Religion ohne Gottesbezug?

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Re: Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon Skeptiker » Mo 12. Mär 2018, 22:31

Boraiel hat geschrieben:(12 Mar 2018, 22:26)
Ich sehe Gott als Woher der Fraglichkeit, viele weitere Bezeichnungen sind unter gewissen Blickwinkel meines Erachtens aber auch möglich und zutreffend.
"Woher aber kommt das Woher der Fraglichkeit?“ liefert eine klare Antwort.

Du denkst also, dass es naheliegend ist, dass es einen Schöpfer gibt, weil "Woher aber kommt das Woher der Fraglichkeit" sonst nicht beantwortet werden könnte?

Und weil man von religiösen Menschen solche Antworten erhält bin ich überzeugter Atheist.
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Boraiel
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Re: Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon Boraiel » Mo 12. Mär 2018, 22:36

Skeptiker hat geschrieben:(12 Mar 2018, 22:31)

Du denkst also, dass es naheliegend ist, dass es einen Schöpfer gibt, weil "Woher aber kommt das Woher der Fraglichkeit" sonst nicht beantwortet werden könnte?

Und weil man von religiösen Menschen solche Antworten erhält bin ich überzeugter Atheist.

Nein, weil es eine klare Antwort liefert. ;)
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Lesen und verstehen: http://www.feynmanlectures.caltech.edu/I_01.html
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Re: Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon Skeptiker » Mo 12. Mär 2018, 22:40

Boraiel hat geschrieben:(12 Mar 2018, 22:36)
Nein, weil es eine klare Antwort liefert. ;)

In der Philosopie sucht man sich so lange die richtige, bis man die findet die einen selbst bestätigt.

In der Logik hat man diesen Luxus nicht.

Ich will Dir Deinen Glauben nicht madig machen, aber es ist eben ein Glauben.
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Re: Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon Maltrino » Mo 12. Mär 2018, 22:42

Skeptiker hat geschrieben:(12 Mar 2018, 22:25)

...Es gibt viele Ideologien in die deren Jünger wie in einen Religion vernarrt sind. ...


Hm, ja dann gibt es ja doch Religionen ohne Gott. Heißen dann aber Ideologien?
Wie ihr seht, habe ich jetzt auch ein Profilbild wo das Portrait eines großen politischen Denkers aus der Vergangenheit abgebildet ist. Damit ist jetzt jede meiner Aussagen wahr und absolut seriös.
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Re: Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon Boraiel » Mo 12. Mär 2018, 22:46

Skeptiker hat geschrieben:(12 Mar 2018, 22:40)

In der Philosopie sucht man sich so lange die richtige, bis man die findet die einen selbst bestätigt.

In der Logik hat man diesen Luxus nicht.

Ich will Dir Deinen Glauben nicht madig machen, aber es ist eben ein Glauben.

Nenene, mach das ruhig, ich bin immer für überzeugende Argumente zu haben.
Und natürlich sucht man danach, wie die Dinge richtig zusammenfinden. Was soll man auch sonst tun?
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Re: Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon Skeptiker » Mo 12. Mär 2018, 22:51

Maltrino hat geschrieben:(12 Mar 2018, 22:42)
Hm, ja dann gibt es ja doch Religionen ohne Gott. Heißen dann aber Ideologien?

Ideologien stehen den Religionen in meinen Augen sehr nahe. Sicher beschreibt ein Ethikkatalog ein Ideal, so wie eine Religion ebenfalls ein Ideal beschreibt.

So wie jede Ideologie enormen Schaden anrichten kann, kann es auch die Religion - und umgekehrt.

Einer Ideologie anzugehören bedeutet aber nicht unbedingt daraus eine Konfession, eine Bekenntnis, zu machen. Das Ideal einer mitmenschlichen Gesellschaft mit konkret formulierten Leitsätzen aber ohne Gottesbezug, könnte ich mir aber durchaus als Konfession vorstellen.
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Re: Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon JosefG » Mo 12. Mär 2018, 22:56

Es gibt eine etablierte Religion ohne Gottesbezug: den Buddhismus.
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Re: Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon Skeptiker » Mo 12. Mär 2018, 23:11

JosefG hat geschrieben:(12 Mar 2018, 22:56)
Es gibt eine etablierte Religion ohne Gottesbezug: den Buddhismus.

Das geht in die richtige Richtung, und nicht umsonst ist mir der Buddhismus aufgrund seiner relativen Friedfertigkeit eher sympathisch.

