Männerquote im Studium

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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon frems » Do 6. Aug 2015, 15:05

Keoma » Do 6. Aug 2015, 13:54 hat geschrieben:
Nein.
Die Ehefrau vom Doktor wurde "Frau Doktor" betitelt.
Frau Doktorin entspringt der Genderdingsbums.
So wie das hochgestellte "a" bei Mag.

Okay, danke für die Aufklärung. Eine Frage noch. Ich hab zum letzten STANDARD-Artikel (Medizin-Aufnahmetests) eben mal die Kommentare überflogen. Gelten Luxemburger -- wie Südtiroler und Liechtensteiner -- in Österreich wirklich als Österreicher und nicht z.B. als EU-Bürger? :?:
Zuletzt geändert von frems am Do 6. Aug 2015, 15:06, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon Keoma » Do 6. Aug 2015, 15:28

frems » Do 6. Aug 2015, 16:05 hat geschrieben:Okay, danke für die Aufklärung. Eine Frage noch. Ich hab zum letzten STANDARD-Artikel (Medizin-Aufnahmetests) eben mal die Kommentare überflogen. Gelten Luxemburger -- wie Südtiroler und Liechtensteiner -- in Österreich wirklich als Österreicher und nicht z.B. als EU-Bürger? :?:


Wäre mir neu.
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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon frems » Do 6. Aug 2015, 15:40

Keoma » Do 6. Aug 2015, 16:28 hat geschrieben:
Wäre mir neu.

Hab dann mal recherchiert.

•Sonderregelungen: Luxemburger sind (wie Südtiroler oder Liechtensteiner) den Österreichern beim Studium gleichgestellt. Sie fallen nicht in die Mediziner-Quote, zahlen nicht mehr Studiengebühren als österreichische Staatsbürger und müssen keine Prüfung ablegen, um ihre Deutschkenntnisse zu beweisen.

http://diepresse.com/home/bildung/bildu ... studeieren

Warum das so ist, weiß ich nicht. Bei Südtirolern könnte ich's historisch ja noch verstehen, bei den Liechtensteinern vielleicht ein binationales Abkommen für Ärzte in Liechtenstein oder so. Aber Luxemburg ist dann ja doch ein paar Meter weg. Wie auch immer. Diese komischen Tests sind wohl für alle nach so merkwürdigen Regeln.
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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon Nathan » Do 6. Aug 2015, 16:35

Nightwatch » Do 6. Aug 2015, 14:17 hat geschrieben:Die Frauenquote ist sicherlich ein stumpfes Instrument, aber ein absurdes?
Unter den verlangten Qualifikationen fallen bekanntlich nicht nur formale Kriterien wie Abschlüsse oder Zertifikate, sondern auch Eigenschaften wie soziale Herkunft oder das Geschlecht. Diese leistungsunabhängigen Faktoren sollten in irgendeiner Form kompensiert werden, um Ungerechtigkeiten zu vermeiden.

Der ganze Kontext fehlt. Der österreichische Medizin-Aufnahmetest läßt sich durch kostspielige Vorbereitungskurse meistern. Es findet also eine soziale Selektion statt. Und natürlich spielen die unterschiedlichen Bildungssozialisationen von Jungen und Mädchen eine Rolle.


Ja, eben. Insofern ist es doch absurd, nicht alle Kriterien bis zum Schluss abzuarbeiten, bis sich ein Bewerber herauskristallisiert, sondern an irgendeinem Punkt "Gleichstand!" zu rufen und dann eine Frau einzustellen, weil sie eine Frau ist.
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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon Nightwatch » Do 6. Aug 2015, 18:18

Nathan » Do 6. Aug 2015, 17:35 hat geschrieben:
Ja, eben. Insofern ist es doch absurd, nicht alle Kriterien bis zum Schluss abzuarbeiten, bis sich ein Bewerber herauskristallisiert, sondern an irgendeinem Punkt "Gleichstand!" zu rufen und dann eine Frau einzustellen, weil sie eine Frau ist.
Es ist nicht möglich, alle Kriterien bis zum Schluss abzuarbeiten. Eine Objektivität der Bewertung liegt auch nicht vor. Du setzt hier unrealistische Maßstäbe an, um Absurdität vorzuwerfen.
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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon Keoma » Fr 7. Aug 2015, 06:53

frems » Do 6. Aug 2015, 16:40 hat geschrieben:Hab dann mal recherchiert.


