Christentum - Monotheismus und Heilige

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Ein Terraner
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Re: Christentum - Monotheismus und Heilige

Beitragvon Ein Terraner » Mi 2. Mai 2018, 11:22

Senexx hat geschrieben:(02 May 2018, 12:18)

In diesem Strang werde ich nicht diskutieren. er wurde nicht von mir eröffnet. Und die Eröffnung entspricht nicht den Forenregeln.


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Michi
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Re: Die Kippa

Beitragvon Michi » Mi 2. Mai 2018, 11:34

Senexx hat geschrieben:(30 Apr 2018, 20:20)

Heilige sind keine Götter. Das wissen Sie vermutlich nicht.

De facto schon. Aber Polytheismus ist ja auch nicht schlimmer als Monotheismus.
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Re: Christentum - Monotheismus und Heilige

Beitragvon Alexyessin » Mi 2. Mai 2018, 12:12

Senexx hat geschrieben:(02 May 2018, 12:18)

In diesem Strang werde ich nicht diskutieren. er wurde nicht von mir eröffnet. Und die Eröffnung entspricht nicht den Forenregeln.


Schlechtes Ausweichmanöver. :)
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Re: Die Kippa

Beitragvon aleph » Mi 2. Mai 2018, 18:25

Alexyessin hat geschrieben:(02 May 2018, 11:54)

Die Katholiken beten keine Heiligen an? Bist du dir da ganz sicher? Welche katholische Kirche soll das sein?


In Deinem Zitat steht ja schon die Lösung zu diesem scheinbaren Widerspruch:

Bitte für mich


Unter einem "Gott" versteht man landläufig ein übernatürliches Wesen, das in sich übernatürliche Kräfte hat und diese einsetzen kann im Rahmen seiner Macht. Das trifft auf die Heiligen nicht zu, obwohl die Gebete und Anrufungen das vermuten lassen. Es sind halt nur Ehrbezeichnungen ohne reale Macht dahinter. Maria ist nicht die Himmelskönigin aus eigener Kraft, sondern wird mit diesem Titel geehrt.. Man bittet die Heiligen, bei Gott Fürsprache zu halten. Das ist natürlich eine Gottesvorstellung, die Protestanten zutiefst ablehnen. Das ist ein Gott, der nicht mit jedem redet und den man erst über eine einflussreiche Person überreden muss. Ein Gott, der den Menschen fern ist.

Also rein formal stimmt das schon. Wenn das Christentum polytheistisch ist, dann nicht wegen Maria und den Heiligen, sondern weil der Teufel quasi zu einem Gegengott erhöht worden ist, bei dem Gott etwas kaufen und dafür bezahlen muss und nicht mehr nur reines Geschöpf Gottes ist, das vollständig von Gott abhängig ist, was die Theologen aller Konfessionen natürlich bestreiten werden :D

Im Übrigen kann man mit dieser Rhetorik im Grunde genommen die 300 Millionen Dorfgötter des Hinduismus auf einen Gott, das(sic!) Brahma reduzieren. Dann wäre der Hinduismus ebenfalls monotheistisch. Küng hat so was ja hinbekommen in seiner Rhetorik.

Im Buddhismus gibt es ebenfalls Mittler, die ähnlich verehrt werden.

Wie Bleibtreu sicherlich besser erklären kann, gibt es im Judentum ebenfalls Mittler, bei denen aber wichtige Unterschiede zum Christentum bestehen: bei denen ist noch wesentlich klarer, dass sie nur auf Befehl hin handeln können und sie handeln nur auf Gottes Befehl und sind nicht Ansprechpartner für Bitten von Menschen.
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Re: Die Kippa

Beitragvon aleph » Mi 2. Mai 2018, 18:27

Dieter Winter hat geschrieben:(30 Apr 2018, 19:52)

Ich vermute, dass das eine Konzession der Missionare an die "Heiden" war. Ein einziger Gott, war halt doch etwas mager.


Die Heiligen haben mit den altnordischen Göttern etwas gemeinsam: sie haben Familien, Skandale und Geschichten. Menschen können sich mit ihnen viel besser identifizieren, als mit dem fernen dreieinigen Gott, den nicht mal die Theologen verstehen.
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Re: Christentum - Monotheismus und Heilige

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 2. Mai 2018, 19:44

Die in Europa entwickelte Dreieinigkeit fand auch fruchtbaren Boden. Im Keltentum gab es das ähnlich. Die Zahl 3 war ein Symbol der Kraft, viele Gottheiten wurden Dreifach dargestellt.

