Männerquote im Studium

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Nathan
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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon Nathan » So 9. Aug 2015, 11:01

Dampflok » So 9. Aug 2015, 08:54 hat geschrieben:Mal abgesehen von der Zweifelhaftigkeit der von der regierung in Auftrag gegebenen Studie mit gewünschtem Ausgang:

Was haben weibliche Aufsichtsräte mit einer Quote beim Medizinstudium zu Tun?

Richtig: Nichts.



Falsch: Vieles. Streng dich an oder scheiterst du bereits an einer so schlichten Logikaufgabe?
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Nathan
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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon Nathan » So 9. Aug 2015, 12:06

Nightwatch » So 9. Aug 2015, 10:06 hat geschrieben:Der Heuchler-Vorwurf gibt in diesem Kontext ohne weitere Ausführung keinen Sinn.

Ich halte es für sinnvoll, zwischen rechtsextremer Ideologie und Praxis zu unterscheiden. Deren Ideal ist sicherlich die Hausfrau, die den reinrassigen Nachwuchs zur Welt bringt, aber lassen sich die Frauen darauf reduzieren? Deren Lebensentwurf sieht eine Ausbildung oder gar ein Studium sowie ein eigenes Einkommen vor, bevor eine Familie gegründet wird. In dieser Hinsicht orientieren sich diese Frauen an die heutige bürgerliche Praxis und nicht an die romantisierten 50er Jahre. Teile der Emanzipation sind bei den rechtsextremen Dumpfbacken zu einer Selbstverständlichkeit geworden.

Die Grünen haben ihre pazifistischen Ideale verraten und sich damit in ihren Wertvorstellungen gewandelt.

Du wirst in jeder politischen Ecke einen Wandel oder eine Werteverschiebung entdecken, der sich im Laufe der Zeit ereignet hat. Manche Änderungen waren radikal, andere erfuhren nur geringfügige Modifikationen. Das bringt der Fortschritt mit sich. Auch sehe ich einen Zusammenhang zu der Anzahl der Befürworter einer Änderung. Eine Gleichberechtigung hat eine breite Mehrheit hinter sich, was man vom Pazifismus nie behaupten konnte.
...


Diese nun auch in Parlament und Bundesrat etablierte positive Einstellung zur Quotenregelung ist insofern typische politische Heuchelei, als dadurch klar wird, dass überhaupt kein Interesse besteht, einen grundsätzlichen Wertewandel in unserer Gesellschaft zu unterstützen, sondern man im Gegenteil mit dieser Regelung hofft, die Wogen der Emanzipation wieder ein bisschen zu glätten OHNE anstrengende und ungewünschte Schritte unternehmen zu müssen, das Übel an der Wurzel zu packen. Das hat wohl nicht nur den Grund, altes patriarchalisches Erbe zu sichern, sondern es herrscht(!) vielfach die Ansicht, Frauen würden sich für die hammerharten Führungsjobs in den obersten Etagen des Kapitalismus nicht gut eignen. Ich neige übrigens ganz für mich dazu, diese Ansicht zu teilen...*wegduck*

Teile der Emanzipation sind bei den rechtsextremen Dumpfbacken zu einer Selbstverständlichkeit geworden

Ich kann nur hoffen, dass deine Informationen qualifizierter sind als meine. Was ich so erlebe, höre und lese weist eher auf das Gegenteil hin. Beate Zschäpe z. B. ist für mich der Inbegriff eines rechtsextremen Multifunktionsweibchens, das für mich zweifellos die Führerrolle in dem Trio spielte. Dies war aber nicht Folge eines expliziten Emanzipationsprozesses, sondern Folge erstens ihrer Rolle als mütterlicher Sexualpartner und zweitens ihrer Rolle als intellekteller Mastermind, ohne dessen organisatorisches Geschick mindesten 8 von 9 Opfern noch leben würden.
Aber darüber lasse ich mit mir reden. Möglichwerweise sehe ich in dem Punkt auch nicht genügend klar. Das Frauenbild, was in den rechtsextremen Foren verbreitet wird spottet jedenfalls jeder Beschreibung und ruft gelegentlich sogar vorsichtige Widerworte aus den eigenen Reihen hervor.

Eine kleine und schon etwas ältere Studienarbeit aus Münster kommt übrigens zu dem Ergebnis, dass 70% der Befürworter der Gleichberechtigung der Meinung sind, diese müsse von dem jeweils einzelnen Bürger ausgehen und könne nicht sinnvoll vom Staat geregelt werden. Dieser Erkenntnis schließe ich mich unbedingt an, wie bereits gesagt.

Die Grünen haben ihre pazifistischen Ideale verraten und sich damit in ihren Wertvorstellungen gewandelt.

Nicht nur diese... Das System von innen zu korrumpieren hat nicht funktioniert. Bis jetzt hat noch jedes System seine Helfer korrumpiert. Ich hätte es damals Petra Kelly gerne selbst gesagt aber sie hatte es schon früher als ich verstanden...
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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon Nightwatch » So 9. Aug 2015, 16:06

Nathan » So 9. Aug 2015, 13:06 hat geschrieben:
Diese nun auch in Parlament und Bundesrat etablierte positive Einstellung zur Quotenregelung ist insofern typische politische Heuchelei, als dadurch klar wird, dass überhaupt kein Interesse besteht, einen grundsätzlichen Wertewandel in unserer Gesellschaft zu unterstützen, sondern man im Gegenteil mit dieser Regelung hofft, die Wogen der Emanzipation wieder ein bisschen zu glätten OHNE anstrengende und ungewünschte Schritte unternehmen zu müssen, das Übel an der Wurzel zu packen.

Eine Aufklärung findet ja statt; es spricht sich seit geraumer Zeit herum, daß keine Leistungsgerechtigkeit vorliegt, sondern nach sozialen Faktoren selektiert wird. Aber die Aufklärung stellt nicht das einzige Instrument dar, eine Änderung herbeizuführen. Die Politik ist ein anderes Instrument, das einzig und allein geschaffen wurde, um Interessen positiv zu vertreten und durchzusetzen. Und ich sehe derzeit kein Interesse, die Frauenbewegung ruhig zu stellen, weil die Frauenquote nur als temporäre Lösung verstanden wird.