Dennoch geht es mir nicht darum 30Mio Konfessionslose zu Buddhisten umzuerziehen, sondern die Koffessionslosen in einer Gemeinschaft das vertreten zu lassen, an was sie schon glauben - und die meisten anderen auch schon.
Politiker würden sagen es ist der Glaube "An das Grundgesetz" - mir schauderts ... . Was man eher damit meint, ist der Geist der Aufklärung, der letztendlich das tiefste Mittelalter durch Rationalität aus Europa vertrieben hat. Es ist der Geist insbesondere von Kant, dessen Imperativ immer wieder als Grundlage moderner Ethik verstanden wird - auch von mir. Dieser Geist ist zutiefst rationalistisch und dennoch etwas was man mit Leidenschaft und Idealismus vertreten kann. Es braucht in meinen Augen nur eine Bewegung dieses zu tun.
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Re: Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon immernoch_ratlos » Di 13. Mär 2018, 00:09

@Skeptiker

Nun ich kann schon verstehen warum Du Dir Verstärkung wünscht. Aber damit begibst Du Dich in die selbe Abhängigkeit von Regeln und Erwartungen, die sowohl Religionen, als auch jede Form Ideologien ausmacht.

Am Ende gibt es da auch wieder "Führungspersonal" innere und äußere Abgrenzungen. Irgendwelche "Häretiker" die irgendwie von der Linie abweichen.

Jeder ist in seinem eigenen Kopf alleine. Auch wenn jeder exakt die selben Eindrücke von außen empfängt, führt das niemals zu exakt den selben Reaktionen. "Wir" sind überhaupt nicht auf totale "Synchronisation" angelegt. Das mag entwicklungstechnisch von Vorteil sein. Im unterschiedlichen Handeln, liegt die größere Chance, auf eine Bedrohung als Ausnahmen "richtig" zu reagieren.

Um wenigsten zeitweise eng miteinander zu agieren, wird der Verstand "hormonell" für eine "angemessene" Zeitspanne absichtlich zurückgedrängt. Danach beherrscht wieder alle die Vereinzelung. Mühsam und trickreich werden Gruppen über ~150 Individuen zusammengehalten. Mehr als diese 150 "Mitmenschen" können wir offensichtlich nicht als Gruppe verarbeiten. Genau dafür ist dieser "Oberbau" erfunden worden. Mal ist es eine Religion, mal ist es eine Ideologie die benutzt wird. Es macht tatsächlich nur machtpolitisch einen Unterschied, welcher Fraktion man angehört.

Das mag hilfreich sein, so die Mitglieder der andern Fraktionen zu zwingen wenigstens mich und meine Vorstellungen in Ruhe zu lassen, es ändert allerdings sonst nichts, es fügt lediglich eine weiter geschlossene Gruppe, mit als den Abhängigkeiten und Regeln, welche unvermeidlich dabei entstehen, zu den bereits existierenden hinzu. Nichts als ein neuer "e.V."

Gott oder Nichtgott ist vollkommen nebensächlich - es sei denn die "gottergebene Fraktion" besteht darauf, dass es "ihren Gott" gibt und fackelt den Rest der Welt in "gottgefälliger Weise" ab.

Bei Humanisten muss man sich für die Gruppe oder das Individuum entscheiden - z.Z. beherrscht da die Idee - jeder sei als nur Individuum auf der richtigen Schiene - das Feld. Auch da gibt es wenig Verständnis für die gegenteilige Idee. Obschon auch all diese Ideen nicht unähnlich religiöser Überzeugungen nirgendwo ein "Naturgesetz" für sich beanspruchen können. Könnte man wenigsten z.B. die Gravitation als Grundlage der "richtigen" Ideologie - gern auch Religion anbieten, wäre es geschafft - keine könnte sich mehr dieser harten Wahrheit entziehen :thumbup:
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Re: Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon Skeptiker » Di 13. Mär 2018, 17:53

immernoch_ratlos hat geschrieben:(13 Mar 2018, 00:09)
@Skeptiker

Nun ich kann schon verstehen warum Du Dir Verstärkung wünscht. Aber damit begibst Du Dich in die selbe Abhängigkeit von Regeln und Erwartungen, die sowohl Religionen, als auch jede Form Ideologien ausmacht.

Am Ende gibt es da auch wieder "Führungspersonal" innere und äußere Abgrenzungen. Irgendwelche "Häretiker" die irgendwie von der Linie abweichen.

Klar, jede Religion hat ein Dogma. Jede Religion, zumindest die meisten, entwickeln sich weiter im Laufe der Zeit.

Mir geht es nicht darum Religion abzuschaffen. Ich sehe es aber als sinnvoll an, eine Religion zu schaffen, die dem naturalistischen Weltbild der Menschen, welches sich mit der Aufklärung gebildet hat, gerecht wird.
Immerhin gibt es einen historischen Trend zu immer weniger Göttern. Nun muss man vielleicht den nächsten konsequenten Schritt gehen.

Mein Glaubensdogma könnte z.B. so oder so ähnlich heißen: Die Welt ist naturalistisch. Jede reale Wirkung hat eine reale Ursache. Deren Beobachtung wird durch die Grenzen der menschlichen Beobachtungsfähigkeit und seines Verstandes begrenzt.

