Sprachpolizei: Darf man politisch korrekt „Weiber“ sagen?

Moderator: Moderatoren Forum 8

Betrachter
Beiträge: 547
Registriert: Mo 20. Aug 2018, 08:33

Re: Sprachpolizei: Darf man politisch korrekt „Weiber“ sagen?

Beitragvon Betrachter » So 2. Sep 2018, 11:46

Feministen beweisen: der Penis ist schuld am Klimawandel!

„Am Beispiel des Klimawandels sollte die Studie den "vorherrschenden, schädlichen Tropos herausfordern, den Penis als männliches Sexualorgan zu verstehen und ihm eine passendere Rolle als Art maskuliner Performance zuweisen." Die Forscher kommen zu dem Schluss, der Penis sei "der konzeptionelle Treiber für einen Großteil des Klimawandels".



Ein Wissenschafts- Fake entlarvt Wissenschafts- Publizistik- und den Feminismus als politisch erwünschten Blödsinn


Prä-post-patriarchalische Gesellschaft? Nicht einmal dieser Begriff weckte Misstrauen

Wenn Männer mit breiten Beinen sitzen, entspreche dies der Vergewaltigung des leeren Raumes um sie herum.
Zum anderen, so Lindsay und Boghossian, wollten sie zeigen, dass sich in manchen akademischen Feldern der gröbste Unfug publizieren lässt, wenn er nur zu den dort vorherrschenden Überzeugungen passt. Im Fall der Gendertheorie bedeute das, so die Überlegungen der beiden, dass ein Aufsatz die Redaktion schneller überzeugt, wenn Männlichkeit darin als grundsätzlich problematisch und toxisch dargestellt werde.

Zum anderen würden politisch gewünschte Ergebnisse und moderner Fachjargon dazu verleiten, Blödsinn nicht zu erkennen, glauben Boghossian und Lindsay erkannt zu haben.

Die Notwendigkeit einer feministischen Gletscherkunde; oder der darüber, dass Zoobesuche mit Kindern Geschlechterstereotypen verfestigen; oder der Aufsatz mit der These, dass es ein Zeichen maskulinen Hegemoniestrebens sei, wenn Männer zu Hause kochen.

Am Beispiel des Klimawandels sollte die Studie den "vorherrschenden, schädlichen Tropos herausfordern, den Penis als männliches Sexualorgan zu verstehen und ihm eine passendere Rolle als Art maskuliner Performance zuweisen." Die Forscher kommen zu dem Schluss, der Penis sei "der konzeptionelle Treiber für einen Großteil des Klimawandels".
Die Begründung: "Destruktive, unnachhaltige, hegemoniale, männliche Einstellungen, Umweltpolitik zu prägen, sind das vorhersehbare Resultat einer Vergewaltigung der Natur durch eine männlich dominierte Mentalität. Diese Mentalität wird am besten gefasst, indem man die Rolle des konzeptuellen Penis bei der maskulinen Psychologie berücksichtigt." Insbesondere "jungfräuliche Landschaften" könnten "billig ausgebeutet werden".

Quellen:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natu ... 48845.html

http://www.sueddeutsche.de/wissen/wisse ... -1.3518463

englisches Original:

https://web.archive.org/web/20170522110 ... 330439.pdf
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 11886
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Sprachpolizei: Darf man politisch korrekt „Weiber“ sagen?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 3. Sep 2018, 10:26

Dark Angel hat geschrieben:(01 Sep 2018, 14:22)

Ich reduziere Sprache auf gar nichts, sondern sehe bzw betrachte Sprache als das was sie ist - nämlich ein komplexes System der Kommunikation. UND - ganz wichtig: WIE Sprache verabeitet wird, welche Funtion(en) sie hat, wie Sprache unser Denken beeinflusst, WIE (sich) Sprachregeln (Grammatik) entstanden sind und sich entwickeln etc pp IST immer noch Gegenstand der Forschung (Naturwissenschaften + Sprachwissenschaften).
Daraus wird eines definitv deutlich: Sprache ist KEIN Formalismus und auch KEIN "Wirklichkeitsbeschreibungsformalismus", sondern sehr viel mehr!
Was man allerdings durchaus ableiten kann - als komplexes System DER Kommunikation ist Sprache auch Mittel ZUR Kommunikation und Informationsweitergabe, wobei Kommunikation selbst ein komplexes System ist.
("auch" von mir fett gekennzeichnet).
Das ist ja richtig. Dann habe ich dich missverstanden.
Tut mir schrecklich leid, aber Geisteswissenschaften - insbesondere der Konstruktivismus liefert KEINE Erklärung(en) der Wirklichkeit/Realität. DAS tun die Naturwissenschaften und die nutzen Popers Kritischen Rationalismus als Erkenntnistheorie ==> Aussagen (Hypothesen/Theorien) müssen nachvollziehbar, an/in der Realität überprüfbar und falsifizierbar sein.