Nathan » So 9. Aug 2015, 13:06 hat geschrieben:
Ich kann nur hoffen, dass deine Informationen qualifizierter sind als meine. Was ich so erlebe, höre und lese weist eher auf das Gegenteil hin. Beate Zschäpe z. B. ist für mich der Inbegriff eines rechtsextremen Multifunktionsweibchens, das für mich zweifellos die Führerrolle in dem Trio spielte. Dies war aber nicht Folge eines expliziten Emanzipationsprozesses, sondern Folge erstens ihrer Rolle als mütterlicher Sexualpartner und zweitens ihrer Rolle als intellekteller Mastermind, ohne dessen organisatorisches Geschick mindesten 8 von 9 Opfern noch leben würden.
Aber darüber lasse ich mit mir reden. Möglichwerweise sehe ich in dem Punkt auch nicht genügend klar. Das Frauenbild, was in den rechtsextremen Foren verbreitet wird spottet jedenfalls jeder Beschreibung und ruft gelegentlich sogar vorsichtige Widerworte aus den eigenen Reihen hervor.

Beate Zschäpe ist ausgelernte Gärtnerin und verfügt damit über einen höheren Bildungsabschluss als Magda Goebbels, die das ideale Frauenbild in rechtsextremen Kreisen verkörpert.
Ich hatte aber NPD-Spitzenkandidateninnen im Sinn gehabt. Die haben alle studiert und begnügen sich nicht mit der Rolle als Gebärmaschine und Hausfrau, sondern wollen auch noch mitreden.
Oder schau Dir die AfD an, die den Feminismus ablehnt und von Genderwahn faselt. Die Parteivorsitzende ist promovierte Akademikerin und war selbständig.
Werden diese Frauen als Emanzen beschimpft? Ich konnte nichts finden und glaube auch nicht, daß dies in nennenswerter Form geschieht, weil gebildete Frauen mittlerweile zum Alltag gehören.
Nathan » So 9. Aug 2015, 13:06 hat geschrieben:Eine kleine und schon etwas ältere Studienarbeit aus Münster kommt übrigens zu dem Ergebnis, dass 70% der Befürworter der Gleichberechtigung der Meinung sind, diese müsse von dem jeweils einzelnen Bürger ausgehen und könne nicht sinnvoll vom Staat geregelt werden. Dieser Erkenntnis schließe ich mich unbedingt an, wie bereits gesagt.

Die Leute bringen sich paradoxerweise mit dem Staat nicht in Verbindung.
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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon Nathan » So 9. Aug 2015, 17:31

Nightwatch » So 9. Aug 2015, 17:06 hat geschrieben:Eine Aufklärung findet ja statt; es spricht sich seit geraumer Zeit herum, daß keine Leistungsgerechtigkeit vorliegt, sondern nach sozialen Faktoren selektiert wird. Aber die Aufklärung stellt nicht das einzige Instrument dar, eine Änderung herbeizuführen. Die Politik ist ein anderes Instrument, das einzig und allein geschaffen wurde, um Interessen positiv zu vertreten und durchzusetzen. Und ich sehe derzeit kein Interesse, die Frauenbewegung ruhig zu stellen, weil die Frauenquote nur als temporäre Lösung verstanden wird.

Das war jetzt nicht ganz eindeutig. Wie wolltest du den kausalen Zusammenhang verstanden wissen - wird für dich die Quote als temporäre Lösung verstanden und deswegen die Frauenbewegung nicht ruhig gestellt, oder gerade nicht?

Beate Zschäpe ist ausgelernte Gärtnerin und verfügt damit über einen höheren Bildungsabschluss als Magda Goebbels, die das ideale Frauenbild in rechtsextremen Kreisen verkörpert.
Ich hatte aber NPD-Spitzenkandidateninnen im Sinn gehabt. Die haben alle studiert und begnügen sich nicht mit der Rolle als Gebärmaschine und Hausfrau, sondern wollen auch noch mitreden.
Oder schau Dir die AfD an, die den Feminismus ablehnt und von Genderwahn faselt. Die Parteivorsitzende ist promovierte Akademikerin und war selbständig.
Werden diese Frauen als Emanzen beschimpft? Ich konnte nichts finden und glaube auch nicht, daß dies in nennenswerter Form geschieht, weil gebildete Frauen mittlerweile zum Alltag gehören.

Achso, ja, natürlich. Die Kraft des Faktischen macht ja auch vor der NPD nicht halt. Interessantes Phänomen, dass aktuell die Neue Rechte von weiblichen Führern dominiert wird und klar, die werden nicht als Emanzen beschimpft, weil sich die Vertreter der neuen Rechten sowieso keine klare Vorstellung machen, was das eigentlich ist. Dieser Hass auf die "Emanzen" ist wohl eher Beifang des Hasses auf alles "Linksgrüne", in dessen Reihen fälschlich die Quelle des Feminismus vermutet wird. Auch eine Frage der Bildung natürlich. Simone de Beauvoir und "Le Deuxième Sexe" dürften eher nicht zur Standardlektüre in den Kameradschaftskellern gehören [Vielleicht ist das aber auch nur ein blödes Vorurteil von mir...wer weiß es?]

Die Leute bringen sich paradoxerweise mit dem Staat nicht in Verbindung.

Find ich nicht so sehr paradox. Mit "Staat" ist eine behördliche Regelung gemeint und eine solche ist durchaus abstrakter als ein konkretes (Er)leben der Gleichberechtigung im Alltag. Diese Abstraktion schafft immer wieder eine deutliche Distanz. Das müsste/dürfte nicht so sein, aber "der Staat sind wir" als Volkscredo ist doch eine arg romantisierende Vorstellung. Die Staaten bestehen heutzutage nicht mehr nur aus ihrem Staatsvolk sondern auch aus einem dicken Bündel internationaler Verträge, die noch Gültigkeit haben, wenn die das Volk vertretenden Urheber schon lange abgewählt sind. Ich möchte nicht von mir behaupten "ich bin der Staat", weil dieser Staat doch einiges anders macht als ich es machen würde. Insgesamt ist seine performance allerdings immerhin so gut, dass ich mich bei allen Mängeln noch ganz wohl fühle...erst kommt das Fressen und dann die Moral...du kennst das bestimmt...und ich nehme mich da nicht aus ;-)
Zuletzt geändert von Nathan am So 9. Aug 2015, 17:38, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon Agesilaos Megas » So 9. Aug 2015, 20:40

Katenberg » Mo 20. Jul 2015, 17:39 hat geschrieben:
Ich spreche davon, dass Mädchen meistens eben mit Auswendiglernen durch die Schule kommen. Die Erkenntnis basiert auf Erfahrung, die Bezeichnung "meistens" auf Vermutung. Damit meine ich jetzt auch nicht, dass es immer so sein muss. Eine gute Schule wird sich auch dadurch auszeichnen, dass Frauen auch zu anderen Mitteln ermutigt werden.



