Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

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pikant
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon pikant » Fr 17. Nov 2017, 12:02

Dark Angel hat geschrieben:(17 Nov 2017, 11:57)
?


Genau dieser Verzicht auf einen Eintrag wird ja als Diskriminierung empfunden ==> siehe Aussage des/der Kläger(in)s und der Kampagne "Dritte Option".




ja und das kann man dadruch beheben, indem man generell auf einen Geschlechtereintrag verzichtet - Bundesverfassungsgericht in seiner Urteilsbegruendung.
Wenn niemand sein Geschlecht eintragen kann, kann auch niemand diskriminiert werden
Logik!
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Sextus Ironicus
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Sextus Ironicus » Fr 17. Nov 2017, 12:08

pikant hat geschrieben:(17 Nov 2017, 11:50)

Das Gericht hat nur darueber befunden, dass dies eine Grundverletzung war, wenn man einem Menschen nur 2 Moeglichkeiten angibt um sein Geschlecht zu definieren.
Mit Wohlsein, mit wohlfuehlen hat das absolut nichts zu tun, wenn man das Grundrecht gegen Diskriminierung missachtet.


Es gibt keine Möglichkeiten, sein Geschlecht zu definieren, und es besteht auch keine Notwendigkeit, denn es gibt nur zwei Geschlechter von Natur aus. Und wenn das BVG nun einen biologischen Irrtum (keinen geistigen Irrtum) rechtlich einer "neutralen" Gruppe zuordnen lässt, entsteht dadurch kein Geschlecht sondern nur Rechtssicherheit, wie mit Menschen, die mit dieser biologischen Abweichung leben, in einem bestimmten Fall umzugehen ist.
… habe ich mich sorgsam bemüht, menschliche Tätigkeiten nicht zu verlachen, nicht zu beklagen und auch nicht zu verdammen, sondern zu begreifen. (Spinoza)
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon pikant » Fr 17. Nov 2017, 12:13

Sextus Ironicus hat geschrieben:(17 Nov 2017, 12:08)

Es gibt keine Möglichkeiten, sein Geschlecht zu definieren, und es besteht auch keine Notwendigkeit, denn es gibt nur zwei Geschlechter von Natur aus. Und wenn das BVG nun einen biologischen Irrtum (keinen geistigen Irrtum) rechtlich einer "neutralen" Gruppe zuordnen lässt, entsteht dadurch kein Geschlecht sondern nur Rechtssicherheit, wie mit Menschen, die mit dieser biologischen Abweichung leben, in einem bestimmten Fall umzugehen ist.


Artikel 3 Abs.3 wurde verletzt - da beisst keine Maus einen Faden ab.
der Gesetzgeber muss Menschen mehr als 2 Moeglichkeiten fuer eine Geschlechterdefinition angeben oder eben ganz darauf verzichten.
Ist das so schwer zu begreifen dieses Urteil?
Zuletzt geändert von pikant am Fr 17. Nov 2017, 12:17, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon becksham » Fr 17. Nov 2017, 12:16

Dark Angel hat geschrieben:(17 Nov 2017, 11:57)

Das "Sein" dieser Menschen ist biologisch/medizinisch - "Geschlecht nicht eindeutig zuordenbar" bzw "intersexuell".
Und dieses "Sein" hat mit dem "Sollen" - wie bzw als was sich jemand fühlt - nicht das geringste zu tun, kann also ins Personenstandsregister eingetragen werden.
Wo ist das Problem?
...

Kann es bislang ja gerade nicht. Und das wird jetzt geändert. Entweder gibt es eine Eintragung für alle oder für niemanden.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon pikant » Fr 17. Nov 2017, 12:18

becksham hat geschrieben:(17 Nov 2017, 12:16)

Kann es bislang ja gerade nicht. Und das wird jetzt geändert. Entweder gibt es eine Eintragung für alle oder für niemanden.


