Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

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Sextus Ironicus
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Sextus Ironicus » Fr 17. Nov 2017, 13:36

Unité 1 hat geschrieben:(17 Nov 2017, 13:07)


rdedor meiner Ansicht nach bereits deutlich dargelegt, dass wenn eine Person weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zugeordnet werden kann, sie also zu einer dritten Gruppe gehören muss. Das sieht das BVerfG offensichtlich genauso.



Ich hatte auf ihn geantwortet und darauf hingewiesen, dass das Geschlecht der Zuordnungsgruppe (die wiederum einen bestimmten Zweck hat) vorausgeht und oben auch einige theoretischen Überlegungen dazu gepostet.

Und um hier nicht Nebendinge zu beackern, wiederhole ich eine Frage, die ich um 9.23 h schon mal jemand gestellt hatte:

Erkennst du den Unterschied zwischen (a) den rechtlichen Folgen [des Urteils] für die Betroffenen (sehe ich sehr positiv) und (b) den impliziten Folgen für den gesellschaftlichen, den politischen Diskurs?

Mich interessieren über die Intersexuellen hinaus keine Diskriminierungsfragen, sondern die Folgeabschätzung vor allem für wissenschaftliche Belange und was das für den gesellschaftlichen Diskurs bedeutet. Da bin ich 100 % bei Dark Angel.

Was anderes interessiert mich nicht. Und im Übrigen bin ich bei der nächsten "untersten Schublade" dann auch nicht mehr antwortbereit. Wenn man etwas für sich klären will, dann schaut man sich eine Sache an, ob sie einem in der Sache weiterhilft, wenn nicht, lässt man es. Moralische Urteile übers Gegenüber sagen überwiegend etwas über einen selbst aus.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Unité 1 » Fr 17. Nov 2017, 13:38

Dark Angel hat geschrieben:(17 Nov 2017, 11:40)

Ich bin (aufgrund eines fremdverschuldeten Unfalls) schwerbeschädigt und damit in meiner freien Entfaltung der Persönlichkeit beeinträchtigt. Mein Grundrecht ist/wird nicht garantiert. Dieser Logik folgend, werde ich auch diskriminiert bzw fühle ich mich diskriminiert. Dann ziehe ich halt auch vor das Bundesverfassungsgericht und klage gegen die gefühlte Diskriminierung.
Durch wen und wie wirst du denn diskriminiert? Das müsstest du bei einer Verfassungsbeschwerde schon darlegen. Es gibt davon tausende im Jahr, aber nur die wenigsten werden angenommen. In dem Fall war sie offenkundig begründet und relevant.

Intersexualität ist eine angeborene Fehlentwicklung, auf die niemand in irgend einer Art und Weise Einfluss nehmen kann.
Dass sich solche eine Fehlentwicklung auf auf die Psyche, auf die Selbstwahrnehmung auswirkt, sogar darauf wie der Betreffende von anderen wahrgenommen wird, dürfte eine Binsenweisheit sein. Dass mit dieser Fehlentwicklung auch unangenehme Gefühle und manchmal auch Entscheidungen verbunden sind, ebenso. Das hat allerdings mit Diskriminierung nichts zu tun.
Darum geht es nicht, du unterstellst es. Wäre es nur eine Binnenwahrnehmung hätte das BVerfG sich dem nicht angenommen. Es ging um eine Ungleichbehandlung durch Dritte (die Festlegung eines Geschlechts, das nicht den biologischen Tatsachen entsprach).

Es gibt kein Grundrecht auf "wohl fühlen" - jeder Mensch stößt irgendwo (mehr oder weniger) an Grenzen wo er sich nicht "wohl fühlt", wo er unangenehme Entscheidungen treffen muss, wo er Kompromisse eingehen muss und vor allem keine Bevorzugung einfordern kann.