Das klingt gewaltig nach "Penisneid" - oder so.

Übrigens werden Mädchen auch statistisch früher eingeschult als Jungens. 61% der Förderschüler sind Jungens. Hauptschulen haben mehr Jungens. Etwas mehr Mädels werden für das Gymnasium empfohlen. Ob das alleinig an "Tafelbildern" liegt? IGLU zeigt, dass Jungens schlechtere Lesekompetenzen haben, dafür aber etwas besser rechnen können, mit dem Unterschied aber, dass bei den Jungens die Lesekompetenz mehr und mehr zurückfällt - um ein Jahr mittlerweile.

Wer nicht lesen kann, kann weder schreiben noch Gedanken formulieren, scheitert in jeder Klausur jenseits des Rechnens. Es ist eine oftmals unterschätzte Grundkompetenz, Rollenbilder noch hinzu - fertig ist der Salat des Scheiterns. Vllt. liegt ja das Übel nicht im diabolischen "Mädchen können doch eh nichts!"-Kanon reaktionärer Schwachmaten, sondern vielmehr in der ernsten Situation der Didaktik Deutsch und einer gewissen Disziplinlosigkeit der Jungens in diesem Bereich (Mädchen lesen durchschnittlich mehr Bücher als Jungens).


Vor der eigenen Tür kehren - das ist die Devise.
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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon Agesilaos Megas » So 9. Aug 2015, 20:52

SoleSurvivor » Mo 20. Jul 2015, 20:59 hat geschrieben:Die Prüfungsergebnisse sind in der Ausgestaltung und Auswahl der Lernstoffe schon vorbereitet.


Gut nur, dass man z.B. in Abitur-Prüfungen aus verschiedenen Themenbereichen wählen kann, um eben eine "Vorbereitung" der Ergebnisse eben nicht zu bewirken... :rolleyes:

Wer in Deutsch zwischen Lyrik, Epik, Dramatik (hist., 20. Jhdt.), Sachtext, kreativem Schreiben und journalistischen Aufgaben wählen kann, der muss kein Tütü tragen, um durchzukommen.

Vllt. sollten die Jungens einfach einmal anfangen, sich auf den Hosenboden zu setzen. ;)
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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon Agesilaos Megas » So 9. Aug 2015, 20:55

Dingo » Di 21. Jul 2015, 15:51 hat geschrieben:Mädchen werden bei gleicher Leistung eine Note besser bewertet? Tatsächlich?

Also hätte ein Junge, der wie ich alle Aufgaben einer Matheklausur + Zusatzaufgabe (die gab's manchmal, gab keine Punktabzüge, wenn sie nicht gelöst wurde) korrekt gelöst hätte, nur eine Zwei bekommen?

Ich bezweifle ganz stark, daß irgendein Lehrer damit durchgekommen wäre. :cool:



Das sind Hirngespinster, keine Sorge.

Was man aber feststellen kann: Lehrer diskriminieren Geschlechter bei Erwartungen; so für die Empfehlung zum Gymnasium, wo einige Bundesländer durchschnittlich höhere Anforderungen an ein Geschlecht anbinden. Ein System lässt sich da nicht ausmachen, möglicherweise ist das von Lehrer zu Lehrer unterschiedlich.

Die Leute denken immer, unser Bildungswesen ist auf Knopfdruck steuer- und manipulierbar. :rolleyes:
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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon Nathan » Mo 10. Aug 2015, 11:46

Agesilaos Megas » So 9. Aug 2015, 21:40 hat geschrieben:

Das klingt gewaltig nach "Penisneid" - oder so.

Übrigens werden Mädchen auch statistisch früher eingeschult als Jungens. 61% der Förderschüler sind Jungens. Hauptschulen haben mehr Jungens. Etwas mehr Mädels werden für das Gymnasium empfohlen. Ob das alleinig an "Tafelbildern" liegt? IGLU zeigt, dass Jungens schlechtere Lesekompetenzen haben, dafür aber etwas besser rechnen können, mit dem Unterschied aber, dass bei den Jungens die Lesekompetenz mehr und mehr zurückfällt - um ein Jahr mittlerweile.

Wer nicht lesen kann, kann weder schreiben noch Gedanken formulieren, scheitert in jeder Klausur jenseits des Rechnens. Es ist eine oftmals unterschätzte Grundkompetenz, Rollenbilder noch hinzu - fertig ist der Salat des Scheiterns. Vllt. liegt ja das Übel nicht im diabolischen "Mädchen können doch eh nichts!"-Kanon reaktionärer Schwachmaten, sondern vielmehr in der ernsten Situation der Didaktik Deutsch und einer gewissen Disziplinlosigkeit der Jungens in diesem Bereich (Mädchen lesen durchschnittlich mehr Bücher als Jungens).


Vor der eigenen Tür kehren - das ist die Devise.


Wie gewohnt schöne Analyse insgesamt! Die Jungens haben vergleichsweise ein besseres mediales Angebot als Mädchen. Fanden früher Tötungsspiele in Buch und Comicheft, Groschenromanen etc. statt, so werden sie heute breiträumig in Form von quasi-realen Videospielen angeboten. Bücher zu lesen ist zur Befriedigung des Killerinstinktes nicht mehr erforderlich, heute läuft der Film nicht mehr im Kopf sondern auf dem Monitor.
(Junge) Frauen finden meistens an diesen blutigen Höllenszenarien wenig Gefallen. Für Bücher wie "Der Junge, der Träume schenkte", "Für jede Lösung ein Problem" oder auch "Honigtot", aktuelle, von Frauen bevorzugte Romane (aber nicht nur, ich z.B. hab sie auch gelesen) gibt es keine Videospielübersetzung. Da bleibt nichts anderes übrige als zu lesen, was als weiteren Vorteil ein stetiges Anwachsen der Sozialkompetenz und eine Erweiterung des Bildungshorizonts bewirkt. Moderne Frauen sind tendenziell sprachgewandter und empathiefähiger und denken deswegen auch präziser als junge Männer, die Bücher unter den Computertisch stopfen damit er nicht mehr wackelt...
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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon Agesilaos Megas » Mo 10. Aug 2015, 14:29

