Sollte Prostitution legal sein?

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Sollte Prostitution legal sein?

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Re: Sollte Prostitution legal sein?

Beitragvon Flat » Di 5. Jul 2016, 08:04

Provokateur hat geschrieben:(05 Jul 2016, 08:46)

Dann blättere mal ein paar Seiten zurück. Natürlich gibt es diese Ausbeutung, wie auch Zwangsarbeit in Chinarestaurants und Drückerkolonnen vorkommt. Das sind Verbrechen, und diese sind mit der Härte des Rechtsstaates zu ahnden. Was aber nichts daran ändert, dass es freiwillige Köche in Chinarestaurants, freiwillige Spendensammler und freiwillige Prostituierte gibt. Und all diesen Leuten hat niemand vorzuschreiben, dass ihr Beruf etwas schlechtes ist, nur weil in ihrem Gewerbe Zwangsarbeit vorkommt.

Ansonsten könntest du dein Handy gleich aus dem Fenster werfen. Recherchiere mal, wer unter welchen Bedingungen Tantal aus der Erde holt.



Qualifizierte Arbeitsverhältnisse schon. Du kannst einen achtzehnjährigen Schulabbrecher in die Burgerschmiede schicken, um Systemgastronom zu werden - aber nicht unter Tage oder aufs Dach.


Moin,

wenn Du hier mal meinen 1. Beitrag liest, wirst Du sehen, dass ich nichts dagegen habe, wenn sich eine Frau wirklich freiwillig prostituiert, Volljährigkeit vorausgesetzt.

Ich sehe nur bei Prostitution die Masse der Frauen in Zwangssituationen. Das unterscheidet sie von den genannten Arbeitsverhältnissen (Drückerkolonnen mal ausgenommen, da könnte es ähnlich sein). Und es wird für mich nie so normal werden, dass ich das mit anderen berufen gleich setzen würde, eben weil ich z.B. eine Arbeitszuweisung als Prostituierte durch das Arbeitsamt für nicht zumutbar halte.


und wieder off Topic: Du wirfst da was durcheinander. Rechtlich erfordert kein Ausbildungsberuf des dualen Systems überhaupt einen Schulabschluss (faktisch sieht es anders aus). Ich kann also einen Schulabbrecher durchaus sowohl als Systemgastronom, als Bergarbeiter oder Dachdecker ausbilden. Entscheiden tut hier allein der Arbeitgeber.

Qualifizierte Arbeitsverhältnisse setzen in aller Regel in der Tat eine Berufsausbildung voraus. Arbeitsverhältnisse an sich nicht.
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Re: Sollte Prostitution legal sein?

Beitragvon Provokateur » Di 5. Jul 2016, 08:32

Flat hat geschrieben:(05 Jul 2016, 09:04)

Moin,

wenn Du hier mal meinen 1. Beitrag liest, wirst Du sehen, dass ich nichts dagegen habe, wenn sich eine Frau wirklich freiwillig prostituiert, Volljährigkeit vorausgesetzt.


Gut. Da sind wir uns einig.

Flat hat geschrieben:Ich sehe nur bei Prostitution die Masse der Frauen in Zwangssituationen. Das unterscheidet sie von den genannten Arbeitsverhältnissen (Drückerkolonnen mal ausgenommen, da könnte es ähnlich sein). Und es wird für mich nie so normal werden, dass ich das mit anderen berufen gleich setzen würde, eben weil ich z.B. eine Arbeitszuweisung als Prostituierte durch das Arbeitsamt für nicht zumutbar halte.


Nun ja. Wenn du mal wissen möchtest, wie sehr du von Zwangsarbeit profitierst, empfehle ich dir (wie jedem anderen) diese Seite:

http://slaveryfootprint.org/

Solange hier niemand klar nachweisen kann, dass seine Zahl bei 0 ist, ist jeder Fingerzeig eine Geste der Doppelmoral. Zwangsarbeit ist genau so schlimm, wenn jemand nicht seinen Unterleib, sondern seine Hände benutzen muss.
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Re: Sollte Prostitution legal sein?

