Religion ohne Gottesbezug?

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Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon Skeptiker » So 11. Mär 2018, 23:57

Ich gebe es zu – ich mag keine Religionen. Das Problem welches ich mit ihnen habe ist, dass sie ihre Lehren typischerweise auf irrationalen Dogmen aufbauen.

Warum muss ich an Götter im Himmel glauben um es für richtig zu halten andere Menschen nicht zu töten? Muss ich natürlich nicht! Ein Wesen der Religion ist aber, dass deren Mitglieder oft denken, jede selbst empfundene Ethik stammt aus der Erziehung im eigenen heimisch religiösen Umfeld. Dadurch wird automatisch jeder suspekt, der einem anderen Umfeld entstammt – das Urproblem der Koexistenz von Religionsgemeinschaften.

Ich bin aber der Meinung, dass die allermeisten ethischen Empfindungen von eher schwach religiösen Menschen unterschiedlichster Kulturkreise ähnlich empfunden werden. Gottesglaube an sich bekommt durch den sich überall offenbarenden Extremismus aber ein zunehmend negatives Image (okay, okay, das mag eher Wunschdenken sein …).

Wäre es nicht an der Zeit den Menschen eine Gemeinschaft zu geben in der sie sich zu genau diesen ethischen Grundsätzen bekennen können, ohne dass drum herum irrationales Geschwurbel gemacht wird – ganz ohne Special Effects, nur mal definieren: Wenn ich den „Cools“ (o.ä.) angehöre, dann „glaube“ ich an die Richtigkeit der folgenden ethischen Verhaltensmuster, und bekenne mich zu ihnen:
1. …
2. …
usw.

Man mag das Humanismus nennen, will ich aber nicht. Ich meine das sollte eine echte auch offizielle Glaubensrichtung sein, denn ich bin der Auffassung, dass diese Menschen nicht mehr das ungläubige Anhängsel archaisch irrationaler Moralinstitutionen sein sollten. Diese Menschen sollten sich klar zu etwas anderem bekennen können, was sie dann auch ihre Religion nennen dürfen. Das würde diese Menschen aus der Lage befreien als unmoralisch zu gelten, wenn sie sich z.B. von einem anderen Glauben lossagen (eines der Kernprobleme des Atheismus).

Es würde die anderen Religionsgemeinschaften auch unter Druck setzen, wenn sie sich von dieser neuen Religion, dann nur noch durch eher kautzhaftige Thesen unterscheiden, die viele Menschen heute eher noch ertragen als unterstützen.

Was könnten die Fundamente und Inhalte einer solchen Religion sein? Gibt es sie schon? Wäre sie sinnvoll?

Als Anregung der folgende Link:
http://www.zeit.de/community/2014-10/re ... -atheismus
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Re: Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon Skeptiker » Mo 12. Mär 2018, 09:26

Roady66 hat geschrieben:(12 Mar 2018, 07:57)
Hier findest du alles dazu. Von einem großen verstorbenen amerikanischen Denker aus angelsächsischer Denktradition.

Buch:

Ronald Dworkin: Religion ohne Gott

Ja, danke. Ich habe verstanden dass es Literatur zu dem Thema gibt. Dennoch kann ich keute bei der Steuererklärung keine Konfession angeben die genau dieser Vorstellung entspricht.

In aller Regel sagt jemand er sei Athesist und Humanist. Oder man sagt, man fühle sich dieser oder jener Organisation nahe. Es geht aber darum ANSTATT eines Christen, Moslem, Juden usw. ein ??? zu sein. Es geht darum ein Bekenntnis zu definieren welches sich klar von den Religionen mit Gottesbezug unterscheidet, und zwar insbesondere im Gottesbezug.

