Gehalter Gender-gap

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Selina
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon Selina » Mi 17. Mai 2017, 14:26

schokoschendrezki hat geschrieben:(17 May 2017, 14:35)

Bei kleinen Kindern hielt sich die Indoktrination deutlich in Grenzen. Ich will in diesem Punkt allerdings auch nicht einfach von mir auf andere schließen.

Es ist doch deutlich, dass du nicht wirklich weißt, wie konkret dieses "auf Linie" bringen aussah. In der einen Schule war es tatsächlich sehr indoktrinär, was mit einem extrem autoritären Direktor zusammenhing. In der anderen Schule (EOS, Gymnasium) kann ich mich erinnern, mit 14 in pubertärem Übermut in einer Pause quer durchs Schulgebäude "Die tanzen doch sowieso alle nur nach Moskaus Pfeife" gerufen zu haben, ohne zu sehen, dass am Flurende der Direktor stand. Der grinste nur und gab mir mit einer Handbewegung zu verstehen, die Klappe zu halten.


In meiner Abi-EOS-Klasse waren linientreue junge "Kader" genauso vertreten wie spätere Bausoldaten, nationale Minderheiten (Sorben) und selbstverständlich auch Christen. Da war nichts mit Indoktrination. Die meisten ließen sich die gar nicht gefallen. Es wurden gegensätzliche Meinungen diskutiert und unser Klassenlehrer, selbst SED-Mitglied, war ein großzügiger älterer Herr, der jede Äußerung unwidersprochen gelten ließ. Und da waren einige Äußerungen der Schüler dabei, die ganz und gar nicht stromlinienförmig und für damalige Verhältnisse ziemlich aufmüpfig waren. Er erklärte jedes Mal ganz ruhig seine Position dazu, aber kein bisschen lehrbuch- oder oberlehrerhaft. Netter Kerl. Bei einem Klassentreffen etliche Jahre nach der Wende stellte sich heraus, dass alle die kritischen, damals so ganz und gar nicht angepassten Leute ein Studium absolviert hatten und beruflich relativ erfolgreich waren. Die meisten schafften auch einen Neuanfang nach der Wende, was damals gar nicht so selbstverständlich war.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon Dark Angel » Mi 17. Mai 2017, 15:01

schokoschendrezki hat geschrieben:(17 May 2017, 14:35)

Bei kleinen Kindern hielt sich die Indoktrination deutlich in Grenzen. Ich will in diesem Punkt allerdings auch nicht einfach von mir auf andere schließen.

Es ist doch deutlich, dass du nicht wirklich weißt, wie konkret dieses "auf Linie" bringen aussah. In der einen Schule war es tatsächlich sehr indoktrinär, was mit einem extrem autoritären Direktor zusammenhing. In der anderen Schule (EOS, Gymnasium) kann ich mich erinnern, mit 14 in pubertärem Übermut in einer Pause quer durchs Schulgebäude "Die tanzen doch sowieso alle nur nach Moskaus Pfeife" gerufen zu haben, ohne zu sehen, dass am Flurende der Direktor stand. Der grinste nur und gab mir mit einer Handbewegung zu verstehen, die Klappe
zu halten. Und zwischen diesen beiden Polen gab es das ganze Spektrum der Indoktrination.

Aber unabhängig davon: Der Mensch ist nicht schutzlos einer Indoktrination ausgeliefert. Von Jean Paul Sartre gibts eine Textstelle,
die (sinngemäß) lautet, dass der Mensch auch in der Todeszelle vollkommen und absolut frei ist. Genau so ist es.

Ach ist ja doll, ich weiß nicht wirklich, wie das "auf Linie bringen" aussah - ich komme ja aus'm Mustopp. Da muss erst so jemand wie DU kommen und jemandem, der größten Teil seines bewussten Lebens in der DDR gelebt hat, wie "das auf Linie bringen" ausgesehen hat. Ja klar - an Selbstüberschätzung leidest du gar nicht -nech!
DU weißt ganz genau wie das war in den Sechzigern, Siebzigern - wo man "zur Arbeiterklasse" gehören musste um auf EOS zu dürfen, um später studieren zu können. DU weißt ganz genau, wie in den Achzigern in DDR-Kindergärten "auf Linie gebracht" wurde. Aber sicher - das weißt DU alles aus eigener Erfahrung! Du bist sone richtige Berliner Großschnautze.
Nööö den pubertierenden 14jährigen passierte nicht viel, wenn die "aus der Reihe tanzten", ihren Eltern dafür um so eher und um so mehr.
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 17. Mai 2017, 15:05

Selina hat geschrieben:(17 May 2017, 15:26)

In meiner Abi-EOS-Klasse waren linientreue junge "Kader" genauso vertreten wie spätere Bausoldaten, nationale Minderheiten (Sorben) und selbstverständlich auch Christen. Da war nichts mit Indoktrination. Die meisten ließen sich die gar nicht gefallen. Es wurden gegensätzliche Meinungen diskutiert und unser Klassenlehrer, selbst SED-Mitglied, war ein großzügiger älterer Herr, der jede Äußerung unwidersprochen gelten ließ. Und da waren einige Äußerungen der Schüler dabei, die ganz und gar nicht stromlinienförmig und für damalige Verhältnisse ziemlich aufmüpfig waren. Er erklärte jedes Mal ganz ruhig seine Position dazu, aber kein bisschen lehrbuch- oder oberlehrerhaft. Netter Kerl. Bei einem Klassentreffen etliche Jahre nach der Wende stellte sich heraus, dass alle die kritischen, damals so ganz und gar nicht angepassten Leute ein Studium absolviert hatten und beruflich relativ erfolgreich waren. Die meisten schafften auch einen Neuanfang nach der Wende, was damals gar nicht so selbstverständlich war.


Ja. Bei mir gehört allerdings auch zu den Erfahrungen, dass etwa zur Zeit der Biermann-Ausbürgerung die komplette Führung der Schule durch eine extrem linientreue Mannschaft ausgewechselt wurde. Da war das Ende der DDR allerdings beretis eingeläutet und nicht mehr aufzuhalten. Und meine Erfahrungen in der Grundschule sind in Hinsicht auf Indoktrination ebenfalls sehr sehr negativ. Im Kindergarten war ich nicht. Das kann ich nicht beurteilen.

Ändert aber dennoch nix daran, dass ich mich nicht indoktrinieren ließ und dass der Mensch allgemein nicht zwangsläufig indoktrinierbar ist. Abgesehen höchstens von der Tatsache, dass ich unter dem Einfluss des internationalen Genderforscherinnenkartells stehe. Das hatte ich inzwischen ganz vergessen.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 17. Mai 2017, 15:07

Dark Angel hat geschrieben:(17 May 2017, 16:01)

Ach ist ja doll, ich weiß nicht wirklich, wie das "auf Linie bringen" aussah - ich komme ja aus'm Mustopp. Da muss erst so jemand wie DU kommen und jemandem, der größten Teil seines bewussten Lebens in der DDR gelebt hat, wie "das auf Linie bringen" ausgesehen hat. Ja klar - an Selbstüberschätzung leidest du gar nicht -nech!
DU weißt ganz genau wie das war in den Sechzigern, Siebzigern - wo man "zur Arbeiterklasse" gehören musste um auf EOS zu dürfen, um später studieren zu können. DU weißt ganz genau, wie in den Achzigern in DDR-Kindergärten "auf Linie gebracht" wurde. Aber sicher - das weißt DU alles aus eigener Erfahrung! Du bist sone richtige Berliner Großschnautze.
Nööö den pubertierenden 14jährigen passierte nicht viel, wenn die "aus der Reihe tanzten", ihren Eltern dafür um so eher und um so mehr.

Ich habe - mehrfach - geschrieben und betont, dass die poltischen Verhätlnisse in der DDR sehr, sehr unterschiedlich waren. Ich kenne solche Erfahrungsberichte - Zutritt nur für Arbeiterklasse - auch. Es gehört eben das gesamte Bild dazu.

Und wenn Du Deine Beiträge so schreibst, dass man denken muss, Du würdest glauben, dass tatsächlich sämtliche Oppositionellen im Gefängnis landeten, dann muss man schlussfolgern, dass Du die reale Indoktrination in der DDR nicht oder nicht vollständig kennst.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon Selina » Mi 17. Mai 2017, 15:25

schokoschendrezki hat geschrieben:(17 May 2017, 16:05)

Ja. Bei mir gehört allerdings auch zu den Erfahrungen, dass etwa zur Zeit der Biermann-Ausbürgerung die komplette Führung der Schule durch eine extrem linientreue Mannschaft ausgewechselt wurde. Da war das Ende der DDR allerdings beretis eingeläutet und nicht mehr aufzuhalten. Und meine Erfahrungen in der Grundschule sind in Hinsicht auf Indoktrination ebenfalls sehr sehr negativ. Im Kindergarten war ich nicht. Das kann ich nicht beurteilen.

Ändert aber dennoch nix daran, dass ich mich nicht indoktrinieren ließ und dass der Mensch allgemein nicht zwangsläufig indoktrinierbar ist. Abgesehen höchstens von der Tatsache, dass ich unter dem Einfluss des internationalen Genderforscherinnenkartells stehe. Das hatte ich inzwischen ganz vergessen.


:D :D :D

Und nur mal ganz nebenbei, aber wirklich nur ganz nebenbei, und bitte nicht haun :D : Auch heute gibt es Indoktrination. Die ist nur schwerer zu durchschauen als die damalige plumpe DDR-Masche. Und ja, wer sich nicht indoktrinieren lässt, lässt sich nicht indoktrinieren. Punkt. Das nehme ich auch für mich in Anspruch ;)
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon Maria » Mi 17. Mai 2017, 16:02

Danke Selina, danke Schokoschendrezki. Auch wenn das eigentlich ein bisschen "off topic" ist, finde ich als in der alten BRD aufgewachsene Frau eure verschiedenen Erfahrungen sehr interessant.

Übrigens @Maskulist: wegen der bis Mitte der 70iger Jahre nötigen "Genehmigung" der Beruftstätigkeit der Ehefrau durch den Ehemann: du hast in sofern Recht, als dass es keine Unterschrift des Ehemannes unter den Arbeitsvertrag der Ehefrau bedurfte. ;) Und der Paragraph, der Frauen nur dann erlaubte, beruftstätig zu sein, wenn "sie ihre Pflichten im Haushalt" nicht vernachlässigten" spielte in der Praxis keine so große Rolle mehr. Für meinen Mann und mich war damals schon klar, dass bei unser beider Beruftstätigkeit auch beide dort Aufgaben übernehmen mussten. Aber nur weil wir beide uns damit in großer Übereinstimmung mit der Mehrheit befanden (was einige Jahre zuvor noch undenkbar war), wurden solche Vorschriften, die der Gleichberechtigung entgegenstanden geändert.

So unwichtig und nebensächlich und schon lange nicht mehr wichtig war das auch damals keineswegs. Der Paragraph schrieb der Frau die Hauptverantwortung für den Haushalt zu, es waren ihre Pflichten. Sie konnte rein rechtlich also keine Hilfe einfordern, Doppelbelastung allein ihr Problem. Aus deiner Sicht vielleicht eine Formalie - dabei kann auch heute noch die Vernachlässigung des Haushalts ein Scheidungsgrund sein, bei dem man sich nur trefflich streiten kann, wer da was hätte (mehr) tun müssen. Damals war das keine Frage - und das bei einem Scheidungsgesetz, das anders auf dem Schuldprinzip und nicht wie heute auf dem Zerrüttungsprinzip beruhte.
http://www.t-online.de/ratgeber/partner ... rund-.html
Es war also durchaus keine Marginalie, dass dieser Gesetzestext solange so bestand.

Dark Angel hat geschrieben:(17 May 2017, 16:01)
Da muss erst so jemand wie DU kommen und jemandem, der größten Teil seines bewussten Lebens in der DDR gelebt hat, wie "das auf Linie bringen" ausgesehen hat. Ja klar - an Selbstüberschätzung leidest du gar nicht -nech!


Sag mal, Dark Angel - nur mal so aus Interesse - gibt es eigentlich überhaupt irgendein Thema, bei dem du nicht deine persönliche Erfahrung und dein persönliches Wissen zum Maß aller Dinge machst? Gibt es wirklich gar nichts, wo du auch mal sagen kannst: "stimmt, das habe ich so noch nicht gesehen", oder "das habe ich zwar anders erlebt, aber wenn es bei dir so war" oder wenigstens "ich sehe das zwar anders, aber das ist auch denkbar"? ;) Schon gut, vergiss es, kam mir nur grad mal so in den Sinn.... :D
Zuletzt geändert von Maria am Mi 17. Mai 2017, 16:15, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon Maria » Mi 17. Mai 2017, 16:14

Selina hat geschrieben:(17 May 2017, 16:25)
Und ja, wer sich nicht indoktrinieren lässt, lässt sich nicht indoktrinieren. Punkt. Das nehme ich auch für mich in Anspruch ;)


Bitte, bitte auch nicht hauen ;)

Ich fürchte, dieser Anspruch (dem ich natürlich auch versuche nachzukommen) ist etwas hoch gegriffen.

Synonyme zu "Indoktrination :
Beeinflussung, Manipulation, Propaganda, Verführung, Werbung

Wer kann ganz ehrlich von sich sagen, dass er immer und überall auch in der "leichteren" Form der Beeinflussung völlig frei davon ist :?: Ich halte es für besser, sich einzugestehen, dass jeder lieber denen glaubt, die das eigene Weltbild bestätigen. Vielleicht sollte man sich dessen bewusst sein und gerade das besonders kritisch hinterfragen.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon Selina » Do 18. Mai 2017, 06:16

Maria hat geschrieben:(17 May 2017, 17:14)

Bitte, bitte auch nicht hauen ;)

Ich fürchte, dieser Anspruch (dem ich natürlich auch versuche nachzukommen) ist etwas hoch gegriffen.

Synonyme zu "Indoktrination :
Beeinflussung, Manipulation, Propaganda, Verführung, Werbung

Wer kann ganz ehrlich von sich sagen, dass er immer und überall auch in der "leichteren" Form der Beeinflussung völlig frei davon ist :?: Ich halte es für besser, sich einzugestehen, dass jeder lieber denen glaubt, die das eigene Weltbild bestätigen. Vielleicht sollte man sich dessen bewusst sein und gerade das besonders kritisch hinterfragen.


Da hast du recht. Das mit dem "besonders kritisch hinterfragen" ist kein Problem. Jederzeit und gerne. Wenn dann aber die Manipulationsversuche einsetzen und immer wieder derselbe Unfug wiederholt wird (etwa "Umvolkung", "Austausch unserer Nation", "Deutschland schafft sich ab", "Gender-Wahnsinn" und dergleichen mehr), in der Hoffnung, irgendwas bleibt schon kleben, dann hört das "Hinterfragen" auch mal auf :D
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon Dark Angel » Do 18. Mai 2017, 07:25

Maria hat geschrieben:(17 May 2017, 17:02)

Danke Selina, danke Schokoschendrezki. Auch wenn das eigentlich ein bisschen "off topic" ist, finde ich als in der alten BRD aufgewachsene Frau eure verschiedenen Erfahrungen sehr interessant.

Übrigens @Maskulist: wegen der bis Mitte der 70iger Jahre nötigen "Genehmigung" der Beruftstätigkeit der Ehefrau durch den Ehemann: du hast in sofern Recht, als dass es keine Unterschrift des Ehemannes unter den Arbeitsvertrag der Ehefrau bedurfte. ;) Und der Paragraph, der Frauen nur dann erlaubte, beruftstätig zu sein, wenn "sie ihre Pflichten im Haushalt" nicht vernachlässigten" spielte in der Praxis keine so große Rolle mehr. Für meinen Mann und mich war damals schon klar, dass bei unser beider Beruftstätigkeit auch beide dort Aufgaben übernehmen mussten. Aber nur weil wir beide uns damit in großer Übereinstimmung mit der Mehrheit befanden (was einige Jahre zuvor noch undenkbar war), wurden solche Vorschriften, die der Gleichberechtigung entgegenstanden geändert.

So unwichtig und nebensächlich und schon lange nicht mehr wichtig war das auch damals keineswegs. Der Paragraph schrieb der Frau die Hauptverantwortung für den Haushalt zu, es waren ihre Pflichten. Sie konnte rein rechtlich also keine Hilfe einfordern, Doppelbelastung allein ihr Problem. Aus deiner Sicht vielleicht eine Formalie - dabei kann auch heute noch die Vernachlässigung des Haushalts ein Scheidungsgrund sein, bei dem man sich nur trefflich streiten kann, wer da was hätte (mehr) tun müssen. Damals war das keine Frage - und das bei einem Scheidungsgesetz, das anders auf dem Schuldprinzip und nicht wie heute auf dem Zerrüttungsprinzip beruhte.
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Sag mal, Dark Angel - nur mal so aus Interesse - gibt es eigentlich überhaupt irgendein Thema, bei dem du nicht deine persönliche Erfahrung und dein persönliches Wissen zum Maß aller Dinge machst? Gibt es wirklich gar nichts, wo du auch mal sagen kannst: "stimmt, das habe ich so noch nicht gesehen", oder "das habe ich zwar anders erlebt, aber wenn es bei dir so war" oder wenigstens "ich sehe das zwar anders, aber das ist auch denkbar"? ;) Schon gut, vergiss es, kam mir nur grad mal so in den Sinn.... :D

Oh es gibt jede Menge Themen, bei denen ich über wenig Wissen verfüge, zu denen ich kaum etwas sagen kann. Da halte ich mich komplett raus - da wirst du nicht eine einzige Silbe von mir lesen.
Geschichte - egal ob Vor- und Frühgeschichte oder neuere Geschichte gehören nicht dazu, da treffen Beruf und Hobby zusammen.
Was Geschichte - auch die DDR-Geschichte anbelangt, sind es halt nicht nur eigene Erfahrungen/Erlebnisse auf die ich zurückgreife, sondern auch Dokumente, Archivmaterialien etc pp - alles zusammen ergibt dann mein Gesamtbild.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon Maria » Do 18. Mai 2017, 10:03

Dark Angel hat geschrieben:(18 May 2017, 08:25)

Oh es gibt jede Menge Themen, bei denen ich über wenig Wissen verfüge, zu denen ich kaum etwas sagen kann. Da halte ich mich komplett raus - da wirst du nicht eine einzige Silbe von mir lesen.

Das ist schade. Durch Nachfragen und Nachhaken bei Unlogischem, kann man allerlei Neues lernen. ;)

Dark Angel hat geschrieben:(18 May 2017, 08:25)Geschichte - egal ob Vor- und Frühgeschichte oder neuere Geschichte gehören nicht dazu, da treffen Beruf und Hobby zusammen.
Was Geschichte - auch die DDR-Geschichte anbelangt, sind es halt nicht nur eigene Erfahrungen/Erlebnisse auf die ich zurückgreife, sondern auch Dokumente, Archivmaterialien etc pp - alles zusammen ergibt dann mein Gesamtbild.


Als Diskussionsbeitrag wäre das auch sehr interessant - nur ist es eben keine unumstößliche Wahrheit, als die du dein Wissen gern hinstellst. In Sachen DDR braucht es z.B. rein aus der Logik geschlossen und ohne die realen Bedingungen zu kennen nur einen einzigen Fall eines DDR-Kritikers, der nicht im Gefängnis landete und Karriere machte, um den Erlebnisberichten der Anderen recht zu geben. Der "Streit" kann also nur um Häufigkeit und Gewichtung gehen - kein Grund für deine vielen Antworten á la

Dark Angel hat geschrieben:(17 May 2017, 13:59)
Das kannst du einem erzählen, der seine Strümpfe mit Messer und Gabel anzieht. :s


;)

Meine unwissenschaftliche Meinung und Anmerkung wird dir egal sein. Vielleicht bedenkst du aber Einsichten wirklich großer Wissenschaftler, in diesem Fall Albert Einstein:

"Es ist schwieriger, eine vorgefaßte Meinung zu zertrümmern als ein Atom."

"Nur, wer nicht sucht, ist vor Irrtum sicher.
"

Und noch eine, speziell zu deiner Überzeugung, dass Verhaltensweisen und Vorlieben von Frauen grundsätzlich biologisch und nicht durch Erziehung bedingt sind.

Je mehr eine Kultur begreift, dass ihr aktuelles Weltbild eine Fiktion ist, desto höher ist ihr wissenschaftliches Niveau.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon Maria » Do 18. Mai 2017, 10:53

Selina hat geschrieben:(18 May 2017, 07:16)

Da hast du recht. Das mit dem "besonders kritisch hinterfragen" ist kein Problem. Jederzeit und gerne. Wenn dann aber die Manipulationsversuche einsetzen und immer wieder derselbe Unfug wiederholt wird (etwa "Umvolkung", "Austausch unserer Nation", "Deutschland schafft sich ab", "Gender-Wahnsinn" und dergleichen mehr), in der Hoffnung, irgendwas bleibt schon kleben, dann hört das "Hinterfragen" auch mal auf :D


:thumbup:

Man kann das ganze Volk eine Zeit lang täuschen und man kann einen Teil des Volkes die ganze Zeit täuschen, aber man kann nicht das ganze Volk die ganze Zeit täuschen.

Abraham Lincoln


So viel zur Indoktrination aller.... ;)
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon Maskulist » Do 18. Mai 2017, 12:06

Maria hat geschrieben:(17 May 2017, 17:02)
Übrigens @Maskulist: wegen der bis Mitte der 70iger Jahre nötigen "Genehmigung" der Beruftstätigkeit der Ehefrau durch den Ehemann: du hast in sofern Recht, als dass es keine Unterschrift des Ehemannes unter den Arbeitsvertrag der Ehefrau bedurfte. ;) Und der Paragraph, der Frauen nur dann erlaubte, beruftstätig zu sein, wenn "sie ihre Pflichten im Haushalt" nicht vernachlässigten" spielte in der Praxis keine so große Rolle mehr. Für meinen Mann und mich war damals schon klar, dass bei unser beider Beruftstätigkeit auch beide dort Aufgaben übernehmen mussten. Aber nur weil wir beide uns damit in großer Übereinstimmung mit der Mehrheit befanden (was einige Jahre zuvor noch undenkbar war), wurden solche Vorschriften, die der Gleichberechtigung entgegenstanden geändert.

So unwichtig und nebensächlich und schon lange nicht mehr wichtig war das auch damals keineswegs. Der Paragraph schrieb der Frau die Hauptverantwortung für den Haushalt zu, es waren ihre Pflichten. Sie konnte rein rechtlich also keine Hilfe einfordern, Doppelbelastung allein ihr Problem. Aus deiner Sicht vielleicht eine Formalie - dabei kann auch heute noch die Vernachlässigung des Haushalts ein Scheidungsgrund sein, bei dem man sich nur trefflich streiten kann, wer da was hätte (mehr) tun müssen. Damals war das keine Frage - und das bei einem Scheidungsgesetz, das anders auf dem Schuldprinzip und nicht wie heute auf dem Zerrüttungsprinzip beruhte.
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Und auch hier kann ich mich eigentlich nur wiederholen. Die Haushaltsführung war früher ein Ganztagsjob! Kochen, Waschen, Bügeln etc. pp. wurde damals noch nicht in dem Maß von technischen Geräten durchgeführt wie heute und Familien hatten - besonders bedingt durch das Fehlen von Verhütungsmitteln - auch deutlich mehr Kinder. Da blieb den meisten einfach keine Zeit, nebenbei auch noch arbeiten zu gehen und auch für berufstätige Männer war es nicht so einfach, im Haushalt zu helfen. Die wöchentliche Arbeitszeit lag bis in die 60er Jahre bei 48 Stunden und sechs Tage die Woche. Es war häufig Knochenarbeit, da die Industrialisierung noch nicht so weit fortgeschritten war, wie heute und auch mein Vater kam oft genug völlig erschöpft von der Arbeit nach Hause.
Meine Mutter war - nachdem meine älteren Geschwister in die Ausbildung kamen - auch berufstätig. Ein Haushalt mit 3 Kindern zu führen, ist nun einmal keine Nebensache!
Es wurde von den Männern erwartet (und wird interessanterweise heute auch noch erwartet), dass sie das Geld heranschaffen und von den Frauen wurde erwartet, dass sie den Haushalt führen.
Heute stellt sich die Situation ganz anders da, da durch die technischen Entwicklungen die Hausarbeit deutlich zurückgegangen ist. Das gleiche gilt für die körperliche Arbeit in Handel und Industrie.
Was auch immer nicht gesagt wird ist, dass Männer oft den gefährlichen Teil der Hausarbeit übernehmen.
Gender Mainstreaming ist eine brandgefährliche Manipulationsmethode, die sich wie ein Steppenbrand in der Geisteswelt des Westens in den letzten Jahrzehnten ausgebreitet hat.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon Dark Angel » Do 18. Mai 2017, 12:12

Maria hat geschrieben:(18 May 2017, 11:03)
Als Diskussionsbeitrag wäre das auch sehr interessant - nur ist es eben keine unumstößliche Wahrheit, als die du dein Wissen gern hinstellst. In Sachen DDR braucht es z.B. rein aus der Logik geschlossen und ohne die realen Bedingungen zu kennen nur einen einzigen Fall eines DDR-Kritikers, der nicht im Gefängnis landete und Karriere machte, um den Erlebnisberichten der Anderen recht zu geben. Der "Streit" kann also nur um Häufigkeit und Gewichtung gehen - kein Grund für deine vielen Antworten á la ...

Mit Ausnahmen kann weder irgend etwas bewiesen oder widerlegt werden. Genau das versucht schokoschendretzki allerdings und er tut noch etwas - er bedient sich unlauterer Argumentation und verdeckten Themenwechsels. Es geht um "tyische" Verhaltensweisen, die biologisch bedingt - nicht determiniert - sind und macht daraus "Eigenschaften" bzw individuelle Begabungen, weiterhin versucht er anhand von Einzelbeistpielen/persönlichen Erlebnissen und Erfahrungen allgemeine (nachweisbare und belegbare) zentrale Tendenzen zu widerlegen.

Maria hat geschrieben:(18 May 2017, 11:03)Und noch eine, speziell zu deiner Überzeugung, dass Verhaltensweisen und Vorlieben von Frauen grundsätzlich biologisch und nicht durch Erziehung bedingt sind.

Liebe Maria - das Zauberwort nennt "statistisches Mittel/statistischer Mittelwert" und statistische Mittel zeigen zentrale Tendenzen der Verteilung auf. Statistische Mittel(werte) sind etwas völlig anderes als "grundsätzlich".
Dir wird aufgefallen sein, dass ich von statistischen Mittelwerten spreche, wenn von "biologisch bedingten geschlechtsspezifischen Unterschieden im Verhalten von Männern und Frauen" spreche und nicht von grundsätzlich.
Das machst du aus meiner Aussage, was allerdings eine unlautere Verdrehung/Entstellung meiner eigentlichen Aussage ist.
Liebe Maria - es geht um geschlechtsspezifische Unterschiede in Verhaltensweisen die biologisch bedingt - heißt unabhängig von Sozialisation seit der Menschwerdung (Evolution) existent sind. Die entsprechende wissenschaftliche Publikation habe ich verlinkt/zitiert - ganz einfach mal lesen, was wie gemeint ist und weniger mit Unterstellungen und Verdrehungen "argumentieren".
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon Selina » Do 18. Mai 2017, 12:53

Maria hat geschrieben:(18 May 2017, 11:03)

Das ist schade. Durch Nachfragen und Nachhaken bei Unlogischem, kann man allerlei Neues lernen. ;)


Ich fand in diesem Zusammenhang auch deine Bemerkung gut, die in Richtung Bescheidenheit und Nachdenklichkeit ging. So etwas halte ich auch für besser, als stets und ständig zu belegen, wie recht man doch hat und wie unrecht der andere. So eine (wesentlich angenehmere) Haltung zeigt sich im Hinterfragen, Nachdenken, Zweifeln und Betonen der eigenen Meinung, die ja nicht deckungsgleich mit der anderer sein muss. Du hattest das viel besser beschrieben. Ich finde eine Diskussion ausgewogener und zum Teil auch lehrreicher, wenn die eine Seite auch mal sagt "aha, so hast du das erlebt, interessant, deckt sich zwar nicht mit meinen Erfahrungen, kann mir aber vorstellen, dass es bei dir unter Umständen anders gelaufen ist". So etwas in der Art. So ein Innehalten. Denn ich gehe mal davon aus, dass jeder, der sich etwa zu DDR-Fragen, zu Biologismus, Nationalismus und Geschlechterfragen äußert, eigene spezielle Erfahrungen damit hat. Und die können gewaltig abweichen vom öffentlich Verkündeten oder auch von dem, was der andere damit erlebt hat. So funktioniert nun mal Meinungsvielfalt. Da ständig mit dem Zeigefinger dazwischen rumzufuchteln und andere zu belehren und zu widerlegen, koste es, was es wolle, das schafft kein gutes Gesprächsklima. Widerspruch ja, aber nicht ständig. Und nicht um des Widerspruchs willen.

Maria hat geschrieben:(18 May 2017, 11:03)

Als Diskussionsbeitrag wäre das auch sehr interessant - nur ist es eben keine unumstößliche Wahrheit, als die du dein Wissen gern hinstellst. In Sachen DDR braucht es z.B. rein aus der Logik geschlossen und ohne die realen Bedingungen zu kennen nur einen einzigen Fall eines DDR-Kritikers, der nicht im Gefängnis landete und Karriere machte, um den Erlebnisberichten der Anderen recht zu geben. Der "Streit" kann also nur um Häufigkeit und Gewichtung gehen - kein Grund für deine vielen Antworten á la

Genau. Die eine "unumstößliche Wahrheit" über die DDR gibt es nicht. Und ich glaube, man kann tiefer eindringen in die Materie (falls man das überhaupt will), wenn man sich auch mal Erfahrungsberichte von Zeitzeugen anschaut, die eher nicht das Gros im Fernsehen ausmachen. Solche, die abweichen vom "Standard" und nicht der allgemeinen Erwartung und irgendeiner vorgefassten Meinung entsprechen.

Maria hat geschrieben:(18 May 2017, 11:03)

"Je mehr eine Kultur begreift, dass ihr aktuelles Weltbild eine Fiktion ist, desto höher ist ihr wissenschaftliches Niveau."

Diesen Einstein-Spruch finde ich besonders gut :) Und den hier auch: "Es beelendet mich immer, wenn eine feine Intelligenz nicht mit einem guten Charakter gepaart ist."
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon Maria » Do 18. Mai 2017, 14:39

Maskulist hat geschrieben:(18 May 2017, 13:06)
Es wurde von den Männern erwartet (und wird interessanterweise heute auch noch erwartet), dass sie das Geld heranschaffen und von den Frauen wurde erwartet, dass sie den Haushalt führen.


Richtig - diese Art der Hausfrauenehe mit Haushaltsvorstand, der sagte wo es langging und Ehefrau, die ihm dafür den Rücken freihielt war in den 50iger und 60iger Jahren das angestrebte Ideal (das natürlich auch damals schon nicht von allen so gelebt wurde, aber auch in den Köpfen etlicher heute noch soooooo schön wäre ;) ). Ob der Aufwand für die Führung eines Haushaltes wirklich so viel größer war, sei mal dahingestellt. Er war anders, das ist klar. Aber einem größeren "Maschinenpark" stehen heute auch andere Ansprüche entgegen (kaum jemand wechselte damals 2mal am Tag seine Wäsche, nur weil er zwischendurch joggen war ;) )

Dieses "Ideal" war alles andere als gleichberechtigt, was sich dann eben auch in Gesetzen niederschlug, z.B. :

Bis 1958 konnte der Ehemann den Anstellungsvertrag seiner Frau kündigen
Erst ab 1962 konnte sie ein Konto ohne seine Zustimmung eröffnen
Erst nach 1969 wurde eine verheiratete Frau als geschäftsfähig angesehen

http://www.focus.de/wissen/mensch/gesch ... 05621.html

Tja - und erst 1977 fiel das letzte Gesetz, dass der Frau die Berufstätigkeit nur erlaubte, wenn sie ihre Pflichten im Haushalt erfüllte.

Es ist in meinen Augen durchaus bemerkenswert, dass sich solche Gesetze so lange hielten und durchaus kein "feministischer Mythos, der keinerlei Auswirkungen hatte, wie du meinst und sie sind auch keineswegs mit der nie vollzogenen Todesstrafenmöglichkeit gleichzusetzen. ;) Das zeigt sich darin, dass solche Gesetze eben erst nach und nach - je nach Fortschritt des Denkprozesses Richtung Gleichberechtigung geändert wurden. (Die steuerliche Priveligierung der Hausfrauenehe besteht sogar heute noch. Anders als gerne behauptet ist das auch kein Instrument zur Föderung von Kindern, weil ein gleichviel verdienendes Elternpaar mit mehreren Kindern keinen Vorteil aus dem Splitting hat, wohl aber ein kinderloser Alleinverdiener ).

Maskulist hat geschrieben:(16 May 2017, 12:47)

... ist ein gerne zitierter feministischer Mythos. Es geht dabei um den §1356 GlBerG, welcher den Paragraph 1358 BGB ersetzte, der durch die Einführung des GG Artikel 3.2 unwirksam wurde, was selbst im Palandt, dem für die Praxis maßgeblichen Kommentar zum BGB, seit 1953 ausdrücklich in der Vorbemerkung zu § 1358 BGB drin stand.

Es ist ähnlich wie mit der Todesstrafe in Hessen, die ja auch erst 2016 abgeschafft wurde - trotzdem wurde dort niemand zum Tode verurteilt.

Als Ersatz für den §1358 BGB gab es also den §1356 GlBerG Abs. 1 und dieser besagte, dass die Frau zu einer Erwerbstätigkeit (nur) berechtigt ist, "soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist". Diese Vorschrift, die bis 1977 galt und erst durch das 1. Gesetz zur Reform des Ehe- und Familienrechts vom 14.06.1976 in die jetzt geltende Fassung geändert wurde, hat möglicherweise Feministinnen zu dem Schluss veranlasst, "dass bis 1977 Frauen ihre Ehemänner um Erlaubnis fragen mussten, ... wenn sie einer beruflichen Tätigkeit nachgehen wollten". Dies ist jedoch ein Fehlschluss. Ein Zitat aus dem für die Rechtswissenschaft bedeutenden Großkommentar von Soergel zum BGB mag dies belegen: "Soweit § 1356 Abs. 1 S. 2 eingreift, bedarf die Frau zur Aufnahme der Berufstätigkeit nicht der Zustimmung des Mannes. Selbstverständlich wäre es aber ehewidrig, den Mann ohne vorherige Aussprache vor vollendete Tatsachen zu stellen." [4] Von einem "um Erlaubnis fragen" kann also keine Rede sein.


Wenn sich nicht allmählich (also in den einzelnen Paarbeziehungen durchaus unterschiedlich gehandhabt) allgemeine Überzeugungen, die dann zu Rechtsauslegungen wie im von dir zitierten Kommentar durchgesetzt hätten, hätte es keines neuen, anders formulierten Paragraphen bedurft.

Man kann dies meiner Meinung nach gern mal im Hinterkopf behalten, wenn wieder über die "Zumutungen" von irgendwelchem "Genderquatsch" gewettert wird. Wie komplett unvorstellbar und empörend feministisch wäre die heutige Situation für einen Mann Anfang der 50iger Jahre, der ja ganz selbstverständlich die Bestimmungsgewalt pber Ehefrau (samt Vermögen) und Kinder hatte. Manche allerdings wissen, dass Ihnen das mit ihren Ansichten nie passieren wird.
:)
Zuletzt geändert von Maria am Do 18. Mai 2017, 15:30, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon Maria » Do 18. Mai 2017, 15:21

Dark Angel hat geschrieben:(18 May 2017, 13:12)
Liebe Maria - das Zauberwort nennt "statistisches Mittel/statistischer Mittelwert" und statistische Mittel zeigen zentrale Tendenzen der Verteilung auf. Statistische Mittel(werte) sind etwas völlig anderes als "grundsätzlich".
Dir wird aufgefallen sein, dass ich von statistischen Mittelwerten spreche, wenn von "biologisch bedingten geschlechtsspezifischen Unterschieden im Verhalten von Männern und Frauen" spreche und nicht von grundsätzlich.
Das machst du aus meiner Aussage, was allerdings eine unlautere Verdrehung/Entstellung meiner eigentlichen Aussage ist.


Wenn es dir wirklich nur um einen statistischen Mittelwert ginge, dann wäre die Diskussion schon längst erledigt. Wenn du dich mal aus deiner Fixierung gelöst hättest, dann hättest du schon lange sehen können, dass es eigentlich mehr darum geht, ob der Einfluss biologischer Tendenzen wirklich so unabänderlich ist, dass Erziehung und soziales Umfeld nicht mindestens ebenso wichtige Kriterien sind.

Ganz davon abgesehen - und nochmal - was soll der Hinweis auf Biologie überhaupt? :?: Willst du dich mit denen zusammentun, die finden, dass die Wirtschaft Frauen in den Beruf drängen würde, damit es Konkurrenz (oder in Zeiten knapper Arbeitskräfte Ersatz) für Männer gäbe, obwohl Frauen eigentlich biologisch bedingt viel lieber zuhause - fern von der feindlichen Außenwelt - sitzen und stricken würden?

Zur Zeit haben Männer und Frauen unterschiedliche Vorlieben bei der Berufswahl, ohne Frage. Überlegungen dazu, ob das nun biologisch, historisch, wirtschaftlich oder sonstwie bedingt ist und/oder auch ob das in Zukunft immer so bleiben wird, sind interessant. In Sachen Gleichberechtigung sind sie aber (solange der/die Einzelne frei wählen kann) nur wichtig, wenn diese Entscheidungen dann auch gleiche Chanchen bieten und es keine Nachteile aufgrund des Geschlechts geben gibt.

Darum, ob das der Fall ist oder nicht, geht der "Streit" - und nicht um Biologie ;)

....
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon Dark Angel » Do 18. Mai 2017, 15:21

Selina hat geschrieben:(18 May 2017, 13:53)

Ich fand in diesem Zusammenhang auch deine Bemerkung gut, die in Richtung Bescheidenheit und Nachdenklichkeit ging. So etwas halte ich auch für besser, als stets und ständig zu belegen, wie recht man doch hat und wie unrecht der andere. So eine (wesentlich angenehmere) Haltung zeigt sich im Hinterfragen, Nachdenken, Zweifeln und Betonen der eigenen Meinung, die ja nicht deckungsgleich mit der anderer sein muss.

Du magst es also nicht, wenn jemand seine Aussagen/Behauptungen auch belegt/belegen kann.
Warum eigentlich nicht? Könnte es sein, dass die Belege nicht zu deinem Weltbild passen? ==> siehe Abwertung der Biologie zur Ideologie (Biologismus)
Wenn es dir tatsächlich um's Hinterfragen, Nachdenken/Überpüfen geht, kommst du leider um Belege nicht herum.
Sorry - aber in einer Diskussion geht es nicht immer nur um "Meinungen", es geht auch um Tatschen/Fakten und um diese kommt man auch auch oder gerade bei Geschichtsaufarbeitung nicht herum. Es geht eben nicht nur um persönliche Erfahrungen, die man zum Besten gibt.
Wenn es dir - wie du betonst - nur um "Erfahrungsaustausche" geht, dann willst gerade nicht hinterfragen und/oder überprüfen.
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon Maria » Do 18. Mai 2017, 15:52

Dark Angel hat geschrieben:(18 May 2017, 16:21)

Du magst es also nicht, wenn jemand seine Aussagen/Behauptungen auch belegt/belegen kann.


Nach meinem Verständnis hat niemand etwas gegen Belege für Aussagen an sich, die die Diskussion weiterführen - im Gegenteil. Es geht mehr um den Umgang mit Widerspruch dazu. "Sowohl als auch" kommt bei dir halt nicht vor ;)
Selina hat geschrieben:(18 May 2017, 13:53)
So etwas halte ich auch für besser, als stets und ständig zu belegen, wie recht man doch hat und wie unrecht der andere.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon Dark Angel » Do 18. Mai 2017, 16:12

Maria hat geschrieben:(18 May 2017, 16:21)

Wenn es dir wirklich nur um einen statistischen Mittelwert ginge, dann wäre die Diskussion schon längst erledigt. Wenn du dich mal aus deiner Fixierung gelöst hättest, dann hättest du schon lange sehen können, dass es eigentlich mehr darum geht, ob der Einfluss biologischer Tendenzen wirklich so unabänderlich ist, dass Erziehung und soziales Umfeld nicht mindestens ebenso wichtige Kriterien sind.

Sorry Maria - das hat mit "Fixierung" nix zu tun. Das statistische Mittel besagt eben nicht, dass es "biologische Tendenzen" gibt, sondern das statistische Mittel zeigt die zentrale Tendenz auf DASS biologisch bedingte geschlechtsspezifische Unterschiede im Verhalten existieren und diese gerade nicht veränderbar sind.
Genauso existieren (wiederum biologisch bedingt) Abweichungen von dieser zentralen Tendenz, welche wiederum nicht veränderbar sind.
Wenn du wirklich den Link gelesen hättest, dann wäre dir aufgefallen, was Prof. Bischof-Köhler (und nicht nur sie, sondern Evolutionspsychologen allgemein) zum Thema Sozialisation sagen.
Ich zitiere es gerne noch mal für dich:
"Das frühe Auftreten geschlechtstypischer Verhaltensweisen legt vielmehr nahe, daß die ungleiche Behandlung auch bereits eine
Reaktion darauf ist daß Jungen und Mädchen von Anfang an aufgrund ihrer Veranlagung ein unterschiedliches Verhaltensangebot
machen. Wenn Eltern also eine optimale Interaktion mit ihrem Kind anstreben, müssen sie dieses Verhaltensangebot
berücksichtigen.
Sozialisation darf also nicht als einsinnig kausale Einflußnahme auf das Kind verstanden werden, sondern ist vielmehr ein
interaktiver Prozess, bei dem geschlechtstypische Verhaltensvorgaben und Reaktionsbereitschaften der Kinder die Richtung mitbestimmen.
"


Sozialisation ist Interaktion, ist wechselseitige Aktion und Reaktion, Sozialisation erfolgt also niemals einseitig in eine bestimmte Richtung.

Maria hat geschrieben:(18 May 2017, 16:21)Ganz davon abgesehen - und nochmal - was soll der Hinweis auf Biologie überhaupt? :?: Willst du dich mit denen zusammentun, die finden, dass die Wirtschaft Frauen in den Beruf drängen würde, damit es Konkurrenz (oder in Zeiten knapper Arbeitskräfte Ersatz) für Männer gäbe, obwohl Frauen eigentlich biologisch bedingt viel lieber zuhause - fern von der feindlichen Außenwelt - sitzen und stricken würden?

Was der Hinweis soll - das fragst du wirklich?
Der Mensch ist Teil der belebten Natur und die Untersuchung seines Wesens/"seiner Natur" seiner Verhaltensweisen sind nunmal Forschungsegenstand der Biologie - genauer der Evolutionsbiologie und evolutionären Psychologie.
Es stellt sich nunmal die Frage WIE haben sich bestimmte geschlechtsspezifische Unterschiede herausgebildet, wie wirken sie als Selektionsfaktoren, welchen Einfluss haben sie auf die Fitness eines Individuums, einer Population. Weiter stellt sich die Frage WANN haben sich bestimmte Unterschiede im Verlauf der Evolution herausgebildet haben, handelt es sich um einen genetischen Determinismus oder wirken andere Einflüsse (Hormone, natürliche Umwelteinflüsse etc).
All das sind Bestandteile naturwissenschaftlicher Forschung(en), die in das Fachgebiet der Biologie fallen und die Erklärungen/Erklärungsansätze dafür liefern "warum" Männer und Frauen sich im statistischen Mittel genau so verhalten wie sie sich verhalten.
Mit dem, was du unterstellst - mit irgendwelchen Ideologien - hat das rein gar nichts zu tun.
Man kann diese - mittels naturwissenschaftlicher Forschung gewonnenen - Erkenntnisse, die an und in der Realität nach- und überprüfbar sind akzeptieren (was ich tue), man kann sich allerdings auch mit Händen und Füßen gegen diese Erkenntnisse zur Wehr setzen und sie als "biologistisch" - als Ideologie - diffamieren.
Und wenn ich mich selbst einschätzen soll - passe ich irgendwie nicht in dieses statistische Mittel. Ich erkenne zwar "typisch weibliche" Verhaltensweisen an mir, anderserseits sind meine Interessen für Naturwissenschaften und Technik nicht "typisch weiblich"

Maria hat geschrieben:(18 May 2017, 16:21)Zur Zeit haben Männer und Frauen unterschiedliche Vorlieben bei der Berufswahl, ohne Frage. Überlegungen dazu, ob das nun biologisch, historisch, wirtschaftlich oder sonstwie bedingt ist und/oder auch ob das in Zukunft immer so bleiben wird, sind interessant. In Sachen Gleichberechtigung sind sie aber (solange der/die Einzelne frei wählen kann) nur wichtig, wenn diese Entscheidungen dann auch gleiche Chanchen bieten und es keine Nachteile aufgrund des Geschlechts geben gibt.

Darum, ob das der Fall ist oder nicht, geht der "Streit" - und nicht um Biologie ;)

....

Unterschiedliche Vorlieben bei der Berufswahl hatten Frauen und Männer schon immer ==> Stichwort Evolution.
Es gibt allerdings auch Verschiebungen von ehemals "typischen" Männerberufen (Friseur, Schneider, Lehrer etc) hin zu "typisch" weiblichen Berufen im 20.Jh. Der Grund hierfür ist m.M.n. in den beiden Weltkriegen zu suchen, als Frauen solche Tätigkeiten übernehmen mussten, was allerdings auch ihrer biologischen Veranlagung - Arbeit mit Menschen - entgegen kommt.
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon Selina » Do 18. Mai 2017, 16:55

Dark Angel hat geschrieben:(18 May 2017, 16:21)

Du magst es also nicht, wenn jemand seine Aussagen/Behauptungen auch belegt/belegen kann.
Warum eigentlich nicht? Könnte es sein, dass die Belege nicht zu deinem Weltbild passen? ==> siehe Abwertung der Biologie zur Ideologie (Biologismus)
Wenn es dir tatsächlich um's Hinterfragen, Nachdenken/Überpüfen geht, kommst du leider um Belege nicht herum.
Sorry - aber in einer Diskussion geht es nicht immer nur um "Meinungen", es geht auch um Tatschen/Fakten und um diese kommt man auch auch oder gerade bei Geschichtsaufarbeitung nicht herum. Es geht eben nicht nur um persönliche Erfahrungen, die man zum Besten gibt.
Wenn es dir - wie du betonst - nur um "Erfahrungsaustausche" geht, dann willst gerade nicht hinterfragen und/oder überprüfen.


Die paar Sätze sind voller Unterstellungen. Und genau das meinte ich. Du wägst nicht ab, du unterstellst. Du nimmst dich in keinem Moment ein wenig zurück, sondern hebst dich selbst auf eine Ebene des stets Überlegenen. Und klar, sicher geht es um Belege, Fakten und Tatsachen. Selbstverständlich. Aber eben nicht nur. Du kannst Fakten so und so verwenden. Jeder zieht aus derselben Faktenlage unterschiedliche Schlüsse. So ist das nun mal in einer Diskussion. Aber jetzt kommts: Wenn du deine Erfahrungen aus der DDR-Zeit schilderst, dann sind es eben deine Erfahrungen und nicht meine. Erfahrungen haben nun mal mit Wahrnehmung und persönlichem Erleben zu tun. Das, was du als schreckliche Indoktrination erlebt hast, das habe ich eben anders erlebt. Weil man sich nicht indoktrinieren lassen musste. Oder: In deiner Umgebung kamen die Systemkritiker reihenweise in den Knast, in meiner Welt gab es zig Systemkritiker, die nicht in den Knast kamen und trotzdem nicht minder kritisch waren. Das kannst du einfach zur Kenntnis nehmen. Oder du kannst so weiter machen wie bisher und nur deine Sicht der Dinge als die "einzige Wahrheit" gelten lassen. Das macht das Ganze dann aber ziemlich langweilig und auch recht einseitig.

Und was den Biologismus anbelangt: Der ist bei dir ganz klar vorhanden, weil du sämtliche Prozesse und gesellschaftlichen Vorgänge auf dem Gebiet der Geschlechtergerechtigkeit immer wieder mit biologischen Gegebenheiten erklärst. Womit soziale und soziokulturelle Faktoren in deinem Denken eher außen vor bleiben oder nur eine äußerst untergeordnete Rolle spielen. Diese Denkweise hat zur Folge, gesellschaftliche und politische Notwendigkeiten bei der Herstellung von mehr Geschlechtergerechtigkeit zu negieren. Wie ich oben schon schrieb, ist diese Haltung der reinste Fatalismus, der wiederum gut ins Denkmuster sehr konservativer Kreise passt, die kein Interesse an gesellschaftlichen Veränderungen zugunsten von mehr Gerechtigkeit haben. Wohin die krassesten Ausprägungen von Biologismus (die ich dir natürlich nicht unterstelle) führen können, ist bekannt.
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz

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