Beitragvon Flat » Di 5. Jul 2016, 08:55

Provokateur hat geschrieben:(05 Jul 2016, 09:32)

Solange hier niemand klar nachweisen kann, dass seine Zahl bei 0 ist, ist jeder Fingerzeig eine Geste der Doppelmoral. Zwangsarbeit ist genau so schlimm, wenn jemand nicht seinen Unterleib, sondern seine Hände benutzen muss.


Moin,

das kannst Du unmöglich so meinen.

Weil es weltweit Sklaverei gibt, von der auch wir profitieren sollen wir bei Zwangsprostitution in Deutschland nicht hinschauen und nichts dagegen unternehmen?
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Re: Sollte Prostitution legal sein?

Beitragvon Provokateur » Di 5. Jul 2016, 09:26

Flat hat geschrieben:(05 Jul 2016, 09:55)

Moin,

das kannst Du unmöglich so meinen.

Weil es weltweit Sklaverei gibt, von der auch wir profitieren sollen wir bei Zwangsprostitution in Deutschland nicht hinschauen und nichts dagegen unternehmen?


Anders herum. Zwangsarbeit muss an jeder Stelle aktiv bekämpft werden. Kann nicht sein, dass jemand sich jedes Jahr ein neues Handy oder sonstige Kleinelektrik zulegt und dann aber lautstark gegen Prostitution wettert.
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Re: Sollte Prostitution legal sein?

Beitragvon Flat » Di 5. Jul 2016, 09:34

Provokateur hat geschrieben:(05 Jul 2016, 10:26)

Anders herum. Zwangsarbeit muss an jeder Stelle aktiv bekämpft werden. Kann nicht sein, dass jemand sich jedes Jahr ein neues Handy oder sonstige Kleinelektrik zulegt und dann aber lautstark gegen Prostitution wettert.


Moin,

doch, es ist richtig, wenn er gegen Zwangsprostitution wettert.

Der Fehler liegt darin, beim Handy nicht achtsam genug zu sein. Das sollte aber nicht dazu führen, bei Missständen bei Prostitution den Mund zu halten.

Bei Dir klingt das aber eben andersrum.
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Re: Sollte Prostitution legal sein?

Beitragvon JJazzGold » Di 5. Jul 2016, 09:38

Provokateur hat geschrieben:(05 Jul 2016, 10:26)

Anders herum. Zwangsarbeit muss an jeder Stelle aktiv bekämpft werden. Kann nicht sein, dass jemand sich jedes Jahr ein neues Handy oder sonstige Kleinelektrik zulegt und dann aber lautstark gegen Prostitution wettert.


Auch wenn ich nicht zu der o.g. Gruppe gehöre, es ist legitim, sich für ein Verbot der Prostitution in Deutschland einzusetzen.
Illegitim ist es, aufgrund anderer international vorhandener Zwänge die Meinungsbildung und Entscheidung pro oder kontra unterbinden zu wollen. Wäre das legitim, könnten wird auf nahezu jedem Gebiet jede Diskussion und die darauffolgende Entscheidung mit dem Verweis auf anders gelagerte Missstände in anderen Staaten einstellen.
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Re: Sollte Prostitution legal sein?

Beitragvon Hyde » Di 5. Jul 2016, 13:15

Dampflok94 hat geschrieben:(04 Jul 2016, 11:15)

Das klingt jetzt, als wäre Prostitution ein neues Phänomen. Man redet aber gern und mit Recht vom ältesten Gewerbe der Welt. Ein Verbot wäre wohl ähnlich wirksam wie die Prohibition in den USA. Es geht hier nämlich um den intensivsten Trieb, den der Mensch überhaupt hat. Da wird er sich durch Verbote nicht stören lassen.


Diese Argumentation verstehe ich nicht. Wenn man sagt, dass man etwas deswegen nicht verbieten möchte, "weil es eh weiterhin geschehen wird, trotz Verbot", dann darf man auch nicht verbieten, zu morden und zu stehlen, denn Mord und Diebstahl gibt es auch schon so lange, wie es Menschen gibt und wird, solange es Menschen geben wird, nie durch irgendwelche Verbotsgesetze ausgemerzt werden können.