Nathan » Mo 10. Aug 2015, 12:46 hat geschrieben:
Wie gewohnt schöne Analyse insgesamt! Die Jungens haben vergleichsweise ein besseres mediales Angebot als Mädchen. Fanden früher Tötungsspiele in Buch und Comicheft, Groschenromanen etc. statt, so werden sie heute breiträumig in Form von quasi-realen Videospielen angeboten. Bücher zu lesen ist zur Befriedigung des Killerinstinktes nicht mehr erforderlich, heute läuft der Film nicht mehr im Kopf sondern auf dem Monitor.
(Junge) Frauen finden meistens an diesen blutigen Höllenszenarien wenig Gefallen. Für Bücher wie "Der Junge, der Träume schenkte", "Für jede Lösung ein Problem" oder auch "Honigtot", aktuelle, von Frauen bevorzugte Romane (aber nicht nur, ich z.B. hab sie auch gelesen) gibt es keine Videospielübersetzung. Da bleibt nichts anderes übrige als zu lesen, was als weiteren Vorteil ein stetiges Anwachsen der Sozialkompetenz und eine Erweiterung des Bildungshorizonts bewirkt. Moderne Frauen sind tendenziell sprachgewandter und empathiefähiger und denken deswegen auch präziser als junge Männer, die Bücher unter den Computertisch stopfen damit er nicht mehr wackelt...



Oder Jungs ziehen neben dem PC-Spielen das Fußballspielen vor, die Aktivität, das Aktive vor dem verachteten passiven Stillsitzen, Konzentrieren und Lesen. Da kommen wieder alte Rollenbilder durch: "Du liest? Wie uncool." Und das fängt schon viel eher an, viel früher: Väter, die Söhnen keine Lesekultur vorleben (auch ein dreijähriger Knirps sollte Vater beim Zeitungslesen sehen), aber beim Fußball-TV am lautesten schreien, immer nur Mütter, die Kinderbücher vorlesen (ebenso Erzieherinnen), Nicht-Anerkennung von Malereien (Kritzelbriefe etc.) der Jungs (die sollen lieber an die frische Luft; lieber Baumaschinen oder Autos benennen können als in ein Märchen einzutauchen oder eine fantastische Geschichte), Rechtfertigung von Leistungsunterschieden (Jungs sind nun einmal besser im Rechnen), usw.

Bei beiden Geschlechtern muss ich noch anmerken, wie kreativitätstötend das deutsche Milieu generell ist. Aber das ist ein anderes Thema. :)
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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon Dampflok » Mo 10. Aug 2015, 16:17

Agesilaos Megas » So 9. Aug 2015, 20:55 hat geschrieben:

Das sind Hirngespinster, keine Sorge.

Was man aber feststellen kann: Lehrer diskriminieren Geschlechter bei Erwartungen; so für die Empfehlung zum Gymnasium, wo einige Bundesländer durchschnittlich höhere Anforderungen an ein Geschlecht anbinden. Ein System lässt sich da nicht ausmachen, möglicherweise ist das von Lehrer zu Lehrer unterschiedlich.

Die Leute denken immer, unser Bildungswesen ist auf Knopfdruck steuer- und manipulierbar. :rolleyes:
Du kannst glauben was Du willst, der Notenunterschied bei gleicher Leistung ist ganz offiziell vom Bildungsministerium festgestellt worden.

Zudem existiert eine interessante Korrelation zwischen feministisch regierten Bundesländern und der Größe des Notenunterschiedes.


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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon Dampflok » Mo 10. Aug 2015, 16:25

Agesilaos Megas » Mo 10. Aug 2015, 14:29 hat geschrieben:

Oder Jungs ziehen neben dem PC-Spielen das Fußballspielen vor, die Aktivität, das Aktive vor dem verachteten passiven Stillsitzen, Konzentrieren und Lesen. Da kommen wieder alte Rollenbilder durch: "Du liest? Wie uncool." Und das fängt schon viel eher an, viel früher: Väter, die Söhnen keine Lesekultur vorleben (auch ein dreijähriger Knirps sollte Vater beim Zeitungslesen sehen), aber beim Fußball-TV am lautesten schreien, immer nur Mütter, die Kinderbücher vorlesen (ebenso Erzieherinnen), Nicht-Anerkennung von Malereien (Kritzelbriefe etc.) der Jungs (die sollen lieber an die frische Luft; lieber Baumaschinen oder Autos benennen können als in ein Märchen einzutauchen oder eine fantastische Geschichte), Rechtfertigung von Leistungsunterschieden (Jungs sind nun einmal besser im Rechnen), usw.

Bei beiden Geschlechtern muss ich noch anmerken, wie kreativitätstötend das deutsche Milieu generell ist. Aber das ist ein anderes Thema. :)


Da ist er wieder, der Haß auf alles Traditionelle und auf alles Deutsche.

Putzig nur daß diese "Klischees" wie Du sie uns verkaufen willst, weltweit so auftreten, selbst in seit Jahrzehnten ach so feminisierten Staaten bei denen die Kinder außer "alle Männer müssen umerzogen werden" gar nichts Anderes mehr kennen.

Diese angeblichen "Klischees" sind inhärent, angeboren. Schon am ersten Tag nach der Geburt verhalten sich Jungen eher männertypisch. Da war definitiv noch Nichts mit der angeblichen geschlechtsspezifischen Erziehung.

Bei den Gewalttaten, da wird groß und breit, fast freudig, die fast ausschließliche männliche Gewalttäterschaft hervorgehoben. Daß das schon im Mutterleib gegebene Hormon Testosteron auch positive Seiten hat - Erfindergeist z.B. - das ruft den Neid der genderinnen hervor und das ist der Grund warum Jungen in Schulen ganz gezielt nicht das bekommen was sie zum Lernen benötigen.


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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon Agesilaos Megas » Mo 10. Aug 2015, 17:01

Dampflok » Mo 10. Aug 2015, 17:25 hat geschrieben:
Da ist er wieder, der Haß auf alles Traditionelle und auf alles Deutsche.