Dreigesichtiger Gott von Bavay, 2.Jahrhundert v. Christus
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Oder die "drei Mütter von Burgund", 3.Jahrhundert v. Christus.
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Re: Christentum - Monotheismus und Heilige

Beitragvon van Kessel » Mi 2. Mai 2018, 21:06

schon einzigartig die Chuzpe, in Gesellschaften einzudringen. Erinnert doch an den Lionel, den Schelm mit dem roten Schild, welcher im England des 19. Jhd., sich 6mal ins Oberhaus wählen ließ, aber den vorgeschriebenen Eid ablehnte. Dann schwor er 1858 den Treueeid auf die hebräische Bibel. Fünfzehn Jahre saß er dann im britischen Parlament und machte nicht ein einiges Mal den Mund auf.

Christen beten keine Heiligen an - wurde ja schon erwähnt - sondern sind halt ebenso seltsam in ihren Glaubensriten, wie andere Gläubige (oder Menschen, welche sich in ihrer Gesellschaft nicht absondern möchten und deshalb mitmischen).

Dass alle monotheistischen Religionen einem Mythos anhängen, macht die Sache auch nicht einfacher. Dass sogar 'die Glauben' (kein orthografischer Fehler) Mythen sind, mag einem realistischen Menschen seltsam anmuten. Sind noch ein gutes Stück von der Vollendung des Menschen entfernt. Mag sein, dass er sich vorher schon abgeschafft hat mit seinen 'neuen Göttern' und der Suche nach 'Glück'.

Btw. hätte man die zwei jüdischen Schöpfungsmythen auf eine reduzieren müssen (die von androgynen Gott) dann wäre der Menschheit zumindest die Story mit der Rippe erspart geblieben und der männliche Chauvinismus. Muttergottheiten hatten gegen die Rippenversion keine Chance; bis A. Merkel kam. Halleluja!
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Antonius
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Re: Christentum - Monotheismus und Heilige

Beitragvon Antonius » Fr 20. Jul 2018, 16:17

King Kong 2006 hat geschrieben:(02 May 2018, 20:44)
Die in Europa entwickelte Dreieinigkeit fand auch fruchtbaren Boden. Im Keltentum gab es das ähnlich. Die Zahl 3 war ein Symbol der Kraft, viele Gottheiten wurden Dreifach dargestellt.

Dreigesichtiger Gott von Bavay, 2.Jahrhundert v. Christus
https://www.flickr.com/photos/renzodionigi/3411541690

Oder die "drei Mütter von Burgund", 3.Jahrhundert v. Christus.

In der Tat ist der Glaubenssatz von der Hl. Dreifaltigkeit ist eine der großartigsten Ideen des Christentums.
Der EINE Christliche Gott umfaßt in der Dreifaltigkeit (lat. trinitas) die Aspekte (oder Personen) Gott Vater, Gottes Sohn Jesus Christus und Gott Heiliger Geist.
http://de.wikipedia.org/wiki/Dreifaltigkeit
Wir sprechen Gott an mit:
IN NOMINE PATRIS ET FILII ET SPIRITUS SANCTI. AMEN.
SAPERE AUDE - Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.
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Re: Christentum - Monotheismus und Heilige

Beitragvon King Kong 2006 » So 29. Jul 2018, 20:47

Antonius hat geschrieben:(20 Jul 2018, 17:17)

In der Tat ist der Glaubenssatz von der Hl. Dreifaltigkeit ist eine der großartigsten Ideen des Christentums.
Der EINE Christliche Gott umfaßt in der Dreifaltigkeit (lat. trinitas) die Aspekte (oder Personen) Gott Vater, Gottes Sohn Jesus Christus und Gott Heiliger Geist.
http://de.wikipedia.org/wiki/Dreifaltigkeit
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Die "Idee" der Dreifaltigkeit ist sicher ein für viele annehmbarer Glaubenssatz. Vielleicht ein verstecktes Überbleibsel der Sehnsucht nach Pluralität bzw. Polytheismus. Juden oder Muslime ist das unverständlich. Bezogen auf den Schöpfergott. Das hat Juden, wie Muslime nicht abgehalten eine reichhaltige Kultur drumherum zu entwickeln. Jeder braucht das. Auch die Buddhisten haben einen bunten Blumenstrauß entwickelt, der wenig mit dem Ursprung zu tun hat. Der Mensch braucht das. Auf dem ersten Konzil wurde es beginnend von Theologen entwickelt und sukzessiv weiterentwickelt. Interessant wäre es, wie die Meinung aufgefasst wird, diesen Theologen nicht zu folgen. Grundsätzlich kann man aber wohl festhalten, daß die Religionen alle Einflüssen ausgesetzt waren, die nicht unerheblich bei der Festigung dieser in den Anfangsphasen waren.