Nur weil es nicht ausgemerzt werden kann, heißt das aber nicht, dass es der Staat deswegen dann in vorauseilender Resignation gleich erlauben sollte.
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Re: Sollte Prostitution legal sein?

Beitragvon Hyde » Di 5. Jul 2016, 13:38

Provokateur hat geschrieben:(04 Jul 2016, 11:32)

Ich glaube zwar, dass Hunger und Durst wesentlich intensivere Triebe sind, aber abgesehen davon, hast du recht.
Prostitution war auch nicht immer so negativ-moralisch aufgeladen wie heute. Im alten Rom galt Prostitution als etwas ganz normales, aus Babylon berichtet Herodot, dass sich dort jede Frau vor der Eheschließung gegen Geld einem anderen Mann hingeben musste. Auch für Tempelprostitution vielen sich viele Indizien. Erst die Werte des Christentums haben die Prostitution als etwas schlechtes hingestellt; ein Bild, welches sich heutzutage glücklicherweise wieder etwas.


Was genau ist das Argumentationsziel zu sagen, dass im alten Rom Prostitution "normal" war. Im alten Rom gab es auch Sklavenhandel und im alten Rom fehlte es an Frauenwahlrecht. Das heißt aber nicht, dass wir deswegen jetzt wieder Sklaven einführen müssen und wieder die politische Teilhabe der Frauen abschaffen müssen, "weil es ja im alten Rom auch so gewesen war". Gesellschaftliche Werte ändern sich.

Zumal Prostitution im römischen Reich sicherlich kein Zeichen von "Gleichberechtigung" oder irgendwelchen progressiven Werten war.

Es sollte auch gar nicht darum gehen, Prostitution aus religiösen Gründen zu verbieten. Das wären die falschen Gründe. Sondern aus Gründen der Menschenwürde und der Bekämpfung von patriarchalischen Strukturen. Deswegen wurde Prostitution ja auch bereits in skandinavischen Ländern wie Schweden verboten, die bei diesen Themen wie immer dem Rest der Welt einen Schritt voraus sind.
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Re: Sollte Prostitution legal sein?

Beitragvon Provokateur » Di 5. Jul 2016, 13:55

Hyde hat geschrieben:(05 Jul 2016, 14:38)
Es sollte auch gar nicht darum gehen, Prostitution aus religiösen Gründen zu verbieten. Das wären die falschen Gründe. Sondern aus Gründen der Menschenwürde und der Bekämpfung von patriarchalischen Strukturen. Deswegen wurde Prostitution ja auch bereits in skandinavischen Ländern wie Schweden verboten, die bei diesen Themen wie immer dem Rest der Welt einen Schritt voraus sind.


Hast du dir mal die Vergewaltigungszahlen aus Schweden angeschaut? Wesentlich höher als hier. Das sollte einem zumindest mal zu denken geben.

Und was spricht dagegen, wenn sich jemand aus freien Stücken für Sexarbeit entscheidet, ihn oder sie diesen Beruf ausüben zu lassen?
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Re: Sollte Prostitution legal sein?

Beitragvon Flat » Di 5. Jul 2016, 14:20

Provokateur hat geschrieben:(05 Jul 2016, 14:55)

Hast du dir mal die Vergewaltigungszahlen aus Schweden angeschaut? Wesentlich höher als hier. Das sollte einem zumindest mal zu denken geben.



Moin,

gab mir zu denken und mal kurz nachzuforschen.

Es ist offensichtlich in erheblichen Umfang ein rein statistisches Problem. Schweden zählt schlicht anders:

http://www.nzz.ch/international/europa/ ... 1.18729473
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Re: Sollte Prostitution legal sein?

Beitragvon Provokateur » Di 5. Jul 2016, 14:30

Flat hat geschrieben:(05 Jul 2016, 15:20)

Moin,

gab mir zu denken und mal kurz nachzuforschen.

