Abschnitte auch in deren Programm. Das hängt mit dem erzkonservativen frauen- und schwulenfeindlichen Familienbild der Neuen Rechten zusammen. Und um dieses mittelalterliche Bild ideologisch zu unterfüttern, braucht man halt genau diese biologistischen Thesen (dafür ziehen die Neurechten gerne Leute wie den Evolutionsbiologen Ulrich Kutschera heran). Was wiederum sehr gut beschrieben wird im von mir zitierten Böll-Stiftungs-Text. Aber wie gesagt: Da kommen wir nicht unter einen Hut. Was ich völlig ok finde.

Diese Behauptung ist schlicht und ergreifend FALSCH!
Kritik an Gender Studies gibt es länger als die AfD und diese Kritik geht NICHT in allererster Linie von "der Neuen Rechten aus, sondern von Wissenschaftlern - Psychologen, Biologen, Evolutionsbiologen, Evolutionspsychologen etc und zwar WEIL biologische Fakten/Erkenntnisse ignoriert und geleugnet werden, WEIL Geschlecht, geschlechtsspezifische Verhaltensunterschiede als sozial konstruert behauptet werden. Behauptungen die regelmäßig an der Überprüfung in der Realität scheitern - wie u.a. die genannte Doku "Gehirngewaschen - das Gleichstellungsparadox" des norwegischen Soziologen Harald Eia aus dem Jahr 2010(!) deutlich zeigt und infolge dessen das norwegische Genderinstitut geschlossen wurde. Das war im Jahr 2011(!).
Zu diesem Zeitpunkt gab es weder eine AfD (in Deutschland) noch sprach zu diesem Zeitpunkt irgendjemand von "Neuen Rechten", die sich gegen Gender Studies verschworen hätten.

"Die im folgenden vorgestellte TV-Dokumentation stellt geisteswissenschaftliche Vertreter der Genderforschung vor und konfrontiert sie mit den Studien und Argumenten von Biologen. Während die Genderforschung die These vertritt, dass Denken und Verhalten der Geschlechter durch Kulturen festgelegt wurden, sagen Biologen, sie hätten nachgewiesen, dass Kinder schon unmittelbar nach der Geburt geschlechtsspezifische Reaktionen und Interessen hätten, die kulturell noch nicht beeinflusst sein könnten. Der norwegische TV-Bericht trägt den Titel "Gehirnwäsche - das Gleichstellungsparadox".
Der TV-Bericht hatte in Norwegen großen Aufruhr verursacht. In der anschließenden Debatte wurden dem staatlichen Gender-Institut die Mittel gestrichen."
Quelle


"Eia konfrontierte die beiden Genderforscher Cathrine Egeland und Jørgen Lorentzen mit seiner These. Egeland meinte verdutzt, die Naturwissenschaft habe in dieser Frage wenig Bedeutung. Auch ihr Kollege Lorentzen zeigte sich fest überzeugt, dass allein die Gesellschaft das soziale Geschlecht forme. Wer etwas Gegenteiliges behaupte, stütze sich auf veraltete Forschungsergebnisse." [...]
"Eia konfrontierte die beiden Genderforscher mit seinen Ergebnissen. Egeland sagte: "Sie sehen nur das, was sie sehen wollen." Auf die Frage, was denn ihre eigene wissenschaftliche Grundlage sei, meinte sie nur: "Ich habe eine theoretische Grundlage".

Eia fasste die Eindrücke seiner Recherche-Reise in einem FAZ-Interview zusammen: "Mädchen finden technische Berufe nicht unweiblich. Sie haben auch keine Angst davor, als Mann zu gelten. Sie finden es einfach langweilig."
Quelle


Die Gender"forscherin" hat eine Theorie - Fakten/Erkenntnisse interessieren sie nicht - frei nach Georg Wilhelm Friedrich Hegel
"Wenn die Tatsachen nicht mit der Theorie übereinstimmen – umso schlimmer für die Tatsachen."

Besser kann sich eine Ideologie nicht selbst entlarven!
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

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