Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Billie Holiday » Fr 17. Nov 2017, 15:19

Dark Angel hat geschrieben:(17 Nov 2017, 15:12)

Intersexualität ist kein "drittes Geschlecht" - das ist schlicht und ergreifend eine biologische Tatsache und hat mit Spießer nicht das geringste zu tun.
Intersexualität bezeichnet einen "Zustand" zwischen den Geschlechtern, eine Fehlentwicklung, die eine eindeutige Zuordnung nicht zulässt. Nicht mehr und nicht weniger!


Sagt Wiki auch.

https://de.wikipedia.org/wiki/Intersexu ... prov=sfti1

https://de.wikipedia.org/wiki/Menschlic ... prov=sfti1
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Billie Holiday » Fr 17. Nov 2017, 15:23

think twice hat geschrieben:(17 Nov 2017, 15:14)

Ich nehme an, das ist wissenschaftlich gesichert, sonst würdest du es ja nicht behaupten, oder? :p


Es ist völlig ausreichend, was man aus reinem Bauchgefühl heraus ganz supi findet. Drittes Geschlecht, ganz unabhängig von Mann und Frau? Kennt die Biologie nicht, aber klingt toll, also muß es das geben. :thumbup:
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Sextus Ironicus » Fr 17. Nov 2017, 15:26

Unité 1 hat geschrieben:(17 Nov 2017, 15:07)

Okay, den Beitrag hatte ich übersehen.

A und B existieren unabhängig von der Zuordnung, AB ebenfalls. Allerdings existierten für A eine Zuordnung (A') und für B (B'), für AB (A' oder B') aber nicht. Nur weil AB' nicht existierte, heißt das nicht, dass AB ebenfalls nicht existent war. AB schöpft seine Existenz aus der gleichen Ebene wie A und B.

Etwas, was Variable ist, aber nicht A oder B, muss zwangsläufig C oder D oder AB oder usw. sein.


Gibt's hier eigentlich Formallogiker? Ich kann's leider nicht. Deshalb nur laienhaft:

Völlig richtig für mich ist:

"Nur weil AB' nicht existierte, heißt das nicht, dass AB ebenfalls nicht existent war."

Das gilt ja ebenso für A und B. Eine fehlende Zuordnung sagt nichts über die Existenz von allen dreien.

AB existiert auf der Ebene von A und B. Aber es existiert nicht unabhängig als etwas anderes wie A und B. Es braucht beides. Es ist nicht A und ist nicht B, aber auch nichts komplett anderes als A und B. Nichts aus sich heraus, das wird es dann erst auf AB'.

AB' ist definitiv reines Konstrukt. Und mit "drittes Geschlecht" (C) würde von C' aus eine Existenzaussage gemacht (und von diesem Verständnis geht mein Unbehagen aus).
… habe ich mich sorgsam bemüht, menschliche Tätigkeiten nicht zu verlachen, nicht zu beklagen und auch nicht zu verdammen, sondern zu begreifen. (Spinoza)
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon think twice » Fr 17. Nov 2017, 15:28

Billie Holiday hat geschrieben:(17 Nov 2017, 15:23)

Es ist völlig ausreichend, was man aus reinem Bauchgefühl heraus ganz supi findet. Drittes Geschlecht, ganz unabhängig von Mann und Frau? Kennt die Biologie nicht, aber klingt toll, also muß es das geben. :thumbup:

Die Biologie nennt es nur anders.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon pikant » Fr 17. Nov 2017, 15:31

Billie Holiday hat geschrieben:(17 Nov 2017, 15:23)

Es ist völlig ausreichend, was man aus reinem Bauchgefühl heraus ganz supi findet. Drittes Geschlecht, ganz unabhängig von Mann und Frau? Kennt die Biologie nicht, aber klingt toll, also muß es das geben. :thumbup:


was ist daran zu beanstanden, wenn Menschen sich nicht als Frau und auch nicht als Mann fuehlen und dafuer eine dritte Wahlmoeglichkeit bekommen?
exakt das hat das Bundesverfassungsgericht bemaengelt diese dritte Wahlmoeglichkeit.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon think twice » Fr 17. Nov 2017, 15:34

pikant hat geschrieben:(17 Nov 2017, 15:31)

was ist daran zu beanstanden, wenn Menschen sich nicht als Frau und auch nicht als Mann fuehlen und dafuer eine dritte Wahlmoeglichkeit bekommen?
exakt das hat das Bundesverfassungsgericht bemaengelt diese dritte Wahlmoeglichkeit.