Es gibt auch kein Grundrecht auf Wohlfühlen und wenn du vor BVerfG ziehst, weil deinem Wohlbefinden nicht entsprochen wird, könntest du wohl mit einer Strafgebühr rechnen. Maria fragte gestern ja sinngemäß, ob du überhaupt verstanden hast, was Diskriminierung bedeutet und beinhaltet. Das würde mich auch interessieren.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon becksham » Fr 17. Nov 2017, 13:39

Bleibtreu hat geschrieben:(17 Nov 2017, 13:32)
...Ist es fuer mich relevant, dass Billie und du auch weiblich seid? Nein. Weil ich mit keiner von euch sexuell interagieren will. ...

Nur weil du mich nicht persönlich kennst. :D

Natürlich hast du recht. :thumbup:
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Unité 1 » Fr 17. Nov 2017, 13:55

Sextus Ironicus hat geschrieben:(17 Nov 2017, 13:36)

Ich hatte auf ihn geantwortet und darauf hingewiesen, dass das Geschlecht der Zuordnungsgruppe (die wiederum einen bestimmten Zweck hat) vorausgeht und oben auch einige theoretischen Überlegungen dazu gepostet.

Und um hier nicht Nebendinge zu beackern, wiederhole ich eine Frage, die ich um 9.23 h schon mal jemand gestellt hatte:

Erkennst du den Unterschied zwischen (a) den rechtlichen Folgen [des Urteils] für die Betroffenen (sehe ich sehr positiv) und (b) den impliziten Folgen für den gesellschaftlichen, den politischen Diskurs?
:rolleyes:
Ich habe argumentiert, warum ich deine Folgenbefürchtung für Unfug halte. Das kannst du nun ignorieren oder nicht. Im Sinne einer Diskussion wäre allerdings ein Eingehen förderlich. Wie wäre es damit, wenn du einfach im Klartext schreibst, was du denkst, was ich nicht verstanden habe? Gerne setze ich mich damit auseinander, auf Hinterfotzigkeiten steh' ich dagegen nicht so.

Mich interessieren über die Intersexuellen hinaus keine Diskriminierungsfragen, sondern die Folgeabschätzung vor allem für wissenschaftliche Belange und was das für den gesellschaftlichen Diskurs bedeutet. Da bin ich 100 % bei Dark Angel.
Ich halte es für Hysterie. Die Gründe habe ich angerissen. Es steht dir frei, dich damit zu beschäftigen. Wenn du dich missverstanden fühlst, dann - nochmal - schreibe doch einfach, was du meinst. Indirekte Kommunikation erschwert das Verstehen durch Wegfallen von Bedeutungen, die durch Nonverbalität ausgedrückt werden. Ich halte es für möglich, dass ich dich falsch verstanden habe. Bitte sei doch auch so offen.

Was anderes interessiert mich nicht. Und im Übrigen bin ich bei der nächsten "untersten Schublade" dann auch nicht mehr antwortbereit. Wenn man etwas für sich klären will, dann schaut man sich eine Sache an, ob sie einem in der Sache weiterhilft, wenn nicht, lässt man es. Moralische Urteile übers Gegenüber sagen überwiegend etwas über einen selbst aus.

Ich begründe in der Regel meine Meinung, die weder wertebefreit sein will noch kann. Dir gefällt meine Wertung nicht, fein, mir ist dein Wohlbefinden egal. (Das ist im Übrigen keine Diskriminierung @DarkAngel.) Lass uns doch einfach darüber diskutieren. Dass wir auf einen grünen Zweig kommen ist eh unwahrscheinlich, da sollte man es also aushalten, dass das Gegenüber gegenteilige Ansichten vertritt. Ich breche über dich nicht den moralischen Stab, sondern habe deinen Beitrag bewertet. Über dich sage ich damit nichts aus und will damit nichts aussagen. Das solltest du trennen können.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon pikant » Fr 17. Nov 2017, 14:19

Sextus Ironicus hat geschrieben:(17 Nov 2017, 13:36)



Erkennst du den Unterschied zwischen (a) den rechtlichen Folgen [des Urteils] für die Betroffenen (sehe ich sehr positiv) und (b) den impliziten Folgen für den gesellschaftlichen, den politischen Diskurs?