Zunächst mal müssen Konstruktionen sich gar nicht zwangsläufig der Aufgabe widmen, die Wirklichkeit zu erklären. Sie finden einfach statt. Lasse ich aber meine gedanklichen Konstruktionen durch Sprache, Musik, Gesten oder was auch immer aus mir heraus ... schwupps sind sie bereits tatsächlich Teil der Realität. Und unter bestimmten Bedingungen verändern sie diese auch. Es ist doch ganz einfach. Jedes fiktionale Kunstwerk, ein Buch zum Beispiel, ist eine gedankliche Konstruktion seines Autors. Was denn sonst. Das sagt ja schon das Adjektiv "fiktional". Und wenns als Buch erscheint ist diese Fiktion ein Teil der Realität. Und einige dieser Bücher haben schon ziemlich massiv diese Realität verändert.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 11886
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Sprachpolizei: Darf man politisch korrekt „Weiber“ sagen?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 3. Sep 2018, 10:40

Maskulist hat geschrieben:(01 Sep 2018, 11:21)

Allerdings ist es so, dass sich Geisteswissenschaften nicht in Naturwissenschaften einmischen sollten. Natürlich kann man Mathematik auch aus dem philosophischen Spektrum betrachten, aber man kann keine philosophische Mathematik oder Archäologie betreiben.

Philosophie, Religion und auch GS haben dort nichts zu suchen. Die Einmischung der Religion in die Naturwissenschaften wurde erfolgreich zurückgedrängt, deren Ersatz ist leider GS, welches versucht, sich in diversen Naturwissenschaften - wie der Biologie (Kutschera lässt mit seiner Kritik grüßen) - einmischt.


Zumindest im Eingangsbeitrag ging es ja gar nicht um die Rolle der Naturwissenschaften. Sondern um die Frage "Politischer Korrektheit". Ich meine .. wo befinden wir uns denn hier? In einem Politikforum! Nehmen wir mal exemplarisch "Politikwissenschaften" her. Eine hybride Wissenschaftsdisziplin mit geisteswissenschaftlichen Anteilen (z.B. "Normative Politikwissenschaft"), bei denen es u.a. um Ideengeschichte und Politische Theorie geht. Aber eben auch die "Empirische Politikwissenschaft", bei denen u.a. Wirtschafts- und Demografie-Daten untersucht werden und in der auch mal Beiträge geschrieben werden, die von Anfang bis Ende zu großen Teilen aus mathematischen Formeln bestehen. Dein "Kooperationsverbot" geht ziemlich an der realen Praxis vorbei.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
Dark Angel
Moderator
Beiträge: 14431
Registriert: Fr 7. Aug 2009, 07:08
Benutzertitel: From Hell

Re: Sprachpolizei: Darf man politisch korrekt „Weiber“ sagen?

Beitragvon Dark Angel » Mo 3. Sep 2018, 12:13

schokoschendrezki hat geschrieben:(03 Sep 2018, 11:26)

("auch" von mir fett gekennzeichnet).
Das ist ja richtig. Dann habe ich dich missverstanden.

Zunächst mal müssen Konstruktionen sich gar nicht zwangsläufig der Aufgabe widmen, die Wirklichkeit zu erklären. Sie finden einfach statt. Lasse ich aber meine gedanklichen Konstruktionen durch Sprache, Musik, Gesten oder was auch immer aus mir heraus ... schwupps sind sie bereits tatsächlich Teil der Realität. Und unter bestimmten Bedingungen verändern sie diese auch. Es ist doch ganz einfach. Jedes fiktionale Kunstwerk, ein Buch zum Beispiel, ist eine gedankliche Konstruktion seines Autors. Was denn sonst. Das sagt ja schon das Adjektiv "fiktional". Und wenns als Buch erscheint ist diese Fiktion ein Teil der Realität. Und einige dieser Bücher haben schon ziemlich massiv diese Realität verändert.

Bastelst du mal wieder Strohmänner?
Es ging darum, dass Konstruktivisten behaupten, es gäbe KEINE objektive Realität, weil jeder einzelne SEINE Realität im Kopf, mit Hilfe seiner Sinne erst konstruiere, es ging darum dass Konstruktivisten behaupten auch Naturwissenschaften seien nur Konstruktion - die Realität würde mittels Sprache bzw Bildgebung überhaupt erst hergestellt.
Genau aus DIESEM Grund mein Beispiel mit dem ausgegrabenen Skelett.
Es ging darum dass Genderforscher sich dieses Konstruktivismus bedienen, wenn sie behaupten Geschlecht sei zugeschrieben, würde durch diese "Zuschreibung" erst hergestellt.
Auf diesem Postulat basiert die gesamte "Theorie" der sozialen Konstruktion von "Geschlechterrollen" - eine "Theorie", die regelmäßig in der Realität widerlegt wird, eben WEIL naturwissenschaftliche Erkenntnisse ignoriert und geleugnet werden.
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 11886
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Sprachpolizei: Darf man politisch korrekt „Weiber“ sagen?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 3. Sep 2018, 12:42

Dark Angel hat geschrieben:(03 Sep 2018, 13:13)

Bastelst du mal wieder Strohmänner?
Es ging darum, dass Konstruktivisten behaupten, es gäbe KEINE objektive Realität, weil jeder einzelne SEINE Realität im Kopf, mit Hilfe seiner Sinne erst konstruiere, es ging darum dass Konstruktivisten behaupten auch Naturwissenschaften seien nur Konstruktion - die Realität würde mittels Sprache bzw Bildgebung überhaupt erst hergestellt.