Die Brightsbewegung ist so ein Ansatz, allerdings nur halb. Sie versteht sich als Bewegung, nicht als Religion. Ich könnte sagen ich wäre ein "Bright" (auch wenn ich das Wort nicht mag), aber in keiner Statistik zu Konfessionen tauchen diese auf. Das ist ein Problem, weil ich genauso sagen könnte ich spiele Fussball oder bin Hobbyastronom - es hat keine gesellschaftliche Relevanz im Sinne einer Änderung des Selbstverständnisses der Menschen, welche durch Konfessionen in der Gesellschaft bis heute implementiert werden.

Zu einer solchen Religion würde z.B. eben auch die organisatorische Struktur gehören. Es müsste auch z.B. caritative assoziierte Organsiationen geben die mit ihr in Verbindung stehen, um zu unterstreichen dass man es mit dem Bekenntnis ernst nimmt. Gibt es aber meines Wissens so bislang nicht.
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Re: Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 12. Mär 2018, 10:18

Eine Religion ohne Gott steht vor dem Problem, dass sie die Frage nach der Herkunft von ethischen Werten eben doch irgendwie beantworten muss. Auch der ohne-Gott-religiöse Mensch wird nicht einfach so die - wie es in einer Rezension zu Dworkins Buch heißt - "Gelassenheit gegenüber dem eigenen Erkenntnishorizont" aufbringen, die nötig ist, um ethische Werte eben einfach so und ohne Nachfrage hinzunehmen, Die "Ehrfurcht vor dem All" wird ihn nicht daran hindern, bohrend nachzufragen, warum es einen Sinn macht, "gut zu sein" und worin dieses Gutsein eigentlich besteht.

Kants kategorischer Imperativ ist ja bereits ein berühmtes Beispiel für einen nichtreligiösen ethischen Grundsatz. Sein Wert liegt u.a. in seiner Abstraktheit und Ungebundenheit von konkreten Gruppenbekenntnissen. Mit einer Benennung, auf die man sich - zum Beispiel in einer Steuerklärung berufen könnte - ginge sofort eine Entwertung dieses Grundsatz einher.

Ein anderer Ansatz ist der von Karl Marx: Es sei eine Pflicht, für Verhältnisse einzutreten, in denen "die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist". Auch das ist ein abstrakter, gruppenbezugsunabhängiger Grundsatz. (Der in scheinbarem Gegensatz zu dem marxistischen Prinzip steht, dass Moral immer Klassenmoral sei. Entweder die der herrschenden Klasse oder die der sich gegen Beherrschtwerden auflehnenden Klasse. Die marxistische Lösung besteht darin, dass eben erst in einer klassenlosen Gesellschaft das oben genannte ethische Prinzip realisierbar ist. Dann ist man aber nicht mehr "Arbeiter", "Bauer" oder "Kapitalist". Dann gehört man nicht mehr zu diesen oder jenen)

Die Namensgebung selbst ist bereits der erste Schritt hin zu einer auch gottesbezüglichen Religion.
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Re: Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon TheManFromDownUnder » Mo 12. Mär 2018, 11:35

schokoschendrezki hat geschrieben:(12 Mar 2018, 10:18)

Eine Religion ohne Gott steht vor dem Problem, dass sie die Frage nach der Herkunft von ethischen Werten eben doch irgendwie beantworten muss. Auch der ohne-Gott-religiöse Mensch wird nicht einfach so die - wie es in einer Rezension zu Dworkins Buch heißt - "Gelassenheit gegenüber dem eigenen Erkenntnishorizont" aufbringen, die nötig ist, um ethische Werte eben einfach so und ohne Nachfrage hinzunehmen, Die "Ehrfurcht vor dem All" wird ihn nicht daran hindern, bohrend nachzufragen, warum es einen Sinn macht, "gut zu sein" und worin dieses Gutsein eigentlich besteht.

Kants kategorischer Imperativ ist ja bereits ein berühmtes Beispiel für einen nichtreligiösen ethischen Grundsatz. Sein Wert liegt u.a. in seiner Abstraktheit und Ungebundenheit von konkreten Gruppenbekenntnissen. Mit einer Benennung, auf die man sich - zum Beispiel in einer Steuerklärung berufen könnte - ginge sofort eine Entwertung dieses Grundsatz einher.