Endlich eine, die das Urteil richtig verstanden hat. :)
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Bleibtreu » Fr 17. Nov 2017, 12:19

Nein - es geht schlicht um die Feststellung im deutschen PersonenstandsRegister, dass die Person intersexuell/Hermaphrodit ist, was sachlich korrekt und der Tatsache entsprechend ist. Wo ist das Problem? Ein Problem sehe ich nur in den Laendern, in denen das Geschlecht im Ausweis eingetragen wird, was in D offenbar nicht der Fall ist. Das habe ich gerade nachgeschlagen, weil ich es selbst nicht wusste. Allerdings wird im Pass ein X eingetragen. Dies kann bei der Einreise in einige Laender durchaus problematisch werden.

In Deutschland wird laut § 22 Abs. 3 des Personenstandsgesetzes bei geschlechtlicher Uneindeutigkeit die Geburt ohne Angabe des Geschlechts in das Geburtenregister eingetragen. Im Einwohnermelderegister erfolgt dies mit der Ziffer 1 (ohne Angabe) statt den Buchstaben m (männlich) oder w (weiblich); bei der Datenübermittlung wird jedoch ein x verwendet. Das Geschlecht kann später nachgetragen werden, muss aber nicht; es bleibt dann unbestimmt. Wurde trotz Uneindeutigkeit ein Geschlecht eingetragen, so kann auch später der Geschlechtseintrag wieder gestrichen (also auf ohne Angabe gesetzt) werden. Im Reisepass ist dies mit dem Großbuchstaben X vermerkt. Das dritte Geschlechtsmerkmal steht nicht für ein einzelnes drittes Geschlecht im biologischen oder sozialen Sinn, sondern vermerkt den Umstand, dass die Person nicht eindeutig eingeordnet ist und formaljuristisch kein Geschlecht hat. Am 8. November 2017 verpflichtete das deutsche Bundesverfassungsgericht den Gesetzgeber, bis Ende 2018 einen dritten Geschlechtsbegriff neben männlich und weiblich im Geburtenregister zu ermöglichen oder allgemein auf einen Geschlechtseintrag zu verzichten
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Sextus Ironicus » Fr 17. Nov 2017, 12:34

pikant hat geschrieben:(17 Nov 2017, 12:13)

Artikel 3 Abs.3 wurde verletzt - da beisst keine Maus einen Faden ab.
der Gesetzgeber muss Menschen mehr als 2 Moeglichkeiten fuer eine Geschlechterdefinition angeben oder eben ganz darauf verzichten.
Ist das so schwer zu begreifen dieses Urteil?


Ist Biologie so schwierig oder uneindeutig? Und wenn Biologie keine Rolle spielt, warum soll es dann nicht 60 Geschlechter* geben?
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon pikant » Fr 17. Nov 2017, 12:36

Sextus Ironicus hat geschrieben:(17 Nov 2017, 12:34)

Ist Biologie so schwierig oder uneindeutig? Und wenn Biologie keine Rolle spielt, warum soll es dann nicht 60 Geschlechter* geben?


fuer unsere Gesetzgebung spielt nur das Bundesverfassungsgericht und Bundestag, Bundesrat eine Rolle.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Sextus Ironicus » Fr 17. Nov 2017, 12:51

pikant hat geschrieben:(17 Nov 2017, 12:36)

fuer unsere Gesetzgebung spielt nur das Bundesverfassungsgericht und Bundestag, Bundesrat eine Rolle.


Nein, es gibt eine EU mit ihren halbdemokratischen Institutionen, einen EGMR und den EuGH auch noch. Und alle werden so lange bearbeitet werden, bis jeder das sein darf, als was er sich fühlt. Wie ich mehrfach sagte: Es gilt der Vorrang des Normativen vor dem Ontologischen: Was nicht sein darf (nur soundsoviel Geschlechter), ist nicht.