Mich interessieren über die Intersexuellen hinaus keine Diskriminierungsfragen,
sondern die Folgeabschätzung vor allem für wissenschaftliche Belange und was das für den gesellschaftlichen Diskurs bedeutet. Da bin ich 100 % bei Dark Angel.

.


und das Bundesverfassungsgericht hat eine ganz andere Aufgabe, denn das Gericht hat nur zu interessieren ob man Grundrechte verletzt hat und das war in diesem Fall klar der Fall, deshalb dieses Urteil.

das Gericht hat eben Diskriminierungsfragen immer zu interessieren und das ist der Unterschied zu ihrer Sichtweise hier.
Zuletzt geändert von pikant am Fr 17. Nov 2017, 14:22, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Dark Angel » Fr 17. Nov 2017, 14:21

Bleibtreu hat geschrieben:(17 Nov 2017, 13:18)

Diesem Postulat macht die Natur eben einen Strich durch die Rechnung - das Ergebnis sind dann Hermaphroditen, weder eindeutig Mann noch Frau. Hermaphroditen/Zwitter SIND eine biologische Tatsache, da aendert alles Gezeter nichts daran. Ich versteh die ganze Aufregung darum nicht. Es ist begruessenswert, wenn ein Hermaphrodit, der ja definitiv weder eindeutig Mann noch Frau ist, was du in jedem Beitrag auch deutlichst betonst, dies in Zukunft angeben kann. Oder soll ein intersexueller Mensch faelschlicherweise einfach zu Mann oder Frau gemacht werden? Das widerspricht deiner Logik ja erst recht. :cool:

Ich bestreite die biologische Tatsache von Intersexualität ja gar nicht. Ändert aber nichts daran, dass es nur zwei Geschlechter gibt und etwas Uneindeutiges - "weder-noch" bzw "sowohl-als auch", aber nichts zusätzliches Drittes.
Mir geht es ja auch nicht darum, dass die Möglichkeit eines Eintrages in das Personenstandsregister als "intersexuell" eingeräumt wird, sondern darum, was daraus gemacht wird ==> "Geschlechtsidentität"/"Vielfalt der Geschlechter". Jeder kann dann eintragen lassen, als was er sich fühlt.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Sextus Ironicus » Fr 17. Nov 2017, 14:31

pikant hat geschrieben:(17 Nov 2017, 14:19)

und das Bundesverfassungsgericht hat eine ganz andere Aufgabe, denn das Gericht hat nur zu interessieren ob man Grundrechte verletzt hat und das war in diesem Fall klar der Fall, deshalb dieses Urteil.

dazs Gericht hat eben Diskriminierungsfragen immer zu interessieren und das ist der Unterschied zu ihrer Sichtweise hier.


Ja,das BVG schaut auf den Fall und urteilt. Gutes Urteil für die Betroffenen, was hier eigentlich niemand in Abrede gestellt hat. Grundrecht verletzt, Verletzung (muss) behoben (werden), damit ist der Fall für die Betroffenen zufriedenstellend ausgegangen. Hat auch niemand in Abrede gestellt. Aber das Gericht und die Betroffenen sind Teil der Gesellschaft, und das Urteil strahlt (was nicht die Intention des Gerichts ist) über sich hinaus. Wurde alles dargestellt.