Das Judentum und später der Islam war es ja gerade ein dringendes Bedürfnis den Monotheismus durchzusetzen. Das Christentum ist auch eine monotheistische Religion. Aber mit der von den damaligen Theologen entwickelten Dreifaltigkeitslehre doch wieder ein "kleiner" Ausreisser. Warum dies gerade wieder beim Christentum durchschlug wäre interessant zu erfahren. Propheten gab es im Judentum und Islam genug. Alle sozusagen "Kinder Gottes" inklusive. Jesus hat eine andere Rolle bekommen. Er und der Heiliger Geist wurden im frühen Christentum anderes bewertet. Sind nicht wenigstens Gott und der Heilige Geist nicht so dicht beieinander, daß man diese nicht zusammenlegen könnte? Der Heilige Geist ist doch Gott? Von Gott? Dessen Geist.

Eine provokative Sicht: Jesus der Zelot. In einer Zeit massiver Verfolgung von Christen im Römischen Reich schien es, so die These, daß es cleverer war Jesus nicht als Revoluzzer (der ja auch deswegen, als Störenfried hingerichtet wurde, egal ob primär durch römische oder jüdische Verfolgung), sondern als Friedensfürst darzustellen. Um die frühe christliche Gemeinde überlebensfähiger zu machen. Weniger Verfolgungen auszusetzen. In dem Sinne auch Vergöttlicht, also aus dem irdischen, politischen Gewirr herausnehmend, im Rahmen der der später in Konzilen festgemachten Dreifaltigkeitslehre.

Jesus-Biografie

Staatsfeind Nr. 1

Eine Jesus-Biografie erklärt den Friedensfürst zum Gotteskrieger. Und provoziert ein halbes Land. Was ist der Grund?


Aslan behauptet nicht, dass Jesus ein früher Anhänger der Zelotenpartei war, einer radikalen Gruppierung, die erst nach dem Aufstand des Jahres 66 Wirkmacht entfaltete, sondern spielt an auf das Wort Eiferer. Der Religionssoziologe zeichnet das Bild eines Revolutionärs aus dem armen Galiläa, dessen Ziel nicht so sehr ein himmlisches Königreich war als ein Palästina ohne römische Besatzungsmacht.

Aslans Jesus ist ganz und gar Jude, beseelt vom messianischen Gedanken, dass König Davids Israel wiedererstehen müsse als Staat unter Gottes Autorität. Für manche Zeitgenossen war diese Erwartung realistisch, für andere Utopie. So gab es eine Reihe von Predigern, die wie Jesus Anhänger zu gewinnen suchten für Israels Unabhängigkeit. Aslan zeichnet Jesus als einen Mann, der bereit war, Gewalt auszuüben, und der Judäas priesterliche Oberschicht kritisierte, weil sie mit den Römern kollaborierte.


Über den Autoren:

Nein, Aslans Interesse an Jesus ist nicht bloß akademischer Natur. Als Flüchtlingskind vor der iranischen Revolution in Kalifornien groß geworden, nimmt ihn dort als 15-Jähriger das evangelikale Christentum ein. Später überzeugt ihn die Christologie der Kirche nicht mehr. Die wissenschaftliche Betrachtung des Neuen Testaments durch seine jesuitischen Lehrer an der Santa Clara University weckt sein Interesse. Kurz vorm Magisterstudium an der Harvard Divinity School kehrt Aslan zum Islam zurück.


Der Autor, verheiratet mit einer Christin und Schwager eines evangelikalen Pastors, freut sich über die Debatte. War es sein Ziel zu provozieren? Der Titel Zealot spräche dafür, der Inhalt dagegen. Die Fakten sind solide, aber keineswegs neu. Das Buch gehört zum Genre der Leben-Jesu-Forschung, die auf Hermann Samuel Reimarus im 18. Jahrhundert zurückgeht. Sie erlebte bis in die neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts drei große Wellen. Wahrscheinlich ist Aslan aber der erste muslimische Autor.