Ist hier ein exaktes Spiegelbild des Kulturthreads.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Dark Angel » Fr 17. Nov 2017, 12:54

pikant hat geschrieben:(17 Nov 2017, 11:50)

Das Gericht hat nur darueber befunden, dass dies eine Grundverletzung war, wenn man einem Menschen nur 2 Moeglichkeiten angibt um sein Geschlecht zu definieren.
Mit Wohlsein, mit wohlfuehlen hat das absolut nichts zu tun, wenn man das Grundrecht gegen Diskriminierung missachtet.

Es gibt biologisch nur zwei - exakt 2 - Möglichkeiten, das Geschlecht zu definieren - nämlich männlich und weiblich.
Mehr Geschlechter gibt es nicht, weil nur zwei Geschlechter für die Reproduktion notwendig und an der Reproduktion beteiligt sind.
Und es gibt Fehlentwicklungen mit uneindeutigen Merkmalen.
Aus natürlichen Uneindeutigkeiten - dem "Sein" lässt sich jedoch kein irgendwie geartetes Recht "Sollen" ableiten oder legitimieren.
So etwas nennt sich naturalistischer Fehlschluss (Humsches Gesetz).
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon pikant » Fr 17. Nov 2017, 13:01

Dark Angel hat geschrieben:(17 Nov 2017, 12:54)

Es gibt biologisch nur zwei - exakt 2 - Möglichkeiten, das Geschlecht zu definieren - nämlich männlich und weiblich.
Mehr Geschlechter gibt es nicht, weil nur zwei Geschlechter für die Reproduktion notwendig und an der Reproduktion beteiligt sind.
Und es gibt Fehlentwicklungen mit uneindeutigen Merkmalen.
Aus natürlichen Uneindeutigkeiten - dem "Sein" lässt sich jedoch kein irgendwie geartetes Recht "Sollen" ableiten oder legitimieren.
So etwas nennt sich naturalistischer Fehlschluss (Humsches Gesetz).


Ihre Auffassung hat das Gericht nicht geteilt.
ihre Auffassung ist zudem nicht rechtsverbindlich im Gegensatz zur Auffassung des Bundesverfassungsgerichtres.
das Gereicht befasst sich zudem nicht mit Biologie,nicht die Aufgabe, sondern nur ob unser GG mussachtet worden ist.
ind diesem konkreten Fall war es das - Missachtung Artikel 3 Absatz3 - dritter Geschlechtstitel muss her oder keiner - auch das hat das Gericht festgestellt.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Dark Angel » Fr 17. Nov 2017, 13:05

pikant hat geschrieben:(17 Nov 2017, 11:59)

es geht um Missachtung Artikel3 Absatz3 unserer Verfassung
um nicht mehr und nicht weniger

Artikel 3 Abs 3 GG wird nicht missachtet, denn der besagt eindeutig:

"Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. 2Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden"

Die Bezeichnung Geschlecht ist eindeutig und lässt keinen Interpretationsspielraum zu. Von "Geschlechtsidentität" steht da nichts.
Intersexuell ist kein (eigenes) Geschlecht, es ist streng genommen gar keins, ganz unahängig davon wie und als was sich der Betreffende fühlt.
Geschlechtsidentität hingegen hat etwas mit "fühlen" zu tun. Also geht es in der Urteilsbgründung eben nichts um Tatsachen/Rechte bzw deren tatsächliche Missachtung oder Nichtgewährung, sondern um eine gefühlte.
Und damit ist diese Urteilsbegründung ganz eindeutig konstruktivistisch im Sinne des Genderunsinns von "Geschlechtervielfalt".
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Unité 1 » Fr 17. Nov 2017, 13:07

Sextus Ironicus hat geschrieben:(17 Nov 2017, 10:47)

Zum wiederholten Male: Es geht um das, was aus diesem Urteil in seinen Folgen für die Gesellschaft über die Frage des Intersexuellen hinaus weist. Ist das irgendwie verständlich?
Vielleicht habe ich mich ungenügend ausgedrückt.