Putzig nur daß diese "Klischees" wie Du sie uns verkaufen willst, weltweit so auftreten, selbst in seit Jahrzehnten ach so feminisierten Staaten bei denen die Kinder außer "alle Männer müssen umerzogen werden" gar nichts Anderes mehr kennen.

Diese angeblichen "Klischees" sind inhärent, angeboren. Schon am ersten Tag nach der Geburt verhalten sich Jungen eher männertypisch. Da war definitiv noch Nichts mit der angeblichen geschlechtsspezifischen Erziehung.

Bei den Gewalttaten, da wird groß und breit, fast freudig, die fast ausschließliche männliche Gewalttäterschaft hervorgehoben. Daß das schon im Mutterleib gegebene Hormon Testosteron auch positive Seiten hat - Erfindergeist z.B. - das ruft den Neid der genderinnen hervor und das ist der Grund warum Jungen in Schulen ganz gezielt nicht das bekommen was sie zum Lernen benötigen.





Du verwechselst da eine Sache: Da ist kein Hass auf Deutsche, sondern nur auf frustrierte Teutonen da, die ihrer weinerlichen Misogynie im Internet freien Lauf lassen wollen.

Und Lesen ist nach wie vor eine Kulturtechnik, die in mehreren Phasen nach der Geburt erlernt wird - und die bei männlichen Pendants immer schlechter wird, wie auch Dein Beitrag zeigt. :)

Und Neid der Genderinnen? Nach allen Studien haben eher die Jungens Grund, grün vor Neid zu sein - und das von der KITA an.
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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon Agesilaos Megas » Mo 10. Aug 2015, 17:31

Dampflok » Mo 10. Aug 2015, 17:17 hat geschrieben:Du kannst glauben was Du willst, der Notenunterschied bei gleicher Leistung ist ganz offiziell vom Bildungsministerium festgestellt worden.

Zudem existiert eine interessante Korrelation zwischen feministisch regierten Bundesländern und der Größe des Notenunterschiedes.





Du kannst ja nicht einmal lesen. Ah, das ist so peinlich. Alles, was ich geschrieben habe, steht auch in der von Dir zitierten Studie:

Leider geht diese Orientierung teilweise
mit Desinteresse für Unterrichtsstoff oder geringerer Motivation einher. Die
Angst, als 'Streber' zu gelten, führt zu weniger schulischem Engagement und geringerer
Leistung, als zu erwarten wäre


Leistungsunterschiede zwischen Jungen und Mädchen sind nur für einige Unterrichtsfächer
erforscht.
Zwar sind die Leistungsunterschiede in den Kernfächern Mathematik und im
sprachlichen Bereich hinreichend erforscht.


Je geringer qualifizierend die Schulform, desto höher der Anteil an Jungen, ca. jeder
zehnte Junge bleibt ohne Schulabschluss.


Jungen orientieren sich in ihren Berufswünschen sowie den Ausbildungswegen an
tradierten Geschlechterbildern und ergreifen Berufe im handwerklichen und industriellen
Bereich. Dies kann sich aufgrund des Wandels zur wissensbasierten Dienstleistungsgesellschaft
zunehmend als riskante Strategie erweisen.


Übermäßiger Medienkonsum und negative Schulleistungen korrelieren miteinander.
(Nathans Beitrag).

Für das Fach Deutsch liegen zahlreiche Studien vor, die sich schwerpunktmäßig auf die
ersten Jahre der Schullaufbahn beziehen. Lesen und Verstehen von Texten stellt eine
grundlegende Schlüsselqualifikation für alle Formen des Lernens, des Aufbaus von
Wissensstrukturen, schulischen Erfolg wie auch für gesellschaftliche Teilhabe dar.


Beim Wortschatz finden sich kaum Geschlechterdifferenzen, bei freier Textproduktion
und in der Rechtschreibung haben Jungen Probleme, je weiter die Worte von
'Jungenwelten' entfernt sind, umso größer sind die Schwierigkeiten.


Die geringeren Leistungen im Deutschunterricht beeinflussen auch andere Schulfächer
negativ.


Zu Beginn der Schullaufbahn zeigen Jungen gute Deutschleistung, in der 5. Klasse
findet sich dann ein moderater Rückstand zu den Mädchen, der in der Jahrgangsstufe
9 zunimmt; in der Oberstufe findet sich wieder eine Annäherung.


Kleine Jungen erhalten durchschnittlich weniger Leseförderung durch ihre Eltern,
beispielsweise verfügen sie über weniger Kinderbücher, gehen seltener in Bibliotheken,
ihnen wird seltener vorgelesen usw. (vgl. Valtin/Wagner/Schwippert 2006). Eine
Längsschnittuntersuchung zur familialen und kindbezogenen Beeinflussung schulischer
Lernschwierigkeiten im Grundschulbereich von Joachim Tiedemann und
Günther Faber kommt zu dem Ergebnis, dass diese Differenzen nicht an den kogniti-
ven Voraussetzungen liegen können, da sich Jungen und Mädchen hier vor ihrer Einschulung
nicht unterscheiden (Tiedemann/Faber 1994).


Bei der
Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung IGLU liegen die Jungen in der 4.Klasse
mit 533 Punkten um 12 Punkte hinter den Mädchen (vgl. Bos u.a. 2005). Im internationalen
Vergleich ist diese Differenz jedoch ziemlich gering (vgl. Bos u.a. 2003), da in
der Gesamtstichprobe aller IGLU-Staaten Jungen 20 Punkte weniger erreichen, innerhalb
der EU-Staaten, die sich an der Studie beteiligt haben, immerhin noch 16 Punkte


Als größte Schwäche der Jungen erweist sich in allen Studien die Rechtschreibung.
Schon in der 1. Klasse stellen Schwenck und Schneider Differenzen fest (vgl.
Schwenck/Schneider 2003: 265f.), die sich im Laufe der Grundschule vergrößern (vgl.
Weinert/Helmke 1997). Im Untertest Orthographie der IGLU-Studie sind Jungen in
der 4. Klasse in den oberen Kompetenzstufen nur zu 38,5% vertreten, in den unteren
hingegen zu 56,7%. Interessant ist, dass die Rechtschreibekompetenz der Jungen vom
sozialen Bezug der Wörter abhängt. Für Jungen spielt es eine bedeutende Rolle, ob das
Wort aus einem männlich konnotierten Bereich stammt


Aufgrund der Tatsache, dass Mädchen bei den meisten Worten konstante
Leistungen zeigen, kann anders herum vermutet werden, dass Jungen bei 'Mädchenwörtern'
aufgrund der Ablehnung von Weiblichkeit schlechte Leistungen zeigen.