Ein anderer Ansatz ist der von Karl Marx: Es sei eine Pflicht, für Verhältnisse einzutreten, in denen "die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist". Auch das ist ein abstrakter, gruppenbezugsunabhängiger Grundsatz. (Der in scheinbarem Gegensatz zu dem marxistischen Prinzip steht, dass Moral immer Klassenmoral sei. Entweder die der herrschenden Klasse oder die der sich gegen Beherrschtwerden auflehnenden Klasse. Die marxistische Lösung besteht darin, dass eben erst in einer klassenlosen Gesellschaft das oben genannte ethische Prinzip realisierbar ist. Dann ist man aber nicht mehr "Arbeiter", "Bauer" oder "Kapitalist". Dann gehört man nicht mehr zu diesen oder jenen)

Die Namensgebung selbst ist bereits der erste Schritt hin zu einer auch gottesbezüglichen Religion.


Ich denke ihr ueberdenkt das Thema.

Es gibt keine Religion ohne Gott. Gott ist das was sich die Menschen erfunden haben fuer alles was sie nicht verstehen. Die Urmenschen beteten die Sonne an, sahen in Gewittern und sonstigen Naturereignissen Goetter. Je mehr der Mensch seine Umwelt verstand um so geringer wurden die Anzahl der Goetter.

Aber die Grundfrage "Wo kommen wir her" und "wo gehen wir hin" sind fuer die Mehrzahl von uns fundamentale Fragen und deshalb haben wir noch Gott, Allah, Buddah, Jehova oder wie man ihn sonst nennt. Die Frage wie so sind wir hier, was ist unsere Bestimmung und was ist danach, vor allem was ist danach braucht eine Antwort. Die Religion gibt diese Antwort. Ein Leben nach dem Tod. Eine Beruhigung fuer unsere Sterblichkeit. Das kobiniert mit der Hoffnung auf Paradies und der Verdammung in der Hoelle machen Religionen so powerful.
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Re: Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon Alana4 » Mo 12. Mär 2018, 11:56

TheManFromDownUnder hat geschrieben:.... Die Frage wie so sind wir hier, was ist unsere Bestimmung und was ist danach, vor allem was ist danach braucht eine Antwort. ......

"braucht eine Antwort"? Nö, vielleicht brauchen manche Leute dafür eine Antwort (die sie aber nie kriegen).

Ansonsten ist eine ganz nüchterne Antwort: Mensch wird geboren, Mensch lebt- mehr oder weniger "nützlich" und sinnvoll, Mensch stirbt. Toter Körper verwest. Erledigt. Hat Mensch in seinem Leben Sinnvolles getan, bleiben Spuren von ihm zurück- Kinder, die er gezeugt hat, Häuser, die er gebaut hat, Bilder, die er gemalt hat.......War er besonders "sinnvoll" im Leben tätig, bleiben viele Spuren/Erinnerungen über lange Zeit von ihm zurück, war er ein Nichtsnutz, ein Unscheinbarer....dann sind die Spuren gering, dann ist er schnell vergessen. So und nicht anders läuft das seit Anbeginn. Irgendwelcher "Götter" bedarf es dazu nicht, irgendwelcher Jenseits-Glauben bedarf es dazu auch nicht. Wie der einzelne Mensch entsteht, ist klar, wie er endet ebenso.
Ich beherrsche die deutsche Rechtschreibung! Aber meine Tastatur hat damit manchmal Probleme.
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Re: Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon Skeptiker » Mo 12. Mär 2018, 13:04

Alana4 hat geschrieben:(12 Mar 2018, 11:56)

"braucht eine Antwort"? Nö, vielleicht brauchen manche Leute dafür eine Antwort (die sie aber nie kriegen).