Ich denke das ist wesentlich näher am heutigen Volksglauben, als "Es gibt einen Gott im Himmel". Wenn das so ist, warum gefällt man sich dann darin so zu tun als wenn man Götter anbetet?

immernoch_ratlos hat geschrieben:Jeder ist in seinem eigenen Kopf alleine. Auch wenn jeder exakt die selben Eindrücke von außen empfängt, führt das niemals zu exakt den selben Reaktionen. "Wir" sind überhaupt nicht auf totale "Synchronisation" angelegt. Das mag entwicklungstechnisch von Vorteil sein. Im unterschiedlichen Handeln, liegt die größere Chance, auf eine Bedrohung als Ausnahmen "richtig" zu reagieren.

Um wenigsten zeitweise eng miteinander zu agieren, wird der Verstand "hormonell" für eine "angemessene" Zeitspanne absichtlich zurückgedrängt. Danach beherrscht wieder alle die Vereinzelung. Mühsam und trickreich werden Gruppen über ~150 Individuen zusammengehalten. Mehr als diese 150 "Mitmenschen" können wir offensichtlich nicht als Gruppe verarbeiten. Genau dafür ist dieser "Oberbau" erfunden worden. Mal ist es eine Religion, mal ist es eine Ideologie die benutzt wird. Es macht tatsächlich nur machtpolitisch einen Unterschied, welcher Fraktion man angehört.

Das mag hilfreich sein, so die Mitglieder der andern Fraktionen zu zwingen wenigstens mich und meine Vorstellungen in Ruhe zu lassen, es ändert allerdings sonst nichts, es fügt lediglich eine weiter geschlossene Gruppe, mit als den Abhängigkeiten und Regeln, welche unvermeidlich dabei entstehen, zu den bereits existierenden hinzu. Nichts als ein neuer "e.V."

Ja, jeder ist in seinem Kopf alleine. Das scheinen die Religionsgruppen aber noch nicht verstanden zu haben. Bis dahin nehmen sich einfach ihren Vorteil wahr das öffentliche Leben zu kapern mit ihren Vorstellungen von Ethik.

Nee, wir Atheisten sind viel schlauer und viel intellektueller indem wir tolle Individualisten sind. Komisch nur, dass wir so ein schlechtes Image und im gesellschaftlichen Leben keine Stimme haben ...

immernoch_ratlos hat geschrieben:Gott oder Nichtgott ist vollkommen nebensächlich - es sei denn die "gottergebene Fraktion" besteht darauf, dass es "ihren Gott" gibt und fackelt den Rest der Welt in "gottgefälliger Weise" ab.

Bei Humanisten muss man sich für die Gruppe oder das Individuum entscheiden - z.Z. beherrscht da die Idee - jeder sei als nur Individuum auf der richtigen Schiene - das Feld. Auch da gibt es wenig Verständnis für die gegenteilige Idee. Obschon auch all diese Ideen nicht unähnlich religiöser Überzeugungen nirgendwo ein "Naturgesetz" für sich beanspruchen können. Könnte man wenigsten z.B. die Gravitation als Grundlage der "richtigen" Ideologie - gern auch Religion anbieten, wäre es geschafft - keine könnte sich mehr dieser harten Wahrheit entziehen :thumbup:

Man muss es nicht so kompliziert machen. Vielleicht konzentriert man sich auf das was uns eint - eben die naturalistische Weltsicht.

Wenn man versucht jeden Aspekt des Lebens regeln zu wollen, dann wird man natürlich scheitern. Es macht kaum Sinn Menschen auf einheitliche Ess- oder Hygieneregeln zu verpflichten, so wie es archaische Religionen gemacht haben um z.B. Krankheiten nach damaligen Massstäben zu bekämpfen.
Eine neue Religion müsste sich also auf wenige Glaubensgrundsätze einigen, die viele Menschen so auch leidenschaftlich vertreten. Dazu gehört die Wahrnehmung der Welt und die Beziehungen der Menschen untereinander. Wie gesagt, die Ethik muss man nicht neu erfinden, man muss nur die nehmen, die es schon gibt. Die ist erprobt und gut - auch vollkommen ohne Kobolde und Elfen.
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Re: Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon immernoch_ratlos » Di 13. Mär 2018, 23:23

Skeptiker hat geschrieben:Mein Glaubensdogma könnte z.B. so oder so ähnlich heißen: Die Welt ist naturalistisch. Jede reale Wirkung hat eine reale Ursache. Deren Beobachtung wird durch die Grenzen der menschlichen Beobachtungsfähigkeit und seines Verstandes begrenzt.
Dem kann ich mich problemlos anschließen...

Ach ja - wenn schon "Gott" - dann gewiss keine der monotheistische Versionen - Völker mit Göttern konnten problemlos das Arsenal an Götter erweitern - wenn einer gerade mit etwas beschäftigt ist - kann der andere stattdessen einspringen oder wahlweise beide... :thumbup:

Der Kunstgriff mit der "Dreieinigkeit" ist eher befremdlich - wer ist da für was zuständig :?: - bei Hermes - nein nicht der Paketdienst - nein der mit dem Arbeitsbereich "Magiere, Kaufleute und Diebe" - bei den Römern war wohl Merkur zuständig.