http://diepresse.com/home/bildung/bildu ... studeieren

Warum das so ist, weiß ich nicht. Bei Südtirolern könnte ich's historisch ja noch verstehen, bei den Liechtensteinern vielleicht ein binationales Abkommen für Ärzte in Liechtenstein oder so. Aber Luxemburg ist dann ja doch ein paar Meter weg. Wie auch immer. Diese komischen Tests sind wohl für alle nach so merkwürdigen Regeln.


Wieder was gelernt.
Verstehen muss ich es ja nicht.
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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon Nathan » Fr 7. Aug 2015, 07:44

Nightwatch » Do 6. Aug 2015, 19:18 hat geschrieben:Es ist nicht möglich, alle Kriterien bis zum Schluss abzuarbeiten. Eine Objektivität der Bewertung liegt auch nicht vor. Du setzt hier unrealistische Maßstäbe an, um Absurdität vorzuwerfen.


Natürlich, eine allgemeingültige Objektivität liegt nicht vor, Menschen können zwar eine Naturkatastrophe sein, aber lassen sich nicht eindeutig wie andere physikalische Phänomene beschreiben. ich verstehe aber nicht, was an meiner Forderung "unrealistisch" sein soll, alle zur Verfügung stehenden Information zu verarbeiten, aber keinen Bonus für das Frausein als solches zu vergeben.
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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon Nightwatch » Fr 7. Aug 2015, 08:42

Nathan » Fr 7. Aug 2015, 08:44 hat geschrieben:
Natürlich, eine allgemeingültige Objektivität liegt nicht vor, Menschen können zwar eine Naturkatastrophe sein, aber lassen sich nicht eindeutig wie andere physikalische Phänomene beschreiben. ich verstehe aber nicht, was an meiner Forderung "unrealistisch" sein soll, alle zur Verfügung stehenden Information zu verarbeiten, aber keinen Bonus für das Frausein als solches zu vergeben.

Selbst wenn alle Informationen zur Verfügung stünden, gäbe es das Problem mit der Gewichtung der einzelnen Stärken und Schwächen des Bewerbers. Wie will man hier einen Vergleich anstellen? Du stellst hier eine Forderung, deren Umsetzung an der komplexen Realität scheitert.

Warum schreibst Du Bonus und nicht Kompensation? Ersteres impliziert keinen Ausgleich, obwohl der erreicht werden soll.
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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon Dampflok » Fr 7. Aug 2015, 10:04

Nightwatch » Do 6. Aug 2015, 13:17 hat geschrieben:Die Frauenquote ist sicherlich ein stumpfes Instrument, aber ein absurdes?
Unter den verlangten Qualifikationen fallen bekanntlich nicht nur formale Kriterien wie Abschlüsse oder Zertifikate, sondern auch Eigenschaften wie soziale Herkunft oder das Geschlecht. Diese leistungsunabhängigen Faktoren sollten in irgendeiner Form kompensiert werden, um Ungerechtigkeiten zu vermeiden.


Welch eine absurde Aussage. Es ist keine "Ungerechtigkeit" wenn sich in irgendeinem Bereich mehr Männer oder mehr Frauen einfinden, nur weil sie ihre Berufe frei wählen.

Noch absurder wird seine Aussage, wenn man seine Behauptung "unterschiedlicher Sozialisation von Männern und Frauen" ernst nimmt: Erstens widerlegt er sich selbst und damit den "gender"-Stuß wonach es ja gar keine Gesclechter gibt. Zweitens ist das alles Nichts als ein Ruf nach einer totalitären Kontrolle aller Familien, aller Menschen, wonach alles Natürliche was Menschen Spaß macht, gegendert werden müßte. Und drittens gibt es bei der fast kompletten Sozialisation von Kindern durch den Staat in Form von Kitas, Schulen und Staatsmedien, keine "unterschiedliche Sozialisation" mehr. Wo lebt der denn?