Ansonsten ist eine ganz nüchterne Antwort: Mensch wird geboren, Mensch lebt- mehr oder weniger "nützlich" und sinnvoll, Mensch stirbt. Toter Körper verwest. Erledigt. Hat Mensch in seinem Leben Sinnvolles getan, bleiben Spuren von ihm zurück- Kinder, die er gezeugt hat, Häuser, die er gebaut hat, Bilder, die er gemalt hat.......War er besonders "sinnvoll" im Leben tätig, bleiben viele Spuren/Erinnerungen über lange Zeit von ihm zurück, war er ein Nichtsnutz, ein Unscheinbarer....dann sind die Spuren gering, dann ist er schnell vergessen. So und nicht anders läuft das seit Anbeginn. Irgendwelcher "Götter" bedarf es dazu nicht, irgendwelcher Jenseits-Glauben bedarf es dazu auch nicht. Wie der einzelne Mensch entsteht, ist klar, wie er endet ebenso.

Exakt so ist es.

Jeder Mensch lebt aber nach einer eigenen Ethik. Atheisten kann diese sehr einfach abgesprochen werden, weil sie ja keiner Konfession angehören. Warum muss aber ein Bekenntnis immer und unbedingt mit metaphysischem Geschwurbel daherkommen. Man kann ein "guter Mensch" sein, auch wenn man das nicht automatisch mit der Existenz von Göttern oder übersinnlichem verbindet.

Gibt es etwa rechtliche Beschränkungen eine ethische Vereinigung nur dann eine Konfession/Religion nennen zu dürfen, wenn sie sich auf ein metaphysisches Fundamet/Dogma beruft?
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Re: Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 12. Mär 2018, 13:39

TheManFromDownUnder hat geschrieben:(12 Mar 2018, 11:35)

Ich denke ihr ueberdenkt das Thema.

Es gibt keine Religion ohne Gott. Gott ist das was sich die Menschen erfunden haben fuer alles was sie nicht verstehen. Die Urmenschen beteten die Sonne an, sahen in Gewittern und sonstigen Naturereignissen Goetter. Je mehr der Mensch seine Umwelt verstand um so geringer wurden die Anzahl der Goetter.

Religion ist zum einen eine angenommene oder auch nicht angenommene Glaubens-Sache. Aber eben nicht nur das. Sie ist ein unabschaffbares historisches Phänomen. Und mit ihrem geschichtlichen Einfluss auf Kultur, Sprache, Begriffsbildungen, Architektur usw. usf. sind auch die, die sich für Agnostiker und/oder Atheisten halten, unabweisbar mit Religion verbunden. Auch wenn sie sie als Welterklärungsmuster und ethisches Vorgabenregister noch so emphatisch ablehnen.

Eine Religion ohne Gott ist der Versuch, diese einfache Tatsache nicht wahrhaben zu wollen. Was tatsächlich und nur möglich ist: Sich auch dieser Historizität bewusst zu sein und eine schrittweise, inkrementelle Loslösung in Gang zu setzen. Weder entkoffeinierter Kaffee noch alkoholfreies Bier werden Kaffee und Bier als kulturelle Phänomene ungeschehen machen. Auch für die Nicht-Kaffee- und Nicht-Biertrinker nicht.
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Re: Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon relativ » Mo 12. Mär 2018, 13:44

Alana4 hat geschrieben:(12 Mar 2018, 11:56)

"braucht eine Antwort"? Nö, vielleicht brauchen manche Leute dafür eine Antwort (die sie aber nie kriegen).

Ansonsten ist eine ganz nüchterne Antwort: Mensch wird geboren, Mensch lebt- mehr oder weniger "nützlich" und sinnvoll, Mensch stirbt. Toter Körper verwest. Erledigt. Hat Mensch in seinem Leben Sinnvolles getan, bleiben Spuren von ihm zurück- Kinder, die er gezeugt hat, Häuser, die er gebaut hat, Bilder, die er gemalt hat.......War er besonders "sinnvoll" im Leben tätig, bleiben viele Spuren/Erinnerungen über lange Zeit von ihm zurück, war er ein Nichtsnutz, ein Unscheinbarer....dann sind die Spuren gering, dann ist er schnell vergessen. So und nicht anders läuft das seit Anbeginn. Irgendwelcher "Götter" bedarf es dazu nicht, irgendwelcher Jenseits-Glauben bedarf es dazu auch nicht. Wie der einzelne Mensch entsteht, ist klar, wie er endet ebenso.