Helios dem habe ich meine PV geweiht - geht auch später mit meinen persönlichen "Sonnenwagen" ähm - e-mobil über PV "ernährt" ...

Nur bloß kein für alles zuständiger Gott - ständig überlastet - kein Wunder, wenn der immer zorniger wird .... :(
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Re: Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon Hart aber herzlich » Sa 9. Jun 2018, 20:59

relativ hat geschrieben:(12 Mar 2018, 15:05)

Muss ich das jetzt verstehen?
Weil der mögliche Schöpfer deiner Ansicht zu Fehlern neigt, gibt es für dich keinen Schöpfer?




-Eine Quelle die Wasser ausspuckt kann auch ein Schöpfer sein..da eine Ursache eine bestimmte Wirkung hat. und nun?

Es kommt halt immer darauf an wie man das Wort Schöpfer interpretieren möchte.

Andere Frage: Wieso kommt man den eigentich drauf das es einen und gerade den Schöpfer gibt...Da muss doch jemand auch aus seinen Gedanken geschopft haben oder etwa nicht?
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Re: Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon Skeptiker » Sa 9. Jun 2018, 23:40

Hart aber herzlich hat geschrieben:(09 Jun 2018, 21:59)
-Eine Quelle die Wasser ausspuckt kann auch ein Schöpfer sein..da eine Ursache eine bestimmte Wirkung hat. und nun?

Es kommt halt immer darauf an wie man das Wort Schöpfer interpretieren möchte.

Wen irgendjemand im religiösen Zusammenhang von einem "Schöpfer" spricht, dann meint er offensichtlich den Schöpfer der Welt. Er meint nicht den Schöpfer des Wassers. Die Phrase, dass man ja interpretieren kann was "Schöpfer" bedeutet, ist in meinen Augen eine typische religiöse Strategie der Realität zu entfliehen und Unschärfe zu schaffen, wo keine existiert.

Soll ich mal einem evangelikalen Christen erklären, dass "Schöpfer" ja garnicht so gemeint ist? Der wird mich für bekloppt erklären.
Hart aber herzlich hat geschrieben:(09 Jun 2018, 21:59)
Andere Frage: Wieso kommt man den eigentich drauf das es einen und gerade den Schöpfer gibt...Da muss doch jemand auch aus seinen Gedanken geschopft haben oder etwa nicht?

Wem man seit der Geburt vom Schöpfer erzählt, der wird das halt als ersten Gedanken haben. Genauso wie Gläubigen anderer Religionen wohl ein anderes Bild in den Kopf kommt.

Soll das bedeuten, dass der Gedanke an "einen Schöpfer" schon Teil des Beweises seiner Existenz ist? Oder wie soll man das verstehen?
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Re: Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon keinproblem » Di 12. Jun 2018, 18:32

Skeptiker hat geschrieben:(12 Mar 2018, 22:18)

Es ist tatsächlich famos, dass sich Menschen die glauben wollen, von den simpelsten Augenscheinlichkeiten blenden lassen.

Jeder der sich kritisch damit auseinandersetzt wird doch schnell zu dem Schluss kommen, dass ein Schöpfer selbst erst einmal geschöpft worden sein muss. Damit verlagert man das Problem immer weiter nach hinten bis man sagt "äh, naja, so ein Quatsch, der war schon immer da ...". Sorry, aber dann kann ich auch gleich sagen, die Welt war schon immer da.

Mir konnte bislang noch niemand klarmachen, wieso die Welt einen Schöpfer benötigt. Religiöse Menschen argumentieren i.d.R. mit ihrem festen Glauben daran. Aristoteles oder Thomas von Aquin hört man doch kaum noch, weil man schon eben fest an Gott glauben muss um dieser Logik zu verfallen.

Es ist und bleibt halt eine Glaubenssache, bei der sich Gläubige gern überreden lassen, aber nichts was in irgendeiner Weise plausibel oder naheliegend ist.


Gut, dass du Aristoteles bereits angesprochen hast. Das Problem der unendlich langen Kausalitätskette ist nämlich nicht nur von Natur aus unlösbar, sondern auch ein logischer Fehlschluss. Der Infinite Regress bedeutet plump gesprochen, dass
1.) es kein auslösendes Ereignis geben kann wenn jede Ursache eine eigene Ursache braucht und
2.) unsere Existenz ein absoluter Beweis für ein auslösendes Ereignis ist, weshalb man folglich davon ausgehen müsse, dass es eine Ursache gegeben hat die selbst keiner bedarf.