Es ist offensichtlich in erheblichen Umfang ein rein statistisches Problem. Schweden zählt schlicht anders:

http://www.nzz.ch/international/europa/ ... 1.18729473


Und da gibt es auch gegenläufige Meinungen.

http://www.heise.de/tp/artikel/40/40288/1.html
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Re: Sollte Prostitution legal sein?

Beitragvon jack000 » Di 5. Jul 2016, 15:19

Dampflok94 hat geschrieben:(04 Jul 2016, 11:15)

Das klingt jetzt, als wäre Prostitution ein neues Phänomen. Man redet aber gern und mit Recht vom ältesten Gewerbe der Welt. Ein Verbot wäre wohl ähnlich wirksam wie die Prohibition in den USA. Es geht hier nämlich um den intensivsten Trieb, den der Mensch überhaupt hat. Da wird er sich durch Verbote nicht stören lassen.

Vor allem ist es so, dass (ähnlich der Cannabis-Diskussion) ein Verbot allenfalls in Nordkorea durchsetzbar ist, dass es sich um ein Verbrechen erstmal ohne Opfer handelt, d.h. beide Beteiligten haben das bekommen was sie wollten und sollte es Illegal sein schweigen eben beide.

Anders verhält sich das z.B. bei Einbrüchen. Da gibt es ein Opfer und einen Täter. Das Opfer wird den Gesetzesverstoß in jedem Fall bei der Polizei melden, da es eindeutig im Nachteil ist und damit auf keinen Fall einverstanden. Deswegen sind Einbrüche nachvollziehbar illegal.
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Re: Sollte Prostitution legal sein?

Beitragvon Hyde » Di 5. Jul 2016, 16:26

Provokateur hat geschrieben:(05 Jul 2016, 14:55)

Und was spricht dagegen, wenn sich jemand aus freien Stücken für Sexarbeit entscheidet, ihn oder sie diesen Beruf ausüben zu lassen?


Erstens glaube ich, dass die wenigsten dies wirklich freiwillig machen in dem Sinne, dass sie es aus Spaß an der Sexualität tun. Ich denke, dass (mal ganz abgesehen von Fällen der Zwangsprostitution von meist Osteuropäerinnen) Fälle wie diese die Regel sind (siehe erster Absatz des Artikels): http://m.swp.de/ulm/nachrichten/suedwes ... 42,3467672

Zweitens ist mein Hauptargument eher, dass Prostitution als staatlich unterstütztes Phänomen normativ eine patriarchalische Gesellschaft fördert, in der Männer den Frauen übergeordnet sind. Es geht mir nicht um Tabuisierung von Sexualität, es geht mir nicht darum, Sex als sittenwidrig zu bezeichnen. Ich habe zum Beispiel auch nichts gegen Pornografie, weil hier beide Geschlechter gleichberechtigt und gegen beiderseitige Bezahlung Sex haben und daher eher so etwas wie gleichberechtigte Künstler sind, die auf Augenhöhe agieren. Bei der Prostitution geht es aber um das einseitige, intime zur-Verfügung-stellen des weiblichen Körpers für den Mann, wo dieser seine Macht ausüben kann und vom idR einseitigen Wunsch nach Befriedigung getrieben ist, wofür er den weiblichen Körper ausnutzt.

Ist etwas schwierig, meine Gedanken dazu richtig in Worte zu fassen. Sehr interessant und aufschlussreich zu dem Thema finde ich übrigens folgenden Artikel: http://www.bpb.de/apuz/155371/deutschla ... bung?p=all