Das frage ich mich auch: Was ist ueberhaupt das Problem? Ausser der bekannten Rechthaberei sehe ich keins.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Billie Holiday » Fr 17. Nov 2017, 15:38

pikant hat geschrieben:(17 Nov 2017, 15:31)

was ist daran zu beanstanden, wenn Menschen sich nicht als Frau und auch nicht als Mann fuehlen und dafuer eine dritte Wahlmoeglichkeit bekommen?
exakt das hat das Bundesverfassungsgericht bemaengelt diese dritte Wahlmoeglichkeit.


Ich beanstande gar nichts.
Alles, was nicht eindeutig Mann oder Frau ist, hat dennoch mit ihnen zu tun und nicht mit einem dritten Geschlecht, welches weder Mann noch Frau ist und auch keine Mischform, sondern ganz was anderes.
Überhaupt nichts spricht gegen eine dritte Wahlmöglichkeit, nämlich intersexuell.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Unité 1 » Fr 17. Nov 2017, 15:42

Dark Angel hat geschrieben:(17 Nov 2017, 15:02)

Tja genau DAS ist die Frage, die ich mir im Zusammenhang mit Intersexuellen auch stelle.
Durch wen und wie werden sie denn diskriminiert? Liegt es wirklich nur an dem fehlenden Eintrag bzw am korrekten Eintrag ins Personenstandsregister?
Eine Diskriminierung bzw Grundreshtsverletzung sehe ich durchaus in geschlechtsangleichenden OPs unmittelbar bzw kurz nach der Geburt.
Aber sonst? Sich als etwas ganz bestimmtes zu fühlen, ist kein Grundrecht und eine andere Außenwahrnehmung keine Diskriminierung. Die Außenwahrnehmung hat etwas mit Erwartungshaltung aufgrund von Erfahrungen zu tun.
Es geht nicht ums Fühlen, mMn geht es um die gesellschaftliche Anerkennung intersexueller Realität. Ganz konkret wurde ja um einen Eintrag ins Geburtenregister eines intersexuellen Menschen als Frau verhandelt, also um eine Festlegung, die nicht den Tatsachen, sondern der Willkür entsprach. Das ist klar diskriminierend und eine Ungleichbehandlung. Zudem ist diese Festlegung oft Anlass zu kosmetischen OPs, was dem Persönlichkeitsrechtsverstoß eine gravierende Komponente hinzufügt. Aus einem Artikel der faz:
Hier wird ein besonderes Spannungsfeld sichtbar, in dem Betroffene, die ihr Recht auf eine eigene geschlechtliche Identität beanspruchen, gleichzeitig auch von der Medizin als behandlungsbedürftige Patienten wahrgenommen werden. Ihnen werden – so der englische Terminus – „Disorders of Sex Development“ attestiert, also eine Krankheit. Der Sprachgebrauch der Bundesärztekammer, die sich 2015 auf Empfehlung ihres Wissenschaftlichen Beirats mit dem Thema befasste, lässt die Ambivalenz noch deutlicher hervortreten. Sie hat einen Beschluss über die „Versorgung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Varianten/Störungen der Geschlechtsentwicklung“ gefasst. Während der Begriff der Variante neutral ist, attestiert die damit synonym gesetzte Feststellung einer „Störung“, dass eine Behandlung zumindest wünschenswert oder jedenfalls grundsätzlich möglich wäre – eine Sichtweise, die den Gleichbehandlungsanspruch konterkarieren kann.