Nein, es muß überhaupt nicht und darf nicht gegendert werden! Es soll zum "Endstadium" führen, daß gender-Apologeten wie Raewyn (ex Robert) Connel tatsächlich konsequenterweise ihre eigenen Geschlechtsteile "dekonstruiert" haben. Das sollten sie aber eben nur bei sich selbst tun.

Andererseits, daß ein Soziologe der selbst kein Mann mehr ist, über "hegemoniale Männlichkeit" geifert, sollte nicht verwundern. Mich läßt es Schmunzeln. So einer darf aber keine Regeln für die Allgemeinheit aufstellen, wenn er schon ganz offenbar seine eigene Natürlichkeit nicht akzeptieren will wie das Milliarden Andere sehr wohl tun.


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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon Nathan » Fr 7. Aug 2015, 11:01

Nightwatch » Fr 7. Aug 2015, 09:42 hat geschrieben:Selbst wenn alle Informationen zur Verfügung stünden, gäbe es das Problem mit der Gewichtung der einzelnen Stärken und Schwächen des Bewerbers. Wie will man hier einen Vergleich anstellen? Du stellst hier eine Forderung, deren Umsetzung an der komplexen Realität scheitert.

Warum schreibst Du Bonus und nicht Kompensation? Ersteres impliziert keinen Ausgleich, obwohl der erreicht werden soll.

Sicher ist das praktisch unmöglich, wenn man es ganz konsequent zu Ende denkt. Dennoch wird es tagtäglich praktiziert, sozusagen der Not gehorchend doch nicht dem eigenen Triebe. Die Bewerberselektion ist immer schwierig, auch mit harten Assessments landet man nicht immer den beabsichtigten Treffer. Damit muss man einfach leben und die Situation wird wirklich nicht dadurch besser, dass ich als weiteres Kriterium das "Frau sein" einführe. Seit wann ist denn das Geschlecht ein generell bestimmendes Leistungskriterium, wenn wir nicht gerade von Männerunterhosenmodels oder Bergwerkshauer sprechen?

Ich schreibe "Bonus" weil es ein Frauenbonus wäre und ein Malus für Männer. Welche "leistungsunabhängigen Faktoren" wären denn kompensationsbedürftig?
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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon Nightwatch » Fr 7. Aug 2015, 11:28

Dampflok » Fr 7. Aug 2015, 11:04 hat geschrieben:
Welch eine absurde Aussage. Es ist keine "Ungerechtigkeit" wenn sich in irgendeinem Bereich mehr Männer oder mehr Frauen einfinden, nur weil sie ihre Berufe frei wählen.

Hier geht es um ein Selektionsverfahren, wie man das gerecht gestaltet und welche Probleme dabei auftauchen.
Dampflok » Fr 7. Aug 2015, 11:04 hat geschrieben:Noch absurder wird seine Aussage, wenn man seine Behauptung "unterschiedlicher Sozialisation von Männern und Frauen" ernst nimmt: Erstens widerlegt er sich selbst und damit den "gender"-Stuß wonach es ja gar keine Gesclechter gibt.

Gibt es außer Dir noch jemanden, der das behauptet?
Dampflok » Fr 7. Aug 2015, 11:04 hat geschrieben:Zweitens ist das alles Nichts als ein Ruf nach einer totalitären Kontrolle aller Familien, aller Menschen, wonach alles Natürliche was Menschen Spaß macht, gegendert werden müßte. Und drittens gibt es bei der fast kompletten Sozialisation von Kindern durch den Staat in Form von Kitas, Schulen und Staatsmedien, keine "unterschiedliche Sozialisation" mehr. Wo lebt der denn?