Hier wird deutlich, dass die Peoblematik meiner Meinung nach in Deutschland darin liegt, dass sich in Deutschland die Frage immer noch hauptsächlich darum dreht, ob Sexualität (und somit auch Prostitution) etwas "sittenwidriges" an sich habe. Dementsprechend sind selbst die Grünen in Deutschland erst so weit, dass sie als Reaktion auf die konservative Meinung, dass Sexualität etwas "sittenwidriges" an sich habe, Prostitution legalisieren möchten, um die Sexualität von dem Stigma der "Sittenwidrigkeit" zu befreien. Oder anders ausgedrückt: Prostitution war früher in Deutschland aus den "falschen Gründen" verboten - nämlich wegen angeblicher Sittenwidrigkeit. Dem traten die Grünen entgegen und legalisierten die Prostitution, da sie in ihr (zurecht) nichts sittenwidriges sahen. Erst wenn die Gesellschaft als Ganzes das Stadium überwunden hat, in Sexualität irgendeine Form von Sittenwidrigkeit zu sehen, erst dann wird in Deutschland das Bewusstsein wachsen, Prostitution wieder zu verbieten, und diesmal nicht aus den "falschen" Gründen (also aus überholten Moralvorstellungen bzgl Sexualität, sprich Sittenwidrigkeit), sondern aus den "richtigen" Gründen: dem Schutz der Würde, dem Schutz der betroffenen Frauen und der Gleichberechtigung der Geschlechter. Wie es in Schweden bereits geschehen ist.
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Re: Sollte Prostitution legal sein?

Beitragvon jack000 » Di 5. Jul 2016, 17:26

Hyde hat geschrieben:(05 Jul 2016, 17:26)

Erstens glaube ich, dass die wenigsten dies wirklich freiwillig machen in dem Sinne, dass sie es aus Spaß an der Sexualität tun. Ich denke, dass (mal ganz abgesehen von Fällen der Zwangsprostitution von meist Osteuropäerinnen) Fälle wie diese die Regel sind (siehe erster Absatz des Artikels): http://m.swp.de/ulm/nachrichten/suedwes ... 42,3467672

M.E. arbeiten mindestens 90% aller Arbeitnehmer in Deutschland nur aus dem Grund weil die das Geld brauchen und in einer Branche in der die mehr Geld verdienen als anderswo!
=> Ein jeder möchte in seiner Arbeitszeit so viel Geld verdienen wie möglich um in der Privatzeit das verwenden zu können ...

So unterstelle ich auch den Drogendealern im Görlitzer Park in Berlin, dass diese sich lieber einer legalen Beschäftigung (Wenn auch in der selben Branche) unterziehen würden selbst wenn es durch staatliche Vorschriften (u.a. durch Steuern, etc...) weniger Netto-Einnahmen gäbe ...
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Re: Sollte Prostitution legal sein?

Beitragvon Provokateur » Di 5. Jul 2016, 22:07

Hyde hat geschrieben:(05 Jul 2016, 17:26)

Erstens glaube ich, dass die wenigsten dies wirklich freiwillig machen in dem Sinne, dass sie es aus Spaß an der Sexualität tun. Ich denke, dass (mal ganz abgesehen von Fällen der Zwangsprostitution von meist Osteuropäerinnen) Fälle wie diese die Regel sind (siehe erster Absatz des Artikels): http://m.swp.de/ulm/nachrichten/suedwes ... 42,3467672


Und es gibt sie eben doch, die selbstbestimmten Sexarbeiterinnen.
Beispiel 1

Beispiel 2:

(AUCH eine Form der Prostitution. Und warum man den Mann zu Mickey Maus macht, verstehe ich auch nicht, ich hätte die Stimme übersprochen.)

Hyde hat geschrieben:(05 Jul 2016, 17:26)
Zweitens ist mein Hauptargument eher, dass Prostitution als staatlich unterstütztes Phänomen normativ eine patriarchalische Gesellschaft fördert, in der Männer den Frauen übergeordnet sind. Es geht mir nicht um Tabuisierung von Sexualität, es geht mir nicht darum, Sex als sittenwidrig zu bezeichnen. Ich habe zum Beispiel auch nichts gegen Pornografie, weil hier beide Geschlechter gleichberechtigt und gegen beiderseitige Bezahlung Sex haben und daher eher so etwas wie gleichberechtigte Künstler sind, die auf Augenhöhe agieren. Bei der Prostitution geht es aber um das einseitige, intime zur-Verfügung-stellen des weiblichen Körpers für den Mann, wo dieser seine Macht ausüben kann und vom idR einseitigen Wunsch nach Befriedigung getrieben ist, wofür er den weiblichen Körper ausnutzt.