Und alle Kommentare hier, die immer wieder auf das Fühlen abstellen, die ein drittes Geschlecht herauslesen, von Möglichkeiten weiterer Geschlechter, Geschlechtervielfalt, Wahlmöglichkeiten sprechen, alle diese Kommentare und die Reaktionen zeigen doch nichts anderes, als dass die nächste Runde eingeläutet ist. Die einen sehen es mit Freuden, die anderen nicht. Man kann's bloß nicht undiskutiert machen.
Zuletzt geändert von Sextus Ironicus am Fr 17. Nov 2017, 14:38, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Dark Angel » Fr 17. Nov 2017, 14:33

Bleibtreu hat geschrieben:(17 Nov 2017, 13:32)

Genau das Gegenteil ist mE der Fall, wie ich Vorhin schon schrieb. Je weniger sich Menschen gesellschaftlich ueber ihr Geschlecht definieren und definiert werden, desto eher ist der Weg fuer echte GleichBerechtigung der Geschlechter frei. Welches Geschlecht jemand hat ist fuer die Statistik, die Dienste zur PersonenstandsIndentifizierung und ansonsten nur fuer die sexuelle Interaktion und Partnerschaften von Interesse.

Ist es fuer mich relevant, dass Billie und du auch weiblich seid? Nein. Weil ich mit keiner von euch sexuell interagieren will. Von mir aus koenntet ihr auch Maenner oder Hermaphroditen sein - macht fuer mich ebenfalls keinerlei Unterschied, weil ich aktuelle nur an einem bestimmten Mann interessiert bin. :D

Sorry - aber die Angabe des Geschlechts im Personenstandsregister mag zwar für das Individuum im "normalen Alltag" uninteressant sein, für statistische Erhebungen ist es schon von Relevanz. Ebenso von Relevanz ist es für bestimmte gesellschaftspolitische Maßnahmen, in Verbindung mit Infrastruktur etc.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon pikant » Fr 17. Nov 2017, 14:38

Sextus Ironicus hat geschrieben:(17 Nov 2017, 14:31)

Ja,das BVG schaut auf den Fall und urteilt. Gutes Urteil für die Betroffenen, was hier eigentlich niemand in Abrede gestellt hat. Grundrecht verletzt, Verletzung (muss) behoben (werden), damit ist der Fall für die Betroffenen zufriedenstellend ausgegangen. Hat auch niemand in Abrede gestellt. Aber das Gericht und die Betroffenen sind Teil der Gesellschaft, und das Urteil strahlt (was nicht die Intention des Gerichts ist) über sich hinaus. Wurde alles dargestellt.

Und alle Kommentare hier, die immer wieder auf das Fühlen abstellen, die ein drittes Geschlecht herauslesen, von Möglichkeiten weiterer Geschlechter, Geschlechtervielfalt, Wahlmöglichkeiten sprechen, alle diese Kommentare und die Reaktionen zeigen doch nichts anderes, als das die nächste Runde eingeläutet ist. Die einen sehen es mit Freuden, die anderen nicht. Man kann's bloß nicht undiskutiert machen.


da ist nicht neues eingeleitet, weil das nur sehr wenige betrifft und in den Medien spielt dieses Urteil schon ein paar Tage danch keine Rolle mehr - der Bundestag wird das Gesetz 2018 aendern und das wird wohl unter fast Auschluss der Oeffentlichkeit geschehen und politisch ist das Thema auch so unbedeutend, dass es nicht kontrovers diskutiert wird.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon think twice » Fr 17. Nov 2017, 14:42

Dark Angel hat geschrieben:(17 Nov 2017, 14:21)

Ich bestreite die biologische Tatsache von Intersexualität ja gar nicht. Ändert aber nichts daran, dass es nur zwei Geschlechter gibt und etwas Uneindeutiges - "weder-noch" bzw "sowohl-als auch", aber nichts zusätzliches Drittes.
Mir geht es ja auch nicht darum, dass die Möglichkeit eines Eintrages in das Personenstandsregister als "intersexuell" eingeräumt wird, sondern darum, was daraus gemacht wird ==> "Geschlechtsidentität"/"Vielfalt der Geschlechter". Jeder kann dann eintragen lassen, als was er sich fühlt.