Auf dem Planeten Erde, im Gegensatz zu Dir.
Dampflok » Fr 7. Aug 2015, 11:04 hat geschrieben:Nein, es muß überhaupt nicht und darf nicht gegendert werden! Es soll zum "Endstadium" führen, daß gender-Apologeten wie Raewyn (ex Robert) Connel tatsächlich konsequenterweise ihre eigenen Geschlechtsteile "dekonstruiert" haben. Das sollten sie aber eben nur bei sich selbst tun.

Andererseits, daß ein Soziologe der selbst kein Mann mehr ist, über "hegemoniale Männlichkeit" geifert, sollte nicht verwundern. Mich läßt es Schmunzeln. So einer darf aber keine Regeln für die Allgemeinheit aufstellen, wenn er schon ganz offenbar seine eigene Natürlichkeit nicht akzeptieren will wie das Milliarden Andere sehr wohl tun.

Welches Schmunzeln? Du empörst Dich, und Deine Empörung basiert auf paranoide Wahnvorstellungen.

Mit dem Themenkomplex Gender beschäftige ich mich ausschließlich hier, und jeder Sozialwissenschaftler wird bei meinen Beiträgen feststellen, daß ich über keine formale Ausbildung in diesem Bereich verfüge. Ich schaue mir nur die Studien genauer an, die Du und Deinesgleichen hier reinstellen und lege die überraschend häufig auftauchenden Diskrepanzen zwischen Deinen Aussagen und Deinen Quellen offen.

Nathan » Fr 7. Aug 2015, 12:01 hat geschrieben:Sicher ist das praktisch unmöglich, wenn man es ganz konsequent zu Ende denkt. Dennoch wird es tagtäglich praktiziert, sozusagen der Not gehorchend doch nicht dem eigenen Triebe. Die Bewerberselektion ist immer schwierig, auch mit harten Assessments landet man nicht immer den beabsichtigten Treffer. Damit muss man einfach leben und die Situation wird wirklich nicht dadurch besser, dass ich als weiteres Kriterium das "Frau sein" einführe. Seit wann ist denn das Geschlecht ein generell bestimmendes Leistungskriterium, wenn wir nicht gerade von Männerunterhosenmodels oder Bergwerkshauer sprechen?

Ich schreibe "Bonus" weil es ein Frauenbonus wäre und ein Malus für Männer. Welche "leistungsunabhängigen Faktoren" wären denn kompensationsbedürftig?

Einen Abbau von Überrepräsentanz hältst Du für ein Malus? Dann ignorierst Du, wie es zu diesem Status kam. Eine Überrepräsentanz kann ein Indikator für eine schon erfolgte Bevorzugung oder positive stereotype Behandlung sein. Liegt eine einseitige Bevorzugung vor, dann ist ihr Abbau oder ihre Gegenmaßnahme kein Malus.

Ich hatte soziale Herkunft und das Geschlecht als leistungsunabhängige Faktoren genannt. Männer und Frauen werden in ihren Leistungen anhand von Vorurteilen und Wertvorstellungen unterschiedlich bewertet, ebenso Einheimische und Ausländer und Arme und Reiche.
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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon Nathan » Sa 8. Aug 2015, 14:20



Ich hab ehrlich gesagt auf das Argument gewartet und es spricht für dich, dass es deutlich später kommt als üblich. Dennoch muss ich es auch deutlich zurückweisen. Ich ignoriere keineswegs, wie es zu diesem Status der männlichen Überrepräsentanz kam, nämlich genau durch traditionelle Wertvorstellungen und Vorurteile. Diese Bevorzugung und "positive stereotype Behandlung" gab es ja tatsächlich und gibt es noch. Diese grobe Fehlentwicklung muss zurückgedrängt werden, da stimme ich dir uneingeschränkt zu. Das dazu eingesetzte Wirkmanöver "Frauenquote" bedeutet jedoch, "den Teufel mit dem Beelzebub austreiben", also einem Fehler mit dem gleichen Fehler entgegenwirken zu wollen, nämlich nun eine positive stereotype Behandlung der Frauen einführen zu wollen. Nichts anderes bedeutet eine Quotenregelung! Damit setze ich gesetzliche Gewalt gegen zivilisatorische Gewöhnung anstatt eine grundsätzliche Änderung im Bewusstsein der Verantwortlichen anzustreben. Gewalt statt Einsicht. Dieser Weg ist für mich immer der falsche.
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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon Nightwatch » Sa 8. Aug 2015, 17:46