Das ist doch völliger Unsinn! Ich habe dir aus Hornscheids Habilitationsschrift (wörtlich) zitiert
Im Zentrum der konstruktivistisch begründeten wissenschaftlichen Aufmerksamkeit steht damit die Art des Erkenntnisvorgangs und nicht die nach dem Erkenntnisobjekt der angenommenen Wirklichkeit.
Und weiter heißt es ebenda:
Wirklichkeit ist in dieser Sicht nicht objektiv erfassbar, sondern immer nur konkret konstruiert.

Und das ist vollkommen richtig und in Übereinstimmung auch mit den Natruwissenschaften. Kannst Du tatsächlich die Behauptung, Wirklichkeit sei konstruiert nicht von der Behauptung Wirklichkeitswahrnehmung sei konstruiert unterscheiden? Darüber hinaus ist auch gar nicht von einer Konstruktion "from scratch" die Rede sondern von Konstruktion im SInne einer persönlichen Konkretisierung.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 11886
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Sprachpolizei: Darf man politisch korrekt „Weiber“ sagen?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 3. Sep 2018, 12:52

Und im übrigen liefert die moderne Physik als vielleicht die naturwissenschaftlichste aller Naturwissenschaften einen konkreten Anlass für einen ziemlich radikalen Paradigmenwechsel. In der Quantheorie wird gezeigt und begründet, dass die Annahme eines unabhängigen Beobachters nur eine Annäherung ist Tatsächlich ist jede Beobachtung, jede Messung eine Wechselwirkung. Was u.a. zur Folge hat, dass man niemals Ort und Impuls eines Teilchens gleichzeitig beliebig genau messen kann. Auch wenn diese Aussage für die Bereiche des Lebens, in denen man Steine fallen lässt und die Fallzeiten misst, keine praktische Bedeutung hat. Unschärfe und Beobachterabhängigkeit ist eine fundamentale Eigenschaft der Welt als solcher. Wenn man der Materie allzunahe rückt, löst sich ein Aspekt grundsätzlich in Chaos auf.

Auch wenn diese Tatsachen längst verifiziert, angewendet und von kaum jemandem ersnthaft bestritten wird: Ins gesamtgesellschaftliche Bewusstsein, in die Vorstellung vom Wesen der Welt, ist sie glaube ich noch nicht wirklich gedrungen.
Zuletzt geändert von schokoschendrezki am Mo 3. Sep 2018, 12:54, insgesamt 1-mal geändert.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
Dark Angel
Moderator
Beiträge: 14431
Registriert: Fr 7. Aug 2009, 07:08
Benutzertitel: From Hell

Re: Sprachpolizei: Darf man politisch korrekt „Weiber“ sagen?

Beitragvon Dark Angel » Mo 3. Sep 2018, 12:53

schokoschendrezki hat geschrieben:(03 Sep 2018, 13:42)

Das ist doch völliger Unsinn! Ich habe dir aus Hornscheids Habilitationsschrift (wörtlich) zitiert
Und weiter heißt es ebenda:

Und das ist vollkommen richtig und in Übereinstimmung auch mit den Natruwissenschaften. Kannst Du tatsächlich die Behauptung, Wirklichkeit sei konstruiert nicht von der Behauptung Wirklichkeitswahrnehmung sei konstruiert unterscheiden? Darüber hinaus ist auch gar nicht von einer Konstruktion "from scratch" die Rede sondern von Konstruktion im SInne einer persönlichen Konkretisierung.

Weder Wirklichkeit/Realität noch Wirklichkeitswahrnehmung sind konstruiert!
Realität IST konkret i.S.v. objektiv vorhanden und um eine Abbild dieser Realität zu vermitteln, muss sie so detailgetreu wie möglich beschrieben werden - eben in sich widerspruchsfrei, nachvollziehbar (in und an der Realität) überprüfbar und falsifizierbar. Auch das hat nichts mit "Konstruktion im SInne einer persönlichen Konkretisierung" zu tun.
Persönliche, subjektive Eindrücke/Assoziationen haben in einer Beschreibung der Realität nichts zu suchen, weil NICHT überprüfbar und damit entfällt ein wichtiges Kriterium des Kritischen Rationalismus.
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen
Benutzeravatar
Dark Angel
Moderator
Beiträge: 14431
Registriert: Fr 7. Aug 2009, 07:08
Benutzertitel: From Hell

Re: Sprachpolizei: Darf man politisch korrekt „Weiber“ sagen?