Und was soll im Personenstandregister eingetragen werden als Geschlecht bei den Intersexuellen?
Soll man für Dark Angel die Rubrik " weder/ noch, sowohl/als auch" einführen, weil ihr der Begriff "Intersexualitaet" missfällt? :D
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon pikant » Fr 17. Nov 2017, 14:44

think twice hat geschrieben:(17 Nov 2017, 14:42)

Und was soll im Personenstandregister eingetragen werden als Geschlecht bei den Intersexuellen?
Soll man für Dark Angel die Rubrik " weder/ noch, sowohl/als auch" einführen, weil ihr der Begriff "Intersexualitaet" missfällt? :D


Das hat das Bundesverfassungsgericht dem Bundestag freigestellt :)
es hat auch auf die Moeglichkeit aufmerksam geamacht, auf die Frage nach dem Geschlecht einfach zu verzichten
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon think twice » Fr 17. Nov 2017, 14:45

Sextus Ironicus hat geschrieben:(17 Nov 2017, 14:31)

Und alle Kommentare hier, die immer wieder auf das Fühlen abstellen, die ein drittes Geschlecht herauslesen, von Möglichkeiten weiterer Geschlechter, Geschlechtervielfalt, Wahlmöglichkeiten sprechen, alle diese Kommentare und die Reaktionen zeigen doch nichts anderes, als dass die nächste Runde eingeläutet ist. Die einen sehen es mit Freuden, die anderen nicht. Man kann's bloß nicht undiskutiert machen.

Bleibt die Frage, wohin mit denen, die weder Mann noch Frau sind. Sie lösen sich ja nicht einfach in Luft auf, weil irgendwelche Spiesser ein drittes Geschlecht in Abrede stellen.

Ach, was für eine herrlich absurde Diskussion. :D
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon think twice » Fr 17. Nov 2017, 14:49

pikant hat geschrieben:(17 Nov 2017, 14:44)

Das hat das Bundesverfassungsgericht dem Bundestag freigestellt :)
es hat auch auf die Moeglichkeit aufmerksam geamacht, auf die Frage nach dem Geschlecht einfach zu verzichten

Die hier rumkraehen, haben vor 30 Jahren bestimmt auch bei Homosexualität laut "pfui" geschrien und die Veranlagung als schlimme Krankheit erklärt, die man unbedingt behandeln muss.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Bleibtreu » Fr 17. Nov 2017, 14:52

Dark Angel hat geschrieben:(17 Nov 2017, 14:33)

Sorry - aber die Angabe des Geschlechts im Personenstandsregister mag zwar für das Individuum im "normalen Alltag" uninteressant sein, für statistische Erhebungen ist es schon von Relevanz. Ebenso von Relevanz ist es für bestimmte gesellschaftspolitische Maßnahmen, in Verbindung mit Infrastruktur etc.

Hab ich doch angesprochen, bitte nochmals lesen => Welches Geschlecht jemand hat ist fuer die Statistik, die Dienste zur PersonenstandsIndentifizierung [...] von Interesse. Und ICH finde es gut, wenn u.a. aus diesen Gruenden zumindest im PersonenstandsRegister auch die Intersexuellen als solche angegeben werden.

Dark Angel hat geschrieben:(17 Nov 2017, 14:21)

Ich bestreite die biologische Tatsache von Intersexualität ja gar nicht. Ändert aber nichts daran, dass es nur zwei Geschlechter gibt und etwas Uneindeutiges - "weder-noch" bzw "sowohl-als auch", aber nichts zusätzliches Drittes.
Mir geht es ja auch nicht darum, dass die Möglichkeit eines Eintrages in das Personenstandsregister als "intersexuell" eingeräumt wird, sondern darum, was daraus gemacht wird ==> "Geschlechtsidentität"/"Vielfalt der Geschlechter". Jeder kann dann eintragen lassen, als was er sich fühlt.

DAS ist aber nun albern, wenn es das Einzige ist, was dich daran stoert. Es geht um die Angabe des Geschlechtes einer Person. Von wegen jeder koenne eintragen lassen was er will, habe ich auch nichts gefunden. Kann sich eine Frau jetzt einfach als Mann eintragen lassen?