Nun evtl. fragst du dich sowas nicht, aber wenn die menschliche Existenz wirklich diese banale Bedeutung hat wie du sie hier darstellst, fragst man sich nicht automatisch, warum sich die Natur dann so Mühe gegeben hat uns einen Verstand und Bewusstsein zu geben und nicht nur ein Instinkt wie bei wohl allen anderen Lebenwesen auf dieser Erde? Natürlich gibt es auch dafür Erklärungen wie Zufall, Unfall evct.pp. aber so richtig überzeugend sind die auch nicht.
Ob es jetzt ein Gott, Götter, oder einfach nur die Idee, ein Verstand ist, der dahinter steht ist eigentlich auch unerheblich, den eins steht für mich fest, für die Gestaltung unseres Lebens hier auf der Erde, sind wir mit ziemlicher Sicherheit und Offensichtlichkeit selber verantwortlich,
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Re: Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon Excellero » Mo 12. Mär 2018, 13:48

Religion ohne Gott? Hmm Apple?
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Re: Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon relativ » Mo 12. Mär 2018, 13:55

Skeptiker hat geschrieben:(12 Mar 2018, 13:04)

Exakt so ist es.

Jeder Mensch lebt aber nach einer eigenen Ethik. Atheisten kann diese sehr einfach abgesprochen werden, weil sie ja keiner Konfession angehören. Warum muss aber ein Bekenntnis immer und unbedingt mit metaphysischem Geschwurbel daherkommen. Man kann ein "guter Mensch" sein, auch wenn man das nicht automatisch mit der Existenz von Göttern oder übersinnlichem verbindet.

Gibt es etwa rechtliche Beschränkungen eine ethische Vereinigung nur dann eine Konfession/Religion nennen zu dürfen, wenn sie sich auf ein metaphysisches Fundamet/Dogma beruft?

Also erstens lebt nicht jeder Mensch nach seiner eigenen Ethik, denn der Mesnch ist ein Herdenlebewesen und genauso verhält er sich bzw. wir dadurch beeinflusst. Das dies in unser mom. Gesellschaft vermehrt indivudualismus Bestrebungen gibt, negiert das Grundsätzliche ja nicht.
Also deine Problem war ja anfänflich ganz banal ein Ordnungspolitisches, welches mit einer persönliche Bekenntnis eher wenig zu tun hat. Klar wenn man sonst keine Probleme hat, macht man sich welche.
Erst als der Mensch anfing zu denken und sein Verstand für die verbesserung seiner lebenssituation zu nutzen, kam der Glaube ins Spiel. Vorher war er von Instinketn geleitet und die waren nicht immer sehr freidvoll und sozial. Ich glaube kaum , daß ich dahin zurück möchte.
Das aus Glauben recht schnell Religionen wurde, liegt m.M. an der Tatsache, daß der Mensch zwar auf seine Herde angewiesen ist, aber in ihr gerne individuell herraussticht, sei es durch Macht, Wissen, oder Stärke. Diese Triebfeder erkennt man tagtäglich, wenn man denn hinschaut.
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Re: Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon Keoma » Mo 12. Mär 2018, 14:00

relativ hat geschrieben:(12 Mar 2018, 13:44)

Nun evtl. fragst du dich sowas nicht, aber wenn die menschliche Existenz wirklich diese banale Bedeutung hat wie du sie hier darstellst, fragst man sich nicht automatisch, warum sich die Natur dann so Mühe gegeben hat uns einen Verstand und Bewusstsein zu geben und nicht nur ein Instinkt wie bei wohl allen anderen Lebenwesen auf dieser Erde? Natürlich gibt es auch dafür Erklärungen wie Zufall, Unfall evct.pp. aber so richtig überzeugend sind die auch nicht.
Ob es jetzt ein Gott, Götter, oder einfach nur die Idee, ein Verstand ist, der dahinter steht ist eigentlich auch unerheblich, den eins steht für mich fest, für die Gestaltung unseres Lebens hier auf der Erde, sind wir mit ziemlicher Sicherheit und Offensichtlichkeit selber verantwortlich,