"Ein Bibelwissenschaftler wird nicht viel Neues in meinem Buch finden. Ich mache die Debatte der Forscher für eine breite Öffentlichkeit zugänglich." Tatsächlich gelingt es Aslan, die historisch-kritische Methode dem Leser nahezubringen. Dabei bezieht er sich ausdrücklich auf den Marburger evangelischen Neutestamentler Rudolf Bultmann und dessen "Entmythologisierung als existentiale Interpretation" und zeichnet ein ziemlich akkurates Bild davon, was wir über den historischen Jesus wissen.


Der Religionssoziologe Aslan zeigt den historischen Jesus. Ratzinger, ehemals Papst versuchte sich an den Glauben Jesu. Ich habe beides gelesen. Interessanterweise ist der sonst eher dröge und verkopfte Ratzinger durchaus in der Lage geschmeidig zu schreiben, oder sein Lektor.

Es ist schon komisch: Für Joseph Ratzinger war der Jesus der Forschung zu dürres Material, also schrieb er sein dreibändiges Werk über den Christus des Glaubens. Nun kommt Reza Aslan und bietet seinen Lesern gerade diesen historischen Jesus – und zwar in Cinemascope. Die Anmutung beim Lesen, in Monty Pythons Leben des Brian gelandet zu sein, kommt nicht von ungefähr. Aslan selbst sagt, die Pythons hätten mit ihrem Film das damalige Milieu gut getroffen. So entfaltet der Professor für kreatives Schreiben der University of California (Riverside) eine höchst lesbare Biografie, führt uns in die Welt Jesu und des Judentums ein. Er beschreibt in großem Detail und mit aller Farbigkeit die Situation und zeigt, dass Religionsgeschichte unterhaltend sein kann.


Man liest auch als Wissenschaftler das Buch mit Gewinn. Denn Aslan spricht aus, was vielen Theologen unaussprechlich ist. Wenn es sein Ziel war, vielen Menschen klarzumachen, warum Jesu Mission noch heute bedeutsam sein könnte, dann ist ihm das gelungen. Er schält einen Messias heraus, der den Rabbinern nahesteht, das Judentum über die römische Herrschaft stellt und den Supremat des jüdischen Gottes herstellen will. Dieser Jesus wirkt im Kontext seiner apokalyptisch gestimmten Zeit. Er ist ein Aufwiegler mit religiösen Zielen und politischem Charisma, eine Provokation für die sadduzäische Elite und die jüdische Oberschicht ebenso wie für die römische Besatzungsmacht. Aslan erklärt, warum die Evangelien später ein anderes Bild zeichnen, als das Christentum römische Staatsreligion wird.

Auch andere, nicht zuletzt jüdische Forscher haben vermutet, dass Jesus ein Revolutionär war. Dass die Herrschaft Gottes ohne Anwendung von Gewalt gegen die römische Okkupation kaum hätte durchgesetzt werden können. Zu den bedeutenden neueren Werken gehören König Jesus – die Geschichte eines jüdischen Rebellen des britischen Judaisten Hyam Maccoby (1985), Jesus der Jude des Oxforder Qumranforchers Geza Vermes (1991) und Jesus – ein revolutionäres Leben des irisch-amerikanischen Neutestamentlers John Dominic Crossan (1996). Für all diese Versuche einer Novellierung des Jesusbildes gilt, was Albert Schweitzer schon 1906 formulierte: Auf den Erlöser werde immer ein Ideal vom Menschen projiziert. Bei Aslan ist ein sauber recherchiertes Buch herausgekommen. Nicht simplifizierend, aber einnehmend für eine komplexe Materie.