Wir haben Maenner, Frauen und eben auch die, deren Geschlecht man weder eindeutig als Mann, noch als Frau zuordnen kann. Aber, diese PersonenAngabe bezieht sich nunmal auf das Geschlecht der betreffenden Person. Welche neue Formulierung soll denn fuer Hermaphroditen eingefuehrt werden? KEIN Geschlecht ist falsch. Denn diese Menschen sind NICHT geschlechtslos, sie HABEN koerperliche GeschlechtsMerkmale wie Brueste oder Zipfel, Chromosomen & Hormone. Die GeschlechtsMerkmale der Betroffenen sind nicht eindeutig maennlich oder weiblich - aber definitiv vorhanden. Intersexuelle sind keine geschlechtslosen Neutren. Von daher ist dieses ganze Geschwurbel um die Intersexuellen fuer mich eine aufgebauschte PseudoDiskussion, sinnlose Echauffiertheit. :)
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Dark Angel » Fr 17. Nov 2017, 15:02

Unité 1 hat geschrieben:(17 Nov 2017, 13:38)

Durch wen und wie wirst du denn diskriminiert? Das müsstest du bei einer Verfassungsbeschwerde schon darlegen. Es gibt davon tausende im Jahr, aber nur die wenigsten werden angenommen. In dem Fall war sie offenkundig begründet und relevant.

Tja genau DAS ist die Frage, die ich mir im Zusammenhang mit Intersexuellen auch stelle.
Durch wen und wie werden sie denn diskriminiert? Liegt es wirklich nur an dem fehlenden Eintrag bzw am korrekten Eintrag ins Personenstandsregister?
Eine Diskriminierung bzw Grundreshtsverletzung sehe ich durchaus in geschlechtsangleichenden OPs unmittelbar bzw kurz nach der Geburt.
Aber sonst? Sich als etwas ganz bestimmtes zu fühlen, ist kein Grundrecht und eine andere Außenwahrnehmung keine Diskriminierung. Die Außenwahrnehmung hat etwas mit Erwartungshaltung aufgrund von Erfahrungen zu tun.

Unité 1 hat geschrieben:(17 Nov 2017, 13:38)Darum geht es nicht, du unterstellst es. Wäre es nur eine Binnenwahrnehmung hätte das BVerfG sich dem nicht angenommen. Es ging um eine Ungleichbehandlung durch Dritte (die Festlegung eines Geschlechts, das nicht den biologischen Tatsachen entsprach).

Da gibt es aber - meines Wissens nach - bereits seit 2013 die Möglichkeit, die Angabe des Geschlechts offen zu lassen und zu einem späteren Zeitpunkt eintragen zu lassen.
Aber auch das wird ja von dem/der Kläger als Diskriminierung empfunden, ob es sich dabei tatsächlich um eine Diskriminierung handelt, sei dahin gestellt.


Unité 1 hat geschrieben:(17 Nov 2017, 13:38)Es gibt auch kein Grundrecht auf Wohlfühlen und wenn du vor BVerfG ziehst, weil deinem Wohlbefinden nicht entsprochen wird, könntest du wohl mit einer Strafgebühr rechnen. Maria fragte gestern ja sinngemäß, ob du überhaupt verstanden hast, was Diskriminierung bedeutet und beinhaltet. Das würde mich auch interessieren.

Eben - es gibt kein Grundrecht auf Wohlfühlen. Jeder muss Kompromisse eingehen, unangenehme Entscheidungen treffen, mit Außenwahrnehmnungen klar kommen, die sich von der Selbstwahrnehmung unterscheiden.
Diskriminierung ist für mich, wenn Intersexuelle bei Einstellungen in Jobs benachteiligt werden, wenn sie von Bildung ausgeschlossen werden, wenn sie vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden, sich nicht in Vereinen etc betätigen dürfen.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Sextus Ironicus » Fr 17. Nov 2017, 15:03

think twice hat geschrieben:(17 Nov 2017, 14:49)

Die hier rumkraehen, haben vor 30 Jahren bestimmt auch bei Homosexualität laut "pfui" geschrien und die Veranlagung als schlimme Krankheit erklärt, die man unbedingt behandeln muss.