Dazu passt, was die Psychologin und Sozialwissenschaftlerin Ulrike Klöppel in einer im Dezember letzten Jahres veröffentlichten Studie „Zur Aktualität kosmetischer Operationen ,uneindeutiger‘ Genitalien im Kindesalter“ berichtet hat: Trotz überarbeiteter Behandlungsleitlinien der medizinischen Fachgesellschaften und einer vergleichsweise intensiven gesellschaftlichen Diskussion sind die Zahlen der von erwachsenen Betroffenen und Selbsthilfegruppen, aber auch von Menschenrechtsgremien scharf kritisierten Operationen zur Feminisierung und Maskulinisierung von Kindern unter zehn Jahren im Verhältnis zur Diagnosestellung zwischen 2005 und 2014 relativ konstant geblieben.


Da gibt es aber - meines Wissens nach - bereits seit 2013 die Möglichkeit, die Angabe des Geschlechts offen zu lassen und zu einem späteren Zeitpunkt eintragen zu lassen.
Aber auch das wird ja von dem/der Kläger als Diskriminierung empfunden, ob es sich dabei tatsächlich um eine Diskriminierung handelt, sei dahin gestellt.

Das Problem mit manchen Diskriminierungen ist ihre Unsichtbarkeit für Nichtbetroffene. Ein Beispiel dafür wäre Alltag- oder institutioneller Rassismus. Oft genug wird das auch abgewertet als Befindlichkeit, weil die Systematik nur den Betroffenen offenbar wird. Dabei geht es nicht um Arschlöcher, die es überall gibt, sondern um die Tatsache, dass sie eine andere Behandlung aufgrund ihrer Hautfarbe erfahren.

In diesem Fall geht es um einen willkürlichen Akt, der nur Intersexuelle trifft. Die Offenlassung der Geschlechtsangabe negiert auf abstrakter Ebene die Existenz. Und wie bleibtreu schon schrieb, intersexuelle Menschen sind ja nicht geschlechtslos.


Eben - es gibt kein Grundrecht auf Wohlfühlen. Jeder muss Kompromisse eingehen, unangenehme Entscheidungen treffen, mit Außenwahrnehmnungen klar kommen, die sich von der Selbstwahrnehmung unterscheiden.

Auf der persönlichen, individuellen Ebene ist das so. Ich kann nicht ein vollumfängliches Eingehen auf meine Wünsche und Bedürfnisse beanspruchen. Also, ich kann es schon, aber es gibt keinen Grund, dem zu entsprechen. Aber, ich kann eine vollumfängliche Gleichbehandlung erwarten unabhängig meiner Gruppenzugehörigkeiten. Angenommen ich sei inter und ich werde auf der Straße des Öfteren dämlich angemacht, dann werde ich zwar diskriminiert, aber es sind (systematische) Einzelhandlungen, also Handlungen von Individuen. Erfahre ich dagegen bei Behördern und dergleichen wegen meines Geschlechts Ungemach, dann ist das eine instituionalisierte Diskriminierung und mir eröffnet sich eine Klageoption, der strukturellen Ungleichbehandlung ein Ende setzen zu lassen.

Diskriminierung ist für mich, wenn Intersexuelle bei Einstellungen in Jobs benachteiligt werden, wenn sie von Bildung ausgeschlossen werden, wenn sie vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden, sich nicht in Vereinen etc betätigen dürfen.
Diskrimierung kommt in vielen Formen daher. In solch offensichtlichen und in subtileren wie bspw. der Anerkennungsverweigerung von Intersexualität in Geburtenregistern. Ich würde vermuten, dass Sichtbarkeit eine bedeutende Rolle spielte bei der Klage.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Billie Holiday » Fr 17. Nov 2017, 15:43

think twice hat geschrieben:(17 Nov 2017, 15:34)

Das frage ich mich auch: Was ist ueberhaupt das Problem? Ausser der bekannten Rechthaberei sehe ich keins.


Ich denke mal, dein Problem ist, dass es überhaupt Bedenken/Einwände/Kritik/Anmerkungen gibt und nicht jeder prima seufzt, sondern sich eigene Gedanken macht. Wir werden das Urteil des Verfassungsgerichtes nicht ändern können, darüber diskutieren dürfen wir aber noch, gell?
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon unity in diversity » Fr 17. Nov 2017, 15:44

think twice hat geschrieben:(17 Nov 2017, 15:34)

Das frage ich mich auch: Was ist ueberhaupt das Problem? Ausser der bekannten Rechthaberei sehe ich keins.