Nathan » Sa 8. Aug 2015, 15:20 hat geschrieben:
Ich hab ehrlich gesagt auf das Argument gewartet und es spricht für dich, dass es deutlich später kommt als üblich. Dennoch muss ich es auch deutlich zurückweisen. Ich ignoriere keineswegs, wie es zu diesem Status der männlichen Überrepräsentanz kam, nämlich genau durch traditionelle Wertvorstellungen und Vorurteile. Diese Bevorzugung und "positive stereotype Behandlung" gab es ja tatsächlich und gibt es noch. Diese grobe Fehlentwicklung muss zurückgedrängt werden, da stimme ich dir uneingeschränkt zu. Das dazu eingesetzte Wirkmanöver "Frauenquote" bedeutet jedoch, "den Teufel mit dem Beelzebub austreiben", also einem Fehler mit dem gleichen Fehler entgegenwirken zu wollen, nämlich nun eine positive stereotype Behandlung der Frauen einführen zu wollen. Nichts anderes bedeutet eine Quotenregelung! Damit setze ich gesetzliche Gewalt gegen zivilisatorische Gewöhnung anstatt eine grundsätzliche Änderung im Bewusstsein der Verantwortlichen anzustreben. Gewalt statt Einsicht. Dieser Weg ist für mich immer der falsche.

Eine Einführung einer Frauenquote setzt "eine grundsätzliche Änderung im Bewußtsein" voraus, schließlich war sie vor nicht langer Zeit undenkbar. Mittlerweile liegen eine politische und eine Bevölkerungsmehrheit vor, die sich für eine Frauenquote aussprechen. Es hat also ein gesellschaftlicher Wandel in dieser Hinsicht stattgefunden, der mit einer demokratischen Mehrheit beschlossen wurde, was Du ablehnst, obwohl die Demokratie zweifellos zu den höchsten zivilisatorischen Errungenschaften zählt.

Derzeit wird den Kritikpunkten einer Frauenquote aus rein mathematischen Gründen kein hohes Gewicht beigemessen, schließlich liegt sie deutlich unter dem demographischen Frauenanteil. Deswegen spielen rein prinzipielle Einwände, wie Du sie aufgeführt hattest, eine nur untergeordnete Rolle, solange sich die Zustände nicht ändern.
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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon Dampflok » Sa 8. Aug 2015, 18:30

Nightwatch » Sa 8. Aug 2015, 17:46 hat geschrieben: Mittlerweile liegen eine politische und eine Bevölkerungsmehrheit vor, die sich für eine Frauenquote aussprechen.

Belege?


Zuletzt geändert von Dampflok am Sa 8. Aug 2015, 18:31, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon Nathan » Sa 8. Aug 2015, 18:39

Nightwatch » Sa 8. Aug 2015, 18:46 hat geschrieben:Eine Einführung einer Frauenquote setzt "eine grundsätzliche Änderung im Bewußtsein" voraus, schließlich war sie vor nicht langer Zeit undenkbar. Mittlerweile liegen eine politische und eine Bevölkerungsmehrheit vor, die sich für eine Frauenquote aussprechen. Es hat also ein gesellschaftlicher Wandel in dieser Hinsicht stattgefunden, der mit einer demokratischen Mehrheit beschlossen wurde, was Du ablehnst, obwohl die Demokratie zweifellos zu den höchsten zivilisatorischen Errungenschaften zählt.

Derzeit wird den Kritikpunkten einer Frauenquote aus rein mathematischen Gründen kein hohes Gewicht beigemessen, schließlich liegt sie deutlich unter dem demographischen Frauenanteil. Deswegen spielen rein prinzipielle Einwände, wie Du sie aufgeführt hattest, eine nur untergeordnete Rolle, solange sich die Zustände nicht ändern.