Beitragvon Dark Angel » Mo 3. Sep 2018, 13:03

schokoschendrezki hat geschrieben:(03 Sep 2018, 13:52)

Und im übrigen liefert die moderne Physik als vielleicht die naturwissenschaftlichste aller Naturwissenschaften einen konkreten Anlass für einen ziemlich radikalen Paradigmenwechsel. In der Quantheorie wird gezeigt und begründet, dass die Annahme eines unabhängigen Beobachters nur eine Annäherung ist Tatsächlich ist jede Beobachtung, jede Messung eine Wechselwirkung. Was u.a. zur Folge hat, dass man niemals Ort und Impuls eines Teilchens gleichzeitig beliebig genau messen kann. Auch wenn diese Aussage für die Welt, in der man Steine fallen lässt und die Fallzeiten misst, keine praktische bedeutung hat. Unschärfe und beobachterabhängigkeit ist eine fundamentale Eigenschaft der Welt als solcher.

Auch wenn diese Tatsachen längst verifiziert, angewendet und von kaum jemandem ersnthaft bestritten wird: Ins gesamtgesellschaftliche Bewusstsein, in die Vorstellung vom Wesen der Welt, ist sie glaube ich noch nicht wirklich gedrungen.

Auch die Ergebnisse der Quantenmechanik (übrigens nur ein TEIL der modernen Physik, die besteht nämlich NICHT nur aus der Beschäftigung mit subatomaren Teilche) haben nichts, aber auch gar nichts mit Konstruktivismus i.S.v. "Beobachter konstruiert Realität/stellt Realität erst her" zu tun!
Vielleicht solltest du dich mal mit der Rolle des Beobachters in der Physik beschäftigen, ehe du hier weiter Unsinn verzapfst - und das tust du wieder mal!
Ist ein sehr schwieriges Terrain!
Es lassen sich Erkenntnisse aus der Quantenmechanik weder auf andere Naturwissenschaften übertragen und erst Recht nicht auf gsellschaftliche Vorgänge!
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 11886
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Sprachpolizei: Darf man politisch korrekt „Weiber“ sagen?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 3. Sep 2018, 13:10

Dark Angel hat geschrieben:(03 Sep 2018, 13:53)

Weder Wirklichkeit/Realität noch Wirklichkeitswahrnehmung sind konstruiert!
Realität IST konkret i.S.v. objektiv vorhanden und um eine Abbild dieser Realität zu vermitteln, muss sie so detailgetreu wie möglich beschrieben werden - eben in sich widerspruchsfrei, nachvollziehbar (in und an der Realität) überprüfbar und falsifizierbar. Auch das hat nichts mit "Konstruktion im SInne einer persönlichen Konkretisierung" zu tun.
Persönliche, subjektive Eindrücke/Assoziationen haben in einer Beschreibung der Realität nichts zu suchen, weil NICHT überprüfbar und damit entfällt ein wichtiges Kriterium des Kritischen Rationalismus.

Es ist eine bloße Annahme, Konstruktivisten würden (grundsätzlich) die Existenz einer tatsächlichen Realität außerhalb aller Wahnehmungen leugnen. Diese objektive Realität ist lediglich nicht der Fokus des Interesses. In Analogie zur berühmten Katze Schrödingers. Die Katze in der Kiste ist weder tot noch lebendig. Solange niemand reinschaut. Wenn der Messprozess, die Beobbachtung grundsätzlich eine Wechselwirkung ist, bei der sich das beobachtete Objekt infolge der Beobachtung verändert, beißt sich irgendeine Katze in den Schwanz.

In Hinsicht auf politische Prozesse können wir das Tag für Tag beobachten. Die Tatsache des und das Maß und die Art des Beobachtetwerdens beeinflusst das Reden und Handeln von Politikern teils erheblich.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 11886
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Sprachpolizei: Darf man politisch korrekt „Weiber“ sagen?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 3. Sep 2018, 13:39

Dark Angel hat geschrieben:(03 Sep 2018, 14:03)

Auch die Ergebnisse der Quantenmechanik (übrigens nur ein TEIL der modernen Physik, die besteht nämlich NICHT nur aus der Beschäftigung mit subatomaren Teilche) haben nichts, aber auch gar nichts mit Konstruktivismus i.S.v. "Beobachter konstruiert Realität/stellt Realität erst her" zu tun!
Vielleicht solltest du dich mal mit der Rolle des Beobachters in der Physik beschäftigen, ehe du hier weiter Unsinn verzapfst - und das tust du wieder mal!
Ist ein sehr schwieriges Terrain!