Erstaunlich ist dennoch, dass Aslan keine spezifisch muslimische Frage aufwirft. Er rüttelt zwar an den Grundfesten des Christentums, kommt aber zu ähnlichen Einschätzungen wie viele jüdische Kommentatoren seit dem 19. Jahrhundert, allen voran Abraham Geiger (1810 bis 1874). Insofern ist das Buch ganz unspektakulär. Sein rasanter Erfolg ist nicht auf die Thesen des Autors zurückzuführen, sondern auf die Empörung darüber, dass ein Muslim es wagt, sich über Jesus zu äußern. Genau diese Reaktion hatten deutsche Rabbiner wie Geiger zu spüren bekommen, die im 19. Jahrhundert das Gleiche über den Juden Jesus aussagten, was Aslan heute wiederholt. Die Debatte über Zealot ist ein Gradmesser für das abgrundtiefe Misstrauen, mit dem Muslime heute in den USA konfrontiert sind.

https://www.zeit.de/2013/33/jesus-biogr ... er/seite-2


Damit ist meine Frage wohl auch schon beantwortet, was passiert, wenn man theologisch die Dreifaltigkeitslehre in Frage stellt, indem man den historischen Jesus als Mensch aus der Dreifaltigkeit "herausschält". Letztendlich kann man vortrefflich darüber debattieren. Mir selbst fehlt sicher tieferes theologisches Wissen darüber. Aber ich meine am Ende ganz simpel, es heißt nicht umsonst Wissenschaft, sondern Glauben. Man glaubt es oder nicht.
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Re: Christentum - Monotheismus und Heilige

Beitragvon Heimdal » Do 2. Aug 2018, 20:28

Definiert bitte, was "heilig" ist.

Kein Mensch kann "heilig" sein, denn jeder Mensch hat Makel und Fehler.

Ergo kann auch kein Papst "heilig" sein. Das beweist die Geschichte par excellence.

Daher ist das ganze Konstrukt der "heiligen katholischen Mutter Kirche" ad absurdum geführt.

Die Conclusio: Vergesst alle Institutionen, die aus einer gut gemeinten Lehre eine Glaubensdoktrin machen, um Menschen zu unterwerfen.

Was gut ist, erklärt euch kein Priester im Fummel.

Hört auf Euer Herz !
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Re: Die Kippa

Beitragvon Elser » Mo 6. Aug 2018, 10:18

versehen
Zuletzt geändert von Elser am Mo 6. Aug 2018, 10:26, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Christentum - Monotheismus und Heilige

Beitragvon Elser » Mo 6. Aug 2018, 10:21

Antonius hat geschrieben:(20 Jul 2018, 17:17)

In der Tat ist der Glaubenssatz von der Hl. Dreifaltigkeit ist eine der großartigsten Ideen des Christentums.
Der EINE Christliche Gott umfaßt in der Dreifaltigkeit (lat. trinitas) die Aspekte (oder Personen) Gott Vater, Gottes Sohn Jesus Christus und Gott Heiliger Geist.
http://de.wikipedia.org/wiki/Dreifaltigkeit
Wir sprechen Gott an mit:
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"...großartige Idee...." genau. Das triff's :D .

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Re: Christentum - Monotheismus und Heilige

Beitragvon Antonius » Mo 6. Aug 2018, 12:16

Elser hat geschrieben:(06 Aug 2018, 11:21)

"...großartige Idee...." genau. Das triff's :D .
Elser
Danke, Elser, für Deine Zustimmung. ;) :)
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Re: Christentum - Monotheismus und Heilige

Beitragvon Elser » Mo 6. Aug 2018, 19:08

Antonius hat geschrieben:(06 Aug 2018, 13:16)

Danke, Elser, für Deine Zustimmung. ;) :)


Könnte es sein, dass Du die Ironie in meinen Worten wirklich nicht erkannt hast ? :( Idee ! Verstehst du ? Nicht Realität, sondern eben nur eine Idee von Kirchenfürsten um die an Vielgötterei gewohnten Menschen der Antike zum Christentum zu holen. Eine Idee wie......z.B. der variable Kreuzungs- und Genesungstag Jesu. Just um die Zeit des Frühlinganfang. :D
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Re: Christentum - Monotheismus und Heilige

Beitragvon Antonius » Di 7. Aug 2018, 09:47

Elser hat geschrieben:(06 Aug 2018, 20:08)
Könnte es sein, dass Du die Ironie in meinen Worten wirklich nicht erkannt hast ? :( Idee ! Verstehst du ? Nicht Realität, sondern eben nur eine Idee von Kirchenfürsten um die an Vielgötterei gewohnten Menschen der Antike zum Christentum zu holen. Eine Idee wie......z.B. der variable Kreuzungs- und Genesungstag Jesu. Just um die Zeit des Frühlinganfang. :D
Ich glaube schon, daß ich Dich einigermaßen richtig verstanden habe.
Daß ich dann Deine Aussage positiv deute, sollte erlaubt sein.... :)