Ham' denn die "Kräher" hier ihre sexuelle Orientierung irgendwo eingetragen oder bekannt gegeben, auf die du deine Vermutung stützen könntest? Denn es würde ja kaum ein Schwuler "Pfui!" geschrien haben :?:

In Zweifelsfällen ist immer das andere Nivea eine Option, das mit dem u. :D
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Unité 1 » Fr 17. Nov 2017, 15:07

Sextus Ironicus hat geschrieben:(16 Nov 2017, 22:06)

Um das noch zu ergänzen: Vielleicht liegt der Punkt, um den der logische Aspekt geht in Perdedors Satz

"Wenn man nicht der Gruppe 1 (Frauen) oder 2 (Männer) angehört, gehört man logischerweise einer dritten Gruppe an"

denn der stellt auf die Gruppe ab und dreht die Sache damit um. Voraussetzung für die Zuordnung ist A oder B, sprich: A und B hängen nicht von der Zuordnung ab. Für AB schaffen wir nun eine dritte Gruppe und behaupten dann praktisch, es entstünde aus der Zuordnung auf der Ebene von A und B ebenfalls etwas Neues, von A und B Unabhängiges.

Any thoughts dazu?
Okay, den Beitrag hatte ich übersehen.

A und B existieren unabhängig von der Zuordnung, AB ebenfalls. Allerdings existierten für A eine Zuordnung (A') und für B (B'), für AB (A' oder B') aber nicht. Nur weil AB' nicht existierte, heißt das nicht, dass AB ebenfalls nicht existent war. AB schöpft seine Existenz aus der gleichen Ebene wie A und B.

Etwas, was Variable ist, aber nicht A oder B, muss zwangsläufig C oder D oder AB oder usw. sein.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Dark Angel » Fr 17. Nov 2017, 15:08

think twice hat geschrieben:(17 Nov 2017, 14:42)

Und was soll im Personenstandregister eingetragen werden als Geschlecht bei den Intersexuellen?
Soll man für Dark Angel die Rubrik " weder/ noch, sowohl/als auch" einführen, weil ihr der Begriff "Intersexualitaet" missfällt? :D

Schlicht und ergreifend, "intersexuell", was ja den Tatsachen entspricht.
Hast du damit ein Problem?
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Dark Angel » Fr 17. Nov 2017, 15:12

think twice hat geschrieben:(17 Nov 2017, 14:45)

Bleibt die Frage, wohin mit denen, die weder Mann noch Frau sind. Sie lösen sich ja nicht einfach in Luft auf, weil irgendwelche Spiesser ein drittes Geschlecht in Abrede stellen.

Ach, was für eine herrlich absurde Diskussion. :D

Intersexualität ist kein "drittes Geschlecht" - das ist schlicht und ergreifend eine biologische Tatsache und hat mit Spießer nicht das geringste zu tun.
Intersexualität bezeichnet einen "Zustand" zwischen den Geschlechtern, eine Fehlentwicklung, die eine eindeutige Zuordnung nicht zulässt. Nicht mehr und nicht weniger!
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon think twice » Fr 17. Nov 2017, 15:14

Dark Angel hat geschrieben:(17 Nov 2017, 15:12)


Intersexualität bezeichnet einen "Zustand" zwischen den Geschlechtern, eine Fehlentwicklung, die eine eindeutige Zuordnung nicht zulässt. Nicht mehr und nicht weniger!

Ich nehme an, das ist wissenschaftlich gesichert, sonst würdest du es ja nicht behaupten, oder? :p
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