Ich war den Großteil meines Lebens nicht religiös und welcher Glaubensgemeinschaft/oder auch nicht man angehört spielt bei so etwas keine Rolle. Dem auslösenden Ereignis plausibel argumentiert Intelligenz abzusprechen ist meiner Einschätzung nach ziemlich schwierig wenn nicht gar unmöglich, bin da aber jederzeit offen für andere Erkenntnisse und Mehrwerte für den eigenen Horizont. Das einzige Modell, dass mir bekannt ist, ist die Multiversum-Theorie - sprich es gibt einen Apparat der eine unendliche Anzahl an Universen generiert, weshalb die wahnwitzig geringe Wahrscheinlichkeit für das Entstehen unseres Universums mit den nötigen Voraussetzungen für Sterne und Planeten (welche gerundet bei 0 liegt) bzw. die wahnwitzig geringe Wahrscheinlichkeit für das Entstehen unseres Sonnensystems mit den nötigen Voraussetzungen für Leben auf der Erde kein Hindernis dafür ist, zu behaupten (menschliches) Leben sei aus Unfall entstanden.
Oft wird diese These von Wissenschaftlern vertreten, die auch direkt oder indirekt zugeben, dass sie das Modell nur aus der bloßen Ablehnung eines intelligenten Wollens heraus akzeptieren.
Gutes sprechen oder schweigen.
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Re: Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon Geri2 » Di 12. Jun 2018, 18:45

Religion wird von Atheisten hoheitlich definiert.
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Re: Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon keinproblem » Di 12. Jun 2018, 18:52

Keoma hat geschrieben:(12 Mar 2018, 14:45)

Es gibt noch mehr Beispiele für "Fehler" der Natur, die gegen Schöpfung oder intelligent design sprechen, sich aber durch die Evolution erklären lassen.
Das habe ich damit gemeint.
Wenn jemand den Urknall als Schöpfung erklären will, sein es ihm unbenommen.
Ich sehe nirgends den Beweis für einen Schöpfer, nur für seine "Schlampigkeit".


Wenn man dem Darwinismus lauscht und davon ausgeht, die Existenz jedes Lebewesens ist darauf reduziert, dass es sich so effektiv wie möglich fortpflanzen soll, ist die Beutelöffnung beim Koala tatsächlich ein Fehler.

Wenn man aber von einer objektiven Perspektive die Sache unter die Lupe nehmen will, kann man sich natürlich nicht mit vorgefertigten Wahrheiten der Sache annehmen. Dass alles Leben so effektiv wie möglich weiter überleben soll, ist also schon ein Standpunkt den man bereits von Beginn an einnimmt - dafür gibt es aber gar keinen Grund. Dann wäre mit der selben Logik alles Leben nämlich sowieso schon fehlerhaft wenn es irgendwann stirbt, so auch ein 4000 Jahre alter Koalabär. Wenn das bestmögliche Überleben des Koalas die Erwartungshaltung an Gott ist, wäre er natürlich nicht allmächtig.
Wenn ich meinen Neffen nicht dabei sehe wie er seine Hausaufgaben macht ist er für mich nur schlampig, wenn ich die Erwartung habe, dass er welche macht. Wenn er aber seit Beginn des Schuljahres keine Hausaufgaben aufbekommen hat, liegt der Fehler bei meiner Erwartung, nicht bei dem Erbrachten meines Neffen. Genauso ist Gott nicht "schlampig" weil er von uns gestellten Erwartungen/ Erwartungen an seiner Schöpfung nicht erfüllt.
Gutes sprechen oder schweigen.
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Re: Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon keinproblem » Di 12. Jun 2018, 19:07

Skeptiker hat geschrieben:(11 Mar 2018, 23:57)

Ich gebe es zu – ich mag keine Religionen. Das Problem welches ich mit ihnen habe ist, dass sie ihre Lehren typischerweise auf irrationalen Dogmen aufbauen.

Warum muss ich an Götter im Himmel glauben um es für richtig zu halten andere Menschen nicht zu töten? Muss ich natürlich nicht! Ein Wesen der Religion ist aber, dass deren Mitglieder oft denken, jede selbst empfundene Ethik stammt aus der Erziehung im eigenen heimisch religiösen Umfeld. Dadurch wird automatisch jeder suspekt, der einem anderen Umfeld entstammt – das Urproblem der Koexistenz von Religionsgemeinschaften.

Ich bin aber der Meinung, dass die allermeisten ethischen Empfindungen von eher schwach religiösen Menschen unterschiedlichster Kulturkreise ähnlich empfunden werden. Gottesglaube an sich bekommt durch den sich überall offenbarenden Extremismus aber ein zunehmend negatives Image (okay, okay, das mag eher Wunschdenken sein …).

Wäre es nicht an der Zeit den Menschen eine Gemeinschaft zu geben in der sie sich zu genau diesen ethischen Grundsätzen bekennen können, ohne dass drum herum irrationales Geschwurbel gemacht wird – ganz ohne Special Effects, nur mal definieren: Wenn ich den „Cools“ (o.ä.) angehöre, dann „glaube“ ich an die Richtigkeit der folgenden ethischen Verhaltensmuster, und bekenne mich zu ihnen:
1. …
2. …
usw.