Du schriebst sinngemäß, dass die kleinste Minderheit das Individuum ist, das zuweilen exzentrisch sein kann. Die Anspruch auf Anerkennung der eigenen Exzentrizität könne kein Maßstab für das Urteil anderer sein. Der Wunsch nach Anerkennung bedingt keine tatsächliche; hier liege keine Diskriminierung vor, da Diskriminierung so entkernt würde und zu einem tatsächlichen Fühlen verkomme. Ein eigenes Fühlen könne aber keine Basis der Rechtssprechung bzw. Bewertung sein, da es irrational und nicht objektivierbar sei. Dazu brachtest du das fast klassische Beispiel von "Irren", von Menschen, die sich für historische Persönlichkeiten halten. (Bitte korrigiere mich, wenn ich dich falsch verstanden haben sollte.)

Das ist mit Verlaub kompletter Unsinn bzw. kategorienfehlerbehaftet. Erstens hat das Verfassungsgericht nicht über Psychopathologien befunden, sondern über geschlechtliche Identität, die, zweitens, naturnotwendig keine individuelle Eigenschaft sein kann. Also die Identität schon, aber nicht die körperlichen Merkmale. Du ziehst von einem ganz konkreten Punkt eine konkrete Gruppe mit konkreten Merkmalen betreffend den Schluss auf abstrakte Extreme. Da gibt es keine logische Verbindung, es ist nur scheinkausal. Und strukturell - das ist nicht als Unterstellung gemeint - die gleiche Argumentation von Gegnern der Homoehe, wonach die Möglichkeit zur Heirat von Homosexuellen die Möglichkeit zur Heirat von Menschen mit Wellensittichen nach sich ziehen müsse, wie es Gretel mal so treffend ausdrückte. So wie die Ehe zwischen zwei Erwachsenen etwas kategoriell anderes ist als das Bedürfnis nach Institutionalisierung einer engen Beziehung zu Vögeln, so betrifft die Möglichkeit zur einer dritten Geschlechtseintragung nur Intersexuelle und niemand anderen. Da gibt es keine Folgen für die Gesellschaft, es gibt Folgen für die Betroffenen, nämlich den Abbau einer Diskriminierung. Die Akzeptanz von Intersexualität betrifft nur die Akzeptanz von Intersexualität, weder die von reinkarnierten Rommels noch Gandhis.

Drittens hast du Diskriminierung anscheinend nicht verstanden. Diskriminierung betrifft immer konkrete Einzelpersonen aufgrund von (vermeintlichen) Gruppenmerkmalen. In diesem Fall war es die Nichtanerkennung des Merkmals Intersexualität. Deine Beispiele sind mangelhaft, da ihnen keine gemeinsame Verbindung (=Gruppenmerkmal) zu eigen ist. Außer eben das Wahnhafte.

Und da liegt im Grunde eine weitere Diskriminierung, die das Erleben von Diskriminierungen von Intersexuellen psychopathologisiert. Das ist unterste Schublade. Vielleicht hast du es nicht so gemeint, gesagt hast du es aber.

Ich hatte die für die Betroffenen erreichte Rechtssicherheit für gut befunden, dagegen die Implikationen, die darüber hinaus reichen für negativ.
Das kann ja wohl nicht der Maßstab für Ungleichbehandlungen sein. Negative Implikationen sind immer denkbar. Allerdings widerspricht es meinem Rechtsempfinden, einen Zustand der Diskriminierung damit zu begründen. Die Diskriminierten können weder etwas dafür, was andere so meinen, noch etwas dafür, dass wieder andere solche Meinungen als Ausdruck einer negativen Entwicklung deuten. Für sie konkret existiert eine Ungleichbehandlung.

Und diese Folgen gibt es bereits, wie man an den Statements sieht. Es gibt keine "Vielfalt der Geschlechter", sondern es gibt genau zwei Geschlechter, aus denen sich dann hin und wieder eine weder dem einen noch dem anderen zuzuordnende Mischform ergibt. Das ist eine biologische Tatsache und keine Wahnvorstellung. Deine Unterstellung bleibt also ohne Basis.
Welche Unterstellung?
Abgesehen davon hat Perdedor meiner Ansicht nach bereits deutlich dargelegt, dass wenn eine Person weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zugeordnet werden kann, sie also zu einer dritten Gruppe gehören muss. Das sieht das BVerfG offensichtlich genauso.