Ich denke mal, ich kenne mich da einigermaßen aus. Ich habe überhaupt nicht behauptet, dass die moderne Physik nur aus Quantenphysik bestehe. Vielleicht solltest du Beträge auch mal richtig lesen und nicht nur einfach überfliegen und dann unreflektierte und affektbetonte Antworten schreiben.
Es lassen sich Erkenntnisse aus der Quantenmechanik weder auf andere Naturwissenschaften übertragen und erst Recht nicht auf gsellschaftliche Vorgänge!

Aber sicher doch lassen sie sich übertragen. In den bei der Photosynthese von Pflanzen eingesetzten Lichtsammelkomplexen, Membranproteinen wird die Quantenverschränkung von Photonen zum effektiven Energietransfer eingesetzt. Also nicht weil Pflanzen und Tiere aus Teilchen bestehen und sich unzählige Quanteneffekte solange überlagern sondern direkt.

Das abstrakte Prinzip, dass Beobachtungen die Wirklichkeit in der Regel verändern und nicht nur abbilden und damit zwangsläufig eine gewisse Unschärfe erzeugen, lässt sich sehr wohl auch auf gesellschaftliche Vorgänge übertragen. Denke nur mal daran, dass in verschiedenen sozialwissenschaftlichen Disziplinen Interviews eine wichtige Untersuchungsmethode sind. Es ist praktisch unmöglich, in einem Interview jeden Einfluss des Interviewers auf den Interviewten zu vermeiden.

Für weitaus wichtiger jedoch halte ich den grundsätzlichen philosophischen Paradigmenwechsel, dass die Welt im Innersten eben nicht so ist und nicht so zusammengehalten wird, wie man dachte. Dass alles scheinbar Unhinterfragbare eben doch hinterfragbar ist.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
Dark Angel
Moderator
Beiträge: 14431
Registriert: Fr 7. Aug 2009, 07:08
Benutzertitel: From Hell

Re: Sprachpolizei: Darf man politisch korrekt „Weiber“ sagen?

Beitragvon Dark Angel » Mo 3. Sep 2018, 13:45

schokoschendrezki hat geschrieben:(03 Sep 2018, 14:10)

Es ist eine bloße Annahme, Konstruktivisten würden (grundsätzlich) die Existenz einer tatsächlichen Realität außerhalb aller Wahnehmungen leugnen. Diese objektive Realität ist lediglich nicht der Fokus des Interesses. In Analogie zur berühmten Katze Schrödingers. Die Katze in der Kiste ist weder tot noch lebendig. Solange niemand reinschaut. Wenn der Messprozess, die Beobbachtung grundsätzlich eine Wechselwirkung ist, bei der sich das beobachtete Objekt infolge der Beobachtung verändert, beißt sich irgendeine Katze in den Schwanz.

Nein, es ist KEINE "bloße Annahme"!
Wie ich bereits mehrfach schrieb "fasst Konstruktivismus mehrere philosophische Erkenntnistheorien zusammen".
Ich wiederhole - es handelt sich um Theorien WIE Erkenntnis überhaupt entsteht, dabei wird davon ausgegangen, dass "dass ein erkannter Gegenstand vom Betrachter selbst durch den Vorgang des Erkennens konstruiert [i.S.v. hergestellt] wird." (Wikipedia).
Das hat mit deinem Strohmann und seiner Katze wieder mal genau NULL zu tun!
Menschliche Gesellschaft ist nunmal KEIN Bereich der Quantenmechanik und es können auch KEINE Erkenntnisse der Quantenmechanik auf die menschliche Gesellschaft angewendet werden, ebenso wenig ist Biologie ein Bereich der Quantenmechanik und ebenso wenig können Erkenntnisse aus der Quantenmechanik auf die Biologie übertragen werden!

Tatsache IST allerdings, dass sich die so genannte Genderforschung ausschließlich der Theorien des Konstruktivismus, Poststrukturalismus und der Dekonstruktion bedient und auf DIESER Grundlage ihre Postulate vom "zugeschriebenen Geschlecht, sozial hergestellten bzw sozial konstruierten Geschlecht" aufstellt und damit jede Erkenntnis aus der Biologie und Evolutionspsychologie leugnet!


schokoschendrezki hat geschrieben:(03 Sep 2018, 14:10)In Hinsicht auf politische Prozesse können wir das Tag für Tag beobachten. Die Tatsache des und das Maß und die Art des Beobachtetwerdens beeinflusst das Reden und Handeln von Politikern teils erheblich.

Das hat nichts, aber auch gar nichts mit "sozial kontruiert" zu tun, sondern mit sozialer/gesellschaftlicher Interaktion. Einflussnahme ist Teil sozialer/gesellschaftlicher Interaktion.
Du schwurbelst mal wieder alles mögliche, was nix miteinander zu tun hat, zu einem ungenießbaren Brei zusammen!
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen
roadrunner

Re: Sprachpolizei: Darf man politisch korrekt „Weiber“ sagen?