Die beiden bislang veröffentlichen PISA-Studien belegen, dass auch im Alter von 15
Jahren erhebliche Leistungsdefizite zu Ungunsten der Jungen existieren. In der PISAStudie
von 2003 liegen Jungen durchschnittlich um 42 Punkte signifikant hinter den
Mädchen.


Die geringeren Kompetenzen hängen mit teilweise geringerem Selbstkonzept und
niedrigerer Motivation zusammen. So fasst Christina Garbe in einem differenzbetonenden
Aufsatz zusammen,
„dass die Geschlechterunterschiede beim Lesen in drei Dimensionen beträchtlich sind [...] Mädchen
und Frauen lesen mehr als Jungen und Männer, [sie] lesen anderes und anders als Jungen und Männer,
[und ihnen] bedeutet das Lesen mehr als Jungen und Männern” (Garbe 2005: 2, Herv. i. O.).


Während die KESS-Studie für die Grundschule zu dem Ergebnis kommt, dass keine
Differenzen im Leseselbstkonzept existieren (vgl. Bos/Pietsch 2005), findet Garbe
heraus, dass in der 1. Klasse noch die Hälfte aller Jungen und 2/3 aller Mädchen ange-
20 Schulische Fächer
ben, „Spaß am Deutschunterricht“ zu haben. In der 4. Klasse ist diese Zahl bei Jungen
auf 28% zurückgegangen (vgl. Garbe 2005)


Auch die IGLU-Studie stellt fest, dass
mehr Jungen als Mädchen Lesen langweilig finden. In der Sekundarstufe pflanzt sich
der Trend fort. Jungen schätzen den Unterricht negativer ein und sind geringer motiviert.
Dieser Punkt gilt sogar bei gleichen Leistungen von Jungen und Mädchen. Dementsprechend
gibt nur die – auch international – geringe Zahl von 17% der Jungen
Lesen als Hobby an (vgl. Deutsches PISA-Konsortium 2001). Gleichzeitig ist der
Anteil der Jungen, die „nur lesen wenn sie müssen”, in Deutschland mit 52% signifikant
höher als in Vergleichsländern mit 46%. Je geringer qualifizierend die Schulform,
desto geringer ist dabei auch die Leseintensität (Garbe 2005: 5).


Als wichtige Textgenres, bei denen Jungen gute Erfolge und eine hohe Motivation
zeigen, werden Comics und Bauanleitungen genannt.


Das negative Selbstkonzept korrespondiert mit der Erwartungshaltung von Lehrkräften.
Dies hat teilweise gravierende Folgen, denn die Unterstellung schlechterer Leistungen
und geringerer Motivation überschneidet sich mit der Tatsache, dass Jungen
bei gleicher Kompetenz tendenziell schlechtere Noten erhalten als Mädchen. Auch
Eltern schätzen Jungen schlechter und vor allem unmotivierter ein als Mädchen, auch
wenn beide über das gleiche Kompetenzniveau verfügen (vgl. Bos u.a. 2003). So entwickelt
sich ein Zirkelschluss aus negativer Selbst- und Fremdzuschreibung, der in der
Sekundarstufe I die oben beschriebenen Auswirkungen zeigt.


Auch die oben
bereits erwähnte Studie von Ziegler u.a. findet ähnlich Einstellungen bei Physiklehrkräften.
Bei einer Stichprobe von 33 Physiklehrkräften halten knapp über 30% Jungen
– ähnlich wie die Mathematiklehrkräfte – generell für begabter. Die Mehrheit der
befragten Lehrkräfte würde Jungen die Studienfächer Mathematik, Physik sowie
Maschinenbau empfehlen


Erstaunlicherweise schlägt sich dies zumindest im Grundschulbereich nicht in besseren
Noten für die Jungen nieder. Wie auch in Deutsch und Mathematik erhalten Mädchen
bei gleichen Kompetenzen in Sachkunde bessere Noten als Jungen, obwohl die
Fähigkeitserwartung der Lehrkräfte Entgegengesetztes hätte vermuten lassen. Dies
kann damit zusammenhängen, dass Jungen weniger intensiv mitarbeiten (vgl.
Valtin/Wagner/Schwippert 2006: 18f.). Möglicherweise fließt aber auch die positive
Bewertung sozial angepassten Verhaltens
stärker in die Note ein als geschlechtstypische
Vorannahmen.


Weiterer Forschungsbedarf besteht im Hinblick auf die Frage, inwieweit negative
Verhaltens- und Leistungserwartungen mit dem Selbstkonzept der Jungen zusammenhängen
und welches Ausmaß das Phänomen des 'stereotype threat' zeigt.


Pfeiffer weist nach, dass schulischer Misserfolg aus mehreren Gründen mit übermä-
ßiger Mediennutzung einhergeht. Die Jungen „verarmen in ihrer sozialen Existenz”
(Pfeiffer u.a. o.J.: 3) und haben weniger Zeit für Hausaufgaben o.ä.. Darüber hinaus bietet
das eingeschränkte Freizeitverhalten weniger Bildungsanreize und kann gesundheitliche
Beeinträchtigungen zur Folge haben. Den bedeutendsten Grund sieht Pfeiffer
jedoch im Konsum gewalttätiger Darstellungen in Filme oder Computerspielen, da diese
sich sowohl negativ auf das neuronale System auswirken als auch antisoziales Verhalten
verstärken. Die emotional stark stimulierenden Bilder 'überlagern' den in der Schule
gelernten Stoff. Besondere Risikolagen werden bei Jungen aus bildungsfernen und
unterprivilegierten Elternhäusern gesehen, da hier alternative Freizeitangebote in grö-
ßerem Umfang fehlen.