Man mag das Humanismus nennen, will ich aber nicht. Ich meine das sollte eine echte auch offizielle Glaubensrichtung sein, denn ich bin der Auffassung, dass diese Menschen nicht mehr das ungläubige Anhängsel archaisch irrationaler Moralinstitutionen sein sollten. Diese Menschen sollten sich klar zu etwas anderem bekennen können, was sie dann auch ihre Religion nennen dürfen. Das würde diese Menschen aus der Lage befreien als unmoralisch zu gelten, wenn sie sich z.B. von einem anderen Glauben lossagen (eines der Kernprobleme des Atheismus).

Es würde die anderen Religionsgemeinschaften auch unter Druck setzen, wenn sie sich von dieser neuen Religion, dann nur noch durch eher kautzhaftige Thesen unterscheiden, die viele Menschen heute eher noch ertragen als unterstützen.

Was könnten die Fundamente und Inhalte einer solchen Religion sein? Gibt es sie schon? Wäre sie sinnvoll?

Als Anregung der folgende Link:
http://www.zeit.de/community/2014-10/re ... -atheismus


Religion bedeutet soweit ich weiß "Verbinden", da wäre Facebook im weitesten Sinne auch schon eine Religion, wenn man nur vom semantischen Aspekt ausgeht. Ein Forum in dem Atheisten und Agnostiker gemeinschaftlich ihre Werte und Ethikvorstellungen artikulieren können würde ich unterstützen. Das allgemeine Misstrauen vieler Leute gegenüber nicht-religiösen Menschen würde meiner Meinung nach trotzdem nicht signifikant abnehmen, da die meisten die solches Misstrauen gegenüber Atheisten/Agnostikern haben vermutlich nicht so fühlen, weil sie denken, dass sie keine Ethik haben, sondern viel mehr, dass es keinen Unterschied für sie macht ob sie sich daran halten oder nicht. Nach dem Motto, ich verurteile es zwar zu klauen, aber wenn ich trotzdem mal das Bubble Gum mitgehen lasse verrotten meine kalten Überreste genauso 1,80 tief unter der Erde, als wenn ich es gelassen hätte.
Für viele Personen, vermutlich besonders aus bildungsarmem Umfeldern, sind Atheisten im weitesten Sinne wohl so etwas wie Psychopathen, da sie wissen, dass diese keinerlei Furcht vor Konsequenzen ihres Handelns haben (in unserem Fall die Frucht vor Übernatürlichem).

Deswegen bin ich mir über den Sinn einer solchen Religionsgründung nicht ganz schlüssig oder habe es auch falsch verstanden, bin aber generell trotzdem ein Befürworter (solange es humane, menschenfreundliche Formen annimmt, etc pp)
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Re: Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon BingoBurner » Di 12. Jun 2018, 19:32

Skeptiker hat geschrieben:(11 Mar 2018, 23:57)

Ich gebe es zu – ich mag keine Religionen. Das Problem welches ich mit ihnen habe ist, dass sie ihre Lehren typischerweise auf irrationalen Dogmen aufbauen.

Warum muss ich an Götter im Himmel glauben um es für richtig zu halten andere Menschen nicht zu töten? Muss ich natürlich nicht! Ein Wesen der Religion ist aber, dass deren Mitglieder oft denken, jede selbst empfundene Ethik stammt aus der Erziehung im eigenen heimisch religiösen Umfeld. Dadurch wird automatisch jeder suspekt, der einem anderen Umfeld entstammt – das Urproblem der Koexistenz von Religionsgemeinschaften.

Ich bin aber der Meinung, dass die allermeisten ethischen Empfindungen von eher schwach religiösen Menschen unterschiedlichster Kulturkreise ähnlich empfunden werden. Gottesglaube an sich bekommt durch den sich überall offenbarenden Extremismus aber ein zunehmend negatives Image (okay, okay, das mag eher Wunschdenken sein …).

Wäre es nicht an der Zeit den Menschen eine Gemeinschaft zu geben in der sie sich zu genau diesen ethischen Grundsätzen bekennen können, ohne dass drum herum irrationales Geschwurbel gemacht wird – ganz ohne Special Effects, nur mal definieren: Wenn ich den „Cools“ (o.ä.) angehöre, dann „glaube“ ich an die Richtigkeit der folgenden ethischen Verhaltensmuster, und bekenne mich zu ihnen:
1. …
2. …
usw.

Man mag das Humanismus nennen, will ich aber nicht. Ich meine das sollte eine echte auch offizielle Glaubensrichtung sein, denn ich bin der Auffassung, dass diese Menschen nicht mehr das ungläubige Anhängsel archaisch irrationaler Moralinstitutionen sein sollten. Diese Menschen sollten sich klar zu etwas anderem bekennen können, was sie dann auch ihre Religion nennen dürfen. Das würde diese Menschen aus der Lage befreien als unmoralisch zu gelten, wenn sie sich z.B. von einem anderen Glauben lossagen (eines der Kernprobleme des Atheismus).