Alles, was darüber hinausgeht, ist eine Sache des Kopfes, die man wie die Reinkarnation behandeln kann. Der Napoleon ist dabei eine weitere Unterstellung, denn es ist ein Unterschied, ob jemand sagt: Ich bin Napoleon (Basis der früheren Irrenwitze) oder behauptet, er sei die Inkarnation einer mittelalterlichen Magd oder einer ehemaligen Persönlichkeit. Sollte eigentlich verständlich sein, der Unterschied.

Nein, eigentlich nicht. Wer behauptet, er sei eine Inkarnation von dem und dem, und auf dieser Basis für sich eine Behandlung einfordert, als ob er der und der wirklich sei, verwischt die Grenzen zwischen der historischen Person und der Inkarnation. In der Folge beansprucht er ein eigenes und fremdes Verhalten so, als ob er tatsächlich der und der sei. Was das mit Intersexualität zu tun haben soll, bleibt allerdings schleierhaft.
Zuletzt geändert von Unité 1 am Fr 17. Nov 2017, 13:10, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Dark Angel » Fr 17. Nov 2017, 13:07

pikant hat geschrieben:(17 Nov 2017, 12:02)

ja und das kann man dadruch beheben, indem man generell auf einen Geschlechtereintrag verzichtet - Bundesverfassungsgericht in seiner Urteilsbegruendung.
Wenn niemand sein Geschlecht eintragen kann, kann auch niemand diskriminiert werden
Logik!

Doch auch das ist Diskriminierung - nämlich Diskriminierung der überwiegenden Mehrheit, die eindeutig männlich oder weiblich ist!
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon pikant » Fr 17. Nov 2017, 13:07

Dark Angel hat geschrieben:(17 Nov 2017, 13:05)

Artikel 3 Abs 3 GG wird nicht missachtet, denn der besagt eindeutig:

"Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. 2Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden"

Die Bezeichnung Geschlecht ist eindeutig und lässt keinen Interpretationsspielraum zu. Von "Geschlechtsidentität" steht da nichts.
Intersexuell ist kein (eigenes) Geschlecht, es ist streng genommen gar keins, ganz unahängig davon wie und als was sich der Betreffende fühlt.
Geschlechtsidentität hingegen hat etwas mit "fühlen" zu tun. Also geht es in der Urteilsbgründung eben nichts um Tatsachen/Rechte bzw deren tatsächliche Missachtung oder Nichtgewährung, sondern um eine gefühlte.
Und damit ist diese Urteilsbegründung ganz eindeutig konstruktivistisch im Sinne des Genderunsinns von "Geschlechtervielfalt".


sieht das Bundesverfassungsgericht anders und das Urteil ist ja shcon ein paarmal verlinkt worden
Ihre Interpretation laueft daher ins leere
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon pikant » Fr 17. Nov 2017, 13:10

Dark Angel hat geschrieben:(17 Nov 2017, 13:07)

Doch auch das ist Diskriminierung - nämlich Diskriminierung der überwiegenden Mehrheit, die eindeutig männlich oder weiblich ist!


sieht das Bundesverfassungsgericht vollkommen anders und hat dies so dem Gesetzgeber ua. vorgeschlagen, weil dann eine Diskreminierung entfaellt.
Letzer Punkt in der Begruendung des Gerichtes veroeffenticht am 10.November

auch da laueft ihre Argumentation ins leere
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Dark Angel » Fr 17. Nov 2017, 13:14

pikant hat geschrieben:(17 Nov 2017, 13:01)

Ihre Auffassung hat das Gericht nicht geteilt.
ihre Auffassung ist zudem nicht rechtsverbindlich im Gegensatz zur Auffassung des Bundesverfassungsgerichtres.
das Gereicht befasst sich zudem nicht mit Biologie,nicht die Aufgabe, sondern nur ob unser GG mussachtet worden ist.
ind diesem konkreten Fall war es das - Missachtung Artikel 3 Absatz3 - dritter Geschlechtstitel muss her oder keiner - auch das hat das Gericht festgestellt.