Wie wir alle wissen, hat der Begriff "Idee", der aus dem Griechischen kommt (altgr: ἰδέα idéa „Gestalt“, „Erscheinung“, „Aussehen“, „Urbild“), verschiedenene Bedeutungen.
Allgemeinsprachlich versteht man darunter einen Gedanken oder ein Leitbild, an dem man sich orientiert.
Daß die Geburt Jesu Christi zu Weihnachten, also zur Zeit der Wintersonnenwende gefeiert wird, ist in diesem Sinne eine große Idee.
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Re: Christentum - Monotheismus und Heilige

Beitragvon Antonius » Di 7. Aug 2018, 10:04

Am Sonntag, dem 5. August feierten wir (2 Tage vor dem Gedenktag) in der Theatinerkirche in München den

Hl. Kajetan (ital: Gaetano da Thiene)

https://www.heiligenlexikon.de/Biograph ... Thiene.htm

Gaetano da Thiene wurde als Sohn des Gra­fen Gasparo da Thiene im Oktober 1480 geboren.
Kajetan studierte an der Universität von Padua und wurde im Juli 1506 zum Doktor beider Rechte promoviert.
Im Jahre 1506 wurde er dann Ge­hei­mer Se­kre­tär von Papst Ju­li­us II.

In Rom lern­te er die be­rühm­tes­ten Künst­ler sei­ner Zeit ken­nen, u. a. den Maler Raf­fa­el.
Er sah aber auch Sit­ten­lo­sig­keit und Aus­schwei­fun­gen des Kle­rus der Renaissance-Zeit,
für des­sen Re­form und Aus­bil­dung er sich dann be­son­ders ein­setz­te.

Im Jahre 1662 ließ Her­zog Fer­di­nand von Bay­ern aus Dank­bar­keit über die Ge­burt des Erb­prin­zen die
be­rühm­te Thea­ti­nerkir­che St. Ka­je­t­an in Mün­chen erbauen.
Am vergangenen Sonntag sang die Vokalkapelle dort die Missa Custodi nos Domine von Giuseppe Antonio Bernabei (1649-1732).
Diese Messe ist dem Kurfürsten Maximilian Emanuel von Bayern gewidmet.

http://www.theatinerkirche.de/index.php?cID=1
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Re: Christentum - Monotheismus und Heilige

Beitragvon Elser » Di 7. Aug 2018, 10:33

Antonius hat geschrieben:(07 Aug 2018, 10:47)

Ich glaube schon, daß ich Dich einigermaßen richtig verstanden habe.
Daß ich dann Deine Aussage positiv deute, sollte erlaubt sein.... :)

Wie wir alle wissen, hat der Begriff "Idee", der aus dem Griechischen kommt (altgr: ἰδέα idéa „Gestalt“, „Erscheinung“, „Aussehen“, „Urbild“), verschiedenene Bedeutungen.
Allgemeinsprachlich versteht man darunter einen Gedanken oder ein Leitbild, an dem man sich orientiert.
Daß die Geburt Jesu Christi zu Weihnachten, also zur Zeit der Wintersonnenwende gefeiert wird, ist in diesem Sinne eine große Idee.


Nun - vielleicht ist Jesus komplett eine "gute Idee"? Das meine ich nicht negativ. Ich bin auch der Meinung dass Jesus gelebt hat, aber er ist auch eine gute Idee. Was die Kirchen allerdings daraus gemacht haben (auch so Ideen) finde ich schlimm. Jesus wird zugeschrieben, dass er den Menschen (damals Juden) eine ganz neues Gottesbild gegeben hat. Gott sollte nicht nachtragend und rachsüchtig (altes Testament) sondern ein verzeihender, also "Lieber Gott" sein. Da sich die Menschen das Verhalten ihres Gottes als Vorbild nehmen, war das geradezu eine Revolution. Leider machten die christlichen Kirchen, aus dieser grundsätzlich guten Idee, ein riesiges verschwurbeltes Theater, das hauptsächlich zur Machtausübung und satten Versorgung ihrer Priester diente und dient. Schade eigentlich! Denn an Jesus'-Wesen, könnte tatsächlich die Welt genesen.

Elser

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