Die Einführung einer Frauenquote ist eher weniger das Ergebnis einer grundsätzlichen Änderung im Bewusstsein, sondern vielmehr das Ergebnis der traditionellen politischen Heuchelei oder das Ergebnis innerpolitikerfamiliären Liebesentzugs...
Ich sehe nirgendwo einen gesellschaftlichen Wandel. Die Frauen haben auf ihre Weise schon immer geherrscht, eher indirekt, clever, im Verborgenen und nun müssen sie neben ihrer biologischen Bürde von Schwangerschaft und Niederkunft auch noch malochen wie ein Mann um Macht auszuüben...scheint mir kein vorteilhafter Tausch zu sein...aber bitte, das kann ich als mann vielleicht nicht vollends beurteilen.

Was die Demokratie als eine der höchsten zivilisatorischen Errungenschaften betrifft bin ich ebenfalls nicht so sicher wie du. Ich weiß mich dabei in den Reihen der bedeutensten Staatsmänner(!), wie zum Beispiel der liebe Winston, ein rechter Schlingel, der also wie Zarathustra sprach:

Democracy is the worst form of government except for all those others that have been tried.

oft verstümmelt kolportiert, aber exakt lautend

Demokratie ist die schlechteste Form von Regierung, mit Ausnahme all der anderen, die ausprobiert wurden.


Demokratie ist der Terror der Mehrheit über die Minderheit, so empfiendet es die Neue Rechte und man würde es ihr wohl nicht verübeln wenn man nicht genau wüßte, dass sie den Terror einer Minderheit über die Mehrheit plant, was auch nicht der Weisheit letzter Schluß zu sein scheint, ganz vorsichtig ausgedrückt.

Jedenfalls ist natürlich Demokratie ganz nett und sie gilt es auch vor der braunen Glatzenpest nachhaltig zu schützen, jedoch nicht ohne parallel über alternative Formen menschlichen Zusammenlebens nachzudenken, über Bewusstsein, Sozialisierung und vor allem über die entscheidende Frage: "Ist der Mensch wirklich so?"... :-)
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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon Nightwatch » Sa 8. Aug 2015, 19:35

Dampflok » Sa 8. Aug 2015, 19:30 hat geschrieben:Belege?



Solche trivialen Aussagen solltest Du selber googeln können.
http://www.augsburger-allgemeine.de/the ... 68221.html
Demnach sind 79 Prozent der Frauen und 62 Prozent der Männer in Deutschland der Meinung, die Politik solle eine höhere Zahl an weiblichen Führungskräften gesetzlich verankern.

Die Frauenquote ist am 6.3.2015 ohne Gegenstimme von der großen Koalition beschlossen worden. Grüne und Linke enthielten sich, weil ihnen der Gesetzesentwurf nicht weit genug ging.
Nathan » Sa 8. Aug 2015, 19:39 hat geschrieben:Die Einführung einer Frauenquote ist eher weniger das Ergebnis einer grundsätzlichen Änderung im Bewusstsein, sondern vielmehr das Ergebnis der traditionellen politischen Heuchelei oder das Ergebnis innerpolitikerfamiliären Liebesentzugs...

Was soll das bedeuten?
Nathan » Sa 8. Aug 2015, 19:39 hat geschrieben:Ich sehe nirgendwo einen gesellschaftlichen Wandel. Die Frauen haben auf ihre Weise schon immer geherrscht, eher indirekt, clever, im Verborgenen und nun müssen sie neben ihrer biologischen Bürde von Schwangerschaft und Niederkunft auch noch malochen wie ein Mann um Macht auszuüben...scheint mir kein vorteilhafter Tausch zu sein...aber bitte, das kann ich als mann vielleicht nicht vollends beurteilen.

Bis 1977 brauchte eine Frau die Erlaubnis ihres Mannes, um arbeiten zu dürfen. Aus heutiger Sicht wirkt es absurd, weil sich die Zeiten geändert haben. Und Du willst keinen Wandel festgestellt haben?
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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon Tom Bombadil » Sa 8. Aug 2015, 19:57

Ich bin auch für eine Quotenregelung, aber dann bitte ganz im Sinne des Grundgesetzes:
Artikel 3
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.