Die Natur hat sich keine Mühe gegeben.
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Re: Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon relativ » Mo 12. Mär 2018, 14:04

Keoma hat geschrieben:(12 Mar 2018, 14:00)

Die Natur hat sich keine Mühe gegeben.

Also wenn ich mir die Komplexität des Universums und des Lebens, von der wir bisher wissen, anschaue, kann ich deine Aussage nicht nachvollziehen.
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Re: Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon Keoma » Mo 12. Mär 2018, 14:22

relativ hat geschrieben:(12 Mar 2018, 14:04)

Also wenn ich mir die Komplexität des Universums und des Lebens, von der wir bisher wissen, anschaue, kann ich deine Aussage nicht nachvollziehen.

"Die Natur" kann sich keine Mühe geben.
Wie denn?
Setzt sich "die Natur" hin und überlegt, was bei den Koalas schief gelaufen ist?
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Re: Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 12. Mär 2018, 14:26

Skeptiker hat geschrieben:(12 Mar 2018, 13:04)
Jeder Mensch lebt aber nach einer eigenen Ethik. Atheisten kann diese sehr einfach abgesprochen werden, weil sie ja keiner Konfession angehören. Warum muss aber ein Bekenntnis immer und unbedingt mit metaphysischem Geschwurbel daherkommen. Man kann ein "guter Mensch" sein, auch wenn man das nicht automatisch mit der Existenz von Göttern oder übersinnlichem verbindet.

Du kannst deine ethischen Grundsätze, auch wenn Du sie als deine ganz persönlichen auffasst, nur in Form von Sprache formulieren. Hast Du eine Vorstellung davon, wieviele gebräuchliche sprachliche Begriffe - nur mal exemplarisch - auf Martin Luther zurückgehen? Von "Schmach und Schande" über "Herzenslust", "Böse Buben", "Lästermaul" und etlichen Dutzend weiteren bis hin zu "ein Buch mit sieben Siegeln". Du bist verstrickt! Im wahrsten Sinne des Wortes.
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Re: Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon relativ » Mo 12. Mär 2018, 14:29

Keoma hat geschrieben:(12 Mar 2018, 14:22)

"Die Natur" kann sich keine Mühe geben.
Wie denn?
Setzt sich "die Natur" hin und überlegt, was bei den Koalas schief gelaufen ist?

Nunja aber wer oder was schuf den jetzt das Universum.
Also ich bin nur ein Mensch, ich kann da nicht aus meiner Haut mich das nicht zu fragen. Wenn es angeblich keiner gewesen sein will und ganz unspektakulär einfach da ist, wie ist es hier hingekommen, oder leben wir in einen Traum ect.? Was ja auch wieder Fragen aufwirft.
Wieso soll sich die Natur fragen was mit den Koalas hier auf der Erde passiert, oder schief gelaufen ist?
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Re: Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon Keoma » Mo 12. Mär 2018, 14:45

relativ hat geschrieben:(12 Mar 2018, 14:29)

Nunja aber wer oder was schuf den jetzt das Universum.
Also ich bin nur ein Mensch, ich kann da nicht aus meiner Haut mich das nicht zu fragen. Wenn es angeblich keiner gewesen sein will und einfach ganz unspektakulär einfach da ist, wie ist es hier hingekommen, oder leben wir in einen Traum ect.? Was ja auch wieder Fragen aufwirft.
Wieso soll sich die Natur fragen was mit den Koalas hier auf der Erde passiert, oder schief gelaufen ist?


