Abgrenzung Islam/Islamismus

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Teeernte
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Re: Re:

Beitragvon Teeernte » Sa 10. Jun 2017, 06:44

schokoschendrezki hat geschrieben:(09 Jun 2017, 23:12)

Ja, sicher richtig. Ich bin nur einfach skeptisch gegenüber meinen eigenen gepflegten Ressentiments. Ich höre in einem von mir für seriös gehaltenen Sender 9 mal die üblichen Forderungen für eine Distanzierung von Saudi Arabien. Für eine strikte Einstellung aller Waffenverkäufe. Und ich bin genau derselben Meinung. Jetzt kommt einer daher, der sagt, tatsächlich laufen dort gerade ziemlich gravierende gesellschaftliche Veränderungen ab, die nur nicht in adäquatem Maße wahrgenommen werden. Ich bin einfach nicht der Mensch, der das einfach ablehnt, weil es nicht in sein Weltbild passt. Ich bin eher neugierig bzw. lege Wert darauf, mein Weltbild zu modifizieren, wenn es unter Umständen nicht mehr der Realtät entspricht. Ich gehöre nicht zu den wenigen, die tatsächlich dort gewesen sind. Umso neugieriger bin ich auf den Austausch solcher konkreten Eindrücke. Das ist nicht zuletzt einer der Hauptgründe, in einem Forum wie diesem mitzumachen.


Jeppp...10.000 Jahre Rückstand.....davon werden grade 1000 aufgeholt.... :D :D

UN fordert Abschaffung der Todesstrafe für Kinder in Saudi-Arabien
NOZ - Neue Osnabrücker Zeitung-07.10.2016
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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schokoschendrezki
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Re: Re:

Beitragvon schokoschendrezki » Sa 10. Jun 2017, 07:25

Alter Stubentiger hat geschrieben:(09 Jun 2017, 18:33)

Die vielen Prinzen die in den staatlichen Stellen sitzen saugen das Land aus. Wenn es kein Öl mehr gibt dauert es nicht lange und die welche nicht genug im Vofeld geplündert haben sitzen wahrlich auf dem Trockenen. Ein vernünftige Ausbildung hat auch kaum einer. So richtig gefödert wird nur die theologische Ausbildung. Korangelehrte wohin man schaut. Und arbeiten können solche Leute nicht.


Ich bin wahrhaftig kein Freund Saudi Arabiens und habe an anderer Stelle und nur als Beispiel den Milliardenauftrag für siemens eines u-bahn-netzes mit geslchechtergetrennten Waggons kritisiert. Von Waffenlieferungen ganz abgesehen. Wir, Deutschland sind immer auch und automatisch in Kritik an Länder wie Saudi arabien mit einbezogen, wenn wir so unkritisch mit denen Geschäfte machen.

Um nicht gleich wieder eine Abmahnung zu bekommen: Es wird kein Projekt in Saudi Arabien geben, das mit den dort herrschenden religiösen Gebräuchen inkompatibel ist.

Vor kurzem gabs in dradio einen "hintergrund" mit dem Titel: "Die Zeit nach dem Öl". Es ging im wesentlichen um die " King Abdullah Economic City", das Musterprojekt eines Geschäfts- und Logistikzentrums mit einem Tiefsee-Hafen am Roten Meer.

In diesem Land, in dem die Verhältnisse so festgefahren scheinen, ist der Bau von King Abdullah Economic City eine atemberaubende Neuerung. Denn die Stadt soll zeigen, in welche Richtung sich Wirtschaft und Gesellschaft in Saudi-Arabien entwickeln sollen.

Als Motor der Reformen gilt der Sohn von König Salman bin Abdul-Aziz al-Saud, Vize-Kronprinz Mohammed, gerade mal 31. Was der junge Mann vorhat, erklärte er vor einem Jahr in einem Fernsehinterview. Das war außergewöhnlich in einem Land, in dem es keine öffentliche Debatte über Politik gibt.

"Heute beruht unsere Verfassung auf dem Heiligen Buch und auf dem Erdöl. Das ist sehr gefährlich. Im Königreich haben wir eine Art Sucht nach dem Öl. Das verhinderte die Entwicklung anderer Wirtschaftsbereiche in den vergangenen Jahren."


Dieser "Prinz" ist sicher ein Einzelfall. Aber auch ein Einzelfall widerlegt eine allgemeingültig scheinende Regel.