Man streitet sich offenbar darüber, daß es Menschen mit einem rechten und einem linken Ohr gibt.
Aber einige haben ein Mittelohr.
Für jedes Problem gibt es zwei Lösungsansätze:
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon pikant » Fr 17. Nov 2017, 15:47

Billie Holiday hat geschrieben:(17 Nov 2017, 15:43)

Ich denke mal, dein Problem ist, dass es überhaupt Bedenken/Einwände/Kritik/Anmerkungen gibt und nicht jeder prima seufzt, sondern sich eigene Gedanken macht. Wir werden das Urteil des Verfassungsgerichtes nicht ändern können, darüber diskutieren dürfen wir aber noch, gell?


das Bundesverfassungsgericht sieht das als Diskriminierung an und natuerlich ist es eine Diskriminierung, wenn man nicht Frau und Mann sein will und es nicht im Register bekunden kann.
das ist eine Grundrechtsverletzung, nicht mehr und nicht weniger.

da nuetzen alle Diskussionen nichts - das ist Fakt und vom obersten Gericht in Deutschland bestaetigt
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Billie Holiday » Fr 17. Nov 2017, 15:51

pikant hat geschrieben:(17 Nov 2017, 15:47)

das Bundesverfassungsgericht sieht das als Diskriminierung an und natuerlich ist es eine Diskriminierung, wenn man nicht Frau und Mann sein will und es nicht im Register bekunden kann.
das ist eine Grundrechtsverletzung, nicht mehr und nicht weniger.

da nuetzen alle Diskussionen nichts - das ist Fakt und vom obersten Gericht in Deutschland bestaetigt


Ja, ist doch alles gut. Gibt zwar kein drittes Geschlecht unabhängig von Mann oder Frau, aber gut, dass das BVG eines fordert.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon think twice » Fr 17. Nov 2017, 15:51

Billie Holiday hat geschrieben:(17 Nov 2017, 15:43)

Ich denke mal, dein Problem ist, dass es überhaupt Bedenken/Einwände/Kritik/Anmerkungen gibt und nicht jeder prima seufzt, sondern sich eigene Gedanken macht. Wir werden das Urteil des Verfassungsgerichtes nicht ändern können, darüber diskutieren dürfen wir aber noch, gell?

Mein Problem sind rechthaberische Leute, die ueberhaupt keine Diskussionen führen, sondern meinen, ihr Wort sei Fakt.
Und das Ganze noch in einem hochagressiven, beleidigendem, diktatorischen Stil. Darauf reagiere ich allergisch.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Billie Holiday » Fr 17. Nov 2017, 15:52

think twice hat geschrieben:(17 Nov 2017, 15:51)

Mein Problem sind rechthaberische Leute, die ueberhaupt keine Diskussionen führen, sondern meinen, ihr Wort sei Fakt.
Und das Ganze noch in einem hochagressiven, beleidigendem, diktatorischen Stil. Darauf reagiere ich allergisch.


Ich? :eek: Och, nun sag doch nicht sowas. :(
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon think twice » Fr 17. Nov 2017, 15:55

Billie Holiday hat geschrieben:(17 Nov 2017, 15:52)

Ich? :eek: Och, nun sag doch nicht sowas. :(

Nein, du nicht. Aber du könntest dich einfach mal raushalten, anstatt mir ständig irgendwelchen Scheiss zu unterstellen. :p
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Dark Angel » Fr 17. Nov 2017, 15:58

think twice hat geschrieben:(17 Nov 2017, 15:14)

Ich nehme an, das ist wissenschaftlich gesichert, sonst würdest du es ja nicht behaupten, oder? :p

Natürlich ist es das, denn im Gegensatz zu dir lese ich "schlaue Bücher" - heißt ich bilde mich (weiter).
Würdest du auch "schlaue Bücher" lesen wüsstest du, dass Intersexualität auf Anomalien/Fehlentwicklungen des Karyotyps (wahrscheinlich) während der Meiose zurück zuführen ist. :x
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Unité 1 » Fr 17. Nov 2017, 16:00

Sextus Ironicus hat geschrieben:(17 Nov 2017, 15:26)

Gibt's hier eigentlich Formallogiker? Ich kann's leider nicht. Deshalb nur laienhaft:

Völlig richtig für mich ist:

"Nur weil AB' nicht existierte, heißt das nicht, dass AB ebenfalls nicht existent war."