Während die Lehrkräfte
ruhiges und störungsfreies soziales Verhalten honorieren, empfinden Jungen ihren
Zusammenhalt untereinander als positiv, den einige Lehrkräfte hingegen negativ werten
(vgl. Krebs 2002)


Für Jungen resultiert daraus ein unauflösbarer Widerspruch. Denn entweder verhalten
sie sich so, wie die stereotypen Bilder nahe legen und riskieren damit schulisch
unangepasstes Verhalten, das sanktioniert wird. Jungen erhalten bspw. in jenen Bundesländern,
in denen Kopfnoten für das Verhalten erteilt werden, durchschnittlich schlechtere
Noten als Mädchen (vgl. Beutel 2005). Somit wird 'klassisches' Jungenverhalten in
der Schule kritischer gesehen als ‚klassisches' Mädchenverhalten. Dies gilt – so kann
vermutet werden – nicht nur für die Kopfnote, sondern als allgemeine Tendenz für
Schule. Oder aber die Jungen agieren so, wie es die Lehrkräfte erwarten und verstoßen
damit gegen geschlechtliche Erwartungen. In diesem Widerspruch entscheiden sich
viele Jungen lieber für eine sichere geschlechtliche Identität als für unsicheren schulischen
Erfolg (vgl. Budde u.a. 2006).


Du kannst glauben, was Du willst, aber vllt. trägt ja eher das von Dir transportierte Jungen- und Männerbild dazu bei, dass Jungs in der sozialen Form des Unterrichts abkacken.

Für Deine Lesekompetenz jedoch finde ich kein geeignetes Wort. Und die deutsche Sprache ist voll von gemeinen, disqualifizierenden Wörtern.
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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon Nathan » Di 11. Aug 2015, 09:23

Agesilaos Megas » Mo 10. Aug 2015, 15:29 hat geschrieben:

Oder Jungs ziehen neben dem PC-Spielen das Fußballspielen vor, die Aktivität, das Aktive vor dem verachteten passiven Stillsitzen, Konzentrieren und Lesen. Da kommen wieder alte Rollenbilder durch: "Du liest? Wie uncool." Und das fängt schon viel eher an, viel früher: Väter, die Söhnen keine Lesekultur vorleben (auch ein dreijähriger Knirps sollte Vater beim Zeitungslesen sehen), aber beim Fußball-TV am lautesten schreien, immer nur Mütter, die Kinderbücher vorlesen (ebenso Erzieherinnen), Nicht-Anerkennung von Malereien (Kritzelbriefe etc.) der Jungs (die sollen lieber an die frische Luft; lieber Baumaschinen oder Autos benennen können als in ein Märchen einzutauchen oder eine fantastische Geschichte), Rechtfertigung von Leistungsunterschieden (Jungs sind nun einmal besser im Rechnen), usw.

Bei beiden Geschlechtern muss ich noch anmerken, wie kreativitätstötend das deutsche Milieu generell ist. Aber das ist ein anderes Thema. :)


Deswegen schaue ich die Spiele des FCB fast immer in Gesellschaft meiner Frau an. Sie repariert die Spülmaschine und ich kann trotzdem nicht kochen. Kein Platz für Klischees und meine Tochter spielt die drei Jungs nicht nur in Mathe derart an die Wand, dass ich manchmal eingreife und darauf verweise, dass Männer auch dann vernunftbegabte Wesen bleiben, wenn es sich gerade mal wieder nicht so anfühlt. Mit "Erebos" hatte ich bei den Jungs einige Motivationserfolge, auch mit dem "Kapital", leider aber nicht mit den deutschen Dichtern, sehr bedauerlich. Unser Haus besteht praktisch nur aus Bücherwänden (an den restlichen hängen Fernseher...), hilft aber nichts, im Zentrum des Denkens der Jungs stehen die modernen Rechenmonster mit schuhkartongroßen, doppelt gekühlten Grafikkarten und Monitoren, die ihre Oma immer für das moderne UHD-Fernsehen hält...auf diesen mondlandungssteuerungsfähigen Killermaschinen laufen Killerspiele mit fantastisch echten Todesschreien und -Kämpfen, täuschend echt nachgebildeten Gatlings mit überirdischer Feuergeschwindigkeit und finsteren Kommunisten, die man an den einzeln nummerierten Barthaaren leicht erkennen und abknallen kann. Echt geil, Mann. Das Ganze dann auch noch im Netz, was die Fritzbox (und mich) eine Menge Bandbreite kostet. Dabei wäre Schillers Lied von der Glocke so schön gewesen...*heul*

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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon Provokateur » Di 11. Aug 2015, 09:28

Wer Kindern viel vorliest, weckt den Bock auf selberlesen.

Klar, Computer sind einfach Bestandteil der Jugendkultur, man sollte als Kurzer zumindest WASD benutzen können, um nicht als Noob supreme abgestempelt zu werden.

Ein Buch aber, eines aus richtigem Papier...das ist unersetzlich und öffnet den Blick in eine neue Welt, die man sich selber gestaltet. Computer hingegen kauen vor und lassen wenig Platz für Interpretationen (von wenigen, lobenswerten Ausnahmen abgesehen).
Alles was hier verfasst wird, stellt meine persönliche Meinung dar. Ich bin kein Sprecher von irgendwem, speziell nicht meines Arbeitgebers.

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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon Nathan » Di 11. Aug 2015, 09:29

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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon Nathan » Di 11. Aug 2015, 09:46

Provokateur » Di 11. Aug 2015, 10:28 hat geschrieben:Wer Kindern viel vorliest, weckt den Bock auf selberlesen.
Klar, Computer sind einfach Bestandteil der Jugendkultur, man sollte als Kurzer zumindest WASD benutzen können, um nicht als Noob supreme abgestempelt zu werden.

Ein Buch aber, eines aus richtigem Papier...das ist unersetzlich und öffnet den Blick in eine neue Welt, die man sich selber gestaltet. Computer hingegen kauen vor und lassen wenig Platz für Interpretationen (von wenigen, lobenswerten Ausnahmen abgesehen).


hat bei uns nur sehr unzulänglich funktioniert wg. zerebralen Versagens des Pädagogen. Ich bin immer schneller eingeschlafen als die Kinder und nun habe ich den Salat...
Ansonsten hast du völlig recht, Filme, die direkt im Kopf ablaufen wenn man Bücher liest sind sehr viel intensiver, prägender, fördernder. Man sieht das wunderbar an mir, ich kann jetzt sogar barfuß übers Wasser laufen! Früher hatte ich mich sogar geweigert, Bücher über Amazon zu bestellen, weil ich Buchhandlungen liebe, auch den typischen Buchdruckgeruch und das im wahrsten Sinn des Wortes "Begreifen" der Materie. Seit man aber meinen Hugendubel umgebaut hat und ich nichts mehr finde bin ich beleidigt. Amazon ist zwar politisch völlig unkorrekt aber auch saupraktisch.
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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon Provokateur » Di 11. Aug 2015, 09:54

Nathan » Di 11. Aug 2015, 10:46 hat geschrieben: Ich bin immer schneller eingeschlafen als die Kinder und nun habe ich den Salat...