Mir ist klar, dass man solche Aussagen mit Skepsis sehen muss. Immerhin: In KAEC wird nach wie vor geschlechtegetrennt unterrichtet und dürfen Frauen nicht hinterm Steuer sitzen. Aber - anders als sonst im Land - wird geschlechterübergreifend gearbeitet. Keine Selbstverständlichkeit.

http://www.deutschlandfunk.de/saudi-arabien-die-zeit-nach-dem-oel.724.de.html?dram:article_id=384372

Auf der anderen Seite: Klar, die Russen hatten auch mal große Pläne für ein russisches Silicon Valley. Sehr viel ist daraus nicht geworden.
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Re: Abgrenzung Islam/Islamismus

Beitragvon Ger9374 » Sa 10. Jun 2017, 08:35

Ich Stelle den Sinn der Distanzierung vom Islamismus nicht in Frage.Aber wäre mir eine
Grosse gemeinsame Absage führender Geistlicher aller islamischen Glaubensrichtungen wichtiger!
Diese sind die moralisch/religiösen Instanzen der islamischen Welt!!
:thumbup: Es gibt eine Streitkultur, der Hass gehört ganz gewiss nicht dazu :thumbup: :thumbup: :D

Menschen sind Ausländer irgendwo: :thumbup:
Rassisten sind Arschlöcher überall: :thumbup:
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Re: Abgrenzung Islam/Islamismus

Beitragvon Progressiver » Sa 10. Jun 2017, 16:27

Der Islam besitzt, im Unterschied zum Beispiel zum Katholizismus, keine oberste religiöse Instanz. Bei der Auslegung des Islam herrscht, kurz gesagt, Narrenfreiheit. Es gibt zwar traditionelle Schulen, in denen die Hadhite etwas gelten. Aber der Salafismus als die modernste Variante erkennt diesen ganzen "altmodischen" Kram nicht mehr an. Das Ergebnis sieht man zur Zeit vor allem in Syrien und im Irak. Aber diese moderne Art des Islam, die nicht mehr durch Hadithe unterfüttert ist, sondern zurück zu den Wurzeln des Jahres 622 christlicher Zeitrechnung will, hat auch bei uns Anhänger, wie man durch die Terrorattentate sieht. Insofern ist dieser Islam auch nicht zu reformieren. Wenn man etwas brauchbares herstellen wollte, um eine tolerante und zivilisierte offene Gesellschaft herzustellen, dann müsste man zuallererst den Koran, diese Hasspredigt Mohammeds, auf den Müllhaufen werfen.
"Skepsis ist der erste Schritt auf dem Weg zur Philosophie." (Denis Diderot)
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Re: Abgrenzung Islam/Islamismus

Beitragvon Platon » Sa 10. Jun 2017, 17:34

Es gibt eine Vielzahl von Reformern und Erneuerungsbewegungen im Islam, die in den letzten 200 Jahren entstanden sind. Die Salafisten, die Liberalen, die Ahmadiyya. Im Falle der Baha'i ist sogar eine eigene Religion daraus entstanden. Das Problem ist also nicht, dass der Islam in der Moderne nicht reformierbar wäre. Es sind wie gesagt eine Vielzahl an neuen Gruppierungen entstanden. Und selbst die alten Gruppierungen haben sich in einigen Punkten verändert und dem Zeitgeist anpassen müssen, was z.B. die Haltung zur Sklaverei angeht. Sondern das Problem ist, dass sich einfach noch nicht diejenigen durchgesetzt haben, die den Islamkritikern das Wort reden. Im Grunde hat sich noch überhaupt niemand allgemein durchgesetzt, vielmehr haben diese Erneuerungsbewegungen einfach nur die Vielfalt der Denkrichtungen bereichert. Auch die Salafisten sind, was das Vollprogramm ihrer theologischen und juristischen Lehren angeht weit davon entfernt eine dominante Rolle einzunehmen, meinem Eindruck nach.
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Re: Abgrenzung Islam/Islamismus

Beitragvon Platon » Sa 10. Jun 2017, 17:41

Ger9374 hat geschrieben:(10 Jun 2017, 09:35)

Ich Stelle den Sinn der Distanzierung vom Islamismus nicht in Frage.Aber wäre mir eine
Grosse gemeinsame Absage führender Geistlicher aller islamischen Glaubensrichtungen wichtiger!
Diese sind die moralisch/religiösen Instanzen der islamischen Welt!!

Ich glaube nicht, dass führende Gelehrte aus der islamische Welt und die hiesige Öffentlichkeit in der Lage wären sich darauf zu einigen was "Islamismus" eigentlich ist. Daher wird es schon daran scheitern, dass man sich überhaupt nicht darauf verständigen kann worüber man überhaupt miteinander spricht.
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Re: Abgrenzung Islam/Islamismus

Beitragvon jack000 » Sa 10. Jun 2017, 18:35

Platon hat geschrieben:(10 Jun 2017, 18:41)

Ich glaube nicht, dass führende Gelehrte aus der islamische Welt und die hiesige Öffentlichkeit in der Lage wären sich darauf zu einigen was "Islamismus" eigentlich ist. Daher wird es schon daran scheitern, dass man sich überhaupt nicht darauf verständigen kann worüber man überhaupt miteinander spricht.

Das gibt es auch in anderen Religionen keinen Konsenz. Aber man könnte sich darauf einigen, was Islam nicht ist, bzw. nicht sein soll.
Ein Zeichen von Intelligenz ist der stetige Zweifel - Idioten sind sich immer todsicher, egal was sie tun ...

"allzu häufig paart sich im Gemüte, Dämlichkeit mit Herzensgüte" (Wilhelm Busch)

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