Beitragvon roadrunner » Mo 3. Sep 2018, 13:51

Billie Holiday hat geschrieben:(24 Aug 2018, 13:54)

Das Wort Neger ist rassistisch und in meinem Umfeld absolut unüblich. Es ist hier nahezu aus dem alltäglichen Sprachgebrauch verschwunden. Entweder höre ich „der Schwarze...“ oder „der Dunkelhäutige“, wenn man nicht den Namen der Person kennt. Das Wort Neger höre ich im Alltag in normalen Unterhaltungen nie.
Echte üble Rassisten sagen Nigger oder Bimbo.
Linke benutzen das Wort Neger, um anderen, die selbst dieses Wort nie benutzen würden, indirekt zu unterstellen, sie würden es benutzen.


"... sagen Nigger oder Bimbo" oder Boy.
Was antwortete früher ein englischer Farmer aus Kenia einem schwarzen Soldaten bei der Zwischenlandung in Kinshasa" "Thank you very much Sir!" :thumbup:
Benutzeravatar
Dark Angel
Moderator
Beiträge: 14431
Registriert: Fr 7. Aug 2009, 07:08
Benutzertitel: From Hell

Re: Sprachpolizei: Darf man politisch korrekt „Weiber“ sagen?

Beitragvon Dark Angel » Mo 3. Sep 2018, 13:54

schokoschendrezki hat geschrieben:(03 Sep 2018, 14:39)

Ich denke mal, ich kenne mich da einigermaßen aus. Ich habe überhaupt nicht behauptet, dass die moderne Physik nur aus Quantenphysik bestehe. Vielleicht solltest du Beträge auch mal richtig lesen und nicht nur einfach überfliegen und dann unreflektierte und affektbetonte Antworten schreiben.

Aber sicher doch lassen sie sich übertragen. In den bei der Photosynthese von Pflanzen eingesetzten Lichtsammelkomplexen, Membranproteinen wird die Quantenverschränkung von Photonen zum effektiven Energietransfer eingesetzt. Also nicht weil Pflanzen und Tiere aus Teilchen bestehen und sich unzählige Quanteneffekte solange überlagern sondern direkt.

Das abstrakte Prinzip, dass Beobachtungen die Wirklichkeit in der Regel verändern und nicht nur abbilden und damit zwangsläufig eine gewisse Unschärfe erzeugen, lässt sich sehr wohl auch auf gesellschaftliche Vorgänge übertragen. Denke nur mal daran, dass in verschiedenen sozialwissenschaftlichen Disziplinen Interviews eine wichtige Untersuchungsmethode sind. Es ist praktisch unmöglich, in einem Interview jeden Einfluss des Interviewers auf den Interviewten zu vermeiden.

Kannst du mir bitte mal verraten, was das alles mit dem Postulat des Konstruktivismus, dass "dass ein erkannter Gegenstand vom Betrachter selbst durch den Vorgang des Erkennens konstruiert [i.S.v. hergestellt] wird." zu tun haben soll?
Deine Strohmänner kannst du da lassen, wo sie hingehören - auf dem Acker!

schokoschendrezki hat geschrieben:(03 Sep 2018, 14:39)Für weitaus wichtiger jedoch halte ich den grundsätzlichen philosophischen Paradigmenwechsel, dass die Welt im Innersten eben nicht so ist und nicht so zusammengehalten wird, wie man dachte. Dass alles scheinbar Unhinterfragbare eben doch hinterfragbar ist.

Tja - das mit dem grundsätzlichen Hinterfragen ALLER Erkenntnisse/Theorien machen die Naturwissenschaften schon lange!
Wenn "die Philosophie" da gepennt hat, ist das das Problem der Philosophie, was das Ganze auch nicht besser macht.
Und es sind immer noch keine Philosophen, die die Erklärungen liefern "wie unsere Welt aufgebaut ist und unsere Welt zusammen hält", sondern Naturwissenschaftler! ==> hinreichend genau und zeitkernig gültig!
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen
roadrunner

Re: Sprachpolizei: Darf man politisch korrekt „Weiber“ sagen?

Beitragvon roadrunner » Mo 3. Sep 2018, 14:01

Ich lese gerade, dass "negroide Nase" noch nicht in "schwarze Nase" o. ä. sprachlich abgewandelt wurde, kommt aber vermutlich noch.
Zigeuner ist ja auch aus dem Sprachgebrauch gelöscht. Wie müsste Rudolf Schock also heute in Gräfin Mariza singen: "Komm Sinti, komm Roma spiel mir was vor...." Ich lache mich schlapp ;) . Die Welt ist voller dringlicher Probleme und da kommen Sesselfurzer und bauschen Fliegenfurze auf. :rolleyes:
MäckIntaier
Beiträge: 1102
Registriert: Mi 8. Aug 2018, 10:21

Re: Sprachpolizei: Darf man politisch korrekt „Weiber“ sagen?