Also Frauen rein in die Männerberufe! 50% Betonbauerinnen, Müllfrauen, Bergfrauen etc. und dafür dann 50% Kindergärtner, Grundschullehrer, Genderprofessoren etc. Alles fein säuberlich per Gesetz geregelt, fehlen Bewerberinnen oder Bewerber, werden halbwegs geeignete Frauen oder Männer in diese Berufe beordert.

Geschlechtergerechtigkeit für alle :thumbup:
The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants. It is its natural manure.
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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon Nathan » So 9. Aug 2015, 04:29

Nightwatch » Sa 8. Aug 2015, 20:35 hat geschrieben:...

Was soll das bedeuten?

Bis 1977 brauchte eine Frau die Erlaubnis ihres Mannes, um arbeiten zu dürfen. Aus heutiger Sicht wirkt es absurd, weil sich die Zeiten geändert haben. Und Du willst keinen Wandel festgestellt haben?


Ich bin nicht bereit, dir zu erklären, was politische Heuchelei ist. Falls ich mich mit diesem Ausdruck bei dir nicht verständlich machen kann, beende ich die Diskussion. Den "innerfamiliären Liebesentzug" darfst du streichen. Das war zwar auch nicht als Scherz gemeint, aber ich poche nicht auf das Verständnis dieses möglicherweise für dich zu kryptischen Ausdrucks.

Bis 1977 war zwar das BGB in diesem Punkt nicht geändert, aber das "Hausfrauenrecht" war spätestens mit Inkrafttreten des deutschen Grundgesetzes 1953 hinfällig und die die Änderung des BGB 1958 setzte dies auch grundsätzlich um. Es ist bezeichnend, dass es weitere 20 Jahre brauchte, umd das BGB in diesem Punkt endgültig verfassungskonform zu gestalten.

Lass uns aber nicht streiten, ob der Wandel formal 1977 oder effektiv bereits 1958 stattgefunden hatte, denn beides ist irrelevant in der Frage nach dem Beginn des gesellschaftlichen "Umdenkens". Der gesellschaftliche Wandel, also der große Streit um die Gestaltung der gesetzlichen Partnerschaft zwischen Mann und Frau begann schon deutlich vor der Weimarer Republik. Das "Umdenken" begann in Deutschland im 19. Jahrhundert (als eine der Folgen der Französischen Revolution) und ist, man muss es sehr bedauern, bis heute nicht zu Ende gedacht. Das "Umdenken" von dem du sprichst nennt man "das Zeitalter der Aufklärung" und geht einher mit dem Ende des Feudalismus und dem Beginn des Industriezeitalters und der kapitalistischen Gesellschaftsordnung. Guckst du mal spaßeshalber auf ---> https://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeines_Landrecht_f%C3%BCr_die_Preu%C3%9Fischen_Staaten.

Ansonsten wird in Deutschland wenig umgedacht. Das Frauenbild der Rechtsextremen entspricht heute noch einem eher feudalistischen, die sogenannte "Mitte der Gesellschaft" ist liberal bis wurstegal eingestellt und die Faulpelze der extremen Linken waren schon immer mit Denken völlig ausgelastet und neigen bis heute dazu, den Frauen die Organisation des Alltags vollständig zu überlassen. Du kannst es drehen und wenden und wieder zurück, erhitzen und kühlen, einfrieren und auftauen - einen umfassenden Wandel im Denken der Menschen in Deutschland wirst du in den letzten 200 Jahren nicht finden. So schaffte es nicht mal der Eindruck des II. Weltkriegs, den Pazifismus in Deutschland flächendeckend als selbstverständlich zu etablieren, noch nicht mal bei den ehemaligen "Friedensbewegungen".
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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon Dampflok » So 9. Aug 2015, 07:54

Nightwatch » Sa 8. Aug 2015, 19:35 hat geschrieben:Solche trivialen Aussagen solltest Du selber googeln können.
http://www.augsburger-allgemeine.de/the ... 68221.html
Demnach sind 79 Prozent der Frauen und 62 Prozent der Männer in Deutschland der Meinung, die Politik solle eine höhere Zahl an weiblichen Führungskräften gesetzlich verankern.