Es würde die anderen Religionsgemeinschaften auch unter Druck setzen, wenn sie sich von dieser neuen Religion, dann nur noch durch eher kautzhaftige Thesen unterscheiden, die viele Menschen heute eher noch ertragen als unterstützen.

Was könnten die Fundamente und Inhalte einer solchen Religion sein? Gibt es sie schon? Wäre sie sinnvoll?

Als Anregung der folgende Link:
http://www.zeit.de/community/2014-10/re ... -atheismus



Weißt du was ich vermisse in deiner Argumentation..........


Trauer Tod Verlust Versagen Lügen Schwäche Zweifel

Wie geht man damit um ? Was kann man tun ?
Wieviele atheistische Krankenhäuser gibt es den ?

Dont take your organs to heaven !
Heaven knows we need them here !

Dinge, die Impfgegner sagen : https://www.facebook.com/impfgegnerzitate/

BASTIANNNN ......... https://www.youtube.com/watch?v=n3D33s5GB4A
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Re: Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon Skeptiker » Di 12. Jun 2018, 21:10

keinproblem hat geschrieben:(12 Jun 2018, 19:32)
Gut, dass du Aristoteles bereits angesprochen hast. Das Problem der unendlich langen Kausalitätskette ist nämlich nicht nur von Natur aus unlösbar, sondern auch ein logischer Fehlschluss. Der Infinite Regress bedeutet plump gesprochen, dass
1.) es kein auslösendes Ereignis geben kann wenn jede Ursache eine eigene Ursache braucht und
2.) unsere Existenz ein absoluter Beweis für ein auslösendes Ereignis ist, weshalb man folglich davon ausgehen müsse, dass es eine Ursache gegeben hat die selbst keiner bedarf.

Letzteres sehe ich eindeutig anders.
In meinen Augen werden Menschen so wenig in der Lage sein die Natur des Universums zu 100% bis ins Letzte zu verstehen, wie eine Ameise in der Lage ist zu verstehen dass die Erde eine Kugel ist. Wissenschaft kann sich dem theoretisch annähern, aber da verwischen die Grenzen zwischen Wissenschaft und Philosophie, weil vieles von dem, insbesondere wenn es um die Ursache für die Entstehung des Universums angeht, nicht ergründbar ist. Auch wenn man Millisekunden bis an den Urknall simuliert, am Ende kann man die letzte Grenze nicht überschreiten.

Was das angeht, so bin ich also eine Art wissenschaftlicher Agnostiker. Dennoch haben wir nichts besseres als die Wissenschaft uns dieser Wahrheit so weit wie möglich zu nähern. Es gehört aber zur Demut dazu, einzugestehen, dass die Wahrheit immer verborgen bleiben wird.

Religion verstehe ich daher als plumpe Strategie dem Menschen mit Bedürfnis nach Gewissheit, eben diese zu "verkaufen". Wer nur mit der "Wahrheit" leben kann, der muss den Preis dafür bezahlen und "Glauben". Ironisch dabei ist das positive Image der Kirchen, welche diesen Hochmut als tugendhaft auslegen. Es ist genau das Gegenteil. Es ist die Unfähigkeit sich auf Rationalität zu beschränken und die Arroganz unplausible und unbewiesene Behauptungen als Tatsachen hinzustellen und vernünftige Menschen abzuwerten (siehe Verhältnis Muslime zu Ungläubigen).

keinproblem hat geschrieben:(12 Jun 2018, 19:32)
Ich war den Großteil meines Lebens nicht religiös und welcher Glaubensgemeinschaft/oder auch nicht man angehört spielt bei so etwas keine Rolle. Dem auslösenden Ereignis plausibel argumentiert Intelligenz abzusprechen ist meiner Einschätzung nach ziemlich schwierig wenn nicht gar unmöglich, bin da aber jederzeit offen für andere Erkenntnisse und Mehrwerte für den eigenen Horizont. Das einzige Modell, dass mir bekannt ist, ist die Multiversum-Theorie - sprich es gibt einen Apparat der eine unendliche Anzahl an Universen generiert, weshalb die wahnwitzig geringe Wahrscheinlichkeit für das Entstehen unseres Universums mit den nötigen Voraussetzungen für Sterne und Planeten (welche gerundet bei 0 liegt) bzw. die wahnwitzig geringe Wahrscheinlichkeit für das Entstehen unseres Sonnensystems mit den nötigen Voraussetzungen für Leben auf der Erde kein Hindernis dafür ist, zu behaupten (menschliches) Leben sei aus Unfall entstanden.
Oft wird diese These von Wissenschaftlern vertreten, die auch direkt oder indirekt zugeben, dass sie das Modell nur aus der bloßen Ablehnung eines intelligenten Wollens heraus akzeptieren.