Pornographie ist auch eines der wenigen Geschäftsfelder, in denen Frauen wesentlich mehr gezahlt wird als männlichen Darstellern. Der Preis ist aber eine noch höhere gesellschaftliche Ächtung als Prostitution - denn sie hatte ja nicht nur Sex mit vielen verschiedenen Männern, sie hatte Sex mit vielen verschiedenen Männern und jeder konnte es sehen. Bree Olson kann ein Lied davon singen: Klick.

Nur wenige schaffen den Absprung so sauber wie Sasha Grey.

Allerdings sehe ich die unterschiedliche Wertung nicht: Welchen Unterschied macht es, wenn eine Frau und ein Mann Sex haben und am Ende zahlt eine Seite der anderen Geld (gibt ja auch männliche Sexarbeiter), dass eine Kamera läuft?
Faktisch findet die selbe Handlung statt (okay, beim Porno gibt es Regieanweisungen; die gibt es bei der Prostitution aber auch. Es gilt: Wer zahlt, äußert seine Wünsche, wer handelt entscheidet, ob diesen Wünschen für den abgesprochenen Preis entsprochen wird).

Hyde hat geschrieben:(05 Jul 2016, 17:26)
Hier wird deutlich, dass die Peoblematik meiner Meinung nach in Deutschland darin liegt, dass sich in Deutschland die Frage immer noch hauptsächlich darum dreht, ob Sexualität (und somit auch Prostitution) etwas "sittenwidriges" an sich habe. Dementsprechend sind selbst die Grünen in Deutschland erst so weit, dass sie als Reaktion auf die konservative Meinung, dass Sexualität etwas "sittenwidriges" an sich habe, Prostitution legalisieren möchten, um die Sexualität von dem Stigma der "Sittenwidrigkeit" zu befreien. Oder anders ausgedrückt: Prostitution war früher in Deutschland aus den "falschen Gründen" verboten - nämlich wegen angeblicher Sittenwidrigkeit. Dem traten die Grünen entgegen und legalisierten die Prostitution, da sie in ihr (zurecht) nichts sittenwidriges sahen. Erst wenn die Gesellschaft als Ganzes das Stadium überwunden hat, in Sexualität irgendeine Form von Sittenwidrigkeit zu sehen, erst dann wird in Deutschland das Bewusstsein wachsen, Prostitution wieder zu verbieten, und diesmal nicht aus den "falschen" Gründen (also aus überholten Moralvorstellungen bzgl Sexualität, sprich Sittenwidrigkeit), sondern aus den "richtigen" Gründen: dem Schutz der Würde, dem Schutz der betroffenen Frauen und der Gleichberechtigung der Geschlechter. Wie es in Schweden bereits geschehen ist.


Ich denke nicht, dass bezahlte Sexarbeit in Deutschland verboten wird; auch nicht nach dem schwedischen Modell. Dann braucht nämlich nur eine Sexarbeiterin vor Gericht zu ziehen und ihr Recht nach Artikel 2 GG einzufordern.
Sex ist gut. Geld ist gut. Also kann Sex + Geld nur dann schlecht sein, wenn der Addition noch ein negativer Faktor hinzugefügt wird, wie Abhängigkeit oder Zwang.
Wenn die Politik allerdings darauf achtet, dass Sexarbeit in Zukunft deutlicher professionalisiert wird (ich bin ja zum Beispiel dafür, dass Sexarbeiterinnen jährliche Prüfungen in Grundkenntnissen der Medizin (z.B. STDs erkennen und Ansteckungen vermeiden), Steuerwesen (für die Steuererklärung als Selbstständige) und Selbstverteidigung (für den Umgang mit gewalttätigen Freiern) nachweisen müssten, um in dem Bereich arbeiten zu dürfen), dann entwickelt sich mit Sicherheit auch ein normalisiertes Verhältnis zu dieser Arbeit.
Man könnte diese Prüfungen mit einem Ausweis kombinieren; der Freier ist in der Pflicht, sich diesen Ausweis zeigen zu lassen. Kommt er dieser Verpflichtung nicht nach, so zahlen bei einer Kontrolle beide ein Bußgeld, das ruhig im niedrigen vierstelligen Bereich liegen kann.
Das tut weh genug, ohne die Leute zu ruinieren.
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Re: Sollte Prostitution legal sein?