Das GG ist NICHT missachtet. Die Aussage "Geschlecht" ist eindeutig. Geschlecht IST Biologie, ob dir das nun passt oder nicht. Das gilt sogar für das Bundesverfassungsgericht - auch das hat sich an Tatsachen zu halten und kann die nicht zurecht biegen, wie es grade passt und was es auch getan hat.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Bleibtreu » Fr 17. Nov 2017, 13:18

Dark Angel hat geschrieben:(17 Nov 2017, 12:54)

Es gibt biologisch nur zwei - exakt 2 - Möglichkeiten, das Geschlecht zu definieren - nämlich männlich und weiblich.
Mehr Geschlechter gibt es nicht, weil nur zwei Geschlechter für die Reproduktion notwendig und an der Reproduktion beteiligt sind.
Und es gibt Fehlentwicklungen mit uneindeutigen Merkmalen.
Aus natürlichen Uneindeutigkeiten - dem "Sein" lässt sich jedoch kein irgendwie geartetes Recht "Sollen" ableiten oder legitimieren.
So etwas nennt sich naturalistischer Fehlschluss (Humsches Gesetz).

Diesem Postulat macht die Natur eben einen Strich durch die Rechnung - das Ergebnis sind dann Hermaphroditen, weder eindeutig Mann noch Frau. Hermaphroditen/Zwitter SIND eine biologische Tatsache, da aendert alles Gezeter nichts daran. Ich versteh die ganze Aufregung darum nicht. Es ist begruessenswert, wenn ein Hermaphrodit, der ja definitiv weder eindeutig Mann noch Frau ist, was du in jedem Beitrag auch deutlichst betonst, dies in Zukunft angeben kann. Oder soll ein intersexueller Mensch faelschlicherweise einfach zu Mann oder Frau gemacht werden? Das widerspricht deiner Logik ja erst recht. :cool:
Zuletzt geändert von Bleibtreu am Fr 17. Nov 2017, 13:19, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon becksham » Fr 17. Nov 2017, 13:18

Dark Angel hat geschrieben:(17 Nov 2017, 13:07)

Doch auch das ist Diskriminierung - nämlich Diskriminierung der überwiegenden Mehrheit, die eindeutig männlich oder weiblich ist!

Wenn nicht mehr nach dem Geschlecht gefragt wird, wird irgendjemand diskriminiert? Nicht ernsthaft. :rolleyes:
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Bleibtreu » Fr 17. Nov 2017, 13:32

becksham hat geschrieben:(17 Nov 2017, 13:18)

Wenn nicht mehr nach dem Geschlecht gefragt wird, wird irgendjemand diskriminiert? Nicht ernsthaft. :rolleyes:

Genau das Gegenteil ist mE der Fall, wie ich Vorhin schon schrieb. Je weniger sich Menschen gesellschaftlich ueber ihr Geschlecht definieren und definiert werden, desto eher ist der Weg fuer echte GleichBerechtigung der Geschlechter frei. Welches Geschlecht jemand hat ist fuer die Statistik, die Dienste zur PersonenstandsIndentifizierung und ansonsten nur fuer die sexuelle Interaktion und Partnerschaften von Interesse.

Ist es fuer mich relevant, dass Billie und du auch weiblich seid? Nein. Weil ich mit keiner von euch sexuell interagieren will. Von mir aus koenntet ihr auch Maenner oder Hermaphroditen sein - macht fuer mich ebenfalls keinerlei Unterschied, weil ich aktuelle nur an einem bestimmten Mann interessiert bin. :D
Zuletzt geändert von Bleibtreu am Fr 17. Nov 2017, 13:36, insgesamt 1-mal geändert.
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