Die Multiversum Theorie ist für mich keine wissenschaftliche Theorie. Sie ist für mich grundsätzlich nicht falsifizierbar und daher Teil der Philosophie. Ich lehne sie ab. Das ist reine Fiktion ähnlich anderen Religionen.
Anhand einer solchen Fiktion Wahrscheinlichkeiten für das Entstehen von Leben einzuschätzen, bewegt sich für mich auf der Ebene von Phantasie, nicht mal Philosophie.

In keiner, aber wirklich in keiner, die Religion befürwortenden Abhandlung fehlt am Ende der Hinweis auf Wissenschaftler die angeblich an der Wissenschaft zweifeln. Das ist sicherlich in manchen Fällen richtig, es ist aber ebenso Tatsache, dass die ganz überwiegende Zahl der Wissenschafler nichtreligiös sind, größtenteils atheistisch oder agnostisch. Umgekehrt gibt es weit mehr Menschen die aus Gewohnheit und Gruppendruck zur Kirche gehen, innerlich aber schon lange das ganze als Schauspiel betrachten. Man glaubt vielleicht an das "Gute" am Glauben, aber weniger an den lieben Gott im Himmel.
Eben diese Leute sind oft klassische Atheisten und meist Humanisten. Und diese Gruppe ist viel größer als diejenigen die Gott als Ersatzpolizei für Untaten im Diesseits benötigen.
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Re: Religion ohne Gottesbezug?

Beitragvon Skeptiker » Di 12. Jun 2018, 21:34

keinproblem hat geschrieben:(12 Jun 2018, 20:07)
Religion bedeutet soweit ich weiß "Verbinden", da wäre Facebook im weitesten Sinne auch schon eine Religion, wenn man nur vom semantischen Aspekt ausgeht. Ein Forum in dem Atheisten und Agnostiker gemeinschaftlich ihre Werte und Ethikvorstellungen artikulieren können würde ich unterstützen. Das allgemeine Misstrauen vieler Leute gegenüber nicht-religiösen Menschen würde meiner Meinung nach trotzdem nicht signifikant abnehmen, da die meisten die solches Misstrauen gegenüber Atheisten/Agnostikern haben vermutlich nicht so fühlen, weil sie denken, dass sie keine Ethik haben, sondern viel mehr, dass es keinen Unterschied für sie macht ob sie sich daran halten oder nicht. Nach dem Motto, ich verurteile es zwar zu klauen, aber wenn ich trotzdem mal das Bubble Gum mitgehen lasse verrotten meine kalten Überreste genauso 1,80 tief unter der Erde, als wenn ich es gelassen hätte.
Für viele Personen, vermutlich besonders aus bildungsarmem Umfeldern, sind Atheisten im weitesten Sinne wohl so etwas wie Psychopathen, da sie wissen, dass diese keinerlei Furcht vor Konsequenzen ihres Handelns haben (in unserem Fall die Frucht vor Übernatürlichem).

Deswegen bin ich mir über den Sinn einer solchen Religionsgründung nicht ganz schlüssig oder habe es auch falsch verstanden, bin aber generell trotzdem ein Befürworter (solange es humane, menschenfreundliche Formen annimmt, etc pp)


Was Du schreibst ist aus atheistischer Sicht die gruselige Bestätigung religiöser Moralvorstellungen.

Was richtig ist und was falsch ist, das wird jedem Menschen anerzogen. Aus diesem Korsett kommt auch ein Erwachsener Menschen nur widerwillig heraus. Ein Atheist wird normalerweise die gleiche Abneigung dagegen haben z.B. jemanden umzubringen, wie jemand dem seine Religion das verbietet. Es ist aber eine religiöse Spezialität sämtliche dieser anerzogenen Verhaltenweisen und moralischen Wertvorstellung originär ihrer Religiosität zuzuordnen. Dadurch werden automatisch alle anderen Menschen dieser - meist sehr menschlichen - Verhaltensweisen beraubt. Das ist dann die hässliche Fratze der Religiösität - die, welche die Menschen spaltet, diejenige, die Kriege mit äußerster Brutalität möglich macht (siehe Islamismus und deren bestialische Ausprägungen).

Es sind Religiöse und Ideologen, Okkultisten und irrationale Extremisten, die in den letzten Jahrhunderten Leichenberge erzeugt haben. Ich kenne solche Exzesse von Humanisten und Rationalisten in keinster Weise - sie erfüllen nämlich keinen Sinn.

Kleine Provokation am Ende: Vielleicht sind Atheisten ja deshalb die besseren Menschen, weil sie nicht auf Belohnung ihrer religiösen Untaten im Jenseits hoffen. Sie müssen hier auf Erden den Lohn ihrer guten Taten entgegennehmen, in einer Welt in der Religiöse scheinbar nur durch Strafandrohung aus dem Jenseits von Übeltaten abgehalten werden.

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