Das müssen sehr taugliche Geschichten gewesen sein. :D


Nathan » Di 11. Aug 2015, 10:46 hat geschrieben:Ansonsten hast du völlig recht, Filme, die direkt im Kopf ablaufen wenn man Bücher liest sind sehr viel intensiver, prägender, fördernder. Man sieht das wunderbar an mir, ich kann jetzt sogar barfuß übers Wasser laufen! Früher hatte ich mich sogar geweigert, Bücher über Amazon zu bestellen, weil ich Buchhandlungen liebe, auch den typischen Buchdruckgeruch und das im wahrsten Sinn des Wortes "Begreifen" der Materie. Seit man aber meinen Hugendubel umgebaut hat und ich nichts mehr finde bin ich beleidigt. Amazon ist zwar politisch völlig unkorrekt aber auch saupraktisch.


Ja, auch ich bin Amazon-Kunde. Vor allem, weil man da viele Sachen in praktischen Kilo-Gebinden bekommt. Und Empfehlungen. Darf es eine Telebeule zur Baclava sein? Hm, nett, oder 1000g wasserfreies Reincoffein zum Buch "Diplomarbeit für Dummies".

Das kann meine Buchhandlung mir nicht bieten. Allerdings kann ich da stöbern und wenn mich die Politikabteilung zu sehr runterzieht, gehe ich zu den Esoterik-Büchern, um ein wenig zu lachen.
"Lichttherapie für den Darm", ein großer Spaß.
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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon Nathan » Di 11. Aug 2015, 11:44

Provokateur » Di 11. Aug 2015, 10:54 hat geschrieben:
Das müssen sehr taugliche Geschichten gewesen sein. :D




Ja, auch ich bin Amazon-Kunde. Vor allem, weil man da viele Sachen in praktischen Kilo-Gebinden bekommt. Und Empfehlungen. Darf es eine Telebeule zur Baclava sein? Hm, nett, oder 1000g wasserfreies Reincoffein zum Buch "Diplomarbeit für Dummies".

Das kann meine Buchhandlung mir nicht bieten. Allerdings kann ich da stöbern und wenn mich die Politikabteilung zu sehr runterzieht, gehe ich zu den Esoterik-Büchern, um ein wenig zu lachen.
"Lichttherapie für den Darm", ein großer Spaß.


Hehe, danke für diese Anregung! Die Esoterikabteilung als Quell des Frohsinns und der Erheiterung - ja, das hat was.
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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon Agesilaos Megas » Do 13. Aug 2015, 04:08

Nathan » Di 11. Aug 2015, 10:23 hat geschrieben:
Deswegen schaue ich die Spiele des FCB fast immer in Gesellschaft meiner Frau an. Sie repariert die Spülmaschine und ich kann trotzdem nicht kochen. Kein Platz für Klischees und meine Tochter spielt die drei Jungs nicht nur in Mathe derart an die Wand, dass ich manchmal eingreife und darauf verweise, dass Männer auch dann vernunftbegabte Wesen bleiben, wenn es sich gerade mal wieder nicht so anfühlt. Mit "Erebos" hatte ich bei den Jungs einige Motivationserfolge, auch mit dem "Kapital", leider aber nicht mit den deutschen Dichtern, sehr bedauerlich. Unser Haus besteht praktisch nur aus Bücherwänden (an den restlichen hängen Fernseher...), hilft aber nichts, im Zentrum des Denkens der Jungs stehen die modernen Rechenmonster mit schuhkartongroßen, doppelt gekühlten Grafikkarten und Monitoren, die ihre Oma immer für das moderne UHD-Fernsehen hält...auf diesen mondlandungssteuerungsfähigen Killermaschinen laufen Killerspiele mit fantastisch echten Todesschreien und -Kämpfen, täuschend echt nachgebildeten Gatlings mit überirdischer Feuergeschwindigkeit und finsteren Kommunisten, die man an den einzeln nummerierten Barthaaren leicht erkennen und abknallen kann. Echt geil, Mann. Das Ganze dann auch noch im Netz, was die Fritzbox (und mich) eine Menge Bandbreite kostet. Dabei wäre Schillers Lied von der Glocke so schön gewesen...*heul*

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Ich muss eingestehen, dass ich die Männer-Rolle auch bei der Lektüre verinnerlicht habe: Vor und während meines Studium, auch heute noch, habe ich eine abgrundtiefe Abneigung gegenüber jeder Dichtung entwickelt. menin aeide, arma virumque cano - egomet vomito. Selbst deutsche Dichtung ("Dichtung" mal hier als antiker Terminus) erscheint mir häßlich und furchtbar, ob Opitz, Schiller, Goethe etc. - Reden und Historiographie bevorzugt, schon allein aus ästhetischen Gründen.

Das ist aber nicht naturgegeben: Im älteren deutschen Bildungsbetrieb und auch dafür war z.B. das Dichten fester Bestandteil, mehrsprachig. Auch ich dichtete einmal aus Begeisterung - das war aber vor dem Abitur.

Die Frage ist nur, wie man wieder Jungens an diese Sache heranführen kann. Die Mädels sind immer dafür zu begeistern. Man sollte z.B. neue Formen der Dichtung eröffnen, den kreativeren Umgang fördern. Der Formalismus stört doch immer: Rhythmen/Reime (Antike: Metrum). Warum nicht einmal "freestyle"-Reime mit den Jungens? Das macht der Rap auch schon vor.

Auch die Themen sind wichtig. Fasziniert hat mich immer die Entscheidung der Medea, ob sie ihre Kinder umbringt oder nicht. Extremsituationen. Keine moralische Belehrungen. Freude an der Emotion, Entsetzen bei den Entscheidungen. Vllt. kitztelst Du ja leicht Deinen Söhnen heraus, was sie motiviert: "Kennt ihr eine Frau, die ihre Familie zerstückelt und kocht?". :)

Nochmal zum Rollenbild: Ich muss zugeben, dass mir die dem Rollenbild nicht entsprechende Effie Briest sehr gefallen hat - es ist also nicht immer eine verinnerlichte Rollenfrage.
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