Das gilt ja ebenso für A und B. Eine fehlende Zuordnung sagt nichts über die Existenz von allen dreien.

AB existiert auf der Ebene von A und B. Aber es existiert nicht unabhängig als etwas anderes wie A und B. Es braucht beides. Es ist nicht A und ist nicht B, aber auch nichts komplett anderes als A und B. Nichts aus sich heraus, das wird es dann erst auf AB'.

AB' ist definitiv reines Konstrukt. Und mit "drittes Geschlecht" (C) würde von C' aus eine Existenzaussage gemacht (und von diesem Verständnis geht mein Unbehagen aus).

Äh, nein. AB existiert definitiv unabhängig als etwas anderes wie A von B oder B von A oder A von AB oder B von AB; oder alle sind voneinander abhängig, was ebenso wahr wäre.
Ich setze das mal als Abhängigkeit, dann wird es deutlicher.
Die Existenzebene von A und B beginnt bei A und endet bei B, zudem beziehen sich beide aufeinander. A braucht B und B braucht A. Auf der Existenzebene, lässt sich gewissermaßen A als Funktion von B und umgedreht beschreiben. (Die Entwicklung der Geschlechter wegen Fortpflanzung) AB ist eine Variante, die auftritt. Sie braucht beides zur Definition wie A B und B A braucht. (Ohne weiblich lässt sich männlich nicht definieren, es fehlte das Unterscheidungsmerkmal und damit die Grundlage der Klassifizierung.)

Der Maßstab, den du anlegst, der gilt ebenso für A wie für B. Und da A und B eigenständige Existenzen seien, gilt das zwangsläufig auch für AB.
A' und B' sind definitiv auch reine Konstrukte wie AB'. Es sind gesellschaftliche Übersetzungen biologischer Wirklichkeit.
Oder AB' nun gleich C' ist oder nicht, ist dafür irrelevant.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Alter Stubentiger » Fr 17. Nov 2017, 16:06

Billie Holiday hat geschrieben:(17 Nov 2017, 15:23)

Es ist völlig ausreichend, was man aus reinem Bauchgefühl heraus ganz supi findet. Drittes Geschlecht, ganz unabhängig von Mann und Frau? Kennt die Biologie nicht, aber klingt toll, also muß es das geben. :thumbup:

Nun ja. Die Biologie kennt dass sehr wohl. Viele Zwitter sind nackt klar als solche zu erkennen. Vor 200 Jahren wußte dies jeder. Der rechtliche Status wurde im preussischen Gesetzbuch geregelt.

Erst in der Neuzeit wurde Neugeborene mit nicht eindeutigen Geschlechtsmerkmalen umoperiert. In der Annahme dass der Rest mit Erziehung zu regeln sei. Das war eine falsche Annahme. Heute ist klar: Die Evolutionhat mehr als nur Mann und Frau erschaffen. Die Evolution experimentiert. Dabei kommt es eben zu Entwicklungen die nicht mit der Sexualmoral des Morgen und Abendlandes in Einklaang zu bringen sind. Also wird vertuscht oder totgeschwiegen. Denn Gott macht keine solchen Fehler. Und Allah erst recht nicht.....
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Dark Angel » Fr 17. Nov 2017, 16:07

Unité 1 hat geschrieben:(17 Nov 2017, 15:42)

Es geht nicht ums Fühlen, mMn geht es um die gesellschaftliche Anerkennung intersexueller Realität. Ganz konkret wurde ja um einen Eintrag ins Geburtenregister eines intersexuellen Menschen als Frau verhandelt, also um eine Festlegung, die nicht den Tatsachen, sondern der Willkür entsprach. Das ist klar diskriminierend und eine Ungleichbehandlung. Zudem ist diese Festlegung oft Anlass zu kosmetischen OPs, was dem Persönlichkeitsrechtsverstoß eine gravierende Komponente hinzufügt. Aus einem Artikel der faz:



Das Problem mit manchen Diskriminierungen ist ihre Unsichtbarkeit für Nichtbetroffene. Ein Beispiel dafür wäre Alltag- oder institutioneller Rassismus. Oft genug wird das auch abgewertet als Befindlichkeit, weil die Systematik nur den Betroffenen offenbar wird. Dabei geht es nicht um Arschlöcher, die es überall gibt, sondern um die Tatsache, dass sie eine andere Behandlung aufgrund ihrer Hautfarbe erfahren.