Beitragvon vogulin » Sa 9. Jul 2016, 14:13

Hyde hat geschrieben:(05 Jul 2016, 17:26)
Zweitens ist mein Hauptargument eher, dass Prostitution als staatlich unterstütztes Phänomen normativ eine patriarchalische Gesellschaft fördert, in der Männer den Frauen übergeordnet sind. Es geht mir nicht um Tabuisierung von Sexualität, es geht mir nicht darum, Sex als sittenwidrig zu bezeichnen. Ich habe zum Beispiel auch nichts gegen Pornografie, weil hier beide Geschlechter gleichberechtigt und gegen beiderseitige Bezahlung Sex haben und daher eher so etwas wie gleichberechtigte Künstler sind, die auf Augenhöhe agieren. Bei der Prostitution geht es aber um das einseitige, intime zur-Verfügung-stellen des weiblichen Körpers für den Mann, wo dieser seine Macht ausüben kann und vom idR einseitigen Wunsch nach Befriedigung getrieben ist, wofür er den weiblichen Körper ausnutzt.


Das ist sicherlich ein schwieriger Ansatz, weil die weibliche Sexualität anders als die von Männern, vorsichtig formuliert, wohl weniger vom Wunsch nach sexueller Befriedigung getrieben ist, als umgekehrt. Warum soll nun in der einvernehmlichen Ausübung des Geschlechtsverkehrs gegen Bargeld männliche Machtausübung liegen? Letztlich ist das ein zweiseitiges Geschäft, welches beide Parteien eingehen können oder auch nicht. Wie sieht es denn mit der Ausübung des Geschlechtsverkehrs mit einer "Bekannten" anlässlich eines gemeinsamen Wochenendaufenthaltes in Timmendorfer Strand aus, bei dem sie sich in einem guten Hotel mit gemeinsamem Abendessen am Freitag und Samstag, natürlich alles auf seine Kosten, in den jeweiligen Nächten vornehmlich deshalb hingibt, weil sie weiß, dass es in den dortigen Boutiquen (Sonntagsöffnung!) viele schöne Dinge gibt, von denen sie sich am Samstag und Sonntag das eine oder andere Geschenk aussuchen darf? Und wie, wenn sich eine Frau eigenem Bekunden nach vor allem deshalb jemandem langfristig einlassen will, ihn am liebsten heiraten würde, damit nach eigener Aussage wohlgemerkt, "sie endlich ihre materielle Absicherung kriegt und was für sie rumkommt"? Wie sieht es da mit der Machtausübung aus? Für mich ist das ein Ansatz, denn ich schwer akzeptieren kann. Man könnte sagen: Je mehr für die Frau rausspringt, um so weniger erduldet sie männliche Machtausübung. Und im Übrigen: Wie sieht es eigentlich mit der weiblichen Machtausübung über den Mann qua seiner Triebstruktur aus? In den Beispielen, die ja nun so unrealistisch nicht sind, meine ich, rutscht diese dann ganz stark in Richtung Frau. Das ist aber hierzulande allgemein toleriert und interessiert niemanden.

