Gehalter Gender-gap

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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 17. Mai 2017, 09:09

Man sollte das aber irgendwie wieder zurückrangieren auf das eigentliche Thema. Sicher ist, dass die mangelnde Produktivität der staaltich gelenkten Planwirtschaft zu einem hohen Bedarf auch an weiblichen Arbeitskräften führte und es dementsprechend wenig Diskriminierung, Gehaltsminderung und dafür mindestens Bemühungen um organisierte Kinderbetreuung gab.

Dem gegenüber steht diese spezfische DDR-Biederkeit, die sicherlich auch aus der Umzäunung herrührt. Die DDR als eine große Kleingartenanlage mit all den Bösartigkeiten und Kleinlichkeiten und den gegenseitigen Beäugungen, der - in weiten Teilen jedenfalls - fehlenden freien Weltsicht. Und natürlich hatte das auch Auswirkungen auf den Alltag von Mädchen und Frauen. Dass sie nämlich einerseits beruflich und in Hinsicht auf Gehalt wenig diskriminiert wurden, dass sie aber andererseits ihre traditionelle Rolle als Hausfrau und Mutter ebenso zu erfüllen hatten. Im Durchschnitt natürlich. Ich denk mal, je urbaner das Umfeld war, desto weniger trifft diese Durchschnittsaussage zu.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon Maskulist » Mi 17. Mai 2017, 09:19

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(17 May 2017, 09:39)

Das ist ja nicht der Punkt. Es wird ja über Lohnungleichheit diskutiert. Diese sollte beseitigt werden. Als Maßstab nimmt man dafür, Ausbildung, Tätigkeit, Arbeitsplatzbeschreibung etc.. Das Ganze mündet dann in der Floskel "gleicher Lohn für gleiche Arbeit". Nur gibt es die meines Erachtens nicht. Wenn du im gleichen Unternehmen, in der gleichen Abteilung zwei Arbeitnehmer mit gleicher Ausbildung und gleicher Arbeitsplatzbeschreibung hast, wird trotzdem einer von beiden immer seinen Job besser machen als der andere.

Da stimme ich Dir zu!
Ich arbeite in einem Großunternehmen mit mehreren tausend Mitarbeitern. Die allgemeine Gehaltseinstufung erfolgte, als ich meine Arbeit dort aufnahm (1987) nach Arbeitskriterium, Erfahrung und Alter, aber auf jeden Fall nicht nach Geschlecht.
Zudem hatte jeder Abteilungsleiter ein kleines, jährliches Budget, mit denen er Leistungen honorieren konnte.
Heute zählt nur noch die Jobbeschreibung. Alter, Erfahrung und sonstige Leistungen interessieren nicht mehr. Boni von den Leitern gibt es auch nicht mehr. Jeder Job wird nach Abstimmung zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat einer Lohn/Gehaltsgruppe zugeordnet und das Geld bekommt man.

Die Bezahlung nach "Geschlechtszugehörigkeit" ist übrigens seit 1955 verboten!
]Im Jahr 1955 urteilte das Bundesarbeitsgericht,[3] dass der Gleichberechtigungsgrundsatz und das Benachteiligungsverbot auch den Grundsatz der Lohngleichheit von Mann und Frau bei gleicher Arbeit umfassen und als Grundrecht nicht nur die staatliche Gewalt, sondern auch die Tarifvertragsparteien binden. Tarifliche Abschlagsklauseln, nach denen die Arbeit von Frauen auch mit Rücksicht auf die zu ihren Gunsten erlassenen Schutznormen geringer entlohnt wird, verstoßen gegen den Lohngleichheitsgrundsatz und sind nichtig.
Gender Mainstreaming ist eine brandgefährliche Manipulationsmethode, die sich wie ein Steppenbrand in der Geisteswelt des Westens in den letzten Jahrzehnten ausgebreitet hat.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mi 17. Mai 2017, 09:27

Maskulist hat geschrieben:(17 May 2017, 10:19)

Heute zählt nur noch die Jobbeschreibung. Alter, Erfahrung und sonstige Leistungen interessieren nicht mehr. Boni von den Leitern gibt es auch nicht mehr. Jeder Job wird nach Abstimmung zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat einer Lohn/Gehaltsgruppe zugeordnet und das Geld bekommt man.


Darauf läuft's hinaus. Und das ist es dann, was man unter Lohngerechtigkeit versteht ;)
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon Dark Angel » Mi 17. Mai 2017, 09:39

Selina hat geschrieben:(16 May 2017, 17:50)

In meinem Umfeld wurde kein Kind auf Linie gebracht. Bei uns gabs weder Plastik-Panzer in Kindergärten noch das Pfeiffersche "Gruppentöpfen" als angebliche Ursache für das starke Rechtsradikal-Sein vieler Ossis. Das gehört alles zu den vielen Ammenmärchen über diese Zeit. Keiner will die DDR schönreden, ich schon gar nicht (Motto: Gebranntes Kind scheut das Feuer). Aber es kursieren nach wie vor jede Menge Klischees und merkwürdige Ansichten über diesen Staat. Ich hatte da immer geglaubt, je länger die Zeit der beiden deutschen Staaten "historisch" inzwischen zurückliegt, desto neutraler und objektiver könnte die Sicht darauf werden. Aber das wird eher schlimmer und klischeebeladener im Laufe der Jahre statt objektiver. Aber sorry für OT. Hat ja hier nüscht zu suchen eigentlich ;)

Ooh doch - es wurden alle "auf Linie" gebracht. Diese ideologische Indoktrination begann bereits im Kindergarten und funktionierte hervorragend. Das "auf-Linie-bringen" war bereits bei der 1. Generation, die in der DDR geboren worden war, so erfolgreich, dass es gar niemandem mehr auffiel.

@3x schwarzer Kater
Es wurde zumindest nicht alles als schlecht wahrgenommen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf war besser gewährleistet, welche Motivation sich dahinter verbarg, sei mal dahin gestellt. Kann man das als Familienfreundlichkeit sehen - wohl eher weniger. Bei allen so genannten sozialpolitischen Maßnahmen, waren Familien doch beträchtlichen Belastungen ausgesetzt - schließlich erwartete "der Staat" auch noch "gesellschaftliche Aktivitäten". Es wurden zwar einige Vergünstigungen für Frauen mit Kindern eingeführt und viel von Gleichberechtigung geredet, aber am althergebrachten Familienbild änderte sich nichts.

Was nun die Produktivität angeht - tja, welche Produktivität kann schon mit den "Urwaldschmieden" erreichen, in denen in der DDR prodziert werden musste/wurde. Für Investitionen war die finanzielle Decke viel zu kurz. Wenn überhaupt investiert wurde, dann in Schwerindustrie, Chemie und Bergbau in Maßen, für die Leichtindustrie blieb nix übrig - die produzierten zur Wendezeit noch auf Maschinen aus dem 19.Jh. Selbst "Vorzeigebetriebe" wie "CarlZeiss" in Jena und "Pentacon" in Dresden waren nur bessere Manufakturen. Kraftwerke hatten zwar offiziell Filtersysteme eingebaut, die aber nicht ersetzt wurden, weil die Devisen für die Beschaffung fehlten - entsprechend groß waren die Umweltbelastungen. Die Liste ließe sich endlos fortführen.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon pikant » Mi 17. Mai 2017, 09:45

Dark Angel hat geschrieben:(16 May 2017, 16:57)

Ich habe nicht gesagt, dass es schadet, sondern dass es nix bringt!


die Zahlen sprechen eine andere Sprache - 25% der Maenner nutzen diese Elternzeit und fuer die bringt es was, ansonsten wuerden diese ja keine Elternzeit nehmen :D
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 17. Mai 2017, 09:53

Dark Angel hat geschrieben:(17 May 2017, 10:39)

Ooh doch - es wurden alle "auf Linie" gebracht. Diese ideologische Indoktrination begann bereits im Kindergarten und funktionierte hervorragend. Das "auf-Linie-bringen" war bereits bei der 1. Generation, die in der DDR geboren worden war, so erfolgreich, dass es gar niemandem mehr auffiel.


Was für ein Unsinn. Man weiß kaum, was man dazu adäquat entgegnen soll, ohne einfach nur "Quatsch!" zu schreiben. Das kann nur jemand schreiben, der entweder überhaupt keine DDR-Erfahrung hat oder der als ehemaliger DDR-Bürger niemals irgendeinen Kontakt mit irgendeiner oppositionellen Gegen-Bewegung oder wenigstens kritischen Gruppe hatte und der niemals irgendeine der zahlreichen Samisdat-Publikationen in Händen hielt.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon Unité 1 » Mi 17. Mai 2017, 09:58

Quatsch! reicht doch.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 17. Mai 2017, 10:03

Selina hat geschrieben:(16 May 2017, 17:50)

In meinem Umfeld wurde kein Kind auf Linie gebracht. Bei uns gabs weder Plastik-Panzer in Kindergärten noch das Pfeiffersche "Gruppentöpfen" als angebliche Ursache für das starke Rechtsradikal-Sein vieler Ossis. Das gehört alles zu den vielen Ammenmärchen über diese Zeit. Keiner will die DDR schönreden, ich schon gar nicht (Motto: Gebranntes Kind scheut das Feuer). Aber es kursieren nach wie vor jede Menge Klischees und merkwürdige Ansichten über diesen Staat. Ich hatte da immer geglaubt, je länger die Zeit der beiden deutschen Staaten "historisch" inzwischen zurückliegt, desto neutraler und objektiver könnte die Sicht darauf werden. Aber das wird eher schlimmer und klischeebeladener im Laufe der Jahre statt objektiver. Aber sorry für OT. Hat ja hier nüscht zu suchen eigentlich ;)

In dem auch jüngst verfilmten Roman "Der Turm" von Uwe Tellkamp wird die ganze Komplexität und Widersprüchlichkeit dieses Geflechts aus Anpassung und Widerstand eingehend geschildert. Auch wenn das in diesem Fall nur das akademische Millieu betrifft.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon Selina » Mi 17. Mai 2017, 11:25

schokoschendrezki hat geschrieben:(17 May 2017, 08:45)

Theoretisch und wissenschaftlich fundiert kann ich dazu nicht allzuviel sagen. Aus der praktischen Erfahrung heraus jedoch: Sowohl im beruflichen Alltag als auch innerhalb familärer Beziehungen, kenne ich etliche Männer, auch und vor allem - wie soll man sagen, in gehobenen, intellektuell anspruchsvollen Positionen - die eine berufliche Auszeit für Kinderbetreuung in Anspruch nahmen, während die jeweiligen Mütter derweil arbeiten gingen. Und das ging/geht durchaus gut.

Eine gewisse Abneigung gegen jede Form von Biologismus teile ich. Die hat, zugegebenermaßen mit persönlichen Präferenzen zu tun, insbesondere mit einer Abscheu vor dem Biologismus des 20. Jahrhunderts, natürlich in Hitlerdeutschland aber auch in (damals) scheinbar humanitärem Ländern wie in Skandinavien oder der Schweiz ... Was ich - betontermaßen als Laie - in jüngerer Zeit über das Phänomen "Plastitzität" mitbekommen habe, scheint aber doch die Ansicht zu bestätigen, dass genetisch erworbene Eigenschaften weitaus weniger gottgegeben und unveränderlich sind, als allgemein angenommen.


Dieser Biologismus durchzieht ja auch die "Werke" des Herrn Sarrazin und die Erläuterungen des Götz Kubitschek von den Identitären, nachgeplappert vom "Pädagogen" Höcke. Damit legen sie den ideologisch-weltanschaulichen Grundstein für viele der unsäglichen AfD-Ansichten. Bei Rudolf Steiner konnte man das im vorigen Jahrhundert auch ganz gut sehen. Kein Wunder, dass man da immer an NSDAP-Nähe denkt, wenn man AfD hört.

Interessant auch dein Gedanke der "Plastizität". Alleine, wenn man da an die "neuronale Plastizität" denkt, wird diese ständige Bewegung, Anpassung und Veränderung sehr deutlich. Nervenzellen, Synapsen und ganze Teile des Gehirns verändern und optimieren sich ständig. Sie sind sozusagen "formbar", je nach individuellen Verhältnissen und Anregungen. Im Übrigen auch ein spannendes Kapitel der Menschwerdung im Sinne von Ontogenese und Phylogenese.

Die These, dass soziokulturelle Einflüsse bei der Entwicklung von Geschlechter- und Rollenverhalten so gut wie gar keine Rolle oder wenn, dann nur eine untergeordnete, spielen, hängt meines Erachtens mit einer starren Gesellschaftssicht oder Weltsicht zusammen. Leugnet man diese soziokulturellen oder sozialen Einflüsse, kann man auch gut "erklären" oder begründen, warum am besten alles so bleiben soll wie bisher. Damit nimmt man dem Menschen (ob Männlein oder Weiblein) seine aktive Rolle im Fortschritt. Eine Art Fatalismus.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon Selina » Mi 17. Mai 2017, 11:39

schokoschendrezki hat geschrieben:(17 May 2017, 11:03)

In dem auch jüngst verfilmten Roman "Der Turm" von Uwe Tellkamp wird die ganze Komplexität und Widersprüchlichkeit dieses Geflechts aus Anpassung und Widerstand eingehend geschildert. Auch wenn das in diesem Fall nur das akademische Millieu betrifft.


Ja, ein guter Film bzw. Mehrteiler. Den Roman dazu hab ich nicht gelesen. Der Film allerdings zeigt einmal mehr, wie sehr es ansonsten an differenzierenden künstlerischen Äußerungen über diese Zeit mangelt. Ab und zu gelingt das mal ganz gut in Filmen, aber in den allermeisten Fällen kommen da doch immer wieder nur Holzhammer und Schwarz-Weiß-Klischees (a la Zeitung mit den vier großen Buchstaben) zum Einsatz. Ich bin ganz bestimmt keine "Ostalgikerin" und sehe die DDR aufgrund eigener Erfahrungen auch sehr kritisch. Dennoch ist in der künstlerischen Widerspiegelung und auch in den von den Autoren gezielt ausgewählten O-Tönen in Dokus so gut wie nichts dabei, wo ich mich wirklich wiederfinde in meiner Wahrnehmung dieser Zeit und des damaligen Geschehens. Das bestätigen mir auch viele andere Menschen, hüben wie drüben.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon Dark Angel » Mi 17. Mai 2017, 11:41

schokoschendrezki hat geschrieben:(17 May 2017, 10:53)

Was für ein Unsinn. Man weiß kaum, was man dazu adäquat entgegnen soll, ohne einfach nur "Quatsch!" zu schreiben. Das kann nur jemand schreiben, der entweder überhaupt keine DDR-Erfahrung hat oder der als ehemaliger DDR-Bürger niemals irgendeinen Kontakt mit irgendeiner oppositionellen Gegen-Bewegung oder wenigstens kritischen Gruppe hatte und der niemals irgendeine der zahlreichen Samisdat-Publikationen in Händen hielt.

Nein - kein Unsinn. Die ideologische Indoktrination ging bereits im Kindergarten los. Dass es Menschen gab, die das selbständige Denken nicht verlernt, bzw viel mehr wieder gelernt haben, als sie mit Misständen in den Betrieben konfrontiert wurden, ändert nichts an der Tatsache, dass ideologische Indoktrination ("Agitation und Propaganda") allgegenwärtig waren.
Eine Opposition/oppositionelle Gruppen enstanden überhaupt erst Ende der Siebziger/Anfang der Achtziger Jahre größerem Umfang, als die Versorgungslage, begann sich dramatisch zu verschlechtern.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon Selina » Mi 17. Mai 2017, 11:47

Nö, Opposition gab es sofort... mit Beginn der DDR, zum Teil sogar gleich nach Kriegsende noch vor der Staatsgründung. Genau, wie es so etwas auch in der damaligen BRD gab. Aber das nur nebenbei.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 17. Mai 2017, 12:30

Dark Angel hat geschrieben:(17 May 2017, 12:41)

Nein - kein Unsinn. Die ideologische Indoktrination ging bereits im Kindergarten los. Dass es Menschen gab, die das selbständige Denken nicht verlernt, bzw viel mehr wieder gelernt haben, als sie mit Misständen in den Betrieben konfrontiert wurden, ändert nichts an der Tatsache, dass ideologische Indoktrination ("Agitation und Propaganda") allgegenwärtig waren.


Weißt Du: Ich werde täglich und überall mit Megatonnen von Werbung berieselt. Und es perlt ebenso an mir ab bzw. löst eben eher Widerstand und Abneigung hervor wie indoktrinäre Ideologien zu DDR-Zeiten. Der Mensch ist durchaus nicht schutzlos einer Indoktrination ausgeliefert. Nichteinmal als Kind. Es mag für sehr viele Menschen zutreffen, was Werbefachleute ihren Auftraggebern erzählen mögen: Dass über das Unterbewusste eben doch Botschaften aufgenommen werden. Für mich jedenfalls trifft es definitiv nicht zu.

Und "Missstände in den Betrieben" kommt bei mir, nebenbei gesagt, in der Reihe der Widerstandspunkte irgendwo an siebenter, achter Stelle.
Eine Opposition/oppositionelle Gruppen enstanden überhaupt erst Ende der Siebziger/Anfang der Achtziger Jahre größerem Umfang, als die Versorgungslage, begann sich dramatisch zu verschlechtern.

Da muss ich irgendwie ständig einen falschen Kalender besessen haben ....
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon Maskulist » Mi 17. Mai 2017, 12:52

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(17 May 2017, 10:27)

Darauf läuft's hinaus. Und das ist es dann, was man unter Lohngerechtigkeit versteht ;)


Ist es denn - aus deiner Sicht - gerecht, wenn jemand mit 3 Jahren Berufserfahrung soviel verdient, wie jemand mit 30? Sollte nicht jemand, der sich in seinen Job reinkniet und deutlich überdurchschnittliche Leistung bringt, mehr verdienen wie jemand, der "Dienst nach Vorschrift" macht?

Eine Eingruppierung ist - im Prinzip - sinnvoll, aber es muss auch gewisse Boni geben, denn sonst sinkt die Bereitschaft, mehr zu tun als "DNV".

Aber bei allem erkenne ich nicht die mindeste! Benachteiligung eines Geschlechtes!
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon Dark Angel » Mi 17. Mai 2017, 12:55

Selina hat geschrieben:(17 May 2017, 12:47)

Nö, Opposition gab es sofort... mit Beginn der DDR, zum Teil sogar gleich nach Kriegsende noch vor der Staatsgründung. Genau, wie es so etwas auch in der damaligen BRD gab. Aber das nur nebenbei.

Ja und? Die haben das Land verlassen, so lange das noch möglich war, später wurden sie inhaftiert und deren Kinder zur Zwangsadotion frei gegeben und so richtig "auf Linie" gebracht. Der Repressalien für Andersdenkende gab es in der DDR viele, das wird gerne vergessen oder ausgeblendet.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon Dark Angel » Mi 17. Mai 2017, 12:59

schokoschendrezki hat geschrieben:(17 May 2017, 13:30)

Weißt Du: Ich werde täglich und überall mit Megatonnen von Werbung berieselt. Und es perlt ebenso an mir ab bzw. löst eben eher Widerstand und Abneigung hervor wie indoktrinäre Ideologien zu DDR-Zeiten. Der Mensch ist durchaus nicht schutzlos einer Indoktrination ausgeliefert. Nichteinmal als Kind. Es mag für sehr viele Menschen zutreffen, was Werbefachleute ihren Auftraggebern erzählen mögen: Dass über das Unterbewusste eben doch Botschaften aufgenommen werden. Für mich jedenfalls trifft es definitiv nicht zu.

Und "Missstände in den Betrieben" kommt bei mir, nebenbei gesagt, in der Reihe der Widerstandspunkte irgendwo an siebenter, achter Stelle.

Da muss ich irgendwie ständig einen falschen Kalender besessen haben ....

Ooh ja - man merkt an deinen Beiträgen, wie ideologische Indoktrination von dir abrieselt.
Kinder im Alter von 3 bis 10 Jahren können ja auch einschätzen ob sie indoktriniert - "auf Linie gebracht" werden - aber sicher doch! Die sind einer Indoktrination schutzlos ausgeliefert - egal ob es sich um die Ideologie des "Marxismus-Leninismus" handelte oder um die Ideologie des Gender Mainstream.

Indokrination = keine Diskussion und keinen Widerspruch duldende Belehrung - dem hat ein Kind nichts, aber auch gar nichts entgegen zu setzen.
Das kannst du einem erzählen, der seine Strümpfe mit Messer und Gabel anzieht. :s
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 17. Mai 2017, 13:35

Dark Angel hat geschrieben:(17 May 2017, 13:59)

Ooh ja - man merkt an deinen Beiträgen, wie ideologische Indoktrination von dir abrieselt.
Kinder im Alter von 3 bis 10 Jahren können ja auch einschätzen ob sie indoktriniert - "auf Linie gebracht" werden - aber sicher doch! Die sind einer Indoktrination schutzlos ausgeliefert - egal ob es sich um die Ideologie des "Marxismus-Leninismus" handelte oder um die Ideologie des Gender Mainstream.

Indokrination = keine Diskussion und keinen Widerspruch duldende Belehrung - dem hat ein Kind nichts, aber auch gar nichts entgegen zu setzen.
Das kannst du einem erzählen, der seine Strümpfe mit Messer und Gabel anzieht. :s

Bei kleinen Kindern hielt sich die Indoktrination deutlich in Grenzen. Ich will in diesem Punkt allerdings auch nicht einfach von mir auf andere schließen.

Es ist doch deutlich, dass du nicht wirklich weißt, wie konkret dieses "auf Linie" bringen aussah. In der einen Schule war es tatsächlich sehr indoktrinär, was mit einem extrem autoritären Direktor zusammenhing. In der anderen Schule (EOS, Gymnasium) kann ich mich erinnern, mit 14 in pubertärem Übermut in einer Pause quer durchs Schulgebäude "Die tanzen doch sowieso alle nur nach Moskaus Pfeife" gerufen zu haben, ohne zu sehen, dass am Flurende der Direktor stand. Der grinste nur und gab mir mit einer Handbewegung zu verstehen, die Klappe
zu halten. Und zwischen diesen beiden Polen gab es das ganze Spektrum der Indoktrination.

Aber unabhängig davon: Der Mensch ist nicht schutzlos einer Indoktrination ausgeliefert. Von Jean Paul Sartre gibts eine Textstelle,
die (sinngemäß) lautet, dass der Mensch auch in der Todeszelle vollkommen und absolut frei ist. Genau so ist es.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 17. Mai 2017, 13:41

Dark Angel hat geschrieben:(17 May 2017, 13:55)

Ja und? Die haben das Land verlassen, so lange das noch möglich war, später wurden sie inhaftiert und deren Kinder zur Zwangsadotion frei gegeben und so richtig "auf Linie" gebracht. Der Repressalien für Andersdenkende gab es in der DDR viele, das wird gerne vergessen oder ausgeblendet.


Das wird keineswegs vergessen. Es gibt zahlreiche Ausstellungen, Bücher usw. darüber. Was soll "später wurden sie inhaftiert" in einer so verallgemeinerten Form denn besagen? Du hast noch nix von den politischen Entwicklungen in den Jahren vor 89 gehört? Meinst
Du die politischen Umwälzungen in der DDR wurden aus dem Gefängnis heraus organisiert? Wenn das Thema nicht so ernst wäre, man könnte lachen.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon Selina » Mi 17. Mai 2017, 13:42

Dark Angel hat geschrieben:(17 May 2017, 13:55)

Ja und? Die haben das Land verlassen, so lange das noch möglich war, später wurden sie inhaftiert und deren Kinder zur Zwangsadotion frei gegeben und so richtig "auf Linie" gebracht. Der Repressalien für Andersdenkende gab es in der DDR viele, das wird gerne vergessen oder ausgeblendet.


Naja, das ist wieder viel zu holzschnittartig gezeichnet. Ich lebte direkt in so einem kritischen und widerständigen Umfeld, mittendrin, aber da verließ trotzdem keiner das Land, wurde auch nicht inhaftiert und niemand nahm ihnen die Kinder weg. Auch wenn es das natürlich gab, was auch ich immer schon zutiefst verurteilt hab. Dennoch sind auch die Farben der DDR-Opposition unheimlich bunt und viefältig gewesen. Viel bunter, als das in den Medien heute gebracht wird. Da kommt man mit nachträglichem Wunschdenken, die DDR-BRD-Geschichte habe sich so und so zugetragen, nicht weiter.

Und klar: Es gab natürlich auch jede Menge Strafen und Verfolgungen. Aber nicht alle landeten direkt in Bautzen. Da gibt es Zahlen. Nein, bis zu einem gewissen Grad konnte man auch in der DDR Oppositioneller sein. Und das auch ohne Knast und Flucht. Ich kenne zig solche anständigen Menschen. Wir sollten nur aufhören, uns gegenseitig die verschiedenen Wahrnehmungen dieser Zeit um die Ohren zu hauen, sondern lieber aufeinander achten und hören, wie unterschiedlich wir alten und mittelalten Zeitzeugen das so erlebt haben. Das ist individuell sehr unterschiedlich. Auch hier kommste mit deinem "wir" nicht weiter.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon Selina » Mi 17. Mai 2017, 14:01

Und mehr noch: So ein DDR-Leben konnte durchaus auch gute und sinnvolle Seiten haben. Falls man die aber heute schildert, wird man von einigen Leuten in schöner Regelmäßigkeit "niedergebrüllt". Weil nicht sein kann, was nicht sein darf.
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