Mal abgesehen von der Zweifelhaftigkeit der von der regierung in Auftrag gegebenen Studie mit gewünschtem Ausgang:

Was haben weibliche Aufsichtsräte mit einer Quote beim Medizinstudium zu Tun?

Richtig: Nichts.


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Re: Männerquote im Studium

Beitragvon Nightwatch » So 9. Aug 2015, 09:06

Nathan » So 9. Aug 2015, 05:29 hat geschrieben:
Ich bin nicht bereit, dir zu erklären, was politische Heuchelei ist. Falls ich mich mit diesem Ausdruck bei dir nicht verständlich machen kann, beende ich die Diskussion. Den "innerfamiliären Liebesentzug" darfst du streichen. Das war zwar auch nicht als Scherz gemeint, aber ich poche nicht auf das Verständnis dieses möglicherweise für dich zu kryptischen Ausdrucks.

Der Heuchler-Vorwurf gibt in diesem Kontext ohne weitere Ausführung keinen Sinn.
Nathan » So 9. Aug 2015, 05:29 hat geschrieben:Ansonsten wird in Deutschland wenig umgedacht. Das Frauenbild der Rechtsextremen entspricht heute noch einem eher feudalistischen, die sogenannte "Mitte der Gesellschaft" ist liberal bis wurstegal eingestellt und die Faulpelze der extremen Linken waren schon immer mit Denken völlig ausgelastet und neigen bis heute dazu, den Frauen die Organisation des Alltags vollständig zu überlassen. Du kannst es drehen und wenden und wieder zurück, erhitzen und kühlen, einfrieren und auftauen - einen umfassenden Wandel im Denken der Menschen in Deutschland wirst du in den letzten 200 Jahren nicht finden. So schaffte es nicht mal der Eindruck des II. Weltkriegs, den Pazifismus in Deutschland flächendeckend als selbstverständlich zu etablieren, noch nicht mal bei den ehemaligen "Friedensbewegungen".

Ich halte es für sinnvoll, zwischen rechtsextremer Ideologie und Praxis zu unterscheiden. Deren Ideal ist sicherlich die Hausfrau, die den reinrassigen Nachwuchs zur Welt bringt, aber lassen sich die Frauen darauf reduzieren? Deren Lebensentwurf sieht eine Ausbildung oder gar ein Studium sowie ein eigenes Einkommen vor, bevor eine Familie gegründet wird. In dieser Hinsicht orientieren sich diese Frauen an die heutige bürgerliche Praxis und nicht an die romantisierten 50er Jahre. Teile der Emanzipation sind bei den rechtsextremen Dumpfbacken zu einer Selbstverständlichkeit geworden.

Die Grünen haben ihre pazifistischen Ideale verraten und sich damit in ihren Wertvorstellungen gewandelt.

Du wirst in jeder politischen Ecke einen Wandel oder eine Werteverschiebung entdecken, der sich im Laufe der Zeit ereignet hat. Manche Änderungen waren radikal, andere erfuhren nur geringfügige Modifikationen. Das bringt der Fortschritt mit sich. Auch sehe ich einen Zusammenhang zu der Anzahl der Befürworter einer Änderung. Eine Gleichberechtigung hat eine breite Mehrheit hinter sich, was man vom Pazifismus nie behaupten konnte.
Dampflok » So 9. Aug 2015, 08:54 hat geschrieben:Mal abgesehen von der Zweifelhaftigkeit der von der regierung in Auftrag gegebenen Studie mit gewünschtem Ausgang:

Was haben weibliche Aufsichtsräte mit einer Quote beim Medizinstudium zu Tun?

Richtig: Nichts.

Auch keine Vorbildfunktion?

Und wo ist die Studie zweifelhaft? Eigentlich macht man das an der Durchführung fest und nicht am Ergebnis.

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