Das Ganze ließe sich nur dann stichhaltig argumentieren, wenn man davon ausgeht, dass sich die Frau im einen Falle aus Liebe / dem Wunsch nach eigener sex. Befriedigung hingibt - dann okay. Alle anderen Fällen geht ihr mehr oder weniger ausschließlich um Geld, wobei natürlich sicherlich auch Sympathie im Spiele sein mag, aber die ist beim "Geldfreier" und seiner Stammprostituierten womöglich auch vorhanden. Dann sind eigentlich diese anderen Formen ebenso zu missbilligen und da hier keine trennscharfe Abgrenzung möglich sein dürfte, artet das Ganze in Gesinnungsschnüffelei aus. Das soll i.ü. in Schweden die Strafverfolgung auch erschweren, weil sich beim Sex niemand mit den Fingern in der Geldkatze mehr erwischen lässt.
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Re: Sollte Prostitution legal sein?

Beitragvon Selina » Do 6. Okt 2016, 18:22

Zur Frage "Sollte Prostitution legal sein?" ein ganz klares Ja. Allerdings müsste es eine stärkere Interessenvertretung in Form von Gewerkschaften und Verbänden geben, um die Frauen und Männer (die ja auch in dem Gewerbe arbeiten), zu schützen und ihnen eine Stimme zu geben. Da gibt es natürlich Ansätze dafür, aber diese gesellschaftliche Interessenvertretung steckt meines Erachtens noch in den Kinderschuhen. Oder? Kennt sich damit jemand aus? Denn erst, wenn die Prostitution eine ganz normale, legale und anerkannte Dienstleistung ist, kann man auch die Rechte der in diesem Gewerbe Arbeitenden stärken. Insgesamt könnte in solch einem anerkannten "Sex-System" auch besser gegen Zwangs- und Kinderprostitution vorgegangen werden. Einfach, weil alles bekannter und durchschaubarer wäre.
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Re: Sollte Prostitution legal sein?

Beitragvon Occham » Di 18. Okt 2016, 08:39

Selina hat geschrieben:(06 Oct 2016, 19:22)

Zur Frage "Sollte Prostitution legal sein?" ein ganz klares Ja. Allerdings müsste es eine stärkere Interessenvertretung in Form von Gewerkschaften und Verbänden geben, um die Frauen und Männer (die ja auch in dem Gewerbe arbeiten), zu schützen und ihnen eine Stimme zu geben. Da gibt es natürlich Ansätze dafür, aber diese gesellschaftliche Interessenvertretung steckt meines Erachtens noch in den Kinderschuhen. Oder? Kennt sich damit jemand aus? Denn erst, wenn die Prostitution eine ganz normale, legale und anerkannte Dienstleistung ist, kann man auch die Rechte der in diesem Gewerbe Arbeitenden stärken. Insgesamt könnte in solch einem anerkannten "Sex-System" auch besser gegen Zwangs- und Kinderprostitution vorgegangen werden. Einfach, weil alles bekannter und durchschaubarer wäre.

Diese art von Zusammenkunft gedeiht ja eigentlich im "Rotlicht", da wo niemand hinschaut... wäre genügend Bewusstsein da... gäbe es diese Art von "Zusammenkunft" gar nicht, aber jeder geht andere Wege, weshalb ich das niemand absprechen will, ich finde es nur lustig, dem ganzen eine noch größere und stärkere gesellschaftliche Interessenvertretung verpassen zu wollen. Aber wenn es sein muss.

Warum nicht
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Re: Sollte Prostitution legal sein?

Beitragvon Occham » Sa 24. Dez 2016, 08:14

Heut hatte ich eine tolle Erkenntnis, Esoterik ist für Prostituierte das gleiche wie für manche Frauen die Emanzipation. Ein Weg in die Selbstständigkeit, raus aus der Prostitution. Das finde ich gut :)
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Re: Sollte Prostitution legal sein?

Beitragvon Fuerst_48 » Sa 24. Dez 2016, 10:01

Occham hat geschrieben:(24 Dec 2016, 08:14)

Heut hatte ich eine tolle Erkenntnis, Esoterik ist für Prostituierte das gleiche wie für manche Frauen die Emanzipation. Ein Weg in die Selbstständigkeit, raus aus der Prostitution. Das finde ich gut :)

Den Lebensunterhalt via ESOTERIK bestreiten? Oder wie soll man den Gedanken von dir verstehen??

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