In diesem Fall geht es um einen willkürlichen Akt, der nur Intersexuelle trifft. Die Offenlassung der Geschlechtsangabe negiert auf abstrakter Ebene die Existenz. Und wie bleibtreu schon schrieb, intersexuelle Menschen sind ja nicht geschlechtslos.



Auf der persönlichen, individuellen Ebene ist das so. Ich kann nicht ein vollumfängliches Eingehen auf meine Wünsche und Bedürfnisse beanspruchen. Also, ich kann es schon, aber es gibt keinen Grund, dem zu entsprechen. Aber, ich kann eine vollumfängliche Gleichbehandlung erwarten unabhängig meiner Gruppenzugehörigkeiten. Angenommen ich sei inter und ich werde auf der Straße des Öfteren dämlich angemacht, dann werde ich zwar diskriminiert, aber es sind (systematische) Einzelhandlungen, also Handlungen von Individuen. Erfahre ich dagegen bei Behördern und dergleichen wegen meines Geschlechts Ungemach, dann ist das eine instituionalisierte Diskriminierung und mir eröffnet sich eine Klageoption, der strukturellen Ungleichbehandlung ein Ende setzen zu lassen.

Diskrimierung kommt in vielen Formen daher. In solch offensichtlichen und in subtileren wie bspw. der Anerkennungsverweigerung von Intersexualität in Geburtenregistern. Ich würde vermuten, dass Sichtbarkeit eine bedeutende Rolle spielte bei der Klage.

Langer Rede kurzer Sinn: ich spreche mich doch gar nicht dagegen aus, dass "intersexuell" ins Geburten-/Personenstandsregister eingetragen wird.
Nur hat das m.M.n. nichts mit "Geschlechtsidentität" zu tun. Wenn von "Geschlechtsidentität" die Rede ist drängen sich halt solche Auswüchse wie bei "Fratzenbuch" auf und eine gesetzliche Regelung könnte genau dem Vorschub leisten.
Besser wäre es gewesen, das Bundesverfassungsgericht hätte eine Vorgabe (Entscheidung) getroffen, an der sich die gesetzliche Regelung zu orientieren hat.
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Re: Verfassungsgericht fordert drittes Geschlecht

Beitragvon Billie Holiday » Fr 17. Nov 2017, 16:11

Alter Stubentiger hat geschrieben:(17 Nov 2017, 16:06)

Nun ja. Die Biologie kennt dass sehr wohl. Viele Zwitter sind nackt klar als solche zu erkennen. Vor 200 Jahren wußte dies jeder. Der rechtliche Status wurde im preussischen Gesetzbuch geregelt.

Erst in der Neuzeit wurde Neugeborene mit nicht eindeutigen Geschlechtsmerkmalen umoperiert. In der Annahme dass der Rest mit Erziehung zu regeln sei. Das war eine falsche Annahme. Heute ist klar: Die Evolutionhat mehr als nur Mann und Frau erschaffen. Die Evolution experimentiert. Dabei kommt es eben zu Entwicklungen die nicht mit der Sexualmoral des Morgen und Abendlandes in Einklaang zu bringen sind. Also wird vertuscht oder totgeschwiegen. Denn Gott macht keine solchen Fehler. Und Allah erst recht nicht.....


Es wird vertuscht und totgeschwiegen, dass es neben Mann, Frau und „Mischformen“ (ja, ja, ich weiß, kein schönes Wort) noch gänzlich andere Geschlechter gibt?
Also Gene und äußerliche ganz andere Geschlechtsmerkmale?
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