Das Koala-Weibchen, das auf Bäumen lebt, hat seine Beutelöffnung unten, der Koala stammt von einem Vorfahren der Wombats ab. Der Wombat gräbt noch heute in der Erde Gänge und Höhlen und hat – um seine Jungen zu schützen – die Beutelöffnung hinten.
Es gibt noch mehr Beispiele für "Fehler" der Natur, die gegen Schöpfung oder intelligent design sprechen, sich aber durch die Evolution erklären lassen.
Das habe ich damit gemeint.
Wenn jemand den Urknall als Schöpfung erklären will, sein es ihm unbenommen.
Ich sehe nirgends den Beweis für einen Schöpfer, nur für seine "Schlampigkeit".
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Re: Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon relativ » Mo 12. Mär 2018, 14:58

Keoma hat geschrieben:(12 Mar 2018, 14:45)

Das Koala-Weibchen, das auf Bäumen lebt, hat seine Beutelöffnung unten, der Koala stammt von einem Vorfahren der Wombats ab. Der Wombat gräbt noch heute in der Erde Gänge und Höhlen und hat – um seine Jungen zu schützen – die Beutelöffnung hinten.
Es gibt noch mehr Beispiele für "Fehler" der Natur, die gegen Schöpfung oder intelligent design sprechen, sich aber durch die Evolution erklären lassen.
Das habe ich damit gemeint.
Wenn jemand den Urknall als Schöpfung erklären will, sein es ihm unbenommen.
Ich sehe nirgends den Beweis für einen Schöpfer, nur für seine "Schlampigkeit".

Woher nimmst du denn die sichere Erkenntnis, daß deine Schilderungen etwas mit einer Schlampigkeit, oder Fehlern zu tun haben. Deine Einstellung kann ich ja verstehen, da unser Intellkt einfach noch zu grün ist um vieles zu verstehen, aber sich auszumalen, ein schlampiger aber "genialer Geist" hat sich das alles ausgedacht, mom.... daran glaubst du ja nicht. Hm? Ich assoziere als Mensch Schlampigkeit immer mit etwas Wahrhaftigen, Lebendigen, aber daran glaubst du ja nicht als Schöpfung, als wie kann das Nix jetzt schlampig sein?
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Re: Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon Keoma » Mo 12. Mär 2018, 15:01

relativ hat geschrieben:(12 Mar 2018, 14:58)

Woher nimmst du denn die sichere Erkenntnis, daß deine Schilderungen etwas mit einer Schlampigkeit, oder Fehlern zu tun haben. Deine Einstellung kann ich ja verstehen, da unser Intellkt einfach noch zu grün ist um vieles zu verstehen, aber sich auszumalen, ein schlampiger aber "genialer Geist" hat sich das alles ausgedacht, mom.... daran glaubst du ja nicht. Hm? Ich assoziere als Mensch Schlampigkeit immer mit etwas Wahrhaftigen, Lebendigen, aber daran glaubst du ja nicht als Schöpfung, als wie kann das Nix jetzt schlampig sein?


Damit meinte ich einen genialen Schöpfer, der sich als nicht so genial herausstellt - also neige ich eher dazu, dass es keinen Schöpfer gibt.
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Re: Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon relativ » Mo 12. Mär 2018, 15:05

Keoma hat geschrieben:(12 Mar 2018, 15:01)

Damit meinte ich einen genialen Schöpfer, der sich als nicht so genial herausstellt - also neige ich eher dazu, dass es keinen Schöpfer gibt.

Muss ich das jetzt verstehen?
Weil der mögliche Schöpfer deiner Ansicht zu Fehlern neigt, gibt es für dich keinen Schöpfer?
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Re: Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon Billie Holiday » Mo 12. Mär 2018, 15:06

Ich benötige keine Glaubens- oder Gruppenzugehörigkeit in meiner Eigenschaft als Atheistin. Ich fühle keine Verbundenheit zu anderen, mir fremden Atheisten. Ich glaube nicht an höhere Wesen, bin aber dem Glauben oder Unglauben anderer gegenüber völlig gleichgültig eingestellt, solange mich niemand belatschert.
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
K. Kinski

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