Beitragvon MäckIntaier » Mo 3. Sep 2018, 14:11

Dark Angel hat geschrieben:(03 Sep 2018, 14:54)

Und es sind immer noch keine Philosophen, die die Erklärungen liefern "wie unsere Welt aufgebaut ist und unsere Welt zusammen hält", sondern Naturwissenschaftler! ==> hinreichend genau und zeitkernig gültig!


Was immer zeitkernig hier bedeutet oder Philosophen zu erzählen haben, der Naturwissenschaftler erklärt die materielle Welt und sonst nichts. Für kulturelle Phänomene ist er nicht zuständig, aber auch dort gibt es nach durchaus wissenschaftlichen Methoden ermittelte Erkenntnisse, was die jeweilige Lebenswelt zusammenhält. Und es gibt Philosophen, die sogar ziemlich gut erklären könnten, weshalb eher abstruse Theorien wie bestimmte konstruktivistische Richtungen so erfolgreich sind.
Benutzeravatar
Dark Angel
Moderator
Beiträge: 14431
Registriert: Fr 7. Aug 2009, 07:08
Benutzertitel: From Hell

Re: Sprachpolizei: Darf man politisch korrekt „Weiber“ sagen?

Beitragvon Dark Angel » Mo 3. Sep 2018, 14:27

MäckIntaier hat geschrieben:(03 Sep 2018, 15:11)

Was immer zeitkernig hier bedeutet oder Philosophen zu erzählen haben, der Naturwissenschaftler erklärt die materielle Welt und sonst nichts.

"Zeitkernig gültig" bedeutet "so lange gültig, bis die Erklärung widerlegt wurde".
Ja - Naturwissenschaftler erklären die materielle Welt, Philosophen erklären gar nichts, was daran ersichtlich ist, dass es viele verschiedene, sich teilweise gegenseitig widersprechende Denkrichtungen gibt und jede ist der Meinung "den Stein der Weisen gefunden zu haben".

MäckIntaier hat geschrieben:(03 Sep 2018, 15:11)Für kulturelle Phänomene ist er nicht zuständig, aber auch dort gibt es nach durchaus wissenschaftlichen Methoden ermittelte Erkenntnisse, was die jeweilige Lebenswelt zusammenhält. Und es gibt Philosophen, die sogar ziemlich gut erklären könnten, weshalb eher abstruse Theorien wie bestimmte konstruktivistische Richtungen so erfolgreich sind.

Philosophen können gar nix erklären - schon gar nicht, was die "jeweilige Lebenswelt zusammenhält", wobei einige Gedanken/Werke durchaus interessant sind.
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 11886
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Sprachpolizei: Darf man politisch korrekt „Weiber“ sagen?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 3. Sep 2018, 15:16

Dark Angel hat geschrieben:(03 Sep 2018, 14:54)

Kannst du mir bitte mal verraten, was das alles mit dem Postulat des Konstruktivismus, dass "dass ein erkannter Gegenstand vom Betrachter selbst durch den Vorgang des Erkennens konstruiert [i.S.v. hergestellt] wird." zu tun haben soll?

Ich jedenfalls habe nirgends behauptet, dass die Gegenstände der Erkenntnis selbst konstruiert sind sondern anstelle dessen Hornscheid mit dem Satz zitiert "Im Zentrum der konstruktivistisch begründeten wissenschaftlichen Aufmerksamkeit steht damit die Art des Erkenntnisvorgangs und nicht die nach dem Erkenntnisobjekt der angenommenen Wirklichkeit.", der klar besagt, dass die Existenz einer objektiven Wirklichkeit gar nicht geleugnet wird sondern eben nur nicht im Fokus steht.
Deine Strohmänner kannst du da lassen, wo sie hingehören - auf dem Acker!

Und damit geht der Vorwurf stante pede an dich zurück.

Anfangs hat mich diese absurde Unterstellung irgendeines geheimen Plans (keine Ahnung welcher Art) noch amüsiert. Mit der Zeit hab' ich aber mitbekommen, dass das einfach rhetorische Floskeln aus einem kleinen Baukasten von vielleicht 10, 20 Teilen sind. "Strohmänner basteln", "Hast Du wieder" usw. Als wenn man das nicht durchschauen könnte. Und dann wirds langweilig.
Tja - das mit dem grundsätzlichen Hinterfragen ALLER Erkenntnisse/Theorien machen die Naturwissenschaften schon lange!
Wenn "die Philosophie" da gepennt hat, ist das das Problem der Philosophie, was das Ganze auch nicht besser macht.
Und es sind immer noch keine Philosophen, die die Erklärungen liefern "wie unsere Welt aufgebaut ist und unsere Welt zusammen hält", sondern Naturwissenschaftler! ==> hinreichend genau und zeitkernig gültig!

Erklärungen im Sinne von Antworten auf ontologische, metaphysische Fragen liefern die Naturwissenschaften eben gerade nicht. Können sie gar nicht. Wollen sie auch gar nicht.
Zuletzt geändert von schokoschendrezki am Mo 3. Sep 2018, 15:53, insgesamt 1-mal geändert.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
MäckIntaier
Beiträge: 1102
Registriert: Mi 8. Aug 2018, 10:21

Re: Sprachpolizei: Darf man politisch korrekt „Weiber“ sagen?

Beitragvon MäckIntaier » Mo 3. Sep 2018, 15:35

Dark Angel hat geschrieben:(03 Sep 2018, 15:27)

Philosophen können gar nix erklären - schon gar nicht, was die "jeweilige Lebenswelt zusammenhält", wobei einige Gedanken/Werke durchaus interessant sind.


Ob das historisch und aktuell haltbar ist? Argumentationstheorie und Logik sind traditionell Teilbereiche der Philosophie (Ihr Münchhausentrilemma, auf das Sie sich berufen, stammt auch aus dieser Disziplin), und praktische Philosophie und Ethik sind ebenfalls Disziplinen, in denen der Naturwissenschaftler erst einmal Laie ist und nichts erklärt. Der Naturwissenschaftler wird dem Sprachphilosophen, der sich wiederum auf die Semantik stützt, auch nicht weiterhelfen können.
Benutzeravatar
Dark Angel
Moderator
Beiträge: 14431
Registriert: Fr 7. Aug 2009, 07:08
Benutzertitel: From Hell

Re: Sprachpolizei: Darf man politisch korrekt „Weiber“ sagen?

Beitragvon Dark Angel » Mo 3. Sep 2018, 16:19

MäckIntaier hat geschrieben:(03 Sep 2018, 16:35)

Ob das historisch und aktuell haltbar ist? Argumentationstheorie und Logik sind traditionell Teilbereiche der Philosophie (Ihr Münchhausentrilemma, auf das Sie sich berufen, stammt auch aus dieser Disziplin), und praktische Philosophie und Ethik sind ebenfalls Disziplinen, in denen der Naturwissenschaftler erst einmal Laie ist und nichts erklärt. Der Naturwissenschaftler wird dem Sprachphilosophen, der sich wiederum auf die Semantik stützt, auch nicht weiterhelfen können.

Und was hat das mit "Lebenswelt zuammenhalten" zu tun?
Theorien zur Ethik gibt es mindestens so viele, wie es Philosophen gibt, jeder hat seine eigene "Erklärung".
Letztendlich sind es doch wieder Naturwissenschaftler, die eine Antwort/Erklärung liefern ==> siehe "Evolution der Moral" Max-Planck-Institut für evolutionäre Ahthropologie.
Beim Münchhausen-Trilemma handelt es sich nicht um eine philosophische Erklärung, sondern um ein philosophisches Problem, ähnlich dem Theodizee-Problem
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen
MäckIntaier
Beiträge: 1102
Registriert: Mi 8. Aug 2018, 10:21

Re: Sprachpolizei: Darf man politisch korrekt „Weiber“ sagen?

Beitragvon MäckIntaier » Mo 3. Sep 2018, 17:28

Dark Angel hat geschrieben:(03 Sep 2018, 17:19)

Und was hat das mit "Lebenswelt zuammenhalten" zu tun?
Theorien zur Ethik gibt es mindestens so viele, wie es Philosophen gibt, jeder hat seine eigene "Erklärung".
Letztendlich sind es doch wieder Naturwissenschaftler, die eine Antwort/Erklärung liefern ==> siehe "Evolution der Moral" Max-Planck-Institut für evolutionäre Ahthropologie.
Beim Münchhausen-Trilemma handelt es sich nicht um eine philosophische Erklärung, sondern um ein philosophisches Problem, ähnlich dem Theodizee-Problem


Es hat was damit zu tun, dass die Argumentationstheorie und die Logik uns praktisch weiterhelfen wie die Naturwissenschaften bei der Technik und damit einen Teil zum Zusammenhalt der Lebenswelt beitragen. Indem wir beispielsweise sinnvolles Sprechen von sinnlosem Sprechen auseinanderhalten können, wenn wir uns an die Regeln halten. Und unsere Lebenswelt funktioniert auch dann besser, wenn wir allgemeine Aussagen wie "Die Wissenschaft kann keine Warum-Fragen beantworten" auf ihre Richtigkeit überprüfen und dann feststellen, dass die Wissenschaft uns sehr viele Warum-Fragen, die nach den Ursachen natürlicher Phänomene fragen (etwa dem Regenbogen), beantworten kann, aber keine Warum-Fragen, die sich auf den Sinn ihres Erscheinens beziehen. Und das Max-Planck-Institut mag nun eine Erklärung oder einen Versuch zur Entstehung von Moral liefern, es kann aber keine Erklärung liefern, warum es irgendwo in der Südsee sexuelle Freizügigkeit gab, aber Männer und Frauen nicht miteinander die Mahlzeiten einnehmen durften. Da fischt man ebenso im Trüben wie der geschmähte Philosoph.

Zurück zu „82. Gender“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste