Gehalter Gender-gap

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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon schokoschendrezki » Di 16. Mai 2017, 14:22

Dark Angel hat geschrieben:(16 May 2017, 12:00)

Deine Aussagen gelten gar nichts - weil es sich bei diesen Aussagen um einen naturalistischen Fehlschluss handelt. Du schließt von "Sein" auf "Sollen"!
Es geht immer noch nicht um irgendwelche ganz bestimmte indviduelle "Begabungen", sondern um angeborene geschlechtsspezifische Unterschiede im Verhalten von Männern und Frauen - um Verhaltensmuster, die "typisch", charakteristisch für ein Geschlecht sind, um Verhaltensmuster die sich evolutionär entwickelt haben und einen selektiven Überlebensvorteil für die Population darstellen.
Was du hier ständig vorbringst, sind individuelle Begabungen und die sind nunmal nicht geschlechtsspezifisch!

Dann setze halt anstelle von "Ausleben einer individuellen Begabung" "Ausleben als Frau (oder Mann)". Jeweils mit den geschlechtsspezifischen Eigenschaften. Ganz einfach. Auch dann ist Gleichbehandlung gerade die Voraussetzung für dieses Ausleben und nicht der Versuch von Gleichmacherei.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon schokoschendrezki » Di 16. Mai 2017, 14:23

Dark Angel hat geschrieben:(16 May 2017, 13:02)

Oder andersrum: als Frau nutzt mir "Gleichbehandlung" in Form von Quoten in Führungspositionen gar nix, wenn ich Familie und Beruf nicht miteinander vereinbaren kann, wenn ich vor die Entscheidung entweder Kinder und Familie oder Beruf/Karriere gestellt werde.

"Quoten" sind ja nun gerade keine Gleichbehandlung sondern eine Ungleichbehandlung. Kann es sein, dass du konsequent Gleichbehandlung mit Gleichmacherei im Sinne des Versuchs einer Herstellung von Gleichheit verwechselst, die ja tatsächlich nicht hergestellt werden kann. Dazu werden Quoten im allgemeinen eingeführt.
Zuletzt geändert von schokoschendrezki am Di 16. Mai 2017, 14:29, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon schokoschendrezki » Di 16. Mai 2017, 14:26

Maskulist hat geschrieben:(16 May 2017, 12:47)

... ist ein gerne zitierter feministischer Mythos. Es geht dabei um den §1356 GlBerG, welcher den Paragraph 1358 BGB ersetzte, der durch die Einführung des GG Artikel 3.2 unwirksam wurde, was selbst im Palandt, dem für die Praxis maßgeblichen Kommentar zum BGB, seit 1953 ausdrücklich in der Vorbemerkung zu § 1358 BGB drin stand.

Es ist ähnlich wie mit der Todesstrafe in Hessen, die ja auch erst 2016 abgeschafft wurde - trotzdem wurde dort niemand zum Tode verurteilt.



Ja, gut. Das habe ich so nicht gewusst.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon Dark Angel » Di 16. Mai 2017, 14:50

schokoschendrezki hat geschrieben:(16 May 2017, 15:22)

Dann setze halt anstelle von "Ausleben einer individuellen Begabung" "Ausleben als Frau (oder Mann)". Jeweils mit den geschlechtsspezifischen Eigenschaften. Ganz einfach. Auch dann ist Gleichbehandlung gerade die Voraussetzung für dieses Ausleben und nicht der Versuch von Gleichmacherei.

Männer und Frauen leben ihre angeborenen geschlechtsspezifischen Unterschiede in den Verhaltensmustern ganz ohne "Gleichbehandlung" aus - haben sie schon immer getan, sonst hätten sich die geschlechtsspezifischen Unterschiede in den Verhaltensmustern evolutionär gar nicht erst als selektiver Überlebensvorteil entwickeln können.
Es ist und bleibt Unsinn, bleibt ein naturalistischer Fehlschluss!

Und was ist nun mit den Belegen für deine Behauptung:
"Dass der Mensch seinen Prägungen nicht entkommen könne, ist nicht nur eine äußerst reaktionäre sondern auch eine zigmal widerlegte These"

Kommt da noch was?
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon Dark Angel » Di 16. Mai 2017, 14:58

schokoschendrezki hat geschrieben:(16 May 2017, 15:23)

"Quoten" sind ja nun gerade keine Gleichbehandlung sondern eine Ungleichbehandlung. Kann es sein, dass du konsequent Gleichbehandlung mit Gleichmacherei im Sinne des Versuchs einer Herstellung von Gleichheit verwechselst, die ja tatsächlich nicht hergestellt werden kann. Dazu werden Quoten im allgemeinen eingeführt.

Ich verwechsle gar nichts!
Du bist derjenige der hier permanent individuelle Unterschiede mit geschlechts"typischen" Verhaltensmustern verwechselt und verschwurbelt hat, du bist derjenige, der auf seinen naturalistischen Fehlschlüssen beharrt.
„Eine solche Legitimierung moralischer Normen durch biologische Einsichten ist aber nicht zulässig und außerdem keineswegs eine logische Konsequenz einer biologischen Betrachtung.“(Doris Bischof-Köhler)
Und umgekehrt bedürfen biologische Unterschiede keiner moralischen/juristischen Legitimation - die sind auch ohne eine solche vorhanden und werden gelebt.
Sollte eigentlich bekannt sein.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon pikant » Di 16. Mai 2017, 15:06

Dark Angel hat geschrieben:(16 May 2017, 13:02)

Es bringt gar nix, Männern die Möglichkeit einzuräumen, Elternzeit in Anspruch zu nehmen, weil das deren biologischen Veranlagung widerspricht.
.


vor allem schadet es nichts Maennern Elternzeit einzuraeumen und ja es soll auch Maenner geben, die diese in Anspruch nehmen (25%) auch wenn es der biologischen Veranlagung widerspricht.
Wie erklaeren Sie sich das?
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon Dark Angel » Di 16. Mai 2017, 15:57

pikant hat geschrieben:(16 May 2017, 16:06)

vor allem schadet es nichts Maennern Elternzeit einzuraeumen und ja es soll auch Maenner geben, die diese in Anspruch nehmen (25%) auch wenn es der biologischen Veranlagung widerspricht.
Wie erklaeren Sie sich das?

Ich habe nicht gesagt, dass es schadet, sondern dass es nix bringt!
Was bringt es denn, wenn Männer 2 Monate Elternzeit nehmen können?
Und wenn die Elterzeit vorbei ist gehen die Probleme ja erst los - Frau möchte gerne Vollzeit gehen, das geben die Öffnungszeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen nicht her. Bleibt ihr nur Teilzeit. Wenn beide versuchen, sich reinzuteilen, gehen im Endeffekt beide nur Teilzeit.
Das Problem nennt sich Vereinbarkeit von Familie und Beruf und das betrifft beide - beide werden vor die Entscheidung gestellt Beruf/Karriere oder Familie mit Kindern und da muss einer von beiden zurück stecken und das macht logischerweise derjenige, der weniger verdient.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon Selina » Di 16. Mai 2017, 16:13

schokoschendrezki hat geschrieben:(16 May 2017, 09:16)

Die Führungsriege der Regierung war - mit wenigen Ausnahmen - nicht nur rein zahlenmäßig eine reine Männergesellschaft sondern war auch - und zwar mehr noch als in der Bundesrepulbik - von einer männlich-chauvinistischen Alte-Herren-Mentalität geprägt.

Stimmt. Ätzender Verein. Wobei ich auch heute etliche chauvinistische Alte-Herren-Riegen sehe. Und auch vernagelte Junge-Herren-Riegen ;)

schokoschendrezki hat geschrieben:(16 May 2017, 09:16)

Ich dachte bei der Ungleichbehandlung eher an diese restriktiven Bildungsbeschränkungen je nach sozialer Herkunft und auch nach Loyalität zum System.

Auch das war unterschiedlich. Kenne beides aus dem näheren Umfeld: Leute, die Abi machten, studierten und ungestört ihrem Beruf nachgingen, obwohl sie nicht besonders "staatstreu" waren. Und andererseits auch Leute, denen wirklich sämtliche Steine der Welt in den Weg geräumt wurden, weil sie nicht loyal waren.

Aber mal was zu eurer Diskussion: Sag mal, sehe ich das falsch, aber ist es nicht so, dass immer beides ausschlaggebend ist, wie sich Männer und Frauen verhalten: Die biologische und angeborene Seite und die erworbene, sozial determinierte? Da gabs früher immer den 40:60-Streit. Also etwa 40 Prozent Angeborenes und etwa 60 Prozent Erworbenes. Das verwandelte sich in diesem Streit im Laufe der Jahrzehnte allmählich in 60:40 :D Was heute sicher als altmodisch oder überholt gilt, diese prozentuale Geschichte. Aber keiner kam da auf die Idee, nur noch in dieser Ausschließlichkeit von genetisch bedingten und biologisch geprägten Eigenschaften und Verhaltensmustern zu reden. Immer war nach wie vor die Rede von beiden Aspekten (Erworbenes und Angeborenes), die die Geschlechter-Eigenschaften und -Verhaltensweisen prägen. Lässt sich ja auch anhand vieler praktischer Beispiele belegen. Daher halte ich die hier geäußerte Meinung, Männer könnten schon aus biologischen Gründen nicht das "Mütter- oder Vaterjahr" (mit intensiver Kinderbetreuung) in Anspruch nehmen, weil sie dazu biologisch gar nicht in der Lage seien, für kompletten Unfug. Wie siehst du das?
Zuletzt geändert von Selina am Di 16. Mai 2017, 16:21, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon Maskulist » Di 16. Mai 2017, 16:21

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(16 May 2017, 14:08)

so versucht man das üblicherweise einzugrenzen. Was ja Nonsens ist. Tatsächlich sollte doch Leistung für Entlohnung maßgebend sein. Das ist es, was wir letztendlich für gerecht empfinden.

Das ist richtig!
Aber "Leistung" wird - je nach Branche - unterschiedlich bewertet und vergütet. Meine Argumentation dazu findest Du in diesem Strang.
Gender Mainstreaming ist eine brandgefährliche Manipulationsmethode, die sich wie ein Steppenbrand in der Geisteswelt des Westens in den letzten Jahrzehnten ausgebreitet hat.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Di 16. Mai 2017, 16:29

Selina hat geschrieben:(16 May 2017, 17:13)


Auch das war unterschiedlich. Kenne beides aus dem näheren Umfeld: Leute, die Abi machten, studierten und ungestört ihrem Beruf nachgingen, obwohl sie nicht besonders "staatstreu" waren. Und andererseits auch Leute, denen wirklich sämtliche Steine der Welt in den Weg geräumt wurden, weil sie nicht loyal waren.



primär muss man wohl auch feststellen, dass die angeblich familienfreundliche Politik in den ehemaligen Staaten des Ostblocks wohl auch weniger mit Familienfreundlichkeit zu tun hatte. Sondern ganz einfach pragmatische Ursachen hatte. Die relativ niedrige Produktivität erforderte nunmal einen hohen Arbeitseinsatz (wenn man mit westlichen Ländern mithalten wollte) und gleichzeitig dazu hatte natürlich der Staat durch das Kinderbetreuungsangebot schon mal die Möglichkeit vom Kleinkind an ideologisch wirksam zu werden und die Kleinen auf Linie zu bringen.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon Selina » Di 16. Mai 2017, 16:50

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(16 May 2017, 17:29)

primär muss man wohl auch feststellen, dass die angeblich familienfreundliche Politik in den ehemaligen Staaten des Ostblocks wohl auch weniger mit Familienfreundlichkeit zu tun hatte. Sondern ganz einfach pragmatische Ursachen hatte. Die relativ niedrige Produktivität erforderte nunmal einen hohen Arbeitseinsatz (wenn man mit westlichen Ländern mithalten wollte) und gleichzeitig dazu hatte natürlich der Staat durch das Kinderbetreuungsangebot schon mal die Möglichkeit vom Kleinkind an ideologisch wirksam zu werden und die Kleinen auf Linie zu bringen.


In meinem Umfeld wurde kein Kind auf Linie gebracht. Bei uns gabs weder Plastik-Panzer in Kindergärten noch das Pfeiffersche "Gruppentöpfen" als angebliche Ursache für das starke Rechtsradikal-Sein vieler Ossis. Das gehört alles zu den vielen Ammenmärchen über diese Zeit. Keiner will die DDR schönreden, ich schon gar nicht (Motto: Gebranntes Kind scheut das Feuer). Aber es kursieren nach wie vor jede Menge Klischees und merkwürdige Ansichten über diesen Staat. Ich hatte da immer geglaubt, je länger die Zeit der beiden deutschen Staaten "historisch" inzwischen zurückliegt, desto neutraler und objektiver könnte die Sicht darauf werden. Aber das wird eher schlimmer und klischeebeladener im Laufe der Jahre statt objektiver. Aber sorry für OT. Hat ja hier nüscht zu suchen eigentlich ;)
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Di 16. Mai 2017, 16:57

Selina hat geschrieben:(16 May 2017, 17:50)

In meinem Umfeld wurde kein Kind auf Linie gebracht. Bei uns gabs weder Plastik-Panzer in Kindergärten noch das Pfeiffersche "Gruppentöpfen" als angebliche Ursache für das starke Rechtsradikal-Sein vieler Ossis. Das gehört alles zu den vielen Ammenmärchen über diese Zeit. Keiner will die DDR schönreden, ich schon gar nicht (Motto: Gebranntes Kind scheut das Feuer). Aber es kursieren nach wie vor jede Menge Klischees und merkwürdige Ansichten über diesen Staat. Ich hatte da immer geglaubt, je länger die Zeit der beiden deutschen Staaten "historisch" inzwischen zurückliegt, desto neutraler und objektiver könnte die Sicht darauf werden. Aber das wird eher schlimmer und klischeebeladener im Laufe der Jahre statt objektiver. Aber sorry für OT. Hat ja hier nüscht zu suchen eigentlich ;)


logischerweise wird aus Sicht der Betroffenen die Sicht eben nicht neutraler und objektiver. Statt dessen neigt man dazu, das Positive stärker zu gewichten, während man das negative verdrängt. Das ist vollkommen natürlich. Aber das wird sich ändern und stirbt mit der Zeit langsam aus. Hier im Westen hörte man ja noch in den 80ern Stimmen, die meinten, dass unter Hitler nicht alles schlecht war, schließlich hat er für Arbeitsplätze gesorgt. Heute hat sich dieses Problem größtenteils erledigt.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon Selina » Di 16. Mai 2017, 17:00

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(16 May 2017, 17:57)

logischerweise wird aus Sicht der Betroffenen die Sicht eben nicht neutraler und objektiver. Statt dessen neigt man dazu, das Positive stärker zu gewichten, während man das negative verdrängt. Das ist vollkommen natürlich. Aber das wird sich ändern und stirbt mit der Zeit langsam aus. Hier im Westen hörte man ja noch in den 80ern Stimmen, die meinten, dass unter Hitler nicht alles schlecht war, schließlich hat er für Arbeitsplätze gesorgt. Heute hat sich dieses Problem größtenteils erledigt.


Es gibt in bestimmten Kreisen immer noch (oder schon wieder) Leute, die sagen, sooooo schlecht war der Führer doch gar nicht.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Di 16. Mai 2017, 17:05

Selina hat geschrieben:(16 May 2017, 18:00)

Es gibt in bestimmten Kreisen immer noch (oder schon wieder) Leute, die sagen, sooooo schlecht war der Führer doch gar nicht.


aber nicht mehr in dem Maß. Also in der Breite der Bevölkerung, die letztendlich ihre damalige Lebenswirklichkeit im Laufe der Zeit falsch einschätzten.
Und auch die DDR war in dem Sinne was wir hier heute wissen kein demokratischer Rechststaat. Insofern ist auch sinnfrei sich den einen oder anderen Punkt rauszupicken nur weil er einem gefällt ohne das große Ganze zu sehen ohne den das nicht möglich gewesen wäre.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon Dark Angel » Di 16. Mai 2017, 17:13

Selina hat geschrieben:(16 May 2017, 17:13)

Stimmt. Ätzender Verein. Wobei ich auch heute etliche chauvinistische Alte-Herren-Riegen sehe. Und auch vernagelte Junge-Herren-Riegen ;)


Auch das war unterschiedlich. Kenne beides aus dem näheren Umfeld: Leute, die Abi machten, studierten und ungestört ihrem Beruf nachgingen, obwohl sie nicht besonders "staatstreu" waren. Und andererseits auch Leute, denen wirklich sämtliche Steine der Welt in den Weg geräumt wurden, weil sie nicht loyal waren.

Aber mal was zu eurer Diskussion: Sag mal, sehe ich das falsch, aber ist es nicht so, dass immer beides ausschlaggebend ist, wie sich Männer und Frauen verhalten: Die biologische und angeborene Seite und die erworbene, sozial determinierte? Da gabs früher immer den 40:60-Streit. Also etwa 40 Prozent Angeborenes und etwa 60 Prozent Erworbenes. Das verwandelte sich in diesem Streit im Laufe der Jahrzehnte allmählich in 60:40 :D Was heute sicher als altmodisch oder überholt gilt, diese prozentuale Geschichte. Aber keiner kam da auf die Idee, nur noch in dieser Ausschließlichkeit von genetisch bedingten und biologisch geprägten Eigenschaften und Verhaltensmustern zu reden. Immer war nach wie vor die Rede von beiden Aspekten (Erworbenes und Angeborenes), die die Geschlechter-Eigenschaften und -Verhaltensweisen prägen. Lässt sich ja auch anhand vieler praktischer Beispiele belegen. Daher halte ich die hier geäußerte Meinung, Männer könnten schon aus biologischen Gründen nicht das "Mütter- oder Vaterjahr" (mit intensiver Kinderbetreuung) in Anspruch nehmen, weil sie dazu biologisch gar nicht in der Lage seien, für kompletten Unfug. Wie siehst du das?

Biologisch bedingt heißt auch nicht zwingend genetisch bedingt. Biologisch bedeutet auch hormonell und bei der pränatalen Entwicklung spielen nunmal Hormone - insbesondere Sexualhormone - eine wichtige Rolle und auf deren Einfluss sind die geschlechtsspezifischen Unterschiede im Verhalten zurückzuführen.
Dadurch lässt sich eben auch nicht bestimmen wie groß der Anteiteil von Biologie und Soziologie an der Ausdifferenzierung und Entwicklung bestimmter Verhaltensmuster ist.
Prof. Bischof-Köhler weist auch darauf hin, dass Sozialisation keine einseitige Einflussnahme auf das Kind darstellt, sondern vielmehr eine Interaktion bei der die biologisch bedingten Verhaltensvorgaben und die Bereitschaft des Kindes bestimmte "Angebote" anzunehmen mitbestimmen, welche Verhaltensmuster stärker ausgeprägt werden.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 17. Mai 2017, 06:59

Dark Angel hat geschrieben:(16 May 2017, 15:58)

Ich verwechsle gar nichts!
Du bist derjenige der hier permanent individuelle Unterschiede mit geschlechts"typischen" Verhaltensmustern verwechselt und verschwurbelt hat, du bist derjenige, der auf seinen naturalistischen Fehlschlüssen beharrt.
„Eine solche Legitimierung moralischer Normen durch biologische Einsichten ist aber nicht zulässig und außerdem keineswegs eine logische Konsequenz einer biologischen Betrachtung.“(Doris Bischof-Köhler)
Und umgekehrt bedürfen biologische Unterschiede keiner moralischen/juristischen Legitimation - die sind auch ohne eine solche vorhanden und werden gelebt.
Sollte eigentlich bekannt sein.


Liebe Dark Angel

Ich zitiere dich nochmal:

Oder andersrum: als Frau nutzt mir "Gleichbehandlung" in Form von Quoten in Führungspositionen gar nix, wenn ich Familie und Beruf nicht miteinander vereinbaren kann, wenn ich vor die Entscheidung entweder Kinder und Familie oder Beruf/Karriere gestellt werde.


Quoten in Führungspositionen sind ganz eindeutig eine Ungleichbehandlung und keine Gleichbehandlung. Wie denn auch sonst. Unabhängig davon, wie man zu solchen Regelungen steht: Wenn Du die simpelsten Regeln der Logik und Semantik nicht beherrschst, macht es wenig Sinn, eine fruchtbare Diskussion mit Dir zu führen.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 17. Mai 2017, 07:20

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(16 May 2017, 17:29)

primär muss man wohl auch feststellen, dass die angeblich familienfreundliche Politik in den ehemaligen Staaten des Ostblocks wohl auch weniger mit Familienfreundlichkeit zu tun hatte. Sondern ganz einfach pragmatische Ursachen hatte. Die relativ niedrige Produktivität erforderte nunmal einen hohen Arbeitseinsatz (wenn man mit westlichen Ländern mithalten wollte) und gleichzeitig dazu hatte natürlich der Staat durch das Kinderbetreuungsangebot schon mal die Möglichkeit vom Kleinkind an ideologisch wirksam zu werden und die Kleinen auf Linie zu bringen.

Ersteres ist vollkommen richtig ... zweiteres ist komplizierter: Die Verhältnisse in der DDR und anderen Ostblockstaaten waren so, dass Unterschiedlichkeiten viel ausgeprägter waren als hier und heute. Die eine Schule mit einem autoritär-SED-hörigen Direktor setzte erbarmungslos höriges Verhalten durch. An der anderen Schule, drei Straßen weiter, mit einem - sicher SED-angehörigen - aber liberal denkendem Direktor, herrschten völlig offene, freundliche Verhältnisse. Politisch sicher in gewissen Grenzen. Das mag seltsam klingen, und ich habe auch keine systemischen Erklärungen dafür, aber es entspricht durchwegs meinen eigenen Erfahrungen.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 17. Mai 2017, 07:45

Selina hat geschrieben:(16 May 2017, 17:13)
Aber mal was zu eurer Diskussion: Sag mal, sehe ich das falsch, aber ist es nicht so, dass immer beides ausschlaggebend ist, wie sich Männer und Frauen verhalten: Die biologische und angeborene Seite und die erworbene, sozial determinierte? Da gabs früher immer den 40:60-Streit. Also etwa 40 Prozent Angeborenes und etwa 60 Prozent Erworbenes. Das verwandelte sich in diesem Streit im Laufe der Jahrzehnte allmählich in 60:40 :D Was heute sicher als altmodisch oder überholt gilt, diese prozentuale Geschichte. Aber keiner kam da auf die Idee, nur noch in dieser Ausschließlichkeit von genetisch bedingten und biologisch geprägten Eigenschaften und Verhaltensmustern zu reden. Immer war nach wie vor die Rede von beiden Aspekten (Erworbenes und Angeborenes), die die Geschlechter-Eigenschaften und -Verhaltensweisen prägen. Lässt sich ja auch anhand vieler praktischer Beispiele belegen. Daher halte ich die hier geäußerte Meinung, Männer könnten schon aus biologischen Gründen nicht das "Mütter- oder Vaterjahr" (mit intensiver Kinderbetreuung) in Anspruch nehmen, weil sie dazu biologisch gar nicht in der Lage seien, für kompletten Unfug. Wie siehst du das?

Theoretisch und wissenschaftlich fundiert kann ich dazu nicht allzuviel sagen. Aus der praktischen Erfahrung heraus jedoch: Sowohl im beruflichen Alltag als auch innerhalb familärer Beziehungen, kenne ich etliche Männer, auch und vor allem - wie soll man sagen, in gehobenen, intellektuell anspruchsvollen Positionen - die eine berufliche Auszeit für Kinderbetreuung in Anspruch nahmen, während die jeweiligen Mütter derweil arbeiten gingen. Und das ging/geht durchaus gut.

Eine gewisse Abneigung gegen jede Form von Biologismus teile ich. Die hat, zugegebenermaßen mit persönlichen Präferenzen zu tun, insbesondere mit einer Abscheu vor dem Biologismus des 20. Jahrhunderts, natürlich in Hitlerdeutschland aber auch in (damals) scheinbar humanitärem Ländern wie in Skandinavien oder der Schweiz ... Was ich - betontermaßen als Laie - in jüngerer Zeit über das Phänomen "Plastitzität" mitbekommen habe, scheint aber doch die Ansicht zu bestätigen, dass genetisch erworbene Eigenschaften weitaus weniger gottgegeben und unveränderlich sind, als allgemein angenommen.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mi 17. Mai 2017, 08:39

Maskulist hat geschrieben:(16 May 2017, 17:21)

Das ist richtig!
Aber "Leistung" wird - je nach Branche - unterschiedlich bewertet und vergütet. Meine Argumentation dazu findest Du in diesem Strang.


Das ist ja nicht der Punkt. Es wird ja über Lohnungleichheit diskutiert. Diese sollte beseitigt werden. Als Maßstab nimmt man dafür, Ausbildung, Tätigkeit, Arbeitsplatzbeschreibung etc.. Das Ganze mündet dann in der Floskel "gleicher Lohn für gleiche Arbeit". Nur gibt es die meines Erachtens nicht. Wenn du im gleichen Unternehmen, in der gleichen Abteilung zwei Arbeitnehmer mit gleicher Ausbildung und gleicher Arbeitsplatzbeschreibung hast, wird trotzdem einer von beiden immer seinen Job besser machen als der andere.
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Re: Gehalter Gender-gap

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 17. Mai 2017, 08:55

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(16 May 2017, 17:57)

logischerweise wird aus Sicht der Betroffenen die Sicht eben nicht neutraler und objektiver. Statt dessen neigt man dazu, das Positive stärker zu gewichten, während man das negative verdrängt. Das ist vollkommen natürlich. Aber das wird sich ändern und stirbt mit der Zeit langsam aus. Hier im Westen hörte man ja noch in den 80ern Stimmen, die meinten, dass unter Hitler nicht alles schlecht war, schließlich hat er für Arbeitsplätze gesorgt. Heute hat sich dieses Problem größtenteils erledigt.

Den "unter Hitler war nicht alles Schlecht"-Rednern steht aber auch eine nicht unbeträchltiche Gruppe von "Betroffenen" gegenüber, die unmissverständlich eine schonungslose Aufarbeitung forderten und durchsetzten. Und ähnlich verhält es sich mit der DDR. Das Besondere am Fall DDR - mal abgesehen davon, dass dieser Staat in Hinsicht auf Inhumanität auch nicht annähernd mit Hitlerdeutschland vergleichbar ist - besteht vielleicht darin, dass sich die ehemalige Oppositionsbewegung so gut wie vollständig aufgelöst hat. Man könnte meinen, das sei auch logisch und natürlich, weil die DDR ja nicht mehr existiert. Ist es nicht! Die Ziele dieser oppositionellen Bewegungen bestanden durchaus nicht nur in der Beseitigung